Die Tage sind zur Zeit ziemlich gleichbleibend. Ich fahre morgens eine Stunde lang zum Krankenhaus, halte mich da einen Zeitschriftartikel sowie eine Behandlung lang auf, fahre eine Stunde lang wieder zurück und bin dann müde. Lege mich dann auf die Couch, begraben unter einem Berg von Hunden, die glücklich sind, mich wieder zu sehen, und dann schlafen wir.
Der Tag heute begann nicht anders. Der Fahrer war zwanzig Minuten zu früh da, was kein Problem ist – ich bin lieber früher da als zu spät – und wir fuhren in Richtung Krankenhaus. An der Stelle, an der man normalerweise höchstens noch 15 Minuten braucht, war allerdings etwas ganz anders als sonst: Stau. Sich wie Kaugummi ziehender, endlos langer Stau. Siebzehn Minuten länger, sagte Google Maps. Dann achtzehn Minuten und kurz darauf vierundzwanzig.
„Wir kommen zu spät“, murmelte ich.
„Rufen Sie doch da an“, sagte der Fahrer und tippte auf seinem Handy herum, woraufhin die Sprechstundenhilfe ans Telefon ging. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde: Zu spät zu kommen oder mit Freisprecheinrichtung in einem fremden Auto unter den Ohren einer fremden Person zu telefonieren. Ich gehöre zu den Leuten, die sich vor Panik mit „Hallo, hier ist Termin, ich hätte gerne eine Lily“ melden. Irgendwie gelang es mir aber doch, der Sprechstundenhilfe zu erklären, dass ich mich verspäten würde. Damit hatte sie kein Problem. Ich verabschiedete mich höflich und wir schlichen weiter. Am vorderen Ende des Staus erwarteten wir zumindest einen Unfall, oder wenigstens eine Baustelle. Und was war? Eine rote Baustellenampel, deren Abdeckung fortgeweht war. Sonst… NICHTS. Und bei Rot fährt man ja nicht, weiß doch jeder…
Während mein Fahrer genervt war, gab ich mich alle Mühe, einen Kicheranfall zu unterdrücken.
Im Wartezimmer schnappte ich mir dann die Zeitung vom letzten Mal, um endlich herauszufinden, ob Charles und Camilla nun noch ein Kind bekommen oder nicht (ich werde meistens rüde mitten im Artikel unterbrochen, weil jemand meinen Namen ruft!), als ich neben mir das Gespräch eines älteren Paares hörte. Er füllte den Anmeldebogen aus. Sie gab gute Ratschläge. Name, Geburtsdatum Adresse bekam er alleine hin. Medikamente? Wusste sie. Und dann las er die Frage vor: „Trinken sie Alkohol?“ Sie, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, antwortete mit einem enthusiastischen „JAAA“. Er guckte sie an, dann blickte er auf seine leeren Hände runter und sagte missmutig: „Aber gerade im Moment doch nicht!“
Ihre Antwort habe ich verpasst. Ich wurde aufgerufen.
Normalerweise fange ich schon im August mit den Weihnachtsgeschenken an und bin spätestens Ende November fertig. In diesem Jahr leider nicht. Mir fehlt soviel Zeit, die ich, statt mich zu kümmern, im Krankenhaus und in Autos verbringe. Und natürlich schlafend auf dem Sofa. Gibt’s dieses Jahr eben nur eine Kleinigkeit…