First One Through, 14. Januar 2026
Die kurzfristigen Auswirkungen das Kriegs der Hamas gegen Israel treten klar zutage. Die Führung der Hamas ist dezimiert und der Gazastreifen liegt in Trümmern. Die politischen‑terroristischen Verbündeten der Gruppe im Libanon, in Syrien, im Iran und im Jemen haben schwere Schläge erlitten, für einige möglicherweise tödliche. Die Unterstützer der Hamas im Globalen Norden sind die Einzigen, die an Schwung gewonnen haben, insbesondere in Australien und den Vereinigten Staaten, wo die Jagdsaison auf Juden scheinbar freigegeben ist. [Anmerkung: In Europa ist es nicht anders!]
Um Einsicht für die nächsten taktischen Schritte zu gewinnen, betrachten Staats- und Regierungschefs die aktuelle Lage und die Umfragen seit dem 7. Oktober 2023 und haben Vorschläge ausgearbeitet sowie erste Maßnahmen ergriffen: Großbritannien und Kanada erkannten einen palästinensischen Staat an. Die US‑Regierung unter Trump legte einen Plan für den Gazastreifen vor, der eine neue Regierungsinstanz vorsehen würde. Der Westen hofft, dass die gezielten Angriffe und die Ermordung von Juden mit dem Ende des Krieges abklingen werden. Und die Vereinten Nationen spielen weiterhin dieselbe Melodie von der Unterstützung der UNRWA.
Das sind schlechte Entscheidungen und Schlussfolgerungen, die auf fehlerhaften Annahmen beruhen.
Es gibt eine Organisation, die seit Jahrzehnten palästinensische Araber befragt: das Palestinian Center for Policy and Survey Research (PCPSR). Es führte eine Umfrage unter Arabern im Gazastreifen und in der Westbank unmittelbar vor dem von der Hamas geführten Krieg durch, vom 28. September bis zum 8. Oktober 2023. Aufgrund des Krieges wurden die Ergebnisse erst am 26. Juni 2024 veröffentlicht und die Welt war zu sehr auf den Krieg fixiert, um ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Das ist äußerst bedauerlich, denn die Ergebnisse sind Pflichtlektüre, um eine bessere Zukunft für die Region zu gestalten.
Zu den Schlussfolgerungen der Umfrage:
- Ein großer Teil der palästinensischen Araber wollte den Gazastreifen und die Westbank schon seit Jahren verlassen, nicht erst wegen der aktuellen Zerstörung.
- Die Araber sind ihrer eigenen Regierung – Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde – weit überdrüssiger als der israelischen „Besatzung“.
- Kanada wird von Gazanern ähnlich wie Qatar wahrgenommen: als wohlwollender Zufluchtsort.
Palästinensische Araber wollten schon vor dem Krieg auswandern
Laut PCPSR wollten sowohl im Oktober 2023 als auch im November 2021 etwa 33 % der Menschen im Gazastreifen und 20 % der Araber in der Westbank die Region verlassen.

Männer unter 30 stellen den weitaus größten Teil derjenigen dar, die auswandern möchten. Anders als im Gazastreifen, wo sowohl Gebildete als auch Ungebildete weggehen wollen, ist es in der Westbank vor allem die gebildete Bevölkerung, die fortziehen möchte. Unter denen, die auswandern wollen, würden viele nicht an palästinensischen Wahlen teilnehmen oder wenn doch, dann eher für Drittparteien stimmen als für Fatah oder Hamas.
Die palästinensische Führung ist das eigentliche Übel, mehr noch als Israel
Der mit großem Abstand wichtigste Grund für den Wunsch auszuwandern waren die wirtschaftlichen Bedingungen. Die Gründe zwei und drei waren politische Gründe und Bildungsmöglichkeiten. „Sicherheitsgründe“ lagen an vierter Stelle, wobei nur 7% der Menschen im Gazastreifen (12% insgesamt) den Schwerpunkt auf Sicherheit legten. Korruption, religiöse Gründe und der Wunsch nach Familienzusammenführung vervollständigten das Bild der Umfrage.

Kanada als Leuchtturm
Die beiden beliebtesten Ziele waren die Türkei und Deutschland, besonders für Gazaner. Sehr wenige Gazaner (3%) zogen die USA in Betracht, während Araber in der Westbank sie als erste Wahl nannten (17%), vermutlich auf der Suche nach höheren akademischen Abschlüssen an linksgerichteten Universitäten. Bemerkenswert ist, dass mehr staatenlose Araber (SAPs) lieber nach Kanada gehen würden (11%) als nach Qatar (9%), dem wohlhabenden muslimisch-arabischen Staat, der ein Hauptsponsor der Hamas ist.

Ehrliche Kernpunkte
Diese Ergebnisse aus der Zeit vor dem Krieg führen zu einigen grundlegenden und entscheidenden Schlussfolgerungen.
- Vollständige Erneuerung der Palästinenser-Führung, nicht nur im Gazastreifen
Der Wunsch der Araber, die Region zu verlassen, war sowohl im Gazastreifen als auch in der Westbank über viele Jahre hinweg deutlich. Das war keine Reaktion auf Bombardierungen oder Belagerung; es war ein Urteil über die Regierungsführung.
Die Hamas im Gazastreifen herrscht durch Repression, Zweckentfremdung von Hilfsgeldern und religiösen Militarismus. Die Palästinensische Autonomiebehörde in der Westbank bietet Korruption, Autoritarismus und politischen Stillstand. Gemeinsam haben sie eine Gesellschaft hervorgebracht, die weder eine glaubwürdige wirtschaftliche Perspektive noch eine verantwortliche Führung noch einen friedlichen Mechanismus für Veränderung besitzt.
Es wird zwar eine neue Instanz benötigt, um den Gazastreifen zu verwalten, doch diese sollte der Rolle der eines Chief Operating Officers ähneln, der den Wiederaufbau überwacht. Die Palästinensische Autonomiebehörde selbst muss entkernt und neu aufgebaut werden, da sie ein korruptes, unbeliebtes und ineffektives Gebilde ist.
- Die Vereinten Nationen müssen sich aus dem Gazastreifen und der Westbank zurückziehen
In ihrem Bestreben, einen palästinensischen Staat zu schaffen, hat die UNO den nominellen Führern Palästinas jede Verantwortung entzogen. Die UNO schützt die Hamas trotz ihrer Brutalität. Sie stützt die Palästinensische Autonomiebehörde trotz ihrer grassierenden Korruption. Die palästinensische Führung ist ein Nest aus Papierskorpionen.
Die UNO muss sich aus dem Gazastreifen und der Westbank zurückziehen und lokalen Behörden ermöglichen, ein funktionierendes Führungsteam aufzubauen.
- Der Westen sollte die Anerkennung Palästinas zurückziehen
Es gibt keine funktionierende palästinensische Regierung und daher keinen grundlegenden Standard, um einen palästinensischen Staat anzuerkennen. Großbritannien, Australien und andere sollten ihre Anerkennung zurückziehen und sie an den Aufbau von Regierungsinstitutionen knüpfen, die führen und Frieden mit dem jüdischen Staat nebenan schließen können.
- Umerziehung im Westen
Das Massaker entstand nicht durch einen plötzlichen Druckanstieg. Es ging aus langjährigem internem Versagen hervor. Die Hamas entschied sich für Gräueltaten, weil sie keinen vollständigen Völkermord an den Juden begehen konnte und daher ihre eigene Bevölkerung als Kanonenfutter für Israel missbrauchte.
Dem westlichen Publikum wurde anschließend ein vertrautes Drehbuch samt Bildern präsentiert. Doch die Daten, die unmittelbar vor dem Massaker erhoben wurden, erzählen eine andere Geschichte — eine weit folgenreichere. Was an öffentlichen Schulen im Westen gelehrt wird, ist von der Realität abgekoppelt und nährt globalen wie lokalen Antisemitismus.
- Oh nein, Kanada
Während sich Befürchtungen zu Antisemitismus aufgrund jüngster Angriffe auf Juden auf die USA und Australien konzentrieren, ist Kanada in den Herzen und Köpfen palästinensischer Araber präsent, die eine warme Diasporagemeinschaft suchen. Vielleicht begann es vor einem Jahrzehnt unter Justin Trudeau, der dem damaligen US‑Präsidenten Barack Obama folgte und die palästinensische Sache und das iranische Regime Israel vorzog. Vielleicht liegt es an der Willkommenskultur für extremistische Gruppen wie Samidoun. Oder vielleicht an der Wahrnehmung, dass das „Heckler’s Veto“ als legitimes Mittel gilt und jüdische Familien von kanadischen Straßen vertreiben kann.
Was auch immer die Inspiration ist: Kanada wird weithin als permissiv, ideologisch nachsichtig und administrativ durchlässig wahrgenommen — ein attraktives Umfeld für „politischen Aktivismus“, der nicht an bürgerliche Verantwortung gebunden ist. Das ist eine tickende Zeitbombe.
Die Umfrage unter palästinensischen Arabern am Vorabend des Krieges vom 7. Oktober offenbart tiefere Wahrheiten als oberflächliche Bilder zerstörter Häuser. Die Ergebnisse des PCPSR weisen auf eine einzige Wahrheit hin: Das Palästinenser-Problem ist im Kern ein internes.
Ein Ende der israelischen Kontrolle über Gebiete, ohne dass korrupte und extremistische Institutionen demontiert werden, wird weder Wohlstand noch Frieden bringen. Ein Staatswesen, das auf Dysfunktion aufgesetzt wird, verfestigt diese nur. Und Bevölkerungsgruppen, die unter jihadistischer Herrschaft geprägt wurden, ohne ernsthafte Überprüfung und Integration in permissive westliche Gesellschaften auswandern zu lassen birgt das Risiko, Instabilität zu importieren statt sie zu verringern.









