Update Wirtschaftsentwicklung SW Florida 1. Quartal 2017

Hier wieder mal ein paar Zahlen wie sich die Wirtschaft in den letzten Monaten in SW Florida entwickelt hat.
– Die Saison war nicht so spannend Einnahmen Kurtaxen sind im Januar um 10 % und im Februar um 3 % gesunken. Passagieraufkommen Januar + 1 % und Februar minus 3 %. Die Gründe: Starker US $, Wetter im “Norden” nicht so kalt, Wetter hier nicht so spannend
– Anstieg der Einnahmen Umsatzsteuer (Salestax) um 4 %. Begründung: es leben immer mehr Leute in SW Florida. Die Wirtschaft (inkl. Bauwirtschaft) läuft weiterhin sehr gut.
–  Rückgang der Arbeitslosenquote von 4.9 % auf 4.5 % im März 2017. Die Anzahl der Arbeitslosen ging um 8 % zurück und die Zahl der Beschäftigten stieg um 2 %.
– 11 % mehr Baubewilligungen für Einfamilienhäuser im März.
– 18 % mehr Verkäufe von Einfamilienhäusern (nachdem Januar und Februar relativ ruhig waren)
– Der Immobilienmarkt hat sich besonders im oberen Bereich (über $ 2 Mio.) beruhigt. Das Angebot ist deutlich angestiegen und die Preise um 5 % bis 10 % gesunken. Gründe: Die Preise sind in den letzten 3 Jahren sehr stark und sehr schnell gestiegen, Käufer warten länger bei fallenden Preisen, hoher $ (speziell für Kanadier und Europäer), Ungewissheit was die neue Regierung für die Wirtschaft bringen wird, weniger Touristen.
– Die ständige Wohnbevölkerung steigt kontinuierlich an. Collier County/Naples verzeichnet jährlich 8,000 bis 10,000 neue Einwohner. Derzeit leben hier etwa 350,000 Personen das ganze Jahr. Während der Saison kommen nochmals ca. 150,000 dazu.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Immobilienmarkt sich beruhigt, die Wirtschaft weiterhin gut läuft. Die Firmen sind voll beschäftigt und haben Mühe qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Naples ist nicht Amerika, wir sind Disneyland für Erwachsene
Für weitere Auskünfte stehe ich gern zur Verfügung

Generation der Nesthocker

Während der jüngsten Rezession ist die Anzahl der Haushaltsgründungen in den USA drastisch gefallen. Wurden zwischen 1997 und 2007 jedes Jahr noch rund 1,5 Millionen neue Haushalte gegründet, fiel die Zahl in den folgenden drei Jahren auf 500.000 per annum – trotz der Tatsache, dass die Bevölkerung mit 2,7 Millionen Personen pro Jahr nur geringfügig langsamer wuchs als in den Jahren zuvor. Selbst wenn sich die Statistik 2011 wieder auf 1,1 Millionen erholte: Der Einbruch wird sich zumindest vorübergehend negativ auf den Immobilienmarkt auswirken, da weniger Haushalte auch weniger Bedarf an neuen Wohnungen und Häusern bedeutet.


In einer Rezession sind vor allem junge Leute weniger bereit und in der Lage, einen Haushalt zu gründen. Sie wohnen weiterhin bei ihren Eltern oder zusammen mit anderen Personen. In der jetzigen Situation kommt erschwerend hinzu, dass die Möglichkeiten, eine Hypothek für eine Wohnung oder ein Eigenheim aufzunehmen, drastisch erschwert sind. Als Folge muss länger für die Anzahlung, den Aufbau der «Credit History» oder Reparatur der angeschlagenen Kreditwürdigkeit gearbeitet werden. Zudem werden bestehende Haushalte gezwungen, sich aufzulösen und mit anderen Haushalten zusammenzugehen.

In den USA leben etwa elf Millionen illegale Einwanderer. Die Wirtschaftskrise hat die Zuwanderung von Illegalen deutlich reduziert. Zudem sind viele Immigranten wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Kamen früher jedes Jahr 500.000 Mexikaner illegal über die Grenze, waren es in den letzten Jahren nur noch 100.000. Insgesamt dürfte die Zahl der Illegalen in den USA zurückgegangen sein.

Anzahl der Haushalte und geschätzter jährlicher Fehlbetrag

Anzahl Haushalte in Millionen Fehlbetrag in Millionen
2007 115.9
2008 116.7 0.6
2009 117.1 1.7
2010 117.4 2.5
2011 118.6 2.6

Zwischen 2007 und 2011 hat sich die Anzahl der 18 bis 34-Jährigen, die noch bei Ihren Eltern wohnen, von 28,2 Prozent auf 31 Prozent erhöht. Dies entspricht zusätzlichen zwei Millionen jungen Erwachsenen, die in «normalen» Jahren einen Haushalt gegründet hätten. Lebten vor der Rezession noch 40 Prozent junger US-Amerikaner im eigenen Heim, hat sich die Zahl nun auf 35,5 Prozent verringert.

Der Hauptgrund für die geringere Anzahl an Haushaltsgründungen ist a.) in der wirtschaftlichen Entwicklung b.) in demografischen Entwicklungen zu sehen. Selbst wenn die Wirtschaft sich erholen sollte, wird Zahl der Haushaltsneugründungen geringer bleiben als in früheren Jahren. Insofern wird meiner Ansicht nach der Nachholbedarf an neuen Wohnungen und Häusern gering bleiben und nur bei etwa 750.000 des Fehlbetrages von 2,6 Millionen liegen.

Senioren in der (Immobilien-)Krise

Noch vor wenigen Jahren lebten 80 Prozent aller Amerikaner über 50 Jahre im eigenen Heim. Doch zuletzt haben mehr als 1,5 Millionen «Seniors» ihre Häuser und Wohnungen durch Zwangsversteigerung verloren. Am stärksten sind Menschen reiferen Jahrgangs aus der schwarzen und hispanischen Bevölkerung betroffen. Viele verzweifelte Senioren versuchen noch, durch einen Nebenjob zusätzlich Geld für den Schuldendienst der Hypothek aufzubringen. Doch gemäß der AARP, Lobby für Amerikaner über 55 Jahre:

•  laufen derzeit gegen mehr als 600.000 Hauseigentümer über 50 Jahre Zwangsversteigerungsverfahren;

• sind weitere 625.000 Personen in dieser Altersgruppe mindestens drei Monate mit ihren Hypothekenzahlungen in Verzug;

• sind ungefähr 3,5 Millionen älterer Hauseigentümer «unter Wasser«, das heißt, der Wert ihrer Hypothek übersteigt den des Objektes;

• ist in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der im Verzug befindlichen Eigentümer dieser Altersgruppe um 450 Prozent angestiegen.

Ältere Menschen haben eine geringe Chance, sich finanziell vom Zusammenbruch des Immobilienmarktes und der Börsen-/Finanzkrise von 2008 zu erholen – naturgemäß bleiben ihnen weniger Arbeitsjahre, um die Verluste wieder wett zu machen. Die meisten leben von einem «Fixed Income», das heißt einem festen Einkommen aus Renten, Lebensversicherungen und Erspartem und verfügen darüber hinaus über keine weiteren Einkünfte. Die geringen finanziellen Reserven sind vor diesem Hintergrund schnell aufgebraucht. Die Konsequenz ist oft der Verlust des eigenen Heims – eine Tatsache, die den Gesamtmarkt für Immobilien in den USA noch auf geraume Zeit belasten wird.

Erholung des Immobilienmarktes beflügelt durch Investoren

Immer weniger Amerikaner können sich den Traum vom eigenen Heim leisten. Entweder sie haben ihr bisheriges Haus durch Zwangsversteigerung verloren oder haben weder die Kreditwürdigkeit noch die Anzahlung zum Kauf des ersten Hauses. Als Folge der Immobilienkrise erwerben immer mehr Investoren Einfamilienhäuser und Wohnungen und vermieten sie. Zwischenzeitlich wurden fast 30 % aller verkauften Häuser durch Investoren erworben. In Städten, die sehr hohe Versteigerungsraten hatten:  wie Las Vegas (50 %) und Phoenix (46 %) ist der Anteil noch viel höher.

Da die meisten Investoren cash bezahlen und keine Hypotheken benötigen, besteht nach meiner Ansicht keine Gefahr einer Überhitzung oder größerer Verkaufswellen. Somit tragen sie zur Markterholung bei. Die Transaktionen finden mehrheitlich im unteren Preisniveau statt. Als weitere Folgen werden Eigennutzer gezwungen, in höheren Preislagen einzusteigen.

Erholung – aber GANZ langsam!

Es ist eine alte Weisheit: Immobilien definieren sich regional. Einen einheitlichen US-Immobilienmarkt oder gar einen Florida-Immobilienmarkt gibt es nicht. Selbst in Orten wie Naples oder Miami existieren Teilmärkte, die sich oft diametral voneinander unterscheiden.

Aber: Es lässt sich generell sagen, dass der US-Immobilienmarkt als Ganzes seine Talsohle erreicht hat. Und für die nächsten Jahren ist zu erwarten, dass er sich langsam erholt. Sehr langsam, wohlgemerkt. Noch übersteigt bei einem Viertel aller US-Hypotheken der Wert den, der zugrundeliegenden Immobilie. Seit dem Platzen der Immobilienblase im Jahre 2006 sind die Preise im Schnitt um 31 Prozent gefallen, in einzelnen Regionen sogar um bis zu 60 Prozent.

Gemäß dem angesehenen Case-Shiller-Index liegen die Preise in zehn beziehungsweise zwanzig untersuchten Städten heute auf dem Niveau vom Juni 2003. Im Juni 2012 verzeichneten alle Städte Preissteigerungen. Gegenüber dem Höhepunkt Juni/Juli 2006 ist allerdings immer noch ein durchschnittlicher Preisnachlass von 31 Prozent zu konstatieren.

Eine grundlegende Erholung des Marktes wird in vielen Gegenden durch die enormen Schulden verhindert, die auf den Häusern und Wohnungen lasten. Insgesamt liegen 8.6 Billionen Dollar Hypotheken auf Immobilien mit einem Wert von 12.2 Billionen Dollar, das heißt im Schnitt beträgt die Belastung 70,5 Prozent. In fünf Bundesstaaten liegt dieser Wert bei 80 Prozent oder mehr. An der Spitze befindet sich Nevada, wo die Hypotheken mit 114 Prozent den Wert der belehnten Objekte  um 13 Milliarden Dollar übersteigen.

Von den zehn Staaten mit der höchsten Belehnung mussten neun zwischen 2006 bis 2011 auch die größten Preiseinbrüche verzeichnen. An der Spitze liegt wiederum Nevada mit einem Rückgang von 60 Prozent. Dass die Immobilienkrise natürlich große Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft hat, liegt auf der Hand. Die Arbeitslosenquoten in diesen Bundesstaaten sind überdurchschnittlich hoch. Hier die Eckdaten der traurigen «Top-Ten»:

Nevada

Der am stärksten von der Immobilienkrise betroffene Bundesstaat. 71 Prozent aller Hausbesitzer in Las Vegas schulden den Banken mehr, als ihr Objekt wert ist. Die Arbeitslosenquote ist eine der höchsten in den USA und macht eine schnelle Erholung sehr unwahrscheinlich.

Florida

Von 2006 bis 2011 haben sich die Hauspreise hier halbiert. Ein anhaltender Zustrom aus anderen Bundesstaaten, massive Käufe internationaler Investoren und ein wieder anlaufender Markt für Zweitwohnungen haben die Nachfrage in guten Gebieten jedoch wieder angefacht. Die Preise haben sich in den meisten Gegenden stabilisiert, in guten Lagen werden sogar wieder Preissteigerungen verzeichnet.

Arizona

Die Preise zeigen weiterhin fallende Tendenz. Die Wirtschaft profitierte bis Mitte des letzten Jahrzehntes von einer hohen Bautätigkeit, nun muss der Zusammenbruch der Bauindustrie erst durch andere Industrien ausgeglichen werden. Für 2012 wird mit weiteren 9 Prozent Preisrückgang gerechnet.

Georgia

Allein im  Jahre 2011 sind die Preise hier um 12 Prozent gefallen. Für 2012 sehen die Experten einen weiteren Preiszerfall von 4 Prozent.

Michigan

Einer der wenigen Staaten, der in 2011 steigende Preise (um 1.7 Prozent) verzeichnen konnte. Zum Höhepunkt der Rezession verzeichnete Michigan mit 15 Prozent die höchste Arbeitslosenquote. In Detroit verwandeln sich große Gebiete in Slums. Der Bevölkerungsrückgang führt dazu, dass die Stadt für ganze Straßenzüge keine Versorgungsleistungen mehr anbietet und die noch verbleibenden Häuser abgerissen werden.

Kalifornien

Der größte Immobilienmarkt der USA mit 22 Prozent Anteil sowohl am Gesamtbestand wie auch bei den ausstehenden Hypotheken. Ein Preisrückgang von 46 Prozent hat die Wirtschaft stark angeschlagen, welche zudem unter der dritthöchsten Arbeitslosenquote leidet.

Illinois

Mit 624.577 Hypotheken «unter Wasser» liegt Illinois in dieser Kategorie nach Kalifornien und Florida an dritter Stelle. 5,3 Prozent aller Häuser sind bereits in der Zwangsvollstreckung.

Idaho

Hier zeichnet sich eine Wende ab. Für 2012 wird mit einem Preisanstieg von 4,1 Prozent gerechnet, für den Zeitraum von 2011 bis 2013 sogar mit beachtlichen 12 Prozent.

Maryland

Dank einer vergleichsweise tiefen Arbeitslosigkeit (6,8 Prozent), hohem mittleren Haushalteinkommen und einer sich verbessernder Wirtschaft erholen sich momentan die Immobilienpreise.

Ohio

Dieser Bundesstaat verliert seit Jahren an industriellen Arbeitsplätzen. Ganze Stadtteile entvölkern sich, was zu weiterem Preiszerfall führt. Sowohl hier wie auch in Michigan zeigen sich sehr deutlich die Auswirkungen des Strukturwandels in den USA.

Die unten stehende Grafik zeigt für zehn Bundesstaaten a.) den Prozentsatz der belasteten Immobilien, bei denen die Hypothek den Wert übersteigt, b.) den Gesamtwert der Immobilien und die Höhe der darauf lastenden Hypotheken sowie c.) den Prozentsatz der Schuldner, die mit Ihren Zinszahlungen mindestens 90 Tage im Verzug sind.

Die nachstehende Grafik zeigt den kumulierten Preiszerfall von Immobilien in großen US-Metropolen im Zeitraum von 2007 bis Juni 2012. Daraus ist ersichtlich, wie drastisch die regionalen Unterschiede sind: von bescheidenen 6 Prozent in Dallas bis zu 60 Prozent in Las Vegas.

Arbeit im post-industriellen Zeitalter

Unbeachtet von vielen findet derzeit in den USA eine große Trendwende auf dem Arbeitsmarkt statt. Diese ist bedingt a.) durch demografische Veränderungen und neue Technologien sowie b.) durch College-Abschlüsse, die nicht mehr den Anforderungen des Arbeitsmarktes entsprechen.

Ein historischer Rückblick: Noch um 1850 bildeten Landarbeiter die größte Gruppe innerhalb der arbeitenden Bevölkerung. Ende des 19. Jahrhunderts waren es dann bereits Hausangestellte, die das Gros stellte. Die Landwirtschaft brauchte aufgrund des Einsatzes von Maschinen immer weniger Arbeitskräfte. Die Landarbeiter zogen in die großen Städte, Männer wurden Industriearbeiter, Frauen arbeiteten in wachsender Zahl für wohlhabende Haushalte, die sich mehr Personal leisten konnten.

Im Zuge der Umwandlung Amerikas hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft hat sich der Personalbedarf in den letzten Jahren drastisch geändert. Aktuell werden auf dem US-Arbeitsmarkt vor allem Büroangestellte, Verkäufer und Kellner gesucht. Im Jahre 2020 wird laut Experten für nur drei der dreißig Berufe mit dem höchsten Bedarf noch ein akademischer Abschluss benötigt werden. Diese sind Lehrer, College-Professoren und Buchhalter («Accountants»). Schon heute arbeiten Akademiker häufig in Berufen, die eigentlich nur eine Highschool-Ausbildung erfordern. Rund 1,5 Millionen oder 54 Prozent aller Jugendlichen unter 25, die einen Bachelor-Abschluss haben, sind derzeit entweder arbeitslos oder unterbeschäftigt.

Die folgende Grafik zeigt, dass Personen mit einem Bachelor- oder höherem akademischen Grad in der Phase der wirtschaftlichen Erholung zwei Millionen Stellen besetzt halten. Allerdings zeigt eine andere Studie, dass 98 Prozent dieser Jobs an Personen mit einem höheren Diplom wie Master, Doktor oder Berufsdiplom (Steuerberater, Ingenieur) gingen. Personen mit einem «Associate Diplom» fanden 1,6 Millionen neue Stellen und solche, die nur über einen Highschool-Abschluss verfügen, verloren 230.000 Jobs.

Beschäftigte mit einem High School Abschluß oder darunter waren am meisten vom Verlust des Arbeitsplatzes betroffen. Während der Erholungsphase gingen die Arbeitsplätze an Personen mit einer höheren Ausbildung.

Eine gute Ausbildung macht sich bezahlt. Die Arbeitslosenquote ist umso höher je geringer die Bildung ist. Nur 3,3 % der Personen mit höherem Hochschulabschluss sind arbeitslos, währenddessen bei den  „drop outs“, also diejenigen, die nicht einmal die „Highschool“ beendet haben, 17,8 % keinen Job haben. Die nachstehende Tabelle zeigt wie sich die Arbeitslosenquote zwischen 2007 und 2011 je nach Bildungsgrad verändert hat.

Demografisch kommt hinzu, dass die ältere Bevölkerung länger arbeitet und somit qualifizierte Positionen besetzt hält. In der nachstehenden Grafik zeigt die blaue Linie, dass die Anzahl der arbeitenden Personen über 55 ständig ansteigt. Dass die «Babyboomer» heute schwerer eine neue Stelle als vor der jüngsten Rezession finden, ist dabei wohl nur ein vorübergehendes Phänomen.

Lange galt das ungeschriebene Gesetz, wonach die ältere Generation sich zur Ruhe setzt und Platz für die nachfolgende Generation macht. Die Babyboomer haben diese Vereinbarung gebrochen. Statt sich pensionieren zu lassen und ihre Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen, arbeiten sie weiter. Nachstehend eine Grafik die zeigt, wie unterschiedlich sich die Arbeitslosenquote auf die verschiedenen Altersgruppen verteilt. Auffallend ist, dass die Gruppe der 20 bis 24-Jährigen US-Amerikaner mit 13,2 Prozent derzeit die höchste Arbeitslosenquote aufweist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für Arbeitssuchende in Zukunft nicht nur wichtig ist, über eine höhere Ausbildung zu verfügen. Sie werden auch spezialisierte Fähigkeiten benötigen, die von den Arbeitgebern nachgefragt werden. Konsequenterweise sind Babyboomer aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung in diesem Zusammenhang besser positioniert als die Abgänger von Colleges und Universitäten. Und das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben.

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Der Gründungs-(Baby-)Boom

Stellen Sie sich einmal den «typisch amerikanischen Unternehmensgründer» vor. Sehen Sie dann den etwas über 20-Jährigen mit Kapuzenjacke und in Turnschuhen? Falsch! Der typische Gründer heute ist eher ein Fünfzigjähriger in bequemer Cordhose und mit Lesebrille auf der Nase. Im letzten Jahr wurde fast die Hälfte aller neuen US-Firmen von Babyboomern, also den von Mitte der 1940er bis Mitte der 1960er Jahre Geborenen, gegründet. 21 Prozent aller Geschäfte wurden von den 55 bis 64jährigen und 28 Prozent von den 45 bis 54jährigen gegründet. Und nicht von jugendlichen Nerds à la Mark Zuckerberg aus dem Silicon Valley.

Diese Gründungswelle entspricht nicht allein optimistischem Pioniergeist. Die Rezession der letzten Jahre hat die Ersparnisse dieser Generation drastisch reduziert. Parallel dazu ist die statistische Chance für einen über 55jährigen, auf dem Arbeitsmarkt einen neuen Job zu landen, heute gerade mal noch halb so groß wie vor der Krise. Ein Schritt in die Selbstständigkeit geschieht da oft aus der Hoffnung heraus, die Pensionskasse auf den letzten Metern der Karriere noch einmal aufzufrischen.

Andere Gründer wiederum benötigen das zusätzliche Einkommen nicht. Aber sie stellen irgendwann fest, dass jeden Tag auf dem Golfplatz zu stehen auch nicht die Erfüllung sein kann. Sie vermissen es, produktiv zu sein und die mit ihrer Arbeit verbundene Wertschätzung zu genießen. Es ist nämlich erwiesen, dass beruflich aktive und erfolgreiche Menschen gesünder und zufriedener sind und eine höhere Lebenserwartung haben als ihre Altersgenossen. Viele finden in der Selbständigkeit die Möglichkeit, ihre Lebensträume zu verwirklichen, aus der Welt der Großkonzerne auszusteigen und ihr Hobby zu Ihrem Beruf zu machen

Für langjährige Angestellte, die noch einmal etwas Neues ausprobieren möchten und nach beruflichen Herausforderungen suchen, kann die Gründung eines eigenen Unternehmens eine vielversprechende Alternative sein. Zumal ältere Unternehmensgründer gegenüber jüngeren über ein enormes Plus verfügen: Durch ihre Lebens- und Berufserfahrung haben viele von ihnen Kompetenzen erworben, die für die erfolgreiche Gründung und Führung eines Unternehmens sehr hilfreich sind. Dazu gehören nicht nur fachliches Know-how und Branchenkenntnisse, sondern auch soziale und kommunikative Fähigkeiten sowie der Kontakt zu beruflichen Netzwerken. Nicht selten gelingt es älteren Gründern auch, Fehlentscheidungen zu vermeiden, weil sie ihre eigenen Stärken und Schwächen besser einschätzen können. Dazu gehören beispielsweise der Umgang mit Geld, die Einschätzung privater Bedürfnisse und die Perspektiven zur weiteren Lebensplanung. All dies ermöglicht ein zielgerichtetes Vorgehen bei der Gründung. Und schließlich kann auch die Startfinanzierung leichter fallen, wenn ausreichend angespartes Eigenkapital vorhanden ist.

Die Lebenserwartung hat sich in den USA seit dem Zweiten Weltkrieg um fast 20 Jahre verlängert. Menschen in ihren 50ern, 60ern und sogar 70ern sind heute wesentlich vitaler als noch die Generation ihrer Väter und Großväter (bzw. Mütter und Großmütter). In einer Umfrage aus dem Jahre 2010 gaben 27 Prozent der 65-jährigen Amerikaner an, dass sie beabsichtigten, sich zwischen 66 und 69 zur Ruhe zu setzen. 29 Prozent dagegen sagten, sie wollten bis zu ihrem 70. Geburtstag weiterarbeiten – mindestens.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten und Rezessionen steigt die Anzahl von Firmengründungen traditionell an. Zum einen liegt das an den geringeren Kosten für eine Firmengründung, aber auch an dem großen Angebot an günstigen Arbeitskräften und der Tatsache, dass man ansonsten nur schwer eine Stelle findet. Vor dem Hintergrund gestiegener Entlassungszahlen beginnen viele Angestellte lieber gleich eine selbstständige Tätigkeit, ehe sie von ihrer Firma vor die Tür gesetzt werden.

Menschen über 50 verfügen über Erfahrung und Glaubwürdigkeit, sie haben im Laufe der Jahre eine belastbare «Credit History» aufgebaut, sind risikobereit und geduldig. Und sie hatten lange genug Zeit, eine zündende Geschäftsidee zu entwickeln. Mit anderen Worten: Sie haben die besten Voraussetzungen, um als Gründer auf dem Markt erfolgreich zu sein.

Gesunde Immobilien-Investition

In den nächsten Jahren wird die Nachfrage nach medizinischen Dienstleistungen in den USA drastisch ansteigen – die «Babyboomer» kommen in die Jahre. Die Altergruppe der über 65-Jährigen wird sich um 36 Prozent erhöhen. Traditionell beanspruchen diese dreimal soviel ärztliche Dienstleistungen wie jüngere Menschen. Hinzu kommt, dass durch den «Patient Protection and Affordable Care Act» (in den USA auch als «Obamacare» bekannt und umstritten) zusätzlich 32 Millionen Amerikaner Anrecht auf Krankenversicherung haben werden. Bis zum Jahre 2019 entspricht dies einer Zunahme von 11 Prozent.

Konsequenterweise werden mehr Immobilien im Gesundheitswesen benötigt. Das Urban Land Institute schätzt, dass bis zum Jahre 2019 die Nachfrage nach Arztpraxen, Krankenhäusern, Pflegeheimen etc. um 19 Prozent ansteigen wird. Dies entspricht einer Fläche von 5,9 Millionen Quadratmetern. In diesem Jahr werden bereits rund 580.000 Quadratmeter erstellt. Ich gehe davon aus, dass sich die Bautätigkeit in diesem Sektor weiter deutlich erhöhen wird.

Standorte in der Nähe von Krankenhäusern sind nicht leicht zu finden. Medical Office Buildings («MOB») benötigen eine höhere Anzahl von Parkplätzen pro Quadratmeter Bürofläche. Die «Impact Fees» (Abgaben bei Neubauten) sind pro Quadratmeter ebenfalls deutlich höher als für normale Büros. Dennoch sind Immobilien im Gesundheitswesen meiner Ansicht nach eine ausgesprochen attraktive Investitionsmöglichkeit: Die Mieter bleiben in der Regel lange, da sie  viel in den Ausbau der Infrastruktur investiert haben.


Immer häufiger sieht man, dass Arztpraxen (oftmals mit Dutzenden von Ärzten) von Krankenhäusern übernommen werden. Die Ärzte sind dann die Verwaltungsprobleme, das Management sowie die hohen Investitionskosten los. Die Krankenhäuser ihrerseits haben einen garantierten Zustrom an Patienten. Ist man Eigentümer einer solchen Immobilie, erhöht sich deren Wert natürlich drastisch, hat man nun einen sehr solventen Mieter.

Aus der Sicht des Immobilieninvestors sind Objekte nahe eines Krankhauses sehr interessant. Das haben auch institutionelle Investoren gemerkt, die 2011 rund 45 Prozent aller MOB erworben haben. Oftmals haben Krankenhäuser in der Vergangenheit die Immobilien selbst erstellt, nur um nach ein paar Jahren zu realisieren, dass sie das Geschäft nicht verstehen und mit dem Eigenkapital anderweitig mehr verdienen können. Zudem blähen Immobilien die Bilanzsumme auf und reduzieren die prozentuale Umsatzrendite. Da viele Firmen im Gesundheitswesen börsennotiert und/oder auf Gewinn ausgerichtet sind, kann dies die Kreditwürdigkeit und/oder den Börsenkurs beeinträchtigen. Bei solchen Deinvestitionen bieten sich für den Investor oft interessante Anlagemöglichkeiten.

Zuletzt ein Hinweis für Eigentümer von Shopping-Centern: Der Wegfall ganzer Einzelhandelsketten (Videoverleih, Banken, Möbelläden, Buchläden) hat hier oft gewaltige Leerflächen entstehen lassen. Die große Anzahl an Parkplätzen, die gute Lage, Sichtbarkeit und der ständige Publikumsverkehr machen solche Lagen sehr attraktiv für Arztpraxen und andere Firmen im Gesundheitswesen.

Gewerbeimmobilien: Tops und Flops

Geld bei der Bank anzulegen bringt heute keine Zinsen mehr, die Renditen von Rentenpapieren sind bescheiden und die Risiken zu hoch. Und die Aktienmärkte haben auch wieder respektable Höhen erreicht. Wohin also mit dem Geld? Immer mehr private und institutionelle Anleger sehen gewerbliche Immobilien als sichere Anlage, die zudem interessante Renditen und einen Inflationsschutz bieten. Im Folgenden eine Übersicht.

Mietshäuser

Diese haben zuletzt deutlich besser abgeschnitten als andere Kategorien innerhalb der gewerblichen Immobilien. Die Nachfrage nach Mietobjekten steigt ständig, und die Anleger sehen die Risiken als gering an, da auf jedes Objekt heute eine hohe Anzahl an potentiellen Mietern kommt. Zum Teil weichen die Preisvorstellungen der Käufer und Verkäufer allerdings stark voneinander ab. Die Verkäufer richten ihre Erwartungen häufig an den Preisen von Topobjekten aus, ohne ihre weniger attraktiven Immobilien aufgerüstet zu haben. Im Moment werden zwar relativ wenige Miethäuser gebaut, doch das dürfte sich in absehbarer Zeit ändern. Die durchschnittliche Rendite liegt bei 6,3 Prozent, wobei sehr gute Objekte auch mal bei knapp 4 Prozent den Besitzer wechseln.



 Bürogebäude

Die schleppende Wirtschaftsentwicklung in den USA macht diesem Sektor zu schaffen. Die Renditen sind zuletzt etwas angestiegen, doch die stark gestiegenen Preise führen zu Zurückhaltung bei den Investoren. Die Banken haben noch viele zwangsversteigerte Objekte in ihrem Bestand, die oftmals unter Wiederherstellungkosten verkauft werden. Die Neubautätigkeit bleibt daher auf tiefem Niveau. Firmen versuchen weiterhin, ihre Kosten zu senken, lassen Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten oder einen Schreibtisch von mehreren nutzen. In den nächsten Jahren dürften die Preise steigen, die Renditen fallen, was dann wieder zu einer höheren Neubautätigkeit führen wird.


 Ladengeschäfte/Einkaufszentren

In diesem Segment trennt sich momentan die Spreu vom Weizen. Gefragt sind Objekte in guten Lagen mit solventen Mietern. Dafür werden absolute Toppreise bezahlt. Die Renditeunterschiede zwischen A, B und C Lagen/Objekten haben sich etwas verkleinert, sind aber immer noch sehr signifikant. Bauträger sind sehr zurückhaltend. neue Objekte zu erstellen. Erschwerend kommt hinzu, dass es ausgesprochen schwierig ist. Baufinanzierungen zu erhalten. Und das Internet ändert das Kaufverhalten der Konsumenten: Grosse Ketten wie etwa Best Buy verlieren an Umsatz und Gewinn, da sich die Kunden zwar die Geräte im Laden anschauen und sich Rat einholen, dann aber (umsatzsteuerfrei) bei Amazon.com oder anderen Online-Hãndlern bestellen. Buchläden wie Barnes & Noble, Borders oder Books-A-Million, die von dem neuen Kaufverhalten besonders betroffen sind, kämpfen um ihr Überleben oder sind schon pleite. Andere Geschäftsmodelle wie Videoverleihe (Blockbuster) verlieren ihre Daseinsberechtigung. Die Renditen werden hier voraussichtlich noch weiter sinken.


 

Medizinische Einrichtungen/Seniorenheime

Der demografische Wandel hinterlässt auch Spuren am Immobilienmarkt. Mit einer zunehmend älteren Bevölkerung wird die Nachfrage nach altersgerechten Wohnformen, Arztpraxen, Kliniken und anderen Einrichtungen steigen, die den Bedürfnissen von Senioren entgegen kommen. Altersgerecht heißt in diesem Fall: Wir werden unzweifelhaft einen steigenden Bedarf an Ärztehäusern, barrierefreien oder –armen Wohnungen und Pflegeheimen erleben. «Obamacare» hin oder her: Die Babyboomer werden älter und benötigen mehr medizinische Versorgung. Gesundheit und alles, was damit zusammenhängt, wird in den USA in den kommenden zehn Jahren eine der zentralen Wachstumsindustrien sein.

Lagerhallen/Logistikzentren

Der Bau von Lager- und Logistikkomplexen hat wieder Fahrt aufgenommen. Nach Jahren der Krise wächst der Bedarf an modernen Lagerhallen und deren Bewirtschaftung. Mit einem zunehmend veränderten Konsumverhalten – Stichwort: «Online-Shopping» – werden neu, moderne Logistikzentren gebraucht. Die am Computer bestellten Waren müssen gelagert, transportiert und verteilt werden. Aufgrund des geringen Angebots haben sich erstklassige Logistik- und Industrieimmobilien in den vergangenen zwölf Monaten bereits an vielen Standorten verteuert. Dies liegt insbesondere daran, dass während der Wirtschaftskrise kaum Hallen gebaut wurden, es sei denn, es hatte sich zuvor bereits ein Mieter dafür gefunden.

Kein Herr im eigenen Haus

Die Zahl der Amerikaner, die Eigentümer ihres Hauses oder ihrer Wohnung sind, ist auf den tiefsten Stand der letzten 15 Jahre gefallen. Waren im Jahre 2004 noch etwas über 70 Prozent stolze Besitzer ihres Heims, sind es jetzt gerade noch knapp 65 Prozent – ein niedriger Wert in einem Land, das traditionell auch von politischer Seite den Besitz der «eigenen vier Wände» propagiert und gefördert hat.

Obwohl die Immobilienpreise und Zinsen drastisch gefallen sind, können sich immer weniger Amerikaner ein eigenes Heim leisten. Experten schätzen, dass die Quote bis 2015 auf 64 Prozent zurückgehen wird, Tendenz weiter fallend. Diese Zahlen stammen aus der offiziellen Statistik. Zieht man davon aber die Hausbesitzer ab, die mindestens 90 Tage mit ihren Zahlungen im Verzug sind, so liegt der Prozentsatz heute nur noch bei 62,1 Nach meiner Ansicht wird der Anteil der Eigenheimbesitzer in ein paar Jahren auf unter 60 % sinken. In der Altersgruppe der 35 bis 44-Jährigen fiel die Quote zuletzt innerhalb nur eines Jahres um 3 Prozent auf 61,4 Prozent. Die nachfolgende Graphik zeigt die Entwicklung seit 1991. Die blaue Linie ist die offizielle Statistik, die rote zeigt den effektiven Prozentsatz.

Die Gründe für die Entwicklung sind vielschichtig. Über fünf Millionen Eigentümer haben in den vergangenen Jahren ihre Wohnungen und Häuser durch Zwangsversteigerung verloren. Diese Gruppe erhält von den Banken naturgemäß für geraume Zeit keine Hypothek mehr und wird zu Mietern.

Doch auch potentielle Käufer mit besserer «Credit History» erhalten nur noch sehr schwer eine Finanzierung. Die Banken haben ihre Beleihungsvorschriften drastisch verschärft. Wer nicht an einem der vielen Regierungsprogramme partizipieren kann (Fannie Mae, Freddie Mac, Federal Housing Authority, Ginnie Mae oder Veterans Agency), muss häufig 25 bis 30 Prozent an Eigenkapital mitbringen.

Früher haben die Eltern traditionell den ersten Hauskauf ihrer Sprösslinge finanziert. Dieses war oft problemlos möglich, hatte sich doch der Wert des Elternhauses über die Jahre erheblich erhöht und konnte beliehen werden. Im Moment sind aber immer noch (je nach Quelle und Berechnungsweise) etwa 11 bis 16 Millionen Immobilieneigentümer «unter Wasser», das heißt, die Hypotheken übersteigen den Wert der Immobilie. Somit fällt diese Finanzierungsquelle der Erstkäufer weg. Nimmt man durchschnittlich 2,6 Personen pro Haushalt an, so sind 40 Millionen Amerikaner betroffen.

Die Leerstandquote bei Mietwohnungen ist parallel dazu auf 4,9 Prozent gefallen, bei Häusern auf 8,8 Prozent. In den letzten Jahren waren Mietwohnungen der florierendste Sektor im Bereich der gewerblichen Immobilien. Gemäß Bloomberg TV werden in den nächsten fünf Jahren weitere sechs Millionen Eigentümer ihre Bleibe verlieren und somit vier Millionen neue Miethaushalte schaffen.

Meine Schlussfolgerungen: Die Immobilienkrise erst zur Hälfte überwunden – und Mietwohnungen werden weiterhin eine der besten Anlagemöglichkeiten in den Vereinigten Staaten bleiben.

USA on Sale?

Vor einigen Wochen publizierte die Weltbank in Washington einen interessanten Bericht zum Thema »Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten«. Demnach wird die USA auch in zehn Jahren noch die grösste Wirtschaft der Welt sein und der Dollar die führende Reservewährung darstellen (Reservewährung ist die Währung eines Landes, die von den Zentralbanken anderer Länder über die Menge hinaus, die zur Abwicklung des Außenhandels nötig ist, zum Zwecke der Währungsreserve gehalten wird). Die bestehende und auch weiterhin ansteigende Verschuldung der USA wird laut Meinung der Analysten aber zu gravierenden Änderungen führen.

Die untenstehende Graphik zeigt die Entwicklung der internationalen Investmentposition der USA. Seit 1990 ist sie auf negative 3 Billionen Dollar angewachsen. In den nächsten 15 Jahren könnte sich dieser Betrag gemäss der Weltbank-Studie auf 13 Billionen Dollar erhöhen. Ausländer – insbesondere China und andere asiatische Länder – würden dann in noch grösserem Umfang (siehe auch meinen Artikel vom 12. April 2011) US-Vermögenswerte (Staatsanleihen, Aktien, Firmenbeteiligungen und Immobilien) besitzen.

Der Super-Investor Warren Buffett hat bereits im Jahre 2003 in der Zeitschrift FORTUNE auf die Gefahren einer solchen Entwicklung aufmerksam gemacht. Er verglich die USA damals mit einer »immens reichen Familie, die jährlich vier Prozent mehr konsumiert als sie produziert«. Als Folge müsse sie jeden Tag mehr und mehr von ihrem Vermögen verkaufen oder verpfänden.

Natürlich hat niemand wirklich eine konkrete Vorstellung davon, wie die Welt und die Wirtschaft in 15 Jahren aussehen werden. Unbestritten ist aber, dass die ausländischen Investitionen in den USA eine steigende Tendenz aufweisen.

Muss das aber schlecht oder gar verhängnisvoll sein?

In den 80er Jahren investierten japanische Firmen mehr als eine Billion Dollar in den USA und beschäftigten fast 700.000 Personen. Für Verwerfungen sorgte das damals nicht – im Gegenteil: Die Investoren wurden mit offenen Armen begrüßt. Und die USA haben die japanischen Investitionswelle gut überstanden.

Gegenüber chinesischen Investitionen besteht heute indes vielfach noch ein größeres Misstrauen. Die Vermutung: Wenn chinesische Firmen in die USA kommen, muss dies auch immer einen politischen Hintergrund haben. Dabei könnten in den nächsten Jahren Milliarden von Dollar an chinesischem Kapital in die USA fliessen und so eine enorme Anzahl von Arbeitsplätzen geschaffen werden. China hält über 1,1 Billionen Dollar an US-Staatspapieren und wird sicher attraktivere Anlagemöglichkeiten im Dollar suchen. Im Jahre 2010 investierte China bereits über 5 Milliarden Dollar in den USA und schuf mehr als 10.000 Stellen. Aktuelles Beispiel: Die China National Machinery Corporation plant, um den Flughafen von Boise/Idaho herum einen High-Tech-Standort inklusive Wohnungen und Shopping Center zu entwickeln. Welcher lokale Politiker würde sich aus politischen Erwägungen dagegen stellen wollen?

Auch von Seiten des Weissen Hauses werden die ausländischen Investoren derzeit ermuntert. Dies zu einem Zeitpunkt, an dem Präsident Barack Obama die Kampagne seiner Wiederwahl plant, bei der er gegen eine Arbeitslosenquote von 9,2 Prozent angehen muss. »In einer Zeit, in der wir jedes zur Verfügung stehendes Mittel zur Wiederbeschäftigung der Amerikaner und zur Förderung des Wachstums der heimischen Wirtschaft nutzen müssen, stellt die Ankurbelung ausländischer Direktinvestitionen ein wichtiges Mittel dar, um unsere wirtschaftliche Erholung zu beschleunigen«, verkündete Obama zuletzt.

Ausländische Firmen werden meiner Ansicht nach auch vermehrt Produktionsstätten in den USA errichten. Und dies zum Teil aus ähnlichen Gründen, wegen derer US-Firmen ihre Produktionen wieder in die USA verlagern: höhere Qualitätsstandards hierzulande, Unabhängigkeit vor Währungsfluktuationen, Reduzierung der Kapitalkosten, besserer Schutz von geistigem Eigentum etc. (siehe meinen letzten Blog).

Die Renditen der US-Staatspapiere werden für die nächsten Jahre tief bleiben. Somit suchen die Investoren nach besseren Anlagemöglichkeiten. Dies wird zu unter anderem zu einer höheren Nachfrage nach gewerblichen US-Immobilien führen, bieten diese doch deutlich höhere Renditen als Wertpapiere und zudem erhebliche steuerliche Vorteile.

Rückkehr zur Monroe-Doktrin?

Die Rede war in ihrer Eindeutigkeit für viele überraschend. Als Präsident Barack Obama am 22. Juni in Washington betonte, den Truppenabzug aus Afghanistan forcieren zu wollen, »weil es jetzt wichtiger sei, sich auf die Probleme im eigenen Land zu konzentrieren«, verabschiedete er sich damit von nicht weniger als dem jahrzehntelangem Primat amerikanischer Aussenpolitik.  Natürlich sind die USA auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts Weltmacht und zentraler Pol der Weltpolitik. Auch wenn der Ost/West-Konflikt keine internationale Bedrohung mehr darstellt, entstanden neue Bipolaritäten, die die USA in ihrer militärischen Weltmachtrolle bestätigten. Und noch Obamas Vorgänger im Amt, George W. Bush, formulierte die hegemonialen Interessen in Europa und Asien ganz klar und führte einen interventionistischen Kurs fort.

Die Ankündigung, dass es jetzt »an der Zeit sei, weniger Geld für den Krieg in Afghanistan und generell für Kriege im Ausland einzusetzen, sondern den Fokus auf die eigene Bevölkerung zu richten«, markiert meiner Ansicht nach aber einen durchaus dramatischen Paradigmenwechsel. Auch wenn die Äusserungen nur am Rande gemacht wurden, bestärken sie eine immer stärker werdende Überzeugung der politischen Klasse in den USA, das eigene Wohlergehen und die eigene Wirtschaft in den Vordergrund zu stellen. Ein Rückfall mithin in die Zeiten des Isolationismus, nur vergleichbar mit dem Primat einer »Splendid Islolation«, mit dem sich Großbritannien im 19. Jahrhundert selbst äußerste Zurückhaltung bei der Beteiligung an dauerhaften Allianzen oder anderen Verpflichtungen gegenüber anderen Weltmächten auferlegte? Ich sehe durchaus Indizien dafür.

Die Amerikaner haben sich schon immer als »auserwähltes Volk« gesehen. Die Tendenz zum freiwilligen Selbstausschluss aus dem internationalen politischen Geschehen und der Abschottung vom Ausland hat auch hier eine lange Tradition und war spätestens seit der Monroe-Doktrin Teil der amerikanischen »foreign policy«. In seiner Rede zur Lage der Nation vom 2. Dezember 1823 entwarf Präsident James Monroe damals vor dem Kongress die Grundzüge einer langfristigen Außenpolitik der Vereinigten Staaten. In der Tradition Thomas Jeffersons stellte er dabei eine irreversible Unabhängigkeit der amerikanischen Staaten von den europäischen Mächten fest und formulierte die Existenz zweier politischer Sphären, betonte das Prinzip der Nichteinmischung der Vereinigten Staaten in europäische Konflikte, forderte ein Ende aller Kolonialisierungsbestrebungen in der westlichen Hemisphäre und kündigte ein Eingreifen der USA nur für den Fall an, dass die europäischen Kolonialmächte diese politischen Grundsätze ignorieren sollten. »Amerika den Amerikanern« lautete damals das geflügelte Schlagwort. Der amerikanische Isolationismus wurde erst durch den Kriegseintritt in den Ersten Weltkrieg 1917, später dann endgültig durch den Eintritt in den Zweiten Weltkrieg beendet und wurde durch den Interventionismus abgelöst.

Mit der Wirtschaftskrise geht es nun aber ans Eingemachte – ganz nach dem Motto, dass sich jeder am Ende selbst der Nächste ist. Ist die Rückkehr zu einer Art Monroe-Doktrin – zumindest auf wirtschaftlichem Feld – also wieder vorstellbar?

Meiner Ansicht werden wir in naher Zukunft drei verschiedene Entwicklungen beobachten können:

1. Amerikanische Firmen werden vermehrt Arbeitsplätze zurück in die USA bringen;

2. Die US-Regierung wird ihre Ausgaben im Ausland (wie Afghanistan und Irak Kriege) deutlich reduzieren;

3. Washington wird direkte und indirekte Massnahmen ergreifen um die einheimische Wirtschaft zu schützen und/oder deren Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen.

Einige Beispiele zu Punkt 1: In Louisville aktiviert GE General Electric gerade eine stillgelegte Firma und schafft so 1.300 neue Arbeitsplätze. Carbonite eröffnet ein neues Call-Center und verlegt 250 Arbeitsplätze von Indien in die USA. NCR stellt 850 neue Mitarbeiter ein für die Herstellung von Bankomaten ein, die bisher in China, Ungarn und Brasilien produziert wurden. Ford verlegt 2.000 Stellen von China zurück nach Michigan.

Die Gründe für die Repatriierung von Arbeitsplätzen sind vielfältig: In gewissen Bereichen sind die Qualitätsstandards in den USA höher. Währungsfluktuationen sind bei der Produktion in den USA kein Thema mehr. Zudem kostet der Transport von der Fabrik zum Kunden weniger – die Verkürzung der Zeit zwischen Produktion und Auslieferung reduziert die Kapitalkosten und erlaubt zudem grössere Marktnähe und eine schnellere Ausführung der Kundenbestellungen. In China und anderen Ländern steigen die Lohn- und Lohnnebenkosten parallel dazu um 15 bis 20 Prozent, während sie in den USA stabil sind. General Electric hat ausgerechnet, dass der Kostenvorteil von China gegenüber den USA von 30 auf 6 Prozent gesunken ist. Zudem ist der Schutz von geistigem Eigentum ist in den USA deutlich besser gewährleistet.

Zu Punkt 2: Präsident Obama und andere Politiker sind sich mehr und mehr bewusst, dass die amerikanische Bevölkerung kein Verständnis für den Krieg in Afghanistan hat und der Krieg im Irak als unnötig empfunden wird. Die Kosten sind gleichzeitig immens: Der Waffengang im Irak verschlang 784 Milliarden Dollar, in Afghanistan belaufen sich die Ausgaben bis dato auf 426 Milliarden Dollar. Politischer Druck – insbesondere von der konservativen Tea Party – könnte die Auslandaktivitäten der USA weiter in Frage stellen. Wenn Außenministerin Hillary Clinton wie jetzt geschehen die Militärhilfe für Pakistan grundsätzlich zur Disposition, merkt man, dass ein anderer Wind zu wehen beginnt.

Die USA bestreiten 75 Prozent der Militärausgaben der NATO. Zukünftig wird die USA von Europa erwarten, dass es seine Interessen mit mehr Engagement vertritt. Die USA werden ihre ordnungspolitische Machtposition auch weiterhin behalten, aber ihren Verbündeten mehr Verantwortung und Kosten übertragen und abverlangen. Als Folge werden die Militärausgaben in Europa steigen und in den USA sinken.

Und zu Punkt 3: Immer mehr lokale, regionale oder staatliche Behörden erlassen Bestimmungen, wonach Produkte und Dienstleistungen lokal, regional oder zumindest in den USA eingekauft werden müssen. So hat etwa Ted Strickland, demokratischer Gouverneur von Ohio, im August 2010 eine Verordnung verabschiedet, wonach das öffentliche Beschaffungswesen des Bundesstaates dazu verpflichtet ist, bei nahezu allen Anschaffungen auf das Siegel »Made in USA« zu achten. Ähnliches beim »American Recovery and Reinvestment Act« aus dem Jahre 2009: Dieser enthält die »Buy-American«-Klausel, die besagt, dass bei Infrastrukturmaßnahmen, die mit dem Paket eingeleitet werden, nur Eisen und Stahl aus heimischer Produktion verwendet werden darf.

Für mich sind dies weitere Zeichen eines immer stärker um sich greifenden Protektionismus. Eine Entwicklung mit durchaus historischem Vorbild: Am 17. Juni 1930 unterzeichnet US-Präsident Herbert Hoover den so genannten Smoot-Hawley Tariff Act. Das Gesetz, benannt nach den republikanischen Parlamentariern Reed Smoot und Willis Hawley, erhöht damals die Importzölle auf fast 900 Produkte zum Teil dramatisch. Ein Fanal, andere Länder reagieren prompt. Eine Welle des Protektionismus setzt ein. Die Folgen liessen nicht lange auf sich warten. Gegenüber dem Stand von Anfang 1929 brach der Welthandel bis Anfang 1933 auf Dollarbasis um nahezu zwei Drittel ein. Das Smoot-Hawley-Gesetz verursachte die Große Depression jener Jahre zwar nicht – aber den Einbruch der Weltwirtschaft nach dem Börsencrash vom Oktober 1929 verstärkte es gleichwohl.

Politiker aus aller Welt zogen nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Lehren. Protektionismus gilt seither weithin als Übel, der Freihandel zumindest in der politischen Rhetorik als Ideal. Auch in Krisenzeiten flackerte der Neoprotektionismus immer nur zeitlich und örtlich begrenzt wieder auf.

Bis heute. Immer neue Anzeichen deuten darauf hin, dass Politiker in aller Welt besserer Einsicht zum Trotz die Fehler von damals wiederholen könnten. Wir erleben eine Renaissance der nationalen Wirtschaftspolitik. Hübscher verpackt zwar als noch vor achtzig Jahren, aber letztlich mit genau derselben Absicht. Beispiel Zinspolitik: Ich erwarte, dass die amerikanische Zentralbank alles dafür tun wird, die Zinsen wie auch den US-Dollar auf tiefem Niveau zu halten. Ein niedriger Dollarkurs macht US-Produkte im Ausland billiger und konkurrenzfähiger. Tiefe Zinsen wiederum helfen amerikanischen Firmen, ihre Kosten niedrig zu halten.

Aus meiner Sicht ergeben sich aus den geschilderten Sachverhalten einige praktische Schlussfolgerungen, die insbesondere auch für Investoren wichtig sind, die über ein mögliches Engagement in den USA nachdenken:

• Der Dollar wird längerfristig auf tiefem Niveau verharren;

• Die Zinsen in den USA werden vielleicht etwas ansteigen, aber im historischen Vergleich niedrig bleiben;

• Bundesstaaten und lokale Behörden werden vermehrt Anreize, Steuerentlastungen und Zuschüsse für die Schaffung von Arbeitsplätzen offerieren;

• Die Nachfrage nach Lagerhäusern, Verteilerzentren und damit zusammenhängenden Gewerbeflächen wird ansteigen.

10 Schritte zum Kauf einer gewerblichen Immobilie

Das Prozedere zum Erwerb einer Immobilie in den USA, insbesondere einer Gewerbeimmobilie, unterscheidet sich grundsätzlich von dem in Deutschland. Das fängt schon bei der Sprache an: Auch wenn viele Begriffe in ihrer deutschen Übersetzung den bekannten deutschen Bezeichnungen ähneln oder identisch sind (z.B. Grundbuch), so weichen sie in der Praxis grundlegend voneinander ab.

Ein viel fundamentalerer Unterschied liegt aber in der Grundlage der verschiedenen Rechtssysteme in Deutschland (kodifiziertes Recht, also gesetzlich geregelte Sachverhalte) und in den USA (»common law«, auf britischem Einzelfallrecht beruhende Orientierung an Präzedenzfällen). Das wirkt sich im Immobilienrecht insbesondere bei Gewährleistungsansprüchen aus, die in Deutschland gesetzlich festgelegt sind, während man sie in Amerika vertraglich vorweg vereinbaren muss (anderenfalls kann man sie nur schwer geltend machen). Es gilt dort der Grundsatz »Caveat Emptor«, also »Käufer, sei wachsam«. Diese weitgehend vom Gesetzgeber auf die Vertragsparteien verschobenen Regelungen (mit allen Risiken) führen dazu, dass Verträge in den USA (Kauf-, Miet-, Kreditverträge) um ein Vielfaches umfangreicher und genauer sind als entsprechende Vereinbarungen in Deutschland. Insofern empfiehlt es sich, bei sämtlichen Aktivitäten einen kompetenten Makler und einen Fachanwalt einzuschalten.

Wenn diese grundsätzlichen Erwägungen beachtet werden, sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Denn schließlich belegen die Ergebnisse vieler ausländischer Kapitalanleger, dass sie beim Einhalten des Prozederes in Amerika ebenso erfolgreiche Immobiliengeschäfte machen können wie zu Hause.

Haben Sie mit Hilfe eines Maklers nun ein geeignetes Objekt gefunden, liegen zwischen dem Unterzeichnen der Absichtserklärung und der Besitzübernahme zehn Schritte, die ich im folgenden einmal näher erläutern will:

1. Nachdem die Absichtserklärung unterzeichnet worden ist, wird der Kaufvertrag zwischen dem Käufer und Verkäufer ausgehandelt. Es ist wichtig sicherzustellen, dass alle Bedingungen des Käufers im Vertrag berücksichtigt werden. Außerdem sollten alle Standardbegriffe wie z.B. Gewährleistung und Zusicherung, Säumnisbestimmungen, Haftpflicht, Zwangsenteignung, Sorgfaltspflichtsprüfung im Vertrag aufgenommen sein. Im Hinblick auf Gewährleistungen und Zusicherungen ist erwähnenswert, dass sich die Zeitspanne der Gewährleistung nach der Eigentumsübertragung von früher zwei bis drei Jahren auf sechs Monate verkürzt hat. Daher liegt es in der Verantwortung des Käufer und seiner Vertreter, die Immobilie genau und sorgfältig zu prüfen. Des Weiteren sollten auch die bei der Eigentumsübertragung zu unterzeichnenden Unterlagen- wie Übertragungsdokumente (Kaufurkunde, Gewährleistung-/Genehmigungsdokumente, Abtretung/Übertragung von Miet- und anderen Verträgen) im Voraus ausgehandelt und als Anlagen dem Kaufvertrag beigefügt werden, bevor der Käufer diesen unterzeichnet.

2. Wenn der Vertrag unterzeichnet ist, ist der Käufer dafür verantwortlich, dass die zurück erstattbare Anzahlung innerhalb einer bestimmten Frist hinterlegt wird. Sollte die Anzahlung nicht pünktlich geleistet werden, hat der Käufer seine Vertragsverpflichtungen nicht erfüllt. Daher ist es wichtig, dass genug Zeit einplant wird, damit der Käufer die Gelder fristgerecht überweisen kann. Wenn die Gelder eingezahlt sind, muss ein W-9- Formular ausgestellt werden; die Anzahlung wird auf einem Treuhandkonto verwahrt.

3. Als nächstes sollte der Investor vertraglich mindestens vier bis acht Wochen Zeit für eine unabhängige Prüfung aller Aspekte der Immobilie haben. Zur eigenen Sicherheit wird davon abgeraten, bereits vorliegende Prüfungsberichte des Verkäufers zu übernehmen, sondern eigene Expertisen in Auftrag zu geben. Die Prüfung von Bauzustand der Immobilie und der Umweltauflagen setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Bei der Prüfung der Konstruktion werden die strukturellen Mängel oder Schäden des Gebäudes (z.B. das Dach, das Fundamant etc.) überprüft. Diese Prüfung ist aus zweierlei Gründen wichtig: Erstens ermöglicht sie dem Investor eine bessere finanzielle Planung zukünftig anstehender Kosten. Zweitens kann es zu einer Reduktion des Kaufpreises führen, sollte der Verkäufer diese Mängel in dem Originalvertrag nicht angegeben haben. Eine unabhängige Analyse des Grundstückes bestimmt, ob mit dieser Immobilie Umweltrisiken verbunden sind.

4. Eine weitere Prüfung ist die des Immobilienstatus im Hinblick auf die Unternehmensform und Rechtslage, damit zukünftige Rechtsstreitigkeiten vermieden werden. Es empfiehlt sich, dass der Käufer zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses eine Preisreduktion oder Sicherheitsleistung für alle gefundenen Mängel und Probleme einfordert, um auszuschließen, dass der Verkäufer sein gesamtes Vermögen auflöst und nicht mehr haftbar gemacht werden kann. Die Prüfung beinhaltet fünf Aspekte: 1.) Prüfung der Mieten, 2.) Gespräche mit den Mietern, 3.) Erklärung, mit der die ausfertigende Partei einen Sachverhalt bestätigt und sich zu dessen Beachtung verpflichtet (»estoppel certificates«), 4.) Überprüfung von Serviceverträgen, Gewährleistungen und Eigentumsrecht sowie 5.) die Vermessung der Grundstücks-und Gebäudegrenzen.

1.) Prüfung der Mieten: Diese sollte jegliche Diskrepanz zwischen den gegenwärtigen und zukünftigen Einnahmen, die mit dem Käufer vereinbart worden sind, und den gegenwärtigen und zukünftigen Zahlungen aus den Mietverpflichtungen aufdecken.

2.) Interviews mit den Mietern: Diese können aufzeigen, ob Reparaturen, die der Verkäufer vernachlässigt hat, notwendig sind. Außerdem kann der Käufer einen Eindruck über die Beständigkeit der Mieten und über zukünftige Einnahmen erhalten.

3.) Tenant Estoppel Certificates: Es wird empfohlen, dass der Käufer von allen Mietern unterzeichnete »estoppel certificates« erhält. Dieser Prozess dauert oft zwei bis drei Wochen. In dem »estoppel certificate« legt der Mieter alle Sachverhalte der Miete dar und bestätigt diese Angaben durch seine Unterschrift.

4.) Serviceverträge und Gewährleistungen: Die Serviceverträge sind Vereinbarungen über Dienstleistungen wie z.B. Hausmeister, Gebäudeüberwachung, Pflege der Außen/Garten- Anlagen, Überwachung des Feueralarms und Müllabfuhr. Der Käufer muss sicherstellen, dass diese Verträge auf den neuen Besitzer übertragen werden können und die Anbieter guten Service zu Marktpreisen liefert. Außerdem muss gegeben sein, dass die Gewährleistungen und Garantien auf den neuen Besitzer übertragbar sind.

5.) Eigentumsrecht und Vermessung der Grundstücks- und Gebäudegrenzen: Hier ist es wichtig, das Folgende zu überprüfen:

• Aufzeichnungen aller Pfandrechte (»liens«), die auf der Immobilie eingetragen sind und durch den Verkäufer spätestens zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses gelöscht oder abgelöst werden müssen;

• Bestehende Nutzungsrechte oder Beeinträchtigungen;

• Verstoß gegen Zonenplanung oder Baugesetz in Hinblick auf Größe/Höhe, Gebrauch, Parkmöglichkeiten, etc.;

• Jegliche Verstöße gegen Zusicherungen, Auflagen und Einschränkungen;

• Übereinstimmung der Rechtsbeschreibung der Immobilie in Rechtsmängelversicherung und der Vermessungsurkunde.

5. Oftmals wird für den Kauf eine separate, juristische Einheit gegründet. Der Käufer muss sicherstellen, dass es der juristischen Einheit/der neuen Gesellschaft gesetzlich erlaubt ist, Geschäfte in dem Bundesstaat auszuführen, in dem die Immobilie gelegen ist. Der Käufer hat seine Identität und Handlungsbefugnis nachweisen, indem er für die Rechtsmängelversicherung die Gesellschaftsunterlagen vorlegt.

6. Die neue juristische Einheit muss Bankkonten eröffnen.  Einige lokale Usancen verlangen die Eröffnung von verzinsbaren Konten für die Mieterkautionen, separate Konten für die Zahlungen der Mieter und ein Girokonto für die normalen Zahlungen.

7. Eine langwierige und arbeitsintensive Phase ist die Zusammenstellung der aller notwendigen Informationen, um die entsprechenden Anteile der Betriebs- und Unterhaltskosten der Immobilie zu berechnen und bestehende Liefervereinbarungen anzupassen (Gas-, Strom, Wasser-Rechnungen). Der Käufer sollte für den Monat, in dem der Vertragsabschluss stattfindet, die folgenden Informationen und Unterlagen verlangen: Kopien der aktuellen Mietabrechnungen, Liste der im Voraus bezahlten Mieten, die aktuellen Steuerbescheide für die Immobilie, Aufstellung des tatsächlich vereinnahmten Mieteinnahmen, Aufstellung nicht gezahlter Mieten und Zuschüsse zu Ausbauten, alte Forderungen, Aufstellung der Kautionen, Aufstellung nicht gezahlter Umlagen sowie Beiträge oder Gebühren von Eigentümergemeinschaften, Kopien der aktuellen Lieferantenrechnungen, Aufstellung fälliger Serviceausgaben mit Angabe, welche im Voraus zu bezahlen sind, welche bereits bezahlt sind und welche zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses noch unbezahlt sind. Wenn die Versorgungsleistungen am Tag des Vertragsabschlusses übertragen werden, müssen die Kautionen bezahlt und die Messgeräte am Tag des Vertragsabschlusses abgelesen werden.

8. Als nächstes muss sichergestellt werden, dass die weiteren Zahlungen gemäss den Bestimmungen des Kaufvertrages pünktlich geleistet werden. Nachdem die Abrechnungen, Aufteilungen, »Pro Rata«-Berechnungen und Anpassungen bekannt sind, kann der genaue Kaufpreis, der bei der Eigentumsübertragung fällig ist, anhand der folgenden Formel ermittelt werden:

 Kaufpreis gemäss Kaufvertrag = Erwerbskosten

+ Kosten des Vertragsabschlusses

+ Erwerbs- oder Kapitalreserven

+ Beratungsgebühren

+ Kosten der Eigentumsübertragung (Kapitalverkehrsteuer, Gebühren)

+/- Pro Rata Verteilung und Anpassungen

Ursprüngliche Anzahlung des Käufers

Diese Gelder müssen vor dem Tag des Eigentumsübertragung auf dem Treuhandkonto eingegangen sein. Der Käufer muss auch sicherstellen, dass ausreichende Geldmittel verfügbar sind, um die Immobilie nach der Eigentumsübertragung weiter betreiben zu können.

9. Es ist zwingend erforderlich, dass die Unterzeichnung aller Dokumente zeitgleich erfolgt. Dies ist ein Prozess aus sechs Schritten: die Dokumente müssen angefertigt, auf Ihre Korrektheit hin überprüft, mit allen relevanten Anlagen vervollständigt werden, von allen Parteien unterschrieben, notarisiert und am Tag der Eigentumsübertrag komplett sein. Man sollte zwei Wochen für die Koordinierung der Dokumente einplanen.

10. Zum Schluss wird die Kaufabrechnung durchgesehen und vom Käufer als auch Verkäufer unterzeichnet. Normalerweise wird diese von dem Anwalt/Treuhänder, der die Eigentumsübertragung vornimmt, erstellt. Dieser sorgt auch für die Bezahlung aller auf der Immobilie lastenden Verbindlichkeiten Zug um Zug gegen Freistellungserklärungen. Der Käufer sollte den Erhalt des Nettoerlöses auf seinem Bankkonto bestätigen.

US-Gewerbeimmobilien: Zweigeteilter Markt

Es ist noch gar nicht lange her, da galten amerikanische Gewerbeimmobilien als der nächste potentielle Krisenherd nach dem privaten Häusermarkt. Obwohl Verluste mit Hypotheken für kommerziell genutzte Immobilien den US-Kreditinstituten weiterhin Probleme bereiten, stellen sie nach Einschätzung vieler Experten nun aber keine akute Bedrohung für das gesamte Finanzsystem mehr dar.

Amerikanische Banken haben wegen der jüngsten Wirtschaftskrise nach Angaben der Fed bislang 80 Milliarden Dollar Verluste aus Engagements in Gewerbeimmobilien abgeschrieben. Die Durststrecke ist trotz zögerlicher konjunktureller Erholung noch nicht vorbei. Am Ende des Tages kalkuliert die Notenbank mit einem doppelt so hohen Fehlbetrag für die Banken. Mehrere Hundert Milliarden $ an gewerblichen Hypotheken wurden von den Banken an institutionelle und private Investoren weiterverkauft. Auch hier sind schon (und werden noch) bedeutende Verluste anfallen. Aber dennoch beginnt sich der Markt in bestimmten Teilsegmenten wieder zu stabilisieren.

Bürogebäude in den grossen Städten etwa erfreuen sich wieder reger Nachfrage und erzielen Höchstpreise fast wie zu Boomzeiten. In kleineren Städten und Vororten hingegen gibt es jedoch immer noch viele Objekte, deren Eigentümer nicht genug Einnahmen erwirtschaften, um ihre Hypothekenraten zahlen zu können. Insofern haben Immobilien in weniger guten Lagen oder ohne »Investment Grade«-Mieter weiterhin Mühe, sich von den tiefen Preisen zu erholen.

Verluste aus der Finanzierung von Gewerbeimmobilien spielten auch eine große Rolle bei der Pleite von mehr als 300 meist kleinen amerikanischen Banken seit 2008. Aber zumindest das Wachstum der Zahlungsrückstände lässt mittlerweile nach. Gestützt von der wirtschaftlichen Stabilisierung und den weiterhin niedrigen Zinsen, die die Finanzierung von vielversprechenden Projekten einfacher machen, scheint der Markt wieder Fuß zu fassen. Das jetzige wirtschaftlich Umfeld ist dabei ideal für Investoren mit Cash. Liquiditätsarme Investoren, Firmeninhaber und Immobilienbesitzer erleben indes auch weiterhin harte Zeiten.

Momentan ist so etwas wie eine zweigeteilte Wirtschaftsentwicklung zu beobachten: Das von der Federal Reserve zur Verfügung gestellte Geld findet seinen Weg nicht zum Mittelstand und Kleingewerbe. Viel Kapital fliesst neben ausgewählten Industrien in die Finanz- und Investmentgesellschaften. Solange diese nicht in andere Bereiche investieren oder ihre Belehnungskriterien lockern, finden sich viel Firmen weiterhin in einer akute Kreditklemme wieder. Beim Wettbewerb um das Kapital bevorzugen die Investoren ganz klar die Bewerber mit guten Kreditrating. Die 9.000 grössten Gesellschaften in den USA halten im Moment 9 Billionen Dollar in Cash oder kurzfristigen Geldanlagen. Davon liegen aber nur etwa 2 Billionen Dollar ausserhalb des Bereiches der Finanzdienstleistungen.

Die grossen US Banken verkünden stolz, dass sie im 1. Quartal 2011 Milliarden an Konsumenten und Firmen verliehen haben. Wie die folgende Graphik zeigt sind in der Realität die Ausleihungen der vier grössten US Banken aber um 7 % gegenüber dem Vorjahr gefallen und die Einlagen um 5 % angestiegen:

Die roten Balken zeigen die Ausleihungen und die blauen die Einlagen.

Der Rückgang der Ausleihungen hat zwei Gründe: a) die Banken schreiben faule Kredite ab und b) die Banken sind sehr zurückhaltend in der Vergabe von neuen Finanzierungen.

Die grossen US-Banken konnten ihre Gewinne erwartungsgemäß deutlich erhöhen. Einerseits, weil sie zu sehr günstigen Konditionen Geld vom Staat erhalten haben. Zum anderen, weil eine Menge an Konkurrenz ausgeschaltet wurde. Die 20 größten US-Banken halten momentan 61 Prozent aller Vermögenswerte, haben aber unterproportionale Ausleihungen im gewerblichen Immobilienmarkt. Die kleinen Banken sind weiterhin praktisch bewegungsunfähig. Als Folge können die grossen Banken recht zügig ihre faulen Kreditpositionen abbauen. Gleichzeitig sind sie aber auch in der Lage, angemessene Preise dafür zu erzielen.

Die kleineren Banken hingegen müssen oftmals ihre Immobilienpositionen schnell und zu tiefen Preisen abstossen. Eine grosse Anzahl von privaten und institutionellen Investorengruppen erzeugt parallel dazu eine hohe Nachfrage nach notleidenden Krediten oder Immobilien. Dies führt dazu, dass die Zeit der Schnäppchen vorbei ist. Gewiefte Investoren und Profis können aber immer wieder interessante Objekte zu sehr günstigen Konditionen erwerben. Die »voll-vermietete-Immobilien-in-Toplage-zum-Schnäppchenpreis« – der Traum eines jeden Investors also – gibt es allerdings nicht.

Institutionelle Investoren haben derzeit einen hohen Anlagebedarf. Dabei ist es für sie kein Problem, ausreichende Finanzierungen für ihre Akquisitionen von guten Immobilien in den grossen Städten (New York, Chicago, Boston, Washington, etc.) zu erhalten. Das Angebot erstklassiger Flächen ist dort deutlich geringer als noch vor ein paar Jahren. Dies führt mit der gestiegenen Nachfrage zu sehr hohen Preisen, die fast wieder das alte Höchstniveau erreicht haben.

Für alle anderen Immobilien ist die Risikobereitschaft nicht so groß. Erschwerend kommt hinzu, dass die Banken nur zögerlich Hypotheken für solche Objekte gewähren. Einerseits, weil sie das Risiko nicht eingehen wollen, zum anderen wegen der Bonität der Käufer. Somit klaffen die Renditen zwischen Top- Immobilien und jener »zweiter Wahl« sehr stark auseinander.

Meine Erwartungen sind, dass früher oder später:

• sich die Kreditmärkte entspannen;

• die Investoren auch andere als Top-Immobilien erwerben;

• die Renditeerwartungen der Investoren für solche Objekte sinken;

• als Konsequenz die Preise für Immobilien »zweiter Wahl« steigen werden.

In meinen beiden vorherigen Beiträgen habe ich die These vertreten, dass die Zinsen noch für einige Zeit tief blieben werden und wir in absehbarer Zeit mit einem Anstieg der Inflation zu rechnen haben. Als Schlussfolgerung halte ich es für durchaus sinnvoll, jetzt Immobilien zu günstigen Preise als Absicherung gegen Inflation zu erwerben.

Grüsse von »Helikopter Ben«

Die grundsätzlichen Gefahren der Weltwirtschaft sind meiner Ansicht nach auch im Jahr 3 nach der Finanzkrise nicht gebannt. Sie wurden – vereinfacht gesagt – nur schlicht vom privaten Sektor auf die öffentliche Hand übertragen.

Die oben stehende Graphik zeigt die Neuverschuldung der öffentlichen Hand (rot) und der Privatwirtschaft (blau) in Milliarden $ von 1979 bis 2010.

Immerhin: Die Investoren haben zur Kenntnis genommen, dass übermäßiges »Leverage« zu Blasen in bestimmten Vermögensklassen führt. Natürlich freut sich jeder, wenn durch Einsatz von Fremdkapital die Eigenkapitalrendite einer Investition gesteigert werden kann. Das geht jedoch nur so lange gut, wie der Anleger Fremdkapital zu günstigeren Konditionen aufnehmen kann als die Investition an Rentabilität erzielt. Bei ansteigender Verschuldung können aber auch geringe Variationen der Fremdkapitalzinsen zum finanziellen Super-GAU führen. Vor diesem Hintergrund müsste derzeit eigentlich ein massives »Deleveraging« stattfinden. Es wird Sie aber wenig überraschen, dass es dieses nicht tut.

Blick zurück: Der damalige Notenbankchef Alan Greenspan hatte nach dem Platzen des Dot.com-Booms die Zinsen auf ein historisch niedriges Niveau gesenkt und somit der Immobilienblase Vorschub geleistet. Anschließend übergab er die Zügel an »Helikopter Ben« und verließ die Bühne. Gemeint ist natürlich der derzeitige Fed-Chef Ben Bernanke, der gesagt hat, dass die US Regierung eine Technologie hat mit Namen Notenpresse, die es ihr erlaubt so viele US Dollar wie gewünscht zu drucken und das ohne zusätzliche Kosten. Milton Friedman hat seinerzeit das Bild des Helikopters von dem Geld in die Wirtschaft geworfen wird, geprägt. Dies zum Hintergrund wieso Bernake in Finanzkreisen seinen markanten Spitznamen erhielt.

Im Jahre 2008 standen wir dann vor einer Liquiditätskrise, nun erleben wir eine Krise der Bonität von Staaten und öffentlichen Körperschaften. Sowohl die USA als auch die Europäische Union sehen sich einer masslosen Überschuldung ausgesetzt.

Was wird passieren? Die USA und andere Staaten werden die Leitzinsen tief halten: Einerseits, um ihre Haushalte nicht noch mehr zu belasten. Zum anderen, um die zaghaft anziehende Wirtschaft nicht abzuwürgen. Ich sehe die gerade erfolgte Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank nicht als Beginn massiver Zinserhöhungen. Da die Sparquote in den USA nicht ausreicht, um das Haushaltsdefizit zu finanzieren (im Gegenteil etwa zu Deutschland), sind die USA darauf angewiesen, dass ausländische Investoren US-Rentenpapiere erwerben. Die grössten Gläubiger sind China, Japan, die Ölstaaten des Mittleren Ostens, Brasilien, Korea, Russland. Allein China hält über 2 Billionen Dollar an US-Werten, davon fast 1 Billion Dollar in US-Staatspapiere.

Mit der Schaffung der ESM wird aus der europäischen Währungsunion eine Transferunion. Die Deutschen haften solidarisch für die fiskalischen Fehler der anderen EU Länder. Auch die Deutschen sehen sich über die nächsten Jahrzehnte mit steigender Staatsverschuldung und Rekordhaushaltsdefiziten konfrontiert und das bei abnehmender Bevölkerung, die zudem immer älter wird. Die USA können wenigstens Bevölkerungswachstum verzeichnen. Die US sind in den letzten 10 Jahren um 30 Millionen Einwohner gewachsen.

Die USA sind weiterhin die Wirtschaftsmacht Nummer 1. Um das einmal etwas ins Verhältnis zu setzten. Die nachstehende Graphik zeigt das Bruttosozialprodukt der US Bundesstaaten im Vergleich zu anderen Ländern. Texas hat  die gleiche Wirtschaftsleistung wie Russland, Kalifornien wie Italien und Florida wie die Niederlande.

Ich rechne damit, dass ab 2012 oder spätestens 2013 das Inflationsrisiko in den USA erheblich zunehmen wird. Die Fed hat die Geldmengen-Zügel zur Überwindung der Finanzkrise bewusst gelockert. In den USA liegt der Anteil der Überschussreserven an der Zentralbankgeldmenge inzwischen bei über fünfzig Prozent. Theoretisch könnte das US-Bankensystem die Geldmenge damit auf mehr als das Doppelte ausweiten. Die US-Geldbasis ist innerhalb der letzten paar Jahre förmlich explodiert und das ganze Geld beginnt jetzt bis zum Verbraucher durchzusickern.

Die Rohstoffpreise schießen buchstäblich durch die Decke und es ist unvermeidlich, dass sich diese Preisanstiege schon bald bei den Waren in den Geschäften niederschlagen werden. Der US-Dollar ist bereits beträchtlich abgesackt. Und Helikopter Ben lässt fleissig weiter die Druckmaschinen laufen. Meiner Ansicht nach stellt sich nicht die Frage, ob die Inflation kommt. Sondern einzig und allein, wann es soweit ist.

Ich denke, dass sowohl US Dollar wie auch Euro gegenüber anderen Währungen (kanadischer Dollar, Brasilianischer Real, Australischer Dollar) sinken werden. Beide Wirtschaftsräume verlieren langsam gegenüber Indien, China und Brasilien an Bedeutung.  Investitionen im Fernen Osten versprechen vielleicht eine höhere Rendite, aber die kulturellen Unterschiede, die rechtlichen und politischen Unsicherheiten  sind nicht zu unterschätzen. Meine Schlussfolgerung und Empfehlung ist:  US Gewerbeimmobilien bieten als Sachwerte einen guten Inflationsschutz.

Alles nur »Peanuts«?

Hilmar Kopper, ehemals Vorstandssprecher der Deutschen Bank, prägte 1994 das Unwort von den »Peanuts« – und meinte damit damals die Summe von 50 Millionen DM. In Zeiten, da sich Republikaner und Demokraten in Washington rhetorische Schlachten über Budgetkürzungen liefern, scheinen sich die Dimensionen verschoben zu haben: Mit »Peanuts« sind hier und heute allenfalls Milliarden gemeint.

Während der jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrise wurden private Schulden auf die öffentliche Hand übertragen. In den USA nähert sich die bundesstaatliche Verschuldung inzwischen mit 14,3 Billionen Dollar der gesetzlich festgelegten Höchstgrenze. Eine Erhöhung des mittleren Zinsniveaus um nur ein Prozent würde zu einer zusätzlichen jährlichen Zinslast von 142 Milliarden Dollar führen. Eine Rückkehr zu einem Niveau von 5 Prozent würde den US-Haushalt jährlich um zusätzlich 700 Milliarden Dollar belasten – eine atemberaubende Zahl.


Wie die obige Grafik zeigt ist die Verschuldung der USA im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt nicht weit von derjenigen Griechenlands entfernt. Dennoch: Bei den Streitereien in Washington geht es meiner Ansicht nach wohl leider tatsächlich nur um »Peanuts« im Vergleich zu den derzeit wirklich anstehenden Problemen. Einerseits werden die fundamentalen Probleme der Gesundheitsvorsorge, Medicaid und Medicare, gar nicht angefasst. Hier besteht eine längerfristig eine Finanzierungslücke von 100 bis 200 Billionen Dollar, für deren Deckung die Steuern um 75 Prozent erhöht werden müssten. Zum anderen werden die Ausgaben für Infrastruktur, Bildung, Wissenschaft, Schulen, Feuerwehr und Forschung rasant gekürzt – also genau das Gegenteil, was ein langfristiges Wachstum fördern würde. Eine Gesellschaft wächst und floriert, wenn sie grosse, langfristige Investitionen tätigt. Die zeigen die Beispiele Chinas und Deutschlands. Die Politiker in Washington lassen aber den Konsumanteil (Renten, Gesundheitswesen, Wohlfahrt) des Staatsbudgets unangetastet. Schliesslich möchten sie ja wiedergewählt werden. Als Folge wird der Konsum gefördert und die Investitionen vernachlässigt.
Obwohl wir gerade die grösste Finanzkrise seit der grossen Depression durchleben mussten, scheinen die Politiker hierzulande noch immer nicht aufgewacht zu sein. Die Gründe für die Krise waren a.) zu günstiges Geld b.) zu hohe Ausgaben c.) zu hohe Kreditaufnahmen und d.) zu geringe Investitionen. Keines dieser Probleme wurde bis dato gelöst oder auch nur ernsthaft angefasst. Erste Hilfe wurde geleistet, damit das System nicht zusammenbricht. Verbindlichkeiten und Verluste wurden von der Wirtschaft auf die öffentliche Hand übertragen. Wenn nicht bald die fundamentalen Probleme in Angriff genommen werden, dürften die USA durch eine längere Phase der Stagnation und anhaltender Arbeitslosigkeit gehen. Ich habe große Bedenken, dass es einer erneuten Krise bedarf, ehe die hiesigen Politiker (und auch die Gesellschaft als solche) fundamental umdenken.

Die Vereinigten Staaten sind ein sehr reiches Land und werden sicher nicht untergehen. Allein seit dem Jahr 2000 hat sich die Bevölkerung um 9,7 Prozent auf 308 Millionen erhöht. Die Wirtschaft hat immer noch eine sehr hohe Dynamik und Flexibilität. Längerfristig werden die USA aber nicht mehr die »erste Geige« der Weltwirtschaft spielen, sondern sich mit Europa, China auf Augenhöhe befinden. Amerikanische Firmen werden auch weiterhin sehr profitabel sein, viele Amerikaner werden viel Geld verdienen. Aber die große Masse der Menschen hier wird bedeutende Abstriche in Kauf nehmen müssen. Sie sind die eigentlichen Verlierer der Globalisierung.

Angst vorm »Double Dip«

Sind wir in Amerika in puncto Immobilienkrise über den Berg? Auch wenn ich Ihnen hier gerne erfreulichere Nachrichten überbringen würde: Ich glaube nicht daran.

Vergessen Sie allerdings nicht: Meine Einschätzung bezieht sich allgemein auf den US-Markt. In einzelnen Gegenden haben sich die Preise bereits stabilisiert oder sind sogar schon wieder gestiegen.

Meiner Beobachtung nach sinken seit Ende letzten Jahres die Immobilienpreise für Wohnungen und Häuser in den USA erneut. Damit erleben wir, was Amerikaner als sogenannten »Double Dip« bezeichnen. Gut für potentielle Käufer? Auf den ersten Blick schon: Mittlerweile müsste ein amerikanischer Durchschnittsverdiener nur noch 13 Prozent seines jährlichen Einkommens für Hauskosten aufwenden. Das liegt weit unter dem Wert der vergangenen Jahre. Theoretisch wären Immobilien damit um 21 Prozent unterbewertet.

Aber: Die Banken verlangen bei der Vergabe von Hypotheken heute deutlich höhere Anzahlungen. Der durchschnittliche Hauspreis beträgt momentan in den USA 222.600 Dollar. Bei einer Sparquote von derzeit 5,8 Prozent bräuchte ein amerikanischer Durchschnittshaushalt (Einkommen: 49.777 Dollar) derzeit 15 Jahre, um die nötige Anzahlung anzusparen. Bei Alleinstehenden sieht diese Zahl noch trostloser aus: Ein »Single« muss rechnerisch heute 29 Jahre warten (und sparen), eher er sich die Anzahlung für sein Häuschen erlauben kann. Hinzu kommt, dass die niedrigen Hypothekenzinsen mittelfristig wieder ansteigen und somit die Kosten weiter erhöhen dürften.

Zwei Drittel der seit dem letzten Sommer verkauften US-Immobilien wurden denn auch an Käufer oder Investoren verkauft, die bar bezahlten. Nur 6 Prozent der Objekte hingegen gingen an Personen, die zum ersten Mal ein Haus erwarben. In den Jahren 2005 bis 2008 waren dieses noch 35 bis 39 Prozent gewesen, im Jahre 2009 hatte der Prozentsatz der Erstkäufer dank erheblichen Steueranreizen sogar noch 41 Prozent betragen.

Schlussfolgerung: Der Nachfrage nach Wohnimmobilien ist auf absehbarer Zeit schwächer sein. Und bis sämtliche derzeit noch auf dem Markt befindlichen Zwangsversteigerungen abgebaut sind, die Arbeitslosenquote sicher verringert hat und das Lohnniveau gestiegen ist, muss man wohl von einem weiteren Abrutschen der Immobilienpreise ausgehen.

Mietimmobilien: »Economy of Scale«

In den Vereinigten Staaten steigt der Bedarf an Mietwohnungen und Miethäusern. Die Gründe liegen auf der Hand: Zum einen verfahren die Banken bei der Vergabe von Hypotheken wesentlich restriktiver als noch in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Deshalb haben weniger Menschen die finanziellen Möglichkeiten, sich den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen und »müssen« mieten. Zum anderen spricht die demographische Entwicklung für eine höhere Nachfrage nach Mietimmobilien: Die Zahl der 20 bis 24-Jährigen wird in den USA bis 2013 um 1,2 Prozent pro Jahr anwachsen, was deutlich über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegt. Ähnlich zeigt sich die Situation bei den 25 bis 34-Jährigen: Deren Zahl wird bis 2015 um 1,4 Prozent pro Jahr steigen, nachdem sie von 1992 bis 2002 um 0,8 Prozent gesunken war. Und sogar ein »Italien-Effekt« war hier in den vergangenen Jahren zu beobachten: Mehr als 1,2 Millionen junge Erwachsene sind zwischen 2005 bis 2010 wieder zu ihren Eltern zurückgezogen.

Doch natürlich wollen die meisten dieser »Twens« nicht dauerhaft in der »Pension Mama« wohnen bleiben. Dieses bedeutet aber, dass sich im Laufe der Zeit ein aufgestauter Bedarf an Miethäusern und Mietwohnungen gebildet hat. Die Folgen sind bereits zu spüren: Die Leerstandsquote bei Mietwohnungen ist in den USA von 8 Prozent im 4. Quartal 2009 auf 6,6 Prozent im 4. Quartal 2010 gesunken.

Angesichts dieser Situation werde ich immer wieder gefragt ob es sich nicht lohnt, ein paar Wohnungen oder Häuser als Renditeobjekte zu kaufen? Meiner Überzeugung nach ergibt dieses aber nur Sinn, wenn man sich a.) selbst um Renovierung, Vermietung und Verwaltung kümmern kann und/oder b.) mindestens 20 Häuser oder eine Wohnanlage mit mindestens 50 Wohnungen erwirbt. Erst ab diesen Größenordnungen rechnet es sich nämlich, ein eigenes Vermietungs- und Verwaltungsbüro sowie einen Hausmeisterservice zu betreiben.

Die Gründe sind schlicht wirtschaftlicher Natur: Amerikanische Mieter ziehen im Schnitt alle drei Jahre um. Normalerweise beträgt die Vermietungscourtage eine Monatsmiete, für die Verwaltung fallen dann nochmals 4 bis 6 Prozent an. Bei Eigentumswohnungen kommen zudem meist hohe Abgaben an die Eigentümergemeinschaft hinzu. Berücksichtigt man dann noch Kosten für die Renovierung und den Unterhalt, sind die Renditen kaum noch attraktiv. Und: Besitzt man nur ein- oder zwei Objekte, kann ein Leerstand, sei er auch nur vorübergehend, die ganze Kalkulation durcheinander bringen.

Fazit: Die Nachfrage an Wohnimmobilien wird in den USA in den nächsten Jahren deutlich steigen. Doch auch hier gilt für Investoren das Gesetz der »Economy of scale«: Angesichts erheblicher Nebenkosten lohnt sich der Einstieg in dieses Geschäft erst ab einer gewissen Größe.

Durchaus lukrative Chancen

Natürlich wird auch der Markt für gewerbliche Immobilien in den USA momentan stark beeinflusst durch die hohe Zahl notleidender Hypotheken, die schwache Wirtschaft, die tiefen Zinssätze und die fehlende Risikobereitschaft der Investoren. In Folge hat sich eine Aufteilung des Marktes in zwei verschiedene Welten ergeben: Gute Objekte mit solventen Mietern in Top-Lagen kosten heute mehr als vor dem Ausbruch der Krise. Alles andere ist schwer und nur mit grossen Preisabschlägen verkäuflich. Der Trend nach Sicherheit erinnert mich an die grossen Preisdifferenzen bei den Rentenpapieren. Kann sich die BRD für knapp 2 % leihen, so muss ein Land wie Irland mehr als 6.5 % berappen.

Die Anzahl der normalen Immobilientransaktionen ist auf einen Bruchteil dessen geschrumpft, was in den Jahren bis 2007 umgesetzt wurde. Käufer und Verkäufer sind in ihren Vorstellungen weit auseinander. Und die Banken haben keine klare Strategie, wie sie mit notleidenden Finanzierungen umgehen sollen. Sie versuchen:
• mit den Schuldnern Lösungen zu erarbeiten;
• die Hypotheken zu verkaufen;
• die Augen vor Wirklichkeit zu verschließen (nach dem Motto: »extend and pretend«, verlängern und vorgeben, alles sei in Ordnung).

Die Ungewissheit über bevorstehende Änderungen in der Steuergesetzgebung und die Angst vor einer erneuten Rezession haben zu einer grossen Verunsicherung aller Marktteilnehmer geführt. Selbst unter Profis und Experten reicht die Einschätzung von »total deprimiert« bis hin zu »durchaus optimistisch«. Extreme Preisgestaltungen kommen daher immer wieder vor.
Nachstehend die Renditen, zu denen Objekte verkauft werden:

MacDonalds bei 5.75 % = 17.4 fache Jahresmiete
Bankgebäude bei 6.5 % = 15.4 fache Jahresmiete
Shopping Center mit Publix als Hauptmieter bei 6 % = 16.6 fache Jahresmiete
Walgreens und CVS Märkte 6.5 % bis 7.3 % = 13.7 bis 15.4 fache Jahresmiete
Sam’s Club, FEDEX bei 7 % bis 8 % = 12.5 bis 14.3 fache Jahresmiete
Erbbauverträge bei 5.5 % bis 6.75 % = 14.8 bis 18.2 fache Jahresmiete
Strip Shopping Center ohne Hauptmieter bei 9 % bis 11 % = 9 bis 11.1 fache Jahresmiete
Bürogebäude ohne Hauptmieter bei 8.5 % bis 11 % = 9 bis 11.7 fache Jahresmiete

Liegen die Leerstände bei über 30 Prozent, kann man oft die Hypothek von den Banken zu 50 Prozent des Nominalwertes kaufen. Die meisten Anleger fürchten sich davor, dass bei zweitklassigen Objekten die Preise weiter sinken, die Leerstände sich erhöhen und/oder die Mieten sinken. Notleidende Objekte drücken in diesem Segment zu stark auf das Preis- und Mietniveau. Nach meiner Ansicht sind bei einzelnen Objekten die Preise zu stark gesunken, da wie oft in solchen Situationen vom Markt erst mal hektisch und nicht differenziert genug reagiert wird. Es ergeben sich für risikofreudigere Anleger recht gute Investitionsmöglichkeiten.

Die Zinsen bei Rentenpapieren, Geldmarktkonten und anderen sicheren Anlagevehikeln liegen derzeit zwischen null und 3 Prozent. Eine grosse Anzahl Anleger sucht höher rentierende, aber sichere Investitionen. Dies hat die Preise von Top-Objekten in die Höhe und die entsprechenden Renditen nach unten getrieben. Die Nachfrage nach solchen Objekten, sei es auf der institutionellen oder privaten Ebene, übersteigt das Angebot bei weitem. Jeder möchte das Top-Objekt an der Hauptstrasse mit dem erstklassigen Mieter und dem 20-jährigen Mietvertrag erwerben (Bemerkenswert: selbst für solche Objekte sind momentan kaum Finanzierungen von mehr als 50 Prozent erhältlich). Vor kurzem wurde ein neues Bürogebäude in Chicago bei 5.5 % Rendite für $ 550 Millionen verkauft bei Aufnahme einer Hypothek von $ 350 Millionen. Ein vergleichbares, älteres Gebäude mit einem Leerstand von 30 % wechselte bei 7.5 % Rendite den Eigentümer.

Ich bin der Meinung, dass das Zinsniveau in den USA noch für längere Zeit tief bleiben wird. Somit wird die Nachfrage nach Top-Objekten anhalten und deren Preise stabil bleiben oder sich sogar noch erhöhen. In Anbetracht der enormen Geldmengen, die nach interessanten Anlage suchen, könnte es dazu kommen, dass die Nachfrage nach Objekten auch ausserhalb der Top-Klasse ansteigt, insbesondere solche im Wert von 25 Millionen Dollar und mehr. Insbesondere institutionelle Anleger scheinen hier vermehrt Interesse zu zeigen.
Die ganz grosse Welle der Zwangsversteigerungen gewerblicher Objekte ist bis dato noch ausgeblieben. Dennoch fällt bereits jetzt ein markanter Anteil aller Transaktionen auf Zwangsverkäufe oder Versteigerungen, so genannte »Distressed Sales«. In Zahlen ausgedrückt: 35 Prozent bei Hotels, 28 Prozent bei Mehrfamilienhäusern, 22 Prozent bei Büros und 20 Prozent bei industriellen Objekten. Dieser Trend wird noch mindestens zwölf Monate anhalten.

Praktisch unverkäuflich sind momentan angefangene Entwicklungsprojekte oder Land. Solange bestehende Objekte unter Wiederherstellungskosten verkauft werden, hat Land praktisch keinen Wert. Hier werden derzeit in grossem Umfang Portfolios und/oder Hypotheken von den Banken an Investmentgruppen, Hedgefunds und andere opportunistische Investoren zum einem Bruchteil der ursprünglichen Kosten verkauft.

Bei Appartementkomplexen ist eine Stabilisierung und leichte Preiserholung festzustellen. Die Nachfrage nach Mietwohnungen steigt in einigen Gebieten an, da sich viele Amerikaner den Kauf eines eigenen Objektes nicht mehr leisten können oder aber die weitere Entwicklung abwarten wollen.

Die Mieten für Büros scheinen sich in einigen Märkten zu stabilisieren. Die Erholung wird aber sehr langsam sein. Viele Firmen geben Büroflächen auf und reduzieren die m2 pro Mitarbeiter. Die Leerstandsquote liegt gesamthaft in den USA immer noch bei 17.5 %, dem höchsten Niveau seit 1993.

Auch bei den grossen Shopping Malls zeichnet sich eine langsame Beruhigung ab. Die Leerstandsquote liegt hier bei 10.9 %. Die Mieten sind vom 2. Quartal 2010 zum 3. Quartal 2010 nur um 0.2 % gesunken.

Mein Fazit: Der Markt für Top-Objekte zeigt sich auch weiterhin sehr stark. Für eine Erholung des Marktes aller anderen gewerblichen Objekte muss die Wirtschaft erst wieder in Schwung kommen, Klarheit über die politische Entwicklung/Steuergesetzgebung herrschen und das Vertrauen der Investoren in den Markt zurückkommen. Für clevere Investoren bieten sich aber trotz allem gute Möglichkeiten, interessante Objekte zu günstigen Konditionen zu erwerben. Grosses Potential sehe ich für risikobereite Anleger, die über Cash verfügen und bereit sind, auch Immobilien mit (momentan) hohem Leerstand zu erwerben.



»Die Preise für gewerbliche Objekte, Büroimmobilien und Einzelhandelsobjekte kannten in den vergangenen zwei Jahren vor allem eine Richtung: nach unten.«

Pacta sunt servanda?

Vor einiger Zeit hielt der Rechtsanwalt Felix Mehler von der Kanzlei Cohen & Grigsby, Bonita Springs vor der »German American Business Chamber« einen interessanten Vortrag über die Unterschiede in den Rechtssystemen der Vereinigten Staaten und Deutschlands. Felix Mehler hat sowohl in Deutschland wie auch den USA die volle Ausbildung zum Anwalt abgeschlossen. Eine seiner zentralen Thesen: Amerikaner gehen mit einer ganz anderen Einstellung an den Abschluss eines Vertrages als wir Kontinentaleuropäer. Konkret: Man schliesst hierzulande zwar einen Vertrag ab, es ist aber durchaus vorstellbar, diesen später ohne viel Federlesens auch wieder zu brechen.

So gilt es in der amerikanischen Rechtsprechung und –auffassung als absolut akzeptabel, einen Vertrag zu brechen, solange man dem Vertragspartner einen allfälligen Schaden ersetzt. Das kontinentaleuropäische Recht hingegen geht davon aus, dass jeder Vertragspartner seiner Verpflichtung nachkommt und diese auch eingeklagt werden kann: Wenn ich etwas verkaufe, dann muss ich es auch liefern – und umgekehrt muss der Käufer auch bezahlen.

Vor diesem Hintergrund gehen amerikanische Vertragspartner natürlich mit einer ganz anderen Einstellung an den Abschluss eines »contracts«. Ändern sich die Umstände, wird man viel eher seine vertragliche Verpflichtung ignorieren als dies ein Kontinentaleuropäer je tun würden (wo die Geschäfte ja oft noch per Handschlag besiegelt werden). Bricht ein Amerikaner einen Vertrag, so weiss er ohnehin, dass sein Vertragspartner vor zwei großen Hürden steht: Zum einen muss er den Schaden und dessen Höhe beweisen. Zum anderen muss er in einem oftmals teuren und aufwendigen Gerichtsverfahren seine Forderung einklagen. Sofern es nicht ausdrücklich vereinbart wurde, kommt noch ein drittes Problem hinzu: Selbst wenn der geschädigte Vertragspartner vor Gericht gewinnt, muss ihm der Verlierer oft nicht die Anwaltskosten ersetzen. Somit ist es manchmal aus rein wirtschaftlichen Überlegungen sinnvoller, auf Schadenersatz zu verzichten und zähneknirschend den Vertragsbruch zu akzeptieren.

Der Umgang mit dem Thema »Vertragstreue« lässt tief blicken: Hier werden klare Unterschiede in der Mentalität von Amerikanern, Europäern und vor allem Asiaten deutlich. Sind asiatische Gesellschaften eher gruppenorientiert, zeigen sich Amerikaner ganz klar auf sich selbst bezogen, das heisst individualistisch und eigeninteressiert. Wir Mitteleuropäer liegen meiner Einschätzung nach in unserem Verhalten und Verständnis der Gesellschaft irgendwo in der Mitte.

Der »Egoismus« der Amerikaner hat natürlich historische Wurzeln: Die Freiheit des Einzelnen ist ein zentrales Element ihrer Kolonialgeschichte. Die ersten europäischen Auswanderer strebten im 16. und 17. Jahrhundert in Nordamerika nach (Religions-) Freiheit und Reichtum und hatten Europa in der Hoffnung verlassen, in Amerika ein neues, besseres Leben führen zu können. Aufgrund der Nichtexistenz von staatlichen Institutionen oder gesicherten Rahmenbedingungen waren die Siedler und Pioniere gezwungen, sich im alltäglichen Leben auf sich selbst, ihre individuellen Fähigkeiten und ihre eigene moralische Verantwortung zu verlassen. Unter solchen Lebensumständen mussten zu treffende Entscheidungen vor allem zeitnah und pragmatisch sein. Der Nutzen stand im Vordergrund. Und war dieser Nutzen positiv, dann war die Entscheidung richtig – gegebenenfalls bis zu der Auffassung, dass der Zweck die Mittel heiligt.

Diese Geisteshaltung hat sich auch auf die Geschäftskultur übertragen. Charakteristisch für den US-amerikanischen Wirtschaftsstil ist zum einen die dominante Rolle und Selbstverantwortung des Individuums und zum anderen – zumindest in der Theorie – die minimale Einflussnahme des Staates auf die Wirtschaft, die allein durch den Markt selbst reguliert werden soll. Die Aufgabe des Staates ist primär, den Rahmen für freien Wettbewerb zu stellen und zu erhalten.

In einer individualistisch ausgeprägten Gesellschaft steht der Einzelne im Vordergrund: Es ist wichtig »seinen Weg zu gehen«, »gegen den Strom zu schwimmen«. Nicht umsonst proklamierte der Amerikaner Frank Sinatra »I did it my way!«. Die Chinesen kontern mit dem Sprichwort »Der Nagel, der herausragt, wird in das Brett gehämmert« – denn in dieser kollektivistisch ausgeprägten Gesellschaft steht die Gruppe als Gesamtheit im Vordergrund und ist wichtiger als die Selbstverwirklichung der einzelnen Gruppenmitglieder. Ein konkretes Beispiel für diesen fundamentalen Gegensatz ist das Versagen von gewissen Bonusprogrammen in asiatischen Ländern. Amerikanische Unternehmen fanden schnell heraus, dass sich dort die Produktivität von Gruppen verringerte, wenn man ein individuell ausgerichtetes Bonusprogramm einsetzte. Die Mitarbeiter orientierten sich an dem schwächsten Glied ihrer Gruppe und versuchten, dieses nicht zu übertreffen. Erst als man das Bonusprogramm so umstellte, dass es die gesamte Gruppe belohnte, wurde die Produktivität gesteigert. In individualistisch geprägten Gesellschaften funktionierte diese Art von Bonusprogrammen allerdings nicht, dort senkten Gruppenprogramme die Produktivität.

Im amerikanischen Denken ist die Auffassung verwurzelt, dass individuelles Denken und persönlicher Instinkt jedem gruppenorientierten Entscheidungsprozess überlegen ist. Mehr noch: Die freie Entfaltung des Einzelnen wird durch die Unterordnung seiner Interessen innerhalb einer Gruppe eher behindert. Amerikaner stellen ihre persönlichen Ziele in der Regel vor alles andere. Dies beinhaltet die Interessen der Firma, der Freunde, der Familie und eventuell sogar des Ehepartners. Als Folge dieses Denkmusters sind Amerikaner gegenüber ihrer Firma (wie auch die Firma gegenüber ihren Mitarbeitern) nur in jenem Grad gegenüber loyal, sofern dies ihren eigenen Interessen nützt. Man verhält sich auf beiden Seiten absolut pragmatisch: Die Loyalität hält nur bis zum Vorliegen eines besseren Angebotes. Gehandelt wird schnell, ohne grosse Vorwarnung. Amerikaner sind nicht bekannt dafür, sehr geduldig zu sein.

All das sollte man wissen, wenn man »im Land der unbegrenzten Möglichkeiten« Geschäfte betreiben will. Amerikaner können sich schnell für alles begeistern, was nach »Opportunity« aussieht. Darum bekommt man als Verhandlungspartner schon früh ungewohnt viel Aufmerksamkeit. Aber genauso schnell, wie man diese erlangt, verliert man sie auch wieder, wenn sich die Resultate nicht als so nützlich herausstellen wie erhofft.

Und das alte »Pacta sunt servanda«, mit dem uns die Römer das Prinzip der Vertragstreue im öffentlichen und privaten Recht auf eine kurze Formel gebracht haben? Im deutschen Zivilrecht, auch das lerne ich von Rechtsanwalt Felix Mehler, besagt der Grundsatz, dass derjenige, der Verträge bricht, rechtswidrig handelt. Und in Amerika? Im vergangenen Jahr las ich im Wall Street Journal einen interessanten Artikel über die Auseinandersetzung zwischen der Deutschen Bank und dem Immobilienmilliardär Donald Trump. Bei dem Streit drehte es sich um den Trump International Hotel & Tower in Chicago – ein 415 Meter hoher Wolkenkratzer am Chicago River. Trump war damals offenbar mit der Rückzahlung eines millionenschweren Kredits in Verzug – und hatte kurzerhand die Deutsche Bank und andere Institute vor einem New Yorker Gericht auf eine Verlängerung der Kreditlaufzeit verklagt. Die Anwälte Trumps argumentierten, der plötzliche Einbruch der weltweiten Finanzmärkte sei ein so außergewöhnliches Ereignis höherer Gewalt, dass ihr Mandant einen Anspruch auf Anpassung des Kreditvertrages habe.

Verträge sind einzuhalten? Wohl eher: »Was schert mich mein Geschwätz von gestern?« Ganz nebenbei warf Trump seinen Kreditgebern damals vor, seine Rückzahlungsbemühungen unterwandert zu haben – und forderte deswegen drei Milliarden Dollar Schadensersatz. Welcome to America!