Während Putin sich mit seinem Angriff auf die Ukraine dem Ende des vierten Jahres nähert, Trump Venezuela völkerrechtswidrig angreift (und einen Staatschef, sei er so widerlich wie auch immer, vor eine Gerichtsbarkeit zieht, der er nicht untersteht) und China angesichts der sich offenbar ändernden Spielregeln in der Welt schon einmal mit einem Angriff auf Taiwan liebäugelt, sehe ich die titelgebende Dokumentation auf Arte.
Eigentlich höre ich sie nur, habe die Kopfhörer mit in einen anderen Raum genommen, was ich häufig tue: Fernseh-Hören. Und bin diesmal froh drum. Denn der Ton spricht für sich. Ärzte von der „Helgoland“, einem Ärzteschiff, berichten über ihre Erfahrungen, 1971 vor Vietnam. Minenverletzungen, hauptsächlich bei Kindern, Schuss- und Granatenverletzungen, Agent-Orange-Verletzungen/Verätzungen bei Kindern und Erwachsenen. Die Ärzte, die unter widrigsten Bedingungen operieren und mit den schlimmsten menschlichen Schicksalen konfrontiert werden (Kinder, die voll erblindet und amputiert nach der Wiederherstellung nicht wissen, wie es weiter geht mit ihnen; Familien, die – ihrer Eltern beraubt – keine Aussicht haben, sobald sie entlassen werden …) sehen dennoch einen Sinn in ihrem Tun, das sie auch Jahre nach ihren Einsätzen nicht wird ruhig schlafen lassen.
Hier in Deutschland (mehr noch in den USA und Frankreich) wird man später von den Boatpeople reden. Einer verschwindenden Minderheit jener, die es – nicht von den geschilderten Verletzungen geplagt, aber dennoch geplagt – nach einer Odyssee auch hierher verschlägt. Eine Viertelmillion von ihnen wird bis dahin ertrunken, verdurstet, an ihren Krankheiten gestorben aus dem Blickpunkt der Welt verschwunden sein, nachdem man sie aus den Lagern der umliegenden Länder wieder auf See schickte oder was auch immer.
Aber das war in den Siebzigern. Damals war man noch „satt“ vom zweiten Weltkrieg, hatte die Erfahrungen der Eltern und Großeltern in den Knochen und sowieso war es die Zeit, in der sich die Hippies Blümchen auf die Backe malten. Man hatte also Mitgefühl. Und es waren ja auch keine Millionen, die kamen, sondern ein paar Tausend.
Inzwischen sind Millionen gekommen, die nicht so nette Schlitzaugen haben und nicht immer dieses stille, dankbaren Auftreten. Das ist natürlich etwas sehr Anderes.
Gegenüber wohnt eine Familie, deren Zusammensetzung ich noch nicht völlig durchschaut habe. Sie haben ein eigenes Haus, das nicht wunderprächtig, aber in wesentlichen Teilen ordentlich hergerichtet ist. Der Vater machte sehr lange Zeit Heimarbeit, irgendwelche Teile, deren Grate er abschnitt. Zwei Mal die Woche wurde das unfertige Zeug gebracht und dann wieder geholt. Die Mutter arbeitet irgendwo in der Gastronomie, kommt erst abends nach zehn nach Hause. Inzwischen, seit er mit der Schule fertig ist, mit dem Sohn zusammen (es könnte sein, dass dieser Imbiss sogar seiner ist). Erst hielt ich sie für Chinesen bis mich jemand belehrte, es seien Vietnamesen. Und wenn ich es recht betrachte, könnten sie in dem Alter sein, die Eltern, die auf so einem Weg hierher kamen. Fleißige Leute, die nicht mit ihrem Schicksal zu hadern scheinen. Wenn dem so ist, dann wissen sie aus ihrer traumatischen kindlichen Erinnerung heraus, dass es im Leben so viel schlimmer kommen kann als viel arbeiten zu müssen und eine sich wandelnde Familie zu haben, die auch im kleinsten Haus noch Platz findet, solange alle sicher und gesund sind.
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Am Ende habe ich den Fehler begangen, doch einmal zum Fernseher zu gehen. Und da sah ich (heute wäre das ohne Triggerwarnung gar nicht mehr möglich), wie dem Jungen, der beidseitig blind war und sein Bein verloren hatte, ein weiteres Stück von seinem Bein abgesägt wurde, damit er irgendwann eine Prothese wird tragen können, auch wenn das Laufenlernen mit Prothese ohne Augenlicht schwierig wird.
Und ich dachte mir: Sind wir uns wirklich darüber im Klaren, was Krieg bedeutet, wenn Putin oder Trump und deren Aktionen begeistert aufgenommen werden???







Meine Freundin, der ich – übereifrig – ein Paar versprach, wird wohl noch ein wenig warten müssen, ehe sie die ihren kriegt. Doch jetzt ist die Sockenzeit ja ohnehin erst einmal vorbei.
Und dann war da noch ein halbfertiges von der vor-OP-Zeit, das nun auch sein glückliches Ende fand:
