geweihte Nacht – und wenn das 5 Lichtlein brennt… – Version 2

Und nichts.

Der Raum war sonst leer.

„Du hast mir gefehlt!“

Worte von Damals! Das sagte Sie als beide voneinander ließen, um nach ihrem ersten Kuss wieder zu Atem zu kommen. „Wir gehen!“ sprach er und zog sie mit sich raus auf die Tanzfläche. Weiter zum Eingang und letztendlich auf den Bürgersteig vor dem Club!

Erst da wurde ihm klar, dass er sie gar nicht hinter sich mitziehen musste. Sie war mit ihm Seite an Seite hinausspaziert und schaute ihn nun erwartungsvoll an. Sie lächelte. Er lächelte zurück. Worte waren nun überflüssig.

Er ging nun mit ihr zu seinem Auto und führen zu ihm. Denn er wollte sich nicht in ein gebrauchtes Bett legen. Die ganze Fahrt über sagte keiner ein Wort. Es schien, als ob beide zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt waren oder den Moment nicht mit Tatsachen zerstören wollten.

Genauso stumm gingen sie die Treppe hinauf, die zu seiner Wohnung führte. Selbst in seiner Wohnung bleiben sie still und gingen Hand in Hand in sein Schlafzimmer. Er wollte sie nicht loslassen. Nie wieder.

Sie hatten eine wundervolle Nacht zusammen verbracht und einen wundervollen Morgen mit einem tollen Frühstück. Es hatte sich angefühlt, als wäre es nie anders gewesen.

Womit allerdings keiner gerechnet hatte, dass war die Eifersucht.

Nun waren alle Kerzen in der ehemaligen Disco, die seit etlichen Jahren verlassen war, ausgebrannt. Ihre Überraschung von damals, lag noch immer auf der Matratze zusammen mit den toten Blüten. Und viele Jahre ist er hierher zurück gekehrt.

Er nahm nun seinen Rucksack vom Rücken und öffnete ihn. Dann entnahm er, seine Handschuhe noch angezogen, eine Orchideenpflanze heraus. Nach und nach pflückte er eine Blüte ab und legte diese auf die Matratze zu den anderen. Den Rest der Pflanze stellte er in die Ecke zu den anderen toten Stängel in der rechten Ecke des Raumes.

Er wusste, jetzt mit der Baustelle könnte er noch Probleme bekommen. Heute wollte er nur nicht drüber nachdenken. Heute war sein Abschied. Sein letzter.

Nachdem seine Arbeit getan war ging er wieder so leise heraus, wie er hereingeschlichen ist und ging zum Wagen.

Auf dem Rückweg spielte Hitten mit Lady Killer.

Version 1 folgt, im neuen Jahr…vielleicht.

geweihte Nacht – 4. Advent

geweihte Nacht – 1. Advent

geweihte Nacht – 2. Advent

geweihte Nacht – 3. Advent

Der VIP-Bereich. Der erste Kuss. Er lächelte wieder bei dieser neuen Erinnerung.

Der VIP-Bereich war eigentlich nur ein kleiner Raum, etwas erhoben von der Tanzfläche. Anfangs diente es lediglich nur als Abstellkammer und als DJ-Pult für den DJ. Irgendwann hatte ein neuer Besitzer diesen Raum mit zwei Sitzecken ausgestattet den DJ-Pult aufgewertet und es als VIP-Bereich samt davor stehendem Bodyguard ernannt.

Damals hatte sie sich auch nicht lange bitten lassen, als einer der DJ’s sie auserkoren hatte und sie zum VIP-Bereich einlud. Ganze drei Monate waren sie ein offizielles Pärchen. Und wie stets war er immer dabei und saß auch an diesem Abend mit ihr im VIP-Bereich, während ihr Freund auflegte und die Stimmung auf der Tanzfläche aufheizte.

Es war wieder einer der Tage, an denen seine Geduld am Zenit war. Sie saß neben ihm und erzählte wieder von Dingen an die er sich heute nicht mehr erinnerte. Er wusste nur, dass sie die ganze Zeit lächelte. Sie war glücklich. Und er wollte nicht, dass sie immer noch glücklich mit dem DJ ist. Nach drei Wochen hätte sie sein Herz in tausend Stücke zerreißen sollen. Aber nein, sie war hier und strahlte als wäre die Welt wundervoll und es nichts gebe, was sie noch glücklicher machen würde.

Stattdessen bekam nach drei Monaten ihrer Beziehung mit dem DJ sein eigenes Herz risse. Er wusste, dass er sich bald verabschieden musste, bevor er noch was unverzeihliches tat. Es kostete ihn von Tag zu Tag mehr Kraft gelassen zu bleiben. Und er war zwiegespalten. Auf der einen Seite freute er sich, sie so lange schon glücklich zu sehen. Auf der anderen Seite wollte er derjenige sein, der sie so glücklich machte.

So saßen sie wieder im VIP Bereich und sie strahlte ihn an. Da verlor er die Geduld. Er Griff ihr in den Nacken und zog sie zu sich. Gesicht an Gesicht blickte er in ihre erschrockenen Augen und hielt kurz an sich, um ihr die Möglichkeit zu bieten Nein zu sagen. Stattdessen blickte sie ihm statt in die Augen nun auf seine Lippen. Und da zog er sie noch näher und küsste sie! Wie ein Verdurstender! Lange und ausgiebig!

Treppenabsatz für Treppenabsatz setzte er seinen Weg fort. Dann blickte er in den dunklen  verblichenen VIP-Bereich. Darin war es warm. Ein tragbarer Ofen stand im Bereich des ehemaligen DJ-Pults, wo nun nur noch Kabel raus hingen, und erwärmte den gesamten kleinen Raum. Vier Kerzen auf einem Tisch, der früher vor einer der Sitzgelegenheiten stand, erleuchteten den Raum in einem warmen orangenen Licht. Eine Matratze lag mitten im Raum. Darauf dutzende Orchideenblüten und …

 

geweihte Nacht – und wenn das 5 Lichtlein brennt… – Version 2

geweihte Nacht – 3. Advent

geweihte Nacht – 1. Advent

geweihte Nacht – 2. Advent

Sie tanzte nur zu den langsamen Klängen und stand bei den schnelleren bei mir und trank ihr Getränk. Er wusste noch wie viel sie erzählte. Was sie er erzählte, daran konnte er sich nicht mehr erinnern. Es war auch nicht wichtig. Es war nur ein einzelner Satz wichtig: „Traust du dich mit mir auf die Tanzfläche?“

Er war versucht. Sehr. Wie lang schon wollte er sie in seinen Armen halten. Seine Geduld war am Ende. Er wollte allerdings auch nicht ihr Spielzeug sein. Also er sagte ihr damals nur: „Nein, ich muss mich nicht trauen, weil ich nie mit dir hier tanzen werde. Wenn, dann werde ich dich eher hier auf der Tanzfläche in den Arm schließen und dich so lange vögeln bis du aufgibst!“

Den Schock in den ihren Augen hatte er erwartet. Doch er hätte nicht erwartet, dass sie weiter bei ihm stehen bleibt. Die Atmosphäre war zerstört. Sie stand neben ihm und schaute auf die Tanzfläche genau so wie er. Alles tun nur nicht in die Augen des anderen zu blicken.

Gefühlte tausend Ewigkeiten vergingen dann stieß sie sich von der Reling ab, schwang ihre Arme ein wenig hin und her. Dann stellte sie sich seitlich wie der an die Reling und wartete bis er sie wieder anblickte.

Er hatte sie aus den Augenwinkeln keinen Augenblick verloren und wusste nun dass sie wartete. Mit hochgezogenen Augenbrauen. Herausfordernd. Oje, was hat sie nun schon wieder vor, dachte er sich! Er ließ sie warten und lächelte in sich hinein.

Als er sich nicht bemüßigt fühlte sich ihr zuzuwenden sog sie an seinem Arm um sein Ohr in Reichweite ihres Mundes zu bringen. Dann flüsterte Sie: „Wenn, du es schaffst alle Menschen hier wegzuzaubern, dann darfst du auch versuchen mich zum Aufgeben zu bewegen!“

Verschmitztes Lächeln begleiteten ihre Worte. Das konnte er spüren und aus ihren Worten heraushören. Er war hart geworden bei diesen Worten. Das konnte er nun nach so vielen Jahren endlich zugeben. Sein Kopfkino spielte ihm tausend Bilder vor, in denen er sie in diesem Club nahm und wie sie keuchte und schrie. In etlichen Stellungen. Von nur hochgezogenem Rock bis völlig Nackt.

Doch damals verschwand sie nach diesen Worten einfach wieder auf der Tanzfläche und suchte nach dem nächsten Opfer. Er stand weiter auf der Reling und versuchte seine Bilder im Kopf wieder in die hinterste Ecke zu verbannen. Er brauchte einen kühlen Kopf, sonst würde ihr nächstes Opfer auch sein erstes Opfer!

Heute sah der Club nicht mehr ganz so glamourös aus. An den Wänden mit den Sitzecken lagen die Tische umgekippt herum und die Sitze waren mit Glassplittern der eingeschlagenen Fenster übersäht. Die Theke gegenüber wurde von einem blinden mit Rostflecken versehenen Spiegel auf skurrile Art widergespiegelt. Und war kalt. Eiskalt und ihm wurde es noch kälter ums Herz.

Dann sah er drei Kerzen auf der Treppe, die zum damaligen VIP-Bereich führte. Eine Kerze auf jedem Treppenabsatz.

geweihte Nacht – 4. Advent

 

geweihte Nacht – und wenn das 5 Lichtlein brennt… – Version 2

 

geweihte Nacht – 2. Advent

geweihte Nacht – 1. Advent

Ist es Hoffnung, was ihn grad durchströmt? Vorfreude? Wahrscheinlich immer noch gepaart mit Angst! Denn er wusste wie einfallsreich sie im Schlußmachen sein konnte. Schließlich durfte er ihr dabei lange genug zuschauen, bis sie endlich zueinander gefunden hatten.

Er nahm seinen ganzen Mut zusammen, stand auf und richtete seinen Anzug. Dann losch er wie befohlen die Kerze. Wieder aufgerichtet schaute er sich nochmal in der Wohnung um und überlegte, ob er noch was mitnehmen sollte.

Letztendlich setzte er sich wieder in sein Auto und fuhr los. Der Sehnsucht entgegen. Im Wagen spielte Iron Maidon mit The Number of the Beast. Sein Entschluss stand fest, was auch immer auf ihn in der Hauptstraße 34 warten würde, sie würde er nicht gehen lassen.

15 Minuten später stand er 5 Meter von dem Haus entfernt und erinnerte sich nun wieder, wieso ihm diese Adresse so bekannt vorkam. Vor 7 Jahren war da noch der Eingang zu einem angesagten Club. Nun steht es allerdings leer und zum Abriss bereit. Abriss… schlechtes Ohmen, dachte er sich.

Er griff nach dem Rucksack auf dem Beifahrersitz, schloss die Autotür und marschierte auf die andere Straßenseite zu. Schnell erkannte er auch die Lücke im Bauzaun und schlüpfte seitlich hindurch. Die ehemalige Eingangstür zum Club war nur angelehnt, aber sehr schwergängig und nicht ganz so leicht zu öffnen. Mit ein wenige Gewalt schaffte er es doch und schritt über die Schwelle.

Auch hier erwartete ihn Dunkelheit. Der ganze Raum beleuchtet nur durch die von draußen herein scheinende Straßenbeleuchtung. Irgendwann wurden die geschwärzten Fenster eingeschlagen.

Erinnerungen überlagerten das Bild der Realität. Hier war er mit ihr etliche Male gewesen. Hat sie begleitet und ihr zugeschaut, wie sie einen Mann nach dem anderen erst glücklich und dann mit gebrochenem Herzen zurück gelassen hatte. Und nicht selten musste er wahlweise den Tröster und oder den Beschützer spielen. Keine leichte Aufgabe, wenn man selbst schon so lange auf eine Gelegenheit wartete.

Und genau in diesem Club erhielt er sie auch. Die Gelegenheit. Eines Tages waren sie hier und anders als sonst, tanzte sie allein auf der Tanzfläche und ließ sich von niemandem antanzen. Allen die es versuchten, kehrte sie den Rücken und tanzte von einer anderen Ecke der Tanzfläche aus weiter. Genau hier stand ich, dachte er sich und legte eine Hand auf die Reling, die um die nun dunkle, lediglich von zwei Kerzen beleuchteten Tanzfläche herumführte, und schaute ihr bei ihren lasziven Bewegungen zu.

Bei dieser Erinnerung lächelte er wieder dieses Lächeln. Belustigt und doch traurig über verpatzte Gelegenheiten. Er war nicht feige, doch wollte er auch nicht einer von vielen Sein, die nur einen kurzen Augenblick geniessen durften. Er wollte mehr, er wollte alle ihre Augenblicke miterleben. Also stand er immer an ihrer Seite und schaute ihr zu und wartete. Wartete bis sie ihn erkannte. Anerkannte.

geweihte Nacht – 3. Advent

geweihte Nacht – 4. Advent

 

geweihte Nacht – und wenn das 5 Lichtlein brennt… – Version 2

geweihte Nacht – 1. Advent

Er kam spät, wie jedes Jahr. Und wie jedes Jahr hat er es nicht selbst verschuldet. Arbeiten und überhaupt in der Stadt unterwegs sein an Heiligabend sollte echt verboten werden, dachte er sich als er endlich vor dem Haus einen Parkplatz gefunden hatte. Er hoffte nur dass sie nicht schon wieder ohne ihn angefangen hatte.

Er schloss behutsam die Tür zur Wohnung auf. Doch dahinter war es dunkel. Auch drangen diesmal keine Klänge von Eric Clapton  mit Wonderful Tonight zur Tür hinaus. Ihre Lieblingsmusik in dieser Zeit. Rock. Romantik. Liebeslieder.

Er trat in den dunklen Flur und schloß die Tür. Er blieb in der Dunkelheit stehen und hörte in die Wohnung hinein. Irgendwas stimmte hier nicht. Kurz ergriff ihn die Angst, sie wäre gegangen. Denn er weiß, dass er sie die letzten Wochen wegen der Arbeit stark vernachlässigt hatte, dabei hatte er ihr mal geschworen nie die Arbeit an erster Stelle vor ihr zu stellen.

Diese Angst trieb ihn nun an. Er ließ den Aktenkoffer fallen und lief ins Wohnzimmer. Als auch da nichts zu finden war, lief er ins Schlafzimmer. Auch dieses Zimmer war dunkel und leer, wie der Rest der Wohnung. Sein Herz hörte für einen kurzen Augenblick auf zu schlagen als er sich wieder umdrehte und feststellte, dass niemand in der Wohnung war. Und nun bemerkte er auch, dass es, obwohl das Licht ausgeschaltet war, er trotzdem die Wohnung erkennen konnte. Die gesamte Wohnung lag im schimmernden Licht von kleinen LED-Lichterketten, die in je zwei der Ecken der Zimmer angebracht waren. Er blickte sich weiter um.

Eine einzelne Kerze stand auf dem Wohnzimmertisch und leuchtete ein weißes, gefaltetes Papierstück an. Mit zitternden Knien ging er drauf zu. Griff mit zitternden  Händen danach und setzte sich auf die Couch, bevor er begann zu lesen. Er erkannte ihre kleine akkurate Schrift sofort und wunderte sich wie immer, wie sie es schaffte so viel Text auf ein kleines Stück einer DIN-A4 Seite zu schaffen. Auch diesmal war die Seite voll von ihrer Schrift.

Sie schrieb von ihrem ersten Kennenlernen und wie sie sich dabei gefühlt hatte. Ihm kamen die Tränen vor Glück als er sich dadurch wieder erinnert fühlte. Und während des Lesens hatte er Angst vor dem großen Aber, dass am Ende des Briefes unweigerlich kommen musste. Schließlich war er in ihrer sentimentalsten Phase nicht für sie da. Der Brief endete mit einem „Ich liebe dich!“ und einem „P.S.“. Einer Aufforderung die Kerze zu löschen und zur Hauptstraße 34 zu kommen.

geweihte Nacht – 2. Advent

geweihte Nacht – 3. Advent

geweihte Nacht – 4. Advent

 

geweihte Nacht – und wenn das 5 Lichtlein brennt… – Version 2