Kurz und gewürzt

Um gleich an den vorherigen Beitrag anzuknüpfen:

„Bedenke, sagte er, wenn du an jemand etwas auszusetzen hast, dass die meisten Menschen es im Leben nicht so leicht haben wie du.“  (Diesen Rat erhielt Nick Carraway von seinem Vater gleich zu Anfang der Geschichte über den großen Gatsby.)

In diesem Beitrag soll es nun um die Kürze in der Literatur gehen. Sich kurz fassen ist meiner Meinung nach immer noch die größte Herausforderung. Schauen wir uns einmal an, wer sie gemeistert hat!

Das kürzeste Theaterstück: Atem
Das Stück besteht aus einem kurzen Schrei, danach Atemgeräuschen und allmählich heller und dann dunkler werdender Beleuchtung und einem erneuten Schrei. Auf dem Set sind keine Darsteller zu sehen, doch laut Becketts Regieanweisungen musste auf der ganzen Bühne Unrat herumliegen.

Das kürzeste Gedicht: Lines on the Antiquity of Microbes
Dieses Gedicht wird oft als das kürzeste aller Zeiten bezeichnet und ist auch unter dem Titel „Fleas“ bekannt. Als mögliche Verfasser kommen Shel Silverstein, Ogden Nash, Strickland Gillilan oder „unbekannt“ infrage.

Die kürzeste Geschichte: El Dinosaurio / Der Dinosaurier

,,Cuando despertó, el dinosaurio todavía estaba allí.“ / ,,Als er aufwachte, war der Dinosaurier immer noch da.“
Die bekannte guatemaltekische Schriftsteller Augusto Monterroso war ein Meister der Kurzgeschichte. Seine Kürzestgeschichte „El Dinosaurio“ erschien 1959 in seiner Sammlung Obras Completas. Monterroso meinte später, der Ruhm seiner Kürzesterzählung habe ihm mehr geschadet als genutzt.

Zuvor, in den 1920er Jahren, wettete Ernest Hemingway um 10 $, dass er eine Kurzgeschichte in sechs Wörtern verfassen könnte und gewann: ,,For sale: baby shoes, never worn.“ / ,,Zu verkaufen: Babyschuhe, niemals getragen.“

2006 bat man Margaret Atwood um ihre „Sechs-Wörter-Erzählung“ und sie lieferte Folgendes: ,,Longed for him. Got him. Shit.“ / ,,Wollte ihn haben. Kriegte ihn. Scheiße.“

Die kürzeste Gespenstergeschichte:
Graham Greene arbeitete an einer Anthologie für Gespenstergeschichten. Zwar weit nach dem Abgabetermin, aber immerhin schrieb er dem Verleger folgenden Brief mit 2 Blatt: ,,Graham Greene: Die kürzeste Gespenstergeschichte der Welt.“ Und auf dem zweiten Blatt las man: ,,Neulich traf ich den Earl of Tyne. Er war in Begleitung seiner Witwe.“
Die kürzeste Science-Fiction-Geschichte:
Die Jagd nach der kürzeste Science-Fiction-Geschichte ist wohl von dem US-amerikanischen Krimi- und Science-Fiction-Schriftsteller Fredric Brown eröffnet worden. einem Meister der Kurzform. Seine 1948 veröffentliche Kurzgeschichte „Klopf“ begann folgendermaßen: ,,Es gibt eine nette Horrorgeschichte, die ist bloß zwei Sätze lang: ,Der letzte Mensch auf Erden saß allein in einem Zimmer. Plötzlich klopfte es an der Tür…‘“ Diese Geschichte ging dann aber doch über einige Seiten…

Schließlich beförderte sich die Erzählung von Edward Wellen an die Spitze: ,,Wenn Eva nicht schwanger geworden wäre.“ Weiter geht es nicht.

Kürzester Zeitraum in der Literatur:
Der in der Literatur am kürzesten behandelte Zeitraum ist die Dauer zweier Stürze:
In dem expressionistischen Roman von Melchior Vischer „Sekunde durch Hirn“ wird der Absturz des Bauarbeiters Jörg Schuh aus den 40. Stock eines entstehenden Wolkenkratzers auf den Asphalt der Straße beschrieben.
Ein noch kürzerer Sturz wird in Helmut Kraussers Roman UC [Ultra-Chronos] erzählt. Der Dirigent Arndt Hermannstein stürzt von seinem Balkon auf die nur fünf Meter darunterliegenden Steinplatten einer Terrasse. Der Boden seines Glases, aus dem er die Nacht zuvor getrunken hat, durchstößt ihm dabei mit spitz herausragenden Zacken sein Herz.

Minimale Kommunikation:
Viktor Hugo wollte von seinem Verleger einmal wissen, wie sich sein jüngstes Werk Les Miserables (Die Elenden) wohl verkaufe und schrieb ihm ,,?“, woraufhin ihm dieser antwortete ,,!“.

Mikronation:
Königreich Redonda (Karibik 1865 Einw.  0): Kleine, unbewohnte Insel, die einst von einem Schriftsteller in Besitz genommen und als sein Königreich proklamiert wurde. Seinen Sohn, Matthew Phipps Shiell krönte er mit 15 Jahren zum zweiten König und begründete damit eine literarische Dynastie, die dann weiter über John Gamsworth bis hin zu Javier Marías führt. Der jeweilige König hat die Hauptpflicht, sich der Verbreitung des Werkds von M.P. Shiell zu widmen. Jedoch ist die Thronfolge etwas umstritten nach dem Tode „König Juans I. (John Gamsworth) und derzeit rivalisieren drei „Thronnachfolger“ um die Krone.

Der erste Satz

Ich habe kurz über mögliche Themen für meinen ersten Blogeintrag nachgedacht, die drei Wörter „Anfang“, „Literatur“ und „orginell“ aufgeschrieben und mir ist gleich ein Thema eingefallen, was es auch eigentlich nur sein kann: Der erste Satz (Gut, über Originalität lässt sich hierbei streiten, aber ja nun…)

Im Anfang war das Wort. (Evangelium nach Johannes)

Es geht im Folgenden also um die Anfänge von Geschichten. Denn wenn es erst einmal geschafft ist, dass sich ein Leser erbarmt, aus der unendlichen Vielfalt von Büchern auf der Welt, eines auszuerkiesen und aufzuschlagen, dann sind die ersten Worte bestimmt mit die entscheidensten für das Weiterlesen. William Faulkner gab uns einen einleuchtenden Tipp: „Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt den zweiten lesen will.“ Ich denke, das haben sich einige Literaten zu Herzen genommen und auch geschafft, sonst würden ja wohl kaum Bücher freiwillig gelesen werden. Vorab möchte ich noch kurz einen Buchtipp zum Thema abgeben. Der Titel lautet „Romananfänge – Rund 500 erste Sätze, Excerpiert und wohlsortiert von Harald Beck“, ist 1992 im Haffmans Verlag, Zürich, erschienen.

Das Buch ist wirklich ein kleiner Schatz. Beck hat Romananfänge aus allen Sprachen gesammelt und sie verschiedenen Oberbegriffen wie z.B. „Fragen“, „Das Wetter“, „Die Namen“ oder „Gefängnis“ zugeordnet. Seine Ansammlung enthält in der Tat nur „echte“ erste Sätze, soll heißen, dass er Prologe, Vorworte oder Überschriften folglich nicht berücksichtigt hat.

Jetzt darf der Leser hier nicht denken, dass ich mir das Buch vorgenommen habe, und einfach daraus abgeschrieben habe. Nun ja, zum einen zitiert der Herr Beck am Ende auch nur,zum anderen aber muss ich sagen, dass meine Bemühungen sich auf die modernere Literatur beschränkt haben (sein Buch ist 1992 herausgegeben worden). Trotzdem, an manchen weltberühmten ersten Sätzen, komme ich auch nicht vorbei, da überschneidet sich unser Sammelsorium. Ist aber auch nicht tragisch, denn über manche Dinge lässt sich einfach schwer streiten!

Früher, noch als Kind, habe ich immer gedacht, ein guter Roman muss in etwa so anfangen: „Es war eine dunkle und stürmische Nacht…“ Und diese für mich gar „Faustregel“ wurde von mir auch bei fast allen meinen Geschichten strikt befolgt. Heute bin ich wohl etwas schlauer. Wenn man erst einmal schaut, welcher Anfangssatz bei dem Wettbewerb „Der schönste erste Satz“ im Jahre 2007 gewonnen hat:

Ilsebill salzte nach.(Günter Grass: Der Butt)

Berühmt und oft zitiert

Mancher Romananfänge bedarf es gar keiner Aufführung des Titels oder des Autors, denn entweder sind sie eh schon so bekannt und oft wiedergegeben worden oder die Nennung eines Namens, meist des Protagonisten, tut schon zur Genüge:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
(Die Bibel: Genesis 1,1)

Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.
(Franz Kafka: Der Prozess)

Was ist das. – Was – ist das…
(Thomas Mann: Buddenbrooks)

Er stand vor dem Tor des Tegeler Gefängnisses und war frei. (Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz)

Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, lässt mich kaum aus dem Auge, denn in der Tür ist ein Guckloch, und meines Pflegers Auge ist von jenem Braun, welches mich, den Blauäugigen, nicht durchschauen kann.
(Günter Grass: Die Blechtrommel)

Es war ein strahlend-kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn.
(George Orwell: 1984)

Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden.
(Vladimir Nabokov: Lolita)

Lieber Leser, weißt du, was das Wort Greenhorn bedeutet?
(Karl May: Winnetou I)

Nennt mich Ismael.
(Herman Melville: Moby Dick)

Als Herr Bilbo Beutlin von Beutelsend ankündigte, dass er demnächst zur Feier seines einundelfzigsten Geburtstages ein besonders prächtiges Fest geben wolle, war des Geredes und der Aufregung in Hobbingen kein Ende.
(J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe)

An einem Orte der Mancha, an dessen Namen ich mich nicht erinnern will, lebte vor nicht langer Zeit ein Junker, einer von jenen, die einen Speer im Lanzengestell, eine alte Tartsche, einen hagern Gaul und einen Windhund zum Jagen haben. (Miguel de Cervantes Saavedra: Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha)

An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Roßhändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit.
(Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas)

Don Jacob Casanova, geboren zu Saragossa, der Hauptstadt von Aragonien, natürlicher Sohn Don Franciscos, entführte im Jahre 1428 Donna Anna Palafor aus dem Kloster; dies geschah einen Tag, nachdem sie ihr Gelübde abgelegt hatte.
(Giacomo Casanova: Erinnerungen Band 1)

Die längsten und kürzesten Romaneinstiege

Der längste Anfangssatz der deutschsprachigen Literatur ist wahrscheinlich in dem Roman „Die blutige Trauer des Buchhalters Dolfinger“ von Alban Nikolai Herbst zu lesen. Er zählt ganze 1180 Wörter. Aber leider hat ihm diese Leistung keinen Erfolg eingebracht Auch nicht zu vergessen sind hierbei die bekannten Romaneinstiege der Werke „Korrektur“ von Thomas Bernhard (163 Wörter) und „Der abenteuerliche Simplicissimus“ von Hans J. von Grimmelshausen (159 Wörter). Ich werde diese Sätze allerdings nicht hier einfügen, sie würden den Rahmen einfach sprengen. Der wohl kürzeste Anfangssatz der deutschen Literatur ist:

So.
(Eckhard Henscheid: geht in Ordnung – sowieso – genau)

Ist erst einmal die Neugierde geweckt

Ich wollte noch einmal auf Faulkner zurückkommen und einige fesselnde Anfangssätze anbringen, die gleich dermaßen gespannt machen, dass man das Buch am liebsten nicht aus der Hand legen will:

Der Zeitreisende (denn so wollen wir ihn der Bequemlichkeit halber nennen) war im Begriff, uns eine geheimnisvolle Sache darzulegen.
( H.G. Wells: Die Zeitmaschine)

Am 11. November 1997 entschied Veronika, jetzt sei es – endlich – an der Zeit, sich das Leben zu nehmen.
(Paulo Coelho: Veronika beschließt zu sterben)

Ich wurde zweimal geboren: zuerst, als kleines Mädchen, an einem bemerkenswert smogfreien Januartag 1960 in Detroit und dann, als halbwüchsiger Junge in einer Notfallambulanz in der Nähe vo Petoskey, Michigan, im August 1974.
(Jeffrey Eugenides: Middlesex)

Bevor sie in den Wagen stieg, schaute sie über die Schulter, um sicher zu sein, dass ihr niemand auflauerte.
(G.G. Márquez: Nachricht von einer Entführung)

Sie spielte mit dem Gedanken an einen weißen Hals nicht erst seit gestern, liebte es, Todesarten, Motive, Opfer und Täter durchzuprobieren, hin und her zu kombinieren, ließ Eifersuchtsdramen in Stürzen von Klippen und wackeligen Brückengipfeln, Streitigkeiten in Zyankali verzucken, hinter jeder Mülltonne lauerte irgendein Triebtäter einer Rotznase auf.
(Ulla Hahn: Ein Mann im Haus)

Mein eigentlicher Name ist in den Akten und Amtsregistern des Londoner Zuchthauses Newgate und des Londoner Kriminalgerichts Old Bailey leider nicht ganz unbekannt.
(Daniel Defoe: Moll Flanders)

Der Ort sah zumindest auf den ersten Blick nicht so aus, als würden dort viele Menschen verschwinden.
(Diana Gabaldon: Feuer und Stein)

Auf den zweiten Blick

Es gibt auch Romananfänge, die auf den ersten Blick erst einmal gar nicht besonders klingen. Wenn man aber dann den Titel hört, gewinnen diese Sätze eine ganz andere Bedeutung.

Sie haben mir eine Strafarbeit gegeben
(Siegfried Lenz: Deutschstunde)

Eine blutrote, dampfende Flüssigkeit.
(Heinrich Spoerl: Die Feuerzangenbowle)

Wie froh bin ich, daß ich weg bin!
(Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther)

Im vorigen Jahre, am Abend des zweiundzwanzigsten März, erlebte ich etwas sehr Seltsames.
(F.M. Dostojewski: Erniedrigte und Beleidigte)

Ob ich als Hauptperson meines eigenen Lebens hervortreten werde oder ob sonst jemand diesen Rang einnehmen wird, müssen diese Seiten erst erweisen.
(Charles Dickens: David Copperfield)

Das beste wäre, die Ereignisse Tag für Tag aufzuschreiben.
(Jean Paul Sartre: Der Ekel)

In einer russischen Ministerialabteilung —- Aber es ist wohl besser, ich sage nicht, in welcher Ministerialabteilung es war.
(Nikolai Gogol: Der Mantel )

Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.
(Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit)

Wer ein Lächeln entlockt, hat halb gewonnen

Besonders wirksam für die Anregung zum Weiterlesen sind mit Humor gespickte Sätze, die dem Leser mindestens ein Schmunzeln erstehlen.

Bisher passierte folgendes: Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen.
(Douglas Adams: Das Restaurant am Ende des Universums)

Für Kinder – unbeschwert und lauter

Die schönsten ersten Worte finden sich jedoch immer wieder in Kinderbüchern. In ihrer Einfachheit liegt wahrscheinlich das Geheimnis und die großen Romanciers der Erwachsenenliteratur können sich mit Sicherheit hier und dort mal etwas abgucken. Anbei nur eine kleine Auswahl, denn ich hätte wirklich etliche Sätze aufzählen können (vielleicht mach ich das noch einmal in einem separaten Artikel):

Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt – meins nicht.
(Walter Moers: Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär. Die halben Lebenserinnerungen eines Seebären)

Es war einmal eine Hexe, die war erst 127 Jahre alt und das ist für eine Hexe noch gar kein Alter.
(Otfried Preußler: Die kleine Hexe)

In der Mottengasse elf, oben unter dem Dach hinter dem siebten Balken in dem Haus, wo der alte Eisenbahnsignalvorsteher Herr Gleisenagel wohnt, steht eine sehr geheimnisvolle Kiste.
(Janosch: Lari Fari Mogelzahn)

In der Nacht, als Ronja geboren wurde, rollte der Donner über die Berge, ja, es war eine Gewitternacht, dass sich selbst alle Unholde, die im Mattiswald hausten, erschrocken in ihre Höhlen und Schlupfwinkel verkrochen.
(Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter)

Als Peter Pan sieben Tage zählte, das heißt, genau eine Woche alt war, fand er heraus, was er tun musste, um nicht älter zu werden.
(J.M. Barrie: Peter Pan)

Mr. und Mrs. Dursley im Ligusterweg Nummer 4 waren stolz darauf, ganz und gar normal zu sein, sehr stolz sogar.
(Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Stein der Weisen)

Meine Lieblinge

Und nun kommt zum Schluss doch noch eine Liste meiner persönlichen Favoriten unter den ersten Sätzen. Man erkennt wohl schnell, dass ein Romaneinstieg -wenn es nach mir ginge- kurz und prägnant, einzig und allein durch seine Wortgewalt einen Zauber offenbaren muss, der etwas Ewiges innehat.

Das Mondlich fällt auf das Fußende meines Bettes und liegt dort wie ein großer, heller, flacher Stein.
(Gustav Meyrink: Der Golem)

Es roch nicht mehr schieferblau, und auch die Stimmen konnte sie nicht mehr sehen.
(Martin Suter: Der Teufel von Mailand)

In Utes rotes Haar stieß ein einzelner Sonnenstrahl einen metallischen Glanz, als sei er ein Dolchstoß.
(Heinrich Mann:Die Jagd nach Liebe)

Am Morgen, kurz nach zehn, kam der Schnee.
(Hennig Mankell: Die Hunde von Riga)

Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen. (Cornelia Funke: Tintenherz)

Ummmr nnns rrfnn ummr nnnrs fnnn Diese Laute: troz der Benommenheit.
(Stephen King: Sie)

Marley war tot – soviel zum Anfang.
(Charles Dickens: Weihnachtsmärchen)

Paulette Lestafier war nicht so verrückt, wie die Leute behaupteten.
(Anna Gavalda: Zusammen ist man weniger allein)

Phillip Perlman war es gewohnt, dass die Dinge keine Gegenwart für ihn hatten.
(Pascal Mercier: Perlmanns Schweigen)

Alles, was ich habe, trage ich bei mir.
(Herta Müller, Atemschaukel)

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.
(F
ranz Kafka: Die Verwandlung)

Falls Sie wirklich meine Geschichte hören wollen, so möchten sie wahrscheinlich vor allem wissen, wo ich geboren wurde und wie ich meine verdammte Kindheit verbrachte und was meine Eltern taten, bevor sie mit mir beschäftigt waren, und was es sonst noch an David-Copperfield-Zeug zu erzählen gäbe, aber ich habe keine Lust, das alles zu erählen.
(Jerome D. Salinger: Der Fänger im Roggen)
Klingt auf Englisch irgendwie noch einmal ganz anders (obwohl wir hier die Übersetzung von Heinrich Böll vorliegen haben):
If you really want to hear about it, the first thing you’ll probably want to know is where I was born, and what my lousy childhood was like, and how my parents were occupied and all before they had me, and all that David Copperfield kind of crap, but I don’t feel like going into it, if you want to know the truth.

Ich nestelte an meiner Perlenkette und fragte mich, ob ich nicht doch zu elegant für die Party angezogen war, als ich aus dem Taxifenster schaute und Mom sah, die gerade einen Mülleimer durchwühlte.
(Jeannette Walls: Schloss aus Glas)

Ich wollte es nicht wissen, aber ich habe erfahren, dass eines der Mädchen, als es kein Mädchen mehr war, kurz nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise das Badezimmer betrat, sich vor den Spiegel stellte, die Bluse aufknöpfte, den Büstenhalter auszog und mit der Mündung der Pistole ihres eigenen Vaters, der sich mit einem Teil der Familie und drei Gästen im Esszimmer befand, ihr Herz suchte.
(Javier Marias: Mein Herz so weiß)

Für hingebungsbereite Seelen ist die Stunde, da es noch nicht Nacht und nicht mehr Tag ist, besonders reizvoll; die Beleuchtung der Dämmerung umgibt dann alle Gegenstände mit ihren weichen Tönen und eigenartigen Reflexen und begünstigt einen Traumzustand, der sich unmerklich mit dem Spiel von Licht und Schatten verknüpft.
(Honoré de Balzac: Die Börse)

Ich kam wie die Seiltänzer und Nougat-Verkäufer beim letzten Januarschnee in Turin an.
(Cesare Pavese: Die einsamen Frauen)

Des-c-des-es-as-f
(Eckhard Henscheid: Dolce Madonna Bionda)

Es gab die Sonne, verzauberte Tiere und geschwind fließendes Wasser…
(Klaus Mann, Alexander)

Die Sonne tauchte blutrot, winzig und vergrämt aus den Nebeln. (Jospeph Roth: Die hundert Tage)

Auf halbem Weg des Menschenlebens fand ich mich in einen finstern Wald verschlagen, Weil ich vom rechten Weg mich abgewandt.
(Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie)

Weißliche, gesprenkelte Eier.
(Nadine Gordimer: Der Besitzer)

In meinen jüngeren Jahren, als ich noch zarter besaitet war, gab mein Vater mir einmal einen Rat, der mir seitdem wieder und wieder durch den Kopf gegangen ist.
(Scott F. Fitzgerald: Der große Gatsby)

Und wenn ihr wissen wollt, welchen Rat der große Gatsby von seinem Vater erhielt, schaut wieder rein, ich verrate es im nächsten Eintrag.

Auf hoffentlich bald!

P.S.: Als kleinen Nachtrag schiebe ich noch folgenden Link für diejenigen ein, die sich besonders für dieses Thema interessieren:
http://www.kurzgeschichten.de/vb/archive/index.php?t-43794.html

Herzlich willkommen

Liebe Blogbesucher,

ich möchte euch zuerst kurz und knapp erläutern, worauf ihr euch hier einlasst und was es zu erwarten gibt. Bei diesem Blog geht es hauptsächlich um Literatur. Das ist auch bewusst so allgemein formuliert, denn Literatur ist natürlich ein breit gefächertes Gebiet und ich schau einfach mal, wie sich alles entwickelt.

Ich stelle verschiedene Themen aus der Welt der Bücher vor, die mich zur Zeit interessieren, worüber ich recherchiere oder was ich an Fakten ansammle. Zum Beispiel geht es um unglaubliche Tatsachen, um Absurditäten und lange nicht Gewusstes. Auch möchte ich Bücher vorstellen, die ich für lesenswert halte, und empfehle sie mit vielen Anmerkungen und Gedankenansätzen weiter. Dazu will ich noch kurz vorausschieben, dass ich völlig unabhängig arbeite, d.h.,ich stehe auf keiner Gehaltsliste eines Autors oder Verlags.

Wenn ihr euch fragt, was daran nun anders als bei den Buchempfehlungen von Amazon oder den Feuilletons verschiedener Zeitungen ist, muss ich euch sagen: Ein bisschen was von allem ist schon dabei. Manche Dinge, an denen ich gearbeitet habe, gibt es genauso aber auch in keiner Zeitung und auf keiner Webseite. Also, bevor ich noch länger eure kostbare Zeit stehle: Macht euch einfach selber ein Bild und lest mal die ersten beiden Einträge. Dann könnt ihr mich verfluchen oder unter euren Lesezeichen verbuchen. Immer sind jedoch eure Anregungen und Kommentare herzlich willkommen. Wir genießen ja glücklicherweise Meinungsfreiheit!

 

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