Kim Stanley Robinson ist ein amerikanischer Autor von Sci-Fi-Romanen wie The Ministry for the Future, das auch bei Barack Obama auf dem Nachttisch lag.
Im Podcast Future Histories von Jan Groos spricht er über den verführerischen, aber falschen Reiz dystopischer Erzählungen:
»There’s a false consciousness in the dystopian imaginary that says ‘It’d be interesting and I myself would survive. And it would be more interesting than modern urban and suburban life, which is intensely boring by design’. […] It’s simply not true. In the breakdown of society, things would be even more boring. And also, you would die.«
Ich musste an Mark O’Connells Buch Notes from an Apocalypse denken, das unter anderem eine provokante Analyse der Ideologie der Prepper enthält:
»The idea of collapse speaks, on some primal level, to a reactionary sensibility – a sensibility in which the world is always necessarily in an advanced state of degeneration. […] Preppers are not preparing for their fears: They are preparing for their fantasies. The collapse of civilization means a return to modes of masculinity our culture no longer has much use for.«
Nun haben die letzten Tage gezeigt, dass ein gewisses Maß an Vorbereitung auf den Zusammenbruch bspw. großstädtischer Stromnetze durchaus sinnvoll ist.
Aber das ändert nichts an der Kritik dessen, was Robinson hier »dystopisches« Denken nennt und O’Connel »apokalyptisches« Denken: Die Fantasien einer archaischen Welt, von heroischen Männerbünden, Bürgerkriegen und einer reinigenden Wirkung der Gewalt, sind per se reaktionär. Plus, sie sind boring.
Diese reaktionäre Untergangslust irgendwie emanzipatorisch umdeuten zu wollen, so wie es offenbar die »Vulkangruppe« tut, geht notwendig fehl.
Nichts wird besser dadurch, dass alles schlechter wird. Fuck dystopia!

Abb. 1: Diedrich Diederichsens Essay auf der Website von Artforum.

