Klassen, die ich meist in der 4. übernehme, haben bis dahin oft nur in Arbeitsbüchern und auf Arbeitsblättern gearbeitet. In normalen Schreibheften finden sich die Kinder daher nicht zurecht. Ich muss ihnen alles beibringen und lange Zeit sieht es entsprechend chaotisch aus. Sie fangen in der Mitte an, lassen nach einem Eintrag zwei Seiten frei, schreiben dann etwas auf die Seite davor, lassen keinen Rand oder machen zum Rand nochmal einen Rand, ziehen Tabellenlinien freihändig, also ziemlich krakelig. Wenn eine Seite voll ist, melden sie sich und fragen, was sie nun tun sollen?! Da ist kein Platz mehr! Umblättern und weiterschreiben, sage ich. Oh! Na sowas… Wer hätte das gedacht?! Unter die Hausaufgabe von Niels schrieb ich aus einem dieser Gründe: „Das sieht liederlich aus!“ Niels und seine Mutter mit Migrationshintergrund waren empört. Wie konnte ich so etwas schreiben? Ging das nicht zu weit? Erst als der Vater spät am Abend heimkam, konnte er das Missverständnis aufklären. Niels und seine Mutter kannten das Wort „liederlich“ nicht und ich hatte es wohl nicht in feinster Schulausgangsschrift geschrieben. So hatten sie gelesen: „Das sieht widerlich aus!“ Oje, böses Foul!
(Namen geändert)