
Stimmen wie Echos, die sich weigern zu verhallen, weil ihnen der Resonanzkörper fehlt?
Verrückte Welt.
Jene Stimmen, die am lautesten schweigen, sind es, die alles übertönen. Probier mal, dem Schweigen klarzumachen, dass es die Klappe halten soll. Viel Freude dabei und vor allem: gutes Durchhaltevermögen.
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Auch die Sache mit dem Schreiben – verzwickt.
Es fühlt sich phasenweise an, als stünde ich ohne Schlüssel vor der Tür zu meiner Sprache.
Kein vertrautes Wort ruft mich an. Seit Monaten. Ich klopfe gegen ihr massives Eichenholz. Sie bleibt verschlossen. Eine Klingel suche ich vergebens. Mit beiden Händen trommle ich gegen die Tür. Nichts passiert. Ich werfe meinen Körper dagegen, bis er schmerzt. Einen Zeh am linken Fuß hat’s erwischt, er gibt sich beleidigt.
Keine Chance. Die Tür ist zu.
Es ist, als würde meine eigene Sprache mich ghosten. Wie das so ist, im Leben..
Wenn Menschen gehen, wann genau verschwinden die an sie gerichteten Worte? Sollten sie nicht verstummen, ohne Resonanzkörper, an den sie sich richten?
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Sie.
Fehlt.
Schreiben ist mein Versuch, das Gestern im Jetzt festzuhalten, wohlwissend, dass das unmöglich ist. Ein Teil von mir will schreiben, um zu verstehen, dass nichts bleibt.
Dass selbst Wahrheit sich wandelt. Am Ende ist alles eine Geschichte, völlig ungeachtet der Echtheit des Jetzts, aus der sie einst entsprang.
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Alles in mir dreht sich um dieses Wort: Versöhnung.
Es gibt Dinge, die geschehen sind, Worte, die stachen, Rückzüge, die noch immer schmerzen, weil sie nie kommuniziert wurden. Früher hätte ich versucht, zu erklären, zu rechtfertigen, zu retten. Jetzt sitze ich still mit mir selbst und frage mich:
Was, wenn ich mich diesmal nicht schütze?
Was, wenn ich einfach offen bleibe – auch wenn’s weh tut?
Was, wenn ich in dieses Nichts voll einsteige, damit es seinen Schrecken verliert?
Ich kann dieser Resonanzkörper sein, inmitten des Lärms.
Ich bin das Auge meines inneren Orkans.
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Vielleicht ist Frieden kein Zustand, sondern ein Ausstieg. Ein Nein zum Krieg, den wir täglich auch gegen uns selbst führen. Ein Ja zu dem Teil in uns, der längst weiß, dass Leben grundsätzlich immer Heilung ist.
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Ich will sagen, was in mir lebt. Ohne Zensur.
Ich will in Kontakt bleiben – grundlegend mit mir selbst, um im Kontakt mit anderen dermaßen ich selbst zu sein, dass kein Weg an meinem Kern vorbei führt. Take me as I am.
Ich habe gelernt, mit Verlust umzugehen und mir die Freude auf all das Neue zu bewahren, wofür dann Platz geschaffen wird.
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Jeder Krieg, den wir führen, egal, ob innen oder außen, beginnt mit dem Satz: „Du bist schuld.“ Und jeder Frieden beginnt mit dem Mut zu fühlen.
Manchmal beginnt er auch mit der Frage: „Willst du recht haben oder willst du glücklich sein?“
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Ja, es tut weh.
Ja, ich war wütend, traurig, verwirrt.
Aber ich bin.
Vollständig.
Hier bei mir mit all meiner Kraft.
Und ich bin allzeit bei uns, mit all meiner Kraft!
Wenn es stürmt da drinnen, dann weil ich lebe.
Wenn es reißt, dann weil etwas Altes aufbricht, um Platz zu schaffen.
Ich schenke mir diese Momente. In der Mitte meines Orkans.
Ich sage Ja – auch zu mir selbst.
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Ich sitze im Warmen, während draußen der Herbst die Bäume entkleidet.
Das Gleichnis ist alt, aber immerzu echt.
Loslassen hat nichts Heroisches an sich. Wir lernen langsam, leichter zu werden und Kräfte zu bündeln.
Nicht alles, was wir gehen lassen, ist verloren. Das Laub der Blätter im Herbst ist des Baums Dünger für den Frühling. Er kommt wieder und webt einen neuen, noch gesünderen Jahresring um seinen Stamm.
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Es mag mich begleitet und geprägt haben, über viele Jahre.
Mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin. Nicht ausschließlich, aber auch.
Gleichzeitig muss es nicht bei mir bleiben, um diese Gültigkeit zu behalten.
Der Wert bleibt erhalten und vielleicht zeigt er sich im Abstand noch deutlicher.
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Nein, ich muss nicht alles halten.
Nicht jede Verbindung retten.
Nicht jeden Sinn verstehen.
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Vielleicht reicht es, Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug, die Brüche stehen zu lassen. Und zu wissen:
Ich bin der Ort, an dem Heilung geschieht.
Ich bin im Leben.
Ich bin im Wandel.
Ich bin.
Hier bei dir, mit all meiner Kraft!
Ich bin allzeit bei uns, mit all meiner Kraft.
Und diese Kraft ist enorm.
Let me show it to you.
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