Erklärungen (Antikriegslyrik)

Ich erkläre dem Krieg den Krieg
Sage dem Kampf den Kampf an
Beziehe Stellung gegen das Böse
Auf Position!
Denn
Auf eine derart intolerable Situation
Ist meine einzige Reaktion
Intoleranz

Aber wenn
Wir immer nur kämpfen
Für das Gute für Gerechtigkeit
Eskalation!
Wann hört der Kampf dann jemals auf

Vielleicht wäre es besser
Dem Krieg den Frieden zu erklären
Denn
Das Konzept des Friedens
Scheint für manche
Ein sehr Komplexes zu sein

Zwei unverbindliche Stücke

Wenn ich für unvergängliche Augenblicke
in deine unverfänglichen Augen blicke,
wirst du für Sekunden von unwiederbringlicher Dauer
zu einer undurchdringlichen Mauer.

In Scherben liegt unsere unzerbrechliche Liebe.
Wenn doch das Ende nicht mehr unaussprechlich bliebe…
unser Schweigen wird zur unüberwindlichen Lücke.
Wir sind zwei unverbindliche Stücke.

Starke Frau

Du bist so eine starke Frau.“
Ein bisschen erstaunte es mich,
dass ich einfach antwortete: „Ja!“
Ein trauriges Ja war es, aber wahr.
Nie hätte ich gedacht, dass ich
mich selbst eines Tages als stark
bezeichnen würde. Wann war der Tag,
an dem es begann,
dass, wenn ich in den Spiegel schau,
ich mich selbst bewundere? Wann
bin ich so stark geworden? Die Zeit,
in der ich am eigenen Körper erfahren habe,
dass ich nicht Herr meiner selbst
zu sein habe, hat mir gezeigt,
wie viel Stärke ich in mir trage,
trotzdem selbstachtend und selbstdefiniert
meinen eigenen Weg zu gehen.
Wann ist all das mit mir passiert?
Wann ist all das mit mir geschehen?

Frohes Neues Jahr!

Herzlich Willkommen, neues Jahr! Ich freue mich auf dich! Sicher wirst du besser als das alte, denn was neu ist, ist doch immer gut, oder? Bestimmt wirst du auch anders als das alte, denn was neu ist, ist zuvor nicht da gewesen und daher anders als bisher. Nicht wahr? Was neu ist, ist noch unbekannt, deshalb kann ich auf dich hoffen. Alles ist jetzt wieder offen, die Karten werden neu gemischt. Was neu ist, löst das Alte ab. Drum grüße ich dich, neues Jahr, und lass dich, altes, hinter mir.

P.S.: Seit Neuestem trag ich eine rosarote Brille.

Frohe Weihnachten

Es war eine stille Nacht. Ganz einsam bin ich durch den Schnee gestapft. Bin an jedem Fenster stehen geblieben und habe das warme Licht der Kerzen eingeatmet. Manchmal drang Musik aus den Häusern und brachte mein Herz zum Zittern. Leise rieselte der Schnee und sanft wiegten sich die Bäume im Traum.

Es war eine selige Nacht. Ganz langsam bin ich bis zum Waldesrand gestapft. Bin an jedem Fenster stehen geblieben und habe die kalte Schönheit der Eiskristalle bewundert. Manchmal hingen Eiszapfen von der Regenrinne und ich brach einen von ihnen ab wie damals als Kind. Die Sorge des Lebens verhallte und sanft wiegten sich die Bäume im Traum.

Es war eine himmlische Nacht. Ganz erfüllt bin ich wieder nach Hause geflogen. Bin mit den Schneeflocken im Tanz umhergewirbelt und habe mich vom Wind treiben lassen. Manchmal begegnete ich einem Menschen auf dem Weg zur Kirche und wir grüßten einander. Lieblich schallte der Klang der Orgel und sanft wiegten sich die Bäume im Traum.

Lieber Schnee (2. Version)

Lieber Schnee,
lehre mich zu fallen,
die Welt zum Schweigen
und Kinderaugen zum Leuchten
zu bringen.

Lieber Schnee,
lehre mich zu bedecken,
die Welt für einen Moment
in Unendlichkeit zum Erstarren
zu bringen.

Und, lieber Schnee,
lehre mich zu verschwinden,
die Welt wieder zum Blühen
und Bäche wieder zum Fließen
zu bringen.

Die erste Version kann man hier auch lesen. Es ist immer interessant zu sehen, wie sich Texte entwickeln können.

Mein kleines großes Wunder

Du bist mein kleines großes Wunder.
Wenn ich dich anseh, hab ich tausend Fragen,
denn Wunder sind zu schön, als dass wir sie verstehn.

Wie kann es sein, dass so ein kleiner Mensch wie Du
so winzig und zugleich komplett ist?
Wie kann es sein, dass aus fast Nichts
ein ganzer Mensch heranwächst und perfekt ist?

Wie kann ich meiner Liebe zu dir je standhalten?
Wie kann ich meine Blicke jemals wieder von dir wenden?
Ich wünsch mir, dass dein Lächeln nie vergeht.
Kann bitte unser Glück nie wieder enden?

Warum nur hörn wir auf, mit Kinderaugen auf die Welt zu schauen,
zu staunen, zu entdecken, denn die Welt ist doch so schön!
Warum nur hörn wir auf, was wir empfinden
ganz unverfälscht zu äußern, so, dass andre es verstehn?

Was wirst du sagen, wenn du sprechen kannst?
Was wird dich mal mit Leidenschaft und Liebe füllen?
Werd ich die echten Antworten auf deine Fragen finden
und kann ich deine Neugier stillen?

Warum nur muss das Leben mit dem Tode enden?
Seit es dich gibt, kann ich das nicht mehr akzeptieren.
Dein Herzschlag ist für mich die schönste Melodie.
Wie leb ich mit der Angst, dir könnte was passieren?

Wie kann ich sicherstelln, dass es dir immer gut geht?
Wie stütz ich dich bei dem Erreichen deiner Ziele?
Wie gebe ich dir Wurzeln und gleichzeitig Flügel?
Wie nenn ich diese unbeschreibbaren Gefühle?

Du bist mein kleines großes Wunder.
Wenn ich dich anseh, gibst du mir die Antwort
auf meine eine große Frage nach dem Sinn,
dem tiefen, unbezweifelbaren Sinn des Lebens.
Den spür ich, wenn ich bei dir bin.

Wurzeln und Flügel – Roots and Wings

“Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.”

Ich durfte tiefe Wurzeln schlagen. Wohlbehütet wuchs ich auf. Loszufliegen war schwierig. Und als ich es tat, fühlte es sich an, als hätte man mich meinen Wurzeln entrissen. Ein Sturm trug mich davon. Aber ich fand zu meinen Wurzeln zurück. Sie waren stärker als der Wind.

Nun gibt es dich. Und es ist meine Aufgabe, dir den Boden zu bereiten, damit du deine Wurzeln schlagen kannst. Und das möchte ich tun, möchte immer da sein, jetzt, wenn du deine Wurzeln schlägst, und später, wenn du losfliegst. Und immer dann, wenn du zurückkehrst, zu deinen Wurzeln.

“When children are young give them roots, when they grow up give them wings.”

I could put down deep roots. I grew up well-protected. To fly off was difficult. And when I did it felt as if I had been snatched away from my roots. A storm carried me away. But I found back. They were stronger than the wind.

And now there is you. And it is my task to pave the way for you to put down roots. And that is what I want to do, I always want to be there, now that you put down your roots and later when you fly off. And whenever you come back.

Meine Persönlichkeit – My Personality

Meine Persönlichkeit passt nicht in diese Welt. Tag für Tag versuche ich mich anzupassen, um nicht überrannt zu werden. Tag für Tag gebe ich ein Stück von mir auf, um irgendwie Teil sein zu können von dieser Welt, in der eigentlich kein Platz für mich ist, und verliere mich. Es ist Normalität geworden. Es fällt mir kaum noch auf im Alltag, denn ich funktioniere irgendwie. Bis ich wieder einen Fehler mache. Bis meine Persönlichkeit stärker ist als meine Selbstkontrolle und dann passiert es, dass andere mich ausnutzen, auf mir herumtrampeln, mich auslachen. Ich bin das naive, dumme Mädchen. Ein unfreundlicher Blick, auch von einer mir völlig fremden Person, kann mich aus dem Gleichgewicht bringen. Es sind kleine Dinge, die plötzlich wie eine Welle über mir zusammenschlagen, dumme Fehler, die unverzeihlich werden, obwohl ich für einen Moment einfach nur Ich war, aber dieses Ich wurde nicht respektiert, jemand hat sich dieses Ich zu Nutzen gemacht und ich hätte es besser beschützen müssen. Ich bin gestrauchelt, für einen Moment, und dieser Moment war zu lang. Und dann merke ich, wie anstrengend es ist, sich Tag für Tag anzupassen, sich selbst zu untergraben, um irgendwie in dieser Gesellschaft bestehen zu können. Es macht mich kaputt. Es zerstört mich, frisst mich langsam und unmerklich von innen auf, aber wenn ich aufhöre, mich anzupassen, werde ich von außen aufgefressen. Denn wo soll ich hin? Ich kenne nur diese eine Welt.

My personality doesn’t fit into this world. Day after day I try to adjust myself to make sure I am not overrun. Day after day I give up another piece of me to become part of this world in which there is actually no space for me, and I lose myself. It became normality. I don’t notice it because I function, somehow. Until I allow myself a mistake again. Until my personality becomes stronger than my self control and then it happens that others abuse me, stamp their feet on me, laugh on me. I am the naive stupid girl. One unfriendly glance, even from a complete stranger, can blow me off my balance. It is small things which all of a sudden engulf me like a wave, stupid mistakes which become unforgivable even though I only was Me for a moment but this Me wasn’t respected, somebody used this Me for his own purpose and I should have protected it better. I stumbled for a moment and this moment was too long. And then I realize how strenuous it is to adapt day after day, to undermine oneself to survive in this society. It destroys me. It exhausts me from the inside, slowly and unnoticeable, but when I stop to adapt I will be exhausted from the outside. And where can I go? I only know this world.

Bedeutung – Meaning

Ich möchte so gern schreiben. Ich möchte so gern etwas schreiben, was Bedeutung hat. Aber wie können bloße Wörter Bedeutung bekommen in einer Welt, in der nicht mehr zugehört wird, in der niemand sich Zeit nimmt, innezuhalten und einmal zu lauschen. Wie können bloße Wörter eine Bedeutung bekommen in einer Welt, in der alles hinterfragt werden muss, in der man nicht mehr weiß, was ernst zu nehmen ist und was nicht. Und warum sollten ausgerechnet meine Gedanken, in Wörtern verpackt, eine Bedeutung haben, genügend Bedeutung haben um gehört zu werden. Was hat überhaupt noch Bedeutung? Deshalb sitze ich seit zwei Wochen jeden Abend vor einem weißen Blatt Papier, für das kein Wort bedeutungsvoll genug zu sein scheint, um aufgeschrieben zu werden.

I want to write. I want to write something meaningful. But how can pure words become meaningful in a world in which nobody listens anymore, nobody pauses for a moment to hear. How can pure words become meaningful in a world in which everything has to be questioned and one doesn’t know anymore what to take serious anymore. And why would my thoughts, packaged in words, be meaningful enough to be heard. What does even have meaning at all? This is why I am sitting infront of a blank sheet of paper every evening for which no word seems to be meaningful enough to be written down.