Franz Billmayer betont in seiner Position, dass die Schüler und Schülerinnen für die visuelle Kommunikation eröffnet werden, um die Bilder ihres alltäglichen Lebensumfeldes wahrzunehmen und zu verstehen. Die Idee, die Positionen mit einer Haribotüte zu kombinieren, bezieht sich somit auf den Aspekt des Alltäglichen. Sie eröffnet vielfältige Möglichkeiten für den Unterricht, um die SuS in der visuellen Wahrnehmung zu schulen. Die folgenden Ideen dienen lediglich als Anregung. Aufgaben können je nach Klassenstufe und – zusammensetzung variiert, erweitert oder eingeschränkt werden. Einige bestimmte Aufgabenteile werden selbst erprobt. Aufgrund des festgelegten Zeitraumes, in welchem wir diesen Blog erstellen und unserer Forschungsfrage nachgehen, ist es arbeitsökonomisch nicht möglich, alle Aufgaben zu bearbeiten.
1. Idee : Logorelaunch
Die Unternehmen in unserer Gesellschaft präsentieren sich über Logos. Auf einer scheinbar kleinen Fläche muss das Unternehmen seine Philosophie nach außen tragen sowie seine vorgesehene Zielgruppe entsprechend ansprechen. Dabei müssen die einzelnen Elemente wie Typografie, Grundformen und Farben bedacht werden. Für die SuS ist es daher unabdingbar, sich vorher auf „Logojagd“ in ihrem Alltag zu begeben, zu überlegen, welches Logo für welches Produkt verwendet wird und was dessen Intention ist.
Aufgabe: „Begebe dich auf „Logojagd“ in deinem Alltag. Sammle die Logos in Form von Fotografien, Produktverpackungen, Zeichnungen etc. Notiere die Eigenschaften des Logos und vergleiche sie mit der Intention/Zielgruppe des Produktes.“
Anschließend könnte man einen theoretischen Einschub machen, indem man die historischen Aspekte des Logos bespricht. Diese Seite bietet einen sehr guten Überblick bezüglich der Logogestaltung und bezieht sich auch auf die Bedeutung einzelner Grundelemente. Natürlich kann man diesen Schritt auch weglassen, denn die SuS sind auch fähig, diese Erkenntnisse durch das Anlegen einer Sammlung selbst zu gewinnen. Man muss ihnen auch etwas zu trauen.
Mit der Zeit redesignen Unternehmen ihr Logo. Die Aufgabe der SuS ist es nun, sich ein Logo eines Unternehmens auszuwählen und es einem Relaunch zu unterziehen. An diesem Punkt ergeben sich zwei Linien (a und b), die man verfolgen kann. Zum Einen wäre es möglich, dass die SuS ihr ausgesuchtes Logo unter Berücksichtigung der bisherigen Intention neu designen. Die SuS sollen eine Variante für dieses Logo finden. Wenn Designer einen Auftrag nachgehen, so entwickeln sie drei Varianten, welche dem Auftraggeber präsentiert werden. Zum Anderen wäre es möglich, dass sich die SuS notieren, welche Intention das bisherige Logo aufweist und welche es nach dem Relaunch vertreten soll. Nun kann man die zukünftigen Intentionen in der Klasse verteilen, so dass jeder ein anderes Logo, quasi einen anderen Auftrag, bekommt. Wichtig ist bei beiden Richtungen, dass die Aufgaben schriftlich reflektiert werden.
Zu erwähnen sei noch, dass in Bezug des Logodesigns auch der Frage nachgegangen werden muss, für welchen Zweck das Logo entsteht. Das heißt, kommt es zur Anwendung. Daraus ergeben sich wichtige Anhaltspunkte für die Gestaltung.
Aufgabe a: „Entwickle drei Alternativen deines ausgewählten Logos unter Berücksichtigung der bisherigen Intention. Schreibe Empfehlungen für den Auftraggeber für die Wahl der Alternativen .“
Aufgabe b: „Notiere die bisherige Intention des Logos. Überlege dir, was das Logo nach dem Relaunch aussagen soll. Entwickle drei Logoideen. Gehe am besten systematisch vor (d.h. erst Farben ändern, dann Schriften, dann Abstraktionsgrad, Ausschnitte etc….). Schreibe Empfehlungen für die Wahl der Ideen für den Auftraggeber.“
Damit die SuS ihre eigenen Arbeiten reflektieren und kritisch hinterfragen, ist es nötig, dass sie sich schriftlich mit ihren Arbeiten auseinandersetzen. Anschließend kann die restliche Klasse in die Rolle der Auftraggeber schlüpfen und der oder auch die SuS verteidigen ihre Arbeiten.
Aufgabe für die Designer:„Präsentiere deine Ideen dem Auftraggeber.“
Aufgabe für die Auftraggeber:„Entscheide dich für einen Entwurf und begründe deine Wahl.“
In seinen vielfältigen Unterrichtsbeispielen geht es Franz Billmayer vor allem um das Anfertigen von Varianten und Alternativen. Auch bei unserer Haribotüte ist die Variation ein Ansatzpunkt. Jedoch stehen die Varianten stets im Kontext mit der zuvor erarbeiteten bzw. im autonomen Schaffensprozess erarbeiteten Theorie:
2. Idee: Varianten der Haribotüte
In dieser Aufgabe geht es explizit um die Tüte als Verpackungsmaterial und ihren formalästhetischen Elementen . Der Inhalt bleibt vom Material her weitestgehend unbeachtet. Die SchülerInnen bekommen einzeln oder in Gruppen jeweils eine dieser Tüten und erarbeiten sich zu Beginn die Gestaltungselemente dieser Tüte. Welche Farbe hat die Tüte? Welche Form hat die Tüte? Welche Kontraste sind angewandt wurden?Welche Schriftarten und -größen wurden eingesetzt? Es ergeben sich zahlreiche Fragen, welche die SchülerInnen eigenständig und in Bezug auf den Inhalt beantworten können. Daraus ergeben sich folgende mögliche Aufgabenstellungen:
1. Aufgabe: „Betrachtet die Tüte. Untersucht die Tüte nach ihren formalästhetischen Elementen (Form, Farbe, Kontraste, Schriften…). „
2. Aufgabe: „Welche Wirkung/ Funktion besitzen die einzelnen Elemente? Notiere sie. Wie wirkt die Verpackungstüte in ihrer Gesamtheit?“
Die SchülerInnen erarbeiten sich durch die Betrachtung der Tüte Grundlagen der visuellen Kommunikation und werden diese in ihren alltäglichen Betrachtungen mit einbeziehen. Nach den beiden Aufgaben eröffnet sich die Möglichkeit, dass sich die SchülerInnen mit der vorhandenen Wirkung der Tüte weiter arbeiten, indem sie von dieser mehrere Varianten anfertigen. Auch hier wird es wieder arbeitsökonomischer sein, erst die Farben zu ändern, anschließend einzelne Formen, Schriften etc.
3. Aufgabe: „Fertigt unter Berücksichtigung der vorherrschenden Wirkung mehrere Varianten von Tüten für die Crazy Pythons an. Verändert die Tüten schrittweise.“
Inwieweit zuerst Skizzen der Varianten erfolgen sollen, liegt an der Lehrkraft und der verfügbaren Zeit. Ich persönlich präferiere die Varianten erst zu skizzieren, anschließend farbig zu gestalten (collagieren, malen…) und abschließend mit einem Bildbearbeitungsprogramm umzusetzen. Wenn die SchülerInnen vorher noch nicht digital gearbeitet haben, sollte man unbedingt mehrere Stunden zur Einübung investieren.
Die einzelnen Entscheidungen ihres Schaffens können die SchülerInnen in einem Werkstattbuch/ Hefter etc. dokumentieren. Dies erleichtert ihnen eine Präsentation und befähigt sie ihre Arbeiten kritisch zu reflektieren.
4. Aufgabe: „Entscheide dich für zwei Varianten und begründe deine Auswahl.“
3.Idee: Alternativen der Haribotüten – Betrachtung der Konsumenten
Der hier vorgestellte Aufgabenkomplex orientiert sich sehr stark an dem vorherigen und kann demzufolge bis zur 2. Teilaufgabe übernommen werden. Anschließend werden jedoch Alternativen bearbeitet. Wem sich nun Fragezeichen hinsichtlich der Definition von Alternative und Variante eröffnen:
Varianten stellen Lösungen nach gleichen Anforderungen, Alternativen stellen Lösungen nach verschiedenen Anforderungen dar. (vgl. http://www.ghv-guetestelle.de/ghv/redmedia/variante_oder_alternative_-_05.pdf)
Und genau an dieser Definition setzt diese Aufgabe an, denn die Verpackung zielt auf bestimmte Konsumenten. Die SchülerInnen können ihrer Kreativität nun freien Raum lassen, indem sie Verpackungen der Haribotüte anfertigen, welche die verschiedenen Konsumenten ansprechen. Das können nur Jungen sein oder Mädchen, Ältere oder Jüngere, Internationale, Nationale etc. Bevor sie an ihrer eigenen Alternative arbeiten, recherchieren die SchülerInnen nach Gestaltungselementen für ihre Bezugsgruppe.
1. Aufgabe: „Betrachtet die Tüte. Untersucht die Tüte nach ihren formalästhetischen Elementen (Form, Farbe, Kontraste, Schriften…). „
2. Aufgabe: „Welche Wirkung/ Funktion besitzen die einzelnen Elemente? Notiere sie. Wie wirkt die Verpackungstüte in ihrer Gesamtheit?“
3. Aufgabe: „Wen spricht Haribo mit dieser Tüte an? Beziehe dich dabei auf die Gestaltungselemente.“
4.Aufgabe: „Fertige drei Alternativen für die dir vorliegenden Verpackung an. Bedenke, welche Konsumenten du ansprechen möchtest und recherchiere, wie diese bei ähnlichen Produkten angesprochen werden.“
Auch hier wäre die Abfolge von Skizze, Malerei und Bildbearbeitungsprogramm sinnvoll.
5.Aufgabe: „Präsentiere deine Alternativen und begründe deine Vorgehensweise.“
4. Idee: Hochpreissektor – Niedrigpreissektor
In den Kaufhäusern findet man von Produkten mehrere Varianten in einer billigen, mittleren und teuren Ausführung. Sogar bei Gummibären gibt es zahlreiche Varianten und Marken. Daher kann man auch in diesem Bereich mit unserer Tüte arbeiten. Zuerst sollten die SchülerInnen Produktverpackungen von teuren und billigen Gummibärenmarken sammeln und recherchieren, wie diese Zuordnung in der Gestaltung sichtbar wird. Anschließend entscheiden sich die SchülerInnen für einen Sektor und gestalten die Haribotüte mittels vorherigen Skizzen entsprechend um. Nach der Präsentation der Alternativen kann man das projekt insofern weiterführen, dass die SchülerInnen zu ihrer gewählten Alternative eine Werbung für ihr Produkt erfinden. Dies kann in Form eines Plakates, Radiospots, Werbespots etc. geschehen.
1.Aufgabe: „Sammle Produktverpackungen von hochpreisigen und niedrigpreisigen Produkten.“
2.Aufgabe: „Vergleiche die hoch- und niedrigpreisigen Verpackungen hinsichtlich ihrer Gestaltung (Form, Farbe, Motiv, Schriftart, Kontraste, Verpackungsgröße….). Notiere deine Erkenntnisse.“
3.Aufgabe: „Wähle dir einen der beiden Sektoren und gestalte die Verpackung entsprechend um. Fertige drei Alternativen an.“
Vielleicht sei noch zu erwähnen, dass sich die SchülerInnen in dieser Aufgabe auch von der Tüte lösen können und andere Verpackungsalternativen erfinden können.
4.Aufgabe: „Präsentiere deine Alternativen und begründe deine Auswahl.“
5.Aufgabe: „Wähle eine Alternative und fertige eine Werbung in Form eines Plakates, Werbeclips, Radiospots o.ä. an.“
6.Aufgabe: „Präsentiere deine Werbung.“