Uns reicht’s

Uns reicht’s. Es wurde lang genug darüber diskutiert, wie man weiter auf dem Rücken der Ärmsten sparen kann – diese Debatte ist für ein reiches Land wie Deutschland beschämend. Die Debatte lenkt von den eigentlichen Problemen ab. In den vergangenen fünf Jahren sind die Preise für Lebensmittel um mehr als 36 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg ist für Menschen am Existenzminimum nicht ausgeglichen worden.

Michael Wohlfahrt, Präsident der Arbeiterwohlfahrt, zu den von der Regierung beschlossenen Verschärfungen im Zuge der Bürgergeldreform

gelesen in der Berliner Morgenpost vom 18. Dezember 2025, Seite 4

Schulbeutel für armutsbetroffene Kinder

Ehrenamtliche junge Leute nähten in den letzten Wochen 100 Schulbeutel aus alten Kleidern und gespendeten Stoffen. Am Mittwoch, den 23. Juli um 14 Uhr werden die 100 selbstgenähten Schulbeutel dann von youngcaritas (Projektladen „caridoo“ in Berlin-Prenzlauer Berg, Pappelallee 62) abgeholt und der Berliner Tafel (Beusselstrasse 44 N-Q Gebäude 30 A, 10553 Berlin) übergeben, wo Ehrenamtliche von Zalando die Schultüten mit Schulmaterialien, Süßigkeiten und Spielsachen auffüllen. Kurz vor Schuljahresbeginn werden die gepackten Beutel dann über die Ausgabestellen der Berliner Tafel und über Frauenhäuser an armutsbetroffene Kinder verteilt. Mehr dazu auf der Seite vom Berliner Caritasverband.

Lücken bei der medizinischen Versorgung von Wohnungslosen in Berlin

Seit Jahren behandelt Krankenschwester Julia Dittmar in einer Praxis am Ostbahnhof wohnungslose Menschen ohne Krankenversicherung – unterstützt von Ehrenamtlichen und Spenden. Wegen steigender Patientenzahlen ist ein niedrigschwelliges Gesundheitsangebot für Berlin geplant. Das soll aber erst in einigen Jahren kommen.

… heißt es im Abendschau-Beitrag vom 19. Mai 2025. Genauer gesagt seien erst im Haushalt 2028 /2029 Mittel dafür möglich.

Der Beitrag mit einem Studiogespräch mit Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin ist hier.

Wir kommen wählen …

Die Initiative „Wir kommen wählen!“ ist ein traditionelles Veranstaltungsformat in Berlin, das regelmäßig zu Wahlen stattfindet. Es bringt die Kandidierenden mit den Bürgerinnen und Bürgern zusammen, insbesondere mit von Armut betroffenen Menschen. Hinter der Aktion steht die Landesarmutskonferenz Berlin, die wiederum von der Diakonie Berlin-Stadtmitte getragen wird. Sie veranstaltet die Treffen in Kooperation mit dem Arbeitskreis Wohnungsnot, einem Zusammenschluss von mehr als 70 Einrichtungen und Institutionen frei gemeinnütziger und öffentlicher Träger der Berliner Wohnungslosenhilfe.

7 Uhr in der Unterkunft

In Berlin gibt es von Oktober bis Ende März über die „Berliner Kältehilfe“ unterschiedliche Angebote für wohnungslose Menschen. Dazu gehören auch Notübernachtungen. Das sind Orte, wo Obdachlose ein Abendessen bekommen, einen Schlafplatz sowie die Möglichkeit zu duschen. Am nächsten Morgen müssen sie bis 8.00 Uhr nach einem Frühstück die Notunterkunft verlassen.

Die taz berichtet über die Notunterkunft in St. Pius, einer katholischen Kirchengemeinde in Friedrichshain. Sie wird von der katholischen Gemeinschaft „Brot des Lebens“ betrieben. Der Artikel ist hier.

 

Wenn die Armen noch ärmer gemacht werden

Im Februar 2023 erschien auf diesem Blog der Beitrag „wovon leben Sie?“. Dabei ging es auch um armutsbetroffene Menschen, also diejenigen, die von sogenannten „Transferleistungen“ leben wie Bürgergeld oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Letztere liegen noch unter dem Bürgergeldsatz von derzeit 550 Euro für den erwachsenen Haushaltsvorstand – nämlich 70 Prozent davon.

Trotz der erheblich gestiegenen Kosten für alles, was lebensnotwendig ist, teilt die dpa (deutsche Presseagentur) am 31. Oktober mit:
Leistungen für Asylbewerber werden 2025 gekürzt. 

Weiterheißt es:
Asylbewerber in Deutschland erhalten 2025 weniger Geld für ihren Lebensunterhalt. Die monatlichen Bedarfssätze sinken je nach Alter, Wohn- und Familiensituation zum Jahreswechsel um 13 bis 19 Euro monatlich. Die neuen Sätze nach dem Asylbewerberleistungsgesetz wurden vom Bundesministerium im Gesetzblatt veröffentlicht. Alleinstehende, die nicht in einer Gemeinschaftsunterkunft leben, erhalten demnach künftig 441 Euro im Monat. Bislang lag der Satz bei 460 Euro. Die Kosten für Unter-
kunft, Heizung und Strom sind in den Beträgen nicht inbegriffen.

Hier kann man die Sätze für 1. Januar 2024 einsehen.

Festival of Lights: Kein Raum – Begegnungen mit Menschen ohne Obdach

Seit 20 Jahren gibt es das „Festival of Lights“ in Berlin – dieses Jahr unter dem Motto „Freiheit“. Zahlreiche öffentliche Gebäude werden in Licht getaucht und mit Lichtinstallationen bespielt.

An der Marienkirche in Berlin Mitte wird Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit thematisiert. Auf der Seite des Berliner Caritasverbandes heißt es:

Unter dem Titel „KEIN RAUM – Begegnungen mit Menschen ohne Obdach“ zeigt der Caritasverband für das Erzbistum Berlin vom 4. bis zum 13. Oktober im Rahmen des Festival of Lights, Porträts von Menschen ohne Obdach der Fotografin Debora Ruppert. So soll die Aufmerksamkeit auf diejenigen gelenkt werden, die sonst am Rande der Gesellschaft stehen und leicht aus dem Blick geraten.

Bei der Begleitveranstaltung „BLICK:WECHSEL mit Menschen ohne Obdach“ geht es darum, sich über Gespräche mit Betroffenen, Fachleuten und Kunstschaffenden dem Thema Wohnungslosigkeit zu nähern und der Vielschichtigkeit der Hintergründe gerecht zu werden. Die Lebenssituation von Menschen ohne Obdach ist von individuellen, aber auch gesellschaftlichen Problemen mitverursacht. Nicht über obdach- und wohnungslose Menschen reden und sie be- oder verurteilen, sondern mit ihnen ins Gespräch kommen, ihren Lebensgeschichten zuhören, das ist die Motivation der Veranstaltung. Es soll ein Dialog auf Augenhöhe angeregt werden, um den Menschen näher zu kommen und ihnen mit Respekt zu begegnen. Auf diese Weise sollen auch Veränderungsprozesse angestoßen werden – im persönlichen Miteinander wie im gesellschaftlichen Rahmen. Ermöglicht wird die Veranstaltung, so wie das gesamte KEIN RAUM-Projekt, durch die Unterstützung von Aktion Mensch.

Am Mittwoch, den 9.10.2024 um 19:00 Uhr laden wir Presse und Interessierte ins Haus für Poesie (Kulturbrauerei), Knaackstraße 97, 10435 Berlin-Prenzlauer Berg ein. Bei der Veranstaltung „BLICK:WECHSEL – mit Menschen ohne Obdach“ wird Janita-Marja Juvonen aus ihrem Buch „DIE ANDEREN – die harte Realität der Obdachlosigkeit“ lesen. Elke Ihrlich, die sich seit vielen Jahren im Auftrag des Sozialdienstes katholische Frauen (SkF) Berlin für wohnungslose Frauen engagiert und „Housing First“ in der Hauptstadt mit initiiert hat, wird mit Janita-Marja Juvonen, einer Betroffenen und der Fotografin Debora Ruppert ins Gespräch kommen. Eine Gebärdensprachendolmetscherin wird die Gespräche übersetzen. Der Songwriter Florian Künstler, der selbst Straßenmusiker war, wird einige seiner Songs live präsentieren. Eine gehörlose Performance-Person begleitet seinen Auftritt. Moderiert wird die Podiumsdiskussion von Hadnet Tesfai. Der Eintritt ist kostenlos. Da die Plätze begrenzt sind, bitten wir Sie bis zum 07.10. um Anmeldung unter folgendem Link https://www.keinraum.com/blick-wechsel oder via E-Mail an: [email protected]  (von hier)

Mehr zum Ort mit Foto
Mehr zur Fotografin Debora Ruppert

Essensausgabe bei der Tafel

Eine alleinerziehende Mutter berichtet, wie es sich für sie anfühlt, zur Tafel zu gehen: 

„Nicht anfassen!“, raunzt jemand durch den Raum. Das Erste, was man bei unserer Tafel lernt, ist: „nichts anfassen“. Dabei wollte ich nur sehen, ob Zucker in dem Zwieback ist. Jetzt weiß ich es. Doch immer, wenn jemand neu ist, höre ich das „Nicht anfassen“-Raunzen durch die Kirche hallen…

Weiterlesen bei der taz und zwar hier.

 

Bahncard 25 und 50 nur noch digital

Bahncard 25

Ab 9. Juni 2024 gibt es die Bahncard 25 und die Bahncard 50 nur noch digital – aus Umweltschutzgründen wie es heißt. Das schließt arme Menschen und solche, die sparsam mit ihren Daten umgehen wollen, von dieser Rabattmöglichkeit aus. 

 

Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands kommentiert in dessen Presse-Erklärung::

Dass die Deutsche Bahn Kund:innen, die keinen digitalen Zugang haben, geradezu von Tarifvorteilen ausschließen will, ist ärgerlich. Natürlich nutzen viele Bahnreisende mit BahnCard längst das Angebot in digitaler Form über die App. Für sie ist die Plastikkarte bereits unnötig.

Das gilt aber nicht für alle Kund:innen. Mit der Ankündigung der Deutschen Bahn, die BahnCard nur noch digital anzubieten, werden Menschen ohne digitalen Zugang von der Rabattmöglichkeit ausgeschlossen. Ausgeschlossen werden auch Kund:innen, die sparsam mit ihren Daten umgehen und nicht überall ein Kundenkonto haben wollen.

Wir fordern ganz klar: Die BahnCard muss für alle verfügbar sein. Der ersatzweise gültige Papierausdruck muss auch für Menschen ohne digitales Kundenkonto zugänglich sein, etwa, indem es im Reisezentrum ausgehändigt wird. Kostenlos versteht sich.