Und um einige Erfahrungen reicher. Vor knapp 10 Jahren begann dieser Blog – was war ich doch für eine lächerliche Person damals! – und vor einem Jahr gab es hier den letzten Beitrag. Zeit für ein Update.
1. Wir bauen jetzt ein Haus. Unser Vermieter piesackt uns finanziell und psychisch, und wir haben jetzt die Schnauze voll. Wir wollen unser mühsam verdientes Geld in unser Eigentum investieren und nicht jemand anderem in den Rachen werfen, der primär eh nur an seiner Rendite interessiert ist. Da ich mittlerweile in einem Beinahe-Traumjob angekommen bin (stressfreies Arbeiten, gute Kollegen, viel Home Office), der sehr gut bezahlt wird, klappt das auch, trotz der angespannten Immobiliensituation. Wieder einmal hatten wir Glück, etwas zu finden: 900m2 in der Großstadt ist eigentlich unbezahlbar. Trotzdem haben wir es irgendwie geschafft. Allerdings ist der Hausbau gleich nochmal enorm anstrengend und erfordert hohe Konzentration und viel Zeit, um nicht den Überblick über die größte Investition unseres Lebens zu verlieren.
PS: Der letztens angekündigte ETF-Aktienfonds schwankte bisher zwischen -5% und +8%. Ich werde den erst mal beibehalten, da er im Schnitt immer noch besser ist als alles andere, was ich habe. Oh, und hätte ich doch damals einfach Bitcoins geschürft, mich zehn Jahre auf die faule Haut gelegt und das nun weiterhin gemacht – nur mit wesentlich mehr Geld. Hach.
2. Die dritte Fehlgeburt war schlimm. Wir geben nicht auf und wir haben auch ein zweites Kinderzimmer im Haus vorgesehen. Der Schock, die Trauer und der Schmerz sind einer verbitterten „Jetzt erst recht“ Mentalität gewichen. Vielleicht haben wir uns auch einfach nur daran gewöhnt.
Wir waren auch schon bei der Humangenetik – keine Auffälligkeiten. Keine Erbkrankheiten. Keine Gründe. Es ist einfach so, es ist die pure Willkür der Natur, und während alle anderen um einen herum im Kinderkriegenalter sind und ein Kind nach dem anderen in die Welt setzen, kämpfen wir darum, dass wir uns an dem freuen, was wir haben. Eines ist sicher: Hätten wir nicht beim ersten Mal ein gesundes Kind gekriegt, hätten wir es gelassen. Wir wären zusammen alt geworden, in einer billigen Zweiraumwohnung, mit ganz viel Geld, tollen Körpern und komplett verantwortungsfrei. Hat auch seine Vorzüge :) aber noch mehr als das wünschen wir uns ein zweites Kind. Wir fühlen uns im Moment einfach noch nicht vollständig.
Meine Hoffnung ist, dass das alles deswegen passiert ist, dass wir die Elternzeit im neuen Haus genießen können, anstatt sie im Mietshaus zu vergeuden.
3. Wir sollten mehr rauskommen. Ich verstehe mich super mit Radieschen, aber wir sind quasi nur noch auf Arbeit und zuhause. Aus Urlaub machen wir uns nichts, und Kontakte pflegen ist Zeitverschwendung. Zudem haben die meisten coolen Leute (in der Regel Männer) ziemlich bescheuerte Partner (meist Frauen), so dass es schwierig wird, was zu unternehmen. Das läuft dann auf langweilige, oberflächliche Gespräche hinaus, mit dem Thema Beauty, Shopping oder Inhalt der letzten Staffel XYZ. Es nervt. Wir reden lieber über unseren selbstgebauten Hühnerstall, das abendliche Zocken, neue Technik, oder philosophieren angeschwipst am Lagerfeuer über das Leben. Funktioniert aber mit den meisten Weibsbildern in unserem Alter einfach nicht.
Jedenfalls ist das Ende vom Lied, dass wir – gerade wegen Punkt 1 und 2 in diesem Post – relativ wenig mit anderen Leuten unternehmen, die Freundschaften außerhalb virtueller Welten schleifen lassen und mehr in unserem eigenen Saft schmoren. Das reicht uns auch meistens, aber in letzter Zeit nahm es etwas überhand. Wir haben uns also vorgenommen, uns mehr bewusst mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Bevor wir noch ganz wunderlich werden.
4. Kinder haben ist wie masochistische Schizophrenie. Man schwankt ständig zwischen „Hätte ich die fünf Minuten doch einfach ein Buch gelesen“ und „Oh Gott, dieses Kind ist einfach toll und erfüllt mich mit Stolz und Glück“. Es verändert das ganze Leben, die Sichtweise darauf und auch den eigenen Charakter – im positiven Sinne. Es ist unglaublich viel Verantwortung, verlangt sehr starke Nerven, und es gibt kein Rezept. Mein Respekt an alle, die sich bewusst auf dieses Experiment einlassen und etwas aus ihren Kindern gemacht haben.
Und was habt ihr die letzten zehn Jahre so gemacht? :-)
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