Therapieplatz finden

Es ist schon so, dass ich seinerzeit irgendwann ahnte, dass ich psychische Probleme hatte, aber durch meine Umwelt und nicht zuletzt auch durch Medien so sehr mit Vorurteilen und nicht zuletzt auch mit einer Angst vor der Psychiatrie angefüttert worden war, dass es für mich unmöglich war mir dort Hilfe zu suchen. Bei mir musste der seelische Zustand erst so unerträglich werden, dass ich mir selbst nach dem Leben trachtete. Heute für mich dumm und nicht nachzuvollziehen. Doch das Gute an diesem Extrem war, dass ich ab dem Zeitpunkt Hilfe bekam. Sofort. Denn es wurde bei mir anhand der geschilderten Symptome eine Krankheit erkannt, die sich mit Medikamenten und angepasster Lebensweise bei mir im Zaum halten lässt.

Doch damit verbunden war auch ein jahrelanger Lernprozess. Ich saugte auch neben der therapeutischen Betreuung förmlich alle Informationen zu der Erkrankung und psychologischen Themen auf, die ich bekommen konnte. Allmählich setzten sich die Puzzleteilchen zusammen. Es waren Veränderungen und Weiterentwicklungen nötig, aber auch so manches musste beendet werden damit ich ein Leben führen kann, das sich nicht nur irgendwie aushalten lässt, sondern sich darüber hinaus auch schön und überaus lebendig anfühlen kann.

Wenn ich heute von jemandem erfahre, dass eine Therapie begonnen wurde, dann freue mich darüber, auch wenn ich erahne, welcher Leidensdruck dem vermutlich vorausgegangen ist. Aber wenn man in der Therapie bereit ist zu lernen und sich dabei auch auf neue Erfahrungen und Veränderungen einlässt, besteht zumindest die Möglichkeit, dass man wieder Einfluss auf sein Leben nehmen kann.

Ich drücke euch die Daumen, dass ihr die Hilfe findet, die ihr braucht!

Vielleicht kann euch dabei dieses YouTube-Video von Psychologeek ein wenig helfen:

-> Du bekommst keine Therapie? Wir helfen!

Machen Antidepressiva süchtig?

Als ich vor einigen Jahren versuchte von meinen letzten 30 mg Duloxetin täglich loszukommen, hatte ich schon den Eindruck. Es hat tatsächlich bei mir einige Wochen gedauert bis ich wieder einigermaßen zurecht kam. Aber es war auch eine Zeit, in der mich meine Gefühlswelt überrollt hat und ich bei jeder Kleinigkeit mit den Tränen zu kämpfen hatte – egal ob aus Kummer oder Freude. Sehr anstrengend. Nach einer Krise landete ich schließlich doch wieder bei täglich 30 mg Duloxetin und möchte sie seitdem nicht mehr missen.

Aber seht selbst, was Dr. Jan Dreher zu diesem Thema weiß:

-> Machen Antidepressiva süchtig? (YouTube Video)

Schizophrenie/schizoaffektive Störung – Betroffene/Angehörige berichten

Die NDR Autorinnen Kira Gantner und Simone Horst porträtieren in ihrem Film eine Krankheit, die für viele immer noch mit Angst besetzt ist. Sie haben drei Menschen begleitet, die seit vielen Jahren mit der Diagnose Schizophrenie leben. Der Film zeigt, mit welchen Herausforderungen und Vorurteilen sie kämpfen müssen und wie sie es trotzdem schaffen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

-> Schizophrenie: Mit Psychosen leben (YouTube-Video)

Wissenswertes über Duloxetin

Dr. Jan Dreher beschäftigt sich dieses Mal im PsychCast ausführlich mit dem Antidepressivum Duloxetin. Ich hätte mir dieses Video gewünscht, als ich 2008 von meiner Erkrankung erfuhr und mir (neben der Therapie) dieses Medikament dabei half, allmählich wieder in die Spur zu kommen. Seitdem nehme ich es und brauche es wohl auch – zumindest in kleinstmöglicher Dosis – wie ich feststellen konnte, als ich eine Zeitlang versucht hatte ohne es auszukommen.

Hier geht es zum YouTube-Video: Duloxetin: Alles, was Du über das Antidepressivum wissen möchtest

Wer nach Informationen zu anderen Psychopharmaka sucht, dem empfehle ich, sich auf dem YouTube-Kanal PsychCast umzuschauen. Dort findet sich schon so einiges – informativ und gut verständlich. Empfehlenswert!

Resilienz, Psychotherapie und das gesunde Leben

Sacha Bachim, Psychotherapeut aus Luxemburg, spricht mit Dr. Jan Dreher über Resilienz, Psychotherapie und das gesunde Leben. Ein interessantes und sympathisches Gespräch, mit einigen hilfreichen Tipps, das man sich hier anschauen kann:

-> Zum YouTube-Video

Mich hat das Video neugierig auf das Buch „Therapie to go“ von Sacha Bachim gemacht, in dem er 100 spannende Techniken aus diesen Bereichen aufgeschrieben hat. Einiges von dem im Video besprochenen hilft mir bereits und ich könnte mir vorstellen, dass es in dem Buch noch so einiges zu entdecken gibt – zumindest das Inhaltsverzeichnis macht schonmal Appetit auf mehr:

-> Zur Leseprobe

Tabletten gegen Depressionen

Antidepressiva werden kritisch in diesem Film (für Die Story im Ersten von Ulf Eberle aus dem Jahr 2022) betrachtet:

-> Tabletten gegen Depressionen (WDR-Doku als YouTube-Video)

Ich wurde 2008 mit Duloxetin behandelt und habe es gleich als wirksam und hilfreich empfunden. Aber ich habe auch in meinem damaligen Umfeld Menschen kennengelernt, die ein Antidepressivum nach dem anderen ausprobiert haben, weil es nicht gewirkt hat. Manchmal hatte ich allerdings auch die Verdacht, dass manch einer auf die sogenannte Wunderpille hoffte, die ihn oder sie dann von den Problemen erlösen würde, ohne dass sie an sich oder ihrer Lebensweise arbeiten müssten.

Bei mir folgten schon kurz nach der ersten Tabletteneinnahme die Therapie erst in der Tagesklinik und später in der Ambulanz, wo ich sehr viel gelernt habe. Ich bin mir nicht sicher, ob bei mir die Therapie ganz ohne Tabletten möglich gewesen wäre. Vielleicht gehöre ich auch zu den 15 Prozent der Menschen, bei denen Antidepressiva wirken, ganz zu schweigen von dem Neuroleptikum, bzw. den Neuroleptika, die mich in spezielleren Krisen wieder in die Spur bringen.

Und was ist mit den 85 %, bei denen sie nicht wirken? Sind die Zahlen vielleicht verwässert durch überschnelle Verschreibung von Antidepressiva für Menschen, die auf der Suche nach der Pille für ihre temporären Probleme sind? Darüber muss ich noch ein wenig nachdenken…

Die heilsame Kraft der Meditation

Heute möchte ich euch die Dokumentation von Benoît Laborde (Frankreich 2017, 51 Min) empfehlen, weil es darin unter anderem auch um den Einsatz von Meditation bei Depressionen geht:

-> Die heilsame Kraft der Meditation (ARTE-Dokumentation als YouTube-Video verfügbar bis zum 30/09/2023)

Ich selbst habe mit der wohltuenden Wirkung von Meditation Anfang der 2000er Jahre Bekanntschaft gemacht. Damals habe ich täglich meditiert und es hat mir sehr gut getan. Heute praktiziere ich noch die Atemmeditation, wenn ich Probleme mit dem Einschlafen habe. Glücklicherweise ist das derzeit nicht allzu häufig, aber wenn, dann hilft es mir, meinen Atem zu beobachten und mich allmählich in Schlaf hinabgleiten zu lassen.

Irgendwann war es problematisch für mich geworden meinen Geist zur Ruhe zu bringen, weil sich meine Gedanken nicht besänftigen ließen. Für mich war es hilfreicher, meine Gedanken mit anderen Dingen zu beschäftigen, als mit den Themen, die sie sich selbst aussuchten und von denen sie nicht abließen. Die Gedanken loslassen und weiter ziehen lassen, funktionierte bei mir nicht mehr. Stattdessen war es wichtig Gedanken von Außen zu betrachten, sie einer Bewertung hinsichtlich ihrer Berechtigung und ihres Wahrheitsgehaltes zu unterziehen und sie loszuwerden, wenn sie selbstzerstörerisch sind und mir fremde Wirklichkeiten vorzugaukeln versuchen. Stille half mir in dem Fall nicht, sondern tatsächlich nur Ablenkung und Umlenkung.

Ein wenig vermisse ich das erfrischende Gefühl, das ich nach der Meditation früher meist hatte und frage mich, ob ich es in meinem derzeitigen Zustand (wechselnd, aber insgesamt relativ stabil dank medikamentöser Behandlung und möglichst stressarmem Lebensstil) vielleicht doch noch einmal versuchen sollte möchte.

Mammo Mia

Dienstag, 21.02.2023:

Als übergewichtige Frau über 50, als Tochter einer Mutter, die Brustkrebs hatte, als Enkelin einer Großmutter väterlicherseits, die Brustkrebs hatte, besteht bei jemandem wie mir wohl ein erhöhtes Risiko, ebenfalls irgendwann an Brustkrebs zu erkranken – meint zumindest die Statistik und jeder, der gefragt oder ungefragt eine Meinung dazu hat.

Und doch ging ich relativ entspannt zu meinem inzwischen dritten Mammographie-Vorsorge-Screening vor etwa einer Woche. Es bringt ja auch nichts, sich im Vorfeld noch verrückter zu machen, als man eh schon ist.

Und doch war ich geschockt, als ich heute den Anruf bekam und mir mitgeteilt wurde, dass sich das nochmal vor Ort von den Ärzten angeschaut werden müsse, weil da etwas unklar sei. Die Drama-Queen in mir spult natürlich gleich ein Horrorszenario ab, bei dem es um ausgefallene Haare, amputierte Brüste und elende Quälerei geht, die einem das letzte Stück Lebensqualität raubt, um im Tod zu enden. Die Optimistin in mir hält dagegen, dass bei meiner Mutter der Krebs sehr früh erkannt und besiegt werden konnte und dann war am Telefon auch nicht die Rede von Brustkrebs, sondern nur, dass da etwas unklar sei und nochmal genauer untersucht werden müsse.

Morgen Mittag habe ich den Termin und bin froh darüber, dass ich darauf nicht lange warten muss. Denn heute heißt es erstmal irgendwie den Tag so gut wie möglich hinter sich zu bringen, ohne dass die Psyche gleich ausflippt.

Mittwoch, 22.02.2023

Natürlich ist meine Psyche doch ausgeflippt und hat insgeheim mein Leben gecancelt, damit ich mich auf meinen Tod vorbereiten kann.

Und dann kam es glücklicherweise anders als erwartet. Deutlich waren auf dem Röntgenbild zwei helle Punkte zu sehen, die sich aber nach der Ultraschalluntersuchung und fachkundiger Begutachtung durch den Arzt als Zysten bestimmen ließen. Kein Brustkrebs. Das hatte ich nicht zu hoffen gewagt.

Und was kommt jetzt?

Jetzt könnte ich meine Gedanken der vergangenen 24 Stunden auf den Prüfstand stellen und schauen, was sich damit anfangen lässt…

Psychose

Soeben habe ich mir ein Video angesehen, in dem mich vor allem beeindruckt hat, wie offen ein Betroffener über seine Erfahrungen mit der Psychose spricht:

-> Geschichten aus der Psychiatrie: Jens (Ex-In, Autor, Psychose Patient)

Von 2004 bis 2008 hatte ich vermehrt psychotische Symptome, mal stärker, mal schwächer ausgeprägt und in einer Form, die mir Außenstehende nicht angemerkt haben. Für mich fühlt es sich heute so an, als sei damals meine Welt allmählich in sich zusammengefallen – und das ist sie wohl auch, weil alle Lebewesen gegen mich waren und mich als unwertes Leben deklarierten.

Heute bin ich sensibilisiert dafür, wenn mein Denken in eigenartige Richtungen geht. Wenn es gut läuft, erkenne ich, wenn Denken und Fühlen nicht mit der Realität überein stimmen und genau dieses Erkennen und Wissen hilft mir zurück auf ein „normales“ Level. Zusätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass es ein Medikament gibt, das mir kurzfristig helfen kann, wenn es notwendig ist. Das ist unbezahlbar und gibt mir ein wenig Vertrauen in mich und meine Wahrnehmung zurück, auch wenn dieses durch die Psychose bis ins Knochenmark erschüttert ist und sich bis heute nicht vollständig erholt hat.

Angststörung

In diesem Video sprechen Alex und Jan vom PsychCast über:

-> So behandeln wir die Generalisierte Angststörung (YouTube Video)

Sehr interessant, schaut mal rein.

Mich hat erst kürzlich eine „Angstwelle“ überrollt, die mich im Rahmen einer depressiven Episode überfallen hat. Immerhin hatte ich noch die Kraft und Möglichkeiten dagegen anzukämpfen, als mir bewusst wurde, dass ich mich in einer Phase befand, in der ich plötzlich vor sehr vielen Dingen Angst hatte. Ich erinnere mich an einen Morgen, an dem ich kurz davor stand mein „Notfall-Medikament“ wieder zu nehmen, weil ich so durch den Wind war, dass ich sogar darüber nachdachte, ob ein Klinikaufenthalt sinnvoll wäre, um mich vor mir selbst zu schützen. Ich gab mir selbst noch eine Frist von 24 Stunden, in denen ich mich selbst auf den Prüfstand stellte und noch einmal ganz genau auf mein Innerstes schauen wollte.

Einige Ängste sind begründet, andere bauscht jedoch die Drama-Queen in mir unnötig auf. Als ich das für mich erkannt und sortiert hatte, wurde das Sammelsurium an Ängsten allmählich kleiner und übersichtlicher – vor allem aber erträglicher. Und damit auch meine depressiven Gedanken greifbarer, bis sie in den Hintergrund traten, wofür sicherlich zusätzlich auch meine Art des Umgangs mit den depressiven Episoden geführt hat. Ich ziehe mich gänzlich zurück und beschäftige mich dann soweit möglich nur noch mit Dingen, die mir gut tun und mich von meinem negativen Denken ablenken. Das hat mir geholfen und das „Notfall-Medikament“ habe ich letztlich dann doch nicht mehr gebraucht.

Bei manchen meiner Ängste ist es nicht sinnvoll endlos darauf herumzudenken, sondern es hilft mir eher mir zu überlegen, ob sie in irgendeiner Form begründet sind. Wenn das so ist, versuche ich ich das als gegeben anzunehmen und ‚wegzulegen‘, wenn ich nicht die Möglichkeit habe, die Auslöser dieser Angst – oder nennen wir sie lieber „Sorge“ zu ändern. Sich Sorgen zu machen gehört zum Leben ja auch dazu, wie die Sorge darum, ob es den Lieben auch gut geht. Problematisch wird es nur, wenn aus den Sorgen handfeste Ängste werden, die dazu führen, dass man wie gelähmt ist und es einem so schlecht geht, dass man keinen Ausweg mehr sieht.