Heute Abend wird die 8. Chanukka-Kerze angezündet und der letzte Tag des Fests beginnt. Am 8. Chanukka-Tag vor einem Jahr landete ein Hubschrauber mit schwerverletzten Soldaten. Wie immer machte meine Kollegin die Runde, stellte sich den Familien vor und bot jede Hilfe an. z.B. Wäsche waschen. An diesem Tag hatte eine Familie einen besonderen Wunsch. Der Vater ist Vegetarier und gesundes, vegetarisches Essen ist im Krankenhaus schwer zu bekommen. Durch die entsprechende Phase einer Tochter hatte ich etwas Erfahrung und volontierte, regelmäßig fuer die Familie zu kochen. Das habe ich auch durchgehalten, solange der Soldat hier behandelt wurde. Im unteren Fach des Eckschranks in meiner Kueche hebe ich noch das besondere Geschirr auf, das ich dafür benutzt habe. Als der junge Mann zur Reha in ein anderes Krankenhaus verlegt wurde, stand ich mit vielen Anderen im Spalier, Tränen in den Augen. Als dieser junge Mann im Hubschrauber ankam, war es nicht sicher, ob er überleben würde (nicht alle haben überlebt).
Heute kam dieser ehemalige Soldat mit seiner Familie ins Krankenhaus zurück, um den Kreis zu schließen und ihre Dankbarkeit zu zeigen. Der junge Mann braucht noch einen Stock zum Gehen und das Sprechen fällt ihm schwer, aber er ist jung und stark und hat an seiner Seite eine liebevolle Familie und eine wunderbare, junge Frau. Die Hochzeit war schon fuer 2024 geplant, sie wird wohl 2025 stattfinden.
Ich bin dankbar, dass ich diese Familie wiedersehen konnte. Ich merke, dass sich langsam etwas in mir ändert. Über ein Jahr lang war ich wie innerlich gefroren. Erst vor kurzem merkte ich, dass ich mich wie die Überlebende einer Katastrophe fühlte. Die Gefühle, die ich nicht hochkommen lassen konnte, waren vor allem Angst, Wut und tiefe Verletztheit über den Verrat, als den ich die Gleichgültigkeit oder schlimmer die hämische Verurteilung Israels durch Bekannte und Verwandte erlebt habe. Inzwischen kommt Trauer hinzu, das ist schon ein bisschen besser. Vor vielen Jahren habe ich einen Bruder verloren. Die gleiche Musik, die mir damals geholfen hat, meine Gefühle zuzulassen, brauche ich jetzt wieder. In erster Linie ist das Glucks Orphee et Euridice. Die Musik spricht vom herzzerreißenden Schmerz, wenn ein geliebter Mensch stirbt und bringt am Ende doch die gute Nachricht, dass die Liebe über den Tod hinaus weitergeht.
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