Die Süddeutsche berichtet über eine Interessante Studie:
Abstract
ObjectivesBowlby (1969/1982) described an infant’s smile and pleasant vocalizations as attachment behaviors. However, most research on the formation of attachment relationships centers on the role of the caregiver’s response to child distress, neglecting the role of behaviors that promote proximity in a positive context. This study aimed to 1) explore fathers’ and mothers’ laughter-eliciting behaviors and children’s laughter using a newly developed coding instrument and 2) explore associations between these behaviors, children’s laughter, and child attachment security.
Design
A sample of 144 English- and French-speaking families, with 3- to 5-year-old children, participated in a Laughing Task and a separation-reunion procedure.Results
Distinct but similar factorial structures emerged for mothers and fathers, both including a Touch and a Movement/Sound factor. Parental strategies were significantly associated with preschoolers’ laughter with both mothers and fathers. The path analysis results indicated that both laughter-eliciting strategies used by fathers were positively associated with children’s laughter which was also positively associated with child attachment security. As for mother–child dyads, only the Touch factor was significantly associated with children’s laughter. Furthermore, child attachment security was not associated with children’s laughter, but was significantly associated with the Movement/Sound factor.Conclusions
Although fathers and mothers tend to use comparable strategies with similar success in making children laugh, the significance of this relational dynamic may differ in its contribution to the development of attachment security within parent–child dyads.
Aus dem Bericht dazu in der Süddeutschen:
Sind die Bücher gelesen und das Licht gelöscht, stellt der Dreieinhalbjährige eine Frage, die er zum festen Teil des abendlichen Bett-geh-Rituals gemacht hat. „Papa“, sagt er mit langem zweiten A, „was machst du gerade?“ In seiner Stimme steckt kaum hörbares Glucksen, denn jetzt hat der Junge Anlass für eine Schmarrn-Antwort geschaffen – denn was soll Papa schon machen? Natürlich sitzt er neben dem Bett oder liegt auch darin. Doch der Vater sagt: „Ich reite auf einem Krokodil zum Bäcker“, weil Unfug mit Tieren hoch im Kurs steht. „Nein“, sagt der Sohn mit lang gedehntem I, kichert und fragt abermals: „Was machst du?“ Noch ein Versuch: „Ich spiele mit Lego mit einem Känguru.“ Der Kleine lacht und fragt wieder. So geht das ein paar Mal hin und her, das Kinderlachen wird lauter, bis die richtige Antwort das Ritual beendet: „Ich liege hier neben dir. Schlaf gut.“
Von Beginn der gemeinsamen Reise an schenken Unfug und Blödelei einem ein Instrument, Verbindungen zu den Kindern zu knüpfen. Das geht früh los, wenn etwa der Vater am Wickeltisch steht, Grimassen schneidet, Geräusche macht oder mit den Armen rudert, bis das Baby fröhlich gluckst und gemeinsame Momente entstehen. Und offenbar scheint es insbesondere die Bindung zwischen Vätern und Kindern zu vertiefen, wenn diese ihre Kleinen zum Lachen bringen.(…)
Das Psychologen-Team beobachtete 144 Kinder zwischen drei und fünf Jahren, wie diese entweder mit ihren Müttern oder Vätern interagierten. Aufgabe der Eltern war es, ihre Söhne und Töchter zum Lachen zu bringen. Hilfsmittel wie etwa Spielzeuge standen dabei nicht zur Verfügung. Grundsätzlich setzten beide Elternteile dabei ähnliche Strategien ein, wobei die Mütter berechenbarer für die Kinder waren. Sie kündigten eher an, dass sie gleich eine Kitzelattacke starten würden, oder begleiteten ihre Grimassen mit Kinderreimen und -liedern. Väter nutzten häufiger Überraschungen, etwa indem sie einer Kitzelei nur seltsame Geräusche voranstellten, diese aber nicht ankündigten. Auch spielten sie eher damit, Erwartungen zu brechen, Dinge falsch zu benennen oder an Tabus zu kratzen, wie etwa mit bei kleinen Kindern stets hoch im Kurs stehenden Pipi-Kacka-Pups-Witzen.
Da sind zwei interessante Aspekte drin:
- Männer und Frauen verwenden verschiedene Strategien um die Kinder zum Lachen zu bringen, vielleicht auch einfach weil der Humor und die Art so etwas auszuleben bei Männern und Frauen verschieden ist.
- Bei den Vätern baut es eher eine Bindung auf als bei der Mutter. Was auch daran liegen mag, dass die Mutter ansonsten bereits mehr Zeit mit dem Kind hat
Die Unterschiede aus der Studie:
Bei Müttern:
- Kitzeln
- Kind hochheben/handhaben
- Raufen (Rough-and-tumble)
- Physische Ankündigung („Ich kriege dich!“)
- Verbale Ankündigung der Strategie
- Necken
- Tanzen oder andere Körperbewegungen
- Grimassen/lustige Gesichter
- Kinderreime/Lieder
- Lächeln/Lachen
Bei Vätern:
- Kitzeln
- Kind hochheben/handhaben
- Raufen
- Physische Ankündigung
- Eigenartige Stimme verwenden
- Andere Ankündigungsstrategien
- Tanzen oder andere Körperbewegungen
- Grimassen/lustige Gesichter
- Verbale Inkohärenzen (z.B. eine Schildkröte als Pferd bezeichnen)
- Andere verbale Interaktionsstrategien
- Das Kind überraschen
Die Unterschiede laut Studie sind insbesondere:
Die Mütter kündigen Strategien eher verbal an, nutzen bekannte Kinderreime und Lieder
Die Väter verwenden hingegen mehr überraschende Elemente, eigenartige Geräusche, verbale Inkohärenzen und sind weniger vorhersehbar
Aus den Ergebnissen:
Bei Vätern:
Die Forscher interpretieren, dass der Weg zur Bindungssicherheit über das gemeinsame Erleben von Freude und Lachen führt. Väter tendieren dazu, destabilisierende Elemente in einem sicheren Kontext zu verwenden (Überraschungen, soziale Normen brechen, unvorhersehbare Verhaltensweisen). Dies erfordert Vertrauen des Kindes in den Vater innerhalb einer sicheren Beziehung. Das Lachen verstärkt diese positive Bindung.
Bei Müttern:
Der Movement/Sound-Faktor wirkt direkt auf die Bindungssicherheit, unabhängig davon, ob er tatsächlich Lachen hervorruft. Die Forscher erklären dies damit, dass:
- Mütter eher vorhersehbare, tröstende Elemente nutzen (bekannte Kinderreime und Lieder)
- Diese Strategien eine positive, angenehme Interaktion fördern, die beruhigend und vorhersehbar ist
- Bei Müttern möglicherweise andere Mechanismen wichtiger sind: Sensitivität und Responsivität gegenüber kindlichen Bedürfnissen
- Mütter in einer größeren Vielfalt von Kontexten mit Kindern interagieren, während Spiel der Hauptkontext für Väter-Kind-Interaktion ist
Das alles ist interessant und motiviert einen vielleicht auch einfach noch mal seine Kinder zum lachen zu bringen.
Die Darstellung in den Unterschieden ist auch deswegen interessant für mich, weil sie so ganz klischeehaft auch zutrifft. Die Kinder reinzulegen oder ihnen Blödsinn zu erzählen, dass Brechen sozialer Normen, das ist glaube ich einfach ein typischerer Männerhumor (im Schnitt).
Findet ihr euch in Artikel/ Studie wieder?


