Es geht wieder los. Dieses Mal zwar nur kurz und alleine aber trotzdem allemal ein Reisepost wert.
Ausnahmsweise etwas ganz anderes. Nicht schwitzend durch den Djungel, sondern in die Nähe des Nordpols mit dem Schiff bis nach Spitzbergen.
Ich kann meine Mutter (quasi umsonst) als Familienmitglied auf der MS Europa 2 begleiten. Sie ist dort der einzige Schiffsarzt und verantwortlich für 500 Gäste und 470 Crewmitglieder.
Bei gediegenen 36 Grad um und in unserer Wohnung in Hannover versuche ich den Koffer zu packen. Da es mir bis zuletzt schwitzend zu absurd vorkommt Wintersachen einzupacken, bin ich am Ende ziemlich schlecht ausgestattet. Dafür hab ich mit Abendkleidern und Highheels, Mütze, Bikini und Bärenglocke ein sehr gemischtes Gepäck dabei.
Ich bin wahrscheinlich der erste und letzte Passagier jemals, der zum Boarding auf ein 5 Sterne plus Schiff mit dem Flixbus für 8€ anreist. Nach den zahlreichen Busfahrten in Indien ist diese Fahrt mit AC, Wifi und USB-Buchsen quasi schon ein 5-Sterne-Reiseerlebnis.




Die Hamburger sind bei den mediterranen Temperaturen ganz wuschig und nervös und dazu ist auch noch Ironman und verirrte Irre auf Rennrädern fahren einen fast über den Haufen.
Die Ausfahrt aus Hamburg über die Elbe ist spektakulär. Man kann den Touris auf der Elbphilarmonie quasi auf Augenhöhe winken. Wie eine Hafenrundfahrt auf fahrenden Stelzen. Dazu das Ausfahrlied, dass eine Stimmung aus Champagner-Abenteuerlust und purer durchgeplanter Urlaubsfreuden verströmen soll. Ein kleines Boot bunter, partywütigen Exoten von der Hamburger Pride-Week begleitet uns eine Weile und beide Seiten beäugen sich mit verwirrtem Interesse.






Das erste Ziel sind die Shetlandinseln. Diese sind eine kulturelle Mischung aus Norwegen und Schottland. Wie auch bei allen zukünftigen Häfen kommen wir morgens um 8 in dichtestem Nebel an. Von daher doch eher britisch.
Als der Nebel sich lichtet ziehe ich walkend an den Silberrücken vorbei, lasse den Shuttlebus links liegen und bin froh mir die Beine vertreten zu können. Also renne ich durch Lerwick auf der Insel Mainland und finde schöne Ecken. Am besten gefällt mir die stürmische Klippe an der Südspitze der Stadt neben dem alten Friedhof. Und natürlich die mit neongelben Warnwesten ausgestattet geleitete Fahrradtour des anderen Kreuzfahrtschiffes die von ihrem frierenden kubanischen Fahrradguide sicher auf der rechten (und damit falschen) Straßenseite durchs Dorf gejagt werden.







Die Seetage verbringe ich mit Lesen, Sport, Essen, mit Mama abhängen und wieder Essen. Die Art zu Reisen ist genau gegenteilig zu unserer Rucksackreise. Alles im Überfluss aber die meisten merken das noch nicht einmal.
Ich genieße den Komfort, beäuge aber auch alles mit leichtem Amüsement und stelle wieder einmal fest, dass die Leute dort nicht glücklicher sind als Backpacker auf einer vollgerümpelten Hosteldachterasse mit Dosenbier und einer Tüte Chips.
Ökologisch ist die Reise eine Katastrophe und meine einzige Entschuldigung ist, dass ich nichts zahle und somit die Nachfrage nicht fördere. Trotzdem.
Die anderen Passagiere decken in Sachen Sympathie ein weites Feld ab. Am 2. Seetag rennen alle wie eingesperrte Jaguare in der Wilhelma mit starrem Blick an der Reeling auf und ab. Eine Chinesin mittleren Alters versucht mich beim Frühstück von der Notwendigkeit des Reichwerdens oder in ihrem Fall Reichheiratens zu überzeugen. Sonst könne man nicht Businesaclass fliegen. Mein Einwand, dass man auch in der Economyclass ans Ziel käme, verhallt ungehört.
Auf Island kann ich einen Landausflug zum „Golden Circle“ begleiten. Mein Job hier ist es die Gruppe Silberrücken von hinten zu umkreisen dass keiner verloren geht und Antworten auf Fragen über das Land zu erfinden. Ich bin ja auch das erste Mal hier.









Nach Island überquere ich zum ersten Mal den Polarkreis. Es wird spürbar kälter, die Tage länger. Zu meiner großen Freude legen wir einen Überraschungsstop auf Jan Mayen ein. Ich hatte auch zuvor nie etwas von dieser Insel gehört. Es ist eine Vulkaninsel mit dem Bärenberg, der sich bis auf 2200m erhebt. Die schneebedeckte Spitze sieht man eigentlich nie, da Nebel der aufdringlichste Einwohner ist. Außerdem leben hier noch 10, psychisch hoffentlich sehr stabile, Forscher aus aller Welt.










Und dann meine Endstation: Spitzbergen. Nur noch ca. 1000km vom Nordpol entfernt. Das Inselarchipel wird offiziell von Norwegen verwaltet, darf aber von allen Unterzeichnern des Spitzbergen Vertrags mitbesiedelt und genutzt werden. Longyearbyen hat 2500 Einwohner. Die meisten zugezogen. Man darf nämlich gesetzlich nicht auf Spitzbergen geboren werden oder sterben. Es ist zu dieser Jahreszeit durchgehend hell. Ich finde das sehr verwirrend. Nur die ewige Dunkelheit der Wintermonate muss schlimmer sein.









Weil ich einmal das Eis sehen möchte, schließe ich mich einer sehr schönen Bootstour durch die Fjorde Svalbards an.


















Nach 3 Tagen fliege ich über Oslo und Kopenhagen nachts um 2:50 Uhr zurück nach Deutschland. Ist ja eh hell.

Vor dem Flughafen um 2:00 nachts

Das Svalbard Global Seed Vault



Hauptsache Zebrastreifen
Aber ich möchte gerne noch einmal mit David wiederkommen um das ganze in Ruhe zu erkunden und eventuell die Polarlichter im Winter zu sehen.
-Ria


























































































































































































































































































