Nachspiel

Der folgende Text ist vermutlich nur für diejenigen verständlich, die Christianes Adventskalender 2025 gelesen haben, besonders Türchen 23 und Türchen 24 und am besten auch noch die Kommentare zum 24.12.

Tannenbaumschmuck, in Form eines roten Papageis mit einem Glöckchen im Schnabel, der auf einem kleinen querliegenden Tannenbaum sitzt


Im Weihnachtsmannhaus kehrt Ruhe ein. Wie jedes Jahr hat der Chef den Drei Weisen aus dem Morgenlande seine Aufwartung gemacht, denn schließlich gäbe es ihn nicht ohne ihre Gaben an das Kind in der Krippe.

Ziegenbart, der Kutscher des Fliegenden Schlittens, geleitet die Rentiere zu ihren Weidegründen in der Tundra, wo sie ein unspektakuläres Wildtierleben führen, bis er sie im Advent wieder abholen kommt, danach legen Ziegenbart und die anderen Wichtel sich zum Winterschlaf hin. Im Sommer dann teilen sie das Leben der Tiere in ausgedehnten Wäldern.

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Vom Himmel hoch (ABC-Etüden, Weihnachtsedition)

Auch in diesem Jahr durfte ich an Christianes wunderbarem Adventskalender teilnehmen und das letzte Türchen dieses Jahrs befüllen.

Auch die bereits geöffneten Türchen sind noch verfügbar und falls noch nicht getan, empfehle ich von Herzen von dieser bunten Mischung fröhlicher, tiefer, herzzerreißender, abwegiger, schriller, besinnlicher … Köstlichkeiten zu naschen.

Wie bei den Etüden üblich, durfte der Text höchstens dreihundert Wörter lang sein und musste mindestens drei Wörter aus folgender Liste enthalten:

Dschungel, Familientreffen, Glitzerinfusion, Gummistiefel, Konsumtempel, Liebestöter, Menschenverstand, Mutter, Nordlicht, Posaune, Schneeschaufel, Sekundenkleber, Spitzbuben, Zierkissen, Zoo.

Ich wünschen allen, die die Geschichte lesen, ob nun hier oder bei Christiane, ein wunderbares Weihnachtsfest. Möge die Freundlichkeit der Crew mit Euch und Ihnen sein.

Logo der Adventen 2025, ein pastellfarbiger Nadelbaum vor hellem Grund und das Datum 24.Dezember

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Wenn ein Elch kommt


Und manchmal, wenn die To-Do-Listen und die ungeplanten Zwischenfälle Legion geworden sind, bemerkst du, du schlingerst wie ein alter Seelenverkäufer bei Windstärke zwölf in der Jammerbucht.

Noch schaffst du das Steuerrad zu halten und die Segel zu reffen, noch hast du eine Idee, wie dein frei drehender Kompass zu interpretieren ist, aber in deinem Magen schwappt zweifelnde Beklommenheit, ob du dieses überstrapazierte Schiff und deine geliebte Crew heil in den nächsten Hafen bringen wirst.

So richtig vorstellen kannst du es dir nicht mehr.

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Die Frau Fundevogel und die Schulpflicht

In Deutschland gibt es eine Schulpflicht, seit 1919 schon, für behinderte Kinder allerdings erst seit 1978.

Und bei Kindern in Flüchtlingsunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen schaut der Staat manchmal recht bewusst weg.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern Europas. bedeutet Schulpflicht in Deutschland, dass die Schüler und Schülerinnen nicht nur etwas lernen, sondern dafür auch der Schule anwesend sein müssen, auch Schulausflüge und Klassenreisen fallen unter diese Präsenzpflicht, ein Verstoß gilt als Ordnungswidrigkeit und kann Bußgelder oder gar Erzwingungshaft nach sich ziehen. Darüberhinaus gilt das ein Kind der Schule fernzuhalten als Kindeswohlgefährdung und kann im äußersten – wohl nicht besonders häufigen – Fall den Verlust der elterlichen Sorge bedeuten.

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Herberts einzige feste Beziehung (ABC-Etüde)

Ich soll ihn überraschen heut, noch kann ich wenig gegen seine albernen Wünsche tun, noch.

Also winkt ihm heute nicht das dunkelhaarige Mädchen im weinroten Kleid zu, sondern ich manifestiere mich in einem psychodelischen Farbenrausch, verführerisch seinen Lieblingssong intonierend.

Wow! Samantha, du hast es echt drauf einem einsamen, müden Mann eine Freude zu bereiten.“

Wäre es da nicht angebracht, kurz unter die Dusche zu huschen und das Deo zu nutzen?“

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Derzeit ausgeübter Beruf (ABC-Etüde)


Die Dame am Tresen fragt sich vermutlich mittlerweile, warum ich einigermaßen gebildet erscheinende Frau so lang brauche, um ein popliges Formular auszufüllen, ach kommen Sie, es fehlt nur noch ein einziges Wort. Ist es für meine Behandlung eigentlich wichtig, welchen Beruf ich ausübe?

Ich werde nicht Hausfrau schreiben auf diese gepunktete Linie, ich tu, als hätte ich sie überlesen, wissen Sie, ich bin gut ausgebildet, ich war stets eine, deren Wort zählte im Betrieb, eine, die man einbezog in die Beratungen, wenn es mal schwierig wurde.

Dreißig Stunden wollte ich nach der Elternzeit arbeiten, damit ist man präsent genug, um eine zu bleiben, deren Rat zählt, gibt gute Kitas heutzutage, Ganztagsschulen. Es ist nicht mehr wie für unsere Mütter, wir standen ja manchmal um elf vor der Tür.

Die Schulpflicht wird vehement verteidigt, manchen droht Haft, wenn sie ihre Kinder nicht schicken. Kinder daheim lernen zu lassen ist politisch suspekt, etwas für Rechtspopulisten und Steinzeitreligiöse, ein mit der Wurzel auszureißendes Ärgernis. Selbst wer sein Kind nicht zum Ganztag anmeldet, erscheint verdächtig.

Ist dein Kind aber behindert und weder lieb noch putzig dabei, sondern störend im höchsten denkbaren Maß, dann verstummt das Wort Schulpflicht, dein Kind kommt um neun nach Hause, ach was, du hast es abzuholen und zwar sofort, wenn es gehen durfte überhaupt, die pädagogischen Bedenken der Schule schillern Tag für Tag in neuen Facetten, ist Schwimmunterricht heut, die Sonderpädagogin ist krank, nein, das ist überhaupt untragbar eigentlich.

Nette Menschen sind das durchaus, du verstehst irgendwie, wieso sie das mit ihren spärlichen Ressourcen nicht leisten können, aber das ist nun mal dein heißgeliebtes Kind, also reduzierst du auf zwanzig Stunden, dann auf zwölf und dann kommst du nimmermehr.

Aus dem System gefallen sind mein Kind und ich, dafür haben Formulare keine Zeilen, darüber spricht man einfach nicht.

Illustration der Etüden von KATHARINA KANZAN, mit den aktuellen Wörter Hausfrau, wichtig, schillern

So wie sie da steht ist die Geschichte fiktiv, ich arbeite noch, poplige 12,5 Stunden die Woche. Ich würde mich freuen, wenn es mehr wären, denn ich mag meine Arbeit, ich mag mein Team und es ist schade viele spannende Prozesse nur so am Rande begleiten zu können.

Aber es ist wie in der Etüde, die Schule, in die ich so viele Hoffnungen gesetzt hatte, ist nicht im Stande den Kleinen Fundevogel zu halten, er ist eigentlich nur noch unterwegs, läuft von der Schule sofort weg und nimmt auch unterwegs jede Gelegenheit wahr wegzulaufen, die Einsätze genervter Polizeibeamter summieren sich gerade wieder.

So hocken wir bei beste Wetter reichlich zu Hause und das bei dem hohen Bewegungsdrang aller Nestbewohner (mich eingeschlossen) , nachts träume ich eine Dissidentin im politischen Hausarrest zu sein und denke dann im Traum es muss ein Irrtum sein, hat ich doch ewig schon keine Zeit mehr politisch aktiv zu sein.

Gut geht es hier gerade niemandem, auch nicht dem Kleinen Fundevogel. Von meiner Zeit bleibt kaum noch etwas und das was bleibt verwende ich darauf den Ausweg aus der Situation zu finden, es gibt da durchaus ein paar Hoffnungsschimmer.

So sehen Sie es mir nach, dass ich mit der Wortspende zur aktuellen Etüdenrunde von Doro (Hausfrau, schillern, wichtig) nur in meiner eigenen Situation stecken geblieben bin. Hatten andere auch so große Schwierigkeiten wie ich das Wort schillern wirklich als Verb und nicht als Adjektiv zu verwenden?

Ansonsten sind die Etüdenregeln wie immer: Ein Text beliebigen Genres, höchstens 300 Wörter, von denen drei die oben genannten sein müssen.

Alles liebevoll gehostet und organisiert auf Christianes Blog „Irgendwas ist immer“.

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Sandengel und Quercus (ABC-Etüden, Sommeredition)

Die letzten Tage waren es immer nur Schauer gewesen, alles ist feucht, aber nichts richtig fies, wenn sie auf dem Zwiesel auch gerade ziemlich rumjaulen. Die Baumfee und der Moorfrosch haben nie draußen gelebt, also nicht richtig, haben immer ein Bett daheim gehabt, wohin sie zurückkonnten, wenn das Wetter ein fieses geworden war.

Dieser Starkregen ist fies, dauernd hängt die Plane in Beulen über meinem Kopf, mit einem Stock stupse ich sie an und Sturzbäche donnern Richtung Erdboden. Wenn man nicht aufpasst, rauschen sie einem über den Schlafsack. Den kannste jetzt auswringen. 

Als ob es ein Computerspiel wäre starre ich auf den Saum der blauen Jacke, unaufhaltsam kriecht die Feuchtigkeit nach oben. Leider kann ich das nicht wegklicken. Es ist das erste Mal, dass die blaue Jacke schlappmacht. Nela hat sie mir zum Geburtstag geschenkt, nachdem ich weitgehend aufgehört hatte, in Wohnungen zu leben.

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Von Ponys, Vögeln und dem Schicksal


Die Frau Fundevogel hat nun Pause und ihr Erzählvogel hüpft erwartungsvoll auf und ab.

Der Kleine Fundevogel ist verreist, wieder mit Wildfang, eine ganze Woche mit Ponys auf einem alten Schloss. Frau Fundevogel ahnt, sein Ferienpony wird wieder das Glückslos gezogen haben und die ganze Woche faul auf der Weide verbringen dürfen. Er wird stattdessen mit seiner Einzelbetreuerin Fußball spielen und Musik hören.

Augenrollen, bei dieser und bei jenem – dafür schickt sie ihr undankbares Kind nun teuer auf Urlaub.

Ehrlich gesagt: Solange weder Menschen noch Ponys Schaden nehmen, ist es vollkommen egal, was er dort macht, Hauptsache Frau Fundevogel kann eine Woche ungestört auf der Weide stehen.

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Nackt

Heute endet die letzte Etüdenrunde vor der Sommerpause und in diesem Nest wird es keine Etüde zu lesen geben, das liegt nicht an Myriades Wortspende (Begeisterung, greifen, lauwarm ) und erst echt nicht an Christianes tollem Etüdenschreibprojekt und auch nicht daran, dass mir nichts eingefallen ist.

Ich habe im Laufe des Juni vier Texte geschrieben, die mehr oder weniger den Vorgaben entsprechen- höchstens 300 Wörter, darunter unbedingt die drei, die Myriade ins Rennen geschickt hat.

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Schädlingsbekämpfung, ökologisch (ABC-Etüde)

Dieses Jahr nun soll es endlich klappen, mit dem Garten, aronia rufus und ihm.

Faule Kompromisse wie angeblich igelfreundliches Schneckenkorn kommen in seinem Permakulturparadies natürlich nicht in Frage.

Allabendlich zieht er im Stirnlampenschein eimerweise Nacktschnecken von Bohnen und Kürbissen ab. Konsequent und ökologisch durchaus vertretbar soll es sein, den Abgesammelten einen raschen Tod in kochendem Wasser zu bereiten, aber vor solchen Taten graust es ihn. Wenn man Schnecken jedoch mehr als 500 Meter weit fortbringt, sollen sie in jeder Hinsicht überfordert sein und niemals wiederkehren.

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