Von Ringelnatz und Freundschaft

ABGLANZ

Gaben zwei sich einen Abschiedskuß,
Anscheinend zwei Freundinnen.
Stieg die eine in den Omnibus.
Und der Omnibus fuhr von hinnen.

Die im Omnibus saß mir zugewandt.
Und ich sah, daß in ihrem Gesichte
Noch lange ein liebes Lächeln stand;
Das erzählte eine kleine Geschichte.

(Joachim Ringelnatz, Abglanz, aus: Gedichte dreier Jahre, 1932, Online-Quelle)

 

Alone

Everybody is nice
Or wonderful. –

Daß ich das auch deutsch sagen könnte, weiß
Ich, und behaupte 2 mal 10 ist Null.
Doch was ist jedermann? Und was sind die,
About wir schelten?
Vielleicht sind alle sie
An einer Stelle einzig oder selten.

Freundin, raff deine Röcke übers Knie
Und gehe leise, ohne Melodie
Und nur bei Dunkelheit
Mit mir durch alle Welten.

(Joachim Ringelnatz, Alone, aus: Allerdings, 1928, Online-Quelle)

 

Sieh, ich war so oft allein

Sieh, ich war so oft allein
Und ich lernte gleich den Zweigen,
Gleich dem Stein,
Träume wachen, Worte schweigen.

Denke, daß ich Dichter bin.
Eure Sonne ist nicht meine.
Nimm als Freund mich hin,
Wenn ich dir auch fremd erscheine.

Laß mich lauschen aus der Ferne,
Wenn ihr tanzend schwebt,
Daß auch ich das Schwere lerne:
Wie man narrenglücklich lebt.

Hans Bötticher (Joachim Ringelnatz (Pseudonym ab 1919)), Sieh, ich war so oft allein, aus: Gedichte, 1910, Online-Quelle)


 


Quelle: Pixabay

 


 

Weiß von euch zufällig jemand, wie/ob man bei einzelnen Wörtern innerhalb eines Absatzes (das ist wichtig) die Schriftart verändern kann? Bei dem zweiten Gedicht haben die englischen Wörter im Original eine andere Schriftart, und ich mag nicht glauben, dass das in dem hochgepriesenen, ach so flexiblen neuen Editor nicht geht.

Neue Woche, neues Glück? Ich hoffe doch sehr. Kommt gut, heil und heiter in und durch die neue Woche!

 

 

 

Von Schnee und Eis

Wenn es Winter wird

Der See hat eine Haut bekommen,
so daß man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.

Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher – titscher – titscher – dirr …
Heißa, du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen –
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.

Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.

Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wieder holen.

(Christian Morgenstern, Wenn es Winter wird, aus: Klein Irmchen, 1921, Online-Quelle)

 

Vom Büblein auf dem Eis

Gefroren hat es heuer noch gar kein festes Eis.
Das Büblein steht am Weiher und spricht so zu sich leis:
»Ich will es einmal wagen,
Das Eis, es muß doch tragen.« –
Wer weiß?

Das Büblein stampft und hacket mit seinem Stiefelein.
Das Eis auf einmal knacket, und krach! schon bricht’s hinein.
Das Büblein platscht und krabbelt
Als wie ein Krebs und zappelt
Mit Schrein.

»O helft, ich muß versinken in lauter Eis und Schnee!
O helft, ich muß ertrinken im tiefen, tiefen See!«
Wär nicht ein Mann gekommen,
Der sich ein Herz genommen,
O weh!

Der packt es bei dem Schopfe und zieht es dann heraus:
Vom Fuße bis zum Kopfe wie eine Wassermaus.
Das Büblein hat getropfet,
Der Vater hat’s geklopfet
Zu Haus.

(Friedrich Güll, Vom Büblein auf dem Eis, 1827, aus: Mütterchen, erzähl uns was!, 1894, Online-Quelle)

 

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mitten drin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hats niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

(Christian Morgenstern, Die drei Spatzen, aus: Klein Irmchen, 1921, Online-Quelle)


 


Quelle: Pixabay

 


Einen Teil der letzten Woche und vor allem das vergangene Wochenende hat mich das Sturmtief »Elli« sehr beschäftigt. Hamburg hatte Schnee in nennenswertem Ausmaß, und der Besuch des Winters ist hier so selten, dass die Schlitten in den Läden ausverkauft waren, weil so viele Eltern mit ihren Kids, die noch nie Schnee gesehen hatten, zum Schlittenfahren wollten. Ja, das geht auch hier in der Stadt in diversen Parks – aber vernünftige Hänge sind ja immer so eine Sache, wenn man nicht gerade in den Bergen oder in einem Mittelgebirge lebt.

Da es jetzt ein paar Tage nicht nur nachts ziemlich kalt bis noch kälter war, wird der Ruf nach dem Alstereisvergnügen lauter (nein, noch lange nicht, aber die Wasserflächen haben erste dünne »Häute« bekommen, die nichts und niemanden außer Vögeln tragen), und daher habe ich Karins Anregung aus den Kommentaren aufgegriffen und noch einmal das »Büblein auf dem Eis« gepostet und, weil es so schön ist und zu den Gedichten gehört, die ich als Kind auswendig lernen durfte, Morgensterns Spatzen-Gedicht. Es ist kalt, wirklich, und mir tut jeder leid, der draußen sein muss (und nicht will).

Hatte ich erwähnt, dass es wunderschön aussieht, nach wie vor?

Kommt gut und warm und heil und heiter in und durch die neue Woche!

 

 

 

 

Vom Schnee (3)

Im Schneegestöber

Schneewehen! Verdrossenen Blickes seht ihr nur Flocken;
aber meine Augen werden groß und frohlocken:
Rudel milchweißer Pferde —
Mit wehendem Schweif und wallender Mähne,
die elfenbeinernen Zähne
bleckend zum Freudengeschrei,
jagen sie, rasen sie über die Erde.
Stiebend! Vorbei!

(Fridolin Hofer (Wikipedia), Im Schneegestöber, aus: Daheim. Neue Gedichte, 1918/1924, Online-Quelle)

 

Winternacht

Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt,
Still und blendend lag der weiße Schnee.
Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt,
Keine Welle schlug im starren See.

Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf,
Bis sein Wipfel in dem Eis gefror;
An den Ästen klomm die Nix herauf,
Schaute durch das grüne Eis empor.

Auf dem dünnen Glase stand ich da,
Das die schwarze Tiefe von mir schied;
Dicht ich unter meinen Füßen sah
Ihre weiße Schönheit Glied um Glied.

Mit ersticktem Jammer tastet’ sie
An der harten Decke her und hin,
Ich vergeß’ das dunkle Antlitz nie,
Immer, immer liegt es mir im Sinn!

(Gottfried Keller, Winternacht, aus: Gesammelte Gedichte, 1851/54, Online-Quelle)

 

Schnee

Fällt um dunkle Bäume weich der Schnee,
Lange sacht, dann aufgewirbelt, jäh.

Hüllt den Tag in dämmerndes Gewühl,
Breitet auf die Erde Pfühl um Pfühl.

Wandert einer, und er sieht den Flaum;
Denkt er: weiches Bette, weiter Raum!

Wandert einer und er weiss kein Dach,
Denkt: hier fände ich ein Wohngemach!

Ist wie zugehangen rings die Welt,
Schiebt sich eng zusammen wie ein Zelt.

Busch und Bäume stehen unbewegt
Und von Einsamkeit wie eingehegt.

(Hedwig Lachmann, Schnee, aus: Gesammelte Gedichte, 1919, Online-Quelle)

 


 


Quelle: Pixabay

 

Wenn ich mir den Keller so durchlese: Ich sollte bald mal wieder einen Balladentag ausrufen, oder? Habt ihr Lust?

In Hamburg schneit es seit Freitag mehr oder weniger ausgiebig. Mit großer Freude bricht der Verkehr zusammen und der Winterdienst holt Kollegen von der Müllabfuhr dazu: Wenn sie einmal durch sind mit der Räumung, können sie wieder von vorn anfangen, weil schon wieder alles zugeschneit oder -gefroren ist. Winter halt.

Es war dieses Wochenende aber wirklich mehr als hamburgüblich, und im Radio wurde schon spekuliert, ob es eventuell so lange frieren könnte, dass die Alster komplett zufriert und für die Öffentlichkeit freigegeben werden könnte. So normal (für Hamburger) die Frage ist, so unwahrscheinlich ist zurzeit die Umsetzung: Das Eis muss überall mindestens durchschnittlich 20 cm dick sein und dazu gehört tagelanger strenger Frost (unter -10 °C), und der ist (zum Glück, brrrrrrr) momentan nicht in Sicht. Das letzte sogenannte Alstereisvergnügen war 2012, und ich sage euch, das steht vom Rummel her in einer Reihe mit den Großereignissen wie dem Hafengeburtstag, ist also kein ungetrübtes Vergnügen.

Ich hoffe, euch geht es gut und ihr habt es warm – auch das ist nicht überall eine Selbstverständlichkeit.

Kommt gut in die neue Woche und bleibt/werdet gesund und heiter!

 

 

 

 

 

Schreibeinladung für Januar 2026 | Wortspende von Irgendwas ist immer

Frohes neues Jahr, liebe Etüdenfans, -schreiber:innen und -leser:innen. Und willkommen im Etüdenjahr 2026! Ich hoffe, es geht euch gut – ich habe es geschafft, mich über Weihnachten und zwischen den Jahren so weitgehend von Computern und Displays fernzuhalten und dafür überwiegend angenehme Dinge mit überwiegend sehr netten Menschen zu tun, dass ich mich erstaunlicherweise ziemlich erholt fühle. Wäre schön, wenn der Zustand noch ein paar Monate anhalten könnte, aber irgendwas ist ja immer – ich glaube nicht daran.

Möge es also ein gutes neues Jahr werden, möge es sich uns allen gewogen zeigen. Nach wie vor besteht kein Mangel an Um- und Zuständen, die sich positiv verändern könnten, eher im Gegenteil. Also bleibt eigentlich nur, es im eigenen Umfeld besser zu machen und sich zu wünschen, dass andere es auch tun – und dazu beizutragen, wenn es irgendwie geht.
Die Wirkung von Freundlichkeit wird dieser Tage unterschätzt.


Mich interessiert immer, wie die Adventüden 2025 »performt« haben, also beginne ich mit der Statistik. Nachfolgend die (meist geklickten) Top-5-Etüden, die Top Fifteen könnt ihr dem Bild unten entnehmen. Ich fand das Ergebnis einigermaßen überraschend, auch, dass Platz 1 und 2 so eng beieinanderliegen. Aber auch die Plätze 3 bis 5 nehmen sich nicht viel.

 

11.12. – Familienchronik, Rubrik Familientreffen            165

12.12. – Geheimnis im Eis            163

13.12. – Das Geheimnis            146

17.12. – Ausblick            145

19.12. – Frau Mustermann macht Ferien            141

 

Glückwunsch und Kamelle (na gut, bisschen früh) an Cynthia, Myriade, Judith, Nina und Doro! 😀

 

 

Screenshot Statistik Adventüden 2025 Plätze 01–15 | 365tageasatzaday

Quelle: Blogstatistik WP letzte 90 Tage, gezogen am 03.01.2026, anklicken macht groß!

 


 

Die erste Wortspende für das neue Jahr stammt dieses Mal von mir. Für mich ist der Start des neuen Jahres oft noch eine Zeit, in der ich Überlegungen anstelle und Entscheidungen treffe, was das neue Jahr mir bringen soll und was ich dafür zu tun bereit bin. Natürlich kann man mit guten Vorsätzen an jedem Tag des Jahres beginnen, sie umsetzen muss man ja auch, wenn man was auch immer durchhalten will, aber auch ich bin so konditioniert, dass ich mir um den Jahreswechsel herum mehr Gedanken darüber mache als sonst.

Weil ich von einigen danach gefragt worden bin: Nein, ich will keine neue Katze, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. Ich habe immer noch mittelheftigen bis schweren Katzenjammer, tröste mich mit süßen YT-Katzenvideos und schmelze bei kätzischen Kulleraugen dahin, aber prinzipiell bin ich nicht unglücklich darüber, dass ich mir keine Sorgen mehr um das Wohlergehen meines tierischen Mitbewohners machen muss. Silvester war ich froh, dass er von der Knallerei verschont geblieben ist. Und außerdem hängt wie eh und je mein Katzenkalender an der Wand und wird von mir angehimmelt.
Kann sich alles wieder ändern, klar, aber ich ändere mich ja auch.

Die Wortspende für Januar 2025 kommt also von von mir, Christiane, und meinem Blog Irgendwas ist immer. Sie lautet:

Gewohnheitstier
absichtlich
einsetzen.

 

An dieser Stelle weise ich wie üblich gewohnheitsmäßig darauf hin, dass der obligatorische Etüden-Disclaimer lautet: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern | keine KI-generierten Texte! »KI-generiert« bedeutet übrigens auch, einen Text generieren zu lassen und ihn hinterher zu überarbeiten. Ich kann das nicht kontrollieren, klar, aber ich zähle auf eure Ehrlichkeit.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift gehören NICHT zum Text. Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.
Die Illustration, für die ich Katha nach wie vor danke, unterliegt meinem Copyright und darf von jedem:jeder verwendet werden, der:die sich mit einem eigenen Beitrag an den Etüden beteiligt. Ich behalte mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig – ich darf das sowieso, weil es mein Blog ist, aber ich weise sicherheitshalber darauf hin. Wer die Illustration herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen, ansonsten fragt einfach, wenn ihr euch nicht durchquälen wollt.

Weiter geht es mit den regulären Etüden am ersten Sonntag im Februar 2026, das ist der 1. Februar 2026.

Danke, dass ihr hier seid und die Etüdenbegeisterten bereichert, ich freue mich auf die neue Runde. Euch wie immer weiterhin ein schönes Wochenende, gute Einfälle und einen ergiebigen Schreibmonat!


 

abc.etüden 2026 januar | 365tageasatzaday

Quelle: Katharina Kanzan, Bearbeitung von mir

 

 

 

 

Frohes Neues!

Ihr Lieben,

nachdem ich mich weitgehend aus der Rutscht-gut-rüber- und So-war-mein-Jahr-Runde rausgehalten habe (ich bin nicht so der Typ dafür, das Einzige, was mich immer interessiert, ist »Meine Bücher des Jahres«, aber ich lege selbst keine Listen an), möchte ich doch bei dem allgemeinen und besonderen HAPPY-NEW-YEAR-Geschrei einstimmen.

Und zwar mit zwei Gedichten und gleich zwei frischen Fotos (selten mittags so schönen Nebel gesehen).

 

Mein Neujahrswunsch

Was ich erwünsche vom neuen Jahre?
Daß ich die Wurzel der Kraft mir wahre,
Festzustehen im Grund der Erden,
Nicht zu lockern und morsch zu werden,
Mit den frisch ergrünenden Blättern
Wieder zu trotzen Wind und Wettern,
Mag es ächzen und mag es krachen,
Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,
So in Regen wie Sonnenschein
Freunden ein Baum des Lebens zu sein.

(Karl Henckell, Mein Neujahrswunsch, aus: Buch des Kampfes, 1921, Online-Quelle)


 

Skulptur "Tänzerin" im Hamburger Jenischpark an einem Nebeltag

Quelle: ichmeinerselbst, anklicken vergrößert

 

Ort des Geschehens: Hamburger Jenischpark, hinterer Teil beim Ernst Barlach Haus, die Skulptur trägt den Namen »Die Tänzerin« und stammt von Ludolf Albrecht. Zeit: zwischen den Jahren, Sonntagmittag. Handypics, kaum bearbeitet.

 

Nun ist das Licht im Steigen

Nun ist das Licht im Steigen,
Es geht ins neue Jahr.
Laß deinen Muth nicht neigen,
Es bleibt nicht, wie es war.
So schwer zu sein, ist eigen
Im Anfang immerdar,
Am Ende wird sich’s zeigen,
Wozu das Ganze war.
Nicht zage gleich dem Feigen
Und klag’ in der Gefahr!
Schwing auf zum Sonnenreigen
Dich schweigend wie der Aar!
Und wenn du kannst nicht schweigen,
So klage schön und klar!

(Friedrich Rückert, Nun ist das Licht im Steigen, aus: Kindertodtenlieder, 1834, Online-Quelle)

 


 

Silhouetten im Hamburger Jenischpark an einem Nebeltag

Quelle: ichmeinerselbst, anklicken vergrößert

 

 

 Ich hoffe, ihr seid alle sanft und heiter ins neue Jahr gekommen. Möge es ein gutes für uns alle werden, in jeglicher Hinsicht, und mögen, sollte der Herrgott wirklich mal Hirn vom Himmel schmeißen, sich nicht immer die gefühlt Falschen ducken! 😉

 

 

 

Weihnachtspause

Liebe Mitlesende und Adventüdenschreiber:innen, wir sind schon wieder am Ende angelangt: Alle Adventüden sind ins Rampenlicht getreten, alle haben Begeisterung, Freude, Erinnerungen und Diskussionen ausgelöst, haben zu Gelächter und Nachdenken, Hoffnung und Staunen eingeladen und gipfeln hoffentlich bei allen von euch in entspannten, friedlichen Feiertagen ❤ ohne Zank oder Leid.

Und weil vielleicht viele in der Adventszeit nicht dazu gekommen sind, gibt es jetzt hier noch mal die komplette Liste zum Nachlesen. Viel Freude beim Stöbern!

 

30        In vier Etappen zum Weihnachtsgefühl (Heide, puzzle ❀)
01        Die schwarzen Raben (Erik, Bloggeschichten)
02        Bilderrätsel (Donka, OnlyBatsCanHang)
03        Overdressed (Sabine, Verbalkanone)
04        Die Trödlers (Liyah, Schreibenblog)
05        Weihnachten ohne Spitzbuben (Heidi, Erinnerungswerkstatt)
06        An der Nordseeküste … (Ulrike, Blaupause7)
07        Vorstellungen (Tanja, Stachelbeermond)
08        Glanzlos (Sabine, wortgeflumselkritzelkram)
09        C+M+B VII (Werner, Mit Worten Gedanken horten)
10        Vielleicht wird alles gut (Bettina, wortgerinnsel)
11        Familienchronik, Rubrik Familientreffen (Cynthia, Querfühlerin)
12        Geheimnis im Eis (Myriade, La parole a été donnée …)
13        Das Geheimnis (Judith, Mutiger leben)
14        Klingt nach einem Plan (Christiane, Irgendwas ist immer)
15        Ganz normal (Jessy, Schreibenblog)
16        Weihnachtsfreie Zone (Katha, Katha kritzelt)
17        Ausblick (Nina Bodenlosz, Das Bodenlosz-Archiv)
18        Auf nach Gimli (Stepnwolf, Weltall. Erde. Mensch…und Ich.)
19        Frau Mustermann macht Ferien (Doro, Bildermachen)
20        Nur eine Umarmung entfernt (Claudia, Der Keks und seine Krümel)
21        Any Christmas (Royal Schwabe, Royal Schwabe)
22        Gefährliches Terrain (B., Private Promenade)
23        Alle Jahre wieder (Tanja, Stachelbeermond)
24        Vom Himmel hoch (Natalie, Fundevogelnest)

 


 

Ich danke euch allen, die ihr Teil der Adventüden wart, aktiv oder passiv, als Schreiber:innen, Kommentator:innen, Leser:innen und Liker:innen. 😉 Schön, dass ihr da wart, für euch, für mich, für uns alle passiert das hier, für ein bisschen Zuckerguss in der Vorweihnachtszeit – aber eben auch nicht nur. Und danke an euch, dass ihr die Arbeit seht, die dahintersteckt.

Das reguläre Etüdengeschäft startet wie angekündigt wieder am 4. Januar 2026, ich bin schon gespannt.

Mein Blog schlappt jetzt in den Feiertagsmodus und ich mit ihm: Ich schließe ihn nicht, aber ich lasse ihn liegen, bis ich Lust habe, mich darum zu kümmern … ich habe endlich mal wirklich Urlaub zwischen den Jahren und ein großes Verlangen nach »Entschleunigung«, gutem Essen, Nichtstun, Nichts-Müssen, Spaziergängen, Wärme, Couch und diversen Büchern und, und, und.

Kommt gut und gesund an Körper und Seele und gemütlich durch diese Tage, mögen sie bei euch stressarm und heiter ausfallen, und passt auf euch und eure Liebsten (Menschen und Tiere) gut auf.

 


 

Adventüden 2025 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 


 

Es ist keine große Überraschung, dass man in diesem Jahr im Netz ganz oft auf »Carol of the Bells« stößt – die Sehnsucht nach Frieden ist groß. Das Lied ist »ein beliebtes Weihnachtslied, das auf dem ukrainischen Neujahrslied ›Shchedryk‹ basiert. Die Musik für das Weihnachtslied stammt aus dem Lied, das der ukrainische Komponist Mykola Leontovych zwischen 1901 und 1919 geschrieben und arrangiert hat. Der englische Text wurde 1936 vom amerikanischen Komponisten Peter Wilhousky geschrieben« (Quelle: Wikipedia (englisch), deutsche Übersetzung mit deepl von mir) und hat mit dem ursprünglichen Lied nicht viel zu tun. Zu dem ukrainischen Neujahrslied gibt es hier bei Wikipedia (deutsch) viele Infos.

Ich habe euch die instrumentale Umsetzung von Safri Duo herausgesucht, die mich fasziniert, es gibt aber auch hier (Link zu YouTube) eine überaus emotionale Umsetzung mit vielen Mitwirkenden, open air in Paris, die vermutlich die eine oder der andere von euch schon kennt.

 

 

Habt eine wunderbare Zeit!

 

 

 

24.12. – Vom Himmel hoch | Adventüden

Schau doch einfach mal, wie schön das ist!«

Grün wallt Nordlicht zum Auftakt der Magischen Reise durch die Polarnacht, nur Rumpelquietsch, die verfressene Koboldin, hat nichts Besseres zu tun, als ein Zierkissen zu zernagen, das irgendjemand da unten heiß ersehnt.
Das Kissen zerfleddert rettungslos. Ziegenbart, der über vierhundertjährige Weihnachtswichtel und Kutscher des Fliegenden Schlittens, beschließt, sich nicht weiter aufzuregen, sein kleiner Abstecher steht unmittelbar bevor, da sollte der Chef nicht in seine Richtung schauen. Egal, wie die Zeit sich während der Magischen Reise dehnt, Extratouren beim Bescheren sieht der Weihnachtsmann nicht gern, zum Glück ist er schwer beschäftigt.

Rumpelquietsch hingegen entgeht nichts.

»Nicht petzen, bin gleich wieder da.«

»Miiit!«

Sie lässt ihm keine Wahl. »Aber wirklich nicht petzen. Erinnerst du dich an Kati, der ihre Mutter das Musizieren verbot? Sie schlug sie für den ›Lärm‹, der ihren neuen Freund störte.«

Rumpelquietsch faucht, sie erinnert sich. Wenn der Chef wüsste, wie sie beide dieses Weib das Fürchten gelehrt haben. Oh, das hätte Ärger gegeben, die Crew ist schließlich für die erfreulichen Seiten von Weihnachten da.

 

Drei Mädchen blasen vor einer kleinen Barockkirche Posaune. Kati sieht sie nicht, aber Ziegenbart erspäht Katis Mutter in der Zuschauermenge, einen Hauch Stolz im Gesicht. Ihm wird warm, von wegen Einmischen schadet nur, er will gehen. Doch nun weigert sich Rumpelquietsch, krallt sich ins zertrampelte Gras, kreischt: »Hierbleiben. Musik. Hierbleiben.«
Gut, dass er nicht nur Rentierleckerli, sondern auch eine Dose frisch gebackener Spitzbuben eingepackt hat, die machen dem verflixten Kobold Beine, ehe der Weihnachtsmann etwas bemerkt.

Bald schon endet die Magische Reise. Unter Nordlicht und zu Posaunenklang sausen die Rentiere heim. Posaunenklang? Ziegenbart stutzt, er träumt nicht. Es ist Rumpelquietsch, ganz ohne Instrument, keinen Keks im Maul, bläst sie »Vom Himmel hoch«, dass die himmlischen Heerscharen vor Neid erblassen.

Der Chef schaut misstrauisch, sagt aber nichts.

 


Autor*in: Natalie                    Blog: Fundevogelnest


Wie jedes Jahr kann es sein, dass Natalie heute arbeitet und daher keine Zeit hat, sich zeitnah um Kommentare und gute Wünsche zu kümmern. Wundert euch also nicht, sie wird ganz sicher vorbeischauen, wenn es bei ihr passt.


Adventüden 2025 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 


 

Allgemeines nicht nur zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Dschungel, Familientreffen, Glitzerinfusion, Gummistiefel, Konsumtempel, Liebestöter, Menschenverstand, Mutter, Nordlicht, Posaune, Schneeschaufel, Sekundenkleber, Spitzbuben, Zierkissen, Zoo.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2025, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

 

23.12. – Alle Jahre wieder | Adventüden

Frau Möllendiek fühlt sich einsam. Der Dezember ist ein schwieriger Monat, die Konsumtempel sind voll, ihr Alltag ist leer. Sie schlägt etwas fester als notwendig auf das Zierkissen, als es an der Tür klingelt. Draußen wird sie mit Lärm empfangen. Es ist die Ökofrau, und sie bläst auf einer … Posaune?

Die Ökofrau lässt die Posaune sinken. »Was? Ich übe noch!«

»Das hört man.«

»Haben Sie’s erkannt? Das war ›Alle Jahre wieder‹!«

Frau Möllendiek schüttelt den Kopf. Sie hat nur schreckliche, schräge Töne gehört.

Die Ökofrau seufzt. »Kann ich Asyl bei Ihnen bekommen? Meine Mitbewohner haben mich rausgeworfen.«

Das kann Frau Möllendiek sich vorstellen. »Sie wollen aber nicht Posaune bei mir üben, oder?«

Die Ökofrau sieht aus, als ob sie sehr wohl Posaune bei ihr üben wolle, aber sie schwenkt elastisch um. »Wir können ja mit einem Kaffee anfangen.«

Frau Möllendiek schwankt, dann fällt ihr ein, dass sie sich gerade noch einsam gefühlt hat. »Meinetwegen, kommen Sie rein.«

»Danke. Wissen Sie, ich finde Posaunen toll. Und jetzt habe ich endlich den Dreh rausgekriegt, aber ich kann nirgendwo üben! Es ist schrecklich!« Sie legt das Instrument liebevoll auf das Sofa.

»Soso«, murmelt Frau Möllendiek, setzt Kaffee auf und holt den Lebkuchenschnaps.

»Ich möchte im Posaunenchor spielen, aber so geht das noch nicht.« Die Ökofrau lässt sich auf das Sofa fallen und zerquetscht das sorgfältig arrangierte Zierkissen.

»Aha«, sagt Frau Möllendiek, dann gibt sie sich einen Ruck und verschwindet ins Schlafzimmer.

»Sie quietscht noch«, ruft die Ökofrau ihr hinterher, »aber die in den YouTube-Tutorials sagen, das gibt sich!« Dann verstummt sie, weil Frau Möllendiek einen Posaunenkoffer auf den Wohnzimmertisch legt, eine gepflegte Posaune hervorholt und locker »Alle Jahre wieder« spielt, ganz ohne schräge Töne. Die Ökofrau ist sprachlos.

Frau Möllendiek lächelt. »Wollen wir?«, fragt sie. Sie hat sich selten besser gefühlt.

 


Autor*in: Tanja                    Blog: Stachelbeermond


 

 

Adventüden 2025 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

Allgemeines nicht nur zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Dschungel, Familientreffen, Glitzerinfusion, Gummistiefel, Konsumtempel, Liebestöter, Menschenverstand, Mutter, Nordlicht, Posaune, Schneeschaufel, Sekundenkleber, Spitzbuben, Zierkissen, Zoo.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2025, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

22.12. – Gefährliches Terrain | Adventüden

Aufgeregt waren beide, denn jedes Jahr wurde ihre Liebe auf eine harte Probe gestellt. Beide beteuerten vorher überzeugend, dass sie sich selbstverständlich tief und innig liebten, egal, wie der Tag ausgehen würde. Zudem versprachen sie sich aufrichtig, nicht enttäuscht zu sein und den guten Willen des anderen anzuerkennen. Denn natürlich war er regelmäßig beleidigt gewesen, da sie mit ihrem Geschenk seiner Meinung nach unterschwellig suggerierte, dass er keinerlei Geschmack besäße. Sie wiederum warf ihm vor, dass er sie auf ein Lustobjekt reduziere und die Geschenke respektlos seien.

»Frohe Weihnachten, Liebling.« Sie überreichte ihm ein liebevoll verpacktes Geschenk. Hoffentlich gefällt es ihm diesmal. Irgendjemand muss sich ja um sein Äußeres kümmern.

»Herzlichen Dank, mein Schatz.« Er betrachtete das Geschenk. Jetzt bloß nichts verkehrt machen. Egal, was es ist, ich werde dankbar lächeln. »Ich habe auch etwas für dich.« Er überreichte ihr lächelnd eine kleine viereckige Schachtel mit einer großen Schleife darauf. Also, wenn das diesmal wieder nicht richtig ist, gebe ich auf.

Sie wiederum war zwar neugierig, aber betont zurückhaltend. Beruhigend ist schon einmal, dass es von der Größe her nicht nach einem Liebestöter aussieht. (Den Push-up-BH hatte sie ihm immer noch nicht verziehen.)

Er zögerte, denn er wusste, dass er sich augenblicklich auf gefährliches Terrain begeben würde. Schade, keine Gummistiefel. Wie oft habe ich die in den letzten Wochen erwähnt. Immerhin habe ICH bei der Wahl diesmal meinen gesunden Menschenverstand eingesetzt. Ich kann nur hoffen, sie auch.

Doch plötzlich wusste er, was zu tun war. »Was hältst du davon, wenn wir die Geschenke erst nach Weihnachten auspacken?«

»Geniale Idee! Und nächstes Weihnachten verreisen wir!« Endlich hatte er es kapiert.

»In den Dschungel!« Endlich hatte sie es kapiert.

Ihr Lächeln verschwand. Das werden wir ja noch sehen!

 


Autor*in: Barbara                    Blog: Private Promenade (privat)


 

 

Adventüden 2025 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 


 

Allgemeines nicht nur zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Dschungel, Familientreffen, Glitzerinfusion, Gummistiefel, Konsumtempel, Liebestöter, Menschenverstand, Mutter, Nordlicht, Posaune, Schneeschaufel, Sekundenkleber, Spitzbuben, Zierkissen, Zoo.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2025, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

 

21.12. – Any Christmas | Adventüden

Der Schwabe stellt ein letztes Mal das Mic an vor dem Fest
Klartext, bevor ihr wieder durch den Weihnachts-Dschungel hetzt
oder fürs Familientreffen eure Krallen wetzt, Perlen versetzt
und das auch noch für Dudes und Ladys, die ihr kaum mehr kennt
so wie ein Zwangskorso der Liebe, der ans Pflichtbewusstsein grenzt
es ist nicht grad geheim, Weihnachten kann stressig sein
von Hamburg bis zur Insel Mainau schaut dann jeder düster drein
man ist nicht gern allein und trotzdem viel zu schnell am End mit dem Latein

Drei Geister, ein Glühwein – und keiner rettet dich
die Zeit bleibt stehen, aber kein Wunder in Sicht
Und doch: Du atmest. Du stehst. Du bist.
Schenk dir selbst das, was du heute vermisst

Ein Nordlicht am Fenster, aus Lamettaflechten und Lichterketten
und kurz sieht es so aus, als wär die Welt noch zu retten
doch der Stuhl bleibt leer, auf dem Dad früher saß
und aus Spaß an der Sache alle Spitzbuben fraß
Die Glitzerinfusion macht das Leere nicht wett
für Mutter wars Fest dann nur noch Russisch Roulette
eigentlich nett, sagte sie, immer adrett
doch häufig hörte ich ihr Weinen im Bett

Drei Geister, ein Glühwein – und keiner rettet dich
die Zeit bleibt stehen, aber kein Wunder in Sicht
Und doch: Du atmest. Du stehst. Du bist.
Schenk dir selbst das, was du heute vermisst

Trotz alledem liegt irgendwo im Fest auch Trost für uns bereit
in jedem Lied ein Stück Vergangenheit und Zärtlichkeit
denn zwischen Absacker und Lichtkettenmassaker
seht ihr euch an und das reicht auch schon
ihr brauchtet noch nie einen künstlichen Ton
wart nie perfekt, aber immerhin vereint
habt es immer gut mit euch gemeint
das ist es, was mir wichtig scheint …

Frohes Fest euch da draußen und auch wenn sich’s nicht reimt:
Merry Christmas, Feliz Navidad und Joyeux Noël

 


Autor*in: Royal Schwabe                    Blog: RoyalSchwabe


 

Ihr werdet euch vielleicht erinnern: Zwischen Ostern und der Sommerpause ist der Royale Schwabe kometenartig durch die Blogs geschossen und hat uns mit Etüden und Songs verzückt. Ich meine: Wie geil ist das denn bitte, Deutsch-Rap bei den Etüden? Okay, nicht so ganz meine Musik, zugegeben, ich bin mindestens die Generation davor, aber ich habe das gefeiert ohne Ende. Und nachdem er zugesagt hatte, eine Adventüde zu schreiben, war ich mehr als happy, als sie mit einem Link zu Musik eintraf.
Aber dann ist offenbar das Leben passiert … sein Blog ist seit Ende August verwaist, sein YT-Account wird auch nicht gerade häufig gefüttert und auf meine Termin-Mail kam keine Reaktion. Tja. Schade. Sehr schade.

Das bedeutet aber nicht, dass ich euch den Link vorenthalten werde, denn die Musik macht den Text erst rund – und ich finde, das Ding hat Ohrwurmcharakter. Enjoy – und zeigt ihm, dass wir ihn nicht vergessen haben!


 

 

 

 

Adventüden 2025 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 


 

Allgemeines nicht nur zum Thema Inhaltshinweise/CN/Triggerwarnungen in den Adventüden bitte hier lesen.

Nachdem viele Teilnehmer*innen und Leser*innen das Fetten der vorgegebenen Wörter als störend empfunden haben, wurde darauf verzichtet. In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Dschungel, Familientreffen, Glitzerinfusion, Gummistiefel, Konsumtempel, Liebestöter, Menschenverstand, Mutter, Nordlicht, Posaune, Schneeschaufel, Sekundenkleber, Spitzbuben, Zierkissen, Zoo.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2025, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

 

20.12. – Nur eine Umarmung entfernt | Adventüden

Ihr Entschluss stand fest: Dieses Jahr würde sie das Familientreffen nicht virtuell, sondern persönlich stattfinden lassen. Ein unerhörter Gedanke!

Spätestens seit der letzten Pandemie von 2045, als sie alle fast ein Jahr im Lockdown verbracht hatten, ging kaum noch jemand aus dem Haus. Die neuen VR-Brillen waren so leicht und angenehm zu tragen, dass man sie kaum noch spürte. Zusätzlich fand sich in fast jedem Haushalt mindestens ein Senso-Chair, der mit seinen Sensoren in den Polstern das Gefühl von realem Erlebnis vermittelte. Dies alles hatte dazu geführt, dass sie ihre Familie seit fünf Jahren nicht mehr persönlich getroffen hatte.

Würden ihre Verwandten diese Idee genauso gut finden wie sie? Ihre Mutter und ihr Vater, die nicht müde wurden zu betonen, wie angenehm das Leben jetzt war, in dem alles für den täglichen Bedarf mit Drohnen geliefert wurde und Bekannte, Freunde und Familie nur einen Wimpernschlag hinter der VR-Brille entfernt waren? Ihre Nichte, die seit zwei Jahren einen neuen Freund hatte, der sich ohne die Simultan-Übersetzungsfunktion im virtuellen Raum gar nicht verständigen konnte? Und ihre Geschwister mit ihren Familien, die mit jedem Anruf Credits bei der Kommunikationsgesellschaft sammelten, um sich ein Upgrade für ihren nächsten virtuellen Urlaub leisten zu können? Würden sie dies alles für eine Umarmung, eine Berührung, ein gemeinschaftliches Erlebnis aufgeben?

Bevor sie weiter darüber nachgrübeln konnte, tippte sie eine kurze, hoffentlich unmissverständliche Einladung in den Familienchat.

Einige Wochen später stand sie am Fenster und blickte hinaus auf die Straße. In ihrer Wohnung roch es nach selbst gebackenen Keksen, am Adventskranz brannten drei Kerzen und die weihnachtlichen Zierkissen lagen an ihrem Platz. Als der erste Wagen vorfuhr, machte ihr Herz vor Freude einen Satz. Das Gefühl, als sie schließlich nach all den Jahren ihre Mutter umarmte, war unbeschreiblich. Wie hatte sie nur so lange darauf verzichten können?


Autor*in: Claudia                    Blog: Der Keks und seine Krümel


 

Adventüden 2025 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 

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Dschungel, Familientreffen, Glitzerinfusion, Gummistiefel, Konsumtempel, Liebestöter, Menschenverstand, Mutter, Nordlicht, Posaune, Schneeschaufel, Sekundenkleber, Spitzbuben, Zierkissen, Zoo.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2025, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

 

19.12. – Frau Mustermann macht Ferien | Adventüden

Summend zieht Erika die Kleider von den Bügeln. Diese fliegen quer durch das Zimmer und landen mal auf dem Bett, mal davor auf dem Boden. Sie packt ihren Koffer in Windeseile. Gerade als sie ihn schließen will, fällt Erika auf, dass nichts von den Kleidern zu ihrem Ziel passen wird. Sie lässt den Koffer offen auf dem Bett zurück.

Genauso finden ihn die erwachsenen Kinder vor, als ein paar Tage später das übliche Familientreffen zu Weihnachten ansteht. Die Älteste bringt die Kinder mit, lässt aber den Mann zu Hause. Der Zweitgeborene jammert gleich: »Und wer macht mir jetzt meinen Lieblingsbraten?« Ratlos sehen sie sich an. Die Jüngste, die später als die Großen eintrudelt, weil sie keine Lust auf das Familientamtam bei der Mutter hat, feixt spöttisch und kann die Sorgen der Geschwister nicht nachvollziehen. Sie verzieht sich aufs Sofa, während die anderen noch auf Spurensuche gehen. Selbst der Blick in den Kühlschrank in der Hoffnung auf etwas Vorbereitetes wird enttäuscht. »Sie ist weg!«, stellen sie fest. Die Jüngste fächert sich mit einem Papier besserwisserisch lächelnd Luft zu. Auf dem Papier steht: »Hab euch alle lieb, muss einfach mal raus! Mama«

Erika hat sich nach dem Kofferdesaster die große Handtasche geschnappt. Es passt alles rein, was sie braucht. Seit sie von Max getrennt ist, hat sie sich nicht mehr so leicht und frei gefühlt. Raus aus dem Nullachtfünfzehn. Jetzt ist sie an der Reihe.

Erika fällt Otto am Flughafen um den Hals. Sie küssen sich wie zwei verliebte Teenager. Dann schlendern sie durch die Boutiquen bis zum Abflug. Im Dschungel der Kleidungsstücke wird sie fündig. Die verzückten Augen von Otto lassen Erika die alte Hülle ablegen. Kein Blick zurück, als das Flugzeug startet, nur ein tiefer Blick in die Augen des anderen.

 


Autor*in: Doro                    Blog: Bildermachen


 

 

Adventüden 2025 | 365tageasatzaday

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Dschungel, Familientreffen, Glitzerinfusion, Gummistiefel, Konsumtempel, Liebestöter, Menschenverstand, Mutter, Nordlicht, Posaune, Schneeschaufel, Sekundenkleber, Spitzbuben, Zierkissen, Zoo.

 Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2025, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

 

18.12. – Auf nach Gimli | Adventüden

Ich habe ein Nordlicht gesehen!« Björk ließ sanft die Tür zufallen und lief zu ihrer Mutter. »Na ja, eigentlich waren es ganz viele auf einmal. Es glitzerte und funkelte in Grün, Rot und Weiß. Wie so eine Glitzerinfusion.« Björk zupfte am Ärmel ihrer Mutter, die stoisch den Koffer vor sich mit allerlei Krimskrams befüllte.

»Was machst du da?« Björk schaute auf Zehenspitzen stehend neugierig in den Koffer. »Wofür brauchen wir das alles?«

Ihre Mutter drehte sich zu ihr um, ging langsam auf die Knie und raunte: »Das dient als Ablenkung für die Menschen, die uns liebend gern sehen, fotografieren und am besten noch in einem ihrer Zoos ausstellen wollen.«

Björk schaute ungläubig. »Aber hier auf der Insel der Elfen und Trolle gibt es doch gar keinen Zoo. Was ist überhaupt ein Zoo?« Björk grübelte kurz, bevor sie den Inhalt des Koffers aufs Neue näher inspizierte. »Und das alte Zeug soll die Menschen von uns ablenken?«

Sie griff nach dem diamanten schimmernden Gletschereis, ließ danach den schwarzen Sand durch ihre kleinen Finger rieseln, stupste die drei Schafe an, die sich in der Ecke des Koffers versteckt hielten, bewunderte den bunten Regenbogen, den ihre Mutter im Einmachglas verstaut hatte und ließ ein paar Tropfen des Wassers, das – sobald es Luft spürte – zu einem brausenden Wasserfall mutierte, auf den Boden fallen.

»Ja, mein Liebling. Der Menschenverstand ist nur sehr begrenzt. So ein paar Naturwunder auf Island reichen, um diese tumben Kreaturen alles andere drumherum vergessen zu lassen. Speziell zu ihrer Weihnachtszeit.«

»Insbesondere uns!« Björk lächelte verschmitzt. »Dann geh ich auch packen. Ich freue mich auf unser Familientreffen. Im Kreise aller Elfen zu sein ist immer ganz toll.« Strahlend rannte sie die Stufen zu ihrem Zimmer hinauf.

»Wo ist die Zusammenkunft noch mal?«, ertönte ihre aufgeregte Stimme.

»In Gimli, dem Götterparadies!«

 


Autor*in: Stepnwolf                    Blog: Weltall. Erde. Mensch…und Ich.


 

 

Adventüden 2025 | 365tageasatzaday

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Dschungel, Familientreffen, Glitzerinfusion, Gummistiefel, Konsumtempel, Liebestöter, Menschenverstand, Mutter, Nordlicht, Posaune, Schneeschaufel, Sekundenkleber, Spitzbuben, Zierkissen, Zoo.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2025, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

 

17.12. – Ausblick | Adventüden

Statt in die Kirche gehen sie in den Konsumtempel«, klagte die Großmutter. Klara wusste nicht, was ein Konsumtempel war. Sie stellte sich eine hohe Halle voller Lichter vor, eine Glitzerinfusion für die Sinne. Gerne hätte sie das gesehen.

Der Teig war ausgerollt. Sie stachen Kreise aus und Ringe als Deckel für die Spitzbuben. Die Großmutter hatte die Hälfte des Johannisbeergelees mit Rum verrührt, weil Weihnachtszeit war. Für Klara gab es die Kinderversion. Sie musste aber noch eine Woche warten bis zum Heiligen Abend.

»Tante Klärchen bringen wir morgen ein Stück vom Stollen mit, das reicht«, sagte die Großmutter.

Die Tante hatte zum Familientreffen eingeladen, in ihre neue Bude, wie sie sagte. Die Höflichkeit verbot es, das auszuschlagen.

Die Erwachsenen begrüßten sich steif. Klara wurde umarmt und bekam Küsschen links und rechts. Vielleicht mochte die Tante die Namensverwandtschaft.

Die Bude lag weit oben in einem Hochhaus in der Stadt. Pflanzen bildeten einen Dschungel, Nippes platzte aus den Regalen. An den Wänden waren Poster mit Reißzwecken befestigt. In einer hohen Lampe stiegen Klumpen in einer orangefarbenen Flüssigkeit auf und sanken wieder. Den Boden bedeckte ein zotteliger weißer Teppich – »Pass auf, dass du nicht kleckerst«, zischte die Mutter – und Zierkissen in Regenbogenfarben waren auf niedrigen Sofas verstreut.

Klara trank sonst verbotene Zuckerlimonade. Die Eltern nippten an winzigen Tassen. Die Großmutter saß auf der Sofakante und hielt sich an Leitungswasser und den mitgebrachten Stollen.

Als Klara auf die Toilette musste, entdeckte sie schimmernde Spitzenhöschen auf dem Wäschetrockner. Sie kannte nur Liebestöter, die praktisch und gesund waren. Eines Tages, schwor sie sich, würde sie solche verwegenen Höschen tragen, die sich dem Menschenverstand verweigerten. Der Großmutter würde das nicht gefallen, aber Klara wäre erwachsen und könnte tun, was ihr gefiel.

Zum Abschied umschlang sie Tante Klärchen fest. Es war ein Versprechen an die Zukunft.

 


Autor*in: Nina Bodenlosz                    Blog: Das Bodenlosz-Archiv


 

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Dschungel, Familientreffen, Glitzerinfusion, Gummistiefel, Konsumtempel, Liebestöter, Menschenverstand, Mutter, Nordlicht, Posaune, Schneeschaufel, Sekundenkleber, Spitzbuben, Zierkissen, Zoo.

Dieser Text erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2025, einem Projekt von »Irgendwas ist immer«.

 

16.12. – Weihnachtsfreie Zone | Adventüden

Peter saß in seinem Wohnzimmer und musterte die Engelfigur mit Posaune kritisch, die seine Mutter ihm zum Einzug geschenkt hatte. Es störte ihn nicht, dass sie regenbogenfarben war und glitzerte, sondern der Fakt, dass es Weihnachtsdeko war. Eigentlich wollte er erst mal eine Weile Abstand zu Weihnachten bekommen, denn in seinem Elternhaus sah es zur Weihnachtszeit immer so aus, als sei eine Dekokiste explodiert. Seine Mutter liebte Figürchen, sein Vater alles, was Licht machte, am besten blinkend und bunt.

Seine erste eigene Wohnung sollte eine weihnachtsdekofreie Zone bleiben, hatte er beschlossen, aber nun war da dieses Engelchen, das ihm seine Mutter mit den Worten »Meine Lieblingsfigur, damit du dich nicht einsam fühlst« in die Hand gedrückt hatte. Peter seufzte, dann legte die Figur mit schlechtem Gewissen in eine Schublade, schaltete den Fernseher ein und legte sich auf die Couch.

Plötzliche klopfte es an der Tür. Wer sollte ihn so spät noch besuchen? Als er die Tür öffnete, stand das Engelchen vor ihm und zwinkerte. Dann blies es in seine Posaune und marschierte an ihm vorbei, gefolgt von einem ganzen Zug aus Dekoartikeln: Weihnachtsmänner, Nussknacker, Schneeflocken, beleuchtete Sterne – alles, was das Weihnachtsdekoherz erfreut, verteilte sich in Peters Wohnung. Nicht einmal das Bad blieb von einer Glitzerinfusion verschont.

»Spinnst du?«, fragte er den Engel, doch dieser lachte nur und zog sich in die Schublade zurück, in die Peter ihn gelegt hatte.

Entsetzt von dem Anblick seiner Wohnung ließ sich Peter auf die Couch fallen – und wachte auf. Die Wohnung war leer. Hektisch öffnete er die Schublade mit dem Engel. Dieser lag friedlich da, wo Peter ihn gelassen hatte. Erleichtert atmete er tief durch, dann stellte er den Engel ins Regal, in der Hoffnung, das nächste Mal in einer – bis auf den Engel – weihnachtsfreien Wohnung aufzuwachen.

 


Autor*in: Katha                    Blog: Katha kritzelt


 

 

Adventüden 2025 | 365tageasatzaday

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von mir

 


 

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Dschungel, Familientreffen, Glitzerinfusion, Gummistiefel, Konsumtempel, Liebestöter, Menschenverstand, Mutter, Nordlicht, Posaune, Schneeschaufel, Sekundenkleber, Spitzbuben, Zierkissen, Zoo.

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