24. Mai 2025 · 11:14
Stimmt.
Zum einen nehmen körperliche Schmerzen zu, denn, waren es davor „nur“ Rückenschmerzen, sind es jetzt Becken, Oberschenkel und sonst irgendwas. Es vergeht kein Tag mehr ohne Schmerzen, aber der Mensch gewöhnt sich an alles. Und ja, ab spätestens 50 werden wir uns alle ins Fitness-Center begeben müssen, nicht (nur) um #hotgirlsummer zu rocken, sondern um unsere Muskeln zu stärken, damit diese den alternden Körper tragen können. Aber, das ist hier nicht gemeint.
Wenn Menschen sowas sagen, sagen sie das entweder mit dem Hinweis, dass man diese eine Sache X oder die Dinge XYZ jetzt machen sollte, weil es später sonst zu spät ist (was du heute kannst besorgen, ist morgen noch mühsamer zu erledigen) – oder aber, es ist ein gezielter misogyner Hinweis, dass frau ein Ablaufdatum hat, und dieses geht mit dem Ende der Gebärfähigkeit einher.
Welcome to my TED-Talk
Die Menopause (also das Ende der Gebärfähigkeit) setzt in den meisten Fällen mit 50 ein und ist es nicht interessant, dass wir zwar Schauspielerinnen um die 40 („wow, sie sieht so gut für ihr alter aus!“) sehen, aber ab 50 nur mehr als Oma im Hintergrund oder in einer „60+ Romanze“ während der 60jährige Hauptdarsteller mit ner mitte 30jährigen rum macht. Ja, Misogynie und Frauenhass sind real, und nein, es gibt keine Gleichstellung. Tut es nicht.
Anyway
Es wird dringend Zeit, dass wir dieses Narrativ von der „alten, nutzlosen Frau“ aufbrechen. Und nein, 40 ist nicht alt (also ja schon, man ist keine 20 mehr) aber es ist nicht „alt“ und auch wenn 50 „alt“ erscheint.
Und vielleicht sollten wir generell die Begriffe „jung“ und „alt“ hinter uns lassen. Mit jedem Abschnitt kommen andere Vorteile, aber auch andere Bürden.
Keine Wertung durch „jung“ oder „alt“ sondern „anderer Abschnitt“
Als Kind entscheiden die Eltern was man isst und anzieht, wann man zu Bett zu gehen hat und welche Hobbies wann wie oft und wann ausübt. Dafür kann man in der Regel sonst machen was man will und hat weder Verantwortung noch Verpflichtung. Best time ever.
Als Jugendliche entscheidet man selbst, was man anzieht und isst, aber die Eltern wie lange und ob man ausgehen darf und meistens gehen einem die Eltern, egal was sie sagen, sowieso nur auf die Nerven, nichts macht Sinn, wenn man Glück hat sieht man super aus, wenn Pech wie ein Streuselkuchen und alles ist kompliziert. Aber, man hat noch das gesamte Leben vor sich! Shice..
In den 20ern entscheidet man selbst, alles. Was man anzieht, isst, tut, Hobbies, alles. Aber man hat Rechnungen zu bezahlen, Versicherungen und man weiß, dass man die nächsten 40 Jahre noch arbeiten muss. Oft reicht das Geld nicht und man macht sich ständig Sorgen, will alles auf einmal, was aber nicht geht, weil man arbeiten muss, aber immerhin ist man frei vom Elternhaus (meistens, Männer nicht so, die bleiben ewig bei Mama hängen und/oder suchen sich das Äquivalent in ihrer Partnerin).
Mit 30 resigniert man langsam, merkt dass Party nicht mehr ganz so funktioniert und braucht mehr Schlaf. Rückenschmerzen beginnen, aber, man wird deutlich gelassener und sieht eigentlich richtig gut aus. Meist besser als in den 20ern. Man beginnt die Dinge wieder zu entdecken, die man als Kind geliebt hat und ist jetzt erwachsen genug, um wieder Stofftiere im Bett zu haben. Denn mit 20 war einem das noch peinlich.
Mit 40 ist einem noch mehr egal und man ist immer noch fit genug neue Dinge zu lernen, aber man weiß, dass man mindestens noch 30 Jahre arbeiten muss und darauf hat man immer weniger Bock. Sobald man die Midlife-Crisis betritt funktioniert auch das ausgehen wieder (für euch getestet, 2x die Woche geht easy, wer braucht schon Schlaf). Trotzdem bemerkt man, dass das Alter langsam Spuren hinterlässt: Falten, graue Haare und dergleichen.
Mit 50 wird man vermutlich noch mehr einen Fick drauf geben was andere denken, und ich denke besonders Frauen werden von einer gewissen Erwartung befreit sein und eine neue Freiheit erlangen so ähnlich wie Jugendliche wenn sie sich vom Elternhaus abnabeln. Sicherlich, der Körper wird gebrechlicher und liegt man einmal falsch, zieht sich das über den ganzen Tag, aber, man ist immer noch fit genug um zu reisen, Sport zu machen und der gleichen.
Mit 60 hat man es bald geschafft und wenn man Glück hat, ist man noch sehr git. Und wenn man nochmal mehr Glück hat, kann man auch zeitig in Pension gehen und das Leben mit Reisen und gutem Essen verbringen. Ja, die Haare am Kopf werden weniger, der Umfang am Bauch mehr, und der Körper schmerzt.
Ich glaube mit 70 resigniert man einfach und wenn man wirklich viel Glück hatte und auf sich achtete, ist man auch dann noch fit. Mit 80 ist es dann auch ok irgendwann zu sterben.
Was lernen wir daraus?
Die Leute in „alt“ und „jung“ und jungtm als erstrebenswert darzustellen ist ein äußerst kluger Schachzug der Wirtschaft. Die Beauty-Industrie ist neben der Kriegswirtschaft einer der stärksten Zweige. Und altern tut jeder, nur bei Frauen ist es ein no-go, gespeist aus dem historisch mitgetragenen Druck „hübscher als die andere zu sein“ weil den Mann zu bekommen (danke Disney) immer noch das oberste Ziel von Frauen ist – bzw. war.
Denn während sich die „male loneliness“-Epidemic (eine Epidemie, hört ihr das!) über die Gesellschaft zieht (weil Frauen keinen Mann mehr brauchen und sich somit nicht mehr mit allem zufrieden geben müssen), die es zu überwinden gilt (gib ihm halt eine Chance.. er hört dir auch zu!) wird die alleinstehende Frau mit Katze als „crazy cat lady“ betitelt, die es auf keinen Fall zu werden gilt, so ähnlich wie die Spinster zu Emily Dickinsons Zeiten. Heirate, sei anständig, sei Hausfrau!
Ich sags ja, die Gesellschaft hasst Frauen. Vor allem aber hasst sie alte Frauen, da diese nicht mehr manipulierbar sind.
Back to topic
„Du wirst auch nicht mehr jünger!“ – eh, irgendwann gehen die Dinge schon körperlich nicht mehr. Mit 20 wollte ich unbedingt in der Stadt wohnen, kaum betrete ich die Ende 30 lebe ich am Land und könnte mir ein Leben in der Stadt wirklich nicht mehr vorstellen. Mit Anfang 20 wollte ich noch die Welt bereisen und auf Teppichen schlafen, jetzt denke ich mir: Alter.. gib mir 5 Sterne und All Inclusive (wobei campen immer noch geil ist).
Aber dahinter steht auch ein gewisser Druck: der Druck was erreichen und leisten zu müssen: „Mach es jetzt, morgen ist es zu spät!“ oder „Morgen kannst du das vielleicht nicht mehr aus xyz Gründen“ und dergleichen. Trifft sich auch mit der Frage „Kann ich mich mit 50 noch einmal neu orientieren?“ – man kann sich immer neu orientieren wenn man das möchte.
Es geht also wieder und natürlich und wie es sein sollte, mit dem Jugendwahn einher: Sei jung, seh hübsch, erreiche was, leiste was, dann steht dir die Welt offen (ja.. na.. nit wirklich). Und natürlich, als junger Mensch sieht man das nicht, man glaub auch nicht, dass man je alt werden wird – und ja, Millennials altern nicht, aber das liegt halt daran, dass wir irgendwann mal geistig in den 20ern stehen geblieben sind, warum auch immer.
Anyway II
„Man ist nur so alt wie man sich fühlt!“ Ja.. na.. nit wirklich. Also schon auch, aber das ist halt auch dieser Boomer-Spruch der drauf hindeutet: „Ich bin 60 fühl mich wie 30 also darf ich eine 20jährige daten“ – ja, weil eine erwachsene Frau sich nicht mit deinen delulu-Vorstellungen abgibt. An der „male loneliness“-Epidemie sind die Männer schon ganz allein Schuld. Einfach decent human beings sein dann klappts auch mit gleichaltrigen Frauen.
Was ist jetzt das Fazit und die Zusammenfassung?
I weiß es doch a nit. Irgendwas halt, was jeden gut fühlen lässt, irgendwas, was sich schön reden lässt und wo ma uns selbst gaslighten können. Oder so. Aber im Endeffekt is komplett wurscht, weil, entweder ma fühlt sich ok oder a nit und je älter desto weniger fucks gibt ma aufn Rest und des is gut so.
Gefällt mir Wird geladen …