In der Zwischenzeit arbeite ich wieder 3 mal in der Woche für insgesamt 15.5 Stunden. Das ist im moment aber auch das Limit. Wenn ich nach hause komme, bin ich erstmal erschöpft und vor allem froh, dass ich die Heimreise, die ohne Stau mindestens 45 Minuten dauert, überlebt habe.
Das verminderte Konzentrationsvermögen hat mich inzwischen schon Geld gekostet: Ich bin gleich zweimal beim zu schnell fahren erwischt worden. Nicht, dass ich extra schnell nach hause fahre, ich bekomme es einfach nicht mehr richtig mit, bin nicht mehr so aufmerksam, sehe die Kameras nicht stehen und vergesse ständig die fest installierten und schwubs, dann ist es soweit und ich bekomme das Knöllchen per email vom Arbeitgeber.
Ich hätte es nicht gedacht, dass mir das dieses Jahr noch passiert, aber ich warte sehnsüchtig auf meinen Urlaub. Im letzten Jahr drehte sich alles nur ums Überleben und jetzt scheint beinahe der Alltag wieder eingekehrt zu sein mit allen Vor- und Nachteilen, die das Arbeitsleben so mit sich bringt.
Ich arbeite auch noch nicht wieder auf meinem alten Niveau. Ich bin unsicher über mein Wissen, checke alles zehnmal und frage dann trotzdem noch mal nach, und wenn ich was falsch eingeschätzt habe, werde ich noch unsicherer.
Auch in meinem Umfeld ist der Alltag wieder eingekehrt. Manchmal merke ich an Reaktionen darüber, dass ich ins Krankenhaus muss zur Kontrolle, sowas wie: Ups, ja, da war ja noch was. Tanja war ja krank. Und andererseits kann ich auch manchmal darin lesen, oh je, nee, was hat sie denn nun? Wenn ich nur das Wort Krankenhaus oder Arzt erwähne.
Das Leben geht eben weiter.
Ich höre häufiger die Frage, ob ich dem Krebs einen Platz geben konnte oder ob ich die Periode verarbeiten konnte. Ganz ehrlich, nein, so fühlt sich das nicht an. Ich habe gelernt, damit zu leben, dass bei jedem Wehwehchen und jeder schlechten körperlichen Periode, sich mir erst die Frage stellt, ob das nicht wieder der Krebs ist, um dann danach zu suchen, warum es nicht so sein kann. Ich bin noch mitten drin im Prozess „des Verarbeitens“ und ob der jemals abgeschlossen wird? Keine Ahnung. Der Krebs hat keinen Platz in meinem Leben und ich will ihn auch nicht dafür reservieren. Er hat mehr Platz eingenommen als ich jemals zugestehen wollte, das reicht!
Wenn man mir aber die Frage stellt, ob ich mit meiner Situation leben kann und ob ich noch von meinem Leben geniessen kann, dann kann ich ganz sicher sagen, ja, das kann ich. Meine Lebensfreude, mein Drang so viel wie möglich zu erleben und so viel wie möglich Abwechslung zu haben, ist geblieben. Ich hab eben nur ein paar Pausen mehr als vorher nötig zum verschnaufen und ausruhen und geniessen.