Anleitung gegen Zimperlichkeiten
Dezember 31, 2006
was kann nun für das neue jahr gewünscht werden. vielleicht, dass mich solche bilder nicht mehr so faszinieren (s. unteres video).
frohe weihnachten
Dezember 24, 2006
Was wir an Weihnachten feiern, ist alles andere als eine Idylle. Die Krippe, die wir längst in unsere warmen Stuben geholt haben, stand bekanntlich im Stall. Niemand war da, der
der schwangeren Frau und dem jungen Mann aus Nazareth in Galiläa menschenwürdige Bleibe zu geben bereit war. Kaum war das Kind zur Welt gekommen, mußte die junge Familie fliehen, weil Herodes, der machtbesessene Herrscher, dem Kind Jesus nach dem Leben trachtete. Flüchtlinge waren sie, politisch Verfolgte, Asylsuchende.
Walter Kasper (*1933), dt. Bischof von Rottenburg-Stuttgart
dank an sebastian
eine kleine ewigkeit her
Dezember 18, 2006
seit langem habe ich mir nichts geschrieben. offenbar habe ich soviel zu schreiben, dass mir nichts einfällt. sting hat mal gesagt, so las ich mal in einem musikmagazin, dass diק besten dichter alles abschreiben. mit diesem halbtrost im hintergrund lasse ich mich verführen und schreibe, natürlich nur für gute zwecke, folgende zeilen ab. sie stammen von einer meiner lieblingsbands, die vor kurzem ihr zweites werk rausgebracht hat. es ist das letzte lied eines wunderbaren albums, das meiner meinung nach einen sicheren platz im kultraum der israelischen rockmusik verdient:
שירה \ הגירפות
אני חושב שהתחלתי לכתוב שירה, כדי לא לעבוד
חושבת שהתחלתי לעבוד, כדי לא לכתוב שירה
eine menschliche art zu träumen
November 30, 2006
„rein zufällig“ bin ich auf diesen Artikel gestolpert und konnte nicht aufhören lautlos „jawohl“ zu sagen. und ich träume davon, eines tages meine träume in solcher klarheit sehen zu können, wie diese große frau mit dem rolls-royce.
Die Schuldwolke (Suchtpraxis II)
November 25, 2006
bevor ich anfing, in einer suchtklinik zu arbeiten, begegnete ich einer kollegin und erzählte ihr von meinem vorhaben. sie erzählte mir, dass sie früher auch mit solchen patienten arbeitete, das ist aber, sagte sie erleichtert, schon längst vorbei. ich freute mich, jemanden erfahrenen ausfragen zu können kann und fragte: „sag mal, was sind es für menschen?“. Etwas verduzt, fast erschrocken, antwortete sie mit einer gegenfrage: „wie, hast du etwa noch nie mit suchtpatienten gearbeitet?“. ihr gesichtsausdruck schien auf einmal wie erstarrt und voller sorgen, als wollte sie mir sagen, dass es ihr sehr leid tut, dass sie mir am liebsten davon abraten würde oder zumindest mich mit den notwendigen waffen ausrüsten wollte. sie sagte dann: „weißt du, sie ziehen dir das hemd aus, wenn du nicht aufpasst, aber im tiefeninneren sind sie alle zarte pflänzchen.“ mit diesem bild konnte ich viel anfangen und bedankte mich für die lebenserfahrung. dennoch ging ich aus dem gespräch etwas unbefriedigt und besorgt, vielleicht ein bisschen ängstlich. was sollte dieser gesichtsausdruck bedeuten? was wollte sie mir noch sagen und was hat sie davon abgehalten?
und nun, nach einiger zeit, meine ich, diesen gesichtsausdruck etwas besser verstehen zu können. ich würde es wie folgt beschreiben: sie sind der abfall der gesellschaf, sie leben in der unterwelt und über ihnen schwebt eine schuldwolke. stetig stehen sie im schatten der selbst- und fremdschuld. stetig ist es bei denen bewölkt und regnerisch, es sei den, sie konsumieren, was ihre umgebung und ihr inneres augenblicklich heller zu machen scheint. in dem moment scheint ihr leben sorgen- und schuldfrei. aber wenn sie wieder unten sind, wird die wolke nur noch stärker, grauer und grausamer. die sucht ist insofern eine art suche nach hellen augenblicken, nach rettung aus der dunkelheit ins licht. ein weiser kollege (ein arzt, guck an…) fügte hinzu: „das sind meine verlorenen kinder, sie haben sich nämlich an der verbotenen frucht verbissen und werden sich deshalb ihr leben lang dafür schämen.“
und die helfer, die sich anbieten, sie zu begleiten, natürlich auch um sich selbst zu heilen, können dies erst tun, indem sie eine beziehung zu ihnen aufbauen, indem sie sich allmählich annähren, bis sie ihren schmerz begreifen können. aber dann laufen sie gefahr, wenn sie ihre schützlinge berühren wollen, unter dieser wolke der schuld zu stehen und nass zu werden, so nass bis sie glauben, selber die schuld tragen zu müssen. bis sie glauben, sich schämen zu müssen, selbst schuldig zu sein.
Liebesbriefe mit der Gesundheitsreform
November 20, 2006
KOK Galizien, Die Gesundheitskasse
Machabäerstr. 18-28
613 Kölle am Rin
Herrn Fremdworte
Goehtestr. 1
666 Weimar am Jordan
Sehr geehrter Herr Fremdworte,
wir hatten Sie gebeten, uns über ihre aktuellen Einnahmen zu informieren. Leider ist der ausgefüllte Fragebogen noch nicht bzw. sind die Nachweise über die Einnahmen nicht oder nicht vollständig bei uns eingegengen. Sicherlich haben Sie nur vergessen, unseren Brief zu beantworten bzw. die Nachweise komplett einzureichen. Wir bitten Sie deshalb, dies in den nächsten Tagen nachzuholen, damit Sie bei der Beitragsberechnung keine Nachteile haben. Denn: Wenn ihre Angaben nicht bis zum 06.06.06 bei uns eingehen, sind wir verpflichtet, Ihre Beiträge – ggf. rückwirkend – auf Grundlage der Beitragsbemessungsgrenze zu berechnen. Diese beträgt aktuell monatlich 3.562,50 EUR.
Bitte helfen Sie uns in Ihrem eigenen Interesse. Über eine mögliche Neueinstufung werden wir Sie selbstverständlich informieren.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre KOK Galizien
Guten Tag Frau U,
anbei wie von Ihnen verlangt, die Angaben zu meinen Einkommen vom 2005. Der Einkommenssteuerbescheid liegt noch nicht vor. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass das Finanzamt für selbstständige Steuerzahler erst gegen Ende des folgenden Jahres (in diesem Falle gegen Ende 2006) den Bescheid ausstellt. Erkundigen Sie sich bitte bei der zuständigen Behörde, falls Ihnen die Prozedur nicht bekannt sein sollte.
Bereits vor ungefähr einem Monat habe ich mit einer Kollegin von Ihnen gesprochen, die mir versicherte, dass ich keine Angaben machen müsse, da ich ja seit August 2006 nicht mehr bei Ihnen versichert bin. Zudem hat sie mir zugesagt, dass sie Sie darüber in Kenntnis setze. Um so mehr hat mich es verärgert, als ich nach meinem Jahresurlaub in Judea im Briefkasten zwei Schreiben mit Ihrer Unterschrift fand, die mit einer ggf. rückwirkenden Bestrafung droht, falls ich keine Angaben zu meinen Einkommen machen sollte. Offensichtlich hat die Kollegin versäumt, sie zu informieren oder noch unverständlicher – sie hat mich falsch informiert. Als ich heute versuchte, sie zu erreichen, waren sie wieder mal nicht zu erreichen. Eine Kollegin von Ihnen entschuldigte sich für das Missverständnis mit der Erklärung, dass solche Briefe maschinell angefertigt werden.
Ich bitte Sie höflichst, die maschinelle Kommunikation mit mir zu unterlassen, zumal ich ja kein Kunde mehr von Ihnen bin. Ihre Computer scheinen ja, wie die Machabäer vor 2000 Jahren, sich mit lediglich wenig Energieverbrauch in ihrem Tempel zu verschanzen und die Realität dadraußen zu ignorieren.
Dieses Dokument wurde maschinell angefertigt und gilt ohne Unterschrift. Für Rückfragen stehe ich unter der oben genannten Postadresse zur Verfügung.
Fernbedingung
November 11, 2006
eine jidische familie, so sind wir uns sich alle einig, ist eine, in der mutter die gefuehlswelt der kinderlach umraeumt, whaerend vater dieselbe per fernbedienung festsetzt. uneinig sind wir, ob es der sohn ist, der seinen vater ermorden will, oder umgekehrt.
Anleitung fuer die Zweifelnden
November 8, 2006

am 11. jahrestag von rabins tod stand david grossman vor Tausenden von Zweifelnden und sprach deutliche woerter zu alldenen, die meinen, etwas aendern zu koennen und zu wollen. solche ansagen mit einer bewussten vermischung von persoenlichem und kollektivem Leid sind eine regelrechte Raritaet geworden. Dies hat mich dazu gebracht, Politisches in dieses eher persoenliche Blog miteinzubeziehen. Die Rede ist hier auf heb und hier auf eng verewigt.
photo: Yaron Brenner
מה אכפת לתקנון
November 7, 2006
פעם – כך מספרים החלוצים – היה תלוי פוסטר של סטלין בחדר האוכל שכל קיבוץ, איחוד או מאוחד, שמחשיב את עצמו. הסוציאליזם היה קשה, חסר מעצורים ופשרות. הילדים היו מוצרים של הקולקטיב וכל אחד היה באמת מקבל לפי יכולתו וצרכו. זה היה פעם. אז הילדים נעשו מבוגרים והחליטו, במודע ולא, להלחם נגד ההחלטות של הוריהם, בנכונות ובשגויות. אז וויתרו על הלינה המשותפת והילדים חזרו לבתי ייצרניהם כמו חיילים שחוזרים לאחר מלחמת התשה. פעם רבו על אידאולוגיות, היום רבים על פרנסה (ככה אומר אבא) . האידיאולוגיה הקיבוצית שכל כך אהבנו עומדת בפני פשיטת רגל. זה לא סיפור חדש. יותר אפשר לראות פה
עגלה עם שושה
November 6, 2006
ישבתי כרגע בביית של הדודה. הכל נראה אותו דבר, כאילו שלפני כמה דקות היא ישבה לה ופתחה את קופסת העוגיות שתמיד היו מוכנות, כשאני בא לבקר. עוד לא ביקרתי את הקבר, אוליי אני מחכה שמישהו יגיד לי שזה הכל היה סיפור שמישהו עם חוש הומור מקברי המציא כדי שאני יבוא לביקור. אבל הנה באתי וכולם אומרים לי שלום ומוסיפים שמשתתפים בצערי. ואני אומר שאין בעיה, ששלומי טוב, שבגרמניה יש שפה ויש עבודה ולא קשה. אבל בעצם בא לי להגיד שאני מתגעגע, שנמאס לי לפספס את הדברים החשובים, לשמוע בטלפון על השינויים והחוויות שקובעות את מהלך החיים. שנמאס לי לרדוף ולברוח ושבא לי להתיישב בנוחות ולהקשיב לכל מי שרוצה לספר או לשאול, או סתם לשבת ולשתוק. ועכשיו העגלה כבל בלי שושה והיא ממשיכה להסתובב, מחפשת סוסה חדשה בלי מושכות.