Alltag, Verpflichtungen, Erwartungen, Selbsterhaltung, Grenzen ..
puuh, zuviele Dinge. gedankenmüll. gleichzeitig. in meinem Kopf. Wo ist die Notbremse?
Bin ich depressiv? Burn Out? Ich weigere mich, es Depression zu nennen, es ist eindeutig ein Burn Out der mich, wie der Name schon sagt, einfach ausgebrannt hat. Und das in meinem Jungen Alter? Gerade mal 30? Höre ich die Leute sagen.
Nun, das wäre vielleicht ungewöhnlich bei einem Neurotypischen Menschen, vielleicht haben sie von Natur aus mehr Kraftreserven auf die sie zurückgreifen können, und vielleicht haben sie auch bessere Möglichkeiten ihre Batterien wieder aufzuladen?
Ich bin ein Introvertierter Mensch. Nach aussen hin wirke ich sehr extrovertiert, ich denke nicht, dass man mich als Introvertierten Menschen erkennt. Nur wenn mein Gegenüber mir sehr fremd oder unsympathisch ist, dann werde ich zum stillen Beobachter.
Hinzu kommt noch meine stark ausgeprägte Sozialphobie. In den meisten Gesprächen merkt man mir meine Ängste nicht an. Sozialphobie + ADHS-Impulsivität scheint eine spannende Mischung zu sein, ich weiss nie was ich gleich sagen werde, ob ich mich blamieren werde, ob ich die Situation perfekt meistere.
Mein Gegenüber merkt (wenn er aufmerksam und empathisch ist) wohl aber meine Verunsicherung. Meine laute und witzige Art sollte für das geübte Auge oft durchschaubar sein. Nicht das meine Art zu reden, zu lachen, oder mein ganzes Verhalten irgendwie “fake” wären, aber die Angst ist immer da.
Selbst bei Freunden die ich seit vielen Jahren kenne ist oft die Angst im Hintergrund.
Meinem Gegenüber fällt auch sicher meine, wie ich so schön sage, “Verpeiltheit” auf. Ich betone es auch gerne oft genug selbst. Humor ist die beste Art mit solchen “Fehlern” umzugehen. Ich hoffe einfach es wirkt offen und sympathisch.
Der gewünschte Eindruck und Effekt wäre: Sorry, ich bin voller Fehler/nicht perfekt, aber lache darüber, du kannst auch ruhig darüber mit mir lachen, so lange es nicht boshaft ist, oder du mir Boshaftigkeit oder Unehrlichkeit unterstellst.
Mitmenschen interpretieren meine Art (so schätze ich es jedenfalls realistisch ein) oft als unehrlich. Zu aufgesetzt. Seltsam.
Ich wirke aufgesetzt weil ich zu nett bin. Einerseits liegt das an meiner Sozialphobie, andererseits auch daran das ich in einer Situation ehrliches Interesse an einer Person entwickeln kann.
Nun, ich denke mal das jeder “normale Mensch” Gespräche führt, oder führen kann die nett und höflich sind. Das Problem scheint aber zu sein, das ich es zuviel bin? Soviel das es unehrlich erscheint.
Benehme ich mich anders, erscheine ich zu schweigsam. Ich weiss nicht wie mein Verhalten sein sollte um die Goldene Mitte zu treffen. Wieso endet alles immer in einer schwarz/weiss Version?
Menschen strengen mich an. So sehr ich die Unterhaltung auch genieße, ich brauche Erholung. Und davon eine ganze Menge!
Freitags nach Hause kommen, gefühlsmässig nicht runterkommen können. Schlafen gehen.
Samstag. Verzweifelt versuchen den Tag zu genießen. Es endet in Stress.
Sonntag. Der einzig dominierende Gedanke scheint zu sein: Morgen ist Montag. Noch mehr Stress.
Montag. Batterien noch zu leer. müde. keine kraft für alltag. keine energie etwas für sich zu tun. essen machen? zu müde. aufräumen? bei diesem chaos im kopf noch unmöglicher als sonst.
Selbst Sachen die einem sonst Spass machen sind jetzt anstrengend. Ausgebrannt. Wie soll man sich da erholen? In eine Klinik gehen macht für mich keinen Sinn, dort gibt es jeden Tag ein Programm das man absolvieren muss. Wenn ich den ganzen Tag von Musiktherapie, Gesprächstherapie, Gruppentherapie und Kunsttherapie renne, dann ist meine Introvertierten-Batterie am Ende des Tages auch leer.
In einer Klinik steigt die Motivation das nach dem Aufenthalt vieles besser wird, aber kaum ist man wieder daheim, erschlägt einen wieder der Alltag.
Was mich zum Punkt Mitmenschen bringt. Man ist mir überall freundlich gesinnt, aber wenn das Verständnis fehlt, dann hilft einem die Freundlichkeit auch nicht. Man sieht in die freundlichen Gesichter und weiss das derjenige doch nur “Übertreib mal nicht” – “Dir geht es nicht schlecht, du musst nur XY (Beschäftigung die Extrovertierten glücklich macht) tun, dann ist alles wieder ok” denkt, oder auch mal sagt.
Die ganzen passiv-aggressiven Kommentare die mir vermitteln, dass ich unhöflich bin wenn ich anderen ausweiche. Mein Vermeidungsverhalten ist eine Folge meiner extremen Sozialphobie, nicht weil ich unhöflich oder undankbar bin. Versteht es jemand?
Nein. Also, ich bin in den Augen anderer schon mal unhöflich und undankbar.
Kommentare das ich mit der Arbeit nicht vorankomme. Ist es weil ich faul bin? Nein! Seit 2 Jahren ist mein Gehirn dank Depression + ADHS ziemlich lahmgelegt. Die einfachsten Gedankengänge sind mir nicht mehr möglich. Mein Gehirn ist komplett auf Bildschirmschoner geschalten. Ja, ich nehme Antidepressiva. Ja, ich nehme Medikamente die mir bei ADHS helfen sollen. Aber die psychische Belastung ist so groß, da helfen selbst Medikamente nicht mehr.
Da einzige was mir helfen würde, wäre eine andere Arbeit, andere Menschen um mich herum. Aber das geht nicht. Ich kann keiner anderen Arbeit nachgehen, dank ADHS, Sozialphobie und meinen anderen Problemen.
Ich kann nur versuchen es auszusitzen, und dabei nicht entgültig kaputtzugehen.
Lieber eine Woche krankgemeldet daheim sitzen, als monatelang in der Klinik. Aussenstehende Menschen sehen das natürlich nicht so, die sehen nur das man nicht da ist. Wahrscheinlich um mir daheim ein schönes Leben zu machen.
Ich will doch nur meine Batterien vollladen. Nur leider funktioniert das nur in der Theorie. Meine Nerven sind so gereizt das jede Kleinigkeit eine enorme Menge Energie kostet.
Ich habe keine Energie eine gesunde Ernährung umzusetzen, ich habe keine Energie morgens wirklich ordentlich auszusehen, ich habe keine Energie meine Probleme zu lösen, ich habe zuviel Energie in andere Probleme gesteckt.
Ich habe zuviel Energie eingezahlt und bekomme nichts zurück. Extrovertierte Menschen nehmen und nehmen mir meine Zeit und Energie, und sagen das wäre gut für mich. gesund für mich. eine beschäftigung für mich. Der Leerlauf wäre das große Übel.
Hier ist so viel um mich herum, so viel, dass ich mich verloren habe, und keiner gibt mir Zeit mich wiederzufinden.
