Wegweiser durch diesen Blog

Tagebuchseiten:

Hier sind meine Reflexionen über Ereignisse und Begegnungen im Alltag ebenso zu finden, wie meine Gedanken über „Gott und die Welt“ – in loser Folge, ohne Ordnung …

(Mit Beginn des Jahres 2017 erscheinen einige meiner Tagebuchseiten als Selbstgespräche . Grund dafür ist eine umfassendere Idee, die ich schon lange in mir trage. Vielleicht entsteht aus den entsprechenden Texten irgendwann ein Weg, der zu ihrer Realisierung durch mich führt. Vielleicht …)

Sentenzen:

Nachdenkliches zu Themen, die mich immer wieder und nachhaltiger bewegen und beschäftigen, die in meinem und für mein Leben zumeist eine wichtigere Rolle spielen.

Verse:

Einige meiner Versuche, Gedanken, Eindrücke, Reflexionen und Ansichten in lyrischer Form zu verarbeiten.

Gedanken zu Aphorismen:

Was immer ich auch lese, ich spüre darin aus meiner Sicht interessante Sinnsprüche auf. Einige von denen, die mich besonders inspirieren, zum Nachdenken anregen, meinen Widerspruch herausfordern, bespreche, diskutiere ich hier.

Zwischenstopps:

Texte oder Begebenheiten über die ich „gestolpert“ bin, darunter Merkwürdiges, Skurriles, Witziges, Unglaubliches – manchmal mit kurzen Kommentaren von mir versehen. (mitunter auch Musiken, mit denen ich mir einen Zwischenstopp genehmige …)

Sammelsurium:

Hier finden sich von mir verfasste, kleine Rezensionen zu Büchern, die ich gelesen habe, eigene Gedanken in Aphorismenform, die ich zur Diskussion stelle, und Sonstiges, was mir mitteilenswert erscheint.

Tagebuchseite -1056-

Papierkorbgeschreibsel

Was ist aus dieser Welt, was ist vor allem aus diesem Land geworden?

Ich höre Musiken, die kaum noch einer kennt und ich wandere dabei durch einen Film, der so viele Tage, so viele Erinnerungen birgt, die einer Seele zurufen, dass es einmal anders war. Nicht konfliktlos, nicht immer gerecht, nicht ohne Leid, nicht ohne Katastrophen und Kriege, nicht ohne dürre Sommer oder überschwemmte Inseln.

Die Seele ist die meine und sie spricht aus meinem Inneren: „Ich weiß, es war nie nur schön, nur harmonisch, nur gut. Menschen haben immer mehrere Seiten, also konnte es gar nicht anders sein.“

Ich höre noch ein bisschen von der Musik, ja, mit Wehmut, mit einem Gefühl von Vermissen in der Brust, aber im Wissen, dass ich deshalb nicht einfach ein Nostalgiker bin.

Es geht die Rede, dass Vergangenheit in der Erinnerung immer verklärt erscheine, besser, schöner, als sie wirklich gewesen ist. Diese Rede, die für sich gar nichts belegt oder beweist, von dem, was sie verlautet, beschwichtigt, glättet, relativiert, vieles von dem, was und wie es heute ist.

Meine Seele meint, dass dies der eigentliche Grund ist, warum sie immer wieder gehalten wird und dass sie so eine ideologische Färbung hat.

Ist es nicht wahr, dass heute mehr und perfiderer und verletzenderer Hass unter den Menschen ist als je vormals? Ist es unrichtig, dass es mehr und subtilere Formen von Gewalt gibt als je zuvor? Ist es ein falscher Eindruck, dass Gier, Egomanie und Heuchelei ein bislang nie gekanntes Ausmaß erreicht haben, dass bewährte Formen menschlichen Umgangs nicht nur infrage gestellt werden, sondern verlustig gehen? Wird unser Dasein nicht immer lauter, hektischer, schriller, riskanter, schneller und, ja, absurder?

Und: War unser Planet als solcher jemals so bedroht, wie er es aktuell ist?

Ich höre wieder Musik. Sie ist aus diesen Jahren. Ich fühle mich sofort wohl in ihr. Sie hat den Klang, die Melodie, die Instrumente jener Klänge von einst. Aber sie ist aktuell. Die Wehmut, das Gefühl von Vermissen, kann sie allerdings nicht auslöschen. Denn ich habe gefunden, dass ich sehr allein bin mit dieser Musik, sie wird von nur sehr wenigen Menschen geschätzt und so sind und bleiben auch die meisten Menschen, die sie machen, unbekannt.

In mir ersteht das Bild eines kleinen Gänseblümchens, das leuchtet in seinen grünen, weißen, gelben und violetten Farben, in einer riesigen staubigen, grauen, dystopischen Steppe. Es hat dort nur wenige Geschwister, die in weitem Abstand voneinander leise aber unermüdlich davon erzählen, was Leben eigentlich ausmacht.

Mir ist oft so kalt. Das liegt nicht daran, dass jetzt Winter ist …

Und ich erinnere mich an manches Wort, das durchaus wohlmeinend zu mir gesprochen war: „Bleib (trotz allem) positiv!“

Ich aber, ich vermag das nicht, ich kann das nicht.

Vor wenigen Tagen ist mir die Antwort darauf begegnet, warum mir dieses Unvermögen eigen ist:

„Wenn man Menschen in schweren Zeiten dazu auffordert, positiv zu bleiben, stärkt das nicht ihre Widerstandskraft, sondern verleugnet ihre Realität.“ (Fatima Rizwan – pakistanische Schülerin einer 12. Klasse)

Ich bin nicht imstande, meine Realität, die Realität meiner selbst, so wie sie war, wie sie ist, zu verleugnen oder verleugnen zu lassen. Wahrscheinlich bin ich deshalb nicht therapierbar.

Aber das ist, in dieser Welt, allein mein Problem …

So drehe ich meine Musik also wieder etwas lauter, nur für mich …

***

Ari Mason ist eine Grammy-prämierte Sängerin aus Los Angeles. Ihre einzigartige musikalische Perspektive und ihr unverwechselbares Timbre haben ein Werk geprägt, das von ätherischer Popmusik bis hin zu mehrstimmigen Vokalmotetten der Renaissance reicht. Darüber hinaus spielt sie Viola da Gamba, ist als Musikproduzentin und Songschreiberin tätig und arbeitet in vielfältiger Weise mit Komponisten für Film und Fernsehen zusammen.

Ich habe sie erst kürzlich durch das Lied „Sleep Still“ für mich entdeckt. Das Stück ist in seiner Art besonders, textlich anspruchsvoll und von der Klangfarbe, die Ari Mason ihrer Stimme hier gibt, wunderschön geprägt. Es gehört zu der Art Musik, die ich in meinem heutigen Text beschrieben habe …

Ari Mason „Sleep Still“

Tagebuchseite -1055-

Selbstgespräche (9) –  … der letzte verbliebene Wunsch

Ich höre dir zu. Ich mache das gern und ich bin ein guter Zuhörer. Besonders, weil ich spüre, dass deine Seele der meinen sehr nah ist.

Du hast Angst in dir, denn morgen ist die kleine Auszeit vorüber. Und, wie so oft, hast du dann das Gefühl, dass vor dir ein riesiger unüberwindbarer Berg aufgeschüttet liegt, der dir schon heute und buchstäblich die Luft zum Atmen nimmt.

Du weißt, dass das, was während der letzten Tage ein klein wenig zu dir zurückgekehrt ist, nun wieder unerreichbar für dich werden wird. Niemand versteht und niemand akzeptiert, dass du in Zeiten des Alltags gerade noch so schaffst, dessen Herausforderungen zu entsprechen und dass ansonsten nichts, wirklich NICHTS mehr geht, dass du sonst kein Leben mehr hast. „So etwas gibt es nicht!“, hörst du und den Vorwurf, dass es dir nur an Willen und Konsequenz mangele.

Im Grunde weißt du, dass es so ist. Aber du weißt nicht, wo Willen und Konsequenz herkommen sollen, wenn du nicht ansatzweise weißt, wo du Zeit finden und wie du Zeit aufbringen sollst, und noch mehr Kraft vor allem, ohne im Alltag zu versagen.

Du möchtest dich nur noch verkriechen, und wann immer es dir möglich erscheint, tust du das auch. Es schützt dich, sagst du, und dass dies das Einzige sei, was dich noch schützt: die heimliche Umarmung deiner selbst.  In ihr bist zu Hause, sagst du.

Hast du denn kein anderes (mehr)? Nein, antwortest du.

Dann erzählst du mir eine Geschichte:

Deine Frau besucht seit einiger Zeit eine Freikirche und hat dort verschiedene Menschen kennengelernt, mehr oder weniger intensiv. Darunter ist ein Ehepaar, welches euch schon zu sich eingeladen hat. Dir ist es schwergefallen, mitzugehen.

Die beiden Eheleute waren sehr nett, sehr interessiert. Sie haben eine vollkommen andere Sozialisation erfahren, sind in einem anderen Land aufgewachsen. Ihre Weltsicht ist interessant, aber sie ist von einem sehr intensiven, für dich beinahe fanatischen Vertrauen in Gott und den Glauben geprägt.  So bist du mit gemischten Gefühlen aus dem Gespräch gegangen, hast dich letztlich doch unwohl gefühlt.

Es gab dann noch zwei weitere Begegnungen. Du sagst, dass sie sehr ähnlich verliefen. Herzlich, freundlich, Gespräche mit interessanten Themen, nicht bloß Smalltalk. Aber dein Unwohlsein ist nicht besser geworden. Im Gegenteil.

Der Mann erzählte dir viel von seinem Hobby, er ist Ingenieur und Techniker und macht daheim viel selbst und widmet sich überdies allerlei Basteleien. Außerdem bot dir an, mal gemeinsam Veranstaltungen zu besuchen.

Das hat aber dein Unwohlsein noch mehr verstärkt. Den Erzählungen über die Basteleien konntest du nur schwer folgen, weil das so gar nicht dein Metier ist. Beisteuern konntest du schon gar nichts. (Ich weiß, du hast mir schon oft erzählt, dass dir Verständnis und Interesse für Handwerkliches so gar nicht gegeben ist.)

Irgendwann um die Weihnachtszeit herum, teilte deine Frau dir dann mit, dass der Mann, nicht vorhersehbar, noch eine Karte für ein klassisches Konzert übrig habe, da seine Frau kurzfristig verhindert sei. Da könntest du doch mitgehen …

Du bist nicht mitgegangen und du hast dich auch nicht hinsichtlich einer neuerlichen Einladung des Ehepaars geäußert, weswegen nun der Haussegen bei dir noch etwas schiefer hängt als ohnehin schon. 

Du fühlst dich wie in einer Ecke stehend, bedrängt und doch verstehend, dass deine Frau selbst mehr Kontakt möchte und auch braucht, anderseits spürend, dass sie dich nicht versteht und deine Haltung nicht akzeptiert. Sie bemerkt, sie weiß, wie zurückgezogen du inzwischen bist, wie du in dich hinein fliehst, dass dich fast niemand mehr anruft, dir nahezu niemand schreibt, du dich beinah nie mit anderen Leuten triffst. – Ausgenommen ist deine Arbeit, die vielen Kinder, die Kolleginnen und Kollegen, eben die und das, was und die dein Alltag mit sich bringt.

Und, wenn ich dich bislang richtig verstanden habe, bist du mit dieser Situation doch selbst nicht glücklich, oder?

Nein, sagst du, glücklich bist du nicht. Aber sich beständig unwohl zu fühlen und bedrängt, unsicher zu sein, von Ängsten geplagt, das ist noch schlimmer. Das setzt dir so zu, das nimmt dir die letzte Kraft.

Glück ist letztlich etwas Relatives und die Welt, wie sie ist und die Menschen, die die Macht haben zu entscheiden, haben dir das schon lange bewusst und klargemacht, dass dein Verständnis von Glück heutzutage ein skurriles, veraltetes ist. Wenn du ihm weiter folgst, bedeutet das vergleichsweise einsam zu sein.

So ist nun nur noch ein kleines Glück in dir, das, welches du in deinem Zuhause, in dir selbst findest, sagst du.

Ich höre dir zu, ich nicke und ich verstehe dich. Ja, ICH verstehe dich. Und weil ich das tue, bemitleide ich dich nicht, denn ich weiß, dass du froh bist über das kleine Glück, das dir geblieben ist und dass du weißt, dass ein größeres unter den gegebenen Umständen nicht mehr erreichbar ist. Und, dass das an der Welt und den entscheidenden Menschen ebenso, wie sie nun einmal geworden sind, ebenso liegt, wie an dir selbst, daran, wie DU bist. Und deshalb bemitleidest du dich selbst auch nicht.

Du lächelst mir sachte zu: So ist es. –

Ich schiebe noch die an sich unsinnige Frage nach, ob du noch Träume hast. Unsinnig, weil ich sie mir eigentlich schon selbst beantworten kann. Und so kommt denn auch die Antwort, die ich erwartet habe:

Träume? Nein, die habe ich nicht mehr. Ich habe nur noch einen Wunsch. Den möglichst einigermaßen gesund zu bleiben und ohne körperliche Schmerzen leben zu können, solange es denn noch geht.

Ach ja, und danke, dass du mir zugehört hast …

***

Als „Intro“ auf ihrer Facebookseite ist zu lesen:

Meine Songs sind nicht laut, aber wirkmächtig. Sie sind kein Soul, aber Musik für die Seele. Selbstbefreiung. Ich will den Zirkel von Gewalt und Missbrauch durchbrechen, denn: „Wenn alles um dich dunkel ist – braucht alles um dich herum dein Licht.“

Sie, das ist Helena Delphi, eine Sängerin und Songschreiberin, geboren am 29.08.1988, aus Tübingen. Sie ist im Begriff, ihr erstes Album herauszubringen und in diesem Jahr erstmals auf Tournee zu gehen. Bislang sind drei Singles von ihr erschienen, darunter „Raumschiff“, ein bemerkenswert arrangiertes und vorgetragenes Lied, das den Wunsch thematisiert, dieser Welt entfliehen zu können.

Helena Delphi -„Raumschiff“

Tagebuchseite -1054-

Neun Seiten …

In diesen Tagen ist es still auf meinem Weg. Ich höre meine eigenen Schritte und manchmal das Zwitschern eines kleinen Vogels in der Ferne. Melancholische Musik begleitet mich. Sie ist wunderschön wie die Stimme des Mädchens, das einige Stücke davon mit seinem Gesang bezaubert. Die Tränen, die hin und wieder aus meinen Augen rinnen, wärmen mich.

Schaue ich in mein Tagebuch, dann scheint es, als hätte dieses Jahr nur neun Seiten gehabt. Das ist nicht die Wahrheit.

Die Wahrheit ist, dass ich nicht mehr habe schreiben können. Gedanken mit ihren Endlosschleifen haben mir meine Poesie fest verschnürt. Und es gab kaum etwas zu schreiben, was des Schreibens wert gewesen wäre.

Es war ein dunkles, ein schmerzhaftes Jahr. Ich bin endgültig und vollständig in dem verloren gegangen, was sein musste, was gefordert ist, was notwendig ist, um die Grundbedürfnisse zu befriedigen. Damit war alles aufgebraucht, mehr blieb nicht übrig. Von mir.

Vieles und viele sind gegangen. Gekommen ist nichts und niemand. Ab und zu war da das Zwitschern eines kleinen Vogels. Ich habe dann immer ein paar Tränen süßen Schmerzes weinen können. Das war das Schönste in diesem Jahr.

Ich mache mir keine Gedanken mehr darum, wie es weitergeht. Es wird weitergehen, bis es zu Ende ist. Was sein muss, was nötig ist, wird weiter all meine Kraft beanspruchen. Ich werde es hinnehmen und so gut es mir noch möglich ist, anderen geben von dem, was ich noch habe, noch bin. Kindern vor allem.

Ich wünsche mir, dass der Rest für mehr als neun Seiten reichen möge im nächsten Jahr. Ich wünsche mir das sehr, aber ich hoffe nicht mehr. Auf nichts. Damit habe ich aufgehört. Es tut zu weh …

***

Rosie Mac ist eine britische Schauspielerin, Model und Sängerin, die für ihre Rolle als Emilia Clarkes Körperdouble in Game of Thrones bekannt ist. In einer Romafamilie als Rosie Nelson am 12. Februar 1997 in England geboren, wuchs sie größtenteils in Südspanien auf, wo sie ihre Leidenschaft für die Schauspielerei entdeckte.

Ihre künstlerische Ausbildung umfasst Tanz, Schauspiel und sogar Stuntarbeit, wodurch sie über ein breites Spektrum an Fähigkeiten in der darstellenden Kunst verfügt.

Rosie hat sich auch in die Musikbranche gewagt, veröffentlicht Inhalte und bewirbt ihre Singles in den sozialen Medien. Ihre in diesem  Jahr erschienene Debütsingle „Heartless“ ist ein Beispiel dafür, bei dem sie nicht nur als Sängerin, sondern auch als Songwriterin und Kreativdirektorin mitgewirkt hat.

Entstanden ist eine wundervolle Ballade mit einem ausdrucksstarken Text und einer besonderen Melodie, die getragen von Rosies außergewöhnlicher Stimme ein ganz bemerkenswertes Erstwerk der jungen Künstlerin ist.

Hier ist dieses zauberhafte Lied … :

Rosie Mac – „Heartless“

Sammelsurium -140- (Ein Textschnipsel und ein Lied)

Schnipsel (35)

Am Grund

Kalt und dunkel ist es hier unten am Grund und das Atmen fällt schwer. Ist das so, weil er nun hier unten angekommen ist? Oder kam er hierher, weil ihm das Atmen immer schwerer wurde. Letzteres erscheint ihm wahrscheinlicher, aber einen Unterschied macht es eh‘ nicht.

Die Welt ist da oben.

Manchmal, wenn es ihm gelungen ist, ein bisschen Energie zu sammeln, steigt er noch ein Stückchen dorthin auf. Und manchmal erreicht ihn dann ein kleiner Silberstreif, der ihn sich erinnern lässt an seine Träume von etwas Wärme, die Illusion von einem kleinen kreativen Raum, nur für ihn, von Hoffnung, einem Leben ohne Ängste und an Liebe.

Er lässt jeden süß schmerzenden Silberstreif in sein Herz. Er ist jedes Mal sein inneres Licht für all die Tage, die er nun wieder am Grund verbringen muss, weil die Energie nicht mehr reicht.

Das Beben der Welt reicht bis hier hinunter, ist so deutlich spürbar, dass er dagegenhalten muss, um nicht vollkommen fortgespült, weggedrückt, zu werden. Das Beben, das ihn zu dem hat werden lassen, der er heute ist.  Oben er war er ihm nicht mehr gewachsen. Und mit der Zeit hat er begriffen, dass Abschied das Beste für ihn ist. Endgültiger Abschied.

Manchmal sendet er noch Botschaften nach oben. Zum einen muss er das tun, um zu überleben, weil nur dieser Kontakt gewährleistet, dass er seine Grundbedürfnisse befriedigen kann. Dann setzt er sich eine hübsche Maske auf, weil er immer noch Liebe und Güte vermitteln möchte und niemanden erschrecken. – Zum anderen tut er es, weil er trotz aller Kraftlosigkeit nicht gleichgültig sein und werden will.

Ansonsten bleibt er hier unten. Allein. Er versucht, sich ein Refugium zu erhalten, in dem er ER bleiben darf. Es ist wie das Weben einer warmen Decke, die sein Herz vor dem Erfrieren bewahren soll. Sein Herz, seine letzte Liebe. Er möchte sie ihm geben, weil er erkannt hat, wie lange er ihm Liebe verwehrt hat, seinem schließlich einzig treuen Gefährten.

Besuch verirrt sich kaum hierher. Zu unwirtlich ist der Ort, ist es hier, am Grund. Er weiß, er versteht, er akzeptiert das.

Er weiß auch, dass seine letzten Träume Seifenblasen sind. Es sind nur noch ganz wenige verblieben, sie sind nur noch in ihm, er hat aufgehört, über sie zu sprechen, weil ihm bewusst geworden ist, dass sie irrelevant sind.

Die Welt da oben bebt weiter, lauter, unsteter denn je. Es gibt so viele Opfer zu beklagen wie nie zuvor. Aber niemand beklagt sie. Das ICH gilt und die Ablenkung von allem, was schwer ist. Bücher verschwinden und Meinungen, die anders sind. Der Gleichschritt wird allgegenwärtiger und lauter und zertrampelt die, die nicht so mitkönnen oder -wollen.

Er wollte sich nicht völlig zertrampeln lassen.

So ist er nun am Grund.

Und wird dort bleiben.

Bis zu dem Tag, an dem es vollkommen dunkel bleiben wird.

***

Hinter dem Namen „Not for tears“ verbirgt sich offenbar ein Musiker aus Manchester in England. Ich konnte nicht mehr über ihn in Erfahrung bringen, als dass er sich wohl dem Indie-Rock speziell dem sogenannten Dream-Pop verschrieben hat. Seit Anfang 2025 veröffentlicht er seine Songs. Ein kleines, schönes Lied von ihm ist mir kürzlich begegnet, ein Lied, das von einem meiner wenigen letzten Wünsche erzählt …

Hier ist:

Not for tears – „Be your light“

Tagebuchseite -1053-

Verdunstet

Hier, wo ich jetzt bin, war ich noch nie, obwohl alles um mich herum, wie immer ist.

Dabei ist nichts wie immer. So vieles ist ganz anders als es vor drei, zehn, zwanzig oder gar vierzig Jahren gewesen ist. Kein Tag war oder ist wie der andere. Selbst heute ist anders als gestern. Die Routine, die den Lauf der Zeiten ausmacht, ist die Veränderung. Ich habe mich auch verändert. Und doch bin ich dieser Routine nie immanent gewesen.

So muss es gewesen sein, so ist es. Deshalb fühle ich, spüre ich, weiß ich: Hier, wo ich jetzt bin, war ich noch nie. Ich war nie da, wo man mich gesehen, wahrgenommen hat, höchstens partiell. Aber diese Teile sind mit der Zeit immer weniger geworden.

Heute bleibt da, wo ich bin, bestenfalls noch mein Kokon zurück, aus dem ich selbst längst verdunstet bin, in ein Nirvana, ein Nirgendwo, ein Niemandsland. Ehemals war ich noch Teil eines Hier und Jetzt, jetzt bin ich Antimaterie. Bewusst gewollt habe ich das nie. Jetzt ist es Fakt.

Mein Telefon schweigt tage-, manchmal wochenlang. Nur auf meinen Kokon wird eingeredet, meine Ganzkörpermaske, die ich im Alltag bin und mehr und mehr nicht nur dort. Und es trifft mich, obwohl ich doch verdunstet bin, bisweilen schwer, was da zu mir gesprochen wird. Denn mir wird darin mein Versagen bewusst, meine Andersartigkeit, meine Inkompatibilität mit einigem, was war, mit nahezu allem was ist und was sein wird, die Menschen ausdrücklich eingeschlossen.

Ich versuche, noch zu geben, was ich kann, dort wo sich mein Kokon jeweils gerade befindet, vor allem immer noch und immer wieder: Liebe. Das ist nichts Besonderes. Ich bin so, ich kann nicht anders, selbst dann nicht, wenn ich unsagbar müde bin.

Für mich selbst habe ich nur noch wenige „Lösungen“, mitunter auch keine mehr.

Selbst ein paar Tage Urlaub, die einst eine Atempause vermitteln konnten, zeigen mir heute, dass das so ist.

Da war zum Beispiel vorige Woche die kleine Wanderung durch eine Drachenschlucht, die ich ehemals mit Leichtigkeit bewältigt hätte, heute dagegen unnatürlich in Schweiß gebadet, wie sonst niemand, den ich traf, unter Schmerzen, die sich auch noch verstärkten und nur mit äußerster Konzentration und Vorsicht. Das schöne grüne Moos an den Wänden der Schluchten, die zarten Kleeblätter, die klaren Wassertröpfchen und feinen Spinnennetze, die durch die Baumwipfel in die Tiefe blinzelnden Sonnenstrahlen: All das habe ich dennoch gesehen, gefühlt … aber es wurde und blieb nur stille Wehmut. Jeder unvermeidlich noch schmerzhaftere Schritt machte mich trauriger.

So war und ist es nicht nur dort.

So ist es immer, jetzt.

Und so kommt es, dass, wo immer ich jetzt bin, ich noch nie war, obwohl alles um mich herum, wie immer ist.

Und ich muss wohl lernen, dort zu „leben“, im Nirvana, im Niemandsland, im Nirgendwo. Denn ich fürchte und spüre, dass es mein letztes „Leben“ ist.

***

Sie singt schon lange, schreibt schon lange Songs, genießt offenkundig bereits eine recht große Popularität und ist mir doch erst jetzt begegnet. Luna, eine junge Künstlerin aus der Ukraine.

Diese erste Begegnung hatte ich mit ihr, als ich jenes Lied, das schon vor ein paar Jahren (wohl 2016) entstanden ist und das ich heute teilen möchte, vor ein paar Wochen hörte. „Junge, Du bist Schnee (, Schnee, der niemals kommen wird)“ ist sein Titel und es vermittelt eine ganz besondere, beinah sanfte Melancholie, die durch die gewählte Instrumentierung und Lunas schöne, ausdrucksstarke Stimme getragen wird. Sein Text geht tief und lässt viele eigene Interpretationen und Gedanken zu. Es wäre sehr bereichernd und interessant, sich mit Luna dazu austauschen zu können …

Luna – „Junge, Du bist Schnee …“

Tagebuchseite -1052-

Ein Januskopf, der Lehrer ist?

Wie verbreitet man Zuversicht, wenn man selbst kaum noch welche hat? Wie erklärt man eine Welt, von der man überzeugt ist, dass die Menschen, die in ihr leben und über Macht verfügen, längst über allem stehen und um ihre Unanfechtbarkeit wissen.

Ich kann in dieser Welt nicht frei sein und ich bin mittlerweile so grundsätzlich uneins mit nahezu allen Entwicklungen und politischen Strömungen, dass ich mich nach einem Rückzugsort sehne, den es auf Erden sehr wahrscheinlich nicht (mehr) gibt.

Immer öfter gehe ich in die Schule, stehe dort vor den mir anvertrauten Kindern und frage mich, ob ich das überhaupt noch verantworten kann. So oft versuche ich Optimismus zu vermitteln, wo ich ihn bestenfalls für eine beschwichtigende bzw. gar heuchlerische Durchhalteparole halte. Ich lächele meine eigenen Ängste und unbeantwortbaren Fragen weg und ermutige stattdessen und strenge mich an, jede Frage, die mir die Kinder stellen, zu beantworten. Und manchmal, ja, da tröste ich sogar, obgleich mir selbst danach ist, mit zu weinen.

Einige der Kinder jener 6. Klasse, die jetzt meine Schule verlassen hat, und die mir ans Herz gewachsen ist, wie noch nie eine ganze Klasse vorher, haben mich auf allerliebste Weise wissen lassen, dass und wie sie mir danken für die Stunden, die wir gemeinsam verbracht haben.

Wenn ich daran denke, dass es mir immer ein ganz wichtiges Anliegen war und bis heute ist, Vertrauen zu vermitteln, Empathie zu signalisieren, Liebe zu geben, zu differenzierendem Denken zu motivieren und so weit, wie das möglich ist, wie ein Freund zu sein, dann kann ich diese wunderbaren Gesten annehmen und bin zugleich so berührt davon, dass es mich innerlich zum Beben bringt.

Wenn mir aber meine innere Zerrissenheit, meine Melancholie, Ausweglosigkeit und Unfähigkeit, einen akzeptablen Weg durch das gegenwärtige Leben zu gehen, bewusst werden, dann schäme ich mich, die lieben Gesten anzunehmen, denn ich fühle mich wie ein elender Opportunist, dem wirklich kein Dank gebührt.

Meine Seele ist voll, übervoll von Dingen, die ich herausschreien möchte, wissend, dass kein Schreien sie noch erleichtern kann. Je konsequenter ich mein Leben, nach meinen Wertvorstellungen und mit meinen Unzulänglichkeiten und Unfähigkeiten, zu leben versuche, desto deutlicher wird mir, dass NIEMAND sonst so leben kann und möchte. Meine Prämissen und Eigenarten sind in ihrer Art so skurril und „lebensfremd“, dass der Begriff „radikal“ sie vielleicht am besten beschreibt. Zugleich sind sie so seltsam radikal, dass sie sich in keinem noch so radikalen politischen Programm, weder „rechts“ noch „links“ wiederfinden oder unterbringen ließen.

Denn, ich verabscheue Extremismus, ich verabscheue Radikalität!

Ich weiß nicht mehr, wo ich hingehöre, eine Heimat im Sinne eines Landes, einer Gesellschaft, habe ich nicht mehr. Ich habe grundsätzlich kein Vertrauen mehr in Politik, in Wirtschaft, in Menschen. Meine Visionen sind Illusionen. Träume habe ich und will ich keine mehr. Ich halte die Enttäuschung des Aufwachens nicht mehr aus.

Wo ich bin, verbrenne ich.

Kann so einer wie ich noch vor Kinder treten und Lehrer sein? Ein zerrissener Mensch, der hofft, dass niemand seinen Zustand bemerkt, der sich deshalb maskiert und damit etwas tut, was er immer von Grund auf abgelehnt hat. Der also der Welt, den Kindern vor allem, etwas vorspielt, ein janusköpfiges Wesen und damit etwas, wovor er zeit seines Lebens selbst immer Furcht empfunden hat, bis heute, und der solche Wesen an sich verachtet.

Kann er das noch? Wie lange kann er das noch?

Darf er das noch?

***

Zu dem, Lied, das ich heute hier teile, möchte ich nur folgendes sagen:

Ich „erkläre“ bewusst nichts dazu und ich rechtfertige mich nicht dafür, es hier heute in meinem Tagebuch zu veröffentlichen.

Rimbiana – „The Palestine Smile“

Sammelsurium -139- (Ein Textschnipsel und ein wunderbares Lied)

Schnipsel (34)

Zwischenwelt

Ein Windhauch streift durch das Zimmer. Ich muss eingeschlafen sein und erwache von der leichten Brise. Mich vom Sofa aufrichtend, sehe ich mich um. Wo bin ich hier? Wie bin ich hierhergekommen?

Das Zimmer ist mit älteren ländlichen Holzmöbeln eingerichtet, zweckmäßig aber schön. Dazu gehören unter anderem zwei große Bücherregale und ein Schreibtisch, der vor einem geöffneten Fenster steht. Ich schaue hinaus und sehe eine Landschaft mit Feldern, am Horizont von Wald umsäumt. Und eine Wiese mit Klatschmohn, Kornblumen und Kamillenblüten, die einen sanften Duft verströmen. Die Sonne scheint, ein paar Wolken ziehen am ansonsten blauen Himmel und ich höre den Gesang vieler verschiedener Vogelarten.

Ich gehe aus dem Zimmer in einen kleinen Flur. Links ist eine Tür geöffnet, sodass ich einen Blick in die Küche nehmen kann. Auch hier, einfache, zweckmäßige, ländliche Einrichtung. Auf dem Tisch steht noch eine Teetasse und ein Glas mit Orangenkonfitüre.

Wieder frage ich mich, wo ich hier bin und warum hier offenbar so vieles meinen unerfüllten Träumen zu entsprechen versucht. Es ist, als wäre ich schon einmal hier gewesen und doch weiß ich, dass es nicht so ist.

Durch die geöffnete Haustür am Ende des Korridors gehe ich in Freie. Es ist atemberaubend schön. Links von mir sehe ich einen kleinen, sehr gepflegten Garten, mit Obststräuchern, Gemüsebeeten und am Ende des Areals ein paar Bäumen, die Äpfel, Birnen und Pflaumen tragen. Rechts von mir gibt es eine Wiese mit vielen bunten Blumen, ein Paradies für Bienen, Hummeln und andere Insekten.

Ein kleiner Landweg führt an dem Häuschen vorbei, rechts von einem Hügel kommend, links bis zum Horizont führend. Ich höre ein vertrautes, aber sehr lange nicht mehr vernommenes Summen. Da bemerke ich die Telegraphenmasten, die den Lauf des Weges in regelmäßigen Abständen begleiten und halte mein Ohr an einen von ihnen.

Und plötzlich ist es wie in meiner Kindheit, als wir bei meiner Oma väterlicherseits waren: In dem hölzernen Mast scheinen die Stimmen der Menschen, die gerade einander anrufen, zu einem harmonischen Summen vereint zu sein.

Erneut frage ich mich, wo ich hier bin. Und in welcher Zeit ich mich hier gerade befinde. Und warum ich hier bin und was ich hier will. Wollte ich hier sein?

Plötzlich stolpere ich und suche unwillkürlich Halt, greife in einen Brombeerbusch. Die Dornen verletzen meine rechte Hand, sogar Blut tritt aus. Aber ich spüre nichts, kein Stechen, keinen Schmerz, nichts. Wie kann das sein? Die Brise des Windes, die mich vorhin hat aufwachen lassen, habe ich doch sehr wohl gefühlt und auch jetzt empfinde ich jeden der zarten Hauche des Windes.

Ich setze mich, sehr nachdenklich geworden, auf eine einfache hölzerne Bank, die neben dem Eingang vor dem Haus steht und schaue in den Himmel. Als ich den Blick wieder senke, sehe ich in der Ferne links dem Horizont entspringend ein Mädchen in einem blauen Sommerkleid auf einem Fahrrad den Landweg entlang radeln. Als sie auf meiner Höhe ist, bremst sie ab, hält an und schiebt ihr Fahrrad zu mir an die Bank.

Ich schaue überrascht auf, als sie mich mit einem „Hallo“ begrüßt. Ich grüße zurück, aber ich weiß nicht, ob ich das Mädchen kenne. Es ist vielleicht 15 Jahre alt, hat dichte wellige dunkelblonde Haare und graublaue Augen. Auch seine Stimme scheint mir nicht fremd als es nun sagt: „Ich bringe dir dein Buch zurück und einen Gruß von meinen Eltern.“ Damit stellt es ein Glas mit Bienenhonig auf die Bank und reicht mir das Buch.

Das Buch ist ein sehr dicker Wälzer. Sein Buchdeckel zeigt ein changierendes Blau in den verschiedensten Nuancen, das es schwermacht, Autor und Titel zu erfassen. Ich erkenne etwas wie S.Oul  & C. Onscience  – „Leben und Tod des …“ Der Rest ist nicht wirklich zu entziffern. Für einen winzigen Augenblick glaube ich freilich, meinen eigenen Namen dort zu erkennen.

Ich möchte das Mädchen noch etwas fragen, aber sie hat ihr Fahrrad bereits gewendet, greift kurz nach meiner linken Hand, um sie zu drücken und sagt: „Bis bald, vielleicht!“ Und dann radelt es zur rechten Seite bergan davon und ist alsbald verschwunden.

Ich bemerke im Nachhinein, dass ich den Händedruck des Mädchens wieder nicht gespürt habe. Aber der Wind streichelt noch immer meine Haut.

Die Sonne senkt sich zum Firmament hinab. Ich nehme das Buch und das Honigglas und gehe zurück in das Zimmer, in dem ich vor ein paar Stunden aufgewacht bin. Ich bin sehr verwirrt und kann kaum noch darüber staunen, dass auf dem Tisch eine Tasse mit meinem Lieblingstee dampft.

Bis heute habe ich nicht in Erfahrung bringen können, wie ich, gefühlt vor wenigen Tagen, in jenes Haus, an jenen Ort gekommen bin, wer das Mädchen war.

Irgendwann bin ich an einem Morgen, dem Morgen danach (?), in meinem Bett erwacht. Auf meinem Nachtschrank stand ein Glas mit Honig und meine rechte Hand wies schmerzende Wunden, wie von Brombeerdornen verursacht, auf. Wohl aus meinem letzten Traum klang eine Mädchenstimme an mein Ohr: „Deine Seele und dein Gewissen haben ein Buch geschrieben …“ Und ich spüre einen sanften Händedruck an meiner linken Hand.

Aber niemand ist da … Das Buch nicht. Das Mädchen auch nicht.

Bin ich da? Bin ich hier? Wo bin ich?

Ich weiß es nicht.

***

Manchmal stößt man auf eine Stimme, die nichts erklärt – und doch alles erzählt. So ging es mir mit Nayla Salzmann.

Ein Klick, ein Lied: Never Meant. Ein Song, der sich nicht aufdrängt. Und gerade darin liegt seine Kraft.

Da ist diese Stimme, klar und doch brüchig – nicht gespielt verletzlich, sondern wirklich. Und Worte, die nicht größer sein wollen als der Moment, den sie beschreiben. „Never meant to hurt you“ – ein einfacher Satz, aber gesungen, als sei er das Letzte, was man sagen kann, bevor das Schweigen übernimmt.

Ich weiß nichts über Nayla Salzmanns Herkunft, ihr Leben, ihren Weg – aber vielleicht ist das auch nicht nötig. Denn sie erzählt schon alles, was wichtig ist, in ihren Liedern. Leise. Wahrhaftig. Und auf eine Weise, die bleibt.

„Never Meant“ ist für mich eines der schönsten Lieder überhaupt. Ich weiß inzwischen, dass Nayla an ihrem ersten Album arbeitet und kenne schon einige Lieder mehr von ihr. Sie ist, ihre Lieder sind, GROßARTIG!

Nayla Salzmann – „Never Meant“

Tagebuchseite -1051-

Gefangenschaften (2) – „Selbstgefängnis“

Ich schrieb auf meiner letzten Tagebuchseite davon, dass während der Zeit meiner wochenlangen Gefangenschaft in den vier Wänden meiner angesichts eines Fußbruchs viel zu hoch gelegenen Plattenbauwohnung immer wieder Gedankenkarussells Fahrt in mir aufgenommen haben. Eins davon hat mich, zu einer Erkenntnis, einer Essenz, mein ganzes Leben als solches betreffend, geführt:

So pathetisch wie es klingen mag, so wahr ist diese Erkenntnis: Ich war und ich bin nicht gemacht für ein Leben, wie es ein Mensch leben können muss. Ich bin nicht gemacht für das Leben.

Das Leben stellt viele unterschiedliche Anforderungen, häufig nicht nacheinander, sondern „auf einen Schlag“. Es hält jeden Tag, jede Woche, jeden Monat neue, sich verändernde und, so erscheint es mir jedenfalls, immer komplexere Aufgaben bereit, die oft jeder Einzelne irgendwie lösen muss.

So ist das eben. Und viele Menschen schaffen das, bewähren sich darin und wachsen dabei sogar, auch wenn das nicht immer ein gradliniger Prozess ist und es auch Rückschläge gibt. Obendrein gelingt es ihnen, sich immer wie auf neue Situationen einzustellen und Veränderungen anzunehmen.

Einem guten Familienvater gelingt es, seinen Job gut zu erledigen, sich darin weiterzuqualifizieren, angemessen zur Ernährung und dem Wohlstand seiner Familie beizutragen. Er ist für seine Familie da, indem er dort Aufgaben übernimmt, aktiv zur Entwicklung, Erziehung, Bildung und Förderung der Kinder beiträgt, Zeit für die Familie hat, „Haus und Hof“ instand hält, verschönert und bestenfalls sogar erweitert. Er engagiert sich im Beruf und in der Familie, behält den Blick für das „Große und Ganze“, schafft es, einen Freundeskreis (mit-)aufzubauen, der seine Familie im Sinne eines Netzwerks bei Bedarf unterstützen, ihr helfen kann. Er hat und hält, auch in diesem Sinne, Kontakt zu anderen, entfernteren Familienmitgliedern. Von „äußeren“ Einflüssen, wie der Weltpolitik, lässt er sich beeinflussen, nimmt Anteil daran, aber niemals überwältigen. Er behält Freiräume für aktive Erholung und das eine oder andere Hobby.

Das sind, ich glaube kaum, dass da jemand widerspräche, elementare, „normale“ Dinge, ja, täglich immer wieder herausfordernd, ja, nicht immer in gleicher Qualität zu schaffen, aber eben auch, ja, von vielen Menschen so bewältigt und gelebt.

Nicht von mir.

Ich habe es nie vermocht, diesen vielen Herausforderungen und Aufgaben wirklich zu entsprechen, so zu entsprechen, dass ich (m)einer Familie wirklich Zufriedenheit, Absicherung und Glück vermitteln konnte, dass es mir gelungen wäre, ein verlässliches Netzwerk von Menschen um uns zu scharen, ein wenigstens funktionierendes, geschweige denn modernes Zuhause zu bieten bzw. zu ermöglichen. – Mir ist es immer schwergefallen, tragfähige Kontakte herzustellen, Freundschaften zu schließen. „Türöffner“ wie Smalltalk beherrsche ich nicht, meine Neigungen, Interessen und Hobbys sind eher stille und mein Älter- oder gar Reiferwerden ging nicht mit der Entwicklung größeren Selbstbewusstseins einher.

Ich zolle Tribut für die Art zu sein wie ich bin: angstbesetzt, depressiv, neurotisch. Ein von seinem Gewissen unerbittlich Getriebener, übertrieben empfindsam, so sehr, dass ALLES imstande ist, Schmerz in mir auszulösen. Ist ein Reiz auch noch so klein, noch so unbedeutend, ich empfinde ihn wie ein Emotionsgewitter. Alles, was VIEL ist, überwältigt mich, was bei mir VIEL ist, ist bei den meisten anderen Menschen freilich gar nicht weiter erwähnenswert.

Vor gut zehn Jahren gab es eine Zäsur in meinem Leben, die mir die Endlichkeit meines Lebensvermögens, meinem Teilnehmen an dem, was Leben ist und ausmacht, sehr deutlich vor Augen geführt hat. Sie hat mir damals die Augen dafür geöffnet, dass ich jahrzehntelang über Verhältnisse hinaus gelebt und Kraft dafür gelassen habe, und zwar sehr unverhältnismäßig. Genügt haben meine Investitionen dennoch nicht.

So ist es geblieben, obwohl ich mich hernach noch einmal, teils ganz neuen Herausforderungen zu stellen versucht habe. Ich kann und will nicht sagen, dass alles davon erfolglos geblieben ist, dass ich ein „Komplettversager“ bin.

In meinen Jobs habe ich nach außen hin sogar immer so gut funktioniert, dass man mich geschätzt hat, ich oft gehört habe, dass ich meine jeweilige Arbeit gut machen würde, ja, sogar besonders dafür geeignet sei. Die Kehrseite war und ist, dass mich das immer so viel Kraft, Einsatz und Substanz gekostet hat und kostet, dass für alles Andere, was Leben sonst noch ausmacht, nahezu NICHTS mehr übrig bleibt, mit den entsprechenden Folgen …

Ich bin in Gefangenschaft meiner eigenen Persönlichkeit, meines Charakters, meines Gewissens, meiner enormen Empfindsamkeit: keine Therapie, kein freiwilliger oder erzwungener Neuanfang haben daran etwas ändern können. Solange ich konnte, habe ich diese Erkenntnis, soweit ich sie erahnte, zu verdrängen, zu ignorieren versucht. Meine krampfhaften und wiederholten Versuche, mich ungeachtet dessen, immer wieder dem Leben zu stellen, empfinden und bewerten vor allem meine Nächsten allenfalls als halbherzig. – Von außen betrachtet, kann es wohl nicht anders erscheinen: Ich bin zu unflexibel, nicht veränderungswillig, zu bequem.

In meinem Inneren sieht es anders aus: Ich bin voller Unruhe, bekomme meine Ängste nicht in den Griff, bin verzweifelt, werde melancholisch, rutsche in Depressionen und kämpfe doch, stelle mich vor allem meinen beruflichen Verpflichtungen immer und immer wieder, obwohl ich oft kaum noch kann.

Wenn ich von außen höre oder spüre, dass erwartet wird, ich müsse bloß mal aus meiner Komfortzone kommen, tut mir das weh, verletzt es mich, macht mich das traurig, denn unterstellt das nicht, dass ich mir mein (krankhaftes) Innenleben ausgesucht habe und froh bin, darin „eingerichtet“ zu sein?

Ich bin nicht darin eingerichtet, ich bin darin gefangen. Ausbruchsversuche, alles, was ich getan habe und immer noch versuche, ins Leben auszubrechen, führen mich nur immer noch tiefer in mich, meine eigene Gefangenschaft hinein.

Ich stehe am Morgen auf. Mein Arbeitsalltag, die Bitten und (berechtigten) Forderungen meiner Familie, die Nachrichten, das Weltgeschehen, die zunehmende Rohheit und Rücksichtslosigkeit unter den Menschen, die immer größer werdende Spaltung der Gesellschaft, die lauten Partys, die immer größer, immer schriller, immer aufwändiger werdenden „Events“, das alles überfordert mich mittlerweile so sehr, dass ich am Abend VOLLKOMMEN geschafft bin, KEINE Reserven mehr habe.

Und am nächsten Morgen stehe ich doch wieder auf …

Aber ich bin nicht gemacht für dieses Leben.

Ich bin in meiner eigenen Gefangenschaft gefangen.

***

„Sons of the east“ sind ein australisches Indie-Folk-Trio, das 2011 von Nic Johnston, Dan Wallage und Jack Rollins gegründet wurde. Bis heute haben sie ein Studioalbum, drei EPs und eine Reihe von Singles veröffentlicht. 2025 steht ganz im Zeichen von „SONS“, dem zweiten Album der Gruppe.

„Sons of the east“ gehören zu jenen Indie-Bands, die es geschafft haben, Weltruhm zu erreichen. Vor allem ihre Live-Auftritte begeistern Fans weltweit und sorgten bisher für über 700 Millionen Streams, 75 Millionen YouTube-Aufrufe sowie mehr als 100.000 verkaufte Konzerttickets. (Quelle: tonspion)

Die Melodien ihrer Songs enthalten Blues-, Pop-, Country- und Folkelemente und erinnern in ihrer Art (Instrumentierung, Gesang, Arrangement) an Bands aus „guten alten Zeiten“.

Ich habe ein sehr schönes Lied aus dem Jahr 2020 gefunden, das ich exemplarisch hier teilen möchte:

Sons of the east – „You might think“

Tagebuchseite -1050-

Gefangenschaften (1) – „Bruch“

Da sind zwei Fußabdrücke auf einem sonst vollkommen unberührten, kilometerweiten Strand. Weiter nichts. Zwei Fußabdrücke, relativ dicht nebeneinander befindlich, aber keine fortlaufende Spur, die andeutet, dass der Fußabdrucksetzer auch nur einen Schritt gegangen ist.

Es schaut aus, als wäre hier ein Mensch vom Himmel gefallen und anschließend einfach verdunstet und auf diese Weise wieder verschwunden oder zumindest unsichtbar geworden.

Meine Tagebuchseite dieses Jahres ist wie dieser Strand. Zwei Einträge, in kurzem zeitlichen Abstand befinden sich darauf, die mich kurzzeitig sichtbar sein ließen. Sonst keine Schritte, keine weitere Spur.

Seit Anfang März habe ich im Gefängnis der vierten Etage meiner Wohnung verharrt. Wochenlang, bis auf ganz wenige Ausnahmen, die mir allergrößte Anstrengung abverlangten, jeweils nur von sehr kurzer Dauer waren und mich ausschließlich an einen Ort führten, wo weiße Kittel getragen werden. Während dieses Zeitabschnitts gab es dann noch sechs Tage als die Gefangenschaft noch „vollkommener“ wurde, weil ich sie dann gar in einem fremden Gemäuer, außerhalb meiner Wohnung aushalten musste.

Angefangen hat das ganze Dilemma am ersten Sonnabendnachmittag des Monats März. Ich knickte um, in ein Schlagloch hinein und brach mir dabei den linken Mittelfuß. Ich musste eine Orthese tragen, es stellte sich eine Infektion ein und es ergab sich, dass der Fuß, von dem schon bekannt war, dass an ihm einiges nicht mehr richtig funktionierte, nunmehr weiter, teils vollkommen und nicht mehr reparabel verschlissen ist. 

Etwa auf halber Strecke der Heilung des Bruches entwickelte sich aus unerfindlichen Gründen in meinem anderem, dem rechten Fuß, eine Wundrose. Bedrohlich ausschauend und schmerzhaft und in Kombination mit der bereits bestehenden Zwangslage mit der Folge absoluter Fortbewegungsunfähigkeit und, unter anderem deshalb, eines Krankenhausaufenthalts und der Feststellung, dass auch dieser rechte Fuß mittlerweile unübersehbare Anzeichen von Verschleiß und Abnutzung in sich bewahrt.

Neun Wochen lang begann es zu knospen, zu sprießen, zu grünen, Frühling zu werden und zu sein, nahezu ohne, dass ich davon etwas zu sehen, zu spüren, aufzunehmen vermochte. Etage vier, mit zwei kaputten Füßen, auf Krücken angewiesen, ja, da entsteht das Empfinden von Gefangenschaft, welches sich auch dadurch manifestierte, dass ich nahezu kaum „Besuch“ bekam. Meine wenigen, wirklichen Freundinnen und Freunde wohnen weit weg …

Zu dieser einen Gefangenschaft gesellte sich eine zweite, die das Erkennen einer dritten bedingte. Doch davon wird später zu schreiben sein.

Es ist so viel Zeit vergangen, die, angesichts der Umstände nicht verwunderlich, viele Gedankenkarussells kreisen ließen. Inzwischen ist ein Ende abzusehen, die Rückkehr in die „Normalität“ in gut einer Woche, einer Normalität, die ich freilich so, wie sie war, nicht mehr will und wohl auch nicht mehr aushalte.

Seit etwa 10 Tagen lerne ich wieder laufen. Mittlerweile lasse ich auch die zweite Krücke stehen. Allerdings laufe ich noch nicht wieder „rund“, wirklich größere Strecken schaffe ich noch nicht und was ich schaffe, geht mit Schmerzen einher. Das wird, nach Aussage jener Menschen, die mehr von meinen Krankheiten verstehen als ich, wohl bestenfalls eine Weile so bleiben. – Der Wiedereintritt in den Arbeitsalltag wird auch aus diesem Grund eine Herausforderung werden.

Ich kann mich an meinem Lieblingsgrün draußen, an dem Blau des Himmels, an dem Gelb der nun freilich schon verblühenden Rapsfelder gar nicht sattsehen, am Vogelgezwitscher nicht satthören, am Hauch des Windes nicht sattfühlen. Wie lange habe ich darauf warten und das entbehren müssen …

Noch besucht mich seit einiger Zeit täglich ein Pflegedienst. Mit dem Beginn meiner Gehversuche, dem Wiederbelasten meiner Beine, hat sich eine weitere Komplikation eingestellt, die nachhaltig sein wird. Ich brauche vorerst beidbeinig Kompressionsverbände, demnächst werden diese durch entsprechende Strümpfe ersetzt. Meine Medikamentenliste ist wieder ein Stück länger geworden, auch, weil meine beiden Beine nicht meine einzigen Baustellen sind.

Meine Kinder haben mir geschrieben, fast alle. Die aus meiner und die aus jener 6. Klasse, die ich so sehr in mein Herz geschlossen habe, dass sie mir wirklich, wirklich fehlen werden. Waren das schöne, humorvolle, ermutigende und mit viel Liebe angefertigte Karten und Blätter. Es waren auch Gedichte für mich und sogar ein Rätsel dabei! Ich habe alles aufbewahrt, manches hat mir Tränen der Rührung in die Augen getrieben und das tut es unverändert, immer, wenn ich darin herumblättere.

Zwei Mädchen meiner 5. Klasse haben mich sogar besucht.

Zum Schönen gehörte auch, dass ich zum Lesen zurückfinden konnte. Wie sehr hat mir das die letzten Monate (Jahre) gefehlt! Fünf Bücher habe ich nun geschafft, fünf Bücher, die mich in die unterschiedlichsten Lebenswelten und -situationen mitgenommen haben. Ich habe wieder spüren können, wie sehr mich das Lesen innerlich berührt, beschäftigt und fühlen lässt, wie sehr es Leben und Lebensqualität für mich ausmacht.

Nächste Woche stehen noch einmal etliche Arztbesuche an und ich muss weiter Laufen üben. Ein kleines Trauma ist in mir zurückgeblieben, das ich noch nicht zu überwinden vermag: Ich habe Angst vor Kopfsteinpflaster und vor unebenen und abschüssigen Wegen.

Mein Strand zeigt nun eine dritte Spur. Allein ist sie da, weit entfernt von den beiden anderen. Was sie ist, was sie ausmacht, weiß ich (noch) nicht. Sie will nichts verheißen, ist ab jetzt einfach nur da.  Als ein Zeichen …

***

Die Pianistin, Sängerin, Organistin und Liedermacherin Anna von Hausswolff wurde 1986 im schwedischen Göteborg geboren. Allzu viel mehr ist nicht über sie bekannt, außer, dass ihre erste eigene Single sowie ihr Debütalbum im Jahr 2010 erschienen sind und bis 2020 weitere vier Alben folgten. Seit 2009 ist sie bis heute faktisch immer auf Tour, hat an mehreren Musikfestivals teilgenommen und tritt gelegentlich auch in Kirchen auf. Bei Kennern genießt sie vor allem Anerkennung für ihre ausdrucksstarke Stimme und ihrer Fähigkeiten an der Orgel. Ansonsten ist sie wegen der Art ihrer Musik und auch manchen Textes nicht immer unumstritten.

Das Lied „Mountains Crave“ von ihrem ersten Album ist für mich ein besonders schönes. Es hat nur einen recht knappen Text, der die grundsätzliche Frage nach der Zukunft stellt und mich damit sehr „abgeholt“ hat und das nicht nur, weil die gegenwärtigen Zeiten einen optimistischen Blick auf Künftiges gerade besonders schwierig und komplex erscheinen lassen.

Anna von Hausswolff – „Mountains Crave“

Sammelsurium -138- (Zwei Versschnipsel und ein Lied)

Schnipsel (33)

(Versschnipsel)

Als ich am Strand gewesen,
konnt' ich an den Wolken lesen,
wie sehr es den Wind grad trieb.

Sah, wie er den Wellen schrieb
auf ihre Häupter Kronen aus Schaum,
in der Sonne glitzernd -

einen Frühsommertraum.

*

Sensibles Herz,
an der Welt zerbricht.

Kleine Sternlein trösten ...
aber sie heilen es nicht.

***

Juno Francis bisweilen vorgestellt als „Liebeskind eines Gentlemans der 60er und einer Lady der 80er Jahre“ gibt es gar nicht. Jedenfalls nicht wirklich. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Duo, dessen Namen ich allerdings nicht in Erfahrung zu bringen vermochte. Irgendetwas mit Mode könnte sich dahinter verbergen, möglicherweise zwischen Berlin und Göteborg, in jedem Falle aber sehr besondere Musik. „Warme, schwammige Psychedelik mit großen, neongrellen Gesten“, konnte ich irgendwo lesen und dass „die eigentliche Kunst des Duos: in einem Moment zu Tode betrübt, und schon im nächsten himmelhochjauchzend“ sei. – Das erste Stück, das ich von Juno Francis gefunden habe, ein ziemlich aktuelles, fand ich einfach nur sehr schön. Und diese Schönheit möchte ich hier teilen:

Juno Francis – „Fading Memorys“

Tagebuchseite -1049-

Ein gutes Zehntel …

… jenes Jahres, welches gefühlt gestern als „das Neue“ begrüßt wurde, ist ins Land gegangen, ohne dass bislang ein Text, eine kleine Sentenz, ein paar Sätze oder auch nur ein einziges Wort Eingang in mein Blogtagebuch gefunden hätte. Das hat es noch nie gegeben, solange ich es führe.

Der Januar ist verflogen. Er hat mich atemlos werden lassen und schließlich sehr müde. Er war nur eins: Arbeit, viel Arbeit. Zwei, drei Telefonate durchbrachen wie Sonnenstrahlen den Alltag, der sonst wie ein Zwillingsbruder die Farbe des Januarhimmels hier im Nordosten trug: Grau.

Lange schon reichen meine Kräfte nicht mehr, auszubrechen, mir selbst Freiräume zu schaffen. Ist da tatsächlich mal eine Sequenz für ein kleines Atemholen, übermannt mich augenblicklich eine nicht nur seelische, sondern auch körperliche Müdigkeit, gegen die ich nicht anzukommen vermag.

Und so wird es dann nichts mit dem Schreiben, auch nicht mit Lesen oder sonst etwas, was ich gern täte, wenn es denn ginge. Es geht einfach nicht.

Rückblickend ausführlicher zu schreiben, was im Einzelnen geschehen ist und welche Malaisen mich geplagt haben, lohnt sich nicht und ich verwehre es mir auch. Es würde nur das in Lettern materialisieren, was als ungute Erinnerungen in mir abgelegt ist und dort genug Unheil anrichtet. Ich will nicht, dass es mich auch noch anschaut, aus diesem Fenster hier. Das „positivste“ Resümee ist, dass ich wieder einmal durchgehalten habe …

Dem Januar folgten ein paar freie Tage. Die erste Woche dieser Zeit habe ich vollständig gebraucht, meiner Paralyse zu entkommen. Es war schwer, sehr schwer. Zu schlafen, wenn ich doch nun endlich schlafen durfte, etwas von dem zu tun, wonach ich mich sonst doch nur sehnen kann. Gelungen ist mir, endlich, endlich wieder ein bisschen zu lesen zu beginnen, meinen Lieblingsitaliener zu besuchen, einen kleinen Spaziergang hinunter zum Hafen zu machen, wieder ein bisschen in „meine Musik“ einzutauchen. Ein kurzer Abstecher zur Ostsee war mir noch möglich und vorhin habe ich seit vielen Monaten mal wieder ein Kino besucht. Und dann gab es da noch zwei wundervolle Telefongespräche mit einem Menschen, den ich so, so gern ein wenig näher hier hätte, weil meine Seele seine Seele so sehr liebt.

Alles sonst irritiert mich nach wie vor, manches stürzt mich in starke Unruhen.

Nur eine davon ließ sich beheben. Jene, die sich in mir in Zusammenhang mit dem plötzlichen vollkommenen Crash meines Rechners breit machte. Die nicht unberechtigte Furcht vor dem Verlust aller Daten konnte sich schließlich zerstreuen und auch, wenn ich möglicherweise materiell mehr investiert habe, als es ein „Kenner der Materie“ getan hätte, bin ich einem kleinen IT-Laden hier in der Nähe unendlich dankbar: Sie haben alles gerettet und ich schreibe nunmehr meine erste Tagebuchseite mithilfe eines neuen Rechners.

Alle anderen Unruhen sind geblieben. Sie sind sogar mehr geworden. Ich finde kaum noch materielle oder immaterielle Orte, zu denen ich gehören möchte, an denen ich mich angenommen und verstanden fühle, die keine Orte meiner diversen Ängste und permanenter Überforderung sind. Die fremden, Angst und Sorge, Unbehagen und Verunsicherung auslösenden und bedeutenden Orte sind dafür überall, bei mir daheim, in meiner Stadt, in Deutschland, in der Welt.

Etwa drei Tage bleiben mir noch, zwischen der paralysierten Freizeit der vergangenen Woche und dem „sich wieder einlassen Müssen“ auf jene Pflichten, die ab nächste Woche dann schon wieder Alltag werden …

*

Eine Depression ist wie ein tiefes, schwarzes Loch. Sind Ängste da oder ist es gar eine permanente Angst, dann schaufeln/t sie das Loch tiefer, immer tiefer. Wenn du schon lange an ihnen leidest, dann kostet das unsagbar viel Energie. Du versuchst dennoch immer wieder ein bisschen Kraft zu sammeln, versuchst mit ihrer Hilfe an der Wand des Lochs ein Stück empor zu klettern, bis von oben her ein wenig Licht dein Antlitz erreicht, deine Augen ein bisschen Sonne sehen.

Aber je öfter du dich aufgemacht hast, ein Stück von der Wand zu erklimmen, desto schwerer fällt dir das, denn deine Reservoire werden schwächer und das Loch unter dir ja doch immer noch ein Stück tiefer. Deine immer größer werdende Sehnsucht nach Licht, auch und gerade, wenn es immer kleiner wird, treibt dich dennoch. Du bist der Sisyphus dessen geworden, was dein Leben noch ist.

Die Zeiten aber, wo du es aus dem Loch heraus hättest schaffen können, sind vorbei …

*

So ist also ein Zehntel dieses Jahres bereits vergangen. An mir vorbei, über mich hinweg, dennoch mich mit voller Wucht erfasst habend. Wie so viele Zeit der letzten Jahre auch. Ich krabbele die Wand meines schwarzen Lochs immer wieder ein Stück hinauf, versuche es wenigstens, komme mal höher, mal weniger hoch, aber nie mehr wirklich nach oben.

Ich möchte nicht, dass das immer so weitergeht …

*

Bis es ein Zehntel wurde, das von diesem Jahr verflossen ist, ohne, dass ich eine Zeile schreiben konnte, habe ich des Öfteren überlegt, ob ich mein Tagebuch nicht für immer zuschlagen sollte. Meine Einträge sind schon seit längerer Zeit immer weniger geworden, die Freiheit, die mir für Inspiration wie die Luft zum Atmen ist, immer knapper geworden. Es ist sogar so weit gekommen, dass ich mich überwinden musste, zu schreiben, zu dem, was ich immer mit am liebsten getan habe.

Aber mir ist auch sehr bewusst geworden, dass ich ohne Schreiben kaum etwas bin. Es war immer so ein wichtiger Teil von mir, und ich wollte den nie verlieren, will es auch jetzt nicht. So werde ich wohl versuchen, die Wand immer wieder und soweit eben jeweils noch möglich ist, empor zu klettern. (Auch) um zu schreiben, weiterzuschreiben …

***

Von Fuffifufzich ist nicht so viel in Erfahrung zu bringen. Sicher ist, dass es sich um eine junge Berliner Musikerin handelt, die ab dem Jahr 2018 bekannter geworden ist. Ihren wirklichen Namen habe ich nicht in Erfahrung zu bringen vermocht, auch nicht ihr Geburtsjahr. Nur, dass ihr nachgesagt wird, bereits mit einer Sonnenbrille auf die Welt gekommen zu sein. Die Sonnenbrille ist eines ihrer Markenzeichen, wie auch ihre stets streng zurückgekämmten Haare. Vor allem aber ihre Musik, ihre besonderen Lieder, von denen einige kürzlich auf ihrem zweiten Album veröffentlicht worden sind. Der Stil ihrer Musik ist schwer zu beschreiben. Einzigartig ist wohl ein treffendes Attribut. Ihre Lieder handeln von Liebe, aber nicht nur … – Eins, das mir besonders gefällt und sich auf dem neuen Album findet, ist das folgende:

Fuffifufzich – „Ich liebe dich eventuell für immer“

Tagebuchseite -1048-

Meine fünf Wünsche vom Januar

Das Jahr geht. Ich kann und werde es nicht halten. Wie kein Jahr zuvor. Jahre, die gehen, kommen nicht wieder. Menschen, die sie überdauern, überleben, sind und bleiben von ihnen gezeichnet. Durch Fältchen und Narben, durch sich verfärbende Haare, sich verändernde Körper und Seelen.

Zu Beginn des Jahres hatte ich ein paar Wünsche, die in mir glimmten. Ich hatte sie damals aufgeschrieben …

Da war der Wunsch nach einer kleinen Reise: Dieser Wunsch ist wahr geworden. Im Sommer. Für ein paar Tage war ich auf Harzreise, begleitet von meiner kleinen Familie, in der es schwer für mich geworden ist während der letzten Jahre. – In der Erinnerung sehe ich einen kleinen Wasserfall, Sandsteinfelsen und beeindruckende Stadtsilhouetten mit Fachwerkhäusern, eine Bank an einem in einem Kurpark gelegenen Teich, auf der sitzend ich in einem Buch lese und Enten nah zu mir herangleiten. Ich sehe gestorbene Wälder und weiß, dass ich in noch keinem Jahr so wenig gelesen und eigene Texte geschrieben habe, wie in diesem. Die Reise war dennoch schön. Es blieb aber die einzige …

Der zweite Wunsch war der Wunsch, Kraft und Ressourcen zu finden, zu bleiben und in Würde bleiben zu dürfen: Auch dieser Wunsch hat sich erfüllt. Aber oft, zu oft, fühlte es sich an, dass es letzte Kraft und letzte Ressourcen gewesen sind, die ich mobilisieren musste. Es war hart, es war anstrengend und am Ende große Erschöpfung …

Auch der Wunsch nach einer schönen, besonderen Umarmung blieb nicht unerfüllt. Insgeheim hatte ich gehofft, dass er sich vielleicht doch einmal wieder in meiner Familie verwirklichen könnte, aber seit mein Vater nicht mehr hier ist, ist diese Hoffnung nur noch Illusion und ich glaube allmählich nicht mehr daran, dass das noch einmal anders wird. Aber da gab und gibt es eine neue Kollegin, die mich, immer, wenn wir uns an einem Tag begegnen, voller authentischer Herzlichkeit begrüßt. Und da gibt es eine ehemalige Schülerin von mir, die immer noch Kontakt zu mir hält, mich immer wieder einmal an der Schule besucht. Und sie, ja, sie umarmt mich auch auf so eine besonders innige Weise und es steht jedes Mal ein strahlendes Lächeln in ihrem Gesicht. – Die beiden können nicht ahnen, was für ein Geschenk sie mir mit ihrem Sein machen …

Der Wunsch, mich ein bisschen wiederzufinden, war aus meiner heutigen Sicht zu unkonkret formuliert. Denn auch, wenn ich mich verliere, bin und bleibe ich doch bei mir. Mit all meinen Makeln, Schwächen, mit meinen Ängsten und Depressionen. So war der Wunsch wohl eher als einer nach dem Suchen und Finden eines anderen Ich gemeint. Davon freilich, ist nur Sehnsucht geblieben, die Sehnsucht noch einmal ein Anderer sein zu können, wenigstens ein bisschen. Erfüllt hat sie sich nicht. Die Ängste sind nicht gegangen, die Depressionen auch nicht. Im Gegenteil. Wenn ich ehrlich bin, muss ich eingestehen, dass aus mancher Episode ein andauernder Zustand geworden ist. Gerade während dieses, nun gehenden Jahres.

Bleibt die Rückschau auf den letzten meiner fünf Wünsche vom Beginn dieses Jahres, den Wunsch von den Menschen, die, obwohl viele von ihnen sehr fern, doch nah in meinem Herzen sind, nicht verlassen zu werden: Keiner dieser Menschen ist gegangen, nicht auf die eine und nicht auf eine andere Weise. Leider habe ich wieder kaum einen von ihnen sehen oder besuchen können, aber sie sind alle geblieben. Ich bin darum und darüber so froh, dass ich es nur mit einem Wort treffend zu beschreiben vermag: Ich bin unsagbar glücklich, dass sie alle geblieben sind, denn jede und jeder Einzelne, der ginge, wäre ein schlimmer Verlust für mich, um so mehr, als mir nicht (mehr) viele Menschen wirklich nahe sind. Und ich bin sehr, sehr dankbar, für die Geduld, die sie mit mir haben, obwohl ich bin wie ich bin.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein Aphorismus eines unbekannten Autors ein, den ich vor ein paar Tagen gefunden habe:

„Je mehr du dich selbst findest, desto mehr wirst du dich von manchem Menschen entfernen.“

Und ich muss noch einmal an meinen vorher besprochenen Wunsch denken, den, mich wiederzufinden oder vielleicht doch noch, ein bisschen wenigstens, ein anderer zu werden .

Nein, ich werde mich nicht mehr suchen, ich will nichts anderes mehr finden, was mich betrifft. Ich bin wie ich bin, muss das akzeptieren und will es akzeptieren. Der Preis, anderenfalls auch nur einen von meinen Herzensmenschen durch eigenes Zutun zu verlieren, wäre ein viel zu hoher …

Bleibt die Frage nach Wünschen für das neue, das kommende Jahr.

Ich bekenne, dass diese Frage mein Herz sehr schwer macht. Gerade das vergehende Jahr hat mir gezeigt, dass meine grundsätzlichen Wünsche mich selbst vor allem insoweit betreffen, als dass es dabei vor allem um meine seelische Gesundheit geht. Nahezu alles aber, was aktuell auf der Welt geschieht und dabei ist, sich zu manifestieren, steht dem so sehr und so diametral entgegen, dass ich sie nicht aufzuschreiben vermag.

Stattdessen denke ich an die mir nahen, lieben Seelen und an all die, von denen ich vermute, dass es sie auch anderenorts noch gibt. Ihnen gilt mein Wünschen, mein Beten, meine Liebe, darüber hinaus jenen, die in Not sind, in Einsamkeit, die verfolgt, diskriminiert, gefangen sind, die kein Obdach haben, hungern und/oder durstig sind, denen, die von Kriegen gepeinigt werden.

Für dieses Wünschen ist es bedeutungslos, ob ein Jahr geht oder ein neues kommt, ist es bedeutungslos, dass wir überhaupt Jahre zählen.

Was zählt, ist einzig, dass diese Wünsche endlich in Erfüllung gehen.

***

Jodie Lauren (21) ist eine Singer-Songwriterin aus Gloucestershire in England, die seit Anfang 2022 als Straßenmusikerin auftritt. Sie gestaltet Hochzeiten, Festivals, Pub-Gigs, Partys und andere Veranstaltungen. Ihre Debütsingle hat sie im März 2023 veröffentlicht und arbeitet fortgesetzt an einer EP!

Ihre fünfte und neueste Single erschien vor gut einem Monat und ist für mich ihre bislang gelungenste und schönste. Fein melancholisch, wie auch ihre bisherigen Songs, die sie alle selbst geschrieben hat, und von ihrer zauberhaften Stimme getragen, entfaltet sich ein Lied, das einen wünschen lässt, dass Jodie bald mehr und zahlreicher gehört wird, denn ihre Musik ist besonders …

Jodie Lauren – „November-Song“

Tagebuchseite -1047-

Vom Dilemma des Träumens und der Sehnsucht

Sehnsucht entsteht aus dem Wunsch nach einem Stück Vollkommenheit. Vollkommenheit aber existiert auf Erden nicht, ist irdisch nicht möglich, Sehnsucht ist Sehnsucht nach dem Jenseits.“

So ähnlich hörte ich es gestern während eines im Fernsehen übertragenen Gottesdienstes.

Ich habe es schwer mit dem Glauben, vor allem mit dem Glauben an das Jenseits, an ein Leben nach dem Tod.

Aber ich habe viele, große Sehnsüchte in mir. Mit den Jahren sind es immer mehr geworden und ihr unerfüllt Bleiben wird immer schmerzhafter für mich. Es tut mir weh, buchstäblich, jeden einzelnen Tag mehr.

Keine dieser Sehnsüchte ist eine nach Materiellem.

Nicht, weil es mir materiell besonders gut ginge. Nein, diesbezüglich leben sogar Ängste in mir, die auch stärker und schmerzhafter werden, je mehr mir bewusst wird, dass die mutmaßliche Rente und die ersparten Rücklagen wohl kaum für ein wirklich würdevolles Leben im höheren Alter ausreichen werden. Insbesondere dann nicht, wenn irgendwann Pflege in einer Einrichtung notwendig würde.

Ich habe in diesem Jahr, von mir vollkommen unverschuldet, einen für mich erheblichen materiellen Verlust erlitten, der letztlich meine Familie betrifft. Das hat mich aus Gründen, die sehr persönlich sind, sehr verletzt und traurig gemacht. Aber selbst dieser Verlust hat keine entsprechende Sehnsucht aufkommen lassen.

Meine Sehnsüchte sind andere, immaterielle. Es sind Sehnsüchte nach Frieden im Inneren, vor allem aber auch im Großen, Sehnsüchte nach Gerechtigkeit und gegenseitiger Rücksicht, nach bestimmten Arten von bestimmten Beziehungen zwischen Menschen, nach manchen, in die ich mich einbezogen wünsche, nach wirklicher Freiheit des Geistes, Sehnsucht nach Zeit, nach Zeit, die Glück ist.

Und „Glück ist Zeit, in der man sie vergisst“, habe ich erst kürzlich irgendwo gelesen. Wie wahr!

Mir fällt noch eine andere Sentenz ein: „Träume nicht dein Leben, lebe deine Träume!“ Oft schon habe ich über diese Worte nachgedacht und schließlich den Kopf darüber geschüttelt, weil ich immer wieder erkennen musste, dass das Leben nicht gemacht ist dafür, dass ich meine Träume leben kann. Nicht, so wie es ist, wie es von Mächtigen bestimmt wird. Die Realität ist nicht so, lässt es nicht zu. Ja, und möglicherweise stehe ich mir auch ein wenig selbst im Weg dabei.

Es scheint also wahr zu sein: Sehnsüchte sind im Hier und Jetzt nicht erfüllbar. Weltschmerz heilt nicht auf Erden. Wenn Hoffnung, wenn Wünsche zu Erwartungen werden, sind sie zum Sterben verurteilt. Das Spüren und Erleben dieses Sterbens ist, was das Weh ausmacht, das mehr und mehr Besitz von meiner Seele ergriffen hat.

Was ist und wohl bleibt hier auf Erden, sind kleine Lichter. Lichter voller Wärme. Die wenigen Menschen, die solche Lichter sind, sind schön, überirdisch schön. So schön wie das Jenseits, das in den Kirchen verheißen wird. Das Jenseits, an das ich nicht zu glauben vermag. Aber sie sind hier. Es gibt sie hier auf der Erde. Manche auch für mich.

Mein Vertrauen in die Welt, vor allem in die Menschen ist schwer erschüttert. So sehr, dass ich die Unterstellung nicht zu verdrängen vermag, dass die Prediger, die, die sich tatsächlich „Stellvertreter Gottes auf Erden“ nennen, das Jenseits nur deshalb als Ort der Erfüllung aller Sehnsucht verheißen, um zu beschwichtigen und zu besänftigen und damit schlussendlich zu rechtfertigen, was auf Erden ist. Denn es gibt ja den einen „Ausweg“.

Die Verantwortung wird so jedem Einzelnen selbst und also auch mir, mir allein, zugeschrieben: Es liegt an mir, WIRKLICH zu glauben. Vermag ich es nicht, kann ich es nicht, tue ich es nicht, ist der Preis meine für immer unerfüllte und unerfüllbare Sehnsucht.

Das Ergebnis kann man dann wohl tatsächlich als „Hölle“ bezeichnen.

Wenn es so ist, dann bin ich verloren.

Ich muss das akzeptieren lernen, wenn möglich, ohne zu hadern und wohl unbedingt, ohne vor allem mir anvertrauten Menschen davon zu erzählen. Denn es würde ihnen womöglich ihre Hoffnungen, ihre Sehnsüchte zerstören.

Das zu tun, habe ich freilich keinerlei Recht..

Was für mich Lüge ist, kann für andere Menschen Wahrheit sein. Und sie müssen sie finden und erleben dürfen …

***

Die Indie-Pop-Band „SX“ gründete sich bereits 2009 im belgischen Kortrijk. Sie erlangte relativ schnell eine bestimmte Bekanntheit. Ob sie heute noch existiert, konnte ich nicht ermitteln, nach meinen Recherchen erschien 2016 ihr letztes Album, 2019 ihre letzte Single.

Zuletzt habe ich ein Lied dieser Band entdeckt, das mich in vielerlei Hinsicht beeindruckt hat. Die Sängerin und Keyboarderin der Gruppe Stefanie Callebaut trägt es in der Aufnahme, die ich hier teile, „unplugged“ vor und beeindruckt damit sehr. Es ist kaum hörbar, dass es sich um eine derartige Aufnahme handelt. Das sparsame Arrangement und die Stimme der Sängerin sind sehr beeindruckend und der Text des Liedes hat für mich viel von Sehnsucht (sic!) … :

SX – „Elysian“

Sammelsurium -137- (Ein Schnipsel und ein Lied)

Schnipsel (32)

Sinnenfreudentraum

Langsam dunkelt es. Der Herbst schickt mit einem leichten Wind Nieselregentropfen, die an die Fensterscheibe klopfen, leise aber stetig. Ein bisschen klingt es, als wenn feiner Sand in unterschiedlichen Rhythmen auf das Glas rieselt.

Auf dem Schreibtisch steht eine Tasse, aus der Dampf, sich kräuselnd, aufsteigt. Er bringt einen schwerelosen Vanilleduft in den kleinen Raum, der etwas von dem delikaten Aroma des Tees ahnen lässt, der in der Tasse, verfeinert mit einem Schuss Sahne und einer Spur braunem Rohrzuckers, wie eine freundliche Einladung in einem kuscheligen Hellbraun schimmert.

Es ist jenes unnachahmliche, beinahe vergessene, leise Kratzen vernehmbar, welches das Gleiten einer Füllerfeder über Papier erzeugt, von mal nur einer kurzen, manchmal aber auch einer etwas längeren Pause unterbrochen. Rasten für Gedankenflüsse, die alsdann jeweils wieder hörbar in Worte und Zeilen geformt eine Melodie in den sich auf dem weißen Papier ausbreitenden Text komponieren. Briefe, die so entstehen, sind eine besondere Kostbarkeit.

Aus einer dunklen Flasche mit einem etwas geheimnisvoll anmutenden Etikett rinnt eine klare Flüssigkeit mit der Farbe eines südlichen Sonnenuntergangs in einen flachen Tumbler. Das leise Plätschern, das dieses Rinnen verursacht, erinnert an das sachte Klatschen gebrochener Wellen an Schiffsrümpfe, die an den Kais von Jamaika oder Trinidad, Venezuela oder Domenica, Fässer mit flüssigem Gold, wie dem, das jetzt aus der dunklen Flasche rinnt, in sich aufnehmen. Dort wie hier riecht es nach gutem Holz, Kakao, Beeren und feinen Gewürzen.

Unerreichbare Reise zu fernen Gestaden breitet die Gefälligkeit eines schönen Sommers in meinem Inneren aus, nachdem ein kleiner Schluck auf der Zunge zergangen, sich seinen Weg bahnt, mir die Wärme der geträumten Sonne zu schenken. –

Mitten im Herbst mit seinem windigen Nieselregen …

*

Wenn ich dürfte, und ihr es annehmen wolltet, würde ich den sanften Vanilleduft in seinem kuscheligen Hellbraun eure Nasen kitzeln und eure Haut streicheln lassen. Jede von euch würde einen handgeschriebenen Brief bekommen mit Melodien einer kratzenden Füllerfeder und jener Gedankenflüsse, die sie in Zeilen gegossen hat. Und ich würde euch von der Reise in den südlichen Sonnenuntergang kosten lassen.

Damit euer Herbst ein bisschen schöner würde.

Und bei all dem würde ich leise einen innigen Wunsch sprechen …

***

Jaqueline Nakiri Nalubale wurde 1977 in der ugandischen Hauptstadt Kampala geboren. Als sie 13 Jahre alt war, floh ihre Familie mit ihr nach Schweden, wo sie ihre musikalische Karriere begann. Aktuell lebt sie mit ihrem Mann und ihren Kindern in Deutschland. Sie beherrscht etliche Sprachen. Jaqee (so nennt sie sich selbst) spricht Luganda, Nkore, Englisch und Schwedisch sowie „ein bisschen“ Spanisch und nun eben auch Deutsch. Seit 2005 veröffentlichte sie bereits mehrere Alben.

Ein besonders schönes Lied, sowohl was Melodie, Text und Interpretation angeht, ist „Miracle“ von ihrem Album „Fly High“ aus dem Jahr 2017. Ich habe es erst jetzt erstmalig gehört und mag es sehr:

Jaqee Nakiri – „Miracle“

Tagebuchseite -1046-

Von einem Mädchen …

Sie ist 10 und von kleiner, zarter Statur. Durch ihre Brille schauen große Augen, die sofort Wärme schenken, erwartungsvoll und mit feiner Neugier in die Welt sehen, zugleich aber auch fragen und so blicken, als wenn sie um etwas bäten, leise, aber irgendwie inständig.

Sie kam vor einigen Wochen in ihre neue Klasse und war sehr froh darum.

Denn dort wo sie herkam, ihrer ersten Schule, hatte sie es schwer, wurde nicht gemocht, stand allein, ignoriert und ausgegrenzt. Sie musste dort erfahren, wie es ist, gemieden, beschimpft und beleidigt zu werden. Sie, ein kleines wissbegieriges und freundliches Mädchen, das still hilft, so, dass es grundsätzlich gar nicht bemerkt wird, das leise Dinge tut, damit etwas wieder in Ordnung kommt, das nichts fordert, niemanden belästigt und sich niemandem aufdrängen will.

Sie ist wissbegierig und strengt sich aus freien Stücken an, mehr zu erfahren und lernt dafür, gern und freiwillig und für sich. Nicht, um die Beste zu sein.

Die erste Zeit in ihrer neuen Klasse war schön für sie. Sie wurde angesprochen, gefragt, einige der anderen Kinder, Mädchen vor allem, spielten mit ihr. Sie sagte, dass es viel besser sei, als in ihrer alten Schule. Und ihre großen Augen sahen dabei ein bisschen ungläubig, ein wenig staunend, aber vor allem sehr strahlend aus.

Inzwischen ist sie fast immer allein mit sich auf dem Pausenhof. Und während die anderen Kinder in Gruppen herumtollen, Tischtennis spielen oder sich einen Ball zuwerfen, balanciert sie immer wieder für sich allein einen Federball, versucht, ihn so oft wie möglich hintereinander zu treffen und wieder aufzufangen. Manchmal nimmt sie sich auch einen Ball, wenn die anderen einen übriggelassen haben, und versucht damit, den für sie so hohen Basketballkorb zu treffen. Wenn andere Kinder ihr bedeuten, den Korb freizugeben, tritt sie still beiseite. Ob sie mitspielen möchte, wird sie nicht gefragt.

Seit einiger Zeit rollen die anderen Kinder häufig mit den Augen, wenn sie sich im Unterricht meldet und eine Antwort gibt. Manchmal ist auch eine Art Stöhnen zu vernehmen und immer häufiger melden sich nach ihrem Beitrag andere Kinder, um ihrer Frage oder Antwort zu widersprechen oder etwas daran zu kritisieren.

Als sie gestern mit ihrem Teller mit Grießbrei und Apfelmus den Essenraum betrat und auf einen Tisch zusteuerte, an dem fünf Mädchen saßen und noch ein Platz frei war, um sich auf diesen zu setzen, bekam sie ein wenig sanftes aber deutliches: „Der ist besetzt!“ zu hören.

Darauf drehte sie sich um und setzte sich am nächsten Tisch auf einen freien Platz, worauf zwei Jungen aufsprangen und sich auf zwei andere Plätze setzten, um nicht nah bei ihr sitzen zu „müssen“.

Es schien, als hätte sie das nicht bemerkt und sie aß still ihren Grießbrei. Aber wenn ihre großen Augen nicht auf ihren Teller gerichtet waren und aufschauten, dann sahen sie niemanden an, sie schauten in eine Weite, die nicht da war, mal in die eine, mal in die andere Richtung, so, als suchten sie etwas …

*

Das kleine, grazile Mädchen mit den großen Augen heißt E. Die Klasse, in die sie seit ein paar Wochen geht, ist meine Klasse, meine neue 5.

Die Veränderungen im Verhalten der anderen Kinder E. gegenüber geschahen fast unmerklich, nach und nach sind sie für mich aber deutlicher geworden und nun schon klar wahrnehmbar.

Für mich ist die Frage nach dem Grund für diese Veränderungen schwer beantwortbar. Meine Klasse ist zwar keine einfache, ist herausfordernd aus vielerlei Gründen. Aber die Kinder sind alle sehr gut sozialisiert, kommen aus stabilen Verhältnissen, sind nicht per se auf Konflikte oder Krawall aus.  Es sind sehr verschiedene Persönlichkeiten darunter. Augenscheinlich haben aber alle mehr oder weniger ein „Problem“ mit E.

Was ist an E. anders oder besonders als bei anderen Kindern? Und könnte das ein „Grund“ dafür sein, dass sie es so schwer hat oder es ihr so schwer gemacht wird?

E. ist zielstrebig und fleißig. Wenn sie über das erzählt, was sie in den Ferien gemacht hat, dann sagt sie auch immer wieder. „Und die übrige Zeit habe ich etwas für die Schule gelernt.“ Die anderen Kinder sagen so etwas nicht …

E. spricht besonders, drückt sich auf eine ganz eigene Weise aus. Als die Kinder im Philosophieunterricht begründen sollen, welches ihr Lieblingstier ist, warum es gerade dieses Tier ist und welche Gefühle sie im Umgang mit diesem Tier empfinden, lautet der erste Satz, den E., die den Wellensittich als das Tier benennt, das sie am liebsten mag, so: „Na also, zunächst mal hat ein Wellensittich eine angemessene Größe …“ Die anderen Kinder verdrehen die Augen …

E. stellt sich nie bewusst in den Mittelpunkt, aber sie tut still Dinge, die andere nicht tun, „vergessen“ haben oder aus Bequemlichkeit oder Gleichgültigkeit versäumen. Sie tut diese Dinge nicht, um dafür gelobt oder belohnt zu werden.  – So wischt sie die Tafel ab, wenn das der Ordnungsdienst nicht gemacht hat, sie stellt Stühle hoch, die andere einfach stehen gelassen haben, sie hebt Papier auf, das herumliegt. Keins der anderen Kinder würde so etwas ohne Aufforderung tun.

E. wirkt immer sehr fokussiert und arbeitet eifrig mit. Sie verteidigt manche Antwort auch dann noch, wenn sie erfahren hat, dass diese fehlerhaft war. Sie möchte genau wissen, warum da etwas falsch gewesen ist. Sie ist sehr organisiert, hilfsbereit und freundlich.

Zuletzt hatten die Kinder im Deutschunterricht die Aufgabe, auf einen fiktiven Brief eines Mädchens aus einer Ferienfreizeit zu antworten. Unter anderem E. meldet sich, um ihren Brief vorlesen zu dürfen. Ihr Brief ist sehr gut formuliert und sehr persönlich:  „… danke, dass Du gefragt hast, wie es mir geht. Weißt Du, in meiner neuen Klasse ist es für mich viel besser als in meiner alten.  Wenn man allein ist und immer böse Sachen gesagt bekommt, ist das schlimm … ich würde mich sehr freuen, wenn Du mir wieder schreiben würdest, vielleicht können wir ja Freundinnen werden …“

Als sie die Stelle vorliest, an der sie sagt, dass es in ihrer neuen Klasse viel besser ist, bemerke ich, dass das mindestens einige der anderen Kinder offensichtlich überrascht …

Ich selbst bin auch verblüfft, denn ich erkenne ja gerade eine Tendenz, dass E.  nunmehr von den anderen Kindern eher ausgegrenzt, belächelt und gemieden wird. Ich wiederhole deshalb in einer der folgenden Pausen eine Frage an E., die ich ihr schon einmal gestellt hatte, nachdem sie erste wenige Tage bei uns war: „Na, E., wie fühlst Du Dich bei uns, jetzt nach den ersten Wochen, wie geht es Dir an der neuen Schule?“ Die Antwort ist dieselbe wie vor ein paar Wochen: „Es ist alles gut, es ist schöner als früher.“ Aber ich spüre, dass ihre Augen mich noch größer anschauen als seinerzeit …

Und als ich ein paar Stunden später, die beiden Jungen, die sich demonstrativ von E. weggesetzt haben, als sie sich zum Mittagessen an deren Tisch setzte, zur Rede stelle, da bemerke ich, dass diese Augen, die zuvor nur in die Weite geblickt hatten, mir ganz direkt in meine Augen sehen und ich lese ein stilles, überraschtes aber dankbares Lächeln darin …

*

Wie wenig es braucht, dass ein Mensch nicht in die Welten anderer Menschen „passt“, ja auch ein Kind nicht in jene anderer Kinder! Und wie furchtbar ungerecht und verletzend sich das äußert, selbst wenn es (noch) nicht zum Äußersten kommt.

Ich weiß jedenfalls genau, was ich in der nächsten Zeit zu tun habe und tun werde, liebe E …

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Eines der schönsten Duette, die ich jemals gehört habe, ist mir zuletzt „begegnet“. Die von mir schon seit Jahren sehr geschätzte, in Österreich lebende und arbeitende, deutsche Songschreiberin und Sängerin Clara Louise hat sich dazu zu einem „Poesie-Projekt“ mit Benne zusammengetan. Und es ist wirklich, wundervolle Poesie dabei entstanden, mit zwei sehr gut harmonierenden Stimmen. Claras Stimme habe ich noch nie schöner gehört …

Benne und Clara Louise – „Es ist Nacht“

Verse -104-

Überlebenswasser

Tränen rannen an Fensterscheiben.
Sonst war sie still, die Herbstennacht.
Wollte in Gedanken bleiben,
wünscht', ich wär nicht aufgewacht.

Sie war ganz eigen, meine Reise,
in Welten voller Fantasie.
Stimmen hört' ich sanft und leise,
wo am Tag stets alles schrie.

Das Licht des Morgens ward zum Schatten.
Es war, als gab's die Reise nicht.
Die Tränen von den Scheiben hatten
ihr'n Weg gebahnt in mein Gesicht.

Nun musst' ich harren, kämpfen, bangen,
den Tag hindurch mit letzter Kraft.
Unstillbar groß ward mein Verlangen
nach den Tränen von der Nacht.

So sind sie, meine Zeitenläufe.
Nachts reise ich und schlafe nie.
Auf dass ich sanfte Stimmen häufe
zum Trotz der Tage Melodie.

***

Eine Liedermacherin, die ein Geheimtipp ist, das ist Maike Rosa Vogel, geboren in Frankfurt/M. Nach Schulabbruch und einem Job als Fahrradkurier nahm sie 2004 ein Studium an einer Popakademie auf. In der Folge schrieb sie eigene Lieder, Lieder für Filme und brachte mehrere Alben heraus, unter anderem von Sven Regener („Element of Crime“) produziert. Sie singt auf Deutsch und auf Englisch und begleitet sich häufig auf der Akkustikgitarre. Auf einen Musikstil lässt sie sich nicht festlegen, aber ihre Lieder haben immer auf besondere Weise etwas zu erzählen.

Das Lied „Close the door“, das ich hier heute vorstelle, ist zugleich Soundtrack des sehr berührenden Films „Mittagsstunde“. In ihm habe ich das Lied zum ersten Mal gehört und war beeindruckt von seiner und der Stimme der Sängerin eindringlichen, schlichten Schönheit und dem berührenden Text:

Maike Rosa Vogel – „Close the door“

Tagebuchseite -1045-

Sehnsucht nach Licht

Über dem leeren Blatt vor mir ist eine Jahreszeit vergangen. Eine ganze Jahreszeit. Sage und schreibe. Und eine andere hat nun begonnen.

Ich bin verloren gegangen dazwischen …

Zum ersten Mal hat für mich auch über einem Sommer ein grauer Nebel gelegen und jetzt verliert der Herbst schon wieder sein kurzes Gold, da draußen. Draußen, wo die Natur ist und jene Welt, die ich verlassen möchte, weil sie mir zu viel geworden ist, weil sie mir fremder geworden ist als mir sonst etwas fremd ist, weil ich keinen Platz mehr in ihr zu finden vermag und nicht mehr zu vertrauen.

Was ich tue, ist zur Neurose geworden, was ich nicht tue, auch.

Was ich tue, ist arbeiten. Ich arbeite die ganze Woche, das ganze Wochenende. Nicht, weil ich das will, sondern, weil ich es muss, sondern weil ich sonst nie genug bin. Mir nicht. Ich weiß, wie sehr ich mich darin verzettelt habe, aber dieses Wissen ist nutzlos. Ich bin pedantisch, ineffizient und müde. Weil das so ist, sind die Arbeitstage so lang wie sie sind, vor allem die an den Wochenenden. Für anderes Leben bleibt keine Zeit. – Ich füge mich drein und wenn ich aus dem Haus gehen muss, setze ich eine Maske auf. Früher habe ich das nie getan.

Heute kann ich nicht mehr so unter die Menschen gehen, wie ich bin. Ich wäre zu verletzlich, zu angreifbar und ich würde verstören und ängstigen, vor allem wohl die Kinder, die mir anvertraut sind. Die Maske scheint perfekt zu sitzen, bislang hat mich niemand dahinter erkannt.

Meine neue Klasse ist die anstrengendste, die ich bislang hatte. Umso wichtiger, dass die Maske gut sitzt …

Was ich nicht tue, ist alles Sonstige, alles, was sonst zu einem auch nur bescheidenen Leben gehört. Ich schaffe es nicht mehr zu lesen, ich schaffe es (offenkundig) kaum noch zu schreiben, ich schaffe es nur noch ganz sporadisch in die Natur, meine sozialen Kontakte außerhalb der Arbeitswelt tendieren mittlerweile gegen Null. Nahezu täglich ist es so, dass ich einfach und wirklich zu erschöpft, zu müde zu allem bin, was nicht Arbeit ist. So oft schläft mein Körper einfach ein, ein paar Minuten nachdem ich mein Zuhause erreicht habe. Ich unterliege regelmäßig jener Anstrengung, die sich so sehr müht, meine Augen offenzulassen.

Meiner Familie vermag ich schon lange nicht mehr zu genügen. Ich weiß, dass ich in den letzten Monaten zusätzlich zu allem anderen mehr und mehr und mehr als je zuvor selbst ein Grund dafür geworden bin.

In der Globalität der Welt und ihrer Zeitläufe gibt es nichts mehr, worauf ich bauen könnte, mich verlassen möchte, was mich noch hoffen ließe. Erstmalig in meinem Leben gibt es keine Partei mehr, der ich bei der nächsten Wahl meine Stimme geben mag, geben kann. KEINE! Mich verunsichern, ängstigen und ärgern die Grundlinien, in denen Politik gemacht wird. Die Regierenden sind mir gerade so suspekt, wie viele der Oppositionellen. Dieses Land, das mir nie wirklich Heimat war, wird mir immer fremder. Ich fühle mich bedroht darin. Nicht nur, weil meine Gedanken, Meinungen, Wünsche längst unpopulär sind. Ich finde kaum noch Kompromisse oder gar Verständnis, dass tatsächlich etwas bewirken könnte, von dem ich glaube, dass es so nützlich, so wichtig, wäre.

Aber das gilt nicht nur in diesem und für dieses Land, ich kann auch kein anderes mehr erkennen, dass mir Heimat sein könnte. Die Welt ist aus den Fugen und längst bestimmen nur noch Macht- und Finanz-„eliten“ den Gang von allem.

So gehe ich die Straße in meiner inneren Welt. Sie hat ihre Türen nach außen weitgehend verschlossen. Nur ganz wenige schmale Pfade führen noch an einige wenige Orte „draußen“, die ich doch immer noch so liebe. Sie schenken mir manchmal ein bisschen Glück, zugleich aber immer auch Wehmut.

Manchmal glaube ich zu spüren, wie mir die Zeit verrinnt. In dem, was ich tue, was ich tun muss, was ich neurotisch tue. Ob ich nach den mehr als vier Jahren, die das noch andauern muss, noch genug Kraft haben werde für etwas, was ich gern täte, das ich liebe? Ich fürchte mich davor, dass das dann nicht so wird, dass es auch dann so dunkel bleibt, wie es jetzt in mir ist.

Ich möchte doch nur ein bisschen Licht, irgendwann, irgendwie wieder ein bisschen Licht.

Damit ich wenigstens wieder ein bisschen lesen und schreiben und freuen kann …

***

Lucy Blue, eigentlich Lucy McDonnell, geboren am 25. Februar 2002 in Dublin, ist eine irische Sängerin, Songschreiberin und Produzentin, die auch Klavier und Gitarre spielt. Ihre ersten Lieder soll sie im Bett ihres Schlafzimmers ersonnen haben. Im Laufe der Zeit sind mehrere Singles und EP’s von Lucy erschienen. Das Lied „Home“, das ich heute hier teile, dürfte ihr aktuellstes Werk sein. Ein Lied, das durch seine feine Melodie, seinen tiefsinnigen Text, die klare Stimme und die sehr persönliche Interpretation von Lucy sehr hörenswert ist:

Lucy Blue – „Home“

Tagebuchseite -1044-

Kein Gedicht

Ich habe Sehnsucht nach einem Gedicht. Nach einem, das in mir ist, das ich gern aufschreiben würde. Ich spüre, dass es da ist, aber ich kann es nicht aufschreiben. Ich kann nicht …

Das geht schon lange so. Und allmählich lässt es mich verzweifeln.

Zu viel ist in meinem Kopf, zu viel ist in meinem Herzen. Es wallt in mir auf und ab. Ich sollte wohl loslassen. Aber wenn ich es denn vermöchte, so scheint es mir, würde ich die Welt gehen lassen.

Das klingt so pathetisch, so theatralisch, aber ich finde keine anderen Worte, die es besser treffen, exakter ausdrücken könnten.

Wie soll ich loslassen, wenn ich doch spüre, dass so vieles sowieso geht. Vor allem von jenem, was mir lieb ist, von dem ich glaube, dass wir einander festhalten, uns stützen könnten, von jenem, was mir wenigstens manchmal erlaubte, von jenem Leben zu empfinden, das ich mir so sehr wünsche, dass mich wohl auch etwas zur Ruhe kommen ließe.

Im Grunde braucht mich niemand. Diejenigen, die anderes sagen, meinen das im Augenblick ehrlich, aber sie verfügen, zum Glück, über andere Lebenswelten, in denen ich nicht vorkomme, die wirklich Halt schenken, glücklich machen, die Lebensfreude und Zuversicht verströmen, auch dann, wenn es schwierig ist und über Klippen geht. Lebenswelten und -milieus, die weit (genug) entfernt sind von mir.

Ich bin mein eigenes Gedicht, meine eigene Ballade. Aber ich kann mich nicht aufschreiben, nicht in Versen. Auch nicht episodenweise. Ich bin nicht formulierbar, auch nicht auszugsweise. Nicht mehr. Deshalb bleibt das Blatt Papier, das vor mir liegt und auf das ich so gern ein paar Strophen schreiben möchte, leer.

Die vielen schönen Wertschätzungen, die ich vor ein paar Wochen erhalten habe, haben mich einen sehr hohen Preis gekostet. Ich habe mich aufrichtig über sie gefreut, weil ich weiß, dass sie selbst aufrichtig gewesen sind. –

Ich strebe keine Wertschätzungen an, auch, weil mir bewusst ist, dass der Preis an eigenen Ressourcen, den ich aufbringen muss, ein zu hoher ist. Er würde ebenso hoch sein, wenn das Ergebnis ein anderes wäre, wenn es am Ende ein anderes ist. Das war, das ist schon mein ganzes Leben lang so. Der Preis ist immer zu hoch, weil ich mir nie genug bin, weil immer diese Versagensängste da sind.

Kein Therapeut hat das weg zu therapieren vermocht. Die meisten haben mir gesagt, dass ich selbst einen Weg finden müsse, dadurch, dass ich „an mir arbeite“. Ich arbeite seit Jahrzehnten …

Wertschätzungen sind ein Pflaster. Aber, wie das mit Pflastern so ist, sie lösen sich alsbald wieder.

Es gibt freilich auch Konstellationen, Lebensabschnitte und -bereiche, wo ich keine Wertschätzung erfahre, wo ich Erwartungen nicht erfülle, wo ich kritisiert werde, wo ich, bisweilen wenigstens, tatsächlich versagt habe und versage. Wo Menschen an mir verzweifeln und sich deshalb von mir abwenden. Wo meine Anstrengungen nicht sichtbar sind und werden, weil sie in innere Kämpfe münden und dort verbleiben und verschlissen werden. Wo ich, wohl auch deshalb, unfähig bin.

*

Raketen schlagen in Wohnhäuser ein und eine Mine zerfetzt das Bein eines jungen Soldaten. Auf einer sonnenbeschienenen Waldblumenwiese summen friedlich die Insekten. Ein kleines, abgemagertes Kind windet sich in Hungerkrämpfen. Von einem Festival hallt ein ausgelassen singender Chor tausender Menschen herüber, einige grölen vor Trunkenheit. Ein Wald liegt im Sterben, Grün ist zu Grau geworden. An der Börse werden steigende Kurse bejubelt. Ein Investigativjournalist harrt seit Jahren in einer dunklen Zelle aus. Über dem einen Meer sind Polarlichter zu sehen, während in einem anderen flüchtende Menschen ertrinken. Ein Luxuskreuzfahrtdampfer fährt vorbei. Ein Mädchen in schwarzer Kleidung sitzt allein auf einer Parkbank und liest. Auf einer Party unter Geschäftsfreunden fließt Sekt und es gibt Kaviar und für alle Herren gibt es ein Mädchen. Eine alte, von harter Arbeit gezeichnete Frau sitzt in einer Wohnung ohne Strom und friert. Im Fernsehen läuft das Dschungelcamp. Im Hochgebirge stürzt ein Gletscher in die Tiefe. Ein Spätzchen tschilpt vor dem Fenster meines Zimmers, in dem ich allein sitze …

Ich schließe die Augen, ich schließe sie vor dieser Welt. Und ich möchte sie nie mehr öffnen. Die Blumenwiese, die Polarlichter, die alte Frau, das schwarze traurige Mädchen und den kleinen Spatz nehme ich mit in meine Träume. Aber meine Augen bleiben zu. Für immer …

… möchte ich träumen …

… aber ich bin zu feige.

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Katha Rosa ist eine 31-jährige Musikerin, Komponisten und Songschreiberin, die in Hamburg lebt. Ihre Lieder sind anspruchsvoll, haben sehr starke Texte und werden ein- aber niemals aufdringlich interpretiert. Außerdem hat Katha eine sehr schöne Gesangsstimme …

Katha Rosa – „Schwarzer Hund“

Tagebuchseite -1043-

Harz- und andere Reisen …

Nun ist es schon wieder zwei Wochen her, seit ich von der fünftägigen Reise zurückgekehrt bin, die die Erfüllung eines meiner kleinen Wünsche, die ich zum letzten Jahreswechsel aufgeschrieben hatte, geworden ist. Und ein bisschen war diese Reise wie früher …

… ein schönes entschleunigtes Tempo bei und in allem, viele kleine Eindrücke und Wahrnehmungen, die in mir bleiben werden, Freundlichkeit von Menschen, die ich nicht kannte und nie wieder sehen werde. Viel von dem, was mir Leben bedeutet, was, wie mir sehr bewusst geworden ist, täglich da und für mich doch grundsätzlich unerreichbar ist.

Die kurze Zeit ist rasch verflogen und bei all den so schönen Episoden an Wasserfällen, in Kurparks, auf kleinen Exkursionen, beim Bummel durch malerische Städtchen, während des so lange vermissten Eintauchens in die Geschichte eines Buches und manch anderem, habe ich doch auch einen übergreifenden, sehr bedrückenden Eindruck mit nach Hause genommen: den von vielen hektargroßen Flächen gestorbenen Waldes.

Nicht zu vergleichen mit der Zeit vor gut zwanzig Jahren, als ich zum letzten Mal eine kleine Harzreise unternommen hatte, war und ist vor allem der Westharz kaum mehr wiederzuerkennen. Er wirkt wie eine Realität gewordener Ausschnitt einer immer näher kommenden, vom Menschen eingeleiteten und fortschreitenden Dystopie.

Den Klimawandel charakterisierende mehrjährige, lange Trocken- und Dürreperioden, die große Fichtenbäume so nachhaltig in Ihrer Widerstandskraft schwächen , dass ein kleiner mieser Käfer schließlich leichtes Spiel hat und alles, ALLES zum Sterben bringt. Leichengraue Stammesstümpfe, grausam entlaubt, verbleiben wie unzählige, gespenstische Mahnmale für eine verschwindende Welt. Unsere Welt …

Nie mehr werde ich diese Bilder vergessen, diese so entsetzlich nahen Bilder, diese so entsetzlich nahe Wahrheit.

Sie werden mich von nun an immer wieder auf Reisen schicken an ähnliche Orte, vergleichbare Stätten, hin zu ähnlichen Bildern Ich werde die Bäume schreien und weinen hören, ich werde ihr Sterben sehen, ich werde es FÜHLEN, immer und immer wieder FÜHLEN.

Nie habe ich es stärker bewusst wahrgenommen und empfunden, wie sehr ich Reisender bin und dass meine Reisen vor allem Reisen in schwere Zeiten, an dunkle Orte sind, dorthin, wo Menschen, Tiere, Pflanzen leiden, wo Stimmen zum Schweigen gebracht werden, wo denunziert und verdächtigt, geheuchelt, gelogen und verurteilt wird, wo Diskurse nicht mehr möglich sind, weil es von Mehrheiten herausgeschrien, immer nur noch eine Wahrheit gibt.

Und nie habe ich es deutlicher gespürt: Ich werde schwächer auf diesen Reisen, habe immer mehr Mühe, die Tränen innen zu halten. Es gibt immer mehr und vermeintlich immer kleinere und unbedeutendere Anlässe, die ihr Rinnen auslösen.

Nun sind es nur noch wenige Tage. Nächste Woche nimmt der Alltag mich mit in seinen Anlauf, eine Woche später wird er wieder volle Fahrt aufnehmen.

Schon jetzt hat meine nächste Reise begonnen in mir selbst, obwohl die wirkliche noch gar nicht angefangen hat. Der Druck beginnt zu steigen, Ängste schicken erste Grüße vorbei, ungute Visionen ergreifen Besitz von meinem Denken.

All das ist mir nicht neu, so geht es seit ungezählten Jahren.

Aber es beginnt immer ein bisschen früher und heftiger und wenn es erst wieder begonnen hat, geht es nicht wieder, sondern wird stärker und stärker. Und ich muss schaffen, es auszuhalten.

Auch diesmal, hoffentlich …

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Anna Nalick ist eine amerikanische Singer-Songwriterin, die für ihre emotionalen und introspektiven Texte sowie ihre fesselnde Stimme bekannt ist. Ihr bemerkenswertester Beitrag zur Musik ist ihre Debütsingle „Breathe (2 AM)“, die großen Erfolg und weitreichende Anerkennung erlangte.

„Breathe (2 AM)“ wurde ein Hit und erreichte die Top 10 mehrerer Charts, darunter die Billboard Adult Top 40 und Adult Contemporary Charts. Der Song kam bei den Zuhörern aufgrund seines ergreifenden Textes und Nalicks gefühlvoller Darbietung gut an.

Der Song „Breathe (2 AM)“ handelt davon, in schwierigen Zeiten Trost und Kraft zu finden. Er reflektiert über die Kämpfe und Ungewissheiten des Lebens und fordert die Zuhörer auf, sich einen Moment Zeit zu nehmen, um durchzuatmen und selbst inmitten von Widrigkeiten Hoffnung zu finden. Nalicks gefühlvoller Gesang und die zu Herzen gehenden Texte vermitteln ein Gefühl von Verletzlichkeit und Widerstandskraft, sodass der Song für viele sehr nachvollziehbar ist.

(© The Gadfly auf youtube)

Anna Nalick – „Breathe“

Tagebuchseite -1042-

„Freigangserkenntnis“

Ich liebe Dich. Ich liebe Dich, obwohl Du mein Gefängnis bist.

Du hältst mich gefangen, obgleich Du so sensibel, so einfühlsam, so schön bist. Nichts liegt Dir ferner als verletzend oder gar grausam zu sein. Und das bist Du auch nicht. Du bist nur so sehr einsam, und wenn Du mich gehen ließest, wäre das Dein Tod. Darum hältst Du mich fest, Du möchtest nicht sterben. Und ich möchte das auch nicht.

Ich werde nicht gehen, nicht von Dir, denn das wäre auch mein Ende.

Es hat viel Zeit gebraucht, bis ich verstanden habe: Wer in einem Gefängnis sitzt, muss damit rechnen, grundsätzlich allenfalls selten Besuch zu bekommen.

Gefangene haben wenig zu erzählen. Und so hört sich, was sie erzählen, schließlich auch immer wieder gleich oder ähnlich an. Und das ist es auch. Auch bei mir. Der Innenhof von Gefängnissen ist klein und gestattet nur, im Kreis zugehen. Der Weg wiederholt sich unzählige Male und so ist es auch mit dem, was ich zu erzählen vermag.

Als ich zuletzt ein paar wenige Tage Freigang haben konnte, da habe ich mehr denn je gesehen und verstanden, dass Euer Leben, ihr Lieben, ein anderes ist als meins. Und ich war und bin glücklich, dass das so ist. Niemand, der so ist wie ihr, soll je gefangen sein. Ihr müsst und sollt Eure Leben, die keineswegs nur Straßen des Glücks und Erfolgs sind, bewahren, auch, weil ihr selbst häufig so sehr darum gekämpft habt und kämpfen müsst, diese Leben zu haben.

Wenn ihr mich seltener besuchen kommt oder schließlich gar nicht mehr, dann bedeutet das nicht, dass ihr mich weniger mögt als zuvor. Eure oft so hart erkämpften Leben gebieten Euch, Euch zu schützen. Und ich bin, so sehr ich Euch liebe, so viel ihr mir bedeutet, letztlich toxisch für Euch.

Es war und ist ein schwerer Weg, ein schwerer Gang, mir das immer wieder einzugestehen. Aber ich tue das nun und so rufe ich nicht mehr so sehr nach Euch, bleibe still, solange und so oft ich kann. Ich habe ja die Erinnerungen an Euch, auch in meinem Gefängnis. Dafür möchte ich mich dankbar zeigen und ich bin es auch wirklich. Und ihr, Eure kostbaren Leben bleiben geschützt.

Mein kleiner Freigang hat mir noch etwas anderes klar werden lassen: Meine Empfindungen, mein Gefühlsleben werden immer unmittelbarer, immer intensiver, obgleich ich insoweit eine Steigerung nicht mehr für möglich gehalten habe, weil doch meine Wahrnehmungen, meine Emotionen seit ehedem schon keinen Filter kennen. Und vor allem mündet diese Unmittelbarkeit, diese Intensität in Tränen, ungeweinte, immer öfter aber auch in solche, die sich ihren Lauf einfach bahnen, ohne dass ich mich zu wehren vermag. Es reichen drei Takte einer Musik, wenige Szenen eines Geschehens, das Foto eines Menschen, der Anblick einer Landschaft.

In diesen immer zahlreicher werdenden Momenten bin ich froh, gefangen zu sein, gefangen in Dir, in mir,  denn solche Tränen sind nichts für eine Öffentlichkeit.

Ja, ich liebe Dich. Uns verbindet so sehr vieles, und immer mehr, dass wir dem Leben nicht gewachsen sind. Dem Alltag nicht und dem, was ich „Freigang“ nannte, auch nicht (mehr). Es ist zu viel, zu laut, zu böse, zu verstörend, zu lieblich, zu unerreichbar, zu schön. Immer irgendetwas davon oder eben bisweilen auch alles.

Da, wo wir leben, in uns selbst und miteinander, ist es im Grunde ebenso. Alles ist Abbild des Straußes bizarr-bunter Neurosen, den wir auf dem Tisch stehen haben und der unvergänglich ist, wie sein süßlich bitterer Geruch, der für Dritte, vor allem für Euch, ihr Lieben, wenigstens zunächst kaum wahrnehmbar ist.

Aber er ist toxisch, ich bin toxisch. Ich bin giftig. So wie ich bin, darf ich nicht frei sein.

Ihr habt jeden Grund, jedes Recht, Euch von mir fernzuhalten und ich die Verantwortung, Euch nicht (mehr) zu nahezukommen. Selbst, wenn es sehr weh tut …

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Shadowlore ist eine Dark-Metal-Band aus Britannien, die es offenbar schon seit vielen, vielen Jahren gibt, mir aber noch nie begegnet ist. Ich habe erst kürzlich erstmals ein Lied, wohl das gegenwärtig aktuellste, von ihnen gehört, jenes, das ich hier heute teile. Es hat mich sofort ergriffen, durch seine Melodie, seine sanfte, aber starke Eindringlichkeit. Nachdem ich mich ein wenig mit dem Text beschäftigt hatte, stellte ich sehr viele Parallelen zu eigenen Gedanken fest, Gedanken, wie sie da oben auf meiner heutigen Tagebuchseite stehen.

Shadowlore – „When hope withered“