Abstract:
Konrad von Marburg gilt als einer der ersten Inquisitoren des mittelalterlichen
Deutschlands. Er wurde von Papst Gregor IX. zu diesem ernannt und ist für den
Tod unzähliger Menschen verantwortlich. Er fungierte ungefähr zwei Jahre als
Inquisitor und ist durch seine strikte Vorgehensweise gegen das Ketzertum
bekannt geworden. Obwohl seine Prozessführung oft kritisiert wurde, wagte es
kaum jemand, sich gegen ihn und seine Gehilfen zu stellen.
Zuvor war er durch seine Tätigkeit als Wanderprediger an den Hof des
thüringischen Landgrafen Ludwigs und seiner Frau, der Heiligen Elisabeth
gekommen. Anfangs nahm er die Stellung eines Beraters und des Beichtvaters
der Heiligen Elisabeth ein. Nach dem Tod Ludwigs, wurde er von Papst Gregor
IX. zum Defensor Elisabeths bestellt. Er wollte sie, der Religiosität seiner Zeit
entsprechend, führen, dabei schreckte er nicht von psychischen und physischen
Strafen ab, die Elisabeth im Laufe der Jahre sehr schwächten. Nach dem Tode
Elisabeths, versuchte er ihre Kanonisation so schnell wie möglich voran zu
treiben. Die Heiligsprechung selbst sollte er jedoch nicht mehr erleben, da er
nach einem aufsehen erregenden Prozess gegen den Grafen von Sayn, in der
Nähe seines Heimatortes Marburg von Unbekannten erschlagen wurde.
S.1.
Warum ich Konrad von Marburg zu meinem Thema gewählt habe:
Ich habe mich schon immer für umstrittene Personen in der Geschichte
interessiert und es gab wenig Menschen, die die Meinungen in der Forschung
und letztlich in meiner Wahrnehmung so polarisiert haben wie Konrad von
Marburg. Einerseits war er ein tief religiöser Mensch, der sich zu seiner
Lebensaufgabe gemacht hat, das Wort und die Lehren Gottes zu verbreiten.
Anfangs war als Kreuzprediger durch das hessische Deutschland gezogen und
versuchte die höfische Welt und den Klerus davon zu überzeugen, sich die
Ideale Jesu Christi wieder bewusst zu machen und so zu leben. Verkürzend ist
zu sagen, dass die Fürsten und die Adeligen in Saus und Braus lebten, während
das gemeine Volk hungerte und fror. Die eine Seite feierte rauschende Feste und
die andere Seite starb. Er war sicher eine beeindruckende Persönlichkeit, die
allein durch das gelebte Armutsideal herausstach.
Als er an den Hof des Landgrafen Ludwigs und seiner Gemahlin Elisabeth von
Thüringen kam, eilte ihm sein Ruf bereits voraus. Es gelang ihm in kürzester
Zeit, das Vertrauen der beiden Eheleute zu gewinnen. Konrad von Marburg
wurde zum Beichtvater und Seelenführer Elisabeths erkoren. Er überredete den
Landgrafen an einem Kreuzzug in das Heilige Land teilzunehmen und bekam in
der Abwesenheit des Grafen die Schutzfunktion über Elisabeth. Anfangs
kümmerte sich Konrad auch weitgehend um die geistige Führung Elisabeths. In
dieser Zeit begann er bereits ihr Speiseverbote aufzuerlegen, die Elisabeth auch
peinlichst genau befolgte. Konrad wusste, dass er großen Einfluss auf Elisabeth
hatte, da sie ihn in gewisser Weise sicherlich bewunderte. Nach dem Tod
Ludwigs hatte Konrad die totale Kontrolle über seine Schutzbefohlene und sein
wahrer Charakter kam zum Vorschein.
Er begann sie auf das schlimmste zu disziplinieren und schreckte vor keiner
Strafe zurück. Er argumentierte, dass nur durch die von ihm auferlegten Bussen
S.2.
Elisabeth zur absoluten Reinheit gelangen konnte. Was nun aber folgte hatte
mit Seelenfreund nichts mehr zu tun. Er folterte sie regelrecht sowohl physisch
als auch psychisch. Schläge standen an der Tagesordnung, die er selbst oder ihm
Vertraute ausführten. Da er sie mit Gewalt jedoch nicht genug demütigen und
erniedrigen konnte, ging er nun dazu über, alle Menschen, die ihr nahe standen,
aus ihrem Umfeld zu entfernen. Er scheute sich auch nicht ihr zu befehlen, sich
von den eigenen Kindern zu trennen. Konrad berief sich immer wieder darauf,
dass sein Handeln Gott gewollt war. Konrad war richtig von dem Gedanken
besessen Elisabeth den Weg in das Himmelreich zu ebnen. Jedoch trieb er sie in
den Tod.
Konrad war sicher bewusst, was er getan hatte und ihn plagte ein schlechtes
Gewissen. Nur so ist zu erklären, dass er mit der gleichen Konsequenz, mit der
er sie strafte, nun ihr Kanonisationsverfahren voran trieb. Die Heiligsprechung
Elisabeths sollte er aber nicht mehr erleben.
Konrad von Marburg hatte in der Zwischenzeit vom Papst die Aufgabe der
Ketzerverfolgung erhalten und in diesem Tätigkeitsbereich sollte er traurige
Berühmtheit erlangen. Er ging mit einer bisher kaum dagewesenen Grausamkeit
gegen vermeintliche Ketzer vor und zerrte jeden oder jede vor sein Gericht. Die
Urteilsvollstreckung überließ er jedoch den weltlichen Richtern. Damit machte
er sich seine Hände nicht schmutzig. Ein faires Verfahren war ihm fremd und er
war daran auch gar nicht interessiert.
„Lieber 99 Unschuldige verbrennen als einen Schuldigen laufen lassen!“1
Dies
war sein Leitspruch und genauso war seine Verfahrensweise. Er folterte, er
denunzierte und er klagte an. Dabei war ihm jedes Mittel recht. Konrad konnte
Recht von Unrecht nicht mehr unterscheiden und anfangs war ihm auch keiner
gewachsen. Die Leute, die er anklagte waren meist einfache Bauern, die sich
1 Hergemöller, Bernd-Ulrich: Krötenkuss und schwarzer Kater. Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der
inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts, S81
S.3.
nicht verteidigen konnten. Für ihn waren auch Verteidiger Häretiker und so
traute sich niemand seiner Schreckensherrschaft entgegen zu wirken.
Selbst Erzbischöfe, die versuchten sein Treiben zu stoppen hatten keine Chance
gegen ihn. Zu seinen Lebzeiten stand er unter dem Schutz Papst Gregors IX. Er
verunsicherte die gesamte Region, in der er wirkte. Er war sich seiner Sache so
sicher, dass er nun gegen den Adel vorzugehen begann. Dies zeigt, wie hoch
seine Selbstüberschätzung war. Er manipulierte Zeugen, die falls sie nicht im
Sinne seiner Anklage fungierten, selbst der Ketzerei bezichtigt worden wären
und mit einem Todesurteil rechnen mussten. Ihm zur Seite standen zwei äußerst
umstrittene Helfer, die nicht einmal über geistige Ämter verfügten.
Dies war für ihn jedoch nicht von Bedeutung, da für ihn allein das Aburteilen
zählte. Konrad und seine späteren Weggefährten, Konrad Torso und Johannes
Iuscus verbreiteten Schrecken überall wo sie auftauchten und Konrad von
Marburg genoss es förmlich. Seine unendliche Grausamkeit eilte ihm nun
voraus.
Was er wegen seiner Selbstüberschätzung jedoch nicht beachtete war, dass der
Adel über ganz andere Mittel und Wege verfügte um sich gegen seine
Denunziationen zu schützen. Er sollte bald erfahren, dass er doch nicht tun und
lassen konnte, wie ihm beliebte.
Im Verfahren, dass er gegen den Grafen von Sayn führte, wurden ihm erstmals
seine Grenzen aufgezeigt. Die Zeugen der Anklage konnten der Lüge überführt
werden und er verlor das Verfahren. Er gab sich mit seiner Niederlage jedoch
nicht zufrieden und versuchte eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu
erreichen.
Jedoch sollte er auch dies nicht mehr erleben, da er wahrscheinlich von
Anhängern des Grafen kurz vor Marburg erschlagen worden war. Seinem Tod
dürfte er allerdings nicht so furchtlos in das Auge geschaut haben, wie sein
Vorgehen gegen die Ketzer und seinem Verhalten gegenüber Elisabeth gewesen
S.4.
war. Am Boden liegend bettelte er um sein Leben und soll auch wie ein Kind
geweint haben.2 Er, der allen anderen gegenüber gnadenlos war, hatte Angst vor
dem jüngsten Gericht. Er hatte niemals Menschlichkeit gezeigt und war
vollkommen skrupellos in seinem Wirken. Seine Schutzbefohlene ging in die
Geschichte als Heilige ein, er als ihr Peiniger. Die Zahl wie viele unschuldige
Menschen Konrad getötet hatte ist uns heute nicht bekannt. Er ist jedoch in allen
Belangen gescheitert. Er hat nur Leid über die Menschheit gebracht, egal ob sie
ihm vertraut hatten oder nicht. Die religiöse Situation war zu seiner Zeit sicher
eine andere als heute. Jedoch war sein Vorgehen auch für damalige Verhältnisse
hart und grausam.
Für mich ist Konrad ein Mörder, der alle Regeln der Vernunft ignoriert und
missachtet hat, um sein Ideal an Gottesfurcht zu verbreiten. Anfangs war er
sicher bemüht seine Welt zu verbessern, doch die Mitteln und Wege, die er
benutze waren die falschen. Er hat das Vertrauen, welches ihm
entgegengebracht wurde auf das widerwärtigste missbraucht.
Nach seinem Tod haben sich alle, die noch an ihn geglaubt hatten von ihm
abgewandt. Es ging sogar soweit, dass Kleriker forderten ihn zu exhuminieren,
post mortem den Prozess zu machen und seinen Leichnam als den eines Ketzers
zu verbrennen.
Er liegt neben der Heiligen Elisabeth begraben. Die einzige Chance auf
Erlösung, die er noch hat, ist dass die Heilige Elisabeth eines Tages aufersteht
und ihn an ihrer Seite mit ins Himmelreich nimmt. Ich bin mir sicher, dass sie in
ihrer Größe ihm vergeben würde und alles was in ihrer Macht steht tut, damit
ihrem Peiniger vergeben wird.
Konrad glaubte sein ganzes Leben Gott gegeben zu haben, doch in Wirklichkeit
handelte er nur um sein persönliches Interesse, seinen Hass und seine
Grausamkeit ausleben zu können. Er war ein Sadist, der jegliches Leben
2 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S305
S.5.
verachtete und muss auch schwer unglücklich gewesen sein. Konrad von
Marburg ist in allen Belangen gescheitert und müsste jetzt, seinem Glauben nach
in den untersten Regionen der Hölle auf Vergebung hoffen.
S.6.
Einleitung:
Konrad von Marburg dürfte zwischen 1180 und 1190 in Marburg an der Lahn
geboren worden sein. Jedoch gibt es keine Quellen, die seinen Namen, sein
Geburtsjahr oder den Stand seiner Eltern eindeutig überliefern. Es wird aber
vermutet, dass er von einem Marburger Burgmannengeschlecht abstammt.3
Wahrscheinlich hat er zur Vorbereitung auf einen geistlichen Beruf an einer der
Domschulen seiner Zeit gelernt und es wird angenommen, dass er später an der
Universität von Paris studierte und dort den Magistergrad erwarb, den er auch
sein Leben lang führte.4 Paris galt als Mittelpunkt der Kultur und die
theologische Ausbildung war die beste ihrer Zeit. Wer dort sein Studium
absolviert hatte, konnte damit rechnen, in seiner späteren Berufslaufbahn ein
Amt von hoher Würde zu bekleiden und die Absolventen genossen hohes
Ansehen. Dies könnte Konrad veranlasst haben, Paris als Studienort zu wählen
und dort seine theologischen Studien voranzutreiben. 5
Da der Besuch einer Domschule mit hohen Kosten verbunden war, liegt die
Vermutung nahe, dass er zumindest aus einer wohlhabenden Familie der kleinen
landgräflichen Stadt abstammen musste. 6 Durch seinen hohen Bildungsgrad
galt er als gelehrt und war bei seinen Zeitgenossen anerkannt, berühmt aber
auch gefürchtet. Seine gehobene Stellung wurde auch durch den päpstlichen
Auftrag zur Kreuzpredigt deutlich, den nur wenige Männer seiner Zeit erhielten.
Konrad erhielt den Auftrag von Papst Gregor IX. Kreuzprediger waren Männer,
die bereits im Dienste der Kurie erfolgreich tätig gewesen sind. Konrad gehörte
dieser Elite seit spätestens 1215 an. 1214 war er als einfacher Wanderprediger
in den Provinzen Bremen und Trier unterwegs.
7 Aus den Quellen ist nicht
3 Scharfe, Martin: Die Heilige und ihr Zuchtmeister, S 8 4 Werner, Matthias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg, S 48
5 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S 249
6 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth, S 161
7 Lea, Charles- Henry: Geschichte der Inquisition im Mittelalter, S371
S.7.
eindeutig ersichtlich, welchem Orden er anfangs angehörte oder ob er
Weltgeistlicher war. Eine Theorie, besagt dass er dem Praemonstratenserorden
angehörte. Er stand allerdings auch dem Zisterzienserorden und später den
Franziskanern nahe .
8
Die Behauptung, dass er Prämonstratenser war, wird durch einen Eintrag im
Nekrologium der Praemonstratenserabtei Arnstein an der Lahn gestützt. Dort ist
seine Memoria mit den Worten: “ Magistrer Conradi, fratis nostri in Marburck“
eingetragen, wobei in der Diskussion des Beleges jedoch außer Acht gelassen
wurde, dass unter dieser Bezeichnung auch Geistliche und Laien geführt
wurden, die dem Arnsteiner Praemonstratensern nur in einer Gebetsbruderschaft
verbunden waren.9 Ein weiteres Argument seiner Zugehörigkeit zum
Praemonstratenserorden ist sein Siegel, das ihn in einem langen Talar, mit
einem Buch in der linken und einer Kreuzfahne in der rechten Hand zeigt.10 Die
Schrift auf dem Siegel lautet: Sigillum magistri Cunradi praedicatoris verbi
Dei.11
Die Zugehörigkeit zum Franziskanerorden wird dadurch bekräftigt, dass sein
Beichtkind Elisabeth zuerst in Eisenach und später in Marburg enge
Beziehungen zu den Franziskanern pflegte, außerdem war sein langjähriger
Begleiter und Mitarbeiter Gerhard Lützelkolbe, der mit ihm zusammen
erschlagen wurde und an seiner Seite beigesetzt wurde, Franziskaner.12
Eine andere Sicht bei Dietrich Kurze besagt, dass Konrad Dominikaner gewesen
sei und begründet diese These mit seinem Titel praedicator oder praedicator
verbi Dei13, der ihm vom Papst verliehen worden war und den er auch selber
führte. Von diesem Titel schloss man auf den ordo praedicatorum, wie auch die
Dominikaner bezeichnet wurden. Jedoch übersah man, dass dieser Titel älter als
8 Westphälinger, Ariane: Der Mann hinter der Heiligen, S25
9 May, Karl Hermann: Zur Geschichte Konrads von Marburg, S90
10 Reber, Ortrud: Elisabeth von Thüringen, S15 11 Segl, Peter: Konrad von Marburg, S544 12 May, Karl Hermann: Zur Geschichte Konrads von Marburg, S94 13 Kurze, Dietrich: Anfänge der Inquisition in Deutschland, S147
S.8.
der Dominikanerorden selbst war und auch unabhängig getragen werden
konnte.14 Ein weiterer Grund, warum man annehmen könnte, dass er
Dominikaner war, ist die Tatsache, dass der Orden in führender Weise gegen die
Ketzerbewegungen eingesetzt wurde und Konrad einer der ersten deutschen
Inquisitoren war.15
Abschließend kann wohl nur festgehalten werden, dass wir aus den Quellen
erschließen können, dass Konrad ein einfacher Weltgeistlicher der Mainzer
Diözese war, der wie ein Franziskaner lebte und wie ein Dominikaner predigte.16
14 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth, S162 15 Oberste, Jörg: Ketzerei und Inquisition im Mittelalter, S90 16 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S252
S.9.
I: Konrad von Marburg und die Heilige Elisabeth:
Konrads frühe Jahre:
Einer, der Konrad gut kannte, war der Zisterzienser Cäsarius von
Heisterbach.17Dieser war Prior und damit Prediger in der Zisterze Heisterbach
und zahlreiche seiner Werke sind heute noch erhalten.
Er war nicht nur ein Zeitgenosse von Konrad, sondern hat viel Zeit mit Konrad
in Marburg verbracht. Seine Hochachtung und Wertschätzung gegenüber
Konrad drückten sich nicht nur in den Schriften aus, die Cäsarius über Konrad
fertigstellte, sondern er bezeichnete ihn als einen presbiter secularis, einen
Weltpriester.
18
Ein anderer Aspekt in der Person Konrads war, dass er als geschickter Diplomat
bekannt war. Er soll ab 1218 regelmäßig vom Papst als Vermittler und
Schlichter eingesetzt worden sein. So löste er einen Konflikt zwischen dem
Kloster Nieburg und dem sächsischen Herrschaftshaus und er diente sowohl
Erzbischof Siegfried II. und Siegfried III. von Mainz als Bevollmächtigter in
Rechtsgeschäften und Besitzstreitigkeiten. 1228 gelang es ihm, die
einvernehmliche Regelung über Elisabeths Witwenentschädigung mit der
landgräflichen Familie, vor allem mit ihrem Schwager Heinrich Raspe zu
führen. Er konnte eine Abfindungssumme von 2000 Mark und die lebenslange
Nutzung einiger Ländereien bei Marburg für Elisabeth heraus handeln.
19
Sein Betätigungsfeld als Prediger wurde im Jahr 1217 auf Norddeutschland
ausgeweitet und 1218 ist sein Wirken in den Diözesen Mainz und Meißen
bezeugt. Wie man sehen kann war sein Wirken auf einen, selbst für einen
17 Vgl. dazu allgemein: Franz Walter, Cäsarius von Heisterbach. In: Lexikon des Mittelalters: Band II, Sp.1363. 18 Reber, Ortrud: Die Heilige Elisabeth, S89 19 Braun, Paul: Der Beichtvater der Heiligen Elisabeth und deutsche Inquisitor Konrad von Marburg, S274
S.10.
Kreuzprediger flächenmäßig großen Tätigkeitsbereich ausgedehnt. Über sein
Schaffen ist nach 1218 eigentlich nichts mehr bekannt und es gibt keine
Quellen, die Konrad in den nächsten Jahren erwähnen.
Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Konrad weiterhin als Prediger
im Norden Deutschlands, vor allem in den Bereichen Magdeburg und Bremen
tätig war. In den Jahren 1226 und 1227 wird er wieder als Kreuzprediger
erwähnt und damals wirkte er offenbar vor allem in Thüringen. Wie es damals
üblich war, predigte er im Freien, da der Andrang so groß war, dass die
Menschen nicht in den zur Verfügung stehenden Räumen Platz fanden. Er
predigte, dass das Seelenheil nur durch strengste Armut, bedingungslose
Keuschheit und hingebungsvolle Nächstenliebe gegenüber den Armen erreicht
werden könnte.
Dominikaner oder Franziskaner hatten eine besondere Verpflichtung zur
Predigt, da die Kirche besonders viel Wert auf Intensivierung theologisch
pastoraler Ansätze gelegt wurde.20
Konrad predigte jedoch nicht nur, sondern er stellte auch gegenüber sich selbst
die höchsten Ansprüche. Er lebte in strengster Armut und ebenso in äußerster
Strenge sich selbst gegenüber.21
20Vgl. dazu allgemein: J. Longere, Predigt in. Lexikon des Mittelalters, Band VII, Sp.173 21 Westphälinger, Ariane: Der Mann hinter der Heiligen, S73
S.11.
Die Armutsbewegungen zur Zeit Konrads:
Nicht nur er forderte in seinen Reden und Predigen den Verzicht auf Besitz,
gesellschaftliches Ansehen oder Standeszugehörigkeit. Die Bettelorden und
insbesondere religiöse Frauenbewegungen stellten diese Maximen immer
wieder in den Mittelpunkt. Die damaligen Frauenklöster waren voll mit
Vertreterinnen der höchsten Stände, des Hochadels, der Ministerialität und der
wohlhabenden Kaufmannskreise. Besonders die Frauengemeinschaften oder
Bettelorden sind als Reaktion gegen den Reichtum und die wirtschaftlichkulturelle Entwicklung des Hochmittelalters zu verstehen.
22 Sowohl die
Mitglieder der Bettelorden als auch Konrad predigten eine den Evangelien
nachempfundene Lebensweise, die sich in Keuschheit, freiwillig gelebter Armut
und Verzicht auf Besitz äußerte. Das eigene Leben sollte in den Dienst der
Armen und Kranken gestellt werden. Das Ideal war, in der gleichen Armut wie
Jesus Christus und seine Jünger zu leben. Man sollte ungesichert und ohne
Eigentum sein, sich nur von der täglichen Arbeit ernähren und ausschließlich
auf Gott vertrauen.23
Die Krankenpflege und Betreuung nahm einen ganz wichtigen Stellenwert in der
Verwirklichung der geforderten Lebensweise in den Lehren und im Leben
Konrads von Marburg ein. Es war dies ja auch ein bewusstes Anliegen der
religiösen Bewegungen: Die Hinwendung zum Nächsten im Sinne der
Nachfolge Christi!
Die in der Forschung oft geäußerte Meinung, die religiösen Bewegungen des
- Jahrhunderts erklären sich aus der wirtschaftlichen und sozialen Notlage der
Zeit, wird oft überspitzt auch auf die Frauenbewegungen übertragen, und
behauptet, dass Frauen in den unteren, ärmeren Bevölkerungsschichten infolge
22 Westphälinger, Ariane: Der Mann hinter der Heiligen , S23 23 Reber, Ortrud: Die Heilige Elisabeth, S91
S.12.
eines Männermangels, in diese Gruppen gedrängt haben. Dies widerspricht
anderen Untersuchungen, nach deren Ansicht diese Meinung im Widerspruch zu
allen Quellenfunden stünde und den Sinn der angeführten Religiosität
missverstehe.24
Die religiösen Armutsbewegungen waren also nicht der Protest der Armen oder
der Unterprivilegierten gegen das vorherrschende Ungleichgewicht von Adel
und dem Rest der Bevölkerung, es war vielmehr das Aufbegehren sowohl Armer
als auch Reicher gegen, die Ungerechtigkeiten des gesellschaftlichen Systems.
Kritik am Lebensstil des Klerus und an der Verweltlichung der Kirche wurde in
Laienkreisen, im Adel und in anderen Gruppen geübt.25 Da der Unmut sowohl
in den Unteren als auch in den oberen Bevölkerungsschichten groß war, hatten
Konrad und die anderen Kreuzprediger eine große Anhängerschaft. Die
Menschen suchten, in den radikalen Lebensformen, sich dem Heil zu nähern,
das ihnen die Welt nicht geben konnte. Die Wanderprediger wurden allerdings
auch, da sie Armut und tiefste Gottverbundenheit lehrten, von allen Seiten
misstrauisch und argwöhnisch beobachtet und es wurden ihnen nicht selten
Strafen oder Predigtverbote auferlegt oder sie wurden sogar aus der Kirche
ausgeschlossen und der Häresie angeklagt. 26 Dies war immer dann der Fall,
wenn Kirchenväter sich dem Ruf der Verinnerlichung widersetzten.
Wanderprediger versuchten Laien, Männer genauso wie Frauen, zu bekehren.27
Diese verbanden sich wiederrum zu religiösen Laiengemeinschaften mit den
Klöstern. Sie verzichteten auf Ehe oder weltliches Eigentum, ohne aber in den
monastischen Stand überzutreten. Solche Bekehrungen spiegelten das Bedürfnis
nach Verinnerlichung und persönlicher Befolgung religiöser Ideale wieder. Die
Werte und Normen, an denen man sich orientierte, entnahm man der Heiligen
24 So Herbert Grundmann, Religiöse Bewegungen im Mittelalter. Untersuchungen über die geschichtlichen
Zusammenhänge zwischen der Ketzerei, den Bettelorden und der religiösen Frauenbewegung im 12. Und 13.
Jahrhundert und über die geschichtlichen Grundlagen der deutschen Mystik. (Darmstadt/1970),S188. 25 Rösener, Werner: Bauern im Mittelalter, S217 26 Oberste, Jörg: Ketzerei und Inquisition im Mittelalter, S40 27 Schiewer, Predigt B: Volkssprachliche Literaturen des Westens, In: Lexikon des Mittelalters. Band VII, Sp. 176
S.13.
Schrift. Die Menschen wollten ihr Seelenheil nicht mehr bedenkenlos der
Amtskirche überlassen. Diese schlossen sich zu einem neuen Orden, den
Tertianern, der vorwiegend aus Laien bestand, zusammen.28
In Europa begannen nun Wanderprediger und Reformer immer stärker zu
wirken. Ihre Leitmotive waren Aufruf zur Buße und Umkehr zum
evengelientreuen Leben, wodurch die Seelenrettung des Einzelnen erreicht
werden konnte. Dadurch trat diese Bewegung oft in Konkurrenz zu den
örtlichen Bischöfen, die als Repräsentanten der Amtskirche für Predigt und
Seelensorge, verantwortlich waren. Sie handelten sich den Vorwurf der Häresie
ein, da sie die Autorität der Kirche untergruben. Denn wo das gesteigerte
religiöse Bewusstsein in festere Strukturen und Gemeinschaften mündete, wo
aus dem Antrieb der Bekehrung Einzelner neue Lebensformen wuchsen, war der
Konflikt mit der Kirche vorprogrammiert.29
Die katholische Kirche schreckte selbst von der Exhumierung nicht zurück. 30
Dessen war sich Konrad sein Leben lang bewusst.
Beim Auftreten neuer Wanderprediger war die Grenze zwischen Ketzerei und
Rechtgläubigkeit selbst für Kirchenleute oft nicht leicht zu bestimmen. Für das
einfache Volk entschied ohnehin das Auftreten des jeweiligen Wanderpredigers
über seine Glaubwürdigkeit.
28 Vgl. dazu allgemein: Barone, Giulia: Tertianer. in : Lexikon des Mittelalters, Band VIII ,Sp.555- 558 29 Oberste, Jörg: Ketzerei und Inquisition im Mittelalter, S41 30 Reber, Ortrud: Elisabeth von Thüringen, S89
S.14.
Konrad als Wanderprediger:
Konrad soll auf einem Maultier, anstatt auf einem Pferd reitend, durch das Land
gezogen sein. Dieses Tier ist ein Zeichen der Demut und soll den Geistlichen auf
einem Tier, das der Eselin Christi gleicht, zeigen. Er soll nichts besessen haben
und strebte nicht nach Reichtum oder Pfründen. Sein Körper soll durch das
ständige Fasten und die Selbstgeißelungen gezeichnet gewesen sein, denn er
wollte den Anderen mit einem guten Beispiel voran gehen und zeigen, dass es
möglich ist, so zu leben, wie er selbst predigte.31 Deshalb war er stets umringt
von einer großen Menschenmenge, die seiner Predigt zuhörte und ihm folgte.
Bei den Menschen seiner Zeit muss er einen gewaltigen Eindruck hinterlassen
haben. Er wurde nicht nur als der ausgezeichnete Prediger gesehen, der zur
Aufopferung gegenüber Anderen aufrief, sondern Viele kamen seinen Worten
nur deshalb nach, weil sie von Furcht angetrieben waren, seinen Lehren Folge
zu leisten. Sein hohes Ansehen im Volke wurde vor allem durch seine Art zu
predigen begründet. In seiner Funktion als Prediger hatte er aber einen viel
stärkeren Einfluss auf die Masse, als der einfache Klerus, also die Stadt- und
Landpriesterschaft. Jedoch ist der genaue Inhalt so gut wie gar nicht überliefert.
Der Inhalt seiner Predigt dürfte im Großen und Ganzen mit den päpstlichen
Kreuzzugsbullen und den Kreuzzugsliedern übereingestimmt haben.
32 Die
Predigt sollte zu Frieden, Eintracht und Achtung vor den anderen aufrufen. Die
Predigt sollte eingehend die Sakramente behandeln und die Gläubigen durch
Auslegung des Glaubensbekenntnisses im Glauben stärken.33
Sobald er sich einer größeren Stadt näherte, kamen ihm der Klerus und die
Bevölkerung entgegen. Dieser empfing ihn mit Kerzen und Fahnen und
31 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth, S 170 32 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S257 33 Vgl. dazu allgemein: Longere, Jean. Die Predigt, in: Lexikon des Mittelalters, Band VIII, Sp.173- 174
S.15.
geleitete Konrad ehrenvoll in die jeweilige Stadt.34 Nachdem Konrad seine
Tätigkeit beendet hatte und einen Ort verließ, ließ er immer einige
Vertrauensmänner zurück, die in seinem Namen im Auftrag der heiligen Sache
weiterwirkten und vor allem das gesammelte Geld für die Befreiung des
heiligen Landes verwalten mussten. Der Inhalt seiner Predigten, war so
gestaltet, dass er die besonderen Nöte und Anliegen der Kirche formulierte. In
seiner Forderung nach radikaler Armut, traf er die Stimmung der Bevölkerung
weiterhin sehr gut.
34 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S256
S.16.
Elisabeths erste Gelübde:
Diese oben beschriebenen Tugenden waren es auch, die Elisabeth von
Thüringen so fasziniert haben, als Konrad in seiner Funktion als Kreuzprediger
1226 zu ihr an den Hof nach Thüringen kommt. Es beeindruckt sie auch die
radikale Lebensphilosophie Konrads, da er sich selbst sehr strenge Regeln
auferlegte, machte er auf sie einen sehr überzeugenden Eindruck. Konrad wurde
sowohl von ihr, als auch von ihrem Ehemann, Landgraf Ludwigs 1226 zum
Beichtvater erwählt. Beide schworen ihm Gehorsam und Treue. Konrad
übernahm durch dieses Gelübde die Verpflichtung, ihr bei ihrem Streben nach
Reinheit und geistiger Vollkommenheit mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.35
Die Ehe hatte sowohl für Konrad als auch für Elisabeth einen sehr hohen
Stellenwert. Er verlangte von ihr, dass sie sich entsprechend der christliche Ehe
lehre verhielt und dabei nur von Liebe und nicht von der Fleischeslust getragen
werden sollte.36 Sie schwor ihm sich so zu verhalten, dass ihr Mann nicht der
Sünde und der Unzucht erliegt, dass sie immer bei ihm sei und eine vorbildliche
Ehe führen würde.
Sie versprach Konrad, dass die Ehe im Todesfall ihres Mannes die einzige
bleiben sollte. Die Kirche war besorgt, die monogame Ehe als Institution und als
Sakrament zu schützen. Ehe und Familie waren Institutionen, bei denen sowohl
die kirchliche als auch die weltliche Gewalt auf die Wahrung ihrer Zuständigkeit
bedacht waren. Die Zeremonie fiel ausschließlich in den kirchlichen Bereich.
Für das Verhalten der Verheirateten innerhalb und außerhalb der Ehe
interessierten sich sowohl Kirche und Staat, wobei der Staat die soziale
Kontrolle inne hatte. Die Ehe war stellvertretend für die gesellschaftliche
Ordnung. Der Wunsch der Eltern, die Partnerwahl zu beeinflussen um das
35 Westphälinger, Ariane: Der Mann hinter der Heiligen, S74 36 Reber, Ortrud: Elisabeth von Thüringen, S70
S.17.
Erbgut zu schützen, wurde von der staatlichen Obrigkeit unterstützt.37 Bei
Eheabschluss ohne elterliche Zustimmung konnten strafähnliche Maßnahmen,
wie das Entfallen der Mitgift, folgen. Die Verlobung galt damals als bindende
Absichtserklärung zur Heirat. Kinder konnten ab jedem Alter verheiratet
werden, so war Elisabeth erst vier Jahre alt, als sie Ludwig versprochen worden
war. Aus herrschafts- und dynastiepolitischen Interessen wurden die Kinder
meist von ihren Eltern verheiratet.38
Falls ihr Ehepartner sterben würde, sei es von Gott so geplant gewesen. Sie
sollte ihre Witwenschaft ohne großes Klagen auf sich nehmen. Er vertrat damit
den Standpunkt der katholischen Kirche, die von jeher das Eingehen einer
zweiten Ehe missbilligte, da sie als Zeichen der Sünde und als Auflehnen gegen
die von Gott
So eine versprochene Heirat war zu der damalige Zeit keine Besonderheit. Er
erwartete von ihr mit diesem Schwur, dass sie anderen, die in einer ähnlichen
Situation seien, als gutes Beispiel vorangehen werde. Er wollte damit sicher
gehen, dass für Elisabeth die Ehe ausschließlich ein Bündnis zu Lebzeiten war.
In der Praxis wurden jedoch zur damaligen Zeit viele Zweit-oder Drittehen
geschlossen. Diese wurde vor allem von Männern, deren Frauen früh gestorben
waren, eingegangen. Konrad wusste auch, dass wenn Elisabeth eine zweite Ehe
eingehen würde und sie weitere Kinder bekommen könnte, es zu
Erbstreitigkeiten kommen würde. Dieses versuchte er mit diesen Gelübden zu
verhindern.39
Sie versprach Konrad, zusammen mit ihrem Mann Gott zu loben und ein
gemeinsames Seelenheil anzustreben. Gott sollte in ihre Liebe einbezogen
werden und Ludwig in ihre Gebete.
40 Sie schwor ihm den unbedingten
37 Vgl. dazu allgemein: Prevenier, Walter : Die Ehe im Spannungsfeld von kirchlicher und weltlicher Autorität, in:
Lexikon des Mittelalters, Band II, Sp. 1635- 1636 38 Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, S278 39 Reber, Ortrud: Elisabeth von Thüringen, S74 40 Ebenda, S73
S.18.
Gehorsam unter Vorbehalt der Gattenrechte ihres Mannes. Die Gehorsamkeit zu
der sich Elisabeth feierlich verpflichtete, ging durchaus über das übliche
Vertrauensverhältnis zwischen Beichtvater und Beichtkind, hinaus. Andere
Adelige gaben zwar auch Versprechen an ihre Beichtväter ab, taten dies aber nur
um das eigene Gewissen zu beruhigen und hielten sich kaum an das
Versprochene. Gehorsamkeit und Keuschheit waren die Eckpfeiler eines solchen
Ordensgelübdes. Die evangelischen Räte, die sich nicht von der Religion
sondern als vom Evangelium inspiriert sahen, zeichneten Büßer aus, die die
höchste Art der Vollkommenheit im Sinne der Nachfolge Christi anstrebten. Nur
durch die Demut gegenüber Gott , die sich durch den Verzicht auf den eigenen
Willen und die eigenen Bedürfnisse äußerte, machte er die Gläubigen offen für
den Willen Gottes. 41
Konrad nahm ihr diesen Eid mit dem Wissen ihres Mannes und ihrer
Schwiegermutter ab. Der Gehorsamsschwur erfolgte im Jahr 1226 in der
Katherinenkirche zu Eisenach. Konrad nahm, wie es dem Usus seiner Zeit
entsprach, das Versprechen in der Form ab, dass Elisabeth ihre Hände in die
seine legte. Ihm war in der Folge die Wichtigkeit seiner Aufgabe als
Seelenführer und Bewahrer des Versprechens bewusst und er nahm diese
Verpflichtung auch sehr ernst.
42
Die bedeutende Einflussnahme des Beichtvaters auf sein Beichtkind war im
Mittelalter etwas, das nicht selten war, in diesem Umfang aber doch eine
Ausnahme darstellte. Konrad hatte als Beichtvater die Aufgabe, die Schuld
Elisabeths zu bemessen, und sie nach einem festgelegten Tarif zu bestrafen. Im
Allgemeinen bezogen sich diese Tarife auf, Völlerei, Unzucht, Geiz, Zorn,
Traurigkeit, Trägheit, Hoffart und Stolz. 43 Mit guten Taten konnten vor allem
die alltäglichen Sünden getilgt werden. Das Ziel der Strafe war, Einsicht und
Umkehr zu bewirken. Die Bussen kannten dabei keine zeitlichen Grenzen. Sie
41 Werner, Mathias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg, S50 42 Westphälinger, Ariane: Der Mann hinter der Heiligen, S26 43 Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, S631
S.19.
konnten über Tage, Wochen, Monate oder Jahre verhängt werden.44 Das
Beichtgeheimnis hatte einen sehr hohen Stellenwert, den Innozenz III. so
beschrieb: Schwerer nämlich sündigt ein Priester, der eine Sünde offenbart, als
ein Mensch, der eine Sünde begeht.
45
44 Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, S651 45Ebenda, S628
S.20.
Speiseverbot und Gehorsam:
Im Zuge seiner Verantwortung für die Seelenführung erlegte Konrad ihr ein
strenges Speiseverbot auf. Ab jetzt war Elisabeth verpflichtet sich über die
Herkunft ihrer Nahrung zu informieren und unrechtmäßig erworbenes Gut zu
verweigern. Die Anzahl der Gänge und der Gerichte wurde reglementiert und
Fleisch sollte in jeder Form vermieden werden. Sie durfte keinen Wein, Bier
oder andere Alkoholika trinken, nur Wasser war ihr erlaubt. Geschenke
anzunehmen war ihr ebenfalls verboten. Sie versuchte anfangs, die ihr von
Konrad auferlegten Fastengebote vor anderen zu verheimlichen. Dies tat sie aber
nicht, weil sie die Schmähungen des Hofes fürchtete, sondern weil sie Angst
hatte, ihrem geliebten Mann in seiner Tätigkeit als Landgraf zu schaden. Dieser
stand den Bemühungen seiner Frau jedoch wohlwollend gegenüber und
versuchte sie in ihrem Streben nach Vollkommenheit so weit wie möglich zu
unterstützen.
Dies wird im Libellus folgendermaßen beschrieben, bei dem es sich um die
Verzeichnung der Berichte der vier Frauen um Elisabeth handelt.46
Als sie selbst und ihre drei Dienerinnen den Landgrafen baten, nicht zu zürnen,
wenn sie bei Tisch nicht mit den anderen äßen, sondern sich nur so stellten,
antwortete er: Das gleiche möchte ich auch gerne tun, wenn ich nicht den
Widerspruch meiner Leute und anderer fürchtete.47
Diese Vorschrift sollte nicht nur die Bereitschaft Elisabeths zur Unterwerfung
überprüfen, es sollte auch ihren Mann dazu bewegen seine Ausgaben zu
überdenken, die Korruption an seinem Hof einzuschränken und seine Einkünfte
weiser zu verwalten. Gleichzeitig hoffte Konrad dadurch, den Landgrafen über
viele Missstände und die ungleiche Verteilung der Güter bewusst zu machen.
46 Vgl. dazu allgemein: Werner, Mathias: Hagiographie( Elisabeth), In: Lexikon des Mittelalters, Band III, Sp.
1840- 1841 47 Huyskens, Albert: Libellus, S18
S.21.
Denn der Adel feierte verschwenderische Feste und das Volk wusste nicht, was
es am nächsten Tag essen sollte.48 Diese Kritik Konrads an dem höfischen
Leben seiner Zeit imponierte Elisabeth, da auch ihr die Verschwendung am
Hofe, vor allem für Kriegsausgaben und Ähnliches, auf das Tiefste
widerstrebte.49
Elisabeth hielt sich mit peinlicher Genauigkeit an die ihr gegebenen
Vorschriften, nicht nur zuhause sondern auch wenn sie unterwegs war. Sie hatte
dadurch strenge Entbehrungen zu erdulden und hungerte ernsthaft. Da sie öfters
auf Reisen war, konnte sie ihre strengen Essensregeln vor den anderen Adeligen
nicht verbergen. Während auf den Tafeln teilweise bis zu zehn Gängen
aufgetischt worden waren, bestand ihr Mahl meist nur aus ein paar
Honigstriezeln, da diese leicht zu transportieren und über längere Zeit haltbar
waren oder sie hatte nur ein paar Tauben dabei, die sie allerdings mit ihren
Hofdamen teilte. Caesarius beschreibt in seinem Libellus, wie sie nach so einem
kargen Mahl noch acht deutsche Meilen, ungefähr 60 km auf einem Maultier
zum großen Landtag nach Mittelhausen reiten musste und wie diese Strapazen
sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit trieben.50 Die Vorschriften betrafen
allerdings nicht nur sie sondern auch ihre Dienerinnen. Für Elisabeth waren die
eigenen Leiden leichter zu ertragen als die ihrer Vertrauten. Konrad sah dem
gelassen zu, da er ja sowieso dem Adel die eigenen Verfehlungen vor die Augen
halten wollte.
Huyskens beschreibt dies nach dem Wortlaut des Libellus:
Durch den Hunger ihrer Dienerinnen wurde sie mehr noch als durch den
eigenen bestraft, wenn sie ihnen keine rechtmäßig erworbenen Güter auftischen
konnte. Darum fragte sie öfter nach den Pachtleistungen der Bauern, und wenn
sie solcherart erlaubte Speisen fand, dann sagte sie zu den Dienerinnen: Heute
48 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S267 49 Werner, Mathias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg, S51 50 Caesarius von Heisterbach: Das Leben der Heiligen Elisabeth, S85
S.22.
könnt ihr nur essen. Wenn sie aber erlaubtes Getränk fand, etwa in den
Weinbergen ihres Mannes, dann sagte sie: Heute könnt ihr nur trinken. Wenn
sie aber wusste, dass beides rechtmäßig erworben war, dann klatschte sie in die
Hände und rief: Wohl uns, heute wollen wir essen und trinken.51
Konrad gefährdete mit seinem Verhalten nicht nur die Gesundheit Elisabeths
sondern auch die ihres Umfelds. Die asketischen Maßnahmen, die Geißelungen
und die Essensvorschriften wirkten sich verheerend auf Elisabeths Gesundheit
aus und sie wurde immer schwächer. Konrad ließ jedoch keine Schwäche bei
Elisabeth zu. Für ihn waren die Übungen Elisabeths notwendig, um sie näher zur
geistigen Vollkommenheit zu geleiten. Zweifellos verlangte er ihr alles ab. Er
forderte von ihr weiters, dass sie den Gehorsam ihm gegenüber über ihre
Pflichten als Landgräfin stellen musste. Die mittelalterliche Gesellschaft war
eine Männergesellschaft. Die Frau nahm einen schwächeren Platz ein, und
unterstellte sich meist freiwillig, ihrer Sicherheit wegen, einem Mann, der sie
verteidigen konnte. Als Schutzbefohlene war eine Frau aber keineswegs
rechtlos, aber doch in einem Status geminderten Rechts.52 In der Heilsorge war
sie gleichberechtig und in der Kirche konnte die Frau frei handeln und musste
nicht von einem Mann vertreten werden. Mit der Gleichberechtigung stellte sich
die Kirche gegen die vorherrschenden Sozialverhältnisse und mentalen
Einstellungen der Zeit. In der höfischen Gesellschaft nahm die Frau eine
besondere Stellung ein; mitunter nicht nur im Repräsentativen, sondern auch als
Ratgeberin, und damit gewann sie oft auch an Einfluss in der Umgebung ihres
Mannes.53
51 Huyskens, Albert: Quellenstudie zur Heiligen Elisabeth, S23 52 Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, S263 53 Ebenda, S 264
S.23.
Konrads Kritik an der Gesellschaft seiner Zeit:
Der Adel erkannte selbstverständlich, dass Elisabeth strenge Vorschriften
gemacht worden waren. Dies war im Sinne Konrads, der mit den Bestimmungen
nicht nur Elisabeth eine Last auftragen wollte, sondern auch den Herrschenden
seiner Zeit zeigen wollte, dass ihr verschwenderischer Lebensstil nicht im Sinne
Gottes sei.54 Er versuchte, seine Position als Beichtvater und Seelenführer
Elisabeths zu nutzen, um den Herrschenden die Gefahren und Versuchungen des
Wohlstandes aufzuzeigen, da sie sich weit von den Evangelien entfernt haben.
Mit seiner Kritik traf Konrad die höfische Gesellschaft um Elisabeth und er
versuchte durch Elisabeths Verhalten, auch mit ihrer höfischen Umwelt ins
Gericht zu ziehen. Indem sie öffentlich unrechtermäßig erworbenes Gut
anprangerte, sollte das Unrechtsbewusstsein gesteigert werden. Dass er sich
damit keine Freunde in den adeligen Kreisen machte, nahm er in Kauf. Im
Gegenteil, dass Elisabeth mitunter von ihrer und der Familie ihres Mannes hart
ins Gericht genommen wurde, war genau das, was Konrad sich davon erhofft
hatte. Er erlegte ihr nicht nur ein Speisegebot auch, sondern sie sollte auf
jeglichen Schmuck und auf das höfische Gewand verzichtete. Ihr sollte bewusst
werden, dass unrecht erworbenes Gut eine Sünde sei. Darüberhinaus verlangte
er von ihr, Gehorsam ihm gegenüber und dieser sollte über alle ihre höfischen
Pflichten gestellt werden.
55
Der Angriff Konrads bestand darin, dass die damals vorherrschende ungerechte
Aufteilung der Güter, wobei einige wenige Alles und der Rest gar nichts besaß,
mit aller Schärfe verurteilt wurde. Der Versuch, die Hofhaltung zu kritisieren
und Sozialkritik im Allgemeinen zu üben, gelang ihm auch. Hungersnöte waren
zu dieser Zeit nichts Außergewöhnliches, da nur Klöster oder Adelige
Vorratshaltung betrieben. Die leibeigenen Bauern mussten sehr hohe Abgaben
54 Reber, Ortrud: Elisabeth von Thüringen, S101-102 55 Werner, Mathias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg, S51
S.24.
an die Grundherren leisten, ungefähr ein Drittel mussten sie als Saatgut abgeben
und der Rest der blieb, diente ihnen als Eigenbedarf um sich und ihre Familie
über den Winter zu bringen doch dies reichte kaum, um nicht hungern zu
müssen. Da bei einer Hungersnot nicht genug an Saatgut zur Seite gelegt werden
konnte, erstreckte sie sich meist über zwei oder mehrere Jahre. Meist kam eine
Hungersnot jedoch nicht allein und wurden von anderen Katastrophen wie
Viehseuchen oder Schädlingsbefall begleitet. 56
Die ungerechte Verteilung der Güter war ein großes Problem. Der Großteil der
Bevölkerung waren einfache Bauern oder Handwerker der unteren Schichten,
denen es an allem fehlte. Sie mussten horrende Abgaben an den Adel leisten,
dabei blieb ihnen nicht einmal genug übrig um ausreichend für den Winter
versorgt zu sein. Den Leibeigenen ging es noch schlechter, da sie in
vollkommener Abhängigkeit von ihren Lehnsherren lebten und keine Rechte
besaßen. Die Städte wurden immer größer und die Bevölkerung nahm immer
stärker zu. Im Gegensatz dazu galt der Adel und der hohe Klerus als bestechlich
und frönte vor allem den weltlichen Dingen.57
Elisabeths Verhalten sollte deutlich machen, dass wie sie lebten falsch war und
sie aufhören sollten immer weiter nach weltlichen Dingen zu streben.
Stattdessen sollten sie sich mit der Armut der Bevölkerung auseinander setzten.
Jedoch konnte er nicht damit rechnen, wie stark und mit wie viel Kraft Elisabeth
dagegen nun ankämpfen würde. So berichtet Isentrud, die von klein an, an der
Seite Elisabeths war und an der Elisabeth mit ganzem Herzen hing:
So gab Elisabeth allen, die arbeiten konnten, Hemden und Schuhe, damit sie
ihre Füße an den Stoppeln nicht verletzten, und Sicheln, damit sie mähen und
sich von ihrer eigen Arbeit ernähren könnten. Den wirklich Schwachen, die
nicht arbeiten konnten, schenkte sie Kleidung, die sie auf den Markt für sie
einkaufen ließ. Dies alles teilte mit eigenen Händen fröhlich aus, als sie sie
56 Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, S 60- 66 57 Beutin, Ludwig; Kellenbenz, Hermann: Grundlagen des Studiums der Wirtschaftsgeschichte, S99
S.25.
entließ, gab sie jedem einzelnen etwas. Und als sie kein Geld mehr hatte, gab sie
den armen Frauen reiche Kleider und seidene Gewänder und sagte zu ihnen:
Ich will nicht, dass ihr diese zum eigenen Vergnügen anzieht, sondern dass ihr
sie verkauft, um euch nötiges dafür einzukaufen, und tüchtig arbeitet. Einer
unter diesen Frauen gab Elisabeth Schuhe, ein Hemd und ein Obergewand.
Diese Frau freute sich so sehr, dass sie zur Erde fiel und vor Freude zu sterben
schien. Sie rief, dass sie niemals eine ähnliche Freude in der Welt erlebt habe.
Als Elisabeth das sah, tat es ihr leid, ihr das gegeben zu haben, und fürchtete,
an ihrem Tod schuld zu sein.58
58 Reber, Ortrud: Elisabeth von Thüringen, S104
S.26.
Konrad als Seelenführer Elisabeths:
Ab jetzt besaß Konrad die Pflicht, die er durch das Gelübde verstärkt, aber
generell als Seelensorger übernommen hatte, ihre Religiosität und deren
Ausdrucksformen, zu leiten. Die Bußen wurden mit der Zeit immer härter und
grausamer. So weilte einmal die Stiefschwester ihres Mannes, Jutta bei ihnen
auf der Wartburg. Sie war gekommen um Elisabeth zu besuchen. Deshalb
versäumte sie, trotz mehrmaliger Aufforderung Konrads, die Messe und seine
Predigt. Er sah in diesem Ungehorsam einen Bruch ihres Gelübdes und war
nicht mehr bereit ihr Seelenführer zu sein. Erst durch innigstes Bitten und einen
Kniefall Elisabeths war er zur Versöhnung bereit. Jedoch ließ er Elisabeth und
ihre Dienerinnen auf das schwerste geißeln und bestrafen. Diese Strafe traf
Elisabeth jedoch härter als jede andere. Sie konnte die körperlichen Strafen und
Demütigungen ertragen, doch dass nun ihre Vertrauten leiden mussten, traf sie
mehr als alles, das er ihr bis jetzt angetan hatte.
Es lässt sich dadurch erkennen, dass Elisabeth selbst den engen Kontakt zu
Konrad suchte. Sollte Konrad ihre Seelenführung von dem
Gehorsamkeitsgelübde abhängig gemacht haben, kam sie dieser Verpflichtung
freiwillig nach und nahm das gegebene Versprechen ernster als die meisten
anderen Adeligen ihrer Zeit. Konrad besaß zu dieser Zeit bereits den Ruf eines
machtvollen, eines bewunderten aber genauso gefürchteten Predigers, weshalb
Elisabeth ganz genau gewusst hat, wem sie sich anvertraut hatte und was
Konrad von ihr forderte, beziehungsweise was er von ihr erwarten würde.59 Die
Frage ist jedoch, ob sie sich bewusst war, wie hart und herzlos er sie leiten
würde, damit sie ihre Ideale erreichen könnte.
Konrad lebte selbst das Armutsideal vor, das Elisabeth sicherlich inspirierte und
dem sie nacheiferte. Er hatte Verantwortung ihr gegenüber zweifellos
59 Werner, Mathias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg, S50
S.27.
übernommen, die er aber für seine Zwecke missbrauchte. Er benütze sie, um
Druck auf den Adel auszuüben und nahm auf sie in kaum einer Art und Weise
Rücksicht. Anhand ihres Beispiels konnte Konrad dem Adel nun endlich dessen
Verfehlungen aufzeigen. Er verfügte sicherlich über eine stärkere Konstitution
als Elisabeth und konnte die Übungen, die er ohne Zweifel an sich vollzog, wohl
kaum im gleichen Maße auf Elisabeth übertragen. Dies tat er ohne einen
Gedanken von Mitleid zu verschwenden.
Es ist jedoch anzunehmen, dass diese Härte, die Konrad sich selbst gegenüber
lebt, Elisabeth zu dem Schritt bewog, sich den Magister als ihren geistigen
Führer auszusuchen. Damals war es üblich, im Falle solch einer Verbindung,
nur durch Disziplin, der Aufgabe der eigenen Persönlichkeit und des eigenen
Selbst, das Ziel der Vollkommenheit erreichen zu können.
60 Da Elisabeth bereits
in frühen Jahren mit dem Orden der Franziskaner in Berührung gekommen war
und sie von den Frauenbewegungen ihrer Zeit genauso beeinflusst worden war,
liegt es nahe, dass sie bereits vor ihrer Begegnung mit Konrad, den Wunsch
nach totaler Hingabe zu Gott und einem Leben nach den Lehren Jesu Christi
anstrebte. 61 Diese Imitatio Christi entsprach auch der Religiosität ihrer Zeit.
Die Suche nach dem Heil war das wichtigste in ihrem Leben. Diesem Ziel
strebte sie ohne Rücksicht auf sich selbst oder anderen nach.
Er verlangte von ihr, jeden Sonntag zu fasteten und sich in der Fastenzeit
außerdem jeden Freitag in der Nacht selbst zu geißeln. 62 Seit Konrad ihr
Beichtvater war, wurden diese Übungen immer häufiger und sie sollten dazu
dienen, eine Stufe höher zur Seligkeit und einen Schritt näher zum Himmel zu
kommen.63 In der Armen- und Krankenpflege fand Elisabeth ihre Erfüllung.
Auch für Konrad war dieses soziale Engagement sehr wichtig und er unterstütze
Elisabeth wo er nur konnte. Er half ihr beim Aufbau des Hospitals am Fuße der
60 Huyskens, Albert: Libellus, S54 61 Werner, Mathias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg, S50 62 Huyskens, Albert: Quellenstudie zur Heiligen Elisabeth, S41 63 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S268
S.28.
Wartburg, in dem sie sich aufopfernd um die Kranken kümmerte und den
Waisen eine Mutter ersetzte. Er musste sie aber auch teilweise bremsen. Diese
Situation beschreibt Braun in dem Sammelband „ Hessische
Kirchengeschichte“ treffend:
Gab sie sich bei der Krankenpflege doch auch manchen Übertreibungen hin,
zum Beispiel wenn sie am Gründonnerstag Aussätzigen nicht nur Arme und
Füße wusch, sondern auch ihre ekelhaften Beulen mit Küssen bedeckte. Wenn
sie nicht genug damit, dass sie die Einkünfte ihres Mannes aufbrauchte, sich
ihres Schmuckes und ihrer Gewänder entäußerte und den Erlös dafür unter die
Armen austeilte, so macht doch, abgesehen davon, ihre Liebestätigkeit einen so
wohlgeordneten Eindruck , dass wir wohl nicht fehlgehen mit der Annahme,
dass sie darin durch den verständigen Rat ihres Beichtvaters unterstützt worden
ist, den man mit Recht „ die kalte Vernunft in Elisabeths Wirken“ genannt hat.64
Konrad war aber sicher nicht nur der Peiniger Elisabeths, als der er oft
dargestellt wird, sonst hätte ihn der Landgraf Ludwig, der seine Frau und seine
Kinder über alles liebte, wohl kaum an die Seite seiner Frau gestellt und
geduldet.
Ludwig und Elisabeth hatten insgesamt drei Kinder zusammen. Hermann war
der Älteste und wurde im Jahre 1222 geboren. Auf ihn folgte Sophia, die zwei
Jahre jünger war als ihr Bruder. Als letzte wurde Gertrud im Jahre 1227
geboren. Die Jüngste soll Elisabeth am Meisten ans Herz gewachsen gewesen
sein, angeblich liebte sie ihre Tochter noch mehr als ihre anderen Kinder.
Gertrud war zum Zeitpunkt des Todes ihrer Mutter ungefähr vier Jahre alt. Die
ersten Jahre verbrachte die Familie in Harmonie und Eintracht.65 Konrad hatte
als Berater Ludwigs und als Seelenführer Elisabeths eine wichtige Aufgabe am
Thüringer Hof inne. Er verfügte über das Vertrauen der Beiden und wurde
sicher auch in Vertrauensfragen herangezogen.
64 Braun, Paul: Der Beichtvater der Heiligen Elisabeth und deutschen Inquisitor Konrad von Marburg, S268 65 Busse- Wilson, Elisabeth: das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S106
S.29.
Auch holte Ludwig regelmäßig Rat von ihm ein, vor allem wenn es sich um
seelsorgerische, wohl aber auch um politische Angelegenheiten handelte.
Dadurch lässt sich erkennen, wie wichtig Konrad im Laufe der Zeit für das
Fürstenpaar geworden war. Er hätte niemals daran gedacht, sich zu bereichern,
verfügte aber über wachsenden Einfluss über das Vorgehen am Hofe. Ludwig
vertraute ihm auch während seiner Abwesenheit sein Verfügungsrecht über alle
Kirchenlehen in seinem Land an.
Konrad war dies sehr recht, da er nun, während der Abwesenheit Ludwigs,
gegen die ihm unwürdigen erscheinenden Geistlichen energisch vorgehen
konnte. Diese predigten zwar das Evangelium hielten sich, jedoch offen
Konkubinen, trieben Unzucht und missachteten das Zölibat. Sie verbrachten
Zeit mit Spielen und verhielten sich maßlos in allen Belangen.66 All dies war
Konrad ein Dorn im Auge.
Papst Gregor IX., dachte in diesen Belangen wie Konrad, und gab diesem die
Zustimmung zur Übertragung der Rechte. Er ermunterte ihn auch von diesen
Gebrauch zu machen, was Konrad auch tat, da ihm das Wohl seiner
Heimatgemeinde sehr am Herzen lag.
Konrad dachte auch nicht daran dieses ihm gegebene Vertrauen zu
missbrauchen. Er wollte sich nicht bereichern, und beanspruchte für sich selbst
keine hohe Kirchenstelle und nahm auch keine Pfründe an, sondern er blieb der
mittellose, einfache Weltgeistliche, der er auch vor der Übertragung war.67
66 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S271 67 Caesarius von Heisterbach: Das Leben der Heiligen Elisabeth, S24
S.30.
Konrad und das Kreuz:
In seiner Funktion als Kreuzprediger musste er so viele wehrfähige Männer wie
möglich zu ihrer Teilnahme an den Kreuzzügen bewegen. Die Aufgabe des
Kreuzpredigers genoss ein sehr hohes Ansehen, da nur speziell geschulte
Theologen, , diesen Beruf ausüben durften.
Papst Innozenz III. bestellte am 8. Jänner 1213 zwölf Prediger, die den Beruf
des Kreuzpredigers auf Lebenszeit ausführen sollten.68 Sie waren alle Bischöfe
oder Äbte oder wurden es im Laufe ihres Lebens.69
Die Prediger waren im bischöflichen Auftrag unterwegs, und stammten aus den
Zisterzienser-, und dem Prämonstratenserorden, waren aber auch Dominikaner
und Franziskaner.70
Sie sollten die Massen begeistern können und mit ihren Predigten das Volk in
ihren Bann ziehen. Sie mussten rhetorisch auch so geschult sein, dass sie alle
auftretenden Einwände und Zweifel im Keim ersticken könnten. Dieses Amt
wurde vom Papst nicht jedem anvertraut. Einer von ihnen, war Konrad von
Marburg. Man erkennt, dass Konrad von Anfang an den Beruf als
Kreuzprediger nicht nur gewachsen war, sondern auch ein Vorbild seiner Zeit
war, das durch sein enormes Predigertalent, durch die Wirkung seiner Worte
und sein Äußeres aufgefallen ist. Konrad gehörte den Kreuzpredigern an, die
ein radikales Armutsgebot und strengeingehaltene Askese der Reformorden
selbst lebten. Er war ein Geistlicher, der über die besten Verbindungen und über
mächtigen Einfluss verfügte. Er konnte nicht nur die Massen begeistern, sondern
war auch im Umgang mit hohen Persönlichkeiten des Adels und des Klerus
unübertroffen. Wegen seines hohen Ansehens wurde er auch als Vermittler bei
68 Vgl. dazu allgemein: Longere, Jaques: Predigt in. Lexikon des Mittelalters, Band VII, Sp.173 69 Reber, Ortrud: Die heilige Elisabeth von Thüringen, S92 70 Werner, Mathias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg, S46
S.31.
kirchlichen Streitigkeiten eingesetzt.71 Ein wesentlicher Unterschied zwischen
ihm und seinen Predigerkollegen war, dass er nicht nach materiellen Gütern
strebte. Die meisten seiner Kollegen waren Äbte oder hochgestellte Prälaten, die
die Tätigkeit als Kreuzprediger oft nur dazu nutzten, um sich selbst zu
bereichern. Die meisten hatten in bescheidenen Positionen begonnen und
übernahmen mit der Zeit die Leitung von Klöstern oder von Bistümern.
Manchen gelang es sogar, die Stellung eines Kardinalbischofs zu erlangen.
Konrad war das Gegenteil von dem. Er selbst bekleidete kein hohes Amt
innerhalb der Kirche und er strebte auch nicht nach weltlichen Gütern. Er
verfügte auch nicht über Ersparnisse. Seine Position sicherte ihm allerdings ein
kleines Einkommen. Er verzichtete bewusst auf alle materielle Sicherheit und
auf kirchliche Ehren oder Einkünfte. Er war also einer der wenigen, der wirklich
das gepredigte Armutsideal der Reformorden lebte.
Die Aufgaben und Pflichten eines Kreuzpredigers waren weitlaufend. Sie
mussten Opferstöcke für Spenden, die den Kreuzzügen zu Gute kommen sollten,
aufstellen und die durch das Ansehen Konrads auch sehr gut gefüllt gewesen
sein dürften. 72 Es wurden Prozessionen in allen Abteien und Pfarren abgehalten,
mit dem Ziel, Menschen für die Kreuzzüge zu werben. Sie durften auch allen,
die ein Kreuzzugsgelübde ablegten, einen vollkommenen Sündenablaß
gewähren. Etliche von ihnen, darunter auch Konrad, hatten die Macht, einen
Exkommunizierten, nachdem er ein Kreuzfahrergelübde abgelegt hatte,
freizusprechen. Dieser Kreuzzugsablaß allein lockte unzählige Männer an, die
sich einen Ablass ihrer Sünden erhofften. Die meisten von ihnen waren jedoch
Verbrecher aller Art, die durch den Kreuzzugsablaß Sühne für ihre Verbrechen
erhielten. Die Folge davon war, dass die Begeisterung und die Beliebtheit des
71 Werner, Mathias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg, S47 72 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S258
S.32.
Kreuzzuges immer geringer wurden, da die Bevölkerung durch die Ablässe
verärgert war.
73
Die Bereitschaft, an einem Kreuzzug teilzunehmen, nannte man, das Kreuz
anzunehmen und es wurde symbolisch mit einem Stoffkreuz, welches an der
Kleidung befestigt wurde, ausgedrückt.
Im Lauf seines Aufenthaltes bei Ludwig und Elisabeth nahm er sich nicht nur
ihrer Seelenführung und als Beichtvater an, sondern er überredetet auch Ludwig,
an dem Kreuzzug teilzunehmen. Konrad versprach, wie es seiner Position als
Beichtvater bei Hofe entsprach, sich während seiner Abwesenheit um seine Frau
zu kümmern. Sie stand unter seinem und damit auch unter dem päpstlichen
Schutz. Ludwig übertrug in der Urkunde von 12. Juni 1227 an Konrad das
Recht, über Kirchenlehen zu verfügen.74 Durch diesen Vertrauensbeweis wurde
Konrad ganz stark an die Ländereien und an den Besitz der Familie gebunden
und Konrad hat damit eine entscheidende Aufgabe in der Verwaltung
übernommen.
73 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S259 74 Reber, Ortrud: Die heilige Elisabeth von Thüringen, S94
S.33.
Konrad als Defensor Elisabeths:
Es war damals üblich, dass jede Familie, deren männliche Oberhäupter, sich an
einem Kreuzzug beteiligten, unter päpstlichem Schutz stand. Diesen Schutz
hatte Papst Honorius III. Ludwig versprochen, nachdem er von Konrad zu seiner
Teilnahme für den Kreuzzug überredet worden war. Dieser Schutzbrief sollte
bedrohten Personen, insbesondere Minderjährigen und Witwen vornehmer
Herkunft, die Hilfe des Papstes gegen äußere Gefahren gewähren. Er sollte die
Person und ihren Besitz schützen und drohte allen, die gegen diese Rechte
verstießen mit der Exkommunikation und dem damit verbundenen
Teilnahmeverbot an allen kirchlichen Handlungen.75
Landgraf Ludwig brach am Johannistag, den 24. Juni 1227 zum Kreuzzug auf,
jedoch sollte er das Heilige Land nicht erreichen. Er starb am 11. September
1227 in Otranto an einem typhusartigen Fieber, das im Kreuzheer ausgebrochen
war.76 Konrad dürfte zu der Zeit, als Elisabeth die Todesnachricht ihres Mannes
erhielt, nicht auf Wartburg anwesend gewesen sein. Er war vermutlich im
Auftrag Papst Gregors IX. unterwegs und stieß erst wieder im Februar 1228 zu
Elisabeth.77 Sie hatte große Probleme mit der Familie ihres Mannes und verließ
deshalb diese und damit auch den Hof.
Elisabeth war von der Wartburg nach Eisenach gezogen, wo sie einen
entbehrungsreichen Winter verbrachte und ihre ganzen Energien in die
Krankenpflege steckte.
Sie hatte die Burg allerdings nicht ganz freiwillig verlassen, sondern ist von
ihrem Schwager, Heinrich Raspe, von der Wartburg verwiesen worden.
75 Fried, Johannes: Der päpstliche Schutz für Laienfürsten. Die politische Geschichte des päpstlichen
Schutzprivilegs für Laien, S264
76 Patze, Hans: Die Entstehung der Landesherrschaft Thüringens, S271 77 Reber, Ortrud: Elisabeth von Thüringen, S119
S.34.
Elisabeth war dort nicht besonders beliebt gewesen und Heinrich Raspe dürfte
auf Druck des Adels und der Ministerialen gehandelt haben.78
Konrad war offiziell vom Papst zu ihrem Defensor bestellt worden und diese
Verpflichtung trifft jetzt in besonderem Ausmaß in Kraft.
Er war der Einzige, der Elisabeth in ihrer jetzigen Situation leiten konnte und
er versuchte, seine Schutzbefohlene vor unbedachten Schritten oder ihrem
übermächtigen Armutsideal abzuhalten.79 So berichtet Konrad über den
Seelenzustand Elisabeths:
Sie erstrebte das vollkommenste Leben und befragte mich, ob sie Klauserin
werden oder in ein Kloster gehen solle oder ob irgendein anderer Stand
verdienstvoller sei. Dies endigte schließlich in ihrer Überzeugung, dass sie von
mir mit vielen Tränen forderte, ihr zu erlauben, von Haus zu Haus zu betteln.
Als ich ihr das glatt verweigerte, erwiderte sie: Dann mache ich das, was ihr
mir nicht verbieten könnt.80
Konrad wandte sich an Papst Gregor IX., damit er sie unter apostolischen Schutz
stellen, und er Konrad offiziell als ihren Schutzbefohlenen einsetzten sollte,
damit er nicht nur in geistlichen Belangen, sondern auch in allen weltlichen
Rechtsfragen ihr Vormund sei. Da Konrad und Papst Gregor eng miteinander
befreundet waren, dauerte es auch nicht lange, bis Konrad nun der Vormund
von Elisabeth wurde.81 Sie stand nun unter seinem persönlichen Schutz, und er
konnte nun offiziell Elisabeth auch in allen rechtlichen Geschäften vertreten,
womit er die totale Kontrolle über Elisabeth und ihre Besitztümer erhalten hatte.
Elisabeth wollte ihr Gehorsamsgelübde, vor ihm in der Minoritenkirche zu
Eisenach erneuern und dabei auf alle Freuden der Welt, auf ihre Familie, ihren
freien Willen, auf ihr Vermögen und alle ihre Witwengüter verzichten. Er hielt
78 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S154 79 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S273 80 Reber, Ortrud: Elisabeth von Thüringen, S129 81 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth, S179
S.35.
sie davon ab und überzeugte sie, dass es besser wäre, ihr Vermögen für die
Krankenpflege und die Armenhilfe zu verwenden. Er glaubte, dass er damit
auch sein Versprechen gegenüber Ludwig erfüllt hätte.82
82 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth, S274
S.36.
Konrads Lebensregeln für Elisabeth:
In der Folge stellte Konrad für sie 12 Lebensregeln auf, in der Hoffnung, ihr
damit zur Seite zu stehen , und sie schwor, diese ihr Leben lang zu befolgen.
Diese Lebensregeln sollten ihr, seiner Meinung nach, Halt und Hilfe in ihrem
Streben nach geistiger Vollkommenheit geben und sie nach seiner Ansicht
formen und lenken. Diese Lebensregeln fanden sich in einem ungedruckten
Werk des Superintendenten Rebhahn zu Eisenbach, das obwohl es erst Ende des
- Jahrhunderts verfasst wurde, zweifelte Ranke nicht an dessen Echtheit.83
1, Ertrage geduldig Verachtung in freiwilliger Armut.
2, Lass dir die Demut am Herzen liegen.
3, Lass fahren menschlichen Trost und Lüste des Fleisches.
4, Sei barmherzig gegen deinen Nächsten.
5, Habe Gott stets in deinem Herzen und in deinen Gedanken.
6, Danke Gott dafür, dass er dich durch seinen Tod von der Hölle und dem
ewigen Tod erlöst.
7, Weil Gott vieles für dich gelitten hat, so trage auch du dein Kreuz
geduldig.
8, Weihe dich, Körper und Seele, ganz deinem Gott.
9, Erinnere dich oft daran, dass du das Werk der Hände Gottes bist, und
bestrebe dich daher, dass du ewig mit Gott vereint werden könntest.
10, Was du willst, dass dir die Menschen tun, das tue du auch ihnen.
11, Denk immer daran, wie kurz des Menschen Leben ist und dass die Jungen so
gut wie die Alten sterben.
83 Ranke, Ernst: Konrad von Marburg, In : Allgemeine Deutsche Biographie, Band XVI, Sp. 645
S.37.
12, Bereue immer deine Sünden, und flehe zu Gott, dass er sie dir vergebe.84
Konrad war für Elisabeth sicherlich eine Respektsperson, die sie mindestens
genauso, wenn nicht so gar schlimmer fürchtete als Gott selbst.85 Da Konrad der
Einzige war, der sie in dieser schwierigen Lebenssituation führen konnte und
es jetzt von Konrad abhängte, in welche Richtung das Leben Elisabeths gehen
würde.
84 Nigg, Walter: Elisabeth von Thüringen, S67-68 85 Reber Ortrud: Elisabeth von Thüringen, S17
S.38.
Konrads Strategie nach dem Tod Ludwig II.
Konrad musste im Namen des Papstes auf Predigerreise gehen und konnte
Elisabeth nicht mitnehmen, deshalb gab er sie zu ihren mütterlichen
Verwandten in Obhut. Dadurch war die wirtschaftliche Situation Elisabeths
nicht in Frage gestellt und auch die Lage ihrer Kinder gesichert.
Konrad traf sie erst wieder zur Beisetzung des Landgrafen, die erst im Mai 1228
im Kloster Reinhardsbrunn stattfand. Er wollte nicht nur das weitere Schicksal
der Landgräfin in die Hand nehmen, sondern wollte ihr auch bei der
Durchsetzung ihrer Witwenansprüche helfen.86 Elisabeth war mit der Familie
ihres Mannes zerstritten, da diese mit ihrem Streben nach Vollkommenheit nicht
einverstanden war und fürchtete, dass Elisabeth ihr gesamtes Hab und Gut zu
Gunsten der Leidenden veräußern würde. Sie würde damit ihre eigene
Lebensgrundlage und letztlich auch die soziale Sicherheit völlig zerstören.
Solange Ludwig lebte, hatte niemand es gewagt, Elisabeth Lebensführung in
Frage zu stellen, doch nach seinem Tod änderte sich die Einstellung der Familie
gegenüber Konrad und Elisabeth. Der Adel wollte die wirtschaftlich gut
dastehende Wartburg nicht Elisabeth und ihrem Seelenführer Konrad
überlassen. Konrad hatte durch das Speisegebot dem Adel sein Fehlverhalten
aufgezeigt, der davon nicht begeistert war. Im Gegenteil die höfische
Gesellschaft sah Konrad und Elisabeth als Bedrohung an und fürchtete, dass die
Beiden an Einfluss gewinnen könnten.
Konrad gelang es, eine Versöhnung zwischen Elisabeth und der Familie soweit
zu erreichen, dass sie eine Abfindung in der Höhe von 2000 Mark erhielt.
87
Weiters konnte er für sie eine lebenslange Nutzung der Einkünfte einiger
Ländereien in Marburg erkämpfen, und Landbesitz auf dem sie bereits mit dem
Bau ihres Hospitals begonnen hatte. Konrad war mehr als nur der Verwalter
86 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth, S153 87 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: in: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S275
S.39.
ihres Vermögens. Als ihr Defensor konnte er nun über die Aufteilung der
geerbten Güter mitentscheiden. Er würde sicher nicht zuschauen, falls Elisabeth
die ererbten Güter verschenken würde.
Konrad verlangte von Elisabeth, wieder auf die Wartburg zurückzukehren. Dies
war nicht nur im Interesse Konrads sondern auch Heinrich Raspes. Konrad
konnte in Marburg, die geistige Führung Elisabeths leichter leiten als anderswo
und Heinrich Raspe und die Familie des verstorbenen Landgrafens wussten
Elisabeth in guten Händen. Für die Familie Ludwigs war es wichtig, dass
Konrad Elisabeth in ihrem Streben auch kontrollierte.
Sie folgte ihm im Sommer 1228 auf die Wartburg und Konrad versuchte von
Anfang an alle Schwierigkeiten zwischen seinem Beichtkind und der Familie
des verstorbenen Grafens zu vermeiden.
Konrad riet ihr, um ganz in der vereinbarten Einsamkeit und Entsagung zu
leben, in ein kleines Dorf bei Marburg einzuziehen, bis ihr Hospital Ende 1228
fertig sein würde. Konrad wollte, dass Elisabeth in diesem Hospital Erfüllung
finden würde, und er ihr ein neues Betätigungsfeld schaffen könnte, da ihr
Verlangen nach Armut und Askese weit über das Übliche hinausging.
Als das Hospital fertig war, das zu Ehren des Heiligen Franziskus erbaut worden
war, gab Konrad ihr persönlich das graue Gewand der Franziskaner, sie trug
damit sichtbar das Kleid des Ordens, jedoch bedeutete das graue Gewand nicht,
dass Elisabeth in den Orden aufgenommen war. Die Annahme des Gewandes
von Konrad ist vielmehr als eine Art von Übergang in eine klösterliche
Gemeinschaft oder in eine Spitalsgenossenschaft zu verstehen, die im 12 Jhdt. in
Deutschland oft gebildet wurden. Weiters haben die Franziskaner in ihrer
Geschichte niemals Krankenhäuser gegründet oder geleitet, außerdem war die
Stellung Elisabeths zu Konrad unfranziskanisch, da ihr uneingeschränkter
S.40.
Gehorsam Konrad gegenüber eher einer Stellung einer Nonne oder einer
Tertiarierin entsprach.88
In diesem Hospital sollte er bis zu seinem Tod wohnen.89
Es musste auch geklärt werden wo Elisabeth nach dem Tod ihres Mannes leben
sollte. Da niemand wusste, welchen gesellschaftlichen Platz sie auf der
Wartburg einnehmen würde, war für sie eine Rückkehr auf die Burg und zu den
Verwandten ihres Mannes vorerst nicht möglich.
Konrad handelte für sie aus, dass sie bis zur Fertigstellung ihres Krankenhauses
in Wehrda leben und ihm anschließend nach Marburg folgen sollte.90 Konrad
selbst berichtete, dass sie ihm gegen seinen Willen nach Marburg folgte.91 Falls
sie auf der Wartburg geblieben wäre, wären schwere Zeiten auf sie
zugekommen, da sie dort ihr Leben nicht so leben könnte, wie sie es wollte.
Ihre Verwandten hätten ihrer Selbsterniedrigung und ihrem Streben nach
Vollkommenheit nicht tatenlos zugesehen und hätten mit allen Mitteln versucht
sie nach ihrem Bild zu ändern.
Dagegen behaupteten Guda und Isentrud, dass er ihr befohlen hatte, ihm nach
Marburg zu folgen.92 Die beiden Mädchen waren aus dem Lehnsadel, die zu der
ständigen Begleitung einer adeligen Dame gehörten. Auf Isentrud gehen die
meisten Aussagen im ersten Teil des Libellus zurück. Guda war mit der
Landgräfin seit deren fünften Lebensjahr zusammen, Isentrud eine Witwe, seit
ihrem achtzehnten Jahre.
88 Maurer, Wilhelm: Zum Verständnis der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S50 89 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth, S181 90 Maurer, Wilhelm: Zum Verständnis der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S51 91 Huyskens, Albert: Quellenstudie zur Heiligen Elisabeth, S158 92 Huyskens, Albert: Libellus, S41
S.41.
Die Marburger Zeit:
In Marburg begann nun erst richtig der Leidensweg Elisabeths. Sie trat als eine
dienende Krankenschwester auf, die unter der Leitung Konrads sich ganz den
Armen hingab und sich niemals durch die von ihm auferlegten Strafen aus der
Fassung bringen ließ. In diesen Jahren entstand ihr Ruf als „Heilige“, während
Konrad als hartherzig, brutal und grausam beschrieben wurde.93 Beiden sollte
dieser Ruf bis in die Gegenwart bleiben: Elisabeth die Heilige und Konrad der
Hartherzige. 94
Jedoch hörte Konrad nicht auf, ihre Demut und ihre Unterwürfigkeit ihm und
Gott gegenüber zu prüfen, indem er die zwei wichtigsten ihrer Dienerinnen, aus
ihrem Leben entfernte. Nur durch diese immer wieder kehrenden Prüfungen
konnte Konrad sich sicher sein, Elisabeths volle Unterwürfigkeit zu besitzen.
Diese Prüfungen waren nicht nur physischer, sondern auch psychischer Natur.
Er entließ Guda und Isentrud, die von klein an, an der Seite Elisabeths waren
und an denen sie mit absoluter Liebe hing. Als Grund dafür nannte er, dass sie
nicht alten Zeiten nachtrauern, sondern sich ausschließlich auf die ihr von Gott
gegebenen Aufgaben konzentrieren, sollte.
95 Der wahre Grund jedoch war alles
Höfische und Vertraute aus ihrem Umfeld zu entfernen. . Dafür gab er ihr aber
zwei seiner Dienerinnen und einen Diener an ihre Seite, die für ihre Kälte
berüchtigt waren.
Konrad rechtfertigte dies mit den Worten:
Da ich aber sah, dass sie vollkommen werden wollte, nahm ich ihr alle
überflüssigen Dienerschaften und hieß sie mit drei Personen zufrieden zu sein,
einen Laienbruder, der ihre Geschäfte zu führen, einer frommen Jungfrau aus
niedrigstem Stande und einer vornehmen Witwe, die taub und sehr unfreundlich
93 Werner, Mathias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg, S56 94 Busse- Wilson, Elisabeth: das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S282- 285 95 Reber, Ortrud: Elisabeth von Thüringen, S150
S.42.
war. Denn es sollte durch die Magd ihre Demut vermehrt und durch die
unfreundliche Witwe ihre Geduld geübt werden.96
Auch für die beiden betroffenen Weggefährtinnen Elisabeths war dies ein großer
Verlust und eine große Demütigung, die sie mit folgenden Worten beschrieben:
So stellte der Magister Konrad auf vielfache Weise ihre Standhaftigkeit auf die
Probe und suchte ihr in allem den Willen zu brechen, indem er ihr das Gegenteil
befahl. Dann, um sie noch mehr zu verletzten entfernte er nach und nach die
geliebten Menschen aus ihrem Umkreis, damit sie über jeden einzelnen Schmerz
empfinde. Schließlich vertrieb er mich, die ihr sehr liebe Isentrud, die sie nur
mit großem Schmerz und unendlich vielen Tränen ziehen ließ. Zuletzt nahm er
noch meine Gefährtin Guda von ihr, die seit ihrer Kindheit mit ihr zusammen
gewesen war und die Elisabeth am meisten liebte.97
Konrad wusste nun immer, was seine ihm Anvertraute tat und verlangte von
den neuen Dienerinnen, dass sie ihm peinlichst genau jeden Verstoß gegen die
aufgestellten Lebensregeln verrieten. Bei einer Missachtung folgten sofort die
schlimmsten Geißelungen und Prügel, unter dem Vorwand, dass sie nur so in
ihrem Streben nach geistiger Vollkommenheit weiter kommen konnte. Für
Elisabeth war es aber auch sehr wichtig, sich den härtesten Prüfungen zu stellen,
um ihre Liebe zu Gott so beweisen zu können.
Es war damals so üblich, dass man vor körperlichen Erniedrigungen zuerst
mündlich abgemahnt werden sollte, jedoch ist quellenmäßig nicht bekannt ob
Konrad dies auch tat oder sie gleich mit heftigen Züchtigungen bestrafte.
98 Die
Aussagen ihrer Begleiterinnen weisen aber darauf hin, dass die Erniedrigungen
Konrads ohne mündliche Vorwarnungen passierten. 99 Sie wurde vor allen, die
anwesend waren gegeißelt und sie erduldete alle Qualen und Leiden ohne zu
schreien der zu weinen.
96 Huyskens, Albert: Quellenstudie zur Heiligen Elisabeth, S158 97 Huyskens, Albert: Libellus, S47 98 Oberste, Jörg: Ketzerei und Inquisition im Mittelalter, S92 99 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth, S185
S.43.
Nach Berichten Isentruds soll sie seine Strafen sogar fast freudig ertragen
haben, da sie diese als Herausforderung sah, ihren Glauben unter Beweis stellen
zu können. Züchtigung bringt Schmerz, und dieser Schmerz ist im Sinne der
Nachfolge Christi „ in Nähe zu Gott“ zu verwandeln. Daraus kann man
erkennen, dass Konrad zwar versuchte, sie durch immer wieder kehrende
Strafen zu brechen, dies ihm aber nicht gelang. Der Zisterziensermönch
Caesarius von Heisterbach, der Konrad gegenüber freundlich eingestellt war,
sah die Motive Konrads darin, dass durch die Züchtigungen ihr Gehorsam
geschult und nur durch diese ihr Streben nach geistiger Reife gefördert werden
könnte.100 Für Konrad war es sehr wichtig, dass Elisabeth bei seinen Predigten
anwesend war, um ihr öffentlich seine religiösen Ansichten vermitteln zu
können. Sie hatte aber auch eine Vorbildfunktion. In dieser sollte sie ihren
Mitmenschen aufzeigen, wie Religiosität zu leben ist.
Konrad selbst beschrieb die Züchtigungen als eine von Gott gewollte
Maßnahme, wobei das Ziel, die absolute Unterordnung unter Gottes Willen,
war.
Zusammenfassend ist zu den Züchtigungen festzuhalten, dass Konrad seine
Stellung als Beichtvater und Seelenführer Elisabeths ausnützte, um die junge
Landgräfin seiner brutalen und hartherzigen Seelenführung zu unterziehen. Er
wurde von Caesarius von Heisterbach als unbeugsam und streng beschrieben,
der auch von vielen gefürchtet war, für viele seiner Zeitgenossen war es
unverständlich, dass er seine Schutzbefohlene durch soviel Härte zu unterwerfen
versuchte.
Er ging von dem Standpunkt aus, dass er Elisabeth nur mit aller Härte und
Grausamkeit geführt werden müsse, da sie sonst wegen ihrer fast kindlichen
Sprunghaftigkeit ihres Charakters niemals ihr Ziel erreichen werde. Er meinte
100 Huyskens, Albert: Quellenstudie zur Heiligen Elisabeth, S360
S.44.
sie mit seinem Weitblick und mit seiner Erfahrung leiten zu können und nur
dadurch auf den Weg ihrer Bestimmung zu führen.101
101 Werner, Matthias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg: in Sankt Elisabeth, Fürstin, Heilige,
Dienerin, S45
S.45.
Konrads Züchtigungen:
Als Reaktion auf seine Maßnahmen verrichtete sie nun die niedrigsten Dienste
und ertrug alle Demütigungen und Geißelungen mit stoischer Ruhe. Ihre
Demuth hatte sich zu einer regelrechten Lebensform entwickelt. Es sind auch
Berichte von zwei Krankenschwestern überliefert, die mit Elisabeth zusammen
im Hospital arbeiteten. Diese Überlieferungen sind in den Wormser Annalen
festgehalten. Beide stammten aus ärmlichen Verhältnissen und beschrieben den
Alltag Elisabeths zusammen mit Konrads. Da die Berichte als authentisch
gelten, ist ihnen hohe Bedeutung zuzumessen. Sie beschreiben unter anderem
ein Zusammentreffen zwischen den Beiden. Elisabeth verweigerte Konrad
wieder einmal den Gehorsam. Daraufhin ließ er sie bis auf das Unterhemd
ausziehen und ließ sie durch den Laienbruder mit der Rute so hart züchtigen,
dass die Beiden glaubten er wolle sie erschlagen. 102 Züchtigung und
Selbstgeißelung waren damals ein ganz wichtiges Mittel, um das Seelenheil zu
erlangen. Die Menschen glaubten, umso mehr Schmerzen ertragen werden
konnten, desto näher wird der Leidensweg Christi nachgelebt und umso höher
ist die Belohnung im Himmelreich. Der andere Weg wäre die Hölle, die mit
niemals endenden Qualen verbunden wäre.
Konrad schlug Elisabeth selten selbst, wenn er sie züchtigte ließ er dies meist
durch Dritte vollstrecken. Es war für ihn wichtig, durch Schmerzen Elisabeth
näher zur Vollkommenheit zu geleiten, jedoch wollte er sich selbst dabei nicht
die Hände schmutzig machen. Er sah seine Strenge als Notwendigkeit, da
Elisabeth kontinuierlich versuchte sich über seine Anweisungen
hinwegzusetzen. Elisabeth wurde immer wieder von Visionen heimgesucht, die
durch ihre asketischen Übungen und die Geißelungen immer stärker
zunahmen.103 Man muss allerdings beachten, dass Elisabeth sehr jung war, ihren
102 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth, S186 103 Dinzelbacher, Peter: Himmel, Hölle, Heilige, S9
S.46.
Mann sehr früh verloren hatte, dass Konrad sie ihres persönlichen Umfelds
beraubte und zuletzt auch ihre Kinder von ihr nahm. Dazu herrschte er über sie
und bestrafte sie wegen jeder Kleinigkeit mit den härtesten vorstellbaren
Strafen. Er folterte sie nicht nur psychisch sondern auch physisch und er hatte
ihren Willen so unter Kontrolle, dass sie glaubte er sei im Recht und alles was er
ihr antat sei zu ihrem Besten. Dies war das Denken der Zeit, welches der
Religiosität der Zeit entsprach. Sie hatte sogar richtige Schuldgefühle Konrad
gegenüber.
Dem gegenüber schreibt Wilhelm Maurer, dass die Sprunghaftigkeit in
Elisabeths Charakter den Ausschlag zu dem Verhalten Konrads gegeben hatte
und dass die Seelenführung Elisabeths eine große Belastung für ihn darstellte,
mit der er nur schwer fertig werden konnte. 104 Elisabeth wollte außerdem in das
Kloster Altenberg eintreten. Konrad hoffte, dass er einen Teil ihrer
Seelenführung abgeben könne, da er ab dem Eintritt in das Kloster nicht mehr
für sie verantwortlich wäre und hatte ihr dazu sein Einverständnis gegeben. Als
sie jedoch diese Idee widerlegte, war er enttäuscht und richtiggehend entrüstet
über das Verhalten und die Entscheidung Elisabeths, doch nicht einzutreten. Er
glaubte, als ihr Seelenführer versagt zu haben und für ihn die einzige logische
und korrekte Konsequenz war, sie zu bestrafen.
Er hatte diese Regeln, die viele seiner Zeitgenossen als gefühlslos verurteilten,
in bester Absicht für Elisabeth aufgestellt, damit diese das selbstgewollte
Sühnen erlangen konnte. 1229 nahm er ihr, ihr 2, 5 Jahre altes Kind Gertrud
weg und übergab es dem Kloster Altenberg bei Wetzlar.105 Das Kind hätte es
allerdings im Umfeld der Mutter sehr schwer gehabt und hätte seine
gesellschaftliche Position am Hofe wahrscheinlich verloren.
Doch auch jetzt beklagte sich Elisabeth nicht, wo sie nun allein, ohne jede
Bezugsperson war. All dies konnte sie jedoch nur durch ihre Tiefe Liebe zu Gott
104 Maurer, Wilhelm: Zum Verständnis der Heiligen Elisabeth, S60 105 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S279
S.47.
ertragen und den Trost im Gebet suchen. Alle Demütigungen und
Erniedrigungen Konrads sah sie als gottgewollt und empfand es sogar als
Gnade. 106 Sie fing an Visionen während der Heiligen Messe zu bekommen, die
Konrad mit den Worten: Sie sei oft für Stunden im Geiste hin und her gerissen
gewesen, beschrieb.107 Solche Visionen waren in der Frauenmystik im
Mittelalter keine Seltenheit. 108Jedoch darf man nicht vergessen unter welchen
Bedingungen Elisabeth leben musste und welche Qualen ihr von Konrad
auferleget wurden. Sie war nun allein, ihr Mann war tot, ihre Kinder und die
Personen, die sie am meisten liebte und seit ihrer Kindheit kannte wurden von
Konrad entfernt und er stellte ihr nur Personen zur Seite, die ihr feindselig
gesonnen waren. Sie war so mit ihrem Streben nach geistiger Vollkommenheit
beschäftigt, dass sie keine Zeit mehr für ihre Kinder hatte und diese passten
kaum noch, in das Leben das sie lebte. Die Kinder aber konnten so ihren
sozialen Status als Mitglieder der landgräflichen Familie wahren.
Aufgrund der Lebensregeln musste Elisabeth ihr gesamtes Leben neu
orientieren.
Konrad musste mit seiner Lebenserfahrung die Armenpflege Elisabeths in eine
geordnete Richtung lenken, da ihre Freizügigkeit immer gravierender wurde.
Sie spann Wolle, um den Erlös daraus den Armen zu geben. Sie verschenkte all
ihre Kleider an die Armen und gab an einem einzelnen Tag 500 Mark ihrer
Abfindung für diese aus. Da musste Konrad eingreifen. Er versuchte sie
anzuleiten, wie sie ihre Ausgaben besser steuern könnte und versuchte sie zu
überzeugen dass mit Sachspenden den Armen besser geholfen sei als mit Geld.
Bei der Krankenpflege kannte sie keine Skrupel. Gegen Konrads Willen öffnete
sie im Winter 1226, die Kornspeicher im gesamten Land um den Hunger ihres
Volkes zu lindern und verteilte es unter der Hunger leidenden Bevölkerung.
Dabei nahm sie keine Rücksicht auf ihren gesellschaftlichen Stand als
106 Huyskens, Albert: Libellus, S50 107 Reber, Ortrud: Elisabeth von Thüringen, S124 108 Dinzelbacher , Peter: Himmel, Hölle, Heilige, S126
S.48.
Landesfürstin und sie kümmerte sich auch nicht um den Protest ihrer und der
Familie ihres Mannes. Sie gab den Bauern sogar Arbeitsgerät, dass sie ihrer
Arbeit nachkommen konnten. Ihr Einsatz für die leidende Bevölkerung ging
weit über Fürsorge zu der sie als Adelige verpflichtet wäre, hinaus.
Konrad sah dies mit zunehmender Besorgnis und erteilte ihr wieder schwere
Bußen, nachdem sie von ihm verlangte, ihr Leben als Bettlerin weiter zu leben.
Ihr Streben nach Armut ging so weit, dass sie sich bei religiösen Umzügen oder
bei Prozessionen nicht zum Adel, sondern zu den Ärmsten der Armen gesellte.
Zuhause mischte sie sich in Armenkleidung unter die Mägde und Knechte.
S.49.
Konrad und die Krankenpflege Elisabeths:
In Konrad hatte sie dabei den notwendigen Rückhalt, obwohl auch er von dem
Armutsstreben Elisabeths teilweise schwer überfordert war. Ihr Gemahl war
hinter ihr gestanden und hat sie wo er konnte unterstützt. Er hat ihr Verhalten
auch in den adeligen Kreisen gerechtfertigt. Ludwig selbst war von Konrad
begeistert und ein glühender Anhänger seiner Ideale gewesen und es hat immer
ein enges Vertrauensverhältnis zwischen den Beiden bestanden. Sowohl Konrad
als auch Ludwig, die sie geistig und verständnisvoll unterstützten, machten es
erst möglich, dass Elisabeth sowohl ein Leben als Landgräfin als auch Leben
nach den Evangelien leben konnte. Ihr Leben hatte zwar eine gewisse
Radikalität, dass zu dieser Zeit aber nicht so ungewöhnlich war, jedoch in
anderen Fürstenhöfen Europas und der damaligen Welt seines gleichen
suchte.109
Sie pflegte selbst die widerwärtigsten und damals verachteten Krankheiten mit
großer Selbstaufopferung. Konrad hatte ihr untersagt, Kranke mit ansteckenden
Krankheiten zu pflegen. Sie pflegte die Leidenden jedoch ohne sein Wissen
weiter. Als er von ihrem Zuwiderhandeln erfuhr, ließ er sie geißeln, und erteilte
ihr schwerste Bußaufgaben. Er versuchte sie allerdings nicht an ihren Aufgaben
zu hindern, ganz im Gegenteil er brachte auch Verwundete und Kranke zu ihr,
die sie gesundpflegen konnte.110 Auch stellte er einen Arzt an ihre Seite, der
darauf achten sollte, dass sie an der Folge der Krankenpflege nicht sterben
würde um sie nicht durch einen zu frühen Tod aus dem Dienste Gottes zu
entziehen.111
109 Werner, Mathias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg, S52 110 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S281 111 Caesarius von Heisterbach: Das Leben der Heiligen Elisabeth, S52
S.50.
Konrad musste ihre Folgsamkeit, ihren Willen zur Unterordnung, ständig
überprüfen, da sie seine Anordnungen des Öfteren ignorierte und vor allem bei
der Krankenpflege kaum auf ihren Seelensorger hörte.
Konrad hatte einige Regeln aufgestellt, um sie zu schützen. Bei jedem
Zuwiderhandeln Elisabeths ließ er sie auf das Schwerste geißeln, wobei die
Spuren teilweise noch nach Wochen zu sehen waren. Konrad stellte ihr auch des
Öfteren Fallen, bei denen sie nur verlieren konnte: Um ihren Gehorsam zu
überprüfen, befahl er ihr mit ihm in das Prämonstratensernonnenkloster
Altenberg zu gehen. Eine Nonne lud Elisabeth ein, das Kloster zu betreten. Sie
fragte Konrad ob sie dies dürfte und er gab ihr die Antwort, dass sie dürfte wenn
sie wollte. Er war allerdings davon überzeugt, dass sie nicht eintreten werde. Als
sie dies doch tat, rief er sie mit der Begründung zurück, dass sie gegen das
kanonische Kirchenrecht verstoßen hätte und sie deswegen exkommuniziert
werden sollte. Die Absolution davon war, dass sie ihm nochmals Gehorsam
schwören musste und er ließ sie, zusammen mit Irmgard, durch den Minoriten
Gerhard, so schwer geißeln, dass sie das Bewusstsein verlor, dabei sang er das
Miserere, den 51. Psalm.112
Aufgrund seiner Tätigkeit als Wanderprediger konnte Konrad nicht die ganze
Zeit bei Elisabeth sein, er stellte ihr neben den zwei neuen Dienerinnen auch
einen Verwalter an die Seite, den er mit der Aufgabe betreute, sich um die
Einkünfte des Hospitals, also die Einkünfte aus Elisabeths Besitz, zu kümmern.
Konrad vereinbarte mit Elisabeth, dass sie kein Geld sondern nur Brot an die
Armen geben sollte. Er fürchtete, dass die Armen die Güte Elisabeths ausnützen
könnten. Er meinte, wohl nicht ganz zu Unrecht, dass einige doppelt kassieren
wollten, denn wenn es nach Elisabeth gegangen wäre, hätte sie alles was sie
besaß dem erstbesten geschenkt.
112 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S281
S.51.
Es sind zwei Beispiele über die Aufopferung in der Krankenpflege Elisabeths
bekannt, die zeigen sollen in wieweit sie die Anordnungen Konrads ignorierte
und auch bereit war, die von ihm auferlegten Strafen zu ertragen:
Sie nahm sich eines aussätzigen Mädchens an, das sie mit größter Hingabe,
jedoch gegen das Wissen Konrads pflegte. Sie flehte zwar ihr Umfeld an, ihm
nichts davon zu sagen, als er es dennoch erfuhr nahm er ihr das Mädchen weg,
was das Todesurteil für die Kleine war und belegte Elisabeth mit den
schlimmsten Geißelungen.
Das zweite war ein kleiner Junge, der schwer an der Krätze erkrankt war. Auch
dieses Kind nahm sie bei sich auf und pflegte es hingebungsvoll gegen Konrads
Willen. Als er davon erfuhr ging er genauso gegen sie vor, wie zuvor bei dem
Mädchen.
113
Er sah sich jedoch nie als gewissenloser oder brutaler Seelenführer, sondern
vielmehr als Fürsorger seiner Schutzbefohlenen, die ohne seinen Tadel nicht das
absolute Seelenheil finden könnte. Auf ihm lastete die Verantwortung
gegenüber Elisabeth und ihrem verstorbenen Gatten schwer. Jedoch steht außer
Frage, dass Ludwig, wenn er gewusst hätte, wie Konrad seine geliebte Gattin
behandelte, ihr ihn ganz sicher nicht zur Seite gestellt hätte. Er hatte seine
Gattin trotz der verabredeten Hochzeit sehr geliebt und hätte ihr niemals etwas
Böses gewollt. Nur hätte er niemals damit gerechnet, dass Konrad seine Frau mit
niemals endender Grausamkeit verfolgte.
Konrad konnte Elisabeth nur mit Härte und Strenge begegnen, da er glaubte sie
würde ihm sonst entgleiten. So beschreibt auch Caesarius von Heisterbach:
113 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S280
S.52.
Es gab keinen Zweifel, dass die Härte dieses Konrads für Elisabeth Anlass zu
großen Verdiensten war. Bekannte Elisabeth doch selbst, wie sehr sie Konrad
fürchtete, und Furcht ist eine große Buße. 114
114 Werner, Matthias: Die Heilige Elisabeth und Konrad von Marburg: in Sankt Elisabeth, Fürstin, Heilige,
Dienerin, S45
S.53.
Der Tod seines Schützlings :
Elisabeth war durch ihr Martyrium und durch die Krankenpflege geschwächt
und die ihr auferlegten asketischen Übungen schwächten sie nur mehr. Doch
auch Konrad war im November 1231 an einer schweren Krankheit erkrankt und
fürchtete zu sterben. Er ließ Elisabeth zu sich kommen, da er sich mit ihr beraten
wollte, was sie tun sollte, falls er sterben würde. Jedoch überraschte ihn
Elisabeth damit, dass sie ihm sagte, dass nicht er, sondern dass sie bald sterben
würde. Er fürchtete, dass Elisabeth wieder einmal Visionen gehabt haben
könnte. Es wäre nicht das erste Mal gewesen und Visionen waren generell nicht
positiv besetzt.115
Das Mittelalter galt als die Blütezeit des Visionswesen. Visionen sind im
Mittelalter als übermenschliche Macht angesehen worden, die entweder von
Gott oder vom Teufel generiert worden sind.116 Keineswegs immer, aber oft
wurden Visionen und verwandte Phänomene nicht nur von dem Erlebenden,
sondern auch von seiner Umwelt so ernst genommen, wie man Religion an sich
ernst nahm. Die Folgen von Visionen konnten von der Heiligsprechung bis hin
zur Verbrennung reichen.117
Er glaubte ihr kein Wort, und drohte wieder einmal die schwersten Strafen an.
Er steigerte sich förmlich in einen Anfall hinein, schrie und bedrohte Elisabeth.
Nach einer Weile war seine Wut erloschen und er wurde ruhiger.
Nach dieser Unterredung ging es ihm aber wie durch ein Wunder plötzlich
besser, doch Elisabeth erkrankte und es ging ihr von Tag zu Tag schlechter. Sie
befahl, dass alle Leute sie allein lassen sollten, damit sie ihren Frieden mit Gott
und der Welt finden konnte.
115 Busse- Wilson, Elisabeth: das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S179 116 Dinzelbacher, Peter: Himmel, Hölle, Heilige, S10 117 Ebenda, S11
S.54.
Am Sonntag, den 16. November 1231 legte sie nach der Frühmesse bei ihrem
Beichtvater Konrad die letzte Beichte ab und verfügte, dass alle ihre Güter von
Konrad an die Bedürftigen ausgeteilt werden sollten. Das einzige was sie in der
Stunde ihres Todes behalten wollte, war ihr graues Gewand, welches
gleichzeitig ihr Sterbegewand sein sollte. Das einfache Gewand soll die Demut
gegenüber Gott zeigen. Sie wollte vor allem aber ohne jedes Standeszeichen vor
Gott treten.
Sie empfing gegen acht Uhr morgens die letzte Ölung und unterhielt sich bis
ungefähr Mitternacht mit denen, die ihr zu dieser Zeit noch am nächsten standen
über die Predigten Konrads. Ihr war bewusst dass sie bald sterben würde. Jedoch
zeigte sie keinerlei Angst vor dem Tod.
Kurz nach Mitternacht schlief sie friedlich ein und starb ohne Schmerzen mit
einem Lächeln und Tränen der Freude im Gesicht. Sie wurde am
darauffolgenden Tag, am 19. November 1231 in der Kapelle des
Franziskusspitals aufgebahrt.
118
Für viele Menschen stand bereits jetzt fest, dass sie eine Heilige war, und man
behandelte sie wie eine solche.
In den Tagen ihrer Aufbahrung versuchten viele von dem Totengewand der
Heiligen Partikel oder Kleinigkeiten zu entnehmen, die sie nachher als Reliquien
besitzen wollten. Sie versprachen sich davon, dass ihnen diese
Berührungsreliquien später helfen und in Situationen der Not zur Seite stehen
würden.
Die Zuneigung ging vor allem von den armen Bevölkerungsschichten aus und
sie wurde mater omnium genannt.119 Die Verehrung der genannten
Bevölkerungsschichten war an ihrer Intensität auch in der damaligen Zeit
einzigartig. Bereits nach ein paar Monaten pilgerten Menschen aus dem
118 Diehl, Wilhelm; Herrmann, Fritz: Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, S284 119 Huyskens, Albert: Libellus, S79
S.55.
Bergischen Land, dem nördlichen Sauerland, dem thüringischen Grenzraum und
dem unteren Lahngebiet an ihr Grab. Ab August 1232 kamen Gläubige aus
Köln, Worms und sogar aus Utrecht an ihr Grab. Dabei sollen bereits die ersten
Wunderheilungen passiert sein.120 Die Religiosität der Zeit war dafür
verantwortlich, dass sich die Menschen Wunder an ihrem Grab, erwarteten.121
Alle diese Aussagen wurden protokolliert. Wobei nicht alle Wunder erfasst
worden sind122
Ihr früher Tod, konnte sie von ihrem Peiniger Konrad befreien. Sie hatte keine
Angst vor dem Tod gehabt, sondern sah ihn als eine Vereinigung mit Gott. Dies
ist eine der größten Tugenden des mittelalterlichen Christen.123 Der Leidensweg
Elisabeths, bis sie ihr Seelenheil erfahren hat, war enorm und sie hat sicherlich
entsetzlich gelitten.
Ob bei Konrad jemals zu Lebzeiten Elisabeths Zweifel an seiner herzlosen
Betreuung Elisabeths aufgekommen sind, ist nicht sicher und auch nicht belegt.
Jedoch besteht kein Zweifel, dass sie ohne seine Vormundschaft sicher noch
länger am Leben geblieben wäre. Er trat vor allen Leuten als ihr Seelenführer
auf, jedoch quälte und folterte er sie regelrecht, auch vor den Augen anderer.
Elisabeth brauchte jemanden, vor allem nach dem Tod ihres Mannes der sie in
geistlichen Dingen führte. Ihre Aufgabe als Fürstin und Ehefrau war beendet,
und nach dem Gelübde konnte Konrad diese Leitung Elisabeths übernehmen.
Sie hätte sonst ihr ganzes Vermögen für arme Menschen veräußert. Dies konnte
Konrad natürlich nicht zulassen und er musste das Geld wenigstens für seine
Kirche retten. Seine Aufgabe als Seelenführer erschien nach außen hin selbstlos,
jedoch war er nur auf seinen Ruf und die richtige Verwendung des Erbes
bedacht. Doch die Methoden Konrads waren eines Vertreters der christlichen
Kirche unwürdig. Er hatte den Auftrag der Seelenführerschaft persönlich von
120 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth, S251 121 Dinzelbacher, Peter: Himmel, Hölle, Heilige, S15 122 Braasch, Ursula: Pilger in Marburg. Herkunftsorte der durch bezeugte Wunder Elisabeths Geheilte, S450 123 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S273
S.56.
Papst Gregor IX bekommen und hatte sich in den Augen des Papstes für diese
Frau richtig aufgeopfert. Die Quellen klären nicht, ob Papst Gregor die
Grausamkeiten Konrads mitbekommen hat und wenn dies der Fall gewesen
wäre, ob er diese gebilligt hätte. Elisabeth hat in der Religiosität ihrer Zeit
stehend ganz sicher die Forderungen Konrads als einen Weg ihrer Seele zum
Heil gesehen, da für sie das Diesseits nur eine Vorbereitung auf das Jenseits
war. Elisabeths Gottesfurcht war sicher sehr ausgeprägt. Für sie war die Liebe
die wichtigste Sache in ihrem Leben, der sie sich auch ausnahmslos hingab. Auf
Liebe konnte nur mit Liebe geantwortet werden.
S.57.
Konrad nach Elisabeths Tod:
Nach dem Tod Elisabeths jedoch, begannen die Menschen den wahren Konrad
zu erkennen und selbst er konnte sein Verhalten gegenüber Elisabeth kaum noch
rechtfertigen. Er dürfte auch gegenüber sich selbst schwerste Gewissensbisse
gehabt haben und ihm war klar, was er Elisabeth angetan hatte. Denn nur so ist
zu erklären, dass er die Heiligsprechung Elisabeths mit all seiner Kraft voran
trieb. Konrad hatte erkannt, dass die Zeit, in der er lebte, Heilige wie
Elisabeths brauchte.
Er hatte ein regelrechtes Rechtfertigungsbedürfnis und trieb die Kanonisation
Elisabeths mit allen seinen Kräften, voran. Er erhoffte sich, dass wenn Elisabeth
heilig gesprochen werden würde, auch er für seine Sünden und die
Erniedrigungen, die er Elisabeth angetan hatte, freigesprochen werden würde.
Er sah sich selbst als der fromme Asket, der immer auf alles verzichtete, nur um
Gott näher zu kommen, der bereit war sein äußerstes für das Streben Elisabeths
nach Vollkommenheit zu geben. Konrad war von den Instrumenten, die er
angewandt hatte sicher überzeugt, da sie auch der Norm seiner Zeit entsprachen.
Da Konrad sich auch dem religiösen Bild seiner Zeit entsprechend keinerlei
Vorwürfe machen musste, versuchte er nach dem Tod Elisabeths sofort alles,
um ihre Heiligsprechung zu erreichen. Damit er sein Gewissen beruhigen konnte
und auch von seinen Mitmenschen und den Anhängern Elisabeths nicht mehr als
Monster gesehen wurde. Doch die meisten Leute hatte bereits ein Urteil für sich
über ihn gefällt.
Jedoch sah er bei sich sicher kaum eine Schuld und anstelle der Selbstbestrafung
und Hinterfragung seiner eigenen Fehler, setzte er seine gesamte Kraft nun in
S.58.
die Ketzerverfolgung ein. Er ging vom seelischen Einzelmord nun zum
Massenmord über.124
Er tat dies nun wieder im Namen der Kirche und des Glaubens und begann
anders Denkende zu verfolgen, zu foltern und zu töten. Er begann die
Grausamkeiten, die er Elisabeth angetan hatte nun einer breiten Masse anzutun
und dies alles mit dem Schutz des Papstes.
Die Ketzerverfolgung, die jetzt folgte, übertraf jedoch die Grausamkeiten, die er
Elisabeth angetan hatte noch bei Weitem. Sowohl die Heiligsprechung
Elisabeths beim Papst und die Einführung der Ketzergerichte, bei denen Konrad
im mittelalterlichen Deutschland für die kurze Zeit, die ihm noch blieb, eine
führende Rolle gespielt hatte, stehen also in einem engen Zusammenhang.
Nur durch die Heiligsprechung Elisabeths konnte er seinen eigenen Frieden
finden und nur durch den Feuertod der Ketzer konnte er ihnen zum Seelenheil
verhelfen. Die Rolle des Beichtvaters ging nun über in die Rolle des Erziehers
und des Richters und wie er Elisabeth erbarmungslos für jede Kleinigkeit mit
dem schlimmsten bestrafte, ließ er nun keine Gnade bei den Ketzerprozessen
aufkommen.
124 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S284
S.59.
Das Kanonisationsverfahren der Heiligen Elisabeth:
Konrad von Marburg begann bereits im Frühjahr 1232 die Heiligsprechung
Elisabeths einzuleiten. Jedoch nicht ohne Hintergedanken. Er wurde am 11.
Oktober 1231 vom Papst Gregor IX als erster deutscher Inquisitor eingesetzt. 125
Er nutzte die Verehrung seiner ehemaligen Schutzbefohlenen um das von ihm
gepredigte Streben nach geistiger Reinheit und Vollkommenheit von anderen
einfordern zu können. So nutze er das Spital in Marburg als Ort für seine
Predigten, die nun Hetzreden gegen Häretiker waren. Bei einer Rede über das
Wunderwirken Elisabeths, erklärte Konrad, dass eine Waldenserin erst nach der
Abkehr ihres ketzerischen Glaubens von ihrem Leiden an dem Grab Elisabeths
geheilt worden sei.
126
Konrad stellte den ersten Antrag auf Heiligsprechung für Elisabeth am 11.
August 1232. Um für seinen bei der Kurie gestellten Kanonisationsantrag die
nötige formelle Unterstützung des zuständigen Diözesanbischof s zu sichern,
nütze Konrad die Anwesenheit des Erzbischofs Siegfried III. von Mainz und
reichte diesen Antrag, mit dessen Fürsprache bei Papst Gregor IX ein. 127
In diesem Antrag betonte er allerdings auch die Ketzergefahr, die für ihn in
Deutschland am Aufkeimen war. Für ihn sei Elisabeth direkt von Jesus Christus
gesandt worden, um den wahrhaftigen Glauben zu leben. Er beendete diesen
Brief mit der Bitte an den Papst, Elisabeth als Stütze der Kirche und zur
Bekämpfung der Ketzerei zur Ehre der Altäre, in den Heiligenstand zu erheben.
Diesem Antrag war jedoch vermutlich bereits einer voraus gegangen, der aber
verloren gegangen sein dürfte. Dieser Antrag dürfte bereits kurz nach dem Tod
Elisabeths gestellt worden sein, der Wunderkatalog hat die frühen Wunder
125 Grundmann, Herbert: Ketzergeschichte des Mittelalters, S40 126 Huyskens, Albert: Quellenstudie zur Heiligen Elisabeth, S174 127 Krafft, Otfried: Papstkunde und Heiligsprechung, S 386
S.60.
Elisabeths enthalten, die sich schon am ersten Tag nach ihrer Beerdigung
zugetragen haben sollten. 128
Nachdem der Brief bei Gregor IX angekommen war, setzte sich der Pönitentiar
und Kaplan des Papstes, Raimund von Penaforte mit Konrad in Verbindung, da
er genauere Informationen über die am Grab Elisabeths geschehenen Wunder
bräuchte. Konrad nahm das Wunderwirken Elisabeth in fast alle seiner
Predigten auf. Zur Verschriftlichung der Wunder forderte er alle, die am Grab
von Elisabeth geheilt worden waren am 11. August 1232 auf, in der Gegenwart
des Erzbischofs und der anderen Prälaten, die Wunder Elisabeths zu bezeugen.
Da zur Einweihung von zwei Altären in der neuen Kapelle des
Franziskusspitals am Tag zuvor viele Menschen kamen, konnte er die Menge für
die Niederschrift der Wunder nutzen. 129 Konrad ließ alle ihre Aussagen
aufzeichnen. Unter der Aufsicht des Erzbischofs und der anwesenden Prälaten
wurden die Wunder aufgeschrieben und die Würdenträger versahen den Bericht
mit dem päpstlichen Siegel. Konrad gelang es so, einen Katalog von ungefähr
60 Wundern zu sammeln, der dem Papst Gregor IX. überbracht wurde. Er
erhielt diese Schreiben Konrads am 14. Oktober 1232.130 Konrad veranlasste,
nicht nur die Aufzeichnung der Wunder, sondern er hat auch eine Biographie
von Elisabeth verfasst, die er als Summa Vitae bezeichnete.
Sowohl das Bittgesuch als auch die Summa Vitae sind noch, obwohl nicht im
Original, so doch in einer Abschrift des 13. Jahrhunderts, erhalten. Dieses
Dokument befindet sich im Staatsarchiv Koblenz und ist als Rommersdorfer
Bullarium bekannt.131
128 Ambros, Edeltraut Die Heilige Elisabeth. Fürstin und Heilige, S253 129 Leinweber, Raimund: Das kirchliche Heiligsprechungsverfahren, in: St. Elisabeth, S131 130 Reber, Ortrud: Die Gestaltung des Kultes weiblicher Heiliger im Mittelalter, S28 131 Huyskens, Albert: Quellenstudie zur Heiligen Elisabeth, S80
S.61.
Er wollte, dass der Papst nicht nur über ihr Wunderwirken, sondern auch über
ihr Leben Bescheid wissen sollte, da es im Zuge der Kanonisation nötig war,
auch das Leben der Heiligen aufzuzeichnen.132
Was die Stellung Konrads zu Elisabeth betraf, so enthielt diese Summa Vitae
allerdings nur einen kurzen Bericht der Gräueltaten, die er ihr angetan hatte. Die
von ihm beschriebenen Misshandlungen stellt er so dar, als ob sie berechtigt
gewesen waren, um Elisabeth vor Schaden zu bewahren. Er hat Gott dabei
allerdings um Verzeihung gebeten für das, was er ihr angetan hatte.
133
Zum Vergleich beschreibt Irmgard im Libellus die Züchtigungen bei einem
Klosterbesuch der beiden so:
Dann wies er Bruder Gerhard an, sie beide mit einer reichlich starken und
langen Rute zu schlagen. Dazu sang Meister Konrad den vierten Bußpsalm:
Erbarme dich meiner o Gott! Irmgard sagte, sie habe nach drei Wochen die
Spuren der Schläge gehabt und Elisabeth noch länger, da sie heftiger gezüchtigt
worden sei.134
Er verschweigt auch nicht, wie Elisabeth unter größten persönlichem Einsatz
und ohne Angst um ihre Gesundheit Kranke pflegte und wie er ein leprakrankes
Mädchen ohne Wissen Elisabeths aus ihrem Hospital entfernen ließ um eine
Ansteckung Elisabeths zu verhindern. Dadurch entsteht für den Leser der
Eindruck, dass Konrad sich ausschließlich um die Gesundheit und das Wohl
Elisabeths gesorgt habe, und dass sie ohne ihn wahrscheinlich noch früher an
einer ansteckenden Krankheit gestorben wäre, außerdem beschreibt er genau
ihre Marburger Zeit. Er hat sich sicher für sie verantwortlich gefühlt, doch
Elisabeth hielt sich kaum an die von ihm aufgestellten Regeln, wodurch er nur
zum Mittel der Züchtigung greifen konnte, um sie von größerem Schaden zu
bewahren. Konrad könnte auch Angst gehabt haben, den Einfluss auf Elisabeth
132 Ambros, Edeltraut :Die Heilige Elisabeth. Fürstin und Heilige, S254 133 ebenda, S31 134 Nigg, Walter: Elisabeth von Thüringen, S102
S.62.
zu verlieren, dies könnte ein anderer Grund für das Verhalten des Beichtvaters
gewesen sein. Dadurch könnte erklärt werden, warum Konrad mit nicht
endender Grausamkeit, sogar für die damalige Zeit, in der Züchtigungen als
normales Erziehungsmittel galten, seine Aggressionen an Elisabeth ausließ.
Im Mittelalter galten Fasten, Enthaltsamkeit, Züchtigung und Geißelungen als
normale Wege, um die Leiden Christi am Kreuz nachzuempfinden und dadurch
die Liebe zu Jesus Christus und Gott auszudrücken. Nur durch Schmerzen
konnte eine größere Vollkommenheit erreicht werden.135
Mit einem ausführlichen Bericht über den Tod Elisabeths beschließt er die
Biographie. Damit entspricht die Summa Vitae der Idealvorstellung vom Aufbau
eines Heilgenlebens.
Konrad hat die Summa Vitae als Grundlage für das Kanoisationsverfahren
erfasst, deshalb wurden ihre Wunder herausgehoben.
Diese Lebensbeschreibung enthielt allerdings nur die Zeit, in der Konrad für sie
verantwortlich gewesen war, also die Jahre 1226 bis 1231, über die er
authentisch Auskunft geben kann. Diese Aufzeichnungen über das Leben der
Heiligen sind die ältesten erhaltenen Dokumente über ihr Leben. Papst Gregor
IX. ließ nun ihr Marburger Hospital mit Ablässen ausstatten und stellte im
Oktober 1232 eine Untersuchungskommission zusammen. Diese bestand neben
Konrad aus Siegfried III. Erzbischof von Epstein und dem Eberbacher Abt
Raimund und verlangte von ihnen in zwei Schreiben vom 13. und 14. Oktober
die Erstellung eines Berichts über das Wirken von Elisabeth.136
Am Anfang des Jahres1233 wurden von den drei Kommissaren über 600
Zeugen einvernommen. Konrad, der Abt und der Erzbischof waren aber mit
dieser Aufgabe total überfordert, da es ihnen allein fast unmöglich war, so viele
Leute einzuvernehmen. Deshalb baten sie einige Welt- und Ordensgeistliche
135 Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, S55 136 Krafft, Otfried: Papstkunde und Heiligsprechung, S 386- 387
S.63.
um Hilfe, da sie diese Aufgabe unmöglich allein bewältigen konnten. Jetzt
hatten sie die Möglichkeiten und auch die Mittel, die Zeugeneinvernahmen
fortzusetzten. Die Kommissare dürften sich die Arbeit geteilt haben. Aus den
Protokollen geht weiters hervor, dass sie stets weitere Geistliche zur
Unterstützung angefordert haben. 137
Diese Arbeit war Ende Februar oder Anfang März 1233 abgeschlossen und sie
hatten alle Zeugeneinvernahmen protokolliert. Papst Gregor IX bat Konrad von
Marburg, die Aussagen versiegelt aufzubewahren. Doch gegen seinen Wunsch
sandte er diese an die römische Kurie. Der Papst forderte Konrad weiters auf
Zeugen zu vernehmen, die das Leben und den Lebenswandel Elisabeths
protokollieren sollten. Auch diesem Wunsch kam Konrad nicht nach und legte
nur seine Summa Vitae bei. Sowohl Konrad als auch die anderen zwei
Kommissare befanden, dass eine Ergänzung der Summa Vitae und der
Wunderberichte nicht nötig und überflüssig sei. 138
Wie schon angedeutet, bezog Konrad das Leben Elisabeths in seine
Argumentation im Zuge seiner Inquisitionspredigt mit ein. Für Konrad war
Elisabeth mit ihrem Streben nach Reinheit durch selbstauferlegte Armut, mit
ihrer Selbstaufopferung für andere und ihrer Frömmigkeit, das Ideal des
Strebens nach Gott. Für ihn hatte sie durch Gott ihren Glauben erhalten und er
hatte ihre Schwäche in Stärke umgewandelt. 139Er begann sie in seinem Kampf
gegen die Ketzer als Ideal zu stilisieren. Elisabeth war es in ihrem kurzen Leben
gelungen, das Ideal nach freiwillig gelebter Armut zu erreichen ohne dabei die
Normen der Kirche zu verletzen ohne sich dabei ketzerischen Gruppen
anzuschließen. Genau diese Tatsache strich Konrad ab jetzt in seiner Tätigkeit
als Inquisitor heraus. Für ihn war Elisabeth das Beispiel einer rechtschaffenden
Frau, nachdem sich die anderen Menschen orientieren konnten.
137 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth von Thüringen, S255 138 Leinweber, Josef: Das kirchliche Heiligsprechungsverfahren, S133 139 Krafft, Otfried: Papsturkunde und Heiligsprechung, S389
S.64.
Konrad hatte sich bei seiner Summa Vitae nicht damit zufrieden gegeben nur
eine Lebensgeschichte zu verfassen, sondern er hat diese Summa Vitae so
geschrieben, dass er sie auch in seiner Ketzerbekämpfung und damit in seine
strategischen Absichten gegen die Häresie einsetzen konnte. 140 Er erhoffte sich,
dass das gemeine Volk durch das Leben Elisabeths wieder an die alten Werte
der katholischen Kirche zu glauben anfing und aufhörte, den Wanderpredigern,
die seiner Meinung nach das Volk vergifteten, zuzuhören. Der erste Brief
enthält den Auftrag, die Zeugen der Wunder Elisabeths einzuvernehmen und der
zweite diese Aussagen versiegelt zu halten, bis ihm die Aussagen ihm vorgelegt
werden könnten.141 Im Februar 1233 wurden diese Epistola examinatorum
miraculorum sancte Elysabet ad dominum papam von den genannten Personen
bestätigt, genauso wie die Summa Vitae, kopiert und dem Papst als Dokument,
vorgelegt.142
Die Aufgabenverteilung war hierarchisch gegliedert. Abt Raimund musste die
meiste Arbeit leisten, er protokollierte einhundert sechs Berichte. Konrad war
währenddessen, seiner Tätigkeit als Inquisitor wegen, unterwegs und konnte
daher die Berichte nicht selbst verfassen. Die Aussagen wurden in vorgefertigte
Formulare eingetragen, die auf einem speziellen Pergament, von den vom Papst
eingesetzten Personen beglaubigt wurden. Gegen Ende der Vernehmungen war
Konrad wieder zugegen und übernahm die letzte Einvernahme selbst. Der
Erzbischof von Mainz und der Abt waren zu dieser Zeit mit anderen Aufgaben
betraut.
Konrad sandte eine Abschrift dieser Protokolle Ende Februar oder Anfang März
1233 an Gregor IX. Jedoch war keine Systematik in diesen Abschriften
erkennbar, dies dürfte aber auch nicht die Absicht Konrads gewesen sein.
143
140 Ambros, Edeltraut: Die Heilige Elisabeth. Fürstin und Heilige, S256 141 Huyskens, Albert: Quellenstudien zur Heiligen Elisabeth, S86 142 Ambros, Edeltraut Die Heilige Elisabeth. Fürstin und Heilige, S33 143 Huyskens, Albert: Quellenstudien zur Heiligen Elisabeth, S88
S.65.
Die Zeugen waren hauptsächlich aus der Stadt Marburg selbst, fast alle
Mitarbeiter des Krankenhauses und natürlich auch Konrad von Marburg.
144
So wird berichtet, dass die Kranken zu Pferd, in Karren, auf den Schultern, oder
gestützt von Freunden oder Angehörigen, die meisten allerdings barfuß und nur
auf sich selbst gestellt, nach Marburg an das Grab der noch nicht heilig
gesprochenen kamen. Die Anziehungskraft des Grabes galt selbst als Wunder.
In den Protokollen wurden die Krankheitsgeschichte der Menschen und
schließlich das Wunder der Heilung festgehalten. Die Menschen, die in diesen
Berichten erwähnt wurden gehörten den untersten gesellschaftlichen Schichten
an. In den einhundert sechs Wunderberichten wurden auf eindrucksvolle Art und
Weise Krankheiten und Leidenswege beschrieben, wie dies vorher kaum
geschehen war. Man hatte der Krankheit und ihrer Heilung immer
Aufmerksamkeit zugewandt; neu war, dass man vermehrt auch dem Phänomen
Krankheit und Elend der sozial niederen Schichten und Armen Beachtung
schenkte und auch darüber in den Wunderkatalogen berichtete. Es wurde über
Mütter erzählt, die ihre Kinder durch Krankheiten beinahe verloren hätten,
Menschen denen das Augenlicht zurück gegeben worden war, oder von Müttern,
die bei der Geburt ihrer Kinder beinahe gestorben wären, hätte Elisabeth ihnen
nicht geholfen.145 Die meisten Geheilten waren Kinder, aber auch Frauen oder
werdende Mütter. Wunderberichte über Männer sind dagegen im Katalog in der
Minderheit. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass die medizinische
Versorgung zu dieser Zeit kaum gewährleistet war und die einfache
Landbevölkerung eigentlich keinen Zugang zu medizinischer Versorgung
hatte. Die Grundlagen der Hygiene waren nicht bekannt und die nach heutigem
Verständnis harmlosesten Krankheiten führten damals unweigerlich zum Tod.
Die gängigste Medizin war damals Tee aus Kräutern oder eben Salben und das
144 Schmidt, Gerhard Paul: Die zeitgenössische Überlieferung zum Leben und zur Heiligsprechung der heiligen
Elisabeth , S1 145 Huyskens, Albert: Quellenstudien zur Heiligen Elisabeth, S171
S.66.
Flehen zu Gott. Es kam aber auch nicht selten vor, dass die Pilger sogar
Drohungen aussprachen, falls Elisabeth ihnen ihre Hilfe verweigern sollte.146
Jedoch stellten sich die meisten Heilungen und Wunder erst nach der zweiten
oder dritten Wahlfahrt ein, oder nach einem längeren Aufenthalt in der Stadt
Marburg selbst, ein. Die Geduld der Pilger und das Vertrauen auf die Heilige
wurden also durchaus auf die Probe gestellt. In den Katalogen wurden nicht nur
die Berichte über die Wunder erfasst, sonder auch die Gaben Für das Grab und
die Gelübde, welche die Menschen gaben, aufgezeichnet.
Leute, die es sich leisten konnten, spendeten auch Geldbeträge oder gaben das
Versprechen ab, einmal im Jahr das Grab Elisabeths zu besuchen. All dies
wurde von den drei Kommissaren streng und genau aufgezeichnet. Unter den
Abgaben wurden Kerzen- oder Wachsgaben genannt, aber auch solche, die in
Wachs die Form der geheilten Gliedmaßen oder die gesamte Gestalt des
Kranken als Votivgabe nachbildeten.147
Obwohl er die Heiligsprechung Elisabeths mit allen Mitteln vorantrieb, sollte
Konrad deren Abschluss nicht mehr erleben. Elisabeth wurde von Papst Gregor
IX im Mai 1235 heilig gesprochen. Konrad war zu diesem Zeitpunkt bereits
knapp zwei Jahre tot. Er war im Juli 1233 aufgrund seiner grausamen
Vorgehensweise im Inquisitionsgericht und seiner Ketzerverfolgung ermordet
worden. Die schnelle Heiligsprechung Elisabeths war jedoch vor allem sein
Werk- und damit ein Resultat der vielfältigen Bemühungen genau des Mannes,
der sie zu Lebzeiten so gepeinigt hatte. Dies klingt geradezu widersinnig, es
entsprach sein Verhalten, das Verhalten der Heiligen, die ihn ja durchaus zur
Strenge herausforderte, aber auch das Verhalten der Gläubigen in der
Verehrung, durchaus der Religiosität der Zeit.
146 Ruth, Barbara: Die Wunderheilungen am Grab der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S53 147 Schmidt, Gerhard Paul: Die zeitgenössische Überlieferung zum Leben und zur Heiligsprechung der heiligen
Elisabeth, S3
S.67.
II. Konrad von Marburg als Inquisitor und seine Ketzerverfolgung:
Die Ketzerei zur Zeit Konrads:
Die Person Konrad von Marburg war sowohl für seine Zeitgenossen als auch für
Historiker der folgenden Epochen eine sehr zwiespältige. Zum einen war er der
Mann, der die Heiligsprechung Elisabeths mit allen Mitteln vorantrieb, wenn
auch vielleicht nur, um seine Fehler und seine Grausamkeiten ihr gegenüber zu
kaschieren, zur anderen war er für seine Ketzerverfolgung berüchtigt.
Für ihn war die Kirche mit Nestern von religiösen Sekten, den Ketzern, die sich
nicht zur Autorität der Kirche bekannten, durchwachsen. Die Kirche befand
sich ihrer Ansicht nach, in einem regelrechten Selbsterhaltungskampf, da sie an
hohen Verlusten ihres Ansehens litt, da die meisten Kleriker in Saus und Braus
lebten, gleichzeitig jedoch zur Bescheidenheit aufriefen, währenddessen das
Volk hungerte. Konrad selbst sah die Kirche ebenso durch die Ketzerei bedroht,
wodurch sein rigoroses Vorgehen gegen die Ketzer gedeutet werden kann.
148
Ketzerei war ein Schwerverbrechen, sukzessive wurden Ketzer zu
Majestätsverbrechern, und für die Kirche war es eine Todsünde. Sowohl der
Klerus als auch das einfache Volk sahen in der Ketzerei etwas Illegales, das
auch bekämpft werden sollte.149 Für Konrad bedeutete das den Einsatz aller
Mittel, die er als gnadenloser Inquisitor, der weit über die ihm gegebenen
Befugnisse hinausging, um sein Ziel, die vollkommene Ausrottung der Häresie
zu erreichen, einsetzte.
Er ging dabei soweit, dass nach seinem Tod die Forderung einiger ranghoher
Prälaten aufkam, sein Grab zu öffnen, ihn zu exkommunizieren und ihn dann
148 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S294 149 Vgl. dazu allgemein: Andresen, Carl: Ketzerei. In: Theologische Realenzyklopädie. Band XXI, Sp. 292- 294
S.68.
selbst als Ketzer zu verbrennen.150 Er hatte sein Leben Gott und der Predigt
verschrieben und verfolgte seine Ziele mit unendlicher Willensstärke und
Konsequenz. Für ihn wie für viele seiner Zeitgenossen, war die Welt aufgeteilt
in das Gute, das durch Gott und Heilige repräsentiert wurde und das Böse, das
Reich Satans, welches durch die Ketzer und Andersdenkende verkörpert wurde.
Elisabeth lebte das Ideal, das sie, seines Erachtens, niemals ohne seine Hilfe und
seine Disziplinierungsmaßnahmen erreicht hätte. Seiner Meinung nach konnte
sie nur, indem sie den Leidensweg Christi am eigenen Leib erlebte die
tatsächliche Lebensform erreichen. Die Ketzer repräsentierten für ihn das
Gegenteil, deshalb konnten sie nur durch unendliche Grausamkeit auf den
rechten Weg geleitet werden.
Dass Konrad wahrscheinlich Dominikaner war, dem Orden aber zu
mindestens sehr nahe stand wird, durch seine Lebensphilosophie bekräftigt.
Die Dominikaner sind ein Bettelorden, der sich der Reinhaltung des Glaubens
verschrieben hatte. In der ersten Hälfte des 13 Jahrhunderts, also der Zeit in der
Konrad als Inquisitor tätig war, lag der Wirkungsbereich des Ordens vor allem
in den Städten.151
Am 14. Mai 1229 wurden Konrad und seine Mitstreiter vom Papst in einem
Schreiben gelobt, da sie ihr Amt sorgfältig und gewissenhaft ausübten, da sie
sich bemühten, aus dem Weinberg des Herren nicht nur das lasterhafte Unkraut
auszureißen, sondern auch die kleinen Füchse, also die Ketzer wegzufangen.152
In diesem Schreiben wies der Papst ebenfalls daraufhin, dass die Ketzer eine
höchstgefährliche Kampfentschlossenheit besaßen und zu allem bereit wären um
ihre häretischen Lehren zu verbreiten.
Deshalb hat Papst Gregor IX. Konrad und die Dominikaner beauftragt, mit
aller Strenge gegen die Ketzer vorzugehen, und sie angewiesen,
150 Patschovsky, Alexander: Konrad von Marburg und die Ketzer seiner Zeit, S70 151 Werner, Ernst; Erbstößer Martin: Kleriker, Mönche, Ketzer, S370 152 Kurze, Dietrich: Anfänge der Inquisition in Deutschland, in: Die Anfänge der Inquisition im Mittelalter, S157
S.69.
Nachforschungen und Untersuchungen gegen Häretiker und der Häresie
Verdächtige vorzunehmen. Die Angeklagten, falls sie für schuldig befunden
wurden, sollten dann nach den päpstlichen Statuten abgeurteilt werden. Diese
Aufforderungen wurden selbst von Kaiser Friedrich II. gebilligt und unterstützt.
Damit konnte die Todesstrafe eingefordert werden, die von der Kirche selbst ja
nicht verhängt werden konnte.
Der Orden wurde ganz schnell zu einem wichtigen Instrument des sakralen und
geistigen Lebens. Die Dominikaner hatten die wichtigsten Positionen in den
Hochschulen und Universitäten inne, in denen sie ihre Ideale predigten. Der
Hauptbereich der Dominikaner aber war die Inquisition und Ketzerverfolgung.
Sie gaben sich selbst den Namen canes Domini, der die Jagd eines Hundes oder
Wolfes gegen Andersdenkende symbolisieren sollte.153 Sie genossen alle Rechte
und ihnen wurden auch keine Grenzen auferlegt. Sie durften jedes Haus, jede
Scheune durchsuchen um angebliche Ketzer ausfindig zu machen. Menschen,
die von ihnen der Ketzerei verdächtigt wurden, wurden dann einem Bischof oder
einem Richter übergeben154. Sie waren unabhängig von jeder weltlichen und
kirchlichen Gerichtsbarkeit und genossen alle Rechte, die sie benötigten.
153 Grundmann, Herbert: Religiöse Bewegungen im Mittelalter, S283 154 Lea, Charles- Henry: Geschichte der Inquisition im Mittelalter, S378
S.70.
Die Instrumente der Inquisition:
Die Inquisition funktionierte auf der Basis von Anschuldigungen,
Verdächtigungen oder erpressten Zeugenaussagen. Es wurde ein regelrechtes
Bespitzelungssystem eingeführt, das mit dem moderner
Geheimdienste wie etwa der Stasi vergleichbar ist.155 Es wurde Jeder als
Belastungszeuge zugelassen. Es spielte keine Rolle, ob es sich bei den Zeugen
um persönliche Feinde des Angeklagten oder um Personen, die als homines
infames bekannt waren, handelte.156 Es war jeder Gläubige per Gesetz dazu
verpflichtet, Häretiker anzuzeigen. Dies führte dazu, dass unzählige Menschen
einfach denunziert wurden, weil sich Andere einen Vorteil davon versprachen.
Da viele Menschen damals über keine Bildung verfügten, wurden ihre
dunkelsten Instinkte dadurch ans Licht befördert und sie konnten ihre Feinde
ganz leicht aus dem Weg räumen und ruinieren. Ein Instrument, das Konrad
gebrauchte, war die Befragung. Der Angeklagte hatte keine Rechtsmittel zur
Verfügung. Falls er an seiner Unschuld festhalten sollte, galt dies viel mehr als
ein Beweis seiner Schuld, da er für Konrad nicht einsichtig war und seine
Verbrechen nicht zugab. Nun konnte Konrad das Instrument der Folter
anwenden.
Falls eine Person der Häresie angeklagt wurde, wurde sie von einem Bischof
verurteilt. Die Aussagen wurden jedoch erpresst und die Folter diente dazu als
alltägliches Mittel. Die Folter war das wichtigste Instrument der Inquisitoren,
wobei weder an Grausamkeiten physischer oder psychischer Natur gespart
wurde. Die gängigsten Mittel waren Hunger, Durst, Schlafentzug, die
Streckbank, glühende Eisen, das Blenden oder das Feuer. Anfangs war die
155 Vgl. dazu allgemein: Ladurie, Le Roy Emanuell: Monteillou: Ein Dorf vor dem Inquisitor 1294 bis 1324, S413 156 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S297
S.71.
Folter oder Tortur eher etwas Außergewöhnliches doch das änderte sich
schnell.157
Dabei gab es einen Strafenkatalog, der das Strafausmaß regelte. Wenn der
Angeklagte Reue zeigte und bereit war zu widerrufen, wurde ihm meistens das
Bußkreuz auf die Kleidung geheftet, das er dann für einen bestimmten Zeitraum
tragen musste.158 Es konnte auch sein, dass er zur Teilnahme einer Pilgerfahrt
oder einem Kreuzzug verpflichtet wurde, was wiederum oft einem Todesurteil
gleichkam, da nur die wenigsten davon zurückkehrten.
Falls der Angeklagte allerdings bereit war andere Leute zu denunzieren, konnte
seine Strafe milder ausfallen, jedoch strafte Konrad zumeist auch Denunzianten
und übergab sie für die Vollstreckung des Urteiles dem weltlichen Gericht.
Verurteilte konnten auch der Stadt verwiesen oder zu Kerkerhaft verurteilt
werden, die keine zeitliche Begrenzung kannte. Ihnen und ihrer Familie wurde
auch ihr Eigentum entzogen, das dann in den Besitz der Kirche überging.159 Der
Angeklagte verlor weiters alle seine Ämter und war, auch, falls seine Unschuld
bewiesen wurde, trotzdem gesellschaftlich ruiniert.160 Weiters verloren auch
seine Nachkommen alle Ehren und Würden und waren mit dem Mal der
Ketzerei gebrandmarkt. Die einzige Ausnahme waren Kinder, die ihre Eltern
selbst der Häresie beschuldigt hatten.161
157 Trusen, Winfried: Von den Anfängen des Inquisitionsprozessen, S55 158 Oberste, Jörg: Ketzerei und Inquisition im Mittelalter, S99 159 Werner, Ernst; Erbstößer Martin: Kleriker, Mönche, Ketzer, S373 160 Trusen, Winfried: Von den Anfängen des Inquisitionsprozessen, S58 161 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S297
S.72.
Der Ketzerprozess:
In der Regel wurde ein Ketzerprozess nach einem festgelegten Muster
abgehalten. Als erstes wurde der Angeklagte von einem Sendgericht zu den
gegen ihn erhobenen Vorwürfen und Vergehen befragt. Dies erfolgte durch mit
Autorität ausgestattete Vertreter der Gemeinde, honoratiores, meliores,
maturiores.162 Sie waren eine Anlaufstelle für Klagen, die von Einzelpersonen
oder Gruppen eingebracht worden waren. Die Inquisitoren mussten nun
entscheiden, ob es sich um haltlose Denunziationen oder um ernst zu nehmende
Bezichtigungen handelte. Nur letzere wurden dann vor einem Gericht
behandelt, in dem öffentliche Ankläger die Prozessführung übernahmen. Der
Sendherr, der ein Bischof oder ein bischöflicher Stellvertreter war, aber
keineswegs ein Richter, sprach allein das Urteil aus. Er hatte nur den Vorsitz
und verkündete das Urteil, welches von Sendschöffen oder ortsansässigen
Klerikern getroffen wurde. Für den Angeklagten gab es nun zwei
Möglichkeiten. Die eine war zu gestehen, die andere zu leugnen. Falls er
leugnete musste er den Beweis seiner Unschuld selbst erbringen. Dazu hatte er
mehrere Möglichkeiten. Er konnte ein Reinigungsritual mit Eideshelfern
erbringen oder auf ein Gottesurteil vertrauen.
Von den Sendschöffen wurde ein so genanntes zweizüngiges Urteil gefällt.
Wenn es zu Gunsten des Angeklagten ausfiel war er frei, misslang es wurde das
Urteil an ihm vollzogen.163
Verteidiger waren grundsätzlich zu den Prozessen zugelassen, jedoch konnte ein
Inquisitor sie ohne Angabe von Gründen ablehnen. Wurde ein Verteidiger doch
zugelassen so konnte es ihm ohne weiteres passieren, dass er selbst der Häresie
beschuldigt und angeklagt wurde.
164
162 Trusen, Winfried: Von den Anfängen des Inquisitionsprozessen, S56 163Ebenda, S57 164 Ebenda, S 74
S.73.
Im Zuge der Ketzerbekämpfung wurden öffentliche Bücherverbrennungen
durchgeführt. Die Verbrennung der Personen auf dem Scheiterhaufen wurde
anfangs aber nur für rückfällig gewordene Ketzer angewandt.165
Auf der Grundlage des Erwähnten führte Papst Gregor IX 1231 das Amt des
päpstlichen Inquisitors ein. Inquisitoren waren unantastbar und konnten sogar
die Weisungen von Bischöfen ignorieren, obwohl anfangs die Kurie eine
Zusammenarbeit zwischen den Bischöfen und den Inquisitoren verlangte. Der
Papst erhielt durch die Inquisitoren nun ein Instrument, mit dem er im Namen
Gottes eine Schreckensherrschaft errichten und Andersdenke zielgenau
verfolgen und bestrafen konnte. Die Ketzerrichter, zu denen Konrad von
Marburg ab Oktober 1231 gehörte, kamen zunächst oft aus den Kreisen der
Dominikaner, sie wurden bald von den Franziskanern tatkräftig unterstützt.
Offiziell wurde Konrad am 11. Oktober 1231 als Inquisitor eingesetzt.166 Er
durfte ab diesem Zeitpunkt als Ketzerrichter wirken und musste nicht mehr nur
als Denunziant arbeiten. Er bekam also die richterlichen Würden und war in
diesen Belangen höhergestellt als die Bischöfe.
Konrad zeichnete offenbar ein kalter Vernichtungswille und rücksichtlose
Zielstrebigkeit aus, darum war er für die Pläne Gregors wie geschaffen. Er
machte auch keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Ketzergruppen;
für ihn war jeder Ketzer ein Feind der Kirche, der bestraft werden musste.
Er hatte einen Freibrief, der ihn mit allen Vollmachten ausstattete und hatte
zusätzlich das Privileg inne, dass es über ihm keine Berufungsinstanz geben
sollte.167 Er konnte ab jetzt Send- und Ausnahmegerichte halten, die nicht unter
weltlicher oder geistlicher Kontrolle standen. Ab dem Jahr 1231 wurde über
nicht reuige Ketzer nur noch die Todesstrafe verhängt und noch am selben Tag
165 Maurer, Wilhelm: Die Kirche und ihr Recht, S166 166 Patschovsky, Alexander: Konrad von Marburg und die Ketzer seiner Zeit, S S70 167 Lea, Charles- Henry: Geschichte der Inquisition im Mittelalter, S377
S.74.
vollstreckt.168 Ab jetzt drohte auch jenen der Tod, die aus Furcht der Ketzerei
abgeschworen hatten. Denen, die bei Ketzerprozessen einen Meineid leisteten,
also eine Aussage machten, die nicht dem Willen der Richter entsprach, drohten
ab jetzt zumindest lebenslange Kerkerhaft. Sie konnten jedoch bei anderen
Gerichten als Zeugen der Anklage auftreten und somit eine Erleichterung ihrer
Strafe erreichen.
Mit diesen Richtlinien wollte Konrad erreichen, dass es für ihn und die Seinigen
leichter wurde, Ketzer aufzuspüren und abzuurteilen, da jeder, wenn er nicht
dem Willen Konrads entsprach, den Tod oder lebenslange Kerkerhaft fürchten
musste und keine Aussicht auf Milderung hatte.
Nach unserem Rechtsverständnis waren seine Gerichte nicht rechtens. Wenn ein
Angeklagter, der in Todesangst war, keine Namen von Anderen angeblichen
Ketzern mehr nennen konnte, nannte ihm Konrad einige Namen, die er selber
anklagen wollte. Widersprach der Untersuchte nicht, so hatte Konrad schon
seine nächsten Opfer. Konrad, aber auch andere Inquisitoren, erzeugten ein
Klima in dem die Menschen einander aus Furcht denunzierten, um nicht
abgeurteilt zu werden. Jeder konnte jeden anzeigen, sogar der Leibeigene seinen
Herren. Jeder versuchte, von sich abzulenken und andere dafür in Konrads
Visier zu rücken. Er hetzte regelrecht die Volksmasse auf und verstand sich
meisterlich darin, seine Kreuzpredigten gegen das Volk zu inszenieren. Er rief
das Volk zur Lynchjustiz auf und das Volk soll Stroh und Feuerholz zu seinen
Predigten bereits mitgebracht haben.169 Dabei handelte es sich oft nicht mehr um
Prozesse im eigentlichen Sinn, sondern bereits eher um Pogrome.
Konrad war bereits am 20 Juni 1227 mit dem Aufspüren von Ketzern beauftragt
worden und sollte diese dann dem Erzbischof übergeben. Er wurde am 12. Juni
1227 das erste Mal von Papst Gregor in einem Brief über die Problematik der
Ketzerei aufgeklärt. In diesem Schreiben gebrauchte der Papst das Verb
168 Kurze, Dietrich: Anfänge der Inquisition in Deutschland, , S161 169 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S299
S.75.
inquiere nicht im engeren prozeßtechnischen Sinn, sondern, dass er Denunzierte
direkt vor ein Sendgericht bringen sollte.
Es ist quellenmäßig nicht belegt, dass Konrad vor 1227 selbstständig gegen
Ketzer vorgegangen war,
170 jedoch soll er schon vor 1227 gelegentlich als
Denunziant von Ketzern aufgetreten sein. Hauptsächlich soll er aber das Kreuz
gepredigt haben.
171 Sein Vorgehen wurde vom Papst gefördert und unterstützt
und er wurde anfangs auch für seine Aufopferung für die Kirche gelobt. Konrad
wurde vom Papst auch von seinen anderen Aufgaben entbunden, damit er sich
voll und ganz auf das Aufspüren von Ketzern konzentrieren konnte. Er konnte
ab jetzt selbst gerichtliche Voruntersuchungen vornehmen, um festzustellen, ob
es sich bei den Angezeigten um Ketzer handelte oder nicht. Er besaß nun auch
das Recht, Exkommunikation und Interdikte auszusprechen. Er erhielt auch
ganz konkrete Anweisungen, wie er mit Leuten zu verfahren hatte, die zur
Kirche zurückkehren wollten. Konrad hatte nun die Macht Ablässe zu gewähren,
eine Macht, die er bald missbrauchte. Denn er gewährte Ablässe nur solchen
Menschen, die immer bei seinen Predigten anwesend waren und ihm bei seiner
Denunzierung von sogenannten Ketzern halfen, je mehr Ketzer die Menschen
anzeigten, desto höher konnten sie also in den Himmel gelangen. Jeder, der zu
seiner Predigt erschien, erhielt einen 20- tägigen Ablass. Falls er sich dann auch
noch aktiv bei der Ketzerverfolgung engagierte, erhielt er einen dreijährigen
Ablass. Einen vollkommenen Ablass erhielten jene, die bei der
Ketzerverfolgung, wie auch beim Kreuzzug, ihr Leben ließen. 172
Konrad konnte weiters die Exkommunikation über Menschen verhängen, die
den Ketzern Unterschlupf gewährten, sie in irgendeiner Art schützten oder
verteidigten oder sie in sonst irgendeiner Weise begünstigten. Er konnte auch
Häretikern, die bereit waren, ihren Lehren abzuschwören, einen Ablass
gewähren. Doch dies kam kaum vor, denn für Konrad stand fest, dass ein Ketzer
170 Förg, Ludwig: Die Ketzerverfolgung in Deutschland unter Gregor IX., S73 171 Ebenda, S74 172 Kurze, Dietrich: Anfänge der Inquisition in Deutschland, S155
S.76.
seine Lehren nur widerrufen würde, um vom Gesetz ungeschoren davon zu
kommen, im Verborgenen aber weiter seinen Prinzipien treu bleiben würde.
Konrad von Marburg hatte jetzt die Macht, gegen jegliche Art von Widerstand
gegen die Kirche mit kirchlichen Maßnahmen vorzugehen, ein Recht, das er
auch in vollem Umfang nutzte.
Der Papst erklärte in dieser Bulle vom 12. Juni 1227, warum er gerade Konrad
für diese Aufgabe vorgesehen habe:
Deine Sorgfalt, durch die du geflissentlich beabsichtigst, häretische Sektierer
„in partibus Teutonie“ ausfindig zu machen, preisen wir im Herrn, weil eine
derartige Pest, je heimlicher sie dahin schleicht umso nachhaltiger den
Weinberg des Herren bei den Einfältigen verwüstet. Damit du aber wirklich
durchgreifend zur Ausrottung der Häresie in diesen Gebieten auftreten kannst,
so geben wir dir, wenn Leute von dir zur Anteilnahme an dieser Tätigkeit
berufen sind, durch apostolischen Brief anheim, dass du mit denen, die du
beigezogen hast und von denen du weißt, dass sie dazu im Stande sind,
sorgfältig und aufmerksam solchen nachforscht, die in den angegebenen
Gebieten mit der häretischen Verworfenheit befleckt sind, damit durch die, die
es angeht, das Unkraut aus dem Acker des Herren ausgerottet werden könne. 173
173 Förg, Ludwig: Die Ketzerverfolgung in Deutschland unter Gregor IX., S72
S.77.
Der Minnike Prozess:
Konrad dürfte das erste Mal Mitte der 20er Jahre des 13. Jahrhunderts mit
Ketzern und Ketzerprozessen in Berührung gekommen sein. Da er als Kleriker
einen besonderen Ruf genossen haben dürfte, wurde er wohl von seinem Bischof
dazu mitgenommen. Dass er allerdings aktiv involviert gewesen sei, ist
quellenmäßig nicht belegt und kann daher nicht bewiesen werden.174
In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre des 13. Jahrhunderts fand der Prozess
gegen den Probst Heinrich Minnike von Goslar statt und sorgte für großes
Aufsehen. Er war schon länger der Häresie verdächtigt und von mehreren
Bischöfen ohne Erfolg ermahnt worden. Heinrich wurde von mehreren
Bischöfen befragt, ob er tatsächlich die von ihm bezeugte Häresie vertrete.
Genauso erging es den Nonnen seines Klosters, die unter Eid befragt wurden.
Das Ergebnis dieser Befragung war ein Predigerverbot für den Prälaten. Er
wurde nach dreitägiger sorgfältiger Befragung für schuldig befunden und aller
seiner Ämter enthoben, weiters erhielt er die Auflage, zu den
Prämonstratenserchorherren zurückzukehren.175 Minnike zeigte sich jedoch
uneinsichtig und weigerte sich, seinen Auflagen nachzukommen, woraufhin er
in den Kerker geworfen wurde.
Minnike wollte seinen alten Posten wiederhaben, ohne jedoch seine Thesen zu
widerrufen, die im Wesentlichen besagten, dass der Heilige Geist der Vater des
Sohnes sei und dass es im Himmel eine größere Herrin als die Jungfrau Maria
gäbe. In seinen Schriften war weiters zu finden, dass er die Ehe verwerfe und
dass der Teufel wieder zur Gnade zurückkehren wolle. Die zuständigen
Bischöfe, die den Fall Minnike untersuchten, holten ihn aus dem Kerker und
nahmen ihm feierlich seine priesterlichen Gewänder ab. Was letztendlich mit
174 Förg, Ludwig: Die Ketzerverfolgung in Deutschland unter Gregor IX., S73 175 Kurze, Dietrich: Anfänge der Inquisition in Deutschland, S140
S.78.
ihm geschah, ist nicht überliefert, er wurde wahrscheinlich zu lebenslanger
Kerkerhaft verurteilt.176
Die Anklage von Geistlichen war nicht selbstverständlich:
Mit den pseudoisidorischen Dekretalen, einer der größten kirchenrechtlichen
Fälschungen des Mittelalters, die allerdings teilweise in das Kirchenrecht
übernommen wurden, galt die Anklage hoher Geistlicher oder Prälaten durch
niedriger gestellte Geistliche oder Laien als verboten. Jedenfalls war es sehr
schwierig sie anzuklagen. Zeugenaussagen waren leicht zu kaufen, jedoch
musste der Ankläger mit der gleichen Strafe wie der Angeklagte rechnen, wenn
seine Beweisführung misslang.177
Doch dies war Konrad egal, so sehr war er von der Idee der Ketzerverfolgung
besessen, dass ihm jedes Mittel Recht war. Es machte für ihn keinen
Unterschied, ob ein Ketzer Geistlicher war oder nicht.
Sein Tätigkeitsbereich war zuerst auf die Erzdiözese Mainz beschränkt und auch
diesen Auftrag bekam er von Gregor IX.178
176 Kurze, Dietrich: Anfänge der Inquisition in Deutschland, S144 177 Trusen, Winfried: Von den Anfängen des Inquisitionsprozessen, S44 178 Werner, Ernst; Erbstößer Martin: Kleriker, Mönche, Ketzer, S375
S.79.
Konrads Kontrahenten:
Konrad trat vollkommen eigenmächtig auf. Er war der Mainzer Inquisitor und
er brauchte sich auch keine Sorgen zu machen. Er übte die bischöfliche
Gerichtsbarkeit mit päpstlicher Unterstützung aus. Doch langsam wurde der
Widerstand gegen Konrad immer stärker. Dabei traten zwei Persönlichkeiten an
seiner Seite, der Erzbischof Sigfrid von Mainz und Ditrich von Trier immer
mehr in den Vordergrund, und versuchten Konrad, von seiner radikalen
Vorgehensweise abzubringen:
„Müssen wir auch diese ablehnende und missbilligende Haltung des deutschen
Klerus zu Konrads Inquisitionsverfahren anerkennen, so ist er doch nicht von
dem Vorwurf frei zu sprechen, dass er ihn und seine Genossen so lange
gewähren ließ, ohne Einspruch dagegen zu erheben und sich bei Gregor IX.
darüber zu beschweren.“179
Die hohen Kirchenfürsten konnten aber nichts gegen ihn ausrichten und mussten
sich sogar entschuldigen, da sie versucht hätten, einen Bruch in der Beziehung
von Konrad und Papst Gregor herbeizuführen.
Konrad konnte nur das ganze Jahr 1232 fast uneingeschränkt wirken, obwohl er
in diesem Jahr öfters von seinem Bischof verwarnt wurde. Er war allerdings so
angesehen und gefürchtet, dass er nicht bei der ersten Verwarnung einen
Verweis erhielt. Konrad ignorierte auch die Ermahnung. Es war auch für die
Kirche unmöglich, sich offen gegen Konrad zu stellen, da sie ja den gleichen
Feind, in Form der Ketzerei, hatte. Ein solches Verhalten des Klerus wäre
kontraproduktiv und würde allenfalls weitere Komplikationen hervorrufen. Die
Bischöfe selbst waren mit genug Macht ausgestattet, um Konrad in die
Schranken zu weisen, oder glaubten dies zumindest. Konrad war ihnen zwar
aufgrund seiner besonderen Befugnisse in manchen Fragen über geordnet,
179 Förg, Ludwig: Die Ketzerverfolgung in Deutschland unter Gregor IX., S76
S.80.
jedoch konnten sie sich 1233 nicht entschließen, eine Zusammenkunft in Mainz
einzuberufen um gemeinsam gegen seine Willkür vorzugehen.
180 Konrad
erkannte auch ihre Autorität an, indem er zu dieser Synode erschien und sich
ihren Vorwürfen stellte. Die Beschlüsse waren aber, wie bereits erwähnt, ohne
Folgen für Konrad.
„Er konnte dies um so eher tun, als er am 29. Oktober 1232 in seiner
Eigenschaft als Ketzerrichter mit denselben Vollmachten ausgestattet und
bestätigt worden war, eine Auszeichnung, die ihm zu teil geworden war, als
schon Klagen über das Vorgehen der Inquisition nach Rom gelangt waren.“ 181
Der Papst forderte nun auch den Erzbischof von Mainz auf, selbst und mit
Vertrauten, durch seine Diözese zu reisen und Häretiker aufzuspüren. Natürlich
sollte dabei ebenfalls nach dem kanonischen Recht vorgegangen werden.
Im Mai 1232 wurden in der Anwesenheit Konrads vier Ketzer verbrannt und in
der Folge noch viel mehr an den Scheiterhaufen geführt, die Zahl lässt sich
heute nicht mehr feststellen. Dabei handelte es sich um Mitglieder aller
gesellschaftlichen Positionen. Er ließ viele Verdächtige ergreifen, darunter
Ritter, Priester, Personen von Rang und Stand, von denen einige widerriefen,
andere dagegen verbrannt wurden.182
Der Ketzerbach in Marburg, der neben dem Hospital Elisabeths liegt, verdankt
seinen Namen dem Wirken Konrads. In diesen Bach wurde die Asche der
verbrannten Ketzer geworfen. An diesem Punkt zeigt sich die Zwiespältigkeit
der Lebenswege Konrads und Elisabeths. Sie hätte diesen Aspekt seines Lebens
sicher nicht gut geheißen und sicher nicht gewollt, dass ein Bach so nah an
ihrem Hospital mit Ketzerverbrennungen und Hinrichtungen in Verbindung
gebracht werden würde.183 Zu Lebzeiten Elisabeths hatte Konrad kaum
180 Förg, Ludwig: Die Ketzerverfolgung in Deutschland unter Gregor IX., S77 181 Braun, Paul: Die Stellungnahme des deutschen Klerus zu dem Inquisitionsverfahren Konrads, S343 182 Lea, Charles- Henry: Geschichte der Inquisition im Mittelalter, S377 183 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S296
S.81.
Hinrichtungen vorgenommen, trotz seiner Vollmachten und seines regelrechten
Eifers beim Aufspüren der Ketzer.
Am 10. Juni erhielt Konrad abermals einen Brief von Papst Gregor IX.
Konrad wird in diesem Schreiben wieder auf Nachrichten von Ketzerei in
seinem Bezirk hingewiesen und der Papst fordert von ihm ein rigoroses
Vorgehen gegen die Häresie. Dieser Brief ist der erste von vier, die Anderen
sind mit 11. 13. und 14. Juni 1233 datiert und enthalten nicht nur
Aufforderungen zur Ketzereibekämpfung, sondern auch Anweisungen, wie er
seine Kreuzpredigten halten sollte, und dass er mehr Leute für die Kreuzzüge
gewinnen sollte. Diese Briefe waren allerdings nicht nur für ihn bestimmt,
sondern es bekamen auch der Mainzer Erzbischof, der Hildesheimer Bischof,
alle Bischöfe der Mainzer Kirchenprovinzen, sowie Kaiser Friedrich II. und
Heinrich VII. Abschriften davon.
184
Konrad wollte sich aber nach wie vor kaum an Vorschriften halten und weigerte
sich, die herrschenden Rechtsnormen einzuhalten. Seine Vorgesetzten, der
Mainzer Erzbischof und Sigfrid von Mainz, versuchten Konrads Verhalten
Einhalt zu gebieten beziehungsweise dieses zu reglementieren. Deshalb wurde
am 13. März 1233 in Mainz erneut eine Synode abgehalten um Bestimmungen
zur Ketzerbekämpfung zu erlassen. Dabei ging es vor allem um das willkürliche
Verhalten und Aburteilen Konrads, mit dem viele in dieser Form nicht
einverstanden waren. Der Bischof musste Konrad einschränken, um wieder
Ruhe in seine Diözese zu bekommen. Konrad zog in allen Teilen der
Bevölkerung durch sein willkürliches Vorgehen, großen Unmut gegen sich und
die Kirche, in deren Namen er auftrat, auf sich.
184 Förg, Ludwig: Die Ketzerverfolgung in Deutschland unter Gregor IX., S80
S.82.
Die Helfer Konrads:
Konrad sollte sich zwei Helfer aussuchen, die er für diese Aufgabe als geeignet
ansah und mit ihnen Ketzer aufspüren und den ordnungsmäßigen Richtern, also
den Bischöfen übergeben, die für die Verurteilung und das Strafmaß
verantwortlich waren. Gregor IX. meinte, dass er effizienter gegen die Häresie
vorgehen könnte, wenn er über Hilfe verfügte.
Konrad wählte Konrad Torso, genannt Tors, einen Dominikaner, sowie
Johannes mit dem Beinamen Iuscus, der höchstwahrscheinlich ein Laie war,
dem ein Auge und eine Hand fehlten und der als Schurke und Bandit verschrien
war. Konrad Torso soll ein geläuteter Ketzer gewesen sein, der ohne besonderen
Auftrag durch das Land zog, um es von Irrlehren zu befreien.185
Die beiden behaupteten, Ketzer erkennen zu können, indem sie ihnen nur in die
Augen zu sehen bräuchten, um ohne weitere Prüfung zu wissen, ob die der
Häresie Bezichtigten schuldig waren oder nicht. Sie denunzierten also, wie es
ihnen gerade beliebte. Schon davor waren sie als selbsternannte Inquisitoren im
Rheingebiet unterwegs gewesen. In den Wormser Analen steht über sie
geschrieben:
„Das entsprach nicht der Heiligen Schrift, und der Klerus war allerorten sehr
betrübt. Sie verurteilten viele, welche in der Todesstunde selbst in der Mitte des
Scheiterhaufens noch aus ganzem Herzen unseren Herren Jesus Christus und
die Hilfe aller Heiligen laut anriefen.“ 186
Bevor die beiden Konrad trafen, hatten sie eigenständig die Ketzerverfolgung
betrieben. Erst als der Klerus auf ihr Treiben aufmerksam wurde und Kritik an
ihnen äußerte, schlossen sie sich Konrad von Marburg an. Torso und Johannes
waren allerdings selbst in kirchlichen Kreisen mehr als umstritten da, sie vom
185 Lea, Charles- Henry: Geschichte der Inquisition im Mittelalter, S378 186 Zitiert nach: Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S300
S.83.
Papst nicht zur Ketzerbekämpfung bevollmächtigt und erst nach dem
Zusammenschluss mit Konrad die Verfolgung von Ketzern betreiben durften,
allerdings dürfte zumindest Konrad Torso einem Predigerorden angehört
haben.187 Sonst ist über die zwei Gehilfen Konrads nicht viel überliefert, da sein
Wirken im Vordergrund des Interesses der Chronisten stand. Konrad war
allerdings nie allein tätig. Er war vielmehr ein Teil einer größeren Gruppe von
Predigern, deren genaue Anzahl aber nicht überliefert ist.188 Es sind nur einige,
wie der Regensburger Dominikanerprior Burkhard, dessen Mitbruder
Theodorich und mehrere Prioren oder Superprioren des Friesacher
Dominikanerkonvents, mit Namen belegt.189
Darüberhinaus gab es zahlreiche Geistliche, höheren und niederen Ranges, die
zu Würdenträgern und Leitern der Sendgerichte bestellt wurden, um das
Kirchenrecht zu vertreten.
Sie forderten die Gerichtsinstanzen auf, dies auch so anzuerkennen. In den
Analen der Stadt Worms wurde dies mit einem Satz beschrieben: „Dies sind
Häretiker, wir ziehen unsere Hände von ihnen ab.“190
Das „Triumvirat“, Konrad und seine beiden Helfer, zog nun durch das Land,
um Ketzer aufzuspüren und verbrennen zu lassen. Die Gruppe ging dabei
strategisch brillant vor, indem sie dem König Heinrich VII. versprach, vor
allem reiche Häretiker aufzuspüren und deren eingezogenes Vermögen zur
Hälfte dem Bischof und zur anderen dem König zukommen zu lassen. Bis zu
diesem Zeitpunkt war es so, dass das Erbe entweder an den Lehnsherrn oder an
die Erben ging. Sie informierten außerdem kontinuierlich den Papst über die
wüsten Ketzerpraktiken und den vorherrschenden Teufelskult und schürten
dadurch die Angst im gesamten Klerus.
187 Kurze, Dietrich: Anfänge der Inquisition in Deutschland, S166 188Hergemöller, Bernd-Ulrich: Krötenkuss und schwarzer Kater. Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der
inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts, S3
189 Förg, Ludwig: Die Ketzerverfolgung in Deutschland unter Gregor IX., S94 190Annales Wormatienses zitiert nach: Hergemöller, Bernd-Ulrich: Krötenkuss und schwarzer Kater. Ketzerei,
Götzendienst und Unzucht in der inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts, S4
S.84.
Durch diese Bestechung konnten sie anfangs machen was sie wollten.
Deswegen wollte der Papst sicherstellen, dass das von ihm als äußerst gefährlich
eingestufte Ketzerwesen nicht ausuferte und mit größter Sorgfalt bekämpft
werden sollte und Konrad, seine Helfer sowie der gesamte Dominikanerorden
waren dafür das richtige Instrument.
Ihre Vorgehensweise wird in den Wormser Analen so beschrieben: „Sie ließen
in den Städten und Dörfern verhaften, wen sie nur wollten, und übergaben ohne
allen weiteren Beweis diese Leute den Richtern. Diese waren dann genötigt
diese zu verbrennen.“191
191 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S300
S.85.
Die Luciferianer:
Der Ketzergedanke war allerdings nicht neu und war schon länger vor dem
Wirken Konrads aktuell. Jesus Christus selbst hatte in seiner Bergpredigt vor
falschen Propheten gewarnt.192
Andere wurden beschuldigt, zur Wiedertaufe aufgerufen zu haben, die
Eucharistie zu missachten, die Weihe von Priestern in Frage zu stellen oder das
Freitags- und Feiertagsgebot zu missachten oder zu übertreten.193
Konrad griff dabei den Begriff der Luciferianer wieder auf. Dies waren
einfache Menschen, meist Bauern, denen vorgeworfen wurde, sich in Kellern
und anderen versteckten Räumlichkeiten zu treffen, um den Teufel in Form
eines Katers anzubeten, ihn von hinten zu küssen und sexuelle Handlungen mit
ihm zu vollziehen.194 Für Konrad verehrten Luziferianer das Wesen, das für ihn
das Böse verkörperte und Gott verachtete. Er glaubte auch, dass sie Blutopfer
an anderen Menschen vollzogen. In seinen Augen sahen sie Gott als
Unterdrücker, da er die Menschen mit seinen Dogmen belegte und Menschen
die Erkenntnis verweigerte, da er Adam und Eva verboten hatte, den Apfel der
Erkenntnis zu essen. Sie gehörten zu den vielen Gruppen, die Konrad aufzählte,
um im Volk die Angst vor der Rückkehr des Bösen zu verbreiten. Der Begriff ist
oft auf die Ketzer übertragen worden.
Konrad sandte Papst Gregor eine ausführliche Schilderung über die Gebräuche
der Luciferianer:
Wenn ein Neuling in die Sekte aufgenommen wird und zum ersten Male an einer
Versammlung beiwohnt, so erscheint ihm eine Kröte, die er entweder auf das
Hinterteil oder den Mund zu küssen hat. Wählt er diesen, so legt ihm das Tier
192 Matth. 7, 15 193 Hergemöller, Bernd-Ulrich: Krötenkuss und schwarzer Kater. Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der
inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts, S5
194 Ebenda, S9
S.86.
etwas in den Seinigen. Bisweilen sieht das Tier aus wie eine Gans oder eine
Ente, bisweilen ist es aber auch so groß wie ein Backofen. Dann kommt ein
Mann auf ihn zu, wunderbar bleich, mit den schwärzesten Augen der Welt und
so mager, als ob er nur aus Haut und Knochen bestände. Diesen küsst der
gleichfalls auf die eiskalte Haut, und mit diesem Kuss ist jede Erinnerung an den
katholischen Glauben aus seinem Herz verschwunden. Alsdann setzen sich alle
Teilnehmer zu einem Mahle nieder, worauf von einer stets gegenwärtigen Statue
eine schwarze Katze, so groß wie ein Hund, mit gesenktem Schwanz herabsteigt.
Sie geht rückwärts, und ihr Hinterteil wird zuerst vom Neuling, dann von dem
Meister der Versammlung und schließlich von allen, die würdig und vollkommen
sind, geküsst, während die Unvollkommenen und die, die sich unwürdig fühlen,
den Frieden vom Meister empfangen. Darauf nimmt jeder seinen Platz ein,
Lieder werden gesungen und der Meister fragt seinen nächsten Nachbaren: „
Was bedeutet das?“, worauf der Angeredete antwortet: „ Den höchsten
Frieden“, und ein Anderer fügt hinzu: „ Und das wir gehorchen müssen.“ Dann
werden alle Lichter ausgelöscht, und ein wechselseiter Geschlechtsverkehr
findet statt, worauf alle Lichter wieder angezündet und die Plätze wieder
eingenommen werden. Daraufhin tritt aus einer dunklen Ecke ein Mann hervor,
der von Kopf bis zu den Hüften wie die Sonne scheint, aber von den Hüften
abwärts schwarz ist wie die Katze. Der Meister ergreift einen Zipfel von der
Kleidung des Neulings, hält ihn denselben hin und sagt:“ Meister, ich gebe, dir
was ich empfangen habe,“ worauf der leuchtende Mann antwortet:“ Du hast
mir gut gedient, du wirst mir noch mehr und noch besser dienen; ich überlasse
deiner Sorge, was du mir gegeben hast.“ Darauf verschwindet er. Jedes Jahr
um Ostern empfangen die Angehörigen der Sekte die katholische Hostie, tragen
sie im Mund nach Hause und speien sie in die Abortgrube aus, um damit ihre
Verachtung über den Erlöser auszudrücken. Sie behaupten, Gott habe Satan
ungerechter- und verräterischer weise in die Hölle geworfen. Dieser sei der
Schöpfer aller Dinge. Am Ende werde er Gott überwältigen und allen die
S.87.
Seligkeit bringen. Was Gott gefalle, müsse vermieden, was er hasse, geliebt
werden. 195
Das Schreiben verfehlte nicht seine Wirkung und der Papst beauftragte am 10.
Juni 1233 Konrad, einen Kreuzzug gegen die Luciferianer zu predigen. Der
Erzbischof von Mainz, der Bischof von Hildesheim, der Kaiser und sein Sohn
erhielten den Auftrag, die Ketzer auszurotten. Durch das Bild, das Konrad so
entworfen hat, gelang es ihm, alle Bevölkerungsgruppen zu verunsichern. Dabei
handelte es sich nicht nur um die einfachen und ungebildeten Menschen,
vielmehr gelang es ihm auch, den Adel und selbst den Papst ängstlich gegen die
Häretiker zu stimmen.
Ab 1231 wurden Konrads Mittel und Wege der Verfolgung immer radikaler.
Bis zu seinem Tod führte er, der homo rigidus et austerus ein regelrechtes
Gewaltregime ein, das es seit der Christenverfolgung Neros oder der unter
Decius. nicht mehr gegeben hatte.196 Die Anfänge der Inquisition im
mittelalterlichen Deutschland nehmen einen besonderen Platz in der
Geschichtsforschung ein, da Konrad der erste Ketzerjäger mit päpstlich
delegierter Sondergerichtsbarkeit war.197
Heutzutage jedoch wird sein Wirken sehr kontrovers beurteilt. Manche, wie
etwa Alexander Patschovsky, versuchen sein Wirken in einem positiven Licht
zu beurteilen und gewisser Maßen zu verteidigen, indem sie meinen, dass sein
Vorgehen in seinen Ketzerprozessen die zwangsläufige Folge des Wirkens
ketzerinquisitorischer Ausnahmegerichtsbarkeit war, in deren Wahrnehmung
Konrad die Regeln des neuen, processualiter noch unerprobten
Ketzerinquisitionsverfahrens konsequent angewendet hat, dabei an die Grenzen
195 Zitiert nach: Lea, Charles- Henry: Geschichte der Inquisition im Mittelalter, S379- S381 196 Patschovsky, Alexander: Konrad von Marburg und die Ketzer seiner Zeit, S70 197 Segl, Peter: Zur Einführung; in Die Anfänge der Inquisition im Mittelalter, S31
S.88.
von dessen prozessrechtlichen Möglichkeiten gegangen ist, nicht aber darüber
hinaus.198
Andere Historiker, wie zum Beispiel Peter Segl, meinen, dass es in seinen
Prozessen ganz klare Rechtsbrüche und Unregelmäßigkeiten gegeben habe und
dass sich Konrad nicht an die gegebene Rechtssprechung hielt, im Gegenteil
nach eigenem Ermessen urteilte und strafte.199
Konrad ließ nicht nur Ketzer sondern auch unschuldige Christen auf den
Scheiterhaufen verbrennen. Denn seine Prozesse ließen den Angeklagten keine
Chance, ihre Unschuld zu beweisen. Er arbeitete mit Suggestivfragen, also mit
Fragen, bei der der Befragte durch die Art und Weise der Fragestellung so
beeinflusst wird, dass seine Antwort bereits vorherbestimmt war. Dabei wird der
Angeklagte so unter Druck gesetzt, dass er die Frage nicht richtig beantworten
kann.200
198 Patschovsky, Alexander: Zur Ketzerverfolgung Konrad von Marburgs, S641-643 199 Segl, Peter: Zur Einführung, S32 200 Oberste, Jörg: Ketzerei und Inquisition im Mittelalter, S97
S.89.
Konrad von Marburg gegen den Adel:
Konrad nahm auch keine Rücksicht auf die gesellschaftliche Stellung seiner
Angeklagten. Für ihn und für seine zwei Mitstreiter, waren materielle Werte
irrelevant, da es ihm ausschließlich um den Kampf gegen die Ketzerei ging. Es
war sein persönlicher Kreuzzug, dem er genauso, wenn nicht sogar
konsequenter nachging, als der Bestrafung Elisabeths, im Rahmen seiner sich
gestellten Aufgabe der Seelenführung.
Er zog jeden vor sein Tribunal, wie es ihm beliebte. Dadurch zog er den Unmut
aller gesellschaftlichen Schichten, egal ob arm, reich oder adelig auf sich. Er
manipulierte Zeugen mit der Drohung, sie selbst als Ketzer vor das Tribunal zu
stellen und dann zu den schlimmsten Strafen zu verurteilen. Als er allerdings
den Grafen von Solms der Ketzerei bezichtigte, ging er einen Schritt zu weit und
begann seine Kompetenzen zu überschreiten. Er ließ ihn als Ketzer verurteilen
und den Kopf zu einer Glatze scheren, wobei jeder sehen konnte, dass der Graf
als Ketzer verurteilt worden war.
Was Konrad nicht bedacht hatte war, dass der Adel sich insgesamt besser gegen
die Unterstellungen Konrads wehren konnte als das gemeine Volk.
Bisher hatte er Menschen der unteren Stände, vor seine fragwürdigen Gerichte
gebracht. Diese Menschen hatten keine Chance ihre Unschuld, zu beweisen und
wurden daher immer verurteilt. Er war seiner Sache daher sehr sicher und ging
keinem, seiner Gegner mehr aus dem Weg.
Zuerst klagte er eine adelige Frau an, die Gräfin von Loz. Von dem Prozess
sind allerdings keine original- Quellen überliefert. Wir wissen nur über die
Historiographie davon. Es wird vermutet, dass es sich dabei um die Adelheid
von Henneberg gehandelt haben dürfte.201
201 Hergemöller, Bernd-Ulrich: Krötenkuss und schwarzer Kater. Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der
inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts, S7
S.90.
Beim Prozess gegen den mächtigen Grafen Heinrich III. von Sayn wurde
Konrad das erste Mal gezeigt, dass selbst ihm Schranken gesetzt waren. Der
Graf galt als ein guter Katholik und war als eifriger Sohn der Kirche bekannt.
Sogar der Erzbischof versuchte Konrad von seinem Vorhaben abzubringen und
hielt ihn an, sich dem Grafen gegenüber maßvoll und korrekt zu verhalten. Doch
Konrad soll nur geantwortet haben:
„ Diese sind so schuldig, wie ich sage, und ich war dabei, als sie in ihren
Ketzerschulen waren.“ 202
Dies zeigt, dass Konrad regelrecht besessen von dem Gedanken war, das Reich
von der Ketzerei zu säubern. Konrad machte dabei nicht wirklich einen
Unterschied zwischen Schuldigen und Unschuldigen. Er handelte vielmehr nach
der Devise, dass es besser wäre neunundneunzig Unschuldige zu verbrennen,
als einen Ketzer ungeschoren davon kommen zu lassen. Falls sich jedoch
wirklich einmal die Unschuld eines Verbrannten herausstellte, wurde dem
versehentlich Verbrannten die Krone des Märtyrers zuteil.203
Man kann sich daher die Frage stellen, inwieweit Konrad nicht Opfer seiner
eigenen Verblendung war. Es scheint mir geradezu, dass er spätestens jetzt dem
Wahnsinn verfallen war. Er verzichtete komplett auf den Schein eines
Gerichtsverfahrens und übergab den Vorverurteilten ohne eine Anhörung gleich
der weltlichen Gerichtsbarkeit. Er war in einem regelrechten Blutrausch
gefangen, den das Flehen und Schreien der Sterbenden nur weiter voran trieb.204
Sein Wirken war ein Amoklauf gegen jegliches rationales Denkmuster.
Konrad bezeichnete den Grafen als einen Ketzerführer, der die Dämonen lehre
verbreitete und denunzierte ihn mit folgenden Worten:
202 Hergemöller, Bernd-Ulrich: Krötenkuss und schwarzer Kater. Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der
inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts, S20
203 Ebenda, S81 204 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S300
S.91.
„Der Graf sei auf einem Krebse geritten.“205 Ein solcher Vorwurf gehört zum
Standardvokabular der Ketzerrichter.206
Der Graf ließ sich davon aber nicht einschüchtern und widersetzte sich den
Anschuldigungen Konrads auf das Schärfste. Schließlich gelang es dem Grafen,
den Prozess gegen ihn nach herkömmlichem Verfahrensrecht, an das Gericht
des Königs zu verlegen. Er wollte sich damit der inquisitorischen
Ausnahmegerichtsbarkeit entziehen und gegen Konrad ein Rüge- und
Leumundsverfahren einleiten lassen. Der Graf konnte sich dank der von ihm
präsentierten Leumundszeugen vollständig rehabilitieren. Den Aussagen
Konrads dagegen wurde jegliche Beweiskraft genommen und seine gesamte
Prozessführung fiel in sich zusammen.
Als die Zeugen der Anklage dem Angeklagten in die Augen schauen mussten,
fielen sie alle um und ihre Zeugenaussagen wurden als nichtig erklärt oder sie
widerriefen ihre Aussagen. Konrad hatte auch Zeugen geladen, die dem Grafen
gegenüber eindeutig feindselig eingestellt waren und als offene Feinde vom
Gericht einfach abgelehnt wurden .
207 König Heinrich versuchte neutral zu
bleiben und die Entscheidung zu vertagen und entzog Konrad damit die
Gerichtsbarkeit. Er soll sich zu dem Grafen gewandt und gesagt haben:
„Graf Sayn geht von hier zurück als ein gut katholischer Mann und als nicht
überführt.“208
Das wollte aber weder der Graf von Sayn, der befürchtete, dass das Verfahren
gegen ihn neu aufgenommen werden könnte, noch Konrad, dem bewusst war,
dass er eine gewaltige Niederlage einstecken müsste, was er unter allen
Umständen zu verhindern versuchte, akzeptieren.
205 Ebenda, S295 206 Kurze, Dietrich: Anfänge der Inquisition in Deutschland, S168 207 Patschovsky, Alexander: Konrad von Marburg und die Ketzer seiner Zeit, S71 208 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S303
S.92.
Das Ende des Triumvirates:
Konrad konnte sich seine Niederlage nicht eingestehen und wollte ohne
Rücksicht auf Verluste eine Neuaustragung erreichen, obwohl jeder erkannte,
dass dieses Verfahren offensichtlich illegal war und ohne jegliche rechtliche
Grundlage von Seiten Konrads geführt worden war. Er ließ jedoch nicht locker
und soll beim Prozess zu sich selbst gesprochen haben:
“ Ich würde ihn schon zum Geständnis bringen, und dann herrschen andere
Verhältnisse.“209
Konrad hatte seine erste empfindliche Niederlage erlitten und diese öffentlich
vor dem königlichen Gericht. Er wollte allerdings sein Opfer haben und konnte
sich damit nicht im Geringsten anfreunden, da dies auch Grenzen aufgezeigt
hatte, die er nicht akzeptieren wollte. Noch in Mainz begann er öffentlich gegen
den Grafen und andere vermeidliche Ketzer zu predigen.
Letztendlich einigte man sich auf die Bitte des Grafen hin, eine Delegation
geistlicher Würdenträger nach Rom zum Papst zu schicken, um die Namen und
die Rechte des Grafen zu verteidigen.
Dies war gegen die Prinzipien Konrads und er verließ darauf hin mit einem
Begleiter, dem Franziskanermönch Gerhard Lützelkolb den königlichen Hof um
nach Marburg zurück zu kehren. Gerhard Lützelkolb war nicht wie Konrad
Magister, sondern wird socius genannt und soll als Laienprediger durch die
Lande gezogen sein, es war dies derselbe Bruder Gerhard, der Elisabeth und
Irmgard im Kloster Altenberg geißelte, während Konrad den 51. Psalm sang.210
Sogar auf dem Weg nach Hause konnte Konrad es nicht lassen, die
Bevölkerung zum Kreuzzug gegen die Häresie aufzurufen. Der König teilte ihm
209 Hergemöller, Bernd-Ulrich: Krötenkuss und schwarzer Kater. Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der
inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts, S15
210 Kurze, Dietrich: Anfänge der Inquisition in Deutschland, S164
S.93.
mit, dass es für seine persönliche Sicherheit ratsam wäre, sich still zu
entfernen. Der König als auch der Erzbischof von Mainz baten ihm bewaffneten
Geleitschutz an, den er aber ausschloss und er nahm nur einen Schutzbrief an.211
Am 30. Juli 1233, ungefähr fünf Kilometer von seinem Zuhause in Marburg
entfernt, wurden Konrad und sein Begleiter von Unbekannten erschlagen. Der
genaue Tatort war die Hofkapelle in der Gemeinde Beltershausen.212
Im Angesicht des Todes soll sich das wahre Gesicht Konrads gezeigt haben. Er
soll am Boden gelegen und um Gnade gebettelt haben. Er soll voll Angst
geweint haben. Dies ist das erste Mal, dass von einem weinenden Konrad
berichtet wird.213 Doch kurz vor seinem Ableben soll er um sein eigenes Leben
gebettelt haben. Er der unzählige Menschen mitleidlos getötet hatte, bettelte um
sein Leben. Doch die Attentäter kannten genauso wenig Mitleid, wie es Konrad
gekannt hatte. Ein Attentäter soll ausgerufen haben:
„ Schlagt ihn tot den Grausamen; er hat auch mit niemanden Erbarmen
gehabt.“214
In den Wormser Analen steht weiters geschrieben, dass die Attentäter den
Bruder Gerhard zunächst verschonen wollten, da er mit den Morden und den
Hinrichtungen nichts zu tun hatte. Er soll den leblosen Körper Konrads jedoch
so umklammert haben, dass man ihn nicht von ihm losreißen konnte.
„Und weil sie während ihres ganzen Lebens sich so geliebt hatten, sind sie auch
nicht in ihrem Tode getrennt worden.“215
Der Tod Konrads war ein unrühmlicher, im Gegensatz dazu war der von
Elisabeth ein Triumph der Liebe über allen irdischen Kummer und Leid.
211 Lea, Charles- Henry: Geschichte der Inquisition im Mittelalter, S386 212 Kurze, Dietrich: Anfänge der Inquisition in Deutschland, S15 213 Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S305 214 Zitiert nach: Busse- Wilson, Elisabeth: Das Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, S305 215 Ebenda,S305
S.94.
Konrad wurde mit Bruder Gerhard neben Elisabeth in der Hospitalskapelle
beigesetzt. Die Deutschordensbrüder ließen an dieser Stelle eine Sühnekapelle
errichten, die einige Jahre nach dem Tod Konrads fertig war. Dorthin wurden
dann nicht nur Elisabeths Gebeine überführt sondern auch die Konrads und
Bruder Gerhards.
Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den Mördern Konrads um den Grafen
von Sayn selbst oder andere Adelige handelte, die ihm nahe standen und selbst
fürchteten, dass ihnen wegen des Verdachtes auf Ketzerei der Prozess gemacht
werden könnte. Seinen gnadenlosen Gehilfen Konrad Torso und Johannes
Iuscus soll es nicht besser ergangen sein.
216 Sie wurden nur wenige Tage nach
der Ermordung Konrads ebenfalls ermordet. Konrad Torso wurde in der Nähe
der Stadt Straßburg erschlagen aufgefunden und Johannes bei Friedberg von
einem Lynchmob aufgehängt.217
Die Gesandtschaft, die ohne das Wissen über den Tod Konrads von Marburg
inzwischen in Rom angekommen war um sich über die Vorgangsweise des
Magisters zu beschweren, konnte erreichen, dass Papst Gregor IX ihnen
versprach, dass Verfahren für ungültig zu erklären. Kurz darauf allerdings traf
auch Konrad Torso beim Papst ein und klärte diesen über das gewaltsame
Ableben Konrads auf. Sein eigener Tod sollte ihn wenig später nach seiner
Rückkehr aus Rom ereilen. Der Papst reagierte äußerst erbost über den Tod
seines Inquisitors und befahl die Exkommunikation der Schuldigen, auch wenn
diese nicht bekannt waren. Seine Worte waren:
„ Warum ihr Prälaten wollt den grausamen von den Söhnen der Finsternis
erschlagenen Magister Konrad von Marburg, den Brautführer der Kirche und
den Diener des Lichtes, nicht beweinen? Der mit dem Bellen seiner Zungegleichsam als Hirtenhund seines Herren- die starken Wölfe erzittern ließ? Wer
216 Lea, Charles- Henry: Geschichte der Inquisition im Mittelalter, S388 217 Annales Wormatiensis zitiert nach Hergemöller, Bernd-Ulrich: Krötenkuss und schwarzer Kater. Ketzerei,
Götzendienst und Unzucht in der inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts, S70
S.95.
legte in dieser Zeit größeren Eifer an den Tag, um die Freiheit der Kirche und
die Reinheit von Mann und Frau zu verteidigen als der, der den Israeliten
zusammen mit der midianitidischen Frau mit einem einzigen Speer durchbohrte
und den Opferdiener der Götzenbilder erschlug?“218
218 Hergemöller, Bernd-Ulrich: Krötenkuss und schwarzer Kater. Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der
inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts, S17
S.96.
Konrads Nachlass:
Für Papst Gregor IX war dies ein weiterer herber Schlag, da er bereits zuvor
einen anderen hochrangigen Kleriker, Bischof Berthold I. von Helfenstein,
durch Mord verloren hatte. In einem Brief der Bulle Vox in Rama am 23.
Oktober 1233 befahl er ausdrücklich die Exkommunikation aller Mörder
Konrads und ein lokales Interdikt gegen alle deren Güter auszusprechen,
außerdem rief er zu einem Rachefeldzug auf.
219 Die übrigen Bischöfe hatten
sich mittlerweile von dem Kreuzzug gegen die Häresie distanziert. Sie berieten
sich gerade mit dem Papst, als die Opfer Konrads von Marburg in diese
Konferenz platzten. Unter ihnen war Graf Heinrich von Solms, der sich bei
seinem Prozess gegenüber Konrad von Marburg schuldig bekannt hatte und
kahl geschoren worden war. Er trug das Kreuz vor sich und legte laut das
Zeugnis seiner Unschuld ab. Durch diesen Auftritt begannen die anderen
Bischöfe ebenfalls um ihr Leben zu fürchten und am 6. Februar wurden
Heinrich von Solms und der Graf von Sayn vor den Toren Frankfurts feierlich
rehabilitiert.
Dem Grafen von Sayn und den anderen Adeligen wurden ihre Besitztümer
wieder zurück gegeben und ihr guter Ruf wurde wieder hergestellt. Den
Lügnern, die falsch gegen den Grafen ausgesagt hatten, wurde eine
siebenjährige Buße auferlegt. Sie wurden auch zum Reinigungseid zugelassen
und die Einhaltung des Rechts bei Ketzergerichten wurde von da an streng
beobachtet.220
Dabei wurde endgültig ein Schlussstrich unter die Schreckensherrschaft Konrads
von Marburg gezogen und der Ruf der Adeligen war wieder hergestellt.
219 Lea, Charles- Henry: Geschichte der Inquisition im Mittelalter, S392 220 Kurze, Dietrich: Anfänge der Inquisition in Deutschland, S177
S.97.
Bewertung:
Nach seinem Tod, begann der Klerus zu verstehen, was Konrad mit seinem
willkürlichen Verhalten alles angerichtet hatte. Er wurde am 2. Februar 1234 in
Frankfurt von fünfundzwanzig Bischöfen fast einstimmig wegen seiner
Vorgehensweise verurteilt. Bei dieser Gelegenheit wurde eine lange Reihe von
Unglücklichen angehört, die von Konrad als Ketzer gestraft und grausamst
behandelt wurden. Die Schilderungen der angeblichen Ketzer riefen großen
Unmut bei den anwesenden Geistlichen hervor. Einer soll sogar gefordert haben,
Konrad auszugraben und nachträglich zu exkommunizieren. 221
Die Zahl der Opfer Konrads kann man heute nur noch erahnen. Es wird aber von
einigen tausend ausgegangen, die Konrad in seiner knapp zweijährigen Tätigkeit
als Inquisitor in den Tod geschickt haben soll.222 Die Kirche hatte prinzipiell
straffe Verfahren entworfen, nach welchen die Prozesse ablaufen sollten. Das
Volk war durch das Treiben Konrads verunsichert und mit dem Handeln des
Klerus und der Kirche äußerst unzufrieden.
Konrad, der sicherlich Schuld am frühen Tod seiner Schutzbefohlenen trug,
ging als ein skrupelloser Mensch in die Geschichte ein. Er stand sicher in seiner
Lebensform, die er von sich und davon ausgehend für andere forderte, absolut in
der Religiosität seiner Zeit. Die Religiosität des Mittelalters, die radikalen
Formen der Einforderung der Ideale kann man sicherlich nicht mit der heutigen
Zeit verglichen, trotzdem ist er meiner Meinung nach zu weit gegangen.
Er hat das ihm gegebene Vertrauen aller missbraucht, um seine Ideen, wie man
besser und schneller zu Gott, in die Herrlichkeit Gottes gelangen konnte, zu
verbreiten. Seine Interessen waren ihm wichtiger als die Säulen der Religion,
wie die Nächstenliebe. Sein Wirken war durch falsche Anschuldigungen und
221 Lea, Charles- Henry: Geschichte der Inquisition im Mittelalter, S389 222 Ebenda, S393
S.98.
Lügen gekennzeichnet. Im Gegensatz dazu steht die heilige Elisabeth, die unter
seiner Führung, die Ideale der Religiosität des Mittelalters und insbesondere die
Ansichten der Bettelorden verkörperte und lebte. Er war sicher ein wichtiger
Bestandteil des Lebens und nahezu ein Motor des Wirkens Elisabeths, die ohne
seine Führung sicher nicht das geworden wäre, was sie verkörpert. Konrad
brachte viel Leid über die Mitmenschen seiner Zeit. Ein Großteil seines
Verhaltens ist für uns heute kaum nachvollziehbar, selbst dann nicht, wenn man
die eigene Lebenswelt im Glauben verankert sieht. Man darf jedoch nicht
vergessen, dass das Mittelalter mit heute, kaum zu vergleichen ist und wir nicht
mehr von dem hohen Grade, wie damals die Religion im Alltag des Menschen
bestimmte, ausgehen dürfen und müssen.
Trotzdem geht Konrad von Marburg als eine tragische Person in die Geschichte
ein, die für den Tod unzähliger Menschen verantwortlich ist. Seine
Schutzbefohlene hingegen ist als Heilige in die Geschichte eingegangen, wie er
es immer wollte.
So kann abschließend gesagt werden, dass er wenigstens mit der Kanonisation
Elisabeths Erfolg hatte. Das gibt allerdings nicht die Leben zurück, die er
zerstört und oft auch genommen hat.
S.99.
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S.112.


Ora il punto di vista di Steiner concorda con l’analisi del problema del popolo Freigeld: vedeva decisamente il vantaggio del denaro rispetto ai beni minacciati dal deterioramento. 
