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Konferenz am 5. Mai

April 10, 2018

Einladung zur Bahamas-Konferenz am 5. Mai in Leipzig

Die antinationale Linke hat in den vergangenen drei Jahrzehnten einen nahezu totalen Sieg errungen, ihre „Diskurshoheit“ ist so umfassend wie unangefochten. Waren es am 12. Mai 1990 in Frankfurt noch lediglich 20.000 Demonstranten, die „gegen den deutschen Nationalismus“ – so das Demo-Motto – durch die Straßen zogen und sich mit Pöblern und Polizei herumärgern mussten, so gibt es heute keinen hochrangigen deutschen Staatsrepräsentanten mehr, der diese Losung nicht unterschreiben würde. Ja, mehr noch, die offiziellen Slogans, die von ihnen heute auf allen Kanälen zum Besten gegeben werden, wären auf der damaligen Abschlusskundgebung sicher auch gut angekommen. So rief Volker Kauder, Fraktionsvorsitzender der CDU im Bundestag, anlässlich einer Feierstunde zu 55 Jahren Élysée-Vertrag Ende Januar aus: „Europa wird nur eine gute Zukunft haben ohne Nationalismus.“ Kurz darauf bekannte sich die Bundeskanzlerin beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos in gewohnt anästhesiertem Tonfall zum Antinationalismus als Staatsräson: „Wir sehen, dass es nationale Egoismen gibt. Wir sehen, dass es Populismus gibt. Wir sehen, dass in vielen Staaten eine polarisierende Atmosphäre herrscht. […] Haben wir aus der Geschichte wirklich gelernt oder haben wir es nicht?“

Merkel und Co. haben fürwahr gelernt: nicht aus der Geschichte des Nationalsozialismus, wie es salbadernd vorgeschützt wird, sondern aus der kapitalen Erfolgsgeschichte der vergangenen 40 Jahre, der Geschichte von „transnationaler“ Produktionsauslagerung und Privatisierung öffentlicher Dienstleistung. Sie haben gelernt, dass „nationale Egoismen“ der „Haushaltsdisziplin“ der europäischen Staaten schaden; sie haben gelernt, dass „nationale Egoismen“ der USA oder Großbritanniens dem deutschen Export schaden; sie haben gelernt, dass „nationale Egoismen“ der Produktions- und Aneignungsordnung des postmodernen Kapitalismus insgesamt schaden; dass sie nicht nur zu hohe Stückkosten zu verursachen drohen, sondern auch zu hohe Ausgaben bei den Löhnen und überhaupt bei den Systemen der öffentlichen Daseinsfürsorge, von der Altenpflege bis zum Wohnungsbau – und das nicht allein in Deutschland, sondern womöglich auch in jenen Ländern, die nicht nur den industriellen Rohstoff, die einfachen Teile, den Stahl und die arbeitsintensiven Halbfertigprodukte liefern, sondern auch Billigbauarbeiter und Billigpfleger sowie, nicht zu vergessen, die Billigmöbel, Billigfernseher, Billighandys und Billigklamotten für die Prekarisierten hierzulande.

Und Merkel und Co. haben noch mehr gelernt. Sie haben gelernt, die ehemaligen Bürgerinitiativen und Antifagruppen zur Zivilgesellschaft auszubauen, was den doppelten Vorteil bietet, vormals staatliche Regulationsaufgaben auszulagern und zugleich absolut verlässliche, weil hemmungslos konformistische Claqueure des postmodernen Kapitalismus zur Hand zu haben, die als gute „Globalisten“ und „Antirassisten“ alles, was den Menschen zwecks Exportoffensive und sozialer Deregulierung zugemutet wird, entweder gleich vorbehaltlos begrüßen oder – der eigenen Selbstachtung willen – mit notwendig konsequenzlosen Floskeln von „transnationaler Solidarität“ und dergleichen mehr garnieren. Das herrschende Personal hat gelernt, dass die Außerkraftsetzung des unnütz, teuer und lästig gewordenen ehemaligen Proletariats am reibungslosesten durchgeht, wenn jede Form kollektiver Interessenvertretung als „totalitär“, „rechtspopulistisch“ oder als Bandenbildung diffamiert wird, weil sie – so wie es die postmoderne Theorie vorbuchstabiert hat – das Besondere, Minoritäre, Abweichende normiere. Dieses Personal hat gelernt, das „Patchwork der Minderheiten“ nach Kräften zu fördern und dadurch immer weiter aufzufächern, von den Anfängen der „triple oppression“ bis zum heutigen, nahezu undurchdringlich gewordenen Dickicht von Bindestrich- und Sternchen-Identitäten. So gelang es rund zwei Jahrzehnte lang, die Hartz-Reformen und den Ausverkauf öffentlicher Wohnungen und Infrastruktur fast unmerklich in den Hintergrund rücken zu lassen im Lärm des Wetteiferns um in den allermeisten Fällen angemaßte und eingebildete Diskriminierungen und Weltbesorgnisse wie den sogenannten Klimaschutz – ein Wetteifern, das mit Projektstellen, symbolischen Events und gendergerechter Grammatik billig am Laufen zu halten ist. Kurz gesagt: Die zurückliegenden Jahrzehnte waren bestimmt von der nahezu kompletten Verschmelzung von kapitalen Erfordernissen, deutscher Ideologie und ostentativem Antinationalismus.

Globalisten gegen Hinterwäldler

So weit, so furchtbar. Doch was haben diejenigen gelernt, die an die antideutschen Aktivitäten des Jahres 1990 anknüpften und die damals aufkommenden Schlagworte bis heute und damit bis zum Überdruss wiederkäuen? Haben sie je darauf reflektiert, dass sich die einst bitter berechtigten Parolen gegen den Pogrom-Mob in Hoyerswerda und Lichtenhagen zu wohlfeilen Propagandasprechblasen der Islamophilie entwickelt haben, zu regelrecht sozialdarwinistischen Kampfparolen gegen die Alten, Uncoolen, Zurückgebliebenen in den wastelands des postmodernen Kapitalismus, die nicht mitkommen können oder wollen bei all der Flexibilisierung samt Zwang zum lebenslangen Lernen? Dass Slogans, die einstmals im besseren Fall den zivilisatorischen Rückstand Deutschlands gegenüber den Nationen im Westen thematisieren sollten, heute dazu dienen, alles, was sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland mühsam zivilisierte, aufzukündigen?

Weil sie jede Reflexion darauf verweigern, wie sehr die ehemals eigenen Positionen mittlerweile integraler Bestandteil der Zivilgesellschaft geworden sind, wittern diejenigen Antideutschen, die längst zu Hilfstruppen des Staatsapparats geworden sind, immer nur „Rechtspopulismus“, sobald einmal ausgesprochen wird, was unübersehbar ist: dass die antinationale Feinderklärung in Deutschland längst nicht mehr dem völkischen Ressentiment gilt (das in seiner Haupttendenz multiethnisch, islamsensibel und selber antinational auftritt), sondern ganz unmittelbar den Prekarisierten, Abgehängten wie auch denjenigen, die zumindest noch eine Idee davon haben, was einst Kosmopolitismus, Weltbürgertum oder Individualität genannt wurde. Beide werden von den Abfeierern von „Globalismus“ und „Transnationalität“ den Unflexiblen, Unmobilen – eben den Konservativen – zugerechnet, die noch immer nicht begriffen haben, worin sich heutige Antinationale mit den Nationalsozialisten einig sind: dass Leben permanente, so blinde wie blindwütige Veränderung bedeutet. Deshalb müssen die Überbleibsel des white trash ebenso wie die unberechtigterweise weiterhin an ihren Privilegien hängenden Bürger mindestens lächerlich gemacht und diffamiert, wenn nicht gleich gesellschaftlich entsorgt werden.

Die Liebe zu multikulturell befreiten Zonen ist in solch progressiv-globalistischem Milieu längst eins geworden mit der Parteinahme fürs dort herrschende Faustrecht, solange es von den Vorfeldkämpfern des Islam und nicht von sogenannten Kartoffeln ausgeübt wird. Zugleich stellt die ach so antisemitismuskritische Parteinahme für den generalisierten „Anderen“ samt des auch in kollektivpsychologischer Hinsicht höchst bedenklichen Hasses auf jede Art von Grenze die einstmals proklamierte Solidarität mit dem Nationalstaat der Juden immer offener zur Disposition. Symbolisch schlägt sich dieser Wandel darin nieder, dass aus dem „Nie wieder Deutschland“ von 1990 inzwischen ein infantil-zerstörungslüsternes „Deutschland kaputt hurra“ (Jungle World-Partymotto, 2015) wurde, bei dem schon rein sprachlich nicht mehr zu entscheiden ist, worüber der zur Bürgergesellschaft zusammengeschlossene antinationale Mob sich denn nun wirklich freut: ob über den alliierten Sieg über den nationalsozialistischen Unstaat, der kein bürgerlicher Staat gewesen ist, ob über die Zerstörung bürgerlicher Nationalstaatlichkeit zugunsten ethnisch partikularisierten Cliquenwesens, oder ob darüber, dass es wieder einmal Deutschland selber ist, das sich erneut im Alleingang und trotzdem in der Übermacht an jener Zerstörung versucht – gegen den Widerstand der USA und Großbritanniens, gegen den Widerstand der osteuropäischen Staaten und der westlichen europäischen Nationalstaaten insgesamt. Dass der antideutsche Mainstream, der solche Zerstörungslust noch propagandistisch befeuert, auf keinen Fall „rechtsantideutsch“ sein will, drückt die Reflexionsverweigerung schon sprachlich und logisch aus, denn „linksantideutsch“ ist eine contradictio in adjecto.

Diese Selbsteinschätzung verrät nur allzu deutlich, was es mit dem Protest „gegen Deutschland“ wohl bei vielen schon immer auf sich hatte. Nicht die gängige linke Sicht auf die Welt, die Vergötzung der Natur oder der gesellschaftlichen Verhältnisse auf dem Trikont als die kurrente Form deutscher Ideologie zu kritisieren, die sie ist, war die Intention. Intendiert war der antiautoritäre Widerstand gegen ein Land, das es als solches (außer vielleicht in der abgehängten sächsischen Provinz) nicht mehr gibt und, bei genauerem Hinsehen, allerspätestens seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat. Denn weder war der Nationalsozialismus unmittelbar ein Abkömmling des preussischen Autoritarismus und Imperialismus, sondern vielmehr ein dynamischer, jugendbewegter, Grenzen verachtender Bewegungsstaat, noch war die Adenauer-Ära eine Zeit politischer „Restauration“ – auch wenn kulturell ein anderer Eindruck entstehen konnte –, sondern vielmehr ein Versuch der Wiederherstellung von Grundbedingungen, die es irgendwann doch einmal möglich machen sollten, dass die Deutschen Menschen werden. Dass dieses Vorhaben misslang, hat die antiautoritäre Revolte der späten Sechziger bewiesen, die in Deutschland vor allem ein Aufstand gegen die Verwestlichung von Politik, Institutionen, Habitus und Denkweise war, auch wenn sie die Bundesrepublik in der Populär- und Unterhaltungskultur scheinbar amerikanisierte.

Restauration als Popanz

Selbst die Kohl-Ära war alles andere als „restaurativ“. Hinter all den altnationalen geschichtspolitischen Kulissen, die errichtet wurden, dem Kokettieren mit Walsers „Auschwitz-Keule“, den Bocksgesängen von Botho Strauß bis hin zu desperaten Oder-Neiße-Revisionisten, die in den ersten Jahren nach der Annexion der DDR große Töne spucken durften, vollzog sich ein völlig anderer Prozess, der nach dem Ende des ostdeutschen Sozialstaats in Windeseile nachholte, was Margaret Thatcher in Großbritannien unter allerdings signifikant anderen Ausgangsbedingungen vorgemacht hatte: Zum einen die Privatisierung der staatlichen Großinstitutionen (Bahn, Post), ja überhaupt des gesamten Systems der Daseinsvorsorge, die gleich mitprivatisiert wurde, und zum anderen die flächendeckende Deindustriealisierung bei weitem nicht nur in der angeschlossenen DDR – ein Prozess, der in den Achtzigern in der Bundesrepublik erst zögerlich begonnen hatte, wobei ganze Industriezweige wie die Uhren- oder Textilindustrie leise entsorgt wurden, die Stahlindustrie hingegen immerhin etwas lauter.

Die rot-grüne Bundesregierung schließlich war es, die diese Kulissen abräumte und die entsprechenden Sozialreformen auf den Weg brachte, aber – und das ist entscheidend – nicht gegen die Linke, sondern mit ihr und deren eigenen Prämissen folgend. Diese Regierung und ihr Milieu konnten auf all das zurückgreifen, was die Linke seit ihrem Abschied vom Proletariat auszeichnete: den Kommunitarismus der Minderheiten, den Pseudoindividualismus der Selbstverwirklichung, die „Politik der ersten Person“ samt ihrer Aufhebung der Grenzen von öffentlich und privat, die kreative Elendsselbstverwaltung der Alternativ- und Ökobewegung, die Subversion, die jede gesellschaftliche Konvention ablehnt, den Antifaschismus schließlich, der sich gegen Nazis richtete, aber eigentlich „die Spießer“ meinte. Der Kampf gegen den Faschismus, der Aufstand der Anständigen gegen die Unanständigen also, erschien so deckungsgleich mit dem Kampf gegen den alten Sozialstaat – und da zogen jene Antideutschen voll mit, die gegen ein nichtexistentes Deutschland mit der verinnerlichten Überzeugung protestierten, dass der nationale Sozialstaat es gewesen sei, der Auschwitz verursacht hatte, und nicht eine antisemitisch-obskurantistische Jugendbewegung, die schuf, was Franz Neumann als „Unstaat“ bezeichnete. Und so tragen die „Linksantideutschen“ heute auch den Angriff auf die Grenzen mit, die den neuen transnationalen Wertschöpfungsketten nicht nur produktionstechnisch im Wege sind, sondern die zugleich auch den Souverän zwingen, sich irgend mit einer gegebenen Bevölkerung zu arrangieren, sie sozialpolitisch irgend einzuhegen, und damit die notwendigen, wenngleich nicht hinreichenden Bedingungen eines halbwegs zivilen Alltagslebens zu sichern.

Soll der Begriff überhaupt einen Sinn haben, dann wäre es die antideutsche Aufgabe schlechthin (ebenso wie es das Bestreben der Kritischen Theorie war), Deutschland, den ewigen Zerstörer, endlich zu verwestlichen – und nicht, wie es gängiger antideutscher Kartoffelhass will, ausgerechnet das zu zerstören, was an Deutschland, wie oberflächlich auch immer, zu verwestlichen gelungen ist. Unter den Bedingungen des postmodernen Kapitalismus müsste solche Verwestlichung vor allem darin bestehen, den herrschenden Apparat samt seiner Claqueure wieder dazu zu zwingen, Klassenkompromisse einzugehen (was einst im Zentrum der angelsächsischen Zivilisation und der von ihr hervorgebrachten administrativen Strukturen stand). Ein erster Schritt in diese Richtung müsste sein, das Bestreben dieses Apparats, zu teure und unproduktive Bevölkerungsgruppen zu brandmarken und am liebsten politisch wie praktisch zu entsorgen, sein Bestreben, disruptiv jedes gesellschaftliche Übereinkommen zu sprengen, keine Grenze mehr anzuerkennen (sei sie logischer oder sozialer Natur), als das, was heute deutsch ist, kenntlich zu machen und ins Zentrum kritischer Intervention zu stellen. Am deutlichsten wird solche Entsorgungswut in der unverhohlenen Hetze gegen die alten Weißen, zu denen auch alle Migranten zählen, die darauf bauten und bauen, hier im Westen zu landen, und die nicht Schwungmasse des antibürgerlichen, islamophil befeuerten Ressentiments sein wollen.

In den Referaten der Konferenz wird deshalb unter anderem darzustellen sein, worauf Antinationalismus und Entgrenzung des bürgerlichen Souveräns wie auch des mit ihm korrespondierenden bürgerlichen Sozialcharakters zielen, warum die bürgerliche Nation jedem postnationalem Ensemble vorzuziehen ist, was es mit der linksvitalistischen Feindseligkeit gegen Alte und „Konservative“ auf sich hat, wieso deutsche Ökologie zutiefst asozial ist und schließlich, warum sich der scheinuniversalistische Postnationalismus notwendig als Feind Israels, ja, als zeitgemäße und adäquate Bühne für den Antisemitismus entpuppt.

Felsenkeller, Karl-Heine-Straße 32 | 11:00 Uhr

Konferenzprogramm

Keine Stimme für DIE PARTEI!

September 4, 2017

Angesichts der – gerade in sich antideutsch apo­s­t­ro­phie­renden Kreisen – gehegten Affinität zu Martin Sonneborns Kasperprojekt DIE PARTEI, dokumentieren wir aus aktuellem Anlass einen Nicht-Wahlaufruf der Redaktion Bahamas.

Keine Stimme für DIE PARTEI!

Liebe Freundinnen und Freunde Israels und des Westens überhaupt,

einer der Hauptgründe, am 24.9. nicht zur Wahl zu gehen, liegt darin, dass Sie unter den Parteien mit Aussicht auf mehr als ein Prozent der Wählerstimmen, abgesehen von einem alternativen Wladimir-Putin-Fanclub, ausschließlich solche finden, die sich einem israelkritischen antifaschistischen Block angeschlossen haben, dessen vornehmstes Anliegen es ist, bunte Vielfalt anzupreisen und vor nationalistischem mithin braunem Gedankengut zu warnen. Diesem Block, dem rund 90 Prozent der Wählerstimmen sicher sind, gehören all Ihre coolen Freunde und Bekannten vom Nebentisch in der angesagten Kneipe im angesagten Kiez an. Die werden fundamentaloppositionell einer alles entlarvenden satirischen Anti-Partei ihre Stimme geben, die mit Lynchphantasien gegen rechts mobilisiert und landauf landab die Parole „Hier könnte ein Nazi hängen“ plakatiert.

Wenn Leute auf Plakaten eine lächelnde junge Frau im schulterfreiem Kleid neben einer unter einem schwarzen Sack mit Sehschlitz verhüllten anderen Frau abbilden und darunter schreiben: „Bunt statt braun – Gesicht zeigen“, dann kann man dagegen auch dann nichts einwenden, wenn die Urheber sich „Die Hannoveraner“ nennen und vermutlich gegen die Parole, „Hier könnte ein Kinderschänder hängen“ nichts einzuwenden hätten. Wer als Replik in antifaschistischer und natürlich satirischer Absicht der Burka-Frau einen NPD-Nazi an die Seite stellt und „Burkapflicht für Nazis – Hackfressen verdecken! Partei-Grau statt Nazi-Braun“ textet, wird mit Notwendigkeit jeden Einwand gegen die größte antinationale Bewegung der Welt vermeiden und stattdessen deren Kritiker pauschal als barbarische Staatsfeinde abmeiern. Das trifft irgendwann den von Burka-Frauen und ihren Hipsterbart tragenden Männern umstellten jüdischen Nationalstaat, der seine Grenzen schützt und im Inneren den mit ihm solidarischen Angehörigen des je aktuellen Judenmörders mit Planierraupen zurecht das Haus zerstört, aus dem das Unheil kam und bei nächster Gelegenheit wieder kommen könnte.

Liebe Freundinnen und Freunde Israels und des Westens überhaupt,

Sie alle haben im April 2017 mit Empörung die nötigenden, von tiefer Feindseligkeit erfüllten Einlassungen von Außenminister und Bundespräsident gegen Israel angesichts ihrer Staatsbesuche dort zur Kenntnis genommen. Sie alle haben mit Ekel die Verbeugung Steinmeiers vor dem mit europäischen Geldern errichteten Mausoleum eines notorischen Judenmörders gesehen und sich ganz ohne ironischen Hintersinn geschworen, wen immer Sie kennen, der es mit diesem Präsidenten und diesem Außenminister hält und deren unverhohlen deutschen Drohungen gegen den jüdischen Staat beipflichtet, die Freundschaft aufzukündigen. Sie glauben, dass sie die coolen Jungs und Mädels der lustigen Runde am Nebentisch davon ausnehmen können, wissen Sie doch, dass auch die meisten von denen „gegen jeden Antisemitismus“ und für Israel sind. Was aber machen Sie, wenn der von allen an der lustigen Runde Beteiligten angehimmelte Chef-Satiriker seinerseits den Caterpillar bemüht, wie am 25.4.17 auf Facebook geschehen, was dann so klingt: „‪Lustig, zum ersten Mal sind meine Sympathien fast überwiegend auf Sigm. Gabriels Seite… Ich würde Netanjahu mit ein paar Planierraupen besuchen, ihm das Wasser abstellen‬ und ihn ein bisschen anderweitig demütigen.“

Sie könnten sich selber ernst nehmen und der Empfehlung der Redaktion Bahamas folgen, die zuletzt 2005 einen Nicht-Wahl-Aufruf gegen einen notorischen Israel-Feind herausgegeben hat, der 1991 die irakischen Raketenangriffe auf Israel als „die logische, fast zwingende Konsequenz der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern und den arabischen Staaten“ bezeichnet hatte, ohne das je widerrufen zu haben. Während der Abgeordnete Ströbele in seiner Partei wegen dieser Aussage immerhin heftig kritisiert wurde, hat Martin Sonneborn, der Chef-Satiriker und Vorsitzende von Die Partei, seine Facebook-Worte nicht nur nicht widerrufen, mit ihm hat die gesamte coole Runde in Ihrer Stammkneipe achselzuckend geschwiegen und sich kichernd über Moralapostel von einer Insel und von anderswo mokiert, die einfach nicht lustig sein können.

Sie müssen also, wenn Sie es mit Israel und dem Westen überhaupt ernst meinen, sofort in ihrem Umfeld unter dem Motto „keine Stimme für Die PARTEI!“ agitieren, auch auf die Gefahr hin, als humorloser Spielverderber dazustehen. Tun sie es nicht, dann geben Sie sich auf, zucken mit den Achseln und machen giggelnd die jüngste Parole von Die PARTEI: „Weil ich mir egal bin.“ zu der Ihren.

(Quelle: http://redaktion-bahamas.org/aktuell/2017/09/01/keine-stimme-fuer-die-partei)

Vortrag am 19. Januar

Dezember 14, 2016

Die Volkspartei des gesunden Menschenverstandes
Kritik der AfD und ihrer Gegner

Bundesjustizminister Heiko Maas, der vom Lifestyle-Magazin GQ wegen seiner „ausnahmslos perfekt“ sitzenden Anzüge 2016 zum bestangezogenen Mann in Deutschland gekürt wurde, steht nicht nur stilistisch für das bessere Deutschland. Auch seine Ansprache adressiert im ausnahmslos perfekt sitzenden neudeutschen Jargon diejenigen Landsleute, die als Werbeträger für ein unverkrampftes Deutschland gefragt sind: „Bleiben wir ein modernes und weltoffenes Land, oder werden wir eine Nation verkniffener Spießer, die ihr Heil in der Vergangenheit sucht?“

Die nationale Schicksalsfrage, die Maas via Spiegel Online ans Volk gerichtet hatte, ist im Thüringischen Jena längst beantwortet. Der Klassenprimus des Ostens gilt als eine Hochburg der Einheitsfront von Bewegungs- und Staatsantifa. Laut Selbstauskunft der lokalen Kämpfer gegen den Rechtsextremismus wird Jena nicht nur so standhaft verteidigt wie einst das von Ernst Busch besungene „Rote Madrid“, sondern strahlt gleichsam quasitherapeutisch aufs ganze Land, nämlich als „ein Ort, von dem Ermutigung ausgeht“, denn oft sei es gelungen, „Naziaufmärsche aus unserer Stadt fernzuhalten. […] Jenaer Erfahrungen im Kampf gegen den Rechtsextremismus sind in vielen Teilen der Bundesrepublik gefragt und werden geschätzt“.

Beflügelt vom Aktionsstolz, der in solchen heimatverbundenen Bewerbungsschreiben für das eigene Kaff zum Ausdruck kommt, und der Gewissheit, das Demonstrationsrecht jederzeit aushebeln zu können, gelang es, mit „tausende[n] Menschen und bunte[n] Protestaktionen“ eine angemeldete Demonstration der AfD einzukesseln und unmissverständlich klarzustellen, dass „die Zuschreibung ‚Bunt, Tolerant und Weltoffen’ für unsere Stadt mehr als eine Image-Kampagne“ ist: nämlich Klammer des Gemeinschaftsgeistes der „engagierte[n] Menschen“ im „akademischen Jena“ gegen das zum Feindbild erklärte ehemals proletarische Umland, für das nach gängiger Lesart nicht nur bei Heiko Maas die AfD und deren Wähler, die verkniffenen Spießer, stehen.

Es sind keine intellektuellen Höchstleistungen vonnöten, um zu erkennen, dass die AfD nicht wegen ihrer ideologischen Ausrichtung oder einfach deswegen angegriffen wird, weil sie darauf zielt, notorischen Futterneidern die miesesten Instinkte zu entlocken. Das Establishment der Berliner Republik bekämpft im Schulterschluss mit der Antifa die AfD als Partei der Ewiggestrigen und Abgehangenen, die beim permanenten Flottmachen im Dienste des Kapitals als potentielle Hemmnisse beunruhigen. Die Zurückgebliebenheit der Krethis und Plethis aus entvölkerten Landkreisen wird zum Anlass genommen, ganz Deutschland auf Trab zu bringen: Wenn ihr euch „physisch, ökonomisch und zeitgeistig“ nicht anstrengt, endet ihr wie die Loser von der AfD, so die unverhohlene Botschaft.

Der sogenannte kleine Mann firmierte hierzulande bis auf wenige Ausnahmen − man denke an Wilhelm Reichs „Rede an den kleinen Mann“ oder Hans Magnus Enzensbergers Gedicht gegen den „mann in der trambahn“ – stets als heiß umworbene Schwungmasse aller politischen Fraktionen und insbesondere für die Linken als potentieller Verbündeter, von dessen Hässlichkeit man nichts wissen wollte. Das scheint sich zu ändern, der kleine Mann und die kleine Frau werden längst nicht mehr nur umschmeichelt, sondern ziehen zunehmend die Ungeduld und den Zorn der modernen und weltoffenen Deutschen auf sich. Der Widerspruch gegen die bornierte Aggressivität der kleinen Männer und Frauen auf dem Wutbürgertrip ist dabei mitunter so autoritär wie deren Gestus des gesunden Menschenverstandes.

Gegen die AfD, die als Partei der kleinen Männer und Frauen triumphiert, hat sich der bessere Teil der Landsleute zur Antifaschistischen Aktion Deutschland zusammengeschlossen und führt sich seit Monaten auf, als bestünde die Gefahr, dass man morgen schon gegen den aufziehenden Faschismus an die Gewehre müsste. Was beim ganzen Nazipopanz jedoch auf der Strecke bleibt, ist eine einigermaßen realistische Einschätzung der neuen Problempartei. Ihr Erfolg basiert darauf, dass sie den in der infantilisierten Gesellschaft sich ausbreitenden Typus des streitsüchtigen und zunehmend enthemmt agierenden Narzissten mit den passenden Sprüchen im Glauben bestärkt, zu den betrogenen Durchblickern zu zählen.

Ihre größte Fanbase hat die AfD nach wie vor im Osten, wo das Bedürfnis, konformistisch zu rebellieren, besonders hoch ist und wo anscheinend mehr Menschen leben, die sich nicht einmal dafür schämen, öffentlichen Veranstaltungen beizuwohnen, auf denen ein schrulliger Gymnasiallehrer wie Björn Höcke sich in abstrusen Biologismen und peinlich komischem Männlichkeitskitsch ergeht.

Im Osten wetteifert die AfD mit der Linkspartei um das volksnaheste Heimatschutzprogramm und hat gegenüber der parteipolitischen Konkurrenz den Vorteil, den fremdenscheuen Ossi mit Ausländer-Raus-Sprüchen umschmeicheln zu können, ohne parteiintern Widerspruch zu provozieren.

Zum Lieblingsfeind der modernen Deutschen wurde die AfD jedoch, weil sie den Islam nicht ausnahmslos als beglückende Bereicherung betrachtet, sondern auf die Scheußlichkeiten hinweist, die die islamistischen Propagandisten und politisierenden Moslems in ihren Einflussbereichen anrichten. Würden die im Bundestag vertretenen Parteien unterdessen den Islam nicht in fortgeschritten realitätsverleugnender Weise andauernd schönreden, dann wäre die AfD nicht so stark wie sie es aktuell ist – denn dann könnte die Partei nicht damit auftrumpfen, die einzige zu sein, die zum Islam zuweilen nicht nur die übliche Portion zynischen Kulturrelativismus abliefert.

Vortrag und Diskussion mit den Bahamas-Autoren David Schneider und Mario Möller.

19. Januar 2017 Universität Jena, Hörsaal 7 // 19:00 Uhr

Vortrag am 17. Dezember

November 30, 2015

Das letzte Gefecht
25 Jahre „Nie wieder Deutschland!“

„Nie wieder Deutschland!“ – Unter diesem Motto mobilisierte die außerparlamentarische Linke vor 25 Jahren, im Mai 1990, strömungsübergreifend auf den Frankfurter Opernplatz, um gegen die deutsche Wiedervereinigung zu protestieren. 20.000 Menschen folgten dem Aufruf. Wenige Monate später war diese ungewohnte Harmonie vorbei: Es brachen jene Konfliktlinien auf, an denen sich die außerparlamentarische Linke in den nächsten beiden Jahrzehnten gruppieren sollte. In personeller Hinsicht fiel man in die Bedeutungslosigkeit. Gruppierungen, die seit mehr als zwanzig Jahren bestanden hatten, lösten sich auf; die Linke geriet in eine der größten Krisen ihrer Geschichte. Dieser Umstand verwundert zunächst. So hatten APO und Co. dem Honecker-Regime und den anderen Staaten des „real existierenden Sozialismus“ in der Regel kritisch bis feindselig gegenübergestanden. Es stellt sich damit die Frage, warum die außerparlamentarische Linke ausgerechnet durch das Ende der DDR, die deutsche Wiedervereinigung und den Untergang des Ostblocks in einen Schockzustand fiel. Und: Warum hat sie sich auch heute, mehr als ein Vierteljahrhundert später, noch nicht von diesem Schock erholt? Um hierauf antworten zu können, ist sowohl ein Blick auf die Zeit des Kalten Krieges als auch eine Auseinandersetzung mit jenen drei Begriffen nötig, die nach wie vor im Zentrum des linken Selbstverständnisses stehen: Revolution, Antifaschismus, Antiimperialismus.

Vortrag und Diskussion mit Jan Gerber.

Jan Gerber ist Autor des Buches Das letzte Gefecht – Die Linke im Kalten Krieg (XS-Verlag 2015), welches im Vortrag auch vorgestellt werden soll, sowie des Titels Nie wieder Deutschland? – Die Linke im Zusammenbruch des realen Sozialismus (ça ira 2010).

17.12.2015 Universität Jena, Hörsaal 8 // 19 Uhr

Vortrag am 26. Juni

Mai 29, 2015

Integration in weltbürgerlicher Absicht
Ein Plädoyer für das bürgerliche Recht

„Der Islam gehört zu Deutschland“. Für dieses Statement attestierte der Freitag dem Ex-Bundespräsidenten Wulff und der Kanzlerin Merkel eine „kosmopolitische Beherztheit“. – Würden sie damit doch nur die Realität anerkennen.

Höchstrichterlich stimmte das Bundesverfassungsgericht in diesen Tenor ein, indem es der Beschwerde zweier muslimischer Frauen gegen deren Kündigung aus dem Schuldienst auf Grund des Tragens eines Kopftuches stattgab und feststellte, „dass ein pauschales Verbot religiöser Bekundungen in öffentlichen Schulen (…) gegen das Verbot der Benachteiligung aus religiösen Gründen“ verstoße und dass „nicht nur eine abstrakte, sondern eine hinreichend konkrete Gefahr der Beeinträchtigung des Schulfriedens oder der staatlichen Neutralität ausgehen muss, um ein Verbot zu rechtfertigen“. Eine Gefährdung der offenen Gesellschaft, so Volker Beck (Grüne) zustimmend, ginge nicht von Lehrerinnen und Lehrern aus, die ihren Glauben sichtbar bekundeten, sondern von jenen, „die Vielfalt bekämpfen“. Für die Generalsekretärin des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD), Nurhan Soykan, ist ausgerechnet dieses Urteil ein „richtiger Schritt, weil es die Lebenswirklichkeit muslimischer Frauen in Deutschland würdigt (!) und sie als gleichberechtigte Staatsbürger (!!) am gesellschaftlichen Leben partizipieren lässt“ – als würde dieses Urteil nicht all jenen in den Rücken fallen, die nicht als gänzlich befangene Zwangsmitglieder „ihrer“ Kulturhorde, sondern als Einzelne und Freie ihr Glück jenseits von volksgemeinschaftlichem Terror suchen wollen.

Die ganze Debatte zum Umgang mit dem Islam rührt jedoch an einer grundsätzlichen Frage: der Integration von Migranten und Flüchtlingen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, Flüchtlingen die Chance auf ein besseres Leben zu verweigern und der Parole „Bleiberecht für alle!“ lässt sich mehr abgewinnen als Versuchen, Fluchtursachen fein säuberlich in (legitime) politische und (verwerfliche) wirtschaftliche Gründe zu trennen.

Wer A sagt, also „Refugees Welcome“, wird um die Frage B, nämlich die nach der Integration, nicht herumkommen: Es gilt, Doppelstandards nach den Maßgaben autoritärer Parallelgesellschaften – wofür maßgeblich, aber nicht ausschließlich, die islamischen Communities stehen – zu verhindern. Voraussetzung dafür wäre, dass eine Gesellschaft die universellen Maßstäbe des Westens, an denen sich die Einzelnen in ihrem täglichen Leben sehr wohl orientieren, zu ihrer Sache macht und gewillt ist, diese selbstbewusst durchzusetzen. Das wäre notwendig mit der Einsicht verbunden, dass „Vielfalt“ und „Anderssein“ ausschließlich als private Vorlieben, die ihre Grenzen am bürgerlichen Recht erfahren, zu gelten hätten und niemals als Gemeinschaftseigenschaften. Denn so merkwürdig es auch klingen mag: In nicht-revolutionären Zeiten ist der Restbestand von Vernunft, der überdauert hat, nicht auf den Demonstrationen irgendwelcher Globalisierungsgegner anzutreffen und schon gar nicht bei den Dresdner Freunden der abendländischen Kultur, sondern im unpersönlichen Getriebe der Rule of Law.

Vortrag und Diskussion mit Justus Wertmüller (Redaktion Bahamas).

26.06.2015 Universität Jena, Hörsaal 7 // 19 Uhr

Tagesseminar Psychoanalyse

August 31, 2014

Wir werden gelebt
Über das Verhältnis der Freudschen Trieblehre zur materialistischen Gesellschaftskritik

Die Psychoanalyse Freuds seziert den seelischen Haushalt des Individuums in der spätkapitalistischen Gesellschaft: “Wir sind nicht Herr im eigenen Hause.” Zugleich wird jedoch der Regression des Individuums zum Massenwesen die Reflexion entgegengehalten: “Wo ES war soll ICH werden, ist also der Leitspruch der Psychoanalyse.” Die Menschen wähnen sich frei, sind aber in ihrem Denken, Handeln und Wünschen von unbewußten Impulsen bestimmt. Diese Determination wird in der Trieblehre ihrerseits naturalisiert, was sich insbesondere an der Lehre vom Todestrieb zeigt. Daher wird Freud häufig vorgeworfen, den Menschen auf ein reines Triebwesen zu reduzieren: Er habe “die Gesellschaft” vergessen, seine Lehre sei daher soziologisch zu ergänzen – ein Vorwurf der jedoch am Begriff des Triebes, der nicht als biologischer Instinkt, sondern als geschichtsphilosophische Konzeption zu interpretieren ist, völlig vorbeigeht. Und auch die Einwände der sog. empirischen Psychologie verfehlen den Kern der Freudschen Lehre. Denn gerade an seiner Trieblehre läßt sich verdeutlichen, daß Freud das Individuum als zugleich natürliches und gesellschaftliches Wesen kennzeichnet, als ein Wesen, daß gerade dort, wo es gesellschaftlich ist, natürlich, und wo es natürlich ist, gesellschaftlich agiert. Die Behauptung, daß der Mensch nicht biologisch, sondern gesellschaftlich bestimmt sei, kommt soziologisch denkenden Menschen (namentlich “Linken”), allzuleicht über die Lippen. Sie verkennen, daß er als gesellschaftliches vielmehr ein ungesellschaftliches und als natürliches gerade ein unnatürliches Wesen ist. Den Begriff des Triebes aus Freuds Lehre zu eliminieren, bedeutet, seine Lehre ihrer gesellschaftskritischen Intention, damit ihrer Wahrheit zu berauben.

Tagesseminar mit Martin Dornis (Leipzig), Autor u.a. von Der Meister aus Deutschland – Zur Kritik der Ideologie des Todes, in: Gruber/Lenhard (Hg.): Gegenaufklärung – Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft.

Das Seminar findet am Samstag, den 27.09.2014 in Jena statt. Beginn: 12 Uhr.

Nähere Informationen zum Veranstaltungsort sowie den Link zum Seminar-Reader erhaltet ihr nach Anmeldung bis zum 20.09. unter apdtjena@yahoo.de.

Flugblatt zum Gaza-Gedenken

Juli 31, 2014

Am 30. Juli luden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Lehrstuhls für Sozialpsychologie an der FSU Jenaer Studenten und Bürger zum „gemeinsamen Gedenken der Toten in der Gaza-Region“ ein. Unter dem Motto „Wir können das Töten von Jena aus nicht beenden“ wurden Kerzen angezündet und „Beileidsbekundungen in Form von Briefen, Karten oder Blumen“ getauscht.

Die Ankündigung und ein Zeitungsinterview zeigten, was die zivilgesellschaftlichen Jung- und Altwissenschaftler umtreibt: eine abstrakte Friedenssehnsucht, die sich in falscher Äquidistanz übt und bereits einen oberflächlichen Vergleich der Parteien scheut. Die dabei bemühte hochnotpeinliche Versöhnungsrhetorik missachtet ihre konkrete Implikation – nämlich, dass Israel mit seinen Todfeinden über die Bedingungen der eigenen Abschaffung verhandelt. Die APDT kam nicht umhin, diesem Treiben mit einem Flugblatt zu begegnen.

Vor Ort konnten wir uns dann davon überzeugen, dass den studierten Sozialpsychologen jeder kritische Begriff von der eigenen Wissenschaft abhanden gekommen und ihr Engagement somit längst zur Therapie in Permanenz für alle Beteiligten geworden ist.

SIE KÖNNEN DAS TÖTEN STOPPEN!

Sie sind heute Abend der Einladung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Lehrstuhls für Sozialpsychologie der Universität Jena gefolgt, um sich genau wie die Einladenden darüber zu versichern, dass Sie „das Töten von Jena aus nicht beenden“ können und dass die Frage im Raum steht, welchen Einfluss man als ohnmächtiger Jenaer Freund der Zivilgesellschaft auf der großen Bühne des Weltgeschehens im Nahen Osten hat. Diese Frage ist glücklicherweise dergestalt entschieden, dass Sie ihre pazifistischen Ressentiments nur auf Jenas Straßen austoben und dies keine Auswirkungen auf die Verteidigungsfähigkeit Israels hat.

Doch wir setzen voller Optimismus auf ihre Lernfähigkeit, und die scheinbar verzwickten Dinge liegen oftmals einfacher, als Sie denken. Wir wollen uns also nicht weiter mit der müßigen Frage aufhalten, warum Sie für über 150.000 Tote in Syrien keinen Gedenkabend veranstalten, wieso die tausenden von dschihadistischen Mörderbanden im Irak, in Nigeria und in Somalia Abgeschlachteten für Sie höchstens eine Randbemerkung darstellen, wieso die ungezählten im Mittelmeer ersoffenen Flüchtlinge Ihnen keine Kerze der Betroffenheit entlocken. Stattdessen wollen wir Ihnen ein paar konstruktive Vorschläge mit auf den Weg geben.

Ein erster Schritt wäre, dass Sie ihre Friedenssehnsucht zu den Akten legen und sich der Gewissheit entledigen, wonach Israels bewaffnete Selbstverteidigung gegen die Vernichtungswünsche und -taten seiner vom Antisemitismus getriebenen Feinde die größte Gefahr für den Weltfrieden sei. Setzen Sie sich dafür ein, dass die Hamas, die die palästinensische Bevölkerung in Geiselhaft nimmt, zerschlagen wird – und nicht etwa für eine Waffenruhe, die den Terrorbanden lediglich zur Auffüllung ihrer Waffenlager dient! Erheben Sie ihre Stimme, damit Fördergelder der EU nicht dafür verwendet werden, dass in palästinensischen Schulbüchern zur Vernichtung des jüdischen Staates aufgerufen wird!

Nehmen Sie den Slogan „think global, act local“ einfach Ernst und richten Sie ihr Augenmerk auf den Oberbürgermeister Albrecht Schröter, der Ihnen als antifaschistischer Leithammel gegen Rechtsextremismus bestens bekannt sein dürfte. Durchbrechen Sie ihre Denkblockade und besetzen Sie zahlreich Wahllokale, Straßen und Plätze, um zu verhindern, dass dieser „Entscheidungsträger“, der sich an einer Konferenz beteiligte, die Fatah und Hamas als „Partner für den Frieden“ zurecht log und der unter Verweis auf antizionistische Alibijuden zum Boykott israelischer Waren aufruft, zur nächsten Wahl wieder als Sieger vom Platz geht! Das wäre ihr ganz persönlicher Beitrag dazu, pazifistische Fürsprecher der palästinensischen Sache, die der Fatah nach die „vollständige Befreiung von Palästina und die Ausrottung der zionistischen wirtschaftlichen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz“ zum Gegenstand hat, aus dem politischen Verkehr zu ziehen.

So lange es auf Seiten der Palästinenser keine ernstzunehmenden politischen Kräfte gibt, die sich diesem offen propagierten Vernichtungsprogramm widersetzen, so lange bedeutet jede Verhandlungsaufforderung an Israel, jeder Ruf nach Frieden also, die mehr oder weniger offene Kollaboration mit dem antisemitischen Terror, der wiederum all die Toten, derer Sie heute gedenken, zu verantworten hat.

Sollten Sie den Wunsch verspüren, einen ganz persönlichen Beitrag dafür zu leisten, dass in Gaza und den Autonomiegebieten andere wünschenswerte Perspektiven für Kinder und Jugendliche als die des Berufspalästinensers denkbar werden, was eine Zerschlagung der antisemitischen Terrorbanden zur Voraussetzung hätte, so geben Sie all Ihre Ersparnisse den israelischen Streitkräften.

Association Pomme de Terre / Jena, 30. Juli 2014

Vortrag am 25. Juni

Mai 29, 2014

Darum negative Dialektik
Die Entfaltung des Existenzialurteils als Aufhebung von Positivismus und Metaphysik

Die kritische Theorie hat bei aller Einsichtigkeit der einzelnen Schritte und der Übereinstimmung ihrer Elemente mit den fortgeschrittensten traditionellen Theorien keine spezifische Instanz für sich als das mit ihr selbst verknüpfte Interesse an der Aufhebung des gesellschaftlichen Unrechts. Diese negative Formulierung ist, auf einen abstrakten Ausdruck gebracht, der materialistische Inhalt des idealistischen Begriffs der Vernunft. (Max Horkheimer)

Wenn Kritische Theorie gleichermaßen gegen den ideologischen Betrieb postbürgerlicher Wissenschaft und jedwede subjektiv-willkürliche bzw. dezisionistische Standpunktphilosophie oder Weltanschauung, zu der leninistische, existentialistische, poststrukturalistische und positivistische Marxisten sich bekennen mögen, darauf beharren kann, die fortgeschrittenste Gestalt des Denkens in der Gegenwart (Horkheimer) zu sein, dann weil Bestimmung und Entfaltung des Existenzialurteils eben einer objektiven Nötigung folgen. Noch die dabei unabdingbar in Rechnung zu stellende Vermitteltheit fortschreitender Vernunft als Aufklärung über die Aufklärung durch Nicht-Diskursives wie Geschichte und leibliche Impulse konfrontiert ratio nicht mit ihrem Gegenteil, gänzlich Anderen oder ihr rein Äußerlichen, ist sie schließlich selbst historisch entstandene Funktion der Selbsterhaltungstriebe: Abwehrinstrument gegen (Natur-) Gewalt. Darum durchdringen sich in den Begriffen und Wendungen negativer Dialektik (wie Nichtidentisches, Vorrang des Objekts, Nichtbegriffliches und Totalität sowie Einheit des Vielen ohne Zwang, Versöhnung und Abschaffung des Todes) erkenntnistheoretische und utopische, rationale und leibliche Momente unzertrennlich, und zwar ohne, dass ihnen – wie von positivistischen Gegnern jeder Dialektik seit Popper unterstellt – auch nur ein Hauch Obskurantismus anhaften würde.

Thomas Maul wird in seinem Vortrag Intention und strukturellen Aufbau sowie die zentralen Thesen seines kürzlich erschienenen Buches Darum negative Dialektik (XS-Verlag Berlin) im Kontext der Philosophiegeschichte und gegenwärtiger Debatten vorstellen.

Thomas Maul ist Autor der Zeitschrift Bahamas sowie der Bücher Die Macht der Mullahs und Sex, Djihad und Despotie (ça ira Verlag).

25.06.2014 Universität Jena, Hörsaal 9 // 19 Uhr

Vortrag am 17. Januar

Dezember 30, 2013

Verschenkte Gelegenheiten
Buchvorstellung und Diskussion mit Magnus Klaue

In einer Welt, in der kritische Theorie nicht nur, wie von Beginn an, mit gesellschaftlicher Ohnmacht geschlagen ist, sondern zum objektiven Anachronismus, zur nur noch lästigen Erinnerung an Unabgegoltenes wurde, ist sie zur Parodie ihrer selbst heruntergekommen: Sei es, daß man sie durch mehr oder minder redliche akademische Pflege als immer noch bessere Alternative im Angebot der Denkstile konserviert; sei es, daß man sie als Statthalterin einer obskuren intellektuellen Radikalität und Militanz mißversteht, die in Wahrheit nur als Obsession ihrer Verfechter existiert; sei es, daß man sie als Kampfplatz um die jeweils neuesten geistigen Bekenntnisse und Distinktionen in den Dienst nimmt. Nur mehr von marginalen Splittergruppen und aggressiv oder tiefsinnig herumräsonierenden Lesekreisen ernst genommen, verliert sie gerade dadurch ihren Ernst und droht objektiv kryptisch, zu einer besonders elaborierten Form von Obskurantismus zu werden, so daß man, wie Clemens Nachtmann jüngst bemerkte, versucht ist, von der Lektüre Adornos abzuraten, weil Einfalt gegenüber dem Gegenstand offener ist als solches falsche Verstehen. Durch ihre Popularisierung oder vermeintliche Aktualisierung ist dem so wenig abzuhelfen wie durch die immer beliebtere sprachliche Übung, die eigene Sprache durch Nachstellung des sich und frankophone Einsprengsel gerade dann bedeutungsschwer zu adornisieren, wenn man dem Gehalt von Adornos und Horkheimers Denken längst abgeschworen hat. Demgegenüber sollte daran erinnert werden, wie kritische Theorie ihren Anfang nahm: weder als sogenannte kritische Gesellschaftstheorie (die vielmehr ihre Schrumpfform ist) noch als Anweisung auf irgendeine Praxis, sondern als freie, das heißt der Sache nicht nur verpflichtete, sondern sich ihr vorbehaltlos hingebende Reflexion der Erfahrung von Wirklichkeit: in Horkheimers Dämmerung, Adornos Minima Moralia, Benjamins Einbahnstraße und Berliner Kindheit um 1900 und den Feuilletons Siegfried Kracauers, mit sogenannten unsystematischen, gerade darin aber auf Verbindlichkeit zielenden, in ihrer Subjektivität das bloß Subjektive überschreitenden Texten also, denen die Untrennbarkeit von Sprach- und Denkform stets gegenwärtig blieb.

Magnus Klaues Vortrag und sein in Kürze erscheinendes Buch Verschenkte Gelegenheiten (ça ira Verlag) versuchen diesen Zusammenhang zu vergegenwärtigen und auf den Einzelnen zurückzuwenden. Denn nur im Einzelnen und nicht in Gruppen, die durch Bekenntnisse und gegenseitige Verachtung zusammengehalten werden, bleibt die Hoffnung bewahrt, dass der Erkenntnisgehalt kritischer Theorie irgendwann doch begriffen wird.

Magnus Klaue ist freier Autor und schreibt u.a. für Bahamas und Jungle World.

17.01.2014 Universität Jena, Hörsaal 7 // 19 Uhr

Vortrag am 13. Juni

Mai 12, 2013

Adolf Hitler, der unmittelbar allgemeine Deutsche
Über die barbarische Dialektik der Souveränität

In Deutschland wird Hitler als Gegenstand der Geschichtswissenschaft verdrängt, als verlorene Utopie betrauert oder als Bildungserlebnis staatstragender Demokraten gefeiert. Aber gerade als der tobende Teppichbeißer und manische Charismatiker, als den die Historiker ihn dem staunenden Publikum vorführen, ist Hitler doch allererst Anlaß zur Staatskritik, zur Reflektion auf das barbarische Potential der kapitalen Souveränität, die den nazistischen „Antisemitismus der Vernunft“ entband. Der Begriff des Nationalsozialismus ist demnach, wie ihn auch der Materialist Johann Georg Elser praktisch zu fassen suchte, in der Perspektive zu entwickeln, daß Hitler als Erscheinung des allgemeinen Deutschen, als der Souverän, hinter den Staatsapparaten hervortrat und als Person unmittelbar alles, was deutsch ist, verkörperte. Darin konvergieren die materialistische Kritik der politischen Ökonomie und gewisse Einsichten der Psychiatrie, denn eine barbarische Gesellschaft kann nur von einem Funktionär repräsentiert und ausagiert werden, der seiner psychischen Konstitution zufolge nichts anderes ist als eben: die negative Aufhebung des Subjekts im Individuum selbst, d.h.: ein Barbar sondergleichen. Liest man „Mein Kampf“ nicht nur als die ultimative Offenbarung aller in Deutschland definitiv nur möglichen Staatsphilosophie, sondern, was gar kein Widerspruch ist, zugleich als das Dokument einer psychischen Krankheit (wie es der Emmendinger Psychiater Wolfgang Treher in seinem fulminanten Buch Hitler, Steiner, Schreber. Gäste aus einer anderen Welt gezeigt hat) und, genauer, als das Protokoll einer seelischen Katastrophe, die das Ich, das internalisierte Subjekt, zerstört hat, und in Schizophrenie eskaliert, wird deutlich, was sich die Deutschen von heute mit der billigen, rationalistischen Deutung Hitlers als eines strategisch-ausgebufften, leider aber größenwahnsinnigen Machiavelli so vom Halse schaffen wollen, daß sie es für immer als ihr ursprüngliches Eigentum behalten können.

Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn (ISF Freiburg).

Joachim Bruhn ist Co-Autor u.a. von Das Konzept Materialismus.

13.06.2013 Universität Jena, Hörsaal 7 // 19 Uhr

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