Eine neue Waschmaschine werde ich brauchen, nachdem Sergrej sie wie der Teufel benutzte – das Einzige, was er wohl machte, wenn er in meiner Wohnung war, also im Sinne von Saubermachen und Ordnung halten. Außerdem benötige ich einen neuen Handstaubsauger und eine Taschenlampe. Ebenso bräuchte ich einen Sanitärfachmann für Küche und Bad. Sicher gibt es noch mehr zu besorgen und zu erledigen Mein TV ist seit Längerem defekt, aber ich habe noch den Laptop und das Tablet – insofern ist der Fernseher zurzeit entbehrlich.
Positiv
Positiv ist, dass ich die schlechte ärztliche und pflegerische Betreuung im Krankenhaus hinter mir habe. Positiv ist, dass ich den Dauerkatheter loswurde und ich meine Angst vor Impotenz abschütteln konnte. Positiv ist, dass ich langsam auch ohne Rollator wieder gehen kann, allerdings noch nicht gut – Das Winterwetter ist für mich in dieser Hinsicht kontraproduktiv.Positiv ist, dass es mit dem Bloggen inzwischen besser wird, auch wenn alles noch etwas mühsam ist . Positiv ist, dass ich mich in meiner Wohnung wohlfühle. Positiv ist, dass der Winter nicht ewig dauern wird…
Erkenntnis
Es gibt böse Menschen. Es gibt gewissenlose Menschen Es gibt verlogene Menschen. Es gibt Menschen, die die Wahrheit nicht sehen, selbst wenn sie ihnen mit dem Arsch ins Gesicht springt. Es gibt die Wegschauer. Es gibt die Opportunisten. Es gibt die Ignoranten. Es gibt die Feiglinge. Es gibt die dummen Menschen, aber Dummheit ist verzeihbar. Vielleicht bin ich dumm.
Danke
Ein großes Danke meiner Rostocker Bekannten, mit der ich viel telefonierte, und die mich im Krankenhaus und in der Reha besuchte. Ich danke den netten Pflegekräften, die meine Eigenwilligkeit akzeptierten und nicht versuchten, meinen Willen zu brechen. Und ich danke all den Bloggern und Lesern meines Blogs, die an mich dachten…
Die Behörden
Die Behörden sind mittlerweile nicht mehr an Unmenschlichkeit zu übertreffen. Sie üben sich in Schikanen und Drohungen. Sie werden immer unpersönlicher. Ich habe Angst vor den Behörden. Was für Menschen sitzen dort an den Schreibtischen? Sie behindern meine Genesung und verstecken sich hinter ihren Vorgaben und Paragrafen. Sie zeigen keinerlei Respekt mir gegenüber, sondern stellen immer neue Forderungen, bis ich mich in einem Sumpf fühle, aus dem ich nicht mehr herauskomme. Wenn ich meinen Briefkasten öffne, habe ich Angst vor einem neuen Brief von ihnen. Die Behörden sind schlimmer als Geldeintreiber. Sie wollen meine Seele.
Sergej
Ich traf Sergej noch im Krankenhaus. Er war mein letzter Bettgenosse vor der Reha. Sergej war ein Schwätzer aber auch hilfsbereit. Er war von seinen Eltern genervt, und in der Wohnung, die ihm von der Caritas vermittelt wurde, hatte er Probleme mit einem Syrer. Ich glaube, Sergej war ein Rassist Trotzdem mochte ich ihn. Ich bot ihm an, dass er in meiner Wohnung schlafen kann, solange ich in der Reha bin. Dafür sollte er etwas Ordnung machen. Und mir meine neue aufgelaufene Post bringen. Sergej willigte ein – ich hatte sonst niemanden. An dem Tag, als ich aus der Reha entlassen wurde, wollte er mich in meiner Wohnung begrüßen. Allerdings kam er vorher ins Krankenhaus. Sergej war das, was ich Krankenhaus-Hopper nenne. Wenn es für ihn unangenehm wurde, flüchtete er in ein Krankenhaus. Dort konnte er sich vollfressen und hatte Schutz. Als Alkoholiker und Diabetiker hatte er gute Chancen, aufgenommen zu werden.ch war geschockt, als ich meine Wohnung betrat. Sergej hatte keinesfalls für Ordnung gesorgt. Die Wohnung sah aus wie ein Saustall. Ich war ziemlich in Rage und besuchte Sergej erstmal im Krankenhaus, wo ich ihm meine Wohnungsschlüssel abnahm. Danach trank ich nach wochenlanger Abstinenz mein erstes Bier.
Ein Gedicht begleitete mich
So seicht, so zart im Scheine einer Kerze
Träume ich von einem Sinn
Ohne Eile, Angst und Hetze
Will ich wissen, wer ich bin
Immer dieses Suchen und Erstreben
Das will ich nicht
Was ich will ist leben
Einfach so im Kerzenlicht.
Eines meiner ersten Gedichte und das einzige, das ich auswendig rezitieren kann, begleitete mich durch die schwere Zeit.
Die neurologische Kurzreha.
Als ich in der Reha ankam, war mein erster Eindruck, dass ich irgendwie falsch war. Um mich herum nur wesentlich ältere und Demenzkranke. Ich kam mir vor wie in einem Altenheim, nur diesmal nicht als Pfleger, sondern als Patient. Erst nach und nach änderte sich das Bild, als immer mehr Schlaganfallpatienten hinzukamen, darunter auch jüngere.
Die Therapien liefen unangestrengt ab. Montags wurde der Plan ausgehändigt, an den wir uns halten sollten. Die maßgeblichen Therapien waren Ergotherapie, Physiotherapie, Gespräche mit der Neuropsychologin und Hirnleistungstests. Dienstags war immer Oberarztvisite. Wie gesagt lief alles sehr unangestrengt ab. Es gab zwischen den Therapien oft mehrstündige Lücken.
Das Essen war besser als im Krankenhaus, und das Pflegepersonal weitgehend nett, zumal Ich , nachdem ich ohne Katheter war, keinerlei pflegerische Hilfe mehr benötigte.
Nach 4 Wochen wurde ich mit besten Wünschen nach Hause entlassen.
Der Dauerkatheter
Der Dauerkatheter war äußerst lästig, Mehr als das hatte ich Angst, ihn nie mehr loszuwerden. 3x wurde er gezogen und jedes Mal hatte ich einen Harnverhalt, und der Katheter musste neu gelegt werden. Erst während der Reha klappte es. Ich hätte laut jubeln können! Endlich war ich befreit von dem Mist Ding und konnte nach vielen Wochen wieder pinkeln. Das war das größte Erfolgserlebnis in der Reha.
Wie ich an meinen Briefkasten kam
Neben dem Problem, wieder langsam Gehen zu lernen, musste ich an meine Post kommen. Auch brauchte ich für die anstehende Reha Klamotten aus meiner Wohnung Ich war mit den Sachen, die ich damals trug, eingeliefert worden. Es hätte mich einfach jemand fahren können, aber dem Klinikpersonal war das untersagt, möglicherweise aus versicherungstechnischen Gründen. Außerdem konnte man niemanden auf der Station für diese Aufgabe freistellen. Einneuer Bettnachbar gab mir einen Tipp. Es gab im Krankenhaus eine Person, die sich speziell um die Nöte der Patienten kümmerte. Nachdem ich diese Person kontaktiert hatte, ging plötzlich alles relativ schnell. 2 Pflegekräfte begleiteten mich zu meiner Wohnung. So kam ich an meinen seit Wochen nicht geleerten Briefkasten und an ein paar frische Klamotten aus meiner Wohnung. (Das Taxi musste freilich ich bezahlen.)