Listen to what the man says
Januar 4, 2026 § 6 Kommentare

Seit meinem zwölften Lebensjahr verbrachte ich die Schulsommerferien in Großbritannien. Im ersten Jahr wohnten mein Onkel und meine Tante, die mich aufnahmen, in einem Vorort Londons. Bevor die nächsten Sommerferien anstanden, zogen sie an die schottische Westküste, südwestlich von Glasgow. Das wurde mein Feriendomizil bis zum Abitur. Eine prägende Zeit, die nicht nur ihren Reiz durch das fremde Land, die fremde Sprache und lustige Schotten bekam, sondern das Flair der großen weiten Welt in mein wohl- um nicht zu sagen: überwohlbehütetes Dasein brachte. Es herrschten Offenheit und Neugierde. Getragen wurde das Leben auf der Insel durch einen Spruch meiner Tante, der häufig durchschlagende Wirkung hatte, freilich nicht immer in ihrem Sinne: mix with the locals. Offiziell lief das ganze als Bildung zur Fremdsprache. Inoffiziell lief es auf meine ersten Erfahrungen mit Sex, Drugs und Rock‘n’Roll hinaus. Im Sommer 1972 ging ich die erste Hälfte meiner Ferien einfach weiter zur Schule, allerdings in eine englische. Als Schulbub vom Kontinent genoss ich den Status eines Exoten, brauchte weder Schuluniform tragen noch kam es auf irgendwelche Noten an. Und es waren da lauter Mädchen, die es auf meiner Jungenschule zuhause nicht gab. Gleich zu Beginn wurde ich von freundlich interessierten Mitschülerinnen zu einem Wochendausflug eingeladen. Höflich lehnte ich ab. Zuhause durfte ich bei Todesstrafe auf keinen Fall mit fremden Kindern mitgehen. Als ich es meiner Tante berichtete, fragte sie nur verblüfft, wieso ich denn nicht zugesagt hätte. So begann die Kette unzähliger verpasster Gelegenheiten, die im weiteren Verlauf mein Leben bilden würden. Ich war zutiefst betrübt, denn in das Mädchen, das die Einladung ausgesprochen hatte, hatte ich mich sofort verliebt. Wenig später ging ich mit meiner Tante, ich nenne sie im weiteren der Einfachheit halber Otti, im Supermarkt einkaufen. An der Kasse saß ein Mädchen und trällerte glücksverloren in sich kreisend den Song mit, der über die Anlage lief. Listen to what the man said, Paul Mcartney. Das traf mich mitten ins Herz. Die Schönheit der Musik, in Gestalt eines Mädchens – das Ganze ein einziges ein Glücksversprechen. Ich wusste, da kommt noch was. Als ich ein Jahr später die Ferien in Troon, einem kleinen schottischen Ort an der Atlantikküste verbrachte, erklärte mein Onkel, ich nenne ihn der Einfachheit halber Richard, die Insel, die du da hinten in der Ferne siehst, heißt Arran. Und manchmal, nur bei schönem Wetter, sieht man dahinter, zur Linken und Rechten wiederum Land. Das ist aber keine weitere Insel, sondern wieder das Festland. Eine langgezogene Halbinsel. Was er nicht sagte, und ich erst Jahre später erfuhr: dort saß der weltberühmte Paul Mcartney mit seiner jungen Familie auf einer Farm, baute Rüben an, schor Schafe und schenkte mit den Wings der Welt eine wunderbare Platte nach der anderen. Zurück in der Schule hörte ich mit meinem besten Kumpel Band on The run, Jet, Listen to what the man said, und, ja auch, Silly Lovesongs und all die anderen. Im Moment da ich dies schreibe läuft The back Seat of my car. Ein Song, der den Platz zum Knutschen für verliebt/verlorene Teenies feiert. Beim nächsten oder übernächsten Besuch in Pauls Nachbarschaft ging der Mix mit den Locals dann soweit, dass ich in ein frühabendliches, naturnahes Besäufnis hineingezogen wurde. Freilich hatte ich bis dato zuhause nur Bier getrunken, keinesfalls härtere Sachen, keinesfallser alles durcheinander, am keinesfallsten in einem Tempo, das der retardiert einsetzenden Wirkung des Alkohols angemessen gewesen wäre. Das letzte was ich wahrnahm war ein betörend schöner Sonnenuntergang zwischen den Bäumen des Wäldchens, in das sich die Clique turnusmäßig an Wochenenden zurückzog um zu Trinken. Oder, wie sie das nannten, zum in for a booze sein. Dann riss der Film. Alles weitere wurde mir von verschiedener Seite berichtet, wahlweise im Tonfall eines unmittelbar bevorstehenden Weltuntergangs oder im Stil einer amüsanten Anekdote. Um es kurz zu machen: ich lebe noch. Das ist nicht banal, denn mein jüngerer Bruder lebte nicht mehr. Und mein älterer, der mich in den Sommerferien begleitete, wäre im Sommer 1972 um ein Haar in einem selbstgebauten Tunnel im Sand an einem Strand in Norfolk erstickt. Aber das sind zwei andere Geschichten. Ich erwachte in meinem Bett splitternackt, um mich herum das ganze Zimmer mit Handtüchern drapiert. Herein rauschte Otti und konfrontierte mich mit Verdächtigungen übelster Art. Was wir gemacht hätten, welche Mädchen im Spiel gewesen seien und welche Drogen. Ich verstand ihre Panik immerhin in soweit, als sie mich ja gesund und wohlbehalten nach sechs Wochen Schulferien wieder ihrer Schwester, meiner Mutter, überantworten musste. Es stellte sich also heraus, dass meine Saufkumpanen, nachdem ich umgekippt und zu keiner vernunftgesteuerten Handlung mehr fähig war, mich, nach erfolglosen Versuche der Ausnüchterung mittels Zuführen Unmengen von Kaffees, durch die Siedlung geschleift und vor der Haustür Ottis und Richards abgelegt hatten. Dann hatten sie geklingelt – immerhin! – und waren davon gerannt. Ich bot als anonym zugestellte Sendung keinen schönen Anblick. Statt ordentlicher Verpackung bildeten Flüssigkeiten aller Art mit pflanzlichen Partikeln und unterwegs Aufgelesenem eine Gemengelage der besonderen Art. Aufmerksame Nachbarn hatten die Szene beobachtet und die Lieferung bereits telefonisch angekündigt. Nach intensiver Grundreinigung und peinlicher Inspektion in der Badewanne – so wurde mir berichtet – wurde ich in das eigens dafür präparierte Bett gelegt. Am nächsten Morgen wurde ich wie gesagt unsanft geweckt. Kaskaden von Anschuldigungen trommelten auf mein berstendes Hirn ein, durch das der Restalkohol, immer noch weit mehr als ich bis dato überhaupt jemals in meinem Leben getrunken hatte, schwappte. Ich begriff nichts und war blind da ohne Brille. Es war das Purgatorium. Richard war, in wirkungsvollem Kontrast zu seiner Frau, ein feiner englischer Gentleman. Kritik, so es sie denn überhaupt gab, wurde auf einem feinen Silbertablett präsentiert. Dieser Moment aber lotete die Grenzen seiner Contenance aus. Du kannst hier nicht länger bleiben, wir werden dich nach Hause schicken, äußerte er nüchtern. Rückblickend schwer auszumachen, ob die Sorge um mein Wohlbefinden und mein Staus als Schutzbefohlener schwerer wog, oder der Skandal des misconducts in schottisch erlauchter Obermittelklassennachbarschaft. Am Ende durfte ich bleiben, das Verhältnis zu meinen Saufkumpanen allerdings hatte einen irreparablen Riss erhalten. Meiner romantischen Liebe zur Nachbarstochter – es ist hier nicht der Platz, auch diese Geschichte auszuführen – tat die Sache keinen Abbruch. Wir trafen uns weiter und pflegten wie in all den Jahren regelmäßigen Briefkontakt während der schulisch bedingten räumlichen Trennung. Mit Paul McCartneys Wings ging 1981 auch meine Schulzeit zuende. Die schottischen Sommer wurden Geschichte. Verheißungen lagen einstweilen brach.
Nachtrag. Die Geschichte hat einen Haken. Listen to what the man says von den Wings erschien ausweislich der Great Rock Discography von Martin C. Strong im Mai 1975 als Single. Ich war jedoch ausweislicher familiärer Unterlagen im Sommer 1974 in England und erlebte dort die oben beschriebene Szene.
Wolken ziehen
Dezember 22, 2025 § 4 Kommentare


Der Verstand ist eine wunderbare Sache. In vielem hilft er uns. Nur manchmal ist er im Weg. Beim Zeichnen zum Beispiel. Zeichne was du siehst, nicht was du weist, lautet eine einfache Handreichung. Denn was die Evolution in Jahrmillionen geleistet hat, um dem Menschen die Orientierung im Alltag zu erleichtern, hindert normal Sterbliche wie mich daran, glaubhafte Zeichnungen zu erstellen. Wer ein Gesicht zeichnen möchte, erkennt darin eine Nase, und zeichnet dann die Nase in ihrer Grundform, wenn man so will. Das ist aber mitnichten, was man sieht. Nicht nur, weil sich Visuelles oft der Linie entzieht, man aber mit dem Stift selbstverständlich auf Linien abhebt. Verkürzt die Perspektive zum Beispiel die Nase, etwa wenn sich die Person über einem befindet, will man sie dennoch lang zeichnen. Das hat schon Heerscharen von Zeichenschülern in die Verzweiflung getrieben und sämtliche an sich doch lobenswerten Ambitionen gleich wieder zunichte gemacht. Überhaupt wird die Linie ja seit der Renaissance völlig überbewertet. Sie galt als so etwas wie die intellektuelle Essenz allen Optischen. In der Zeichnung, als System geordneter Linien, kommen, so die Theorie, die Erscheinungen auf den Begriff. Farbe hingegen galt als bloße Zierde. Bisschen Gefühl dazu, wenn’s denn sein muss.
„Das berühmte Schöne, das die einen in der Schlangenlinie sehen, die anderen in der Geraden, da haben alle sich darauf versteift, es ausschließlich in den Linien zu sehen. Ich bin an meinem Fenster, der Fluß spiegelt tausend Diamanten, das Laub flüstert; wo sind die Linien, die solch reizende Erfindung erzeugen? Sie wollen Maß und Harmonie nur zwischen zwei Linien sehen. Der Rest ist ihnen Chaos und einzig der Zirkel Richter.„
Das schrieb der französische Maler Eugéne Delacroix 1849 in einem Brief. In der Zauche fand ich an einem spätherbstlichen Tag zwar keine tausend Diamanten, aber doch den Schlauch, eine Reihe zusammenhängender Teiche und kleinerer Seen im Emster-Quellgebiet. So zauberte eine tiefstehende, nur teilweise von breit gestaffelten Wolken verdeckte frühabendliche Sonne das spezielle Brandenburger Licht auf Auen, Wälder und Feuchtgebiete.
Acryl auf Buchdeckel.
Weites Land so eng
Dezember 18, 2025 § Hinterlasse einen Kommentar
Da brennt schon Licht
Dezember 2, 2025 § Hinterlasse einen Kommentar

Die verblüffendste Definition des Unterschiedes zwischen Klassik und Jazz, die mir je zu Ohren kam. Im Jazz aktzeptieren wir, dass das Licht an ist. In der Klassik hingegen versucht man, das Licht einzuschalten. (Keith Jarrett im Interview mit Down Beat, in meiner Übersetzung) Per aspera ad astra. Durch Nacht zum Licht. Das ist Klassik prototypisch. Der Titan alias Beethoven ringt mit dem Schicksal, seine Symphonien künden davon, die Menschheit ist erleuchtet. Kommt leider wenig später Adorno um die Ecke und knipst das Licht wieder aus. Das letzte Wort hat die Dialektik, derzufolge jede Wendung zum Guten die nächste zum noch Schlimmeren einleutet (Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang…und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören – wusste schon Rilke). Kein Wunder, dass Adorno den Jazz hasste. Da brennt ja Licht, es ist helllichter Tag, die Vögel singen und Menschen grooven nur so um die Wette dass die Geburtenraten in den Himmel schießen. Aus seinen Briefen lernen wir heute, dass Adorno der Sinneslust gegenüber keineswegs abgeneigt war. Vielleicht sogar ein verkappter Erotomane. Und womöglich sind ja These und Antithese nichts anderes als Männlein und Weiblein, die sich unentwegt gegenseitig ins Paradies der Lüste schaukeln.
Das Bild ist übrigens eine Spontanimprovisation in Acryl auf dunkelgrünem Buchdeckel. In der Art wie jetzt viele gegen Ende einer Malsession entstehen, wenn noch etwas überschüssige Farbe auf eine frische Leinwand oder vielmehr auf den nächsten bereit liegenden Buchdeckel gebracht werden will.
The Köln Concert
November 30, 2025 § 2 Kommentare

Am 24. Januar 1975 gab Keith Jarrett ein Solokonzert in der Kölner Oper. Es erschien wenig später als Doppelalbum bei ECM auf Schallplatte und stand dann jahrelang in Studentenbuden und bildete Gesprächsstoff in einschlägigen Kreisen. Ich erinnere mich gut an diesen Moment. Den Kopf voll klassischer Klaviermusik, mit der Querflöte als Küken in einer sich avantgardistisch dünkenden Schülerrockband unterwegs, Robert Fripps King Crimson als Emblem auf der Stirn und schon verkopft und -trocknet genug, um wenig später von Adorno von der Straße gepflückt zu werden. Das The Köln Concert lehnten wir ab. Ein kurzes Reinhören hatte genügt für das vernichtende Urteil. Banalverkitschte tonale Regression hinter alles bis dato musikalisch Erreichte. Für Klassik zu primitiv. Für Jazz zu weichgespült. Fürs Leben verloren. An die Massen. Eben. Zu erfolgreich. Wer den postschwarzpädagigsch verseuchten Nachkriegsklavierunterricht hatte erleben dürfen wie ich hatte nun aber von Noten zwar, auch bühnenreif wohlgekrümmten Fingern Ahnung, nicht aber vom gelebten Takt, vom Groove und dem Puls einer ausformulierten Zeit, die man auf den Tisch stellt und die dann dort abläuft, als wollte ein Newton der Welt ein für allemal erklären, was physikalische Gesetzmäßigkeit ist. Will sagen, ich hatte keine Ahnung. Damals. Gestern, am 29. November 2025, fünfzig Jahre später, hörte ich zum ersten Mal das Köln Concert in seiner vollen Länge. Ich habe zwei Schallplatten aufgelegt, zwei mal die Seite gewechselt, und am Ende geweint. Music is coming home. Die letzte Seite, IIc, ist eine einzige Kadenz in C-Dur. Sie feiert die Tonalität. Trägt sie nicht, prozessionsartig, wie eine Monstranz vor sich her. Sondern tanzt sie. Erdenschwer und -leicht zu gleich. Da glüht, lodert, gleist ein Feuer, das bärbeißig verkopfte intellektuelle Rattenfänger verzweifelt versucht hatten auszutreten. Jarretts Hände, die aussehen, als hätte er durch gnadenloses Einzeltraining jedem seiner Finger ein Sixpack angedeihen lassen, agieren als Groovemaschine, Melodymaker und Begleitcombo in Einem. Am Ende ist es das Einfache. Ja, Rührende. Bodenlos Ehrliche. Und es ist improvisiert. Klar. Bach hat seine Fugen auch improvisiert. Und auf genau dieser Ebene begegnen sie sich. Das Leben ist niemals ein vorgelebtes. Es bist nur du selber.
Klang ist Licht ist Klang
November 26, 2025 § 4 Kommentare

Musik hören wir, weil Teilchen in der Luft gemeinsam schwingen. Sie bilden komplex organisierte Wellen, die durch unseren Hörapparat und nachgeschaltete Nervenzellen derart aufbereitet werden, dass sie unser Sensorium anregen, Empfindungen auslösen und unser Leben bereichern. Genauso Licht. Wellen, in freilich ganz anderen Frequenzspektren, sowie Teilchen bilden das Ausgangsmaterial für eine Verarbeitungskette, an deren Ende Bilder stehen. Sie mögen statisch erscheinen, funktionieren jedoch nicht anders als Musik nur in der Zeit. Wäre da auf physikalisch-physiognomischer Ebene Stillstand, wäre da garnichts. Musik und Bild sind eins. Angeregt durch den Empfang auf zwei nebeneinander liegenden Kanälen konstruieren wir eine Welt aus Licht und Klang. In einem metaphysischen, um nicht zu sagen: spirituellen Sinn empfangen wir diese Welt.
Acryl auf Buchdeckel. Angeregt durch die Pianistin Pavlinga Gusheva
Momentaufnahmen
November 21, 2025 § 7 Kommentare
… in der U-Bahn, im Wartezimmer, in der Kantine…



























Mir wird immer klarer, dass das Wichtigste beim Zeichnen das Weglassen ist. Sich schnell und knapp auf das Wesentliche konzentrieren. Die Vollständigkeit stellt nachher der Betrachter her. Gehirne in Menschen wollen denken, mitdenken, und sich nicht alles vorschreiben lassen. Je mehr Luft da ist, desto angenehmer das Betrachten. Scheint mir. Dabei gibt es andererseits den horror vacui. Die Angst vor der Leere, dem Nichts. Dem unausweichlichen Aufhörens alles Seins. Da hängt man sich gerne an etwas. Tröstet sich mit Vollmundigem, Prallem. Mit ausdifferenzierten Dingwelten und opulent Stofflichem. Bei mir fängts ja damit an, dass ich gerne auf etwas zeichne. Anderen den Vortritt lasse. Bedruckten Kalenderblättern, Schmierpapier, makulierten Büchern. Wie einstmals Kapellmeister Kreisler, dessen Biografie sich nur auf versehentlich in einen Roman hineingelangten Makulaturblättern überlieferte. So jedenfalls E. T. A. Hoffmanns Überlieferung. In sich versunkene Menschen, auf abgelaufene Taschenkalenderseiten gepinnt und der Zeit entrissen. Und jetzt ins Netz geworfen, das nichts vergisst. Alles dreht sich.
Das in sich herrliche Nichtgewordene
November 12, 2025 § Hinterlasse einen Kommentar
… Aber die wahre Geschichte ist allerdings nicht die der siegreichen Sache und der vollendeten Fortschritte […] Erst das nicht ganz Geschehene, erst das brechende Herz des besseren Mannes und der vernichtete Plan der rettenden Einsicht, – das in sich herrliche Nichtgewordene, durch alle Jahrtausende zusammenhängend hinter dem Stückwerk Gewordene, ist ihre reinste Kost.

Partie in der Zauche. Acryl auf Buchdeckel (Leinen auf Karton)
Rudolf Borchardt, zitiert nach: Peter Sprengel, Rudolf Borchard. Der Herr der Worte. München 2015, S. 410
Zaucher Land
November 6, 2025 § 2 Kommentare
Ich legte im Besitz wünschenswertester Elastitizät mit gleichsam spielender Leichtigkeit vierzig Kilometer zu Fuß zurück und langte hier an.
Einer dieser Robert-Walser-Sätze. Man könnte nun die Lektüre des Prosastücks Der Herbst nach diesem Auftakt fortsetzen. Eigentlich ist aber schon alles gesagt. Wie in Clint-Eastwood-Western, die mal jemand auf die Formel brachte, ich reite ein in eine Stadt, und der Rest ergibt sich. Ein gutes Bild erzählt auch eine Geschichte. Das heißt, eigentlich nicht, denn die Geschichte ist zwar angelegt, aber nicht auserzählt. Das zeichnet ein gutes Bild aus. Und so zierte einmal ein saftig grüner Kunstleineneinband eine alte schwere Bibliografie. Bis ihre Tage gezählt waren und sie einer neuen Zeit weichen musste. Das in ihr gespeicherte Wissen zog sich zurück in verbliebene Exemplare, der Einband aber überlebte und wurde be- und übermalt.

Zaucher Land.
Acryl auf grünem Buchdeckel.

