Für das Leben lernen wir ;-)

In die Kurzkontrolle zum Thema Nomen (Substantive) baute ich die Frage ein, warum das Thema wichtig sei, warum man also wissen sollte, was ein Nomen ist. Ich dachte mir, da holt sich jeder leicht einen Punkt, der zur besseren Zensur verhelfen kann. Nicolas aus meiner 4. schrieb: „Damit wir im Leben klarkommen und groß schreiben.“ Ja, aber was? Und im Leben klarkommen? Ich schrieb darunter: „Nicolas, du bist niedlich.“ 😀

(Namen geändert)

Wieder getan

Seit einiger Zeit erstelle ich mit künstlicher Intelligenz Lieder und Bilder und Videos und veröffentliche sie bei YouTube. Bei meiner 4. Klasse kommt das bislang meist ganz gut an. Zeitweilig hatte ich täglich etwas Neues. Dann kam ich morgens in die Klasse und sagte schmunzelnd zu den Kindern: „Kinder, ich hab’s wieder getan!“ Sie verstehen es mittlerweile und wollen es unbedingt sehen und mir ist wichtig und interessant, wie sie es finden. Inzwischen ist es zu einem „geflügelten Wort“ geworden. Oft, wenn ich morgens in die Klasse komme, fragen sie: „Haben Sie’s wieder getan?“ Und wenn ja, dann schauen wir es uns bei nächster Gelegenheit an. 🙂

Erste-Klasse-Logik

Ich traf den „kleinen Butscher“ im Treppenhaus der Schule und weil er Paul aus der 5. so ähnlich sah, fragte ich ihn: „Bist du der Bruder von Paul?“ – „Nein!“ , antwortete er und ging weiter. Doch dann ergänzte er: „Ich bin die erste!“ Was er wohl meinte? Ich tippte auf „in der 1. Klasse“. Aber warum kann er dann nicht Pauls Bruder sein? Das verstand ich nicht. 🙂

(Namen geändert)

Böses Faul

Klassen, die ich meist in der 4. übernehme, haben bis dahin oft nur in Arbeitsbüchern und auf Arbeitsblättern gearbeitet. In normalen Schreibheften finden sich die Kinder daher nicht zurecht. Ich muss ihnen alles beibringen und lange Zeit sieht es entsprechend chaotisch aus. Sie fangen in der Mitte an, lassen nach einem Eintrag zwei Seiten frei, schreiben dann etwas auf die Seite davor, lassen keinen Rand oder machen zum Rand nochmal einen Rand, ziehen Tabellenlinien freihändig, also ziemlich krakelig. Wenn eine Seite voll ist, melden sie sich und fragen, was sie nun tun sollen?! Da ist kein Platz mehr! Umblättern und weiterschreiben, sage ich. Oh! Na sowas… Wer hätte das gedacht?! Unter die Hausaufgabe von Niels schrieb ich aus einem dieser Gründe: „Das sieht liederlich aus!“ Niels und seine Mutter mit Migrationshintergrund waren empört. Wie konnte ich so etwas schreiben? Ging das nicht zu weit? Erst als der Vater spät am Abend heimkam, konnte er das Missverständnis aufklären. Niels und seine Mutter kannten das Wort „liederlich“ nicht und ich hatte es wohl nicht in feinster Schulausgangsschrift geschrieben. So hatten sie gelesen: „Das sieht widerlich aus!“ Oje, böses Foul!

(Namen geändert)

Der Schuldige

Ich mache immer so meine Scherze mit den Kindern. So macht mir der Lehrerberuf Spaß. Und die Kinder finden das auch gut. Wenn etwas schiefgeht, suche ich manchmal nach einem Schuldigen und sagte, z.B. Alfons sei schuld. Die Klasse versteht schnell, dass das Spaß ist und geht voll mit. Alle rufen z.B.:“ Eh, sage mal, Alfons, was soll das?“ (usw.) In meiner neuen 4-ten hatte ich zuerst Ludwig zum Schuldigen erklärt, war aber unsicher, wie der das aufnimmt. Ich wechselte dann zu Rico. Der wollte das gerne. Dann wechselten wir zu Manfred. Der wollte das auch. Dann sagte ich mal wieder aus Versehen Ludwig und korrigierte mich schnell, dass ja Manfred der Schuldige sei, wenn etwas passiert ist. Ludwig gefiel das gar nicht. Er protestierte: „Ich will auch mal wieder der Schuldige sein!“ 🙂 (Ok, den Wunsch habe ich ihm inzwischen erfüllt.)

(Namen geändert)

Das Rad

In der 4-ten haben die Kinder in Berlin im Sachunterricht Verkehrserziehung. Wir sollen ihnen wichtige Regeln im Straßenverkehr beibringen. Mit der Erfindung des Rades fingen wir an. Das geschah ca. 3500 Jahre vor Christi Geburt. Es gab einen Merksatz dazu und einen unangekündigten Test. Adam schrieb über die Erfindung des Rades: „Das Rad wurde in einer Garage erfunden vor etwa 200 Millionen Jahren.“ Ich schrieb darunter: „Von den Dinosauriern?“ 😀

(Namen geändert)

Muffins

Ich muss Muffins backen. Zum Glück kann ich das inzwischen. Mit Backmischung und eigenen Ideen. Ich habe sie versprochen, damit Kinder meiner 4-ten mich heute aus dem Raum ließen. Sie hatten gestern schon diesen Spaß gemacht. Mehrere stellten sich in die Tür und versperrten sie, damit ich bleibe und nicht gehe. Alles nette Reden war zwecklos, auch das eindringliche half nicht. Erst als die Kollegin kam, die Mathe unterrichtet, ließen sie von mir ab. Heute fingen sie wieder an. Eine Hand voll. Ich dachte, was mache ich denn nun? Ich wollte nicht grob werden und auch nicht böse, es war ja ein Spaß für sie und irgendwie auch ein Zeichen von Sympathie. So fragte ich, was ich denn tun könne, damit sie mich durchlassen. Dann schlug ich selber vor, ich backe Muffins für die ganze Klasse. Darauf ließen sie sich ein. Und ich mache das auch. Aber dann müssen wir miteinander reden. :-))) So kann es nun nicht täglich sein. 😉

Abstreiten zwecklos

Luis aus der 3. Klasse ließ sich nicht beirren. Er sagte mir gestern, dass Mama und er gehört haben, wie ich zuhause ein Instrument gespielt habe. Ich fragte, welches denn? Das wusste er nicht. Aber er hatte mich gehört. Luis wohnt ungefähr zwei Straßen weiter. Also 300 Meter, würde ich schätzen. Wie konnte er mich da hören? Es ist Winter. Die Fenster sind zu. Ich hakte heute nach. „Du kannst mich nicht gehört haben“, sagte ich, „dafür wohne ich zu weit weg.“ Aber Luis aus der 3. Klasse ließ sich nicht beirren. Die Wände bei ihnen daheim seien sehr dünn und da wohnt sonst niemand in seiner Umgebung, der ein Instrument spielt. Er hatte mich gehört. Davon war er zu 100% überzeugt. Abstreiten zwecklos!

(Namen geändert)

Lesemuffel

In Klasse 5 sollen die Kinder in Deutsch Buchvorstellungen durchführen. Dazu dürfen sie selbst ein Buch auswählen, das sie lesen mögen. Manche mögen nämlich so gar nicht lesen. Sie sind echte Lesemuffel. Damit das Buch für eine 5. Klasse passt, sage ich immer, es soll bei normaler Schrift und wenigen Bildern mindestens 100 Seiten haben. Sonst nehmen sie nämlich ein 1.-Klasse-Buch. Aber was machen die Lesemuffel? Einer fragte mich neulich, ob er nur bis Seite 100 lesen muss. „Nein“, sagte ich, „du liest bitte das ganze Buch.“ Einen anderen fragte ich heute bei seiner Buchvorstellung, wie die Geschichte ausgeht. Er antwortete, das wisse er nicht, er habe ja nur bis Seite 100 gelesen. Nee, ne?! 😀