Gedanken zum Jahresende 2025

Liebe Leser,

traditionell ein paar Gedanken zum Jahresende.

2025 war das Jahr, in dem bereits im Januar meine liebe Mama gestorben ist. Der Nachruf erfolgte an anderer Stelle, so dass hier nur festzuhalten ist, dass man den Verlust der Mutter nicht so einfach wegstecken kann, auch wenn sie ein durchaus respektables Alter erreicht hatte.

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Mehr als 60 Male durfte ich auf der Bühne stehen. Ich spielte mit so tollen Musiker:innen bzw. in Ensembles wie (in alphabetischer Reihenfolge) 

Autumn Left (Clemens Bröse, Dirk Lange, Stephen Webb, Claudia Spiridigliozzi), Joe Bawelino, Martin Beigel, BlackByrd (Peter Hauke, Jörg Konz, Christine Schabdach, Hans Seidl, Gerd Kölbl, Horst Neubauer), Kathrin Brunner, Ray Räbel & Friends (Ray Räbel, Robert Steigleder, Basti Wedel), Joscho Stephan Trio (Joscho Stephan, Sven Jungbeck, Stefan Berger), TOP-Trio (Jo Rullfs, Oskar Schrems, Tanja Schrems) sowie mit den Mitmusiker:innen beim Jazzworkshop Erlangen bzw. Herzogenaurach und bei der Sommersession Oberhaid.

Habe ich jemanden vergessen? Sorry! Herzlichen Dank Euch allen! Es war jedes Mal wirklich super.

Besonders hervorheben möchte ich die Gigs mit Joe Bawelino in Freising (da haben wir vor ausverkauftem Haus die Jazztage eröffnet), in Liederbach (wo wir den Abend zu fünft zusammen mit dem Joscho Stephan Trio beschlossen haben – hallo? Joscho Stephan!!) und im Birdland (auch beim zweiten Besuch in einem der renommiertesten Clubs drei Zugaben), den Gig mit Blackbyrd in Planegg (wo wir ein Konzert vor Tausenden (!) begeisterten Zuhörern gespielt haben – eine Kulisse wie in Woodstock), den mit Räbel & Friends im Mesnerhaus Kleinschwarzenlohe (weil wir im schnuckeligsten Veranstaltungsraum der Region ein durchaus betagtes Publikum absolut begeistert haben) sowie den Gig mit Martin Beigel im StilleWasser (weil wir phantastisch gespielt haben und dieses Duo wirklich Zukunft hat).

Zum Ende dieses Jahres, also ziemlich genau jetzt, gibt Stefan Kornherr seinen wirklich sehr coolen gitarre.blog (leicht erkennbar, ein Blog) auf. Ich hatte einige Beiträge für diesen Blog geschrieben, durfte zu Gast in seinem Podcast sein, was angesichts der anderen eingeladenen Kollegen wirklich eine Ehre war, und habe alle seine Beiträge wirklich gerne gelesen bzw. gehört. Aber wie schon im letzten Beitrag festgestellt, übernimmt zunehmend die KI die Schaffung von Content, und dass jemand, der neben seinem Blog ein durchaus erfülltes Leben hat wie Stefan, bei ohnehin knapper Freizeit da nicht in Konkurrenz treten will, ist verständlich. Allerdings dennoch schade. Vielen Dank für die vielen tollen Beiträge, lieber Stefan! Wir hören uns!

Ende dieses Jahres habe ich meinen Patreon-Kanal geschlossen. Auch hier gelten ähnliche Gründe, welche auch zum Aus von gitarre.blog geführt haben. Zudem war meine Präsenz auf Patreon ja eine Notlösung, geboren in finstersten Pandemie-Zeiten. Die einzige Art, ohne jegliche Künstliche Intelligenz Musik darzubieten, ist der Live-Vortrag, und zwar so, wie ich es mit meinen Musikerkollegen tun kann: Instrument, Verstärker, fertig. Ich danke all meinen Unterstützer:innen für die jahrelange Treue und für Eure Großzügigkeit. Ihr habt echt was gut – seien es Teilnahmen an meinen allseits beliebten Workshops, an Live-Konzerten oder eben sonst was. Meldet Euch!

Was soll 2026 passieren? Also mal vom allgemeinen Wunsch nach Gesundheit und Frieden abgesehen, musikalisch.

Mit Joe Bawelino werde ich die Republik wieder bereisen, solange wir zwei alten Männer das noch schaffen. Bis dato sind Gigs in Bayern, Baden-Württemberg, im Saarland und in Sachsen geplant. Sicher auch mal in Deiner Nähe!

Mit Ray Räbel und seinen Spießgesellen werden wir zunächst das BUNI im Januar erneut erobern und anschließend den Kreis Roth weiträumig unsicher machen. Mit dem genialen Martin Beigel gibt es schon Termine und Autumn Left wird auch wieder auftreten. Und wenn Blackbyrd ruft, komme ich natürlich umgehend!

Bleibt mir gewogen! Euch allen einen guten Rutsch und ein frohes, friedliches und vor allem gesundes neues Jahr 2026!

Euer

Gige 

Alles besser mit KI

Liebe Leser,

heute (was wohl inzwischen wieder einige Wochen zurückliegt) habe ich im Deutschlandfunk Kultur ein Gedicht (tatsächlich) von Durs Grünbein (wow, das ist mal ein Name!) gehört, mit dem Titel „Krise ohne Kritik“. Er bringt hier in etwa 90 Sekunden unser aktuelles Leben auf dem Planeten Erde ziemlich gut auf den Punkt. Und obwohl ich normalerweise mit Lyrik überhaupt nichts anfangen kann, hat dieses Gedicht mich doch einigermaßen bewegt. Grünbein schildert hier unseren Alltag, getrieben von Algorithmen, die uns vorsetzen, was wir zu konsumieren haben, Tech-Milliardären, die viel mehr wollen, als nur unser Geld (nämlich Macht und politischen Einfluss), verschiedenste Formen immer leistungsstärkerer KI, die uns alles abnehmen, zunehmend auch das Denken etc.

Wenn ich so resümiere, wie all diese genannten Dinge in meinen persönlichen Alltag eingreifen, kann man schon mal ins Grübeln kommen.

Schon das tägliche Abklappern der Social Media (wobei ich ohnehin nur hin und wieder Facebook – genau, das alte Ding – besuche) ergibt nicht etwa einen Überblick über die Aktivitäten mit mir verbundener „Freunde“, sondern irgendwelche Beiträge, zumeist Kurzvideos, welche offensichtlich meiner Generation gefallen oder zumindest deren Aufmerksamkeit erregen. Ich weiß, dass man das durch Aktionen in irgendeiner Form beeinflussen kann, aber ich habe keinen Bock darauf, die Software dahingehend zu trainieren, das zu tun, was sie ursprünglich sollte.

Fast alles, was ich mir in den letzten 60 Jahren an Fertigkeiten angeeignet habe, kann inzwischen eine KI schneller und besser erledigen. Nehmen wir das Comic-Zeichnen bzw. das Illustrieren. 

So ließ sich die bekannte Kinderbuchautorin Kirsten Boie den Umschlag für ein neues Werk („Skogland“ beim Oetinger Verlag) von einer KI generieren, was natürlich die Gilde der Illustrator:innen gar nicht erfreute! Die Künstler haben geheult, die Verlage (die anderen natürlich) protestiert und verlautbart, so dass Oetinger schließlich zurückgerudert ist. Aber mal ehrlich, den Kunden wäre es egal gewesen. Der Beruf des Illustrators hat sich erledigt. Ein mir sehr gut bekannter Veranstalter hatte alljährlich ein Plakat für eine Musikveranstaltung bei einem Zeichner beauftragt, so dass in den letzten 40 Jahren viele durchaus beeindruckende Kunstwerke entstanden sind. 2025 hat er die KI überredet, sein Plakat zu malen. Und das Ergebnis ist hochprofessionell. Und so verdient der altgediente Künstler, der über Jahrzehnte für wohlverdientes Honorar die Plakate gestaltet hatte, jetzt eben nichts mehr. Ein Fall von unendlich vielen…

Wie steht’s bei der Musik? Auch hier eine Anekdote aus dem Bekanntenkreis: Ein befreundeter Musiker hat die von ihm geschriebenen Songs von einer KI „optimieren“ lassen und präsentiert die Ergebnisse nun stolz in den sozialen Medien. Mir haben die Live-Gigs seiner Band immer sehr gut gefallen. Ich empfand sie als energetisch und höchst emotional vorgetragen. Die Buben haben mich wirklich immer mitgerissen, wobei ich ja bekanntlich ein strenger und missgünstiger Zuhörer bei meinen Musikerkollegen bin. Sorry, konnte ich mir nie wirklich abgewöhnen. 

Die KI-Überarbeitung ist allerdings seichte Lounge-Musik, für die ich das gewählte Label „Jazz“ eher unpassend finde. Und was sagt das aus? Wenn viele solch eine Musik toll finden, dann mag es prinzipiell mit der musikalischen Kreativität nicht so weit her sein. Und tatsächlich haben alle alten und auch neueren Meister immer wieder Motive ihrer Lehrer und Vorbilder verwendet und sich natürlich auch selbst kopiert. Hört Euch mal einige Bach-Messen an, wobei Bach sicherlich als einer der größten Musiker überhaupt anerkannt ist, und Ihr werdet schnell ein Muster erkennen, Ist halt so. 

Aber Schreiben – das ist doch eine uralte menschliche Fähigkeit. Ein Land der Dichter und Denker! Auch hier ein Beispiel aus nächster Nähe. Ein Freund von mir ist promovierter Germanist und zudem sehr allgemein-gebildet. Doch er versicherte mir, ChatGPT schreibe ihm genau die Bücher, die er immer lesen wollte. Schaut man genauer hin, sind es vor allem die, die er immer schreiben wollte. Hier geht es zumeist um hoch-philosophischen Kram, bei dem ich nicht einmal die Einleitungssätze wirklich verstehen kann, aber er sagt, das sei durchaus sinn- und gehaltvoll und mache – wie gesagt – Spaß beim Lesen. Wohl sei es so, dass eher bereits Gedachtes ordentlich formuliert werde, als Ungedachtes erfunden, aber ist dies nicht schon bis dato beim meisten alles Geschaffenen immer so gewesen?

Fotos oder Videos? Hier ist wirklich ALLES möglich. Mein Duopartner Joe Bawelino trägt sein Fotoalbum mit Aufnahmen weltberühmter Künstler, mit denen er gespielt oder zumindest einen wilden Abend verbracht hatte, wie einen Schatz bei sich. Ein Bekannter hat sein Lieblingsbild, auf dem er zusammen mit seinem Idol Joe Pass abgebildet ist, durch eine KI gejagt und animiert, so dass die Männer sich lachend auf die Schulter klopfen. Das wirkt tatsächlich täuschend echt. Aber am Ende heißt es nur, dass ein traditioneller Bild- oder Videobeweis im Jahr 2025 nicht mehr zu führen ist. Jeder kann sich ja so ein Video (oder auch Foto) generieren lassen.

Und wenn alle super sind… wird es keiner mehr sein! [Syndrom im Pixar-Film „Die Unglaublichen“]

Wenn aber bei allem, was ich persönlich zu meinen Fertigkeiten zähle, die KI dies schneller und auch besser erledigt, was bleibt dann für mich? Für uns alle gesprochen, für uns? Wenn wir Filme anschauen, die wir uns von der KI schreiben und produzieren lassen, wenn wir Musik hören, die eine KI generiert hat, wenn wir Bücher lesen, die von einer KI speziell für uns geschrieben wurden, dann sind wir nur noch Konsumenten unserer eigenen Produkte. Irgendeine Art von Evolution kann es hierbei nicht geben.

An dieser Stelle – und auch nur dieses eine Mal – bin ich froh, dass ich schon so alt bin. Ich muss mir die Ablösung aller kreativen Tätigkeiten durch Roboter (so klingt es gleich nach billiger Science Fiction) nicht mehr zu lange ansehen. Zudem wird mein Publikum mit mir sterben. Um die jungen Leute tut es mir leid. Es wird jede Menge an Kunst und Kultur verloren gehen und was bleibt, ist ein Überfluss an Mittelmaß. Doch das wird keiner bemerken. Die meisten Menschen haben ohnehin zum Beispiel von Musik keine Ahnung. Hauptsache, es kommt Lala aus dem Lautsprecher.

Diese ganze Entwicklung ist weder aufzuhalten, noch in irgendeiner Form reglementierbar. Man kann nur für sich selbst entscheiden, wie man damit umgeht. Ich werde also solange für Menschen live Gitarre spielen, wie das noch jemand hören will, Comics für meine treuen Kunden zeichnen, solange die das noch drucken möchten und hin und wieder einen Text schreiben, für die paar Leser, die das noch lesen wollen. Wer sich mit der KI messen möchte, mag das tun. Ich pfeif drauf!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Sommersession Oberhaid 2025

Liebe Leser,

ja, sie fand statt. Und ja, ich war dabei. Nämlich auf der Sommersession 2025 in Oberhaid. Ich will nicht behaupten, dass dies in irgendeiner Form mein Verdienst wäre, aber vielleicht, vielleicht konnte mein Beitrag über die Sommersession 2023 den Musiker Gerhard Förtsch, den Initiator und die Seele dieses Events, ein kleines bisschen mehr davon überzeugen, diese gewaltige Veranstaltung im Jahr 2025 nochmals auszurichten.

Gott sei Dank! Um es kurz zu machen: Es war eine wunderschöne Session, einige sprechen sogar von der schönsten bis dato. Und ich hatte tatsächlich eine Einladung! Zusammen mit dem Trompeter Johannes Schmidt bekamen wir gegen 22 Uhr einen Slot im dicht gepackten Programm der Session. Aber davon später mehr.

Kenner der Sommersession können die Klammer überspringen, ich erzähle Altbekanntes, ehrlicherweise zum Teil sogar aus dem 2023er Artikel herauskopiert:

[Klammer auf]

Im Prinzip wird die wirklich lange Session (dieses Jahr von 18:00 bis deutlich nach Mitternacht) von der Session-Band gestaltet, wobei zwischen deren Sets dann immer wieder eingeladene Ensembles ein Set spielen oder eben zusammen mit den Musikern der Stammbesetzung ein paar Songs darbieten. Wie es sich gehört, wird vorher nicht geprobt. Sonst wäre es ja keine Session.

Die Session-Band sind Musiker alter und aktueller Bands rund um den Sänger, Gitarristen, Mundharmonikaspieler, Schlagzeuger und Mundtrompetenspieler Gerhard Förtsch (der Mann, der die Sommer Session gegründet hatte, der das ganze Projekt seit über 20 Jahren auf die Beine stellt, der Sponsoren wirbt, der zusammen mit seiner Frau Erika für das leibliche Wohl aller Anwesenden sorgt, der moderiert und auch noch viele Songs mitspielt… was habe ich noch vergessen? Er ist halt das Herz der Session!), den Sänger und Gitarristen Philipp Arnold, den Keyboarder und Sänger Marc Dotterweich, den Bassisten und Sänger Robert Wild und den Schlagzeuger Jürgen Stahl. Diese fünf gestandenen Musiker beherrschen allesamt ihre Instrumente hervorragend. Philipp „Fips“ Arnold muss ich aber (wie jedes Jahr) besonders hervorheben, weil er wirklich herausragend gut Gitarre spielt und dies ist eben mein Metier. Und seit vielen Jahren mischt der Produzent, Keyboarder und Komponist Stefan Krug den Sound am Pult der riesigen PA.

[Klammer zu]

Gegen 18 Uhr eröffnete das JBO (Jugendblasorchester) Oberhaid die Session 2025. Insbesondere das Clapton-Medley fand wirklich Anklang. Layla in der 1978er Version war Spitze, Jungs und Mädels!

Nach einer unterhaltsamen Stunde wurde die Bühne vom Damen-Chor „Mädelsabend“ unter der Leitung von Thomas Kaminski geentert, die einen bunten Strauß Hits knackig aufbereitet hatten und das inzwischen schon recht zahlreiche Publikum begeisterten.

Gegen 20 Uhr übernahm dann die Sessionband (siehe oben) die Bühne, durchgehend verstärkt durch den erstmalig anwesenden Percussionisten Manu Bauer und die virtuose Geigerin Monika Romanovská, die nicht zum ersten Mal die Sommersession mit ihrem aufregenden aber stets präzisen Spiel bereicherte.

Nach einem furiosen „Simply the Best“ mit Gastsängerin Lea gab noch Eva Arnold am Gesangsmikro drei Songs zum Besten, allesamt wirklich super. Darunter eine das großartige „Ain’t Nobody“ von Rufus & Chaka Khan (mein ausdrücklicher Wunsch, danke an Eva und Fips), bei dem Fips eine wirklich geile Fingerstyle-Version der berühmten Funk-Nummer spielt.

Im Laufe des Sets gesellte sich dann noch die Saxophonistin und Sängerin Lydia Zeck zum „wilden Haufen“, auch ein gern gesehener Gast auf der Sommersession. Es gab wieder eine feine Version von Gerry Raffertys „Baker Street“!

Inzwischen war das ganze Programm schon etwas in Verspätung geraten, was aber weder Publikum noch Musiker gestört hat. Gegen 22 Uhr kamen dann die „Red SOGS“ auf die Bühne (Oliver Dechant (dr, voc), Stefanie Schubert (voc) und Stefan Krug – genau, unser Mixer – (keyb)), verstärkt durch Musiker:innen der Sessionband und mich an der Rhythmusgitarre. Sie spielten ein großartiges Set! Ich weiß, ich wiederhole mich, aber die Musiker taten das ja auch!

Ein gelungener Break war die Verlosung von drei Westerngitarren, die Hans Thomann (ja, der) für die Sommersession gestiftet hatte. Obwohl der Modus des Wettbewerbs (die Kandidaten sollten für den Erhalt eines Instruments etwa eine Minute einen Song live vortragen) erst im Laufe des Abends von Gerhard festgelegt wurde („die ersten drei kriegen die Gitarren“) ging die Aktion völlig ohne Streit entspannt im wahrsten Sinne des Wortes „über die Bühne“. Und alle vier Bewerber lieferten im Zusammenspiel mit der erweiterten Sessionband herausragend ab. Super-Aktion!

Gegen 23 Uhr kamen dann Johannes Schmidt mit seinem Horn und ich mit meiner Jazzgitarre auf die Bühne. Um diese Uhrzeit bei der ausgelassenen Stimmung auf dem proppevollen Platz wird nicht sophisticated Jazz gespielt! Nach zwei kurzen Songs baten wir den Rest der Sessionband auf die Bühne und gaben in Vollbesetzung „Cantaloupe Island“, „Sunny“ und „Ain’t no Sunshine“. Es ist immer wieder ein erhebendes Gefühl, auf dieser Bühne umgeben von tollen und netten Mitmusikern spielen zu können!

Da ich am nächsten Tag tatsächlich bereits um 11 Uhr einen Gig im schwäbischen Aalen hatte, musste ich (erstmals) die Session vor dem Ende verlassen. Aber anhand von Bild- und Videomaterial ist belegt, dass die Veranstaltung bis in die frühen Morgenstunden ging und wirklich von allen gefeiert wurde!

Neben der perfekten Performance aller Musiker und auch des kompletten Technik-Teams um Thomas Förtsch und dem aufopferungsvollen Engagement von Erika ist natürlich wie immer Gerhard Förtsch hervorzuheben. Wie er das nach einer Woche Aufbau und Vorbereitung vor Ort (das stimmt tatsächlich, die Monate Planung etc. zu Hause bzw. im Büro mal gar nicht gerechnet) schafft, am Abend der Session ohne jede Hektik, stets freundlich und auch immer zu einem Scherz aufgelegt, nicht nur alle Fäden der Organisation in den Händen zu halten, den Abend charmant zu moderieren und dann auch noch professionell auf der Bühne zu performen, ist wirklich unglaublich! Gerhard, das macht Dir keiner nach!

Und auch, wenn ich es schon mehrfach geschrieben hatte, es ist niemals, niemals auch nur ein böses Wort unter den Musikern oder zwischen Musikern und Orga-Team gefallen. Ich habe schon auf vielen Festivals oder Veranstaltungen gespielt, aber das ist in Oberhaid einzigartig! Es gibt hier kein Schaulaufen der Musiker, wer die beste Performance abliefert, keine bösen Worte Richtung Technik, wenn das eigene Instrument nicht sofort über den Monitor hörbar ist, nicht dieses alberne Herumstolzieren von „Stars“. Alle wollen einen schönen Abend haben und gemeinsam dem Publikum tolle, handgemachte Musik präsentieren. Das ist meines Erachtens durchaus einzigartig an der Sommersession!

Es war mir eine Ehre, auf der Sommersession 2025 spielen zu können! Viele Grüße an meine lieben Mitmusiker:innen (siehe oben, ich hoffe, ich habe niemanden vergessen), an Erika und Thomas samt dem ganzen Team! Lieber Gerhard, es war wieder grandios! Und ich denke, ich spreche für viele, wenn ich hoffe, dass wir uns im nächsten Jahr wiedersehen, wenn es heißt: Auf zur Sommersession nach Oberhaid!

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Inside Jazz – Jazzworkshop Erlangen 2025

43. Internationaler Jazz Workshop in Herzogenaurach Samstag, 19. April bis Sonntag, 27. April 2025

Liebe Leser,

eine großartige Woche in Herzogenaurach… und hier wird der geneigte Leser stutzen, denn wie kann es sein, dass der 43. Erlanger Jazz Workshop 2025 nicht in Erlangen stattfand, sondern eben in Herzogenaurach? Das kam so:

Die letzten Jahre waren für den Organisator und die Seele des Workshops Rainer Glas schwer, da die Stadt Erlangen ihrem renommierten Kulturpreisträger schon seit langem die Zuwendungen stetig gekürzt hatte. Und für 2025 gab es nun halt überhaupt keine Unterstützung mehr. Wie ich am eigenen Leib bitter erfahren musste, halten es Kulturamtsleiter:innen und sonstige für Kultur Zuständige inzwischen nicht einmal mehr für nötig, Budgetkürzungen oder gar -streichungen den Betroffenen persönlich mitzuteilen. Es wird eine Praktikantin beauftragt, eine Mail zu schreiben und ans Telefon geht man nicht. Erbärmlich! Zudem stand die schöne vhs in der Friedrichstraße in diesem Jahr wegen Umbaumaßnahmen nicht zur Verfügung und der Frankenhof ist nach nunmehr etwa 10 Jahren Bauzeit immer noch nicht (wieder-)eröffnet. Rainer hatte also weder Geld noch einen Kursort, so dass er alle Planungen (bei bereits über 100 Anmeldungen) immer wieder aufs Neue umwerfen musste und schließlich – um überhaupt irgendwas bieten zu können – auf das Hilfsangebot des Bassisten Johannes Göller, inzwischen Leiter der Musikschule Herzogenaurach, einging, der das schöne Gebäude zumindest für etwa 50 Kursteilnehmer zur Verfügung stellen konnte. Johannes war 2009 als Student noch Teilnehmer des Jazzworkshops und sogar damals mit mir in Romys Combo.

Wie schon angesprochen, war für das vertraute Lineup weder Platz noch Geld vorhanden, so dass der Workshop 2025 nur in reduzierter Form durchgeführt werden konnte. 

Die Dozent:innen 2025 waren:

Romy Camerun (Gesang), Martin Auer (Trompete), Jürgen Neudert (Posaune), Tony Lakatos, Hubert Winter (beide Saxophon), Rainer Glas (Chords & Scales), Johannes Göller (E- und Kontrabass) sowie Harald Rüschenbaum (Bigband).

Nicht dabei 2025:

Bernhard Pichl (Klavier), Rick Margitza (Saxophon), Patrick Scales (E-Bass), Peter O’Mara (Gitarre), Carola Grey (Drums) sowie Alberto Diaz (Salsa-Band).

Das Herausragende an den vielen vorangegangenen Workshops war stets das „Komplettpaket“, also absolute Top-Dozenten für nahezu jedes erdenkliche Instrument. Dieses Alleinstellungsmerkmal war 2025 nicht mehr vorhanden. Die Gründe hierfür sind ausführlich erläutert, aber die Tatsache bleibt. Keine Klavier-, Gitarren-, E-Bass- und Schlagzeug-Klassen. Keine Salsa-Band. Seufz!

Auch mein privates Experiment, mit alten Freund:innen im geliebten „Hotelchen“ in Erlangen zu übernachten, für den Workshop nach Herzogenaurach zu pendeln und allabendlich in der „Kulisse“ den Tag ausklingen zu lassen, darf als gescheitert angesehen werden. Über die Osterfeiertage ist die Kneipenszene von Erlangen tatsächlich wie ausgestorben und die meisten unserer Workshop-Kolleg:innen sowie nahezu alle Dozenten übernachteten ja in Herzogenaurach.

Eine Ära ging zu Ende

In meinen Berichten vom Jazzworkshop der Vorjahre habe ich seitenlang über das dicht gedrängte Tagesprogramm des Workshops geschrieben. Dies entfällt 2025. Denn dieses Jahr war es nicht so gedrängt. Es gab am Morgen zwei Stunden Unterricht (Gesang, Bigband, Saxophon, Bass, ab Montag dann noch Trompete und Posaune) und dann erst wieder ab 15 Uhr Combo-Probe. Als Zuckerl gab es noch Chor am Frühnachmittag und zwei Sessions „Chords & Scales“ mit Rainer Glas. Am Abend gab es von Sonntag bis Freitag jeden Abend Session, am ersten Abend auf der Kellerbühne im E-Werk Erlangen, ab Montag dann in der MusicBase Herzogenaurach.

Hier muss ich allerdings feststellen, dass die MusicBase Herzogenaurach eine fantastische Sessionbühne ist! Ehrenamtlich betrieben von den wackeren Mitgliedern der Musikinitative Herzogenaurach e.V. haben die eigentlich dem Rock verschriebenen Vereinsmitglieder ihre schöne Bühne samt Technik und Personal den Jazzern für fünf Abende überlassen. An einer kleinen Theke konnte man zum fairen Preis Getränke erwerben und dann konnte die Session starten. Die Workshopteilnehmer nutzten fleißig die Gelegenheit, einmal auf einer schönen Bühne vor Live-Publikum zu spielen und die Rockmusiker nahmen ihre Jazz-Kollegen freundlich auf und halfen auch gerne kompetent aus, wenn zum Beispiel gerade kein Schlagzeuger aus dem Kurs anwesend war. Vielen Dank an die MusicBase und herzliche Grüße – das war echt super!

Am Samstag sollte, diesmal schon am Nachmittag, das Abschlusskonzert des Workshops stattfinden, zudem dann nochmals ein kleines Dozentenkonzert. Da ich ja an dieser Stelle schon weiß, wie es letztendlich ausging, möchte ich mich bezüglich des Abschlusskonzerts der Teilnehmer kurz fassen. Es war – wie so oft – eine rundum gelungene Vorstellung aller Workshop-Ensembles bzw. Haralds Bigband. Natürlich war die Abwesenheit von Gitarrist:innen und Bassist:innen schmerzhaft zu spüren. Aber es war nun einmal nicht zu ändern. Der Saal war mit Kursteilnehmern und auch Besuchern sehr gut gefüllt und die Stimmung war gut, wenn auch die Uhrzeit des Abschlusskonzerts etwas von einer Tanztee-Veranstaltung hatte. Naja, passt ja auch eigentlich.

Dann kam das (in der Tradition des Workshops außerplanmäßige) zweite Dozentenkonzert des Workshops. Für Rainer Glas wohl sein letztes Dozentenkonzert überhaupt. Dass er nach seiner nochmal richtig guten Vorstellung einige Minuten lang stehende Ovationen bekam, mag nicht nur mir etwas Wasser in die Augen getrieben haben. 45 Jahre aufopferungsvoller Dienst am Jazz, das ist schon was. Vielen Dank für alles, Rainer!

Sowohl Rainer Glas wie auch Johannes Göller und der Bürgermeister von Herzogenaurach sprachen davon, dass sie gerne den Workshop in Herzogenaurach weiterführen wollten (Rainer allerdings dann nur noch in beratender Funktion), dass allerdings vorher noch allerhand in Sachen Organisation und (vor allem) Finanzierung zu klären sei. Man sage allen Interessierten innerhalb der nächsten vier bis sechs Wochen per Mail Bescheid. Bis dato habe ich noch nichts aus Herzogenaurach gehört.

Sag beim Abschied leise Servus

Wie auch immer es ausgehen mag, unseren geliebten Internationalen Jazzworkshop Erlangen mit knapp 120 Teilnehmern und allen nur erdenklichen Instrumenten-Gattungen und einem Packen voller erstklassiger Dozenten werden wir wohl in der gewohnten und bewährten Form nicht mehr wiederbekommen.

Lieber Rainer, liebe Dozent:innen, Kursteilnehmer:innen und Freund:innen – es war eine geile Zeit! Ich habe unendlich viel gelernt und hatte viele lehrreiche und einfach schöne Tage bei wunderbarer Musik im Kreis von netten Menschen. Ich hoffe, wir sehen uns gesund und munter wieder! Wo auch immer.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer Gige 

Sätze, die noch nie nach einer Jazz-Session gesagt wurden

Liebe Leser,

ich habe auf vielen Jazz- und sonstigen Sessions viel gelernt. Ich habe auch allerhand Lehrgeld bezahlt, weil ich mich nicht an die (leider ungeschriebenen) Regeln gehalten habe. Obwohl in wirklich jedem Workshop den Teilnehmern die Regeln einer vernünftigen Session erklärt werden, wird dies regelmäßig missachtet. In den nächsten Tagen werde ich des Öfteren auf Jazz-Sessions sein und wahrscheinlich beobachten, dass sich das in den letzten Jahren, ja Jahrzehnten nicht geändert hat. Wobei – man weiß ja nie!

Ich probiere es heute in diesem Blog, der ja dankbarerweise nur meiner eigenen Zensur unterliegt, mal andersherum. Reverse Psychology nennt man das, glaube ich. Mal sehen, ob das funktioniert. Also, heute: Sätze, die noch nie nach einer Jazz-Session gesagt wurden:

Gut, dass du jeden Song mitgespielt hast, obwohl du die offensichtlich niemals vorher gehört hast!

Ach, sowas kann einem durchaus den Spaß verderben. Einige Pianisten, aber auch Gitarristen, welche ja beide als vollwertige Begleitinstrumente quasi den harmonischen Untergrund für einen Song bereiten können und das auch meistens müssen, finden den Absprung nicht. Sie haben vorher einige Tunes korrekt begleitet und sind danach der Meinung, auch ein Stück spielen zu können, das sie vorher noch nie gehört haben. Diesen Vorgang nennt man unter Musikern „Heißlaufen“. Der betreffende Song wird dann – wenn’s gut läuft – notdürftig vom iRealB abgelesen und irgendwie heruntergeklöppert. Aber mit Musik hat das dann kaum mehr etwas zu tun. Nicht, dass mir sowas nicht auch schon passiert wäre. Siehe „Lehrgeld bezahlen“. Wie so oft gilt: Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören.

Der siebte Chorus, den du soliert hast, war der Beste!

Natürlich soll der Solist auf einer Session spielen, was er möchte. Und auch solange, wie er was zu sagen (also zu spielen) hat. Wenn aber an der Bühne schon eine Schlange anderer Musiker wartet, die auch gerne mal ein Solo spielen möchten, was nicht zu selten vorkommt, ist jeder weitere Chorus nach dem ersten schlicht eine asoziale Frechheit.

Respekt, du hast einen dir unbekannten Song in knackiger Lautstärke begleitet!

Nun, es kann schon mal passieren, dass einem ein unbekannter Song vorgelegt wird. Für diesen Fall habe ich persönlich zwei gute Tipps, welche allerdings aufeinander aufbauen. Lass die Finger vom Instrument, wenn du einen Song nicht kennst. Wenn du es aber partout nicht lassen kannst, dann spiele wenigstens so lange wirklich leise, bis du das Schema verstanden hast. Kommt dann wieder ein unklarer Mittelteil, geht’s zurück zu Tipp 1. Lass die Finger vom Instrument!

Du hast ja bei zwei Songs nicht mitgespielt!

Zugegeben, manchmal fragen tatsächlich Mitmusiker nach, ob man nicht den Song xy mal eben mitspielen mag, weil er sonst nicht dargeboten werden könne. Aber, glaubt mir, es ist, wie hier schon mehrfach dargelegt, zumeist keine gute Idee. Ich erinnere mich an meinen Session-Tod, als ich mich vor vielen Jahren – heißgelaufen – zum Mitspielen beim Titel „Cute“ überreden ließ und dann in wirklich langen fünf Minuten ohne die geringste Ahnung vom Song und ohne einen Ton am E-Bass zu zupfen auf der Kellerbühne im E-Werk Erlangen einen qualvollen Tod gestorben bin. Ein Nicht-Mitspielen hätte man mir sicherlich nach meiner absolut unterirdischen Darbietung kaum vorgeworfen.

Toll, dass du jeden einzelnen Durchgang des immergleichen Moll-Blues-Schemas akribisch vom Sheet gelesen hast!

Dass einige KollegInnen mit dem Auswendig-Spielen so ihre Probleme haben, ist mir inzwischen klar. Aber, nur mal zur Veranschaulichung, man stelle sich einen B. B. King vor, der bei einem 10-minütigen Solo über einen traditionellen 12-Takter ein ums andere Mal die Begleitung vom Blatt liest. Lächerlich? Ganz meine Meinung! Es muss doch möglich sein, sich eine einfache Folge von drei unterschiedlichen Akkorden zu merken, insbesondere wenn sie einem durchaus verbreiteten Schema folgt.

Summa summarum kann ich festhalten, dass sich alles oben Dargestellte auf folgende zwei aus der StVO entliehenen Regeln reduzieren lässt:

(1) Die Teilnahme an Jazz-Sessions erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. 

(2) Wer an einer Session teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Zudem hilft es ungemein, wenn man nicht nur sich selbst zuhört. Ein aufmerksames Zuhören verhindert übrigens die meisten erwähnten Fauxpas (das ist tatsächlich der Plural von Fauxpas, ich hab’s nachgeschlagen).

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer Gige 

Gedanken zum Jahresende 2024

Liebe Leser,

traditionell ein paar Gedanken zum Jahresende.

Musste ich 2023 noch einsehen, dass man mit 60 nun wirklich alt geworden ist, war 2024 das Jahr der Bestätigung, dass sich dieser Zustand wohl nicht mehr ändern wird. Und ich unterschreibe den Spruch „Alt werden ist nichts für Feiglinge“ aus nunmehr eigener Erfahrung,

Nicht so oft wie im Vorjahr, aber immerhin mehr als 60 Male durfte ich auf der Bühne stehen. Ich spielte mit so tollen Musiker:innen bzw. in Ensembles wie (in alphabetischer Reihenfolge) 

Autumn Left (Clemens Bröse, Dirk Lange, Steven Webb), Joe Bawelino, Martin Beigel, BlackByrd (Peter Hauke, Jörg Konz, Christine Schabdach, Hans Seidl), Kathrin Brunner,  Ray Räbel & Friends (Ray Räbel, Robert Steigleder, Basti Wedel), Stephan Sädtler, Mark Schäfer, Johannes Schmidt sowie mit den Mitmusiker:innen beim Jazzworkshop Erlangen.

Habe ich jemanden vergessen? Sorry! Herzlichen Dank Euch allen!

Mit meinem kleinen Gitarren-Lehrbuch „Gassenhauer für die akustische Jazzgitarre“ bin ich 2024 krachend gescheitert. Ich musste einsehen, dass man heutzutage einfach keine Lust mehr hat, sich vor ein gedrucktes Lehrbuch zu setzen und sich Songs draufzuschaffen, selbst wenn das betreffende Lehrwerk als E-Book, PDF oder halt generell in digitaler Form vorliegt. Es entbehrt zwar nicht einer gewissen Komik, dass mich viele Leute fragen, wie ich denn auf diese spezielle Art und Weise spielen könne, es sie aber nicht interessiert, wenn ich es dann genauer schriftlich erkläre.

Nun ja, ich möchte es 2025 mit einer Reihe von kleinen Videos probieren, in denen ich Spiel- oder Übungstechniken vorstelle, bisweilen auch den ein oder anderen Song. Mal sehen, ob und wie sowas ankommt. Und nein, ich werde nicht auf TikTok publizieren.

Ich habe vor, 2025 nochmals (wie schon 2012) eine CD (oder zumindest eine Art von Song-Zusammenstellung) zu produzieren, bei der ich ausschließlich akustisch spiele. Ich mag diesen speziellen Sound immer noch und versuche wieder einmal, auch andere hierfür zu begeistern.

Mit Joe Bawelino werde ich die Republik wieder bereisen, solange wir zwei alten Männer das noch schaffen. Bis dato sind Gigs in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt geplant. Sicher auch mal in Deiner Nähe!

Bleibt mir gewogen! Euch allen einen guten Rutsch und ein frohes, friedliches und vor allem gesundes neues Jahr 2025!

Euer

Gige 

Der neue Song

Liebe Leser,

es ist Dienstag – Zeit für einen Blogbeitrag!

Das ist ein Scherz. Ich habe seit Monaten nicht mehr geschrieben. Ja, ich weiß, ich schreibe zu wenig. Ist hier im weiten Web noch jemand, der meine Beiträge liest? Nun ja, sei’s drum, es muss halt raus! Zur Vereinfachung schreibe ich die folgenden Zeilen im generischen Femininum, es gilt natürlich für alle Geschlechter. Auf die Verwendung von KI habe ich verzichtet, weil mir die Ausarbeitung eines passenden Prompts mühevoller erscheint, als diesen Text zu schreiben. Allerdings habe ich mir von WordPress ein Beitragsbild generieren lassen, nur mal so, um zu gucken, wie das funzt. Nun ja, was meint Ihr? Zur Sache:

Seit nunmehr ziemlich genau 50 Jahren spiele ich Gitarre zusammen mit anderen Menschen. Viele davon sind Musikerinnen, andere vorrangig Instrumente-Besitzerinnen. Bei den unvermeidlichen Proben stößt mir seit Jahrzehnten eine verbreitete Unart immer wieder sauer auf: Wenn ein Ensemblemitglied oder gar die Leiterin einen neuen Song vorstellt, sei es ein Cover oder ein selbstgeschriebener, wird sofort von einigen Kolleginnen mitgespielt, bereits ab Takt 2. Oder zumindest der Versuch des Mitspielens unternommen, auch wenn der vorgestellte Song der Jeweiligen definitiv nicht bekannt ist. Und das ist nicht nur nervig, sondern auch absolut hinderlich, geradezu kontraproduktiv! Ich erkläre, warum.

Die Stellen, die die Mitmusikerin ordentlich mitspielt, sind offensichtlich nichts Besonderes (das wären im Jazz beispielsweise Aneinanderreihungen von 1625 oder ähnliches), müssen also nicht in diesem Moment gespielt werden. Und die interessanten Abweichungen bekommt man nicht mit, weil man ja gerade auf seinem Instrument triviales Zeug nudelt. Der Rest der Band darf sich statt der relevanten Aufnahme derweil die Versuche der dazu klimpernden Kollegin anhören.

[Klammer: Ich persönlich arbeite mich folgendermaßen durch einen neuen (also mir unbekannten) Song: Ich versuche zunächst die Form zu erfassen, dabei am besten gleich die Taktzahl der einzelnen Teile. Eventuelle Abweichungen von 4/8/16 etc. versuche ich mir zu merken oder notiere sie, falls ein Fetzen Papier und ein Stift zur Hand. Prinzipiell suche ich nach „Pointen“ im Song, also harmonischen oder auch rhythmischen Besonderheiten. Ich habe das in anderen Beiträgen auch „Leuchtturm-Prinzip“ genannt, also das ausschließliche Speichern von subjektiv relevanten Abweichungen vom Standard. 

Zur Erschließung der Harmonik verwende ich die Stufentheorie, welche nun wahrlich keine neue Sache ist. Bereits Hugo Riemann hat sie in seiner Harmonielehre Ende des 19. Jahrhunderts ausführlich beschrieben. Erweitert mit der Funktionstheorie, welche ich auf den Workshops in Erlangen erlernt habe. So identifiziere ich das Gehörte als Stufen und bestimmte Klanggebilde bzw. Akkordfolgen als funktionsharmonische Gebilde, z. B. einen Dominantseptakkord auf der II. Stufe als Doppeldominante oder einen auf Stufe bVII als Doppelmollsubdominante. Wenn ich so eine Funktion erkannt habe, weiß ich, was ich dazu oder darüber zu spielen habe. Natürlich geht das alles auch „nach Gefühl“ und „aus dem Bauch heraus“, was aber wesentlich anstrengender, fehleranfälliger und schwerer zu merken ist!

Ihr habt sicherlich festgestellt, dass die Tonart des Songs für eine solche Betrachtung keine Rolle spielt. Das ist extrem hilfreich! Klammer zu.]

Alles, was ich in der Klammer geschildert habe, kann aber nur erfolgen, wenn man sich den vorgetragenen oder vorgespielten Song wirklich in Ruhe anhört, eventuell auch zwei- oder gar dreimal. Und es ist absolut kontraproduktiv, wenn die Bassistin derweil andauernd versucht, die Lines mitzuspielen, oder die Gitarristin die Changes zum wiederholten Mal angenähert mitschrammelt.

Man hat mir aus den Chorproben eines ambitionierten Chores berichtet, dass die Chorleiterin jedes Mal schier verzweifelt, wenn sie ihrem Ensemble eine besonders anspruchsvolle Stelle von einer Aufnahme vorspielen möchte. Und immer summen unsere erwähnten Kandidatinnen die nicht-relevanten Stellen überlaut mit, so dass die aufmerksamen Lernwilligen garantiert auch beim wiederholten Vorspielen nichts mitbekommen. Die Summenden natürlich auch nicht, aber denen ist es ja wichtiger, ihr vermeintliches Können permanent zu demonstrieren. 

[Tipp am Rande für Euch Wichtigtuerinnen: Es ist wesentlich beeindruckender und kommt ungemein positiv an, wenn man nach konzentriertem Zuhören die betreffende Stelle oder gar den ganzen Song ordentlich darbieten kann!] 

Diese wirklich unangenehme und auch unproduktive Angewohnheit hat übrigens nicht unbedingt mit der technischen Fertigkeit der betreffenden Menschen zu tun. Auch durchaus renommierte Musikerinnen sind von dem Leiden des Sofort-Mitdudeln- bzw. Sofort-Mitsingen-Müssens betroffen.

So bleibt als Zusammenfassung nur der berühmte lateinische Spruch in leichter Abwandlung:

Si tacuisses, musicus mansisses.

Ich hoffe, ich habe das mit meinen dürftigen Restkenntnissen in Latein grammatikalisch richtig modifiziert.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer Gige

Ich geb’s dran!

Liebe Leser,

wie vielleicht die eine oder der andere von Euch mitbekommen haben, spiele ich – meines Erachtens – ganz ordentlich Gitarre. In den letzten 15 Jahren habe ich eine Spielweise entwickelt und auch laufend trainiert, die bis dato doch allerhand geneigte Hörer gefunden hat. Die Verquickung eines traditionellen Fingerstyles, wie ich ihn im Folk und Bluegrass erlernt habe, mit der Interpretation ebenso traditioneller Jazzstandards. Nicht zu selten bewundern Gitarristen mein Spiel, sei es bei Solo-Gigs oder bei den Duo-Auftritten mit Joe Bawelino. Da ich schon immer ein Erklär-Bär gewesen bin, habe ich meine Erkenntnisse auch schon mannigfaltig „in Papier gegossen“ bzw. digital veröffentlicht.

Nun kam mir vor einigen Monaten eine vermeintlich gute Idee: Wie wäre es, wenn ich 10 der größten Gassenhauer, die ich kenne (und natürlich spielen kann) in leicht verständlicher Form (ok, das ist relativ) als TAB und ggf. Notation niederschreibe, eventuell jeweils mit einem kurzen Video dazu, in dem ich den jeweiligen Song vorspiele? Ich fand das Konzept toll und setzte mich hin. Zunächst klopfte ich alle Gassenhauer, die ich vorstellen wollte, ins Guitar Pro (GP7), zum Einen, damit ich sie überhaupt einmal digital gespeichert habe, und zum Anderen, um daraus TABs oder ggf. auch Sheets zu generieren. Anschließend erstellte ich für jeden der gewählten Songs ein PDF, welches auch sozusagen stand-alone vertrieben werden könnte, was ich ja seit einigen Jahren auch mit mehr oder weniger Erfolg versuche, bestehend aus Einleitung, Changes oder Sheet, Besprechung des Arrangements sowie die eigentlichen TABs. Also ein cooles Gesamtpaket. Zu diesen einzelnen Song-PDFs habe ich noch einen nette Einleitung und ein paar meines Erachtens nützliche Tipps geschrieben. Das Ganze bildet nun quasi ein Online-Dokument, welches ich per Link freigeben kann. Eventuell lässt sich dann aus diesem Dokument dann auch relativ problemlos eine Print-Druckvorlage (das ist redundant, ich weiß) erzeugen.

Ich habe den Link auf den E-Book-Entwurf dann an neun befreundete Gitarrist:innen samt freundlichem Anschreiben („Kannste mal drüber gucken, vielleicht mal probieren?“ „Wie findest Du es?“  etc.) geschickt, mit der Bitte um Rückmeldung. Das Feedback war niederschmetternd und hat mich überzeugt, dass meine Art zu spielen sowie meine Art, dies zu lehren, wirklich kein Schwein interessiert! Was übrigens nur als Redewendung und nicht despektierlich gemeint ist.

Genau eine (1) Person (meine Tochter!) hat das Teil wirklich angesehen, sich mit der Gitarre hingesetzt und sich wirklich mal einen Song reingezogen. Sie findet das Buch auch großartig. Allerdings ist eine solche Rücklaufquote so miserabel, dass ich inzwischen überzeugt bin, dass meine bis dato praktizierte Art und Weise der Veröffentlichung von Lern- und Lehrmaterialien derart aus der Mode ist, dass ich es sein lassen werde!

Ich glaube immer noch, dass Menschen meine Schreibe unterhaltsam fänden, sofern sie sie läsen, um diesen schönen Konjunktiv auch mal zu verwenden. Da sie dies aber nicht tun, werde ich es lassen. Sicherlich werde ich mich nicht in die Masse der Online-Lehrer einreihen. Ich habe einfach keinen Bock auf regelmäßige Videoproduktion. Zumindest nicht im Moment. Vielleicht den einen oder anderen Gitarren-Workshop, wobei es von denen auch schon jede Menge gibt. Wir wollen mal sehen.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer

Gige 

Inside Jazz – 42. Internationaler Jazz Workshop Erlangen 2024

Liebe Leser,

eine großartige Woche in Erlangen beim 42. Internationalen Jazz Workshop in Erlangen, von Samstag, 30. März bis Sonntag, 07. April 2024, ist auch schon wieder Geschichte. Wie immer habe ich auch länger als eine Woche gebraucht, um meinen Bericht „in Papier zu gießen“. Sorry!

Anders als in den Vorjahren reiste ich bereits am Karfreitag nach Erlangen, da ich so die Möglichkeit nutzte, mit einer alten Freundin, die eben schon an besagtem Tag anreisen musste, in aller Ruhe etwas „vorzuglühen“. Dementsprechend flink gelangte ich natürlich dann am (Kar-)Samstag zur Workshop-Anmeldung die, wie in den Vorjahren, im Egloffstein’schen Palais der vhs stattfand. Das schöne Barock-Haus mit dem großen Innenhof diente auch 2024 als Kursgebäude. 

Die Anmeldung (die wie immer durch Elke, die Lebensgefährtin von Rainer Glas, souverän in Windeseile erledigt wurde) war ein großes Wiedersehensfest, bei dem man im lauschigen Hof – bei allerdings noch recht schattigen Temperaturen – bei einigen Tassen Kaffee die zumeist lange nicht mehr in natura getroffenen Musikerkolleg:innen begrüßte. Eine Freude, eine Freude!

Apropos Kaffee: Das Café International in der vhs hat seit diesem Jahr eine neue Leitung. Die engagierten und freundlichen Betreiber bieten von 9:00 bis 21:00 Uhr allerhand Getränke, Snacks und auch Mittagessen an. Die Preise sind allerdings für einen Workshop, bei dem auch viele junge und wenig solvente Menschen teilnehmen, wahrhaft gesalzen und wurden im Lauf der Woche auf Druck etwas nach unten korrigiert. Aber eine kleine Schale mit Bärlauchsuppe ohne viel drin mit einer Scheibe Brot für 9,00 €? Zudem lässt ab Tag 3 das Verständnis dafür nach, dass von dem halben Dutzend Mitarbeiter:innen tatsächlich nur eine (1) die Siebträgermaschine bedienen kann. Wo doch Kaffee das Haupt-Lebensmittel der Jazzer ist. Nebenbei waren die Pump-Kannen mit bezahlbarem Brühkaffee zum Selberzapfen im Jahr 2023 eine gute Idee. Nur so als Anregung.

Die Dozent:innen 2024 waren:

Romy Camerun und in der zweiten Workshophälfte (wie im Vorjahr) Johanna Schneider (Gesang), Bernhard Pichl (Klavier), Martin Auer (Trompete), Jürgen Neudert (Posaune), Tony Lakatos, Rick Margitza und Hubert Winter (alle Saxophon), Patrick Scales (E-Bass), Rainer Glas (Fredless- und Kontrabass), nach acht Jahren Pause wieder Peter O’Mara (Gitarre), Harald Rüschenbaum (Bigband) und Carola Grey (Drums) sowie Alberto Diaz (Salsa-Band).

Ein „normaler“ Kurstag ist wie folgt gegliedert: Um 10 Uhr beginnt der tägliche Instrumentalunterricht beim gewählten Dozenten, wobei manche Dozenten ihren Kurs aufteilen, damit die Teilnehmer sowohl bei der Bigband proben, wie auch am Instrumentalunterricht partizipieren können. Nach der Mittagspause ab 13:30 gab es ein vielfältiges Angebot: Harmonielehre entweder bei Rainer Glas (Chords & Scales) oder bei Bernhard Pichl (Fortgeschrittene), Chor bei Romy Camerun bzw. Johanna Schneider, Saxophon-Spezial bei Rick Margitza, Flöte und Klarinette bei Hubert Winter und – da Peter O’Mara wieder dabei war – die allgemein beliebten „Rhythm Grooves“ des Quartetts Lakatos/Scales/Rüschenbaum/O’Mara, wo Standards quasi zum Anfassen performt werden und Peter jeweils ein paar Fakten zum jeweiligen Stück bzw. Genre erläutert. Es gibt hier nirgends Anwesenheitspflicht und man kann auch täglich ein anderes Angebot wahrnehmen (außer beim Chor). Ab 15 Uhr beginnen dann die Proben der einzelnen Combos, welche sich bereits am Samstag in der ureigenen und mehrfach beschriebenen Art der Erlanger Jazzworkshops (vorläufig) formiert haben. Ein Wechsel ist in den ersten Tagen kein Problem. Wenn auch gerade Erst-Teilnehmer:innen von dieser sehr lockeren Art der Combo-Zusammenstellung bisweilen etwas überfordert sind, klappt es doch seit nunmehr 44 (!!!) Jahren (2020 und 2021 konnte ja kein Workshop stattfinden) immer wieder aufs Neue ganz hervorragend.

[Anmerkung: Ein Novum war 2024, dass Rainer Glas erstmalig seitdem ich mich erinnern kann, keine Combo zum Abschlusskonzert führen konnte, da er wegen zweier Bandmitglieder, die nicht einmal die Grundanforderungen für einen Bandeinsatz erfüllten, gezwungen war, die anderen Musiker „ziehen zu lassen“, damit diese wenigstens etwas vom Workshop haben. Ich habe selbst zwei Mal in Rainers Combo mitgespielt. Es war jedes Mal eine coole und nette Truppe, die Rainer beim Abschlusskonzert nicht enttäuscht hatte. Das ist wirklich dumm gelaufen dieses Jahr und tut mir für den engagierten Rainer wirklich leid! Anmerkung Ende.]

Wer nach den Combo-Proben gegen 17 Uhr immer noch nicht genug hat, geht zur Salsa-Band, wie jedes Jahr unter der Anleitung des kubanischen Meisters Alberto Diaz. Die übrigen dürfen ab 17 Uhr die alltägliche Jamsession im „Speisesaal“ des Café International beginnen, welche bis 21 Uhr dauern darf. Im Laufe der Woche wurde dies bis 22 Uhr verlängert. 

In diesem Jahr bildete der Ostersonntag, also der zweite Workshoptag, eine Ausnahme, denn der Erlanger Trompeter Johannes Schmidt konnte die Session der Workshop-Teilnehmer in der Reihe „Jazz for free“ im E-Werk platzieren, so dass nach vielen Jahren mal wieder eine Workshop-Session auf der Kellerbühne des E-Werks stattfinden konnte. Das hat schon was!

Dass auf beiden Fotos (also von der Session in der vhs und der im E-Werk) stets dieselben Musiker abgebildet sind, liegt an meiner nachlässigen Fotoarbeit, nicht an mangelnder Anzahl von Session-Spielern!

Am Freitag, 05.04.2024 fand das Dozentenkonzert in der Kleinen Lades-Halle statt. Ob der traditionelle Freitag oder der im Vorjahr getestete Termin am Ostersonntag der geeignetere Termin, darüber gehen die Meinungen auseinander. Ich persönlich mag den Freitag lieber, verstehe aber auch das Argument, dass so neue Teilnehmer die Dozenten früher auf der Bühne erleben können. Wie auch immer, ich konnte dieses Jahr nicht dabei sein, weil ich am Abend selbst einen Gig mit Joe Bawelino (den ich natürlich auch in Erlangen kennenlernen durfte) in der Region hatte. Man hat mir berichtet, es sei wie immer herausragend gewesen.

Am folgenden Samstag gab es dann das große Finale, das Abschlusskonzert der Kursteilnehmer, ein gewaltiges Event mit 12 Bands von 17:00 bis weit nach Mitternacht, wie in den Vorjahren in der Kleinen Heinrich-Lades-Halle. An diesem Tag findet im Kursgebäude auch kein Unterricht mehr statt, da es gegen 14 Uhr geräumt werden soll. Ganz Eifrige proben noch bis zu dieser Deadline, dieses Jahr zum Beispiel die Salsa-Band. Bereits ab 15 Uhr machte Peter, der ortsansässige Tontechniker der Lades-Halle, samt seiner Crew den Soundcheck für die Bigband, welche stets den Abend eröffnet. Der Mix der „Vollbesetzung“ dient dann als Blaupause für alle folgenden Bands.

[Noch ’ne Anmerkung: Ich kenne den Techniker Peter seit vielen Jahren, sowohl von den Abschlusskonzerten des Jazzworkshops wie auch von einigen Gigs mit meiner Tanzband in der Lades-Halle. Er ist ein stets freundlicher, musikalischer und sehr sachkundiger Techniker und Mischer, der schnell und zuverlässig den Umbau zwischen zwei Bands in kürzester Zeit meistert. Dabei hat er tatsächlich für jedes Wehwehchen der durchaus zickigen Musiker:innen stets ein offenes Ohr und bevor es mit der jeweiligen Band losgeht, für diese ein paar nette Worte. Das ist bei einer solchen Veranstaltung mit 12 Bands, 1 Chor und über 100 Musizierenden wahrlich kein Pappenstiel. Alle Bands hatten einen super Sound. Herzlichen Dank und bis zum nächsten Mal, Peter! Anmerkung Ende.]

In diesem Jahr haben alle Combos, also wirklich ALLE, gut gespielt, teilweise hervorragend, bisweilen auf professionellem Niveau. Nach Mitternacht war dann nach der zweiten Zugabe der Salsa-Band Schluss und damit auch der 42. Internationale Jazzworkshop Erlangen schon wieder Geschichte.

Ich darf als Resümee festhalten, dass 2024 ein sehr guter Workshop-Jahrgang war! Die von mir gerne verwendete „Mutantenquote“ war überraschend niedrig, nur ein einziger Teilnehmer (welchen ich tatsächlich schon viele Jahre kenne) fiel mehrfach unangenehm auf. Bei etwa 110 Teilnehmern ist das wirklich ein äußerst geringer Anteil. Und das musikalische Niveau der Teilnehmer war wirklich hoch! 

Der Erlanger Workshop ist für mich und viele meiner Kolleg:innen das musikalische Highlight des Jahres, obwohl ich ja wirklich allerhand rumkomme. Unser gerade mal 15-jähriger Pianist Armin, auf seinem ersten Jazzworkshop gleich in Romy Cameruns/Johanna Schneiders exquisiter Combo gelandet, hat mir versichert, dass dies die intensivste musikalische Erfahrung war, die er bis dato gemacht hätte. Er habe in den sieben Tagen mehr gelernt, als in einem Jahr bei der Schul-Band und Spaß hätte es auch noch gemacht! So muss das. 

Natürlich lebt man auf dem Jazzworkshop für eine begrenzte Zeit in einer Blase und vertreibt sich die Zeit mit Gleichgesinnten, was wesentlich mehr Spaß macht, als Musik vor Menschen zu spielen, für die das irgendein „Lala“ ist, das im Hintergrund läuft und die Unterhaltung am Tisch stört. Solcherlei Erfahrung musste ich vor wenigen Tagen bei einer Geburtstagsfeier eines guten Freundes machen, als den Anwesenden die durchaus gelungene Darbietung des Geburtstagskindes aber sowas von am Allerwertesten vorbei ging. Das hat dann meinen After-Workshop-Blues gleich nochmal um eine Woche verlängert. Die Rückkehr aus der besagten Blase in die reale Welt ist jedes Mal wieder ein schmerzhafter Prozess. Deshalb ist die Quote der Wiederholungstäter, also Menschen, die sich sofort wieder für das nächste Jahr anmelden, in Erlangen auch besonders hoch.

Wie immer von dieser Stelle aus mein Dank an Rainer Glas für nunmehr 44 Jahre (zwei Jahre lang musste der Workshop wegen Corona pausieren) Betrieb der besten Jazz-Tankstelle weit und breit! Bleib gesund und uns so lange wie möglich erhalten. Wir sehen uns spätestens im April 2025, wenn es heißt: „Auf nach Erlangen!“

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Euer Gige 

Gedanken zum Jahresende 2023

Liebe Leser,

(sofern es bei meiner erbärmlichen Blog-Frequenz solche noch gibt), traditionell ein paar Gedanken zum Jahresende.

Mit dem Erreichen des 7. Lebensjahrzehnts ist nun die ganze Man-ist-ja-noch-jung-Attitüde der Man-ist-echt-alt gewichen. Auf der anderen Seite: Immerhin.

Neben einigen bedeutenden Veränderungen im privaten Bereich war 2023 vor allem dadurch geprägt, dass ich wirklich oft auf der Bühne gestanden war, öfter als jemals zuvor in meinem Leben. Ich spielte mit so tollen Musiker:innen bzw. in Ensembles wie (in alphabetischer Reihenfolge) 

Autumn Left (Clemens Bröse, Dirk Lange, Steven Webb), Joe Bawelino, Martin Beigel, BlackByrd (Peter Hauke, Jörg Konz, Christine Schabdach, Hans Seidl), Kathrin Brunner, Romy Camerun, Katja Heinrich, Sven Heißler, Ray Räbel & Friends (Ray Räbel, Robert Steigleder, Basti Wedel), Stephan Sädtler, Johannes Schmidt, TOP-Trio (Jo Rullfs, Oskar Schrems, Tanja Schrems) sowie mit den Mitmusiker:innen beim Jazzworkshop Erlangen und bei der Sommersession Oberhaid.

Habe ich jemanden vergessen? Sorry! Herzlichen Dank Euch allen!

Mit Joe Bawelino habe ich die Republik vom Schwarzwald bis ins Münsterland bereist und wir haben auf Festivals, Stadtfesten und in renommierten Jazzclubs (Armer Konrad, Ludwigsburg, Disharmonie, Bamberg, Birdland, um nur einige zu nennen) gespielt. 2023 war definitiv unser Jahr!

Insgesamt hatte ich 2023 etwa 75 Gigs und dementsprechend kaum Zeit, an meinen anderen Projekten zu arbeiten. Dennoch habe ich tatsächlich einiges in der Pipeline. So wird es ein Tourbuch über Bawelino & Brunner geben, einige neue Fingerstyle-Arrangements, an deren Herstellungsprozess und Darstellungsform ich nunmehr seit zwei Jahren herumfeile sowie ein neues, echt pfiffiges Lehrwerk, dessen Inhalt im Moment noch geheim ist! Natürlich kommen meine Unterstützer auf Patreon, die so viel Leerlauf erdulden mussten, als erstes oder gar ausschließlich in den Genuss von Vorab-Veröffentlichungen.

Bleibt mir gewogen! Euch allen einen guten Rutsch und ein frohes, friedliches und vor allem gesundes neues Jahr 2024!

Euer

Gige