Verfasst von: aprikose | 293. Januar 2020

Liebe Mutti

Wir müssen reden.

Über deinen Geburtstag, den du dir mit deinem knuffigen, schelmischen und unglaublich fröhlichen, immer lachenden Enkel teilst, der erst letztes Jahr geboren wurde. Wie wir telefoniert haben: „Alles Gute zum Geburtstag – aber mein Kind kommt jetzt!“. Wie überrascht und sorgenvoll wir alle über die Frühgeburt waren, und wie froh wir jetzt sind, dass das Kind gesund ist.

Wir müssen reden.

Über unseren Vorgarten, den wir jetzt, nachdem der Hausbau endlich durch ist, dank deiner Hilfe wunderschön gestaltet haben. Du kennst dich so toll mit Pflanzen aus, und ich liebe es, bei dir im Garten kleine Absenker zu erhaschen, die dann bei mir aufblühen. Als ob ein Teil von euch dann bei uns wächst.

Wir müssen reden.

Über dein neues Rentnerdasein, deinen dritten Lebensabschnitt, den du gerade begonnen hast. Mit so viel Zeit und so viel Ruhe, die du jetzt auf einmal hast. Wirst du dich einmal die Woche mit deiner Schwester treffen und was unternehmen, wie du gesagt hast? Mehr Zeit mit deinen Enkeln willst du verbringen, und bist uns damit auch schon immer eine große Hilfe gewesen. Das große Kind liebt euch beide abgöttisch, und auch das kleine freut sich stets auf Oma und Opa und heult, wenn ihr wieder geht.

Wir müssen reden.

So wie wir fast jeden Tag miteinander telefonieren, wenn ich dir Fotos von deinen Enkeln schicke, ich eine Frage zu meinem Leben habe, du von deinem Tag oder ich von unseren Plänen erzähle, oder wir einfach über alles quatschen. Ich liebe unsere besondere Beziehung, auch wenn ich manchmal von dir genervt bin, denn du bist nicht nur meine Mutti, sondern auch meine beste Freundin.

Wir müssen reden.

Über den siebten Geburtstag deines Enkels, an dem du so unerwartet plötzlich nicht da sein kannst.
Über deinen Bluthochdruck, von dem ich dachte, dass das gar nicht so schlimm ist.
Über die Zukunft, die nächsten 20 Jahre mit dir, die jetzt auf einmal nicht mehr stattfinden sollen.
Über die Tränen, die einfach nicht aufhören wollen zu fließen.

Wir müssen reden.
Bitte lass uns doch einfach nur noch ein einziges Mal reden…

Verfasst von: aprikose | 74. Januar 2018

1(0) Jahr(e) später

Und um einige Erfahrungen reicher. Vor knapp 10 Jahren begann dieser Blog – was war ich doch für eine lächerliche Person damals! – und vor einem Jahr gab es hier den letzten Beitrag. Zeit für ein Update.

1. Wir bauen jetzt ein Haus. Unser Vermieter piesackt uns finanziell und psychisch, und wir haben jetzt die Schnauze voll. Wir wollen unser mühsam verdientes Geld in unser Eigentum investieren und nicht jemand anderem in den Rachen werfen, der primär eh nur an seiner Rendite interessiert ist. Da ich mittlerweile in einem Beinahe-Traumjob angekommen bin (stressfreies Arbeiten, gute Kollegen, viel Home Office), der sehr gut bezahlt wird, klappt das auch, trotz der angespannten Immobiliensituation. Wieder einmal hatten wir Glück, etwas zu finden: 900m2 in der Großstadt ist eigentlich unbezahlbar. Trotzdem haben wir es irgendwie geschafft. Allerdings ist der Hausbau gleich nochmal enorm anstrengend und erfordert hohe Konzentration und viel Zeit, um nicht den Überblick über die größte Investition unseres Lebens zu verlieren.
PS: Der letztens angekündigte ETF-Aktienfonds schwankte bisher zwischen -5% und +8%. Ich werde den erst mal beibehalten, da er im Schnitt immer noch besser ist als alles andere, was ich habe. Oh, und hätte ich doch damals einfach Bitcoins geschürft, mich zehn Jahre auf die faule Haut gelegt und das nun weiterhin gemacht – nur mit wesentlich mehr Geld. Hach.

2. Die dritte Fehlgeburt war schlimm. Wir geben nicht auf und wir haben auch ein zweites Kinderzimmer im Haus vorgesehen. Der Schock, die Trauer und der Schmerz sind einer verbitterten „Jetzt erst recht“ Mentalität gewichen. Vielleicht haben wir uns auch einfach nur daran gewöhnt.
Wir waren auch schon bei der Humangenetik – keine Auffälligkeiten. Keine Erbkrankheiten. Keine Gründe. Es ist einfach so, es ist die pure Willkür der Natur, und während alle anderen um einen herum im Kinderkriegenalter sind und ein Kind nach dem anderen in die Welt setzen, kämpfen wir darum, dass wir uns an dem freuen, was wir haben. Eines ist sicher: Hätten wir nicht beim ersten Mal ein gesundes Kind gekriegt, hätten wir es gelassen. Wir wären zusammen alt geworden, in einer billigen Zweiraumwohnung, mit ganz viel Geld, tollen Körpern und komplett verantwortungsfrei. Hat auch seine Vorzüge :) aber noch mehr als das wünschen wir uns ein zweites Kind. Wir fühlen uns im Moment einfach noch nicht vollständig.
Meine Hoffnung ist, dass das alles deswegen passiert ist, dass wir die Elternzeit im neuen Haus genießen können, anstatt sie im Mietshaus zu vergeuden.

3. Wir sollten mehr rauskommen. Ich verstehe mich super mit Radieschen, aber wir sind quasi nur noch auf Arbeit und zuhause. Aus Urlaub machen wir uns nichts, und Kontakte pflegen ist Zeitverschwendung. Zudem haben die meisten coolen Leute (in der Regel Männer) ziemlich bescheuerte Partner (meist Frauen), so dass es schwierig wird, was zu unternehmen. Das läuft dann auf langweilige, oberflächliche Gespräche hinaus, mit dem Thema Beauty, Shopping oder Inhalt der letzten Staffel XYZ. Es nervt. Wir reden lieber über unseren selbstgebauten Hühnerstall, das abendliche Zocken, neue Technik, oder philosophieren angeschwipst am Lagerfeuer über das Leben. Funktioniert aber mit den meisten Weibsbildern in unserem Alter einfach nicht.
Jedenfalls ist das Ende vom Lied, dass wir – gerade wegen Punkt 1 und 2 in diesem Post – relativ wenig mit anderen Leuten unternehmen, die Freundschaften außerhalb virtueller Welten schleifen lassen und mehr in unserem eigenen Saft schmoren. Das reicht uns auch meistens, aber in letzter Zeit nahm es etwas überhand. Wir haben uns also vorgenommen, uns mehr bewusst mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Bevor wir noch ganz wunderlich werden.

4. Kinder haben ist wie masochistische Schizophrenie. Man schwankt ständig zwischen „Hätte ich die fünf Minuten doch einfach ein Buch gelesen“ und „Oh Gott, dieses Kind ist einfach toll und erfüllt mich mit Stolz und Glück“. Es verändert das ganze Leben, die Sichtweise darauf und auch den eigenen Charakter – im positiven Sinne. Es ist unglaublich viel Verantwortung, verlangt sehr starke Nerven, und es gibt kein Rezept. Mein Respekt an alle, die sich bewusst auf dieses Experiment einlassen und etwas aus ihren Kindern gemacht haben.

Und was habt ihr die letzten zehn Jahre so gemacht?  :-)

Verfasst von: aprikose | 66. Januar 2017

Lebenszeichen

Hey, ich hab ja einen Blog. Wer hätte das gedacht :-)
Mittlerweile ist aber so viel Zeit verstrichen, dass ich kaum glaube, dass das noch irgendjemanden interessiert. Aber falls es trotz allem noch Mitleser geben sollte, hier ein kurzer Abriss über die einschneidensten Erlebnisse, die mir in letzter Zeit passiert sind:

  • Ich bin nach wie vor extrem glücklich mit Radieschen und unserem sich prächtig entwickelnden Kind, und wir planen, nächstes Jahr zu heiraten. Aber es fehlt noch der Antrag. Geduld ist eine Tugend. Vielleicht sollte man manchmal nicht auf den perfekten Moment warten, sondern Dinge einfach tun? Einig sind wir uns jedenfalls, und ich freue mich schon riesig darauf. Aber nicht nur der Antrag fehlt noch:
  • Eine Diät ist angesagt. Niemand will fett heiraten, und Kinder sind nun mal Figur-Ruinierer Nummer 1. Durch meine Krankenkasse (BIG direkt) sind wir gratis an diese ach so tollen Fitnessprogramme von Sophia Thiel und Daniel Aminati geraten, und das ziehen wir jetzt durch. Klar, jeder halbwegs intelligente Mensch erkennt das Muster dahinter: 3-4x 30min Sport pro Woche und eine eiweißreiche, zucker- & kohlenhydratarme Ernährung. Da braucht man keine Models, die einem das haarklein erklären. Das ist reine Geldmache (die sind auch beide von Pro7 und haben klare Zielgruppen und eigene, überteuerte Produkte in ihren Shops) und total dämlich, aber: Ein fester Plan (bzw. Arschtritt) hat schon immer geholfen, und deswegen ziehen wir uns eben jeden 2. Tag die Übungen rein und ernähren uns hauptsächlich von Haferflocken mit Naturjoghurt sowie Hähnchenfleisch mit Gemüse. Es funktioniert: Jede Woche 500g bis 1kg abgenommen, mittlerweile sind wir bei 4-6kg weniger. Die Hälfte ist geschafft!
  • Geld. Wie ich hier schon mal erwähnt habe, hängt einfach extrem viel von dem lieben Geld ab. Ich habe so viele Ideen im Kopf, aber einfach keine Zeit, weil ich arbeiten muss. Ja, ich könnte weniger arbeiten, Stunden reduzieren, das wäre bei meinem Arbeitgeber möglich (bzw. steht mir per Gesetz zu, dank Kind). Aber dann kann ich gar nichts mehr beiseite legen oder mir mal was gönnen können – von der Rente ganz zu schweigen. Also habe ich mich die letzten paar Monate intensiv mit meinen Möglichkeiten zur finanziellen Unabhängigkeit auseinandergesetzt und folgendes getan:
    1. Lottogewinn aus dem Kopf geschlagen.
    2. Ausgaben verringert. Ich habe mir ausgerechnet, ab wann sich welches Gerät über die Stromkosten wieder amortisiert, und jetzt haben wir einen neuen Kühlschrank (ohne TK-Fach), einen neuen Tiefkühlschrank, eine neue Waschmaschine und in jedem Raum LED-Birnen. Die Investitionen sind nach wenigen Monaten bis wenigen Jahren allein durch die Stromersparnis wieder drin! Dazu noch Stromanbieter jährlich wechseln (~ 150€ pro Jahr gespart), Versicherungen verglichen (KFZ/Hausrat/Haftpflicht gewechselt -> nochmal ca. 400€ eingespart bei höherer Leistung) und Handytarif zu premiumSIM geändert (8€, monatlich kündbar, Allnet-Flat). Und nicht zuletzt durch die Diät / Ernährungsumstellung nehme ich mir immer Essen auf Arbeit mit, das sind schon gute 100-150€ pro Monat gespart. Auch Kleinvieh macht Mist; ein Wechsel von der Spaßkasse zur DKB bringt 50€ mehr pro Jahr durch wegfallende Kontogebühren. Eine sehr gute Seite für solche Optimierungen ist Finanztip.de.
    3. Einnahmen erhöht. Ich habe mal wieder den Job gewechselt und dabei die längst fälligen 25% „Gehaltserhöhung“ mitgenommen, nebst anderen Annehmlichkeiten wie mehr Urlaub, faire Überstundenregelung und feste jährliche Gehaltsanpassungen. Hier plane ich aber nun eine Weile zu bleiben. Nebenbei verkaufe ich alten Kram auf eBay Kleinanzeigen. Echt erstaunlich, von was man sich eigentlich alles trennen kann. Alleine dadurch kommen pro Monat mindestens 50€ rein, manchmal auch bis zu 200€.
    4. Investiert. Wenn ich nun das gesparte Geld beiseite lege… wow, kriege ich 0% Zinsen. Toll. Beim Tagesgeld noch maximal 1%, wenn es nicht mehr als 10’000€ sind. Das wird aber von der Inflation direkt wieder aufgefressen, ist also nahezu sinnlos. Was gibt es denn noch so als Anlage oder Altersvorsorge? Die Riesterrente fällt wegen mangelnder Flexibilität in der Auszahlung komplett weg, da müsste ich schon 120 Jahre alt werden. Es bleibt also nur die Entscheidung: Immobilien oder Aktien. Eine eigene Immobilie ist wohl der feuchte Traum eines jeden Bauspar-Spießers, und auch wir finden es mittlerweile toll, „sesshaft“ zu werden und im eigenen Häuschen zu leben. Allerdings steht bei uns noch einiges in den Sternen, so gibt es beispielsweise auch die Idee, in meine alte Heimat zu ziehen. Auch wollen wir wenn dann unser jetziges Mietshaus kaufen, aber der Vermieter will (noch) nicht verkaufen. Und überhaupt, wir würden ein Haus für die Familie kaufen und in 25 Jahren wieder zu zweit auf 150-200 Quadratmeter wohnen, das ist irgendwie auch unsinnig und im Alter lästig. Bleiben also Aktien.
    Ich erwarte also jetzt einen empörten Aufschrei: „Aprikose, du ZockerIn, du hast Verantwortung, wirf doch nicht schon wieder dein Geld weg!!“ – aber dieses Mal wird (wie immer) alles anders :-) Ich werde nicht aktiv Aktien kaufen, sondern mein Geld passiv in einem Sparplan anlegen. Mit nur 200€ pro Monat, investiert in einen ETF-Weltindex-Aktienfonds, habe ich in 40 Jahren eine halbe Million angespart, dank Zinseszins (und das ist vorsichtig gerechnet!). Vorausgesetzt, es bleibt alles so wie… naja, wie immer seit rund 50 Jahren. Ich kann jedem jungen Menschen nur empfehlen, sich einmal ein paar Stunden zu nehmen um sich damit auseinanderzusetzen und etwas für seine Zukunft zu tun. Anhand der grünen Werte im oben verlinkten PDF sieht man, dass ausnahmslos JEDER Anlagezeitraum über 15 Jahren dick im Plus liegt, mit durchschnittlich 6-9% pro Jahr. Und bei 7.2% Rendite pro Jahr verdoppelt sich das angesparte Vermögen alle 10 Jahre. Aber hier lasse ich am besten jemanden sprechen, der das verständlich rüberbringt, denn das ist ein riesiges Thema für sich. Mein Plan ist, irgendwann auf ausschüttend zu wechseln und dann von den Zinsen zu leben (Rente mit 50!), oder mit dem Kapital ein Häuschen oder eine Wohnung nur für mich und Radieschen zu kaufen und im Alter die Miete zu sparen.
  • Alles zu schön um wahr zu sein? Stimmt. Kind 2 muss noch eine Weile warten. Kurz nach Weihnachten hatten wir nun die zweite Fehlgeburt in zwei Jahren. Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ein „Kind“ zu verlieren wünscht man definitiv niemandem…
    Wie geht es weiter? Mir wird langsam der Altersunterschied der Kinder zu groß (immerhin nun 4 Jahre, wenn es jetzt klappen sollte), aber auf Radieschens Drängen hin werden wir es noch einmal versuchen.
    Man fragt sich natürlich oft, was mit einem nicht stimmt, wer oder was schuld ist, warum gerade uns das passiert. Warum diese verdammten Assi-Familien vier und fünf Kinder in die Welt setzen, während sie arbeitslos zuhause vor RTL2 sitzen und sie ihre Kinder im Kindergarten vor allen anderen anbrüllen, und diese dann ihre nicht vorhandene Erziehung auf die anderen Kinder übertragen (RTL2 ist nur eine Vermutung, der Rest leider Gewissheit). Warum wird uns nicht mal ein zweites Kind gegönnt? Ich fühle mich manchmal mitten in Idiocracy, gerade wenn ich in unseren Kindergarten gehe, der leider zu 50% aus solchen Brennpunkt-Familien-Kindern besteht. Es ist unfair und gemein… und dann gibt es wieder andere Schicksale, die noch viel schlimmer sind. Kinder, die nach 1-2 Jahren wegen unerkannter Herzfehler einfach so sterben. Behinderungen. Plötzlich auftretende Krankheiten, nachdem man sich schon sein Leben zurechtgelegt hat. Ich bin froh, dass es uns so früh passiert ist, wenn es denn schon passieren muss. Dennoch war es für uns der bisher schlimmste und traurigste Jahresanfang.
    Ich hoffe einfach inständig, dass es nun beim dritten Versuch endlich klappt. Ich weiß gar nicht, was dann sein wird, wenn es noch einmal weggeht.
Verfasst von: aprikose | 155. Januar 2015

Verschnaufpause

So, Kind 1 ist 20 Monate alt und spielt für sich alleine, der Garten einigermaßen in Schuss, das Haus mehr oder weniger sauber. Eigentlich müsste ich noch das Auto putzen, Rasen mähen, Erdbeeren pflücken, dem Finanzamt schreiben, die Kommode anstreichen, die Flurwand ausbessern, das Auto in die Werkstatt bringen, mit meinem Vater telefonieren, die nächste Grillparty organisieren, mich auf mein Mitarbeitergespräch vorbereiten, einkaufen, Sport treiben, die Gartenklingel reparieren, Kram bei eBay einstellen, mich um den Bausparvertrag kümmern, einen Sonnenschirm kaufen gehen, die Fotos backuppen, meinen Mobilfunkvertrag kündigen, Regenfässer aufstellen, Unkraut jäten, … ich könnte noch ewig weitermachen. Und dann gibt es noch die Dinge, die ich gerne machen würde, aus Hobbygründen, oder um mich weiterzubilden, oder um unser Kind zu fördern.

Aber wisst ihr was? Wir haben uns jetzt zum ersten Mal wieder seit zwei Jahren einfach nur auf die Hängematte im Garten geschmissen, die Sonne genossen und gelesen. Nimm das, Verantwortung!

Verfasst von: aprikose | 113. Januar 2015

Geld müsste man haben

um sich Zeit zu kaufen. Ich würde gerne im Lotto gewinnen, aber nicht um dann Geld zu haben. Das Geld ist mir schon fast egal, ich wüsste gar nicht so viel auszugeben. Sondern um Zeit zu haben und mir um das Geld keine Gedanken mehr machen zu müssen. Ich kann Menschen verstehen, die lieber dem Staat auf der Tasche liegen anstatt arbeiten zu gehen. Nicht dass ich das billigen würde, denn das schadet allen, aber wie heisst es so schön? „Hartz Vier, und der Tag gehört dir.“
Ich sitze jeden Morgen im Büro und denke darüber nach, was ich noch alles gerne tun würde. Ich würde mich meinen Hobbys widmen, unserem Garten, unserem Kind. Ich würde ein Buch schreiben. Sogar mehrere. Endlich jenes Videospiel zu Ende spielen. Basteln. Malen. Dinge entwerfen. Bloggen! Ich vermisse ein wenig die Kreativität in meinem Leben, momentan läuft alles in logischen, korrekten Bahnen. Die auch schön sind, keine Frage – aber wenn ich am Feierabend nach Hause komme und meine zwei Stunden „für mich“ geniesse (die aber eigentlich „für uns“ sind, denn ich verbringe sie mit Radieschen), ist meine Muse wieder verschwunden, und ich möchte mich eigentlich fast nur noch berieseln lassen, den Abend ausklingen lassen, ohne mich noch großartig zu fordern. (Also, nicht vor die Glotze hängen, aber definitiv auch nichts kreatives mehr, meistens.)

Oh je. Ist wirklich schon wieder ein Jahr vergangen? Liest das hier überhaupt noch jemand? Interessiert das überhaupt jemanden? Beziehungsweise: Wer bürdet sich so eine Last auf? Ich selbst habe plötzlich so viel in meinem eigenen Leben zu tun, dass ich kaum mehr Zeit habe, mich in andere Leben hineinzudenken. Ist das so, seit wir Eltern geworden sind? Oder habe ich mich selbst verändert?

Das zweite Kind wurde ein wenig verschoben, weil Radieschen Bedenken hatte. Also warteten wir. Und dann trat genau das ein, was ich prophezeite: Jetzt möchte Radieschen doch wieder ganz schnell ein Kind, am besten gleich. Dass die Leibesfrucht erst mal erfolgreich bestäubt und dann fast ein Jahr reifen muss, das wird aussen vor gelassen…  :)
(und seit die kleine Biene hier körperlich und geistig ständig bei uns rumschwirrt, ist das mit der Bestäubung eh schon so eine Sache…)

Wir sind übrigens offiziell schizophren. Wir erfreuen uns jeden Tag an unserer Tochter und finden es großartig, wenn sie wieder etwas neues beherrscht. Und es ist völlig klar, dass wir noch bis zu drei Kinder mehr kriegen – es soll noch mindestens ein Junge sein (bei vier Mädchen wäre es natürlich der Horror). Und wir freuen uns darauf, trotz Anstrengung pur. Aber: Wir sind uns einig, dass wir, hätten wir nochmals die Wahl, keine Kinder kriegen würden. Einerseits, weil die Verantwortung einfach riesig ist, andererseits, weil man einfach so viel abgibt. Ich hätte so gerne mehr Zeit mit Radieschen „alleine“ verbracht. Es war wunderschön und wird nie wieder kommen. Das macht Radieschen und insbesondere mir zu schaffen, und ich denke oft darüber nach, was wäre, wenn… und rufe mich dann wieder zur Ordnung und sage mir, dass ich eigentlich nichts verpasst habe und besser jetzt als später Kinder habe. Denn junge Eltern sind a) das coolste was man haben kann und b) freue ich mich auch schon wieder darauf, bereits mit Mitte 40 mein Leben wieder größtenteils für mich und Radieschen zu haben. Oder wäre doch mehr Zeit in der Jugend besser gewesen, wo man noch mehr lernt und ausprobiert? Hm. Aber dann so „kurz vor der Rente“ noch Kinder zu kriegen ist auch sehr fordernd, vor allem weil man dann erst recht nicht mehr mit der „heutigen Jugend“ mithalten kann.
Wahrscheinlich ist das die entscheidendste Entscheidung in einem Leben.

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