Kunst“mal“bücher : Kunst ist, was du draus machst

Lange ist hier nichts mehr passiert, da aber seit ein paar Wochen konstant ein paar Besucher den Weg auf unsere Seite finden, möchten wir künftig wieder ein wenig hier posten. (Dieser Beitrag erschien zuerst hier, dieser Beitrag ist eine leicht abgewandelte Variante.)

Auf der Suche nach Literatur für den Kunstunterricht stoße ich immer wieder auf grandiose Bücher, die man einerseits als Quelle für Wissen, andererseits als Inspiration nutzen kann.
Auf die Art von Büchern, über die ich gerade gestolpert bin, trifft wohl eher letzteres zu: Malbücher. Die kennt sicher jeder aus seiner Kindheit, ich konnte mich bisher aber nicht mit dem Gedanken anfreunden, mich in aller Ruhe an ein Bild zu setzen und stundenlang zu malen, während eigentlich andere Dinge auf mich warten. Dabei soll Ausmalen ja total entspannend sein!

Als Inspiration – oder auch für den Kunstunterricht – habe ich sechs Favoriten ausgesucht:

1_kunst_malbücherDot-to-dotAndy Warhol

1 Thomas Pavitte: 1000 Dot-to-Dot Masterpieces
Dieses Buch stelle ich mir perfekt für Situationen im Kunstunterricht vor, in denen einige Schüler schon eher fertig sind – diese anspruchsvollen, linearen Kunstwerke sorgen bestimmt für Ruhe, nachdem das erste Staunen erstmal verstummt ist. Aber auch einfach so, als kleine Herausforderung in langweiligen Stunden, ist dieses Buch sicher eine großartige Abhilfe. Das gibt’s übrigens auch noch mit Tieren, Bauwerken oder Weltwundern!

2 Ein Malbuch mit Zeichnungen von Andy Warhol
Andy Warhol  gab in den Sechzigern Colouring-Parties, bei denen die Gäste eingeladen wurden, Reproduktionen seiner Zeichnungen auszumalen und mitzugestalten. Die Zeichnungen aus diesem Buch entstanden 1961 für eine Lederwarenfabrik… sind also nicht nur dem Stil Warhols nachempfunden, sondern stammen mehr oder weniger aus seiner eigenen Feder. Eine gute Story, die sicher auch den ein oder anderen Schüler beeindruckt!2_kunstmalbücher

Mein großes Kunstkritzelbuch und Kunstkritzelbuch für unterwegs

3 Hendrik Hellige: Mein großes Kunstkritzelbuch
oder alternativ: 4 Mein Kunstkritzelbuch für unterwegs

Im Gegensatz zu den anderen Büchern referieren diese Kritzelbücher nicht direkt auf die Kunstgeschichte, sondern sollen vielmehr die Kreativität wecken; ähnlich also den zahlreichen Kritzelbüchern, die es eben so gibt, nur unter Einbezug einiger bekannter Kunstwerke, z.B. Albrecht Dürers Hase. Alles in allem sind beide Bücher – eines umfangreicher, das andere für unterwegs – aber eher für Kinder (ab 6 Jahren) gedacht.3_kunstmalbücher

PicassoImpressionisten

5 Hannah Rollings: Weck den Picasso in dir
Dieses Buch erscheint erst Mitte März, das Cover sieht aber schon vielversprechend aus. Das bisher Bekannte macht neugierig, denn „Weck den Picasso in dir“ soll Zitate berühmter Künstler und Illustrationen, die an den Stil der jeweiligen Künstler angelehnt sind, enthalten und die Kreativität von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen anregen, wenngleich das empfohlene Alter bei 8-10 Jahren liegt.

6 Meine eigenen Impressionisten
Die Malbücher von Knesebeck sind inzwischen ziemlich verbreitet und natürlich gibt es auch ein Pendant für Kunstliebhaber. Besonders toll finde ich, dass die Originale der Malvorlagen im Buch abgebildet sind, sodass Perfektionisten sich bezüglich der Farbwahl orientieren können. Aber auch die Kleinteiligkeit gefällt mir an dieser Malbuch-Variante ausgesprochen gut. Und neben den Impressionisten kann man sich noch an Klimt, van Gogh oder den holländischen Meistern ausprobieren.

Ihr seht: Das Spektrum an Kunst-Malbüchern ist riesig und es gibt noch so viele mehr! Was haltet ihr von Malvorlagen, taugen die was für den Kunstunterricht?

Übersicht zum „Projekt: Crazy Python“

Da die Chronologie des Blogs sich nicht mit der des Projekts deckt, soll dieser Artikel der Übersichtlichkeit halber noch einmal alle Artikel zum „Projekt: Crazy Python“ versammeln. Viel spaß beim Stöbern!

1. Projekt: Crazy Python

Theorie:
2. Die kunstdidaktische Konzeption von Franz Billmayr
3. Was ist eigentlich „Ästhetische Forschung“?
4. Kunstorientierter Unterricht als künstlerisches Projekt

Zur Ästhetischen Forschung:
5. Meine Lieblingssüßigkeit – und was noch?
6. Die Schlange – fächerverbindend gedacht
7. Von der Schlangenhaut zum Geschenkpapier
8. Crazy Python unterwegs
9. Transformationen einer „Crazy Python“
10. Und wie öffnest du deine Haribo-Tüte?
11. Ästhetische Forschung in der Schule

Zur Kunstorientierung:
12. Künstlerisches Projekt – Imagination Crazy Python
13. Die individuelle Crazy Python
14. Künstlerisches Projekt – Und was esse ich am liebsten?

Zur Bildorientierung:
15. Bildorientierung im schulischen Unterricht – ein Ideenpool
16. Varianten der Haribo-Tüte
17. Eine crazy Tüte im Hochpreissektor/ Niedrigpreissektor

18. Abschließende Betrachtung

Abschließende Betrachtung

Bei unserer Forschungsfrage ging es darum, die künstlerischen Konzepte von Kämpf-Jansen, Buschkühle und Billmayer zu vergleichen und diese mit einer Haribotüte in den Kunstunterricht einzubinden. Nachdem wir die Konzepte einzeln betrachtet haben, probierten wir einige Ideen in praktischen Selbstversuchen. Nun wollen wir darlegen, inwieweit Verbindungen zu den Konzepten untereinander vorhanden sind beziehungsweise in welchen Punkten sich die Konzepte voneinander unterscheiden.

Bei unseren Durchführungen haben wir festgestellt, dass der Aspekt des Alltäglichen bei allen drei Theorien im Mittelpunkt steht. Auch sind alle darauf ausgelegt, interdisziplinär und multimedial zu forschen. Das heißt, dass die SchülerInnen in ihrem Prozess individuell vorgehen können, was Medien und Materialien betrifft. Bei Buschkühle und Billmayer erfolgt der Prozess mit Hilfe von Aufgabenstellungen, die den SchülerInnen dennoch Freiräume eröffnen. Sie dienen vielmehr als eine Orientierungshilfe und benennen ein klares Ziel. Bei den bildorientierten Selbstversuchen war beispielsweise eines der Ziele, Alternativen für die Verpackung zu kreieren. Die explizite Realisierung liegt jedoch in der Hand der SchülerInnen. Bei Kämpf-Jansen ist die Freiheit der SchülerInnen am größten. In diesem Konzept steht die Forschungsfrage am Anfang der Betrachtung, wobei das Individuum selbst entscheidet, in welchen Bereichen es damit weiter arbeitet. In den Selbstversuchen wurden die Gummitiere beispielsweise in den Kontext der StreetArt überführt. Ebenso könnte man sich vorstellen, an den Inhaltsstoffen der Gummitiere weiter zu arbeiten oder die Form der Tiere für grafische Kunstproduktionen nutzen, was erkennen lässt, wie vielfältig die Möglichkeiten während des Prozesses sein können. Zu Beginn der Ästhetischen Forschung ist die Spannweite der künstlerischen Ausführungen nur bedingt zu benennen. Sie ergibt sich, wie bereits erwähnt wurde, im Verlauf des Forschens und kann sich nach individuellem Ermessen auf die jeweiligen Bereiche vertiefen. Im Gegensatz dazu, stellt Buschkühle den Aspekt des Künstlerischen absolut in den Vordergrund und benennt es als das Leitmotiv aller Prozesse des Projektes.

Bei der Erarbeitung der Theorie konnte festgestellt werden, dass Billmayer und Buschkühle Anführungen von Kämpf-Jansen zitieren. Die drei Konzepte greifen ineinander und beziehen Aspekte der anderen Modelle mit ein.
Hinsichtlich der praktischen Selbstversuche ist anzumerken, dass die praktischen Methoden Bezüge zu den jeweils anderen Konzepten aufgreifen. Sie sind quasi multifunktional. Einige Teilaufgaben der Kunstorientierung können ebenfalls bei der Bildorientierung oder Ästhetischen Forschung umgesetzt werden. So kann der Geschmackstest als Teilaufgabe in den kunstorientierten Erprobungen gleichwohl ein neuer Ausgangspunkt für die Ästhetische Forschung sein.
Das schriftliche Dokumentieren von Teilprozessen wird bei allen Konzeptionen angewandt, um wichtige Erkenntnisprozesse festzuhalten und eine Grundlage zur Analyse und Selbstreflektion der eigenen Arbeit zu schaffen. Darüber hinaus kommt dem kreativen Schreiben, zum Beispiel in Form von Gedichten, bei Buschkühle und Kämpf-Jansen eine Bedeutung zu.
Die Wissenschaft als Bearbeitungsbereich findet also – in Form dieser schriftlichen Auseinandersetzungen – bei allen drei Konzeptionen Anklang. Buschkühle und Billmayer forden dies jedoch nicht explizit. Die Wissenschaft kann Bestandteil sein, muss aber nicht.  Demgegenüber formuliert Kämpf-Jansen den wissenschaftlichen Aspekt als eigene These, die in der schulischen Realität (Stichwort Google und Wikipedia) jedoch meist vernachlässigt wird.

Eine weitere Gemeinsamkeit stellt zudem die Möglichkeit dar, die Imaginationskraft der Schüler auf vielfältige Weise zu fordern und zu fördern. Sowohl das Konzept Buschkühles als auch die von Billmayer und Kämpf-Jansen können deshalb und aufgrund der oben aufgeführten Aspekte als Konzepte der Gegenwart gelten und im Kunstunterricht zur Anwendung kommen. Inwieweit, bleibt letzlich aber dem Lehrer überlassen und sollte auch in Abhängigkeit der zeitlichen und räumlichen Situation sowie im Hinblick auf die zu unterrichtende Klasse entschieden werden.

Abschließend lässt sich festhalten, dass alle Konzepte künstlerische Denk-und Handlungsformen entfalten und die Initiative des Einzelnen (sowohl der Schüler als Produzenten als auch als Rezipienten) mobilisieren. Sie übernehmen schließlich Verantwortung für ihr Agieren und verfolgen eigene Wege des künstlerischen Ausdrucks und der Gestaltung. Dabei werden neben Bildkompetenzen auch die Kritikfähigkeit und die differenzierte Wahrnehmung geschult, denn die SchülerInnen werden zur Formulierung von selbstständigen Aussagen über ihre Produktionen als auch bezüglich der ausgehenden „Forschungsfrage“ befähigt. Insgesamt werden bei allen drei Theorien die Inhalte und Ausdrucksformen mit traditionellen oder neuen Medien in Beziehung gesetzt. Damit nehmen die Konzeptionen Bezug auf den erweiterten Kunstbegriff nach Beuys. Und: alle Ziele sind ein laufender Entwicklungsprozess und sind somit fächerübergreifend. Diese Erkenntnis offenbarte sich in unseren Erprobungen, denn die Teilaufgaben sprechen Inhalte weiterer Unterrichtsfächer an.

Eine crazy Tüte im Hochpreissektor/ Niedrigpreissektor

Bei dieser Aufgabe geht es darum, dass sich die SuS mit der Gestaltung von hochpreisigen und niedrigpreisigen Produkten auseinandersetzen. Nach einer Analyse der formalästhetischen Aspekte und der Gestaltung, entscheiden sich die SuS für einen Sektor und transformieren dies Haribotüte in den ausgewählten Sektor unter Beachtung der gestalterischen Anforderungen des Hoch- beziehungsweise Niedrigpreissektors.

Diese zwei Fotos sind einmal ein Beispiel für den Niedrigpreissektor und einmal für den Hochpreissektor:

Betrachtet man die beiden Tüten, so ist sofort zu verzeichnen, das die hochpreisigere Tüte schlichter, harmonsicher und ausgewogener in ihrer Gestaltung ist. Unifarben überwiegen, ebenso wie runde Elemente. Die Schrift gleicht einer Handschrift und wirkt edel. Der Aufdruck „Natur“ wertet das Produkt auf. Im Vergleich dazu, ist die Niedrigpreis-Variante von einem Farbverlauf im Hintergrund gezeichnet. Die Farben sind grell. Es sind geschwungene und eckige Formen vorhanden. Die Gestaltung wirkt unruhig.

Ich habe mich einmal an der Niedrigpreis-Variante probiert:

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Es ist gar nicht so einfach, sich von der enormen Prägung des Logos und der Gestaltung, die von dem Unternehmen ausgeht, zu lösen. Immer wieder spürte ich den Drang, mich an der originalen Gestaltung zu orientieren. Bei der letzteren Variante konnte ich mich bereits mehr lösen. Es wäre auch spannend zu sehen, wie die Ideen mit Hilfe von alternativen Techniken und Materialien wirken würden.

Die hochpreisigeren Varianten waren für mich einfacher zu gestalten:

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Das Weiß wirkt neutral und edel zugleich. Der ockerfarbene Bär entstammt dem Ausdruck ‚Goldbär‘.  Seine Reduktion ist schlicht und passt sich jeder Verpackung an. Die eckige Schrift wirkt entschlossen, ist schlicht und schlank in ihrer Form. Durch Großbuchstaben geht diese Tüte nicht in der Masse unter. Am stärksten tritt der hochpreisigere Aspekt in Foto 3 hervor, bei dem auf die Bildelemente von Schlange und Bär verzichtet wurde. Vielleicht ist noch anzumerken, dass auch der Produktname geändert werden könnte, denn „Crazy Python“ klingt alles andere als edel und hochpreisig. Ich habe mich jedoch dafür entschieden, diesen beizubehalten, da ich für die Leser den Bezug zur Ausgangstüte bewahren möchte.

Der hochpreisigen Variante ging ein Logo-Relaunch voraus:

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Meine erste Assoziation „Ein Haribobär geht um die Welt“ ließ sich aufgrund der Bärenform nicht idealschön realisieren. Die Variante mit den Elipsen kam meiner zweiten schlichten Idee schon näher. Jedoch muss die Verpackung stets an die Farbe der Elipse angepasst werden. Mehr Freiheit im Verpackungsdesign ist im letzten Logo möglich. Jedoch habe ich mich für einen ockerfarbenen Bären, einen Goldbären, entschieden, da dieser der Ursprungsintention des Unternehmens am meisten entspricht.

Gleichzeitig habe ich zwei Modelle für Verpackungen angefertigt, um mich einmal komplett von der Tüte zu lösen:

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Auch wenn das Design nur auf den Modellkörper aufgeklebt ist, ist es erstaunlich wie sich der Eindruck der Verpackung ändert. Ich kann mir diese Alternativen sehr gut im Hochpreissektor für die Crazy Pythons vorstellen. Neben dem schlichten Design, das an Pralinenverpackungen erinnert, passen in diese Alternativen auch weniger Schlangen hinein. Und dies macht ja schließlich auch den Hochpreissektor aus.

Ästhetische Forschung in der Schule

Kämpf-Jansen entwickelte mit der Ästhetischen Forschung eine Konzeption, die zweifelsfrei Anwendung im Kunstunterricht der Gegenwart finden kann – die Frage ist nur, in welchem Rahmen.

Die Ästhetische Forschung geht davon aus, dass jeder „sein ästhetisches Vorhaben mit einem persönlichen Sinn versehen“ (s. These 1) können muss, das heißt, ein „Ding“ nach seinem Interesse wählt und sich damit auseinandersetzt. Im Unterricht könnte also beispielsweise die „Lieblingssüßigkeit“ Ausgangspunkt der Ästhetischen Forschung sein. Die relativ offene Vorgabe lenkt die Auswahl der Schüler, schränkt sie aber – führt man sich die Vielfalt des Süßwarenangebots vor Augen – nur soweit ein, dass am Ende unterschiedliche Ergebnisse zu einem gemeinsamen Thema erwartet werden können. Darüber hinaus kann neben der naheliegenden Variante, die Süßigkeit selbst in den Mittelpunkt zu stellen, beispielsweise auch der Werbeslogan oder Thomas Gottschalk (als Werbegesicht von Haribo) in den Mittelpunkt der Ästhetischen Forschung gestellt werden – die Möglichkeiten sind vielfältig.

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Es wird deutlich, dass die hier exerzierte Auseinandersetzung mit der ausgewählten Haribo-Tüte „Crazy Python“ zumindest für die Ästhetische Forschung nur exemplarisch gelten kann. Darüber hinaus verlangt das Konzept prozessorientiertes, individuelles und selbstorganisiertes Arbeiten – eine Formulierung klarer Aufgabenstellungen ist in diesem Zusammenhang also nur schwer möglich.
Die Fragen für die allgemeinen Rahmenbedingungen im Unterricht bleiben aber die gleichen: Wann und wie lässt sich Ästhetische Forschung im Unterricht einsetzen?

Neben der Möglichkeit, die Lebenswelt und persönliche Interessen der Schüler in den Unterricht zu integrieren und somit ein individuelles Arbeiten zu ermöglichen, sollten die möglichen Schwierigkeiten eines offenen Arbeitsprozesses bedacht werden. Die selbstorganisierte und selbst zu strukturierende Auseinandersetzung fordert von den Schülern hohe Motivation und kann an der einen oder anderen Stelle dazu führen, dass die Schüler die Lust verlieren. Im regulären Unterricht sollte der Lehrer an dieser Stelle also beratend und unterstützend zur Seite stehen, um „Durststrecken“ zu überwinden. Obwohl die Ästhetische Forschung im regulären Kunstunterricht durchaus Anwendung finden kann, stellt sich eine Projektwoche in meinen Augen als die geeignetere Variante dar. Dort kann nicht nur fächerübergreifend und intensiv gearbeitet werden; auch mit einer räumlichen (s. These 12) und zeitlichen Gebundenheit kann dort lockerer umgegangen werden.

Das „Texte lesen und Texte schreiben“ (s. These 11), das laut Kämpf-Jansen „neben allen anderen ästhetischen Ausdrucksformen“ steht, nimmt neben der eigentliche Ästhetischen Forschung einen hohen Stellenwert ein. Im Unterricht lässt sich das auf unterschiedliche Weise – beispielsweise in Form eines einfachen, vielleicht im Vorgang selbst gebundenen Notizbuches oder als künstlerisches Tagebuch – verwirklichen; in der Oberstufe ist bei entsprechenden Vorkenntnissen sogar eine Dokumentation mittels Blog denkbar.
Im Rahmen meiner praktischen Selbstversuche habe ich beispielhaft ein solches künstlerisches Tagebuch angelegt. Die Seiten zu diesem Artikel könnt ihr hier anklicken und ansehen:


Was bleibt ist die Frage nach der Bewertung. Während im Kunstunterricht in der Regel ein fertiges Produkt (Zeichnung o.ä.) am Ende einer Unterrichtseinheit steht, ist das „Ergebnis“ einer Ästhetischen Forschung zu Beginn ungewiss. Da Helga Kämpf-Jansen dem Prozess einen hohen Stellewert zukommen lässt, wäre einerseits eine Bewertung des Arbeitsprozesses möglich, für dessen Benotung jedoch im Vornherein Kriterien festgelegt werden sollten. Das künstlerische Tagebuch (bzw. die schriftliche Dokumentation) zeichnet die Arbeitsprozesse nach und könnte deshalb in die Bewertung einbezogen werden. Andererseits könnten sich die Schüler durch diesen Druck in ihrer individuellen Ästethischen Forschung eingeschränkt fühlen, sodass es ebenso möglich wäre, den Schülern am Ende die Entscheidung zu überlassen, ein „Produkt“ (evtl. inklusive der schriftlichen Dokumentation dazu) zur Benotung auszuwählen. Generell sollte jeder Lehrer individuell entscheiden; eine interessante Materialsammlung, die unter anderem die Frage der Bewertung vertieft, ist hier zu finden.

Und wie öffnest du deine Haribo-Tüte?

In meinem ersten Artikel überlegte ich, was Haribos „Crazy Python“ für mich noch sind, außer meiner Lieblingssüßigkeit. Abschließend sammelte ich ein paar Fragen, die mit dem alltäglichen Umgang zu tun haben, mit denen man sich in der Regel aber nicht näher beschäftigt. Eine davon war, wie ich (oder andere) eine Haribo-Tüte öffnen. In der Regel befindet sich am oberen linken Rand der Tüten eine kleiner Hinweis zum Öffnen in Form eines Pfeils. Aber ehrlich: Wer öffnet die Tüte schon so?

Die 9. These der Ästhetischen Forschung blieb mir im Gedächtnis, seit ich sie im Einführungskurs Kunstpädagogik im ersten Semester das erste Mal gehört hatte, sodass ich gerne damit arbeiten wollte.

9. Kunst darf lügen – zugunsten einer anderen Wahrheit
Im Rahmen ästhetischer Forschung ist die Spannbreite zwischen Authetizität und Fiktion, zwischen Schein und Sein, zwischen Dokument und verfremdender Transformation von medialen Bildern und alltäglichen Dingen nicht auslotbar. Im Verdichten, Verändern, Verformen z.B. wahrnehmbarer Gegebenheiten alltäglicher Erfahrung mit den Mitteln der Kunst entsteht eine andere Form der Wahrheit, die subjektiv ist und zugleich allgemein und somit Spiegel ästhetischer und geistiger Strömungen der Zeit.

Ein Artikel in einem Kochmagazin (Miriam Otto: How do you kill your bunny? In: Mutti kocht am besten 1/2014), in dem unterschiedliche Typen nach ihrem Schokohasen-Essverhalten psychologisch charakterisiert wurden, brachte mich auf die Idee, dasselbe – eher scherzhaft und im Sinne einer von mir erfundenen Wahrheit – mit dem Haribo-Tüten-Öffnungsverhalten zu testen. Und, welcher Typ bist du?

Der Eckenöffner
Er hält sich an die Anweisungen, die man ihn gibt – egal, ob sie vom Chef oder der Haribo-Tüte stammen. Der Eckenöffner ist perfektionistisch und tut genau das, was man ihm sagt. Leider aber auch nicht mehr. Deswegen sind seine Chacen im wahren Leben manchmal genau so begrenzt, wie die Öffnung der Haribo-Tüte klein ist.

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Der Aufschneider
Man muss sich nur zu helfen wissen: Der Aufschneider macht kein großes Aufhebens und greift immer direkt zur Schere, denn warum kompliziert, wenn es auch einfach und effektiv geht. Manchmal verlangt er aber auch schnell zu viel vom Leben und rennt mit seiner Direktheit geradewegs ins Verderben.

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Der Aufreißer
Er weiß, was er will und holt es sich mit Zielsicherheit. Er ist zielstrebig und selbstbewusst, hat aber einen weichen Kern und braucht deshalb manchmal einen wahren Freund, um sich über die Ungerechtigkeiten in der Welt zu beschweren.

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Der Beißer
Ebenfalls zielstrebig: Der Beißer. Er kämpft bis auf’s Fleisch, seine Absichten sind jedoch schwer zu durchschauen. Mal schüchtern und zurückgezogen, im nächsten Moment das blühende Leben und auf Party aus. Er weiß nicht, was er will und muss sich erst selbst finden.

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Wie oben bereits erwähnt, sind all diese „psychologischen Begründungen“ natürlich ganz und gar ausgedacht und bei Weitem nicht so ausführlich, wie sie ein interessierter Schüler formulieren könnte. Die  Anregung zum „Lügen zugunsten einer anderen Wahrheit“ wollte ich euch jedoch nicht vorenthalten.

Varianten der Haribotüte

Bei dieser Aufgabe geht es um das Erstellen von Varianten der Haribotüte. Hier sollen nur einige Anregungen gegeben werden, denn ein solcher Prozess zieht sich im schulischen Unterricht über mehrere Stunden hinweg. Wer dies jedoch mit seinen SchülerInnen ausprobiert und Fotos davon macht, so kann er/ sie uns diese gern schicken. Eine Analyse (hier nur die Vorderseite) kann wie folgt aussehen:

a) Analyse der Haribotüte

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FARBE

 

  • deckende, warme Farben
  • Orange, braun, Rot, gelb als warme Farben –
  • grün als kalte Farbe
  • Kalt-Warm-Kontrast
  • Hell-Dunkel-Kontrast –> insbesondere bei der Schrift notwendig!
  • Komplementärkontrast
  • Qualitätskontrast
  • Quantitätskontrast
  • Verwendung von Lokalfarbe bei der Schlange; der Bär eher als Symbol-/ Ausdrucksfarbe

RAUM/ PERSPEKTIVE

  • Räumlichkeit bei kleinen Schlangen durch Überschneidung
  • ebenso bei Bär und Schlange
  • flächige Gestaltung
  • Perspektive bei Schriften durch Unterlegen eines hellen Schattens bzw. Lichtpunkten

FLÄCHE

  • eindeutige Figur-Grund-Beziehung
  • Flächenkontrast (rund-eckig; symmetrisch-asymmetrisch)
  • 1/3 der Fläche mit Sichtfenster

LINIEN/ BEWEGUNG

  • horizontale Ausrichtung (orangfarbene und braune Rechtecke bestimmen Komposition)
  • harte Abgrenzung von Hell-Dunkel
  • Dominanz heller Bildflächen
  • Bär und Schlange sehr groß –> fast 1/3 der Höhe der Tüte

TEXTGESTALTUNG

  • Firmenname nimmt 1/4 der Fläche ein
  • Firmenslogan ist reimend
  • Firmen- und Produktname in runder Schriftart, mit Schatten unterlegt und umrandet, sowie mit Lichteffekten versehen
  • Firmenslogan ebenfalls runde Schriftart, kleiner, neutrale Farbe
  • Kontrast in Schriftgröße und – art
  • Firmen- und Produktname in leuchtenden Farben
  • Verwendung von Anglizismen

WIRKUNG

Die Tüte wirkt durch die Verwendung der warmen Farben fröhlich und lädt zum Genuss der Gummitiere ein. Die Größe des Bärens und der Schlange fällt dem Betrachter direkt ins Auge. Beide Objekte haben einen fröhlichen Gesichtsausdruck, sodass der Betrachter direkt von dem Lachen ‚angesteckt‘ wird. Die Schrift wirkt kindlich und verspielt. Sie fällt durch die Signalwirkung des Rots in Auge. Die Lichteffekte haben mich zu Beginn an Luftballons erinnert. Die kleinen Schlangen am linken Bildrand wiederholen die Gesichtsausdrücke der zwei Hauptfiguren und verstärken die Fröhlichkeit. Insgesamt lädt die Haribotüte zum Genuss ein. Farben, Elemente und der Produktname stehen in einem harmonischen Verhältnis. Durch den Slogan werden jedoch nicht nur Kinder angesprochen. Dies zeigt sich ebenso in der Verwendung der Hintergrundfarben. Sie sind fröhlich, jedoch nicht zu grell und kitschig.

2) Varianten der Tüten Wenn man schrittweise vorangeht, kann man zahlreiche Varianten der Tüte fertigen. Bevor ich mich an den Laptop gesetzt habe, fertigte ich schnelle Skizzen an. Eine der Skizzen wurde mit Aquarellfarben coloriert.

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Am Laptop sind, wie bereits geschrieben wurde, zahlreiche Möglichkeiten erstellbar. Hier eine kleine Auswahl der entstandenen Variationen:

 

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Bei einigen Varianten ist sofort erkennbar, das die Komposition nicht stimmig ist. Dennoch muss man immer wieder variieren und probieren bis es stimmig wird. Diese Varianten sind noch längst nicht im Endstadium. Ich habe hauptsächlich versucht, das Logo in der Größe zu variieren, die Farben zu ersetzen und die dominierenden Formen des Rechtecks im Hintergrund zu ersetzen. Da es sich hierbei um Varianten handelt, in denen die Intention beibehalten werden soll, empfinde ich es als äußerst wichtig, dem Logo einen großen Raum einzuräumen. Kleine Logos assoziieren niedrigpreisigere Produkte. Hier handelt es sich jedoch um ein mittelpreisiges Produkt.  Das Grün erscheint mir am neutralsten, um alle Bereiche der Konsumenten anzusprechen. Die schrägen Varianten (6 und 7) würde ich nicht präferieren, ebenso wenig wie ein grelles Blau oder Gelb als Hintergrundfarbe. Ein rundes Sichtfenster bietet meines Erachtens nach eine neue Möglichkeit, um sein Produkt im Laden zu betrachten und ist, in der von Horizontalen geprägten Komposition, ein spielerisches Element.

Bildorientierung im schulischen Unterricht – Ein Ideenpool

Franz Billmayer betont in seiner Position, dass die Schüler und Schülerinnen für die visuelle Kommunikation eröffnet werden, um die Bilder ihres alltäglichen Lebensumfeldes wahrzunehmen und zu verstehen. Die Idee, die Positionen mit einer Haribotüte zu kombinieren, bezieht sich somit auf den Aspekt des Alltäglichen. Sie eröffnet vielfältige Möglichkeiten für den Unterricht, um die SuS in der visuellen Wahrnehmung zu schulen. Die folgenden Ideen dienen lediglich als Anregung. Aufgaben können je nach Klassenstufe und – zusammensetzung variiert, erweitert oder eingeschränkt werden. Einige bestimmte Aufgabenteile werden selbst erprobt. Aufgrund des festgelegten Zeitraumes, in welchem wir diesen Blog erstellen und unserer Forschungsfrage nachgehen, ist es arbeitsökonomisch nicht möglich, alle Aufgaben zu bearbeiten.

1. Idee : Logorelaunch

Die Unternehmen in unserer Gesellschaft präsentieren sich über Logos. Auf einer scheinbar kleinen Fläche muss das Unternehmen seine Philosophie nach außen tragen sowie seine vorgesehene Zielgruppe entsprechend ansprechen. Dabei müssen die einzelnen Elemente wie Typografie, Grundformen und Farben bedacht werden. Für die SuS ist es daher unabdingbar, sich vorher auf „Logojagd“ in ihrem Alltag zu begeben, zu überlegen, welches Logo für welches Produkt verwendet wird und was dessen Intention ist.

Aufgabe: „Begebe dich auf „Logojagd“ in deinem Alltag. Sammle die Logos in Form von Fotografien, Produktverpackungen, Zeichnungen etc. Notiere die Eigenschaften des Logos und vergleiche sie mit der Intention/Zielgruppe des Produktes.“

Anschließend könnte man einen theoretischen Einschub machen, indem man die historischen Aspekte des Logos bespricht. Diese Seite bietet einen sehr guten Überblick bezüglich der Logogestaltung und bezieht sich auch auf die Bedeutung einzelner Grundelemente. Natürlich kann man diesen Schritt auch weglassen, denn die SuS sind auch fähig, diese Erkenntnisse durch das Anlegen einer Sammlung selbst zu gewinnen. Man muss ihnen auch etwas zu trauen.

Mit der Zeit redesignen Unternehmen ihr Logo. Die Aufgabe der SuS ist es nun, sich ein Logo eines Unternehmens auszuwählen und es einem Relaunch zu unterziehen. An diesem Punkt ergeben sich zwei Linien (a und b), die man verfolgen kann. Zum Einen wäre es möglich, dass die SuS ihr ausgesuchtes Logo unter Berücksichtigung der bisherigen Intention neu designen. Die SuS sollen eine Variante für dieses Logo finden. Wenn Designer einen Auftrag nachgehen, so entwickeln sie drei Varianten, welche dem Auftraggeber präsentiert werden. Zum Anderen wäre es möglich, dass sich die SuS notieren, welche Intention das bisherige Logo aufweist und welche es nach dem Relaunch vertreten soll. Nun kann man die zukünftigen Intentionen in der Klasse verteilen, so dass jeder ein anderes Logo, quasi einen anderen Auftrag, bekommt. Wichtig ist bei beiden Richtungen, dass die Aufgaben schriftlich reflektiert werden.

Zu erwähnen sei noch, dass in Bezug des Logodesigns auch der Frage nachgegangen werden muss, für welchen Zweck das Logo entsteht. Das heißt, kommt es zur Anwendung. Daraus ergeben sich wichtige Anhaltspunkte für die Gestaltung.

Aufgabe a: „Entwickle drei Alternativen deines ausgewählten Logos unter Berücksichtigung der bisherigen Intention. Schreibe Empfehlungen für den Auftraggeber für die Wahl der Alternativen .“

Aufgabe b: „Notiere die bisherige Intention des Logos. Überlege dir, was das Logo nach dem Relaunch aussagen soll. Entwickle drei Logoideen. Gehe am besten systematisch vor (d.h. erst Farben ändern, dann Schriften, dann Abstraktionsgrad, Ausschnitte etc….).  Schreibe Empfehlungen für die Wahl der Ideen für den Auftraggeber.“

Damit die SuS ihre eigenen Arbeiten reflektieren und kritisch hinterfragen, ist es nötig, dass sie sich schriftlich mit ihren Arbeiten auseinandersetzen. Anschließend kann die restliche Klasse in die Rolle der Auftraggeber schlüpfen und der oder auch die SuS verteidigen ihre Arbeiten.

Aufgabe für die Designer:„Präsentiere deine Ideen dem Auftraggeber.“

Aufgabe für die Auftraggeber:„Entscheide dich für einen Entwurf und begründe deine Wahl.“


In seinen vielfältigen Unterrichtsbeispielen geht es Franz Billmayer vor allem um das Anfertigen von Varianten und Alternativen. Auch bei unserer Haribotüte ist die Variation ein Ansatzpunkt. Jedoch stehen die Varianten stets im Kontext mit der zuvor erarbeiteten bzw. im autonomen Schaffensprozess erarbeiteten Theorie:

2. Idee: Varianten der Haribotüte

In dieser Aufgabe geht es explizit um die Tüte als Verpackungsmaterial und ihren formalästhetischen Elementen . Der Inhalt bleibt vom Material her weitestgehend unbeachtet. Die SchülerInnen bekommen einzeln oder in Gruppen jeweils eine dieser Tüten und erarbeiten sich zu Beginn die Gestaltungselemente dieser Tüte. Welche Farbe hat die Tüte? Welche Form hat die Tüte? Welche Kontraste sind angewandt wurden?Welche Schriftarten und -größen wurden eingesetzt? Es ergeben sich zahlreiche Fragen, welche die SchülerInnen eigenständig und in Bezug auf den Inhalt beantworten können. Daraus ergeben sich folgende mögliche Aufgabenstellungen:

1. Aufgabe: „Betrachtet die Tüte. Untersucht die Tüte nach ihren formalästhetischen Elementen (Form, Farbe, Kontraste, Schriften…). „

2. Aufgabe: „Welche Wirkung/ Funktion besitzen die einzelnen Elemente? Notiere sie. Wie wirkt die Verpackungstüte in ihrer Gesamtheit?“

Die SchülerInnen erarbeiten sich durch die Betrachtung der Tüte Grundlagen der visuellen Kommunikation und werden diese in ihren alltäglichen Betrachtungen mit einbeziehen. Nach den beiden Aufgaben eröffnet sich die Möglichkeit, dass sich die SchülerInnen mit der vorhandenen Wirkung der Tüte weiter arbeiten, indem sie von dieser mehrere Varianten anfertigen. Auch hier wird es wieder arbeitsökonomischer sein, erst die Farben zu ändern, anschließend einzelne Formen, Schriften etc.

3. Aufgabe: „Fertigt unter Berücksichtigung der vorherrschenden Wirkung mehrere Varianten von Tüten für die Crazy Pythons an. Verändert die Tüten schrittweise.“

Inwieweit zuerst Skizzen der Varianten erfolgen sollen, liegt an der Lehrkraft und der verfügbaren Zeit. Ich persönlich präferiere die Varianten erst zu skizzieren, anschließend farbig zu gestalten (collagieren, malen…) und abschließend mit einem Bildbearbeitungsprogramm umzusetzen. Wenn die SchülerInnen vorher noch nicht digital gearbeitet haben, sollte man unbedingt mehrere Stunden zur Einübung investieren.

Die einzelnen Entscheidungen ihres Schaffens können die SchülerInnen in einem Werkstattbuch/ Hefter etc. dokumentieren. Dies erleichtert ihnen eine Präsentation und befähigt sie ihre Arbeiten kritisch zu reflektieren.

4. Aufgabe: „Entscheide dich für zwei Varianten und begründe deine Auswahl.“


 3.Idee: Alternativen der Haribotüten – Betrachtung der Konsumenten

Der hier vorgestellte Aufgabenkomplex orientiert sich sehr stark an dem vorherigen und kann demzufolge bis zur 2. Teilaufgabe übernommen werden. Anschließend werden jedoch Alternativen bearbeitet. Wem sich nun Fragezeichen hinsichtlich der Definition von Alternative und Variante eröffnen:

Varianten stellen Lösungen nach gleichen Anforderungen, Alternativen stellen Lösungen nach verschiedenen Anforderungen dar. (vgl. http://www.ghv-guetestelle.de/ghv/redmedia/variante_oder_alternative_-_05.pdf)

Und genau an dieser Definition setzt diese Aufgabe an, denn die Verpackung zielt auf bestimmte Konsumenten. Die SchülerInnen können ihrer Kreativität nun freien Raum lassen, indem sie Verpackungen der Haribotüte anfertigen, welche die verschiedenen Konsumenten ansprechen. Das können nur Jungen sein oder Mädchen, Ältere oder Jüngere, Internationale, Nationale etc. Bevor sie an ihrer eigenen Alternative arbeiten, recherchieren die SchülerInnen nach Gestaltungselementen für ihre Bezugsgruppe.

1. Aufgabe: „Betrachtet die Tüte. Untersucht die Tüte nach ihren formalästhetischen Elementen (Form, Farbe, Kontraste, Schriften…). „

2. Aufgabe: „Welche Wirkung/ Funktion besitzen die einzelnen Elemente? Notiere sie. Wie wirkt die Verpackungstüte in ihrer Gesamtheit?“

3. Aufgabe: „Wen spricht Haribo mit dieser Tüte an? Beziehe dich dabei auf die Gestaltungselemente.“

4.Aufgabe: „Fertige drei Alternativen für die dir vorliegenden Verpackung an. Bedenke, welche Konsumenten du ansprechen möchtest und recherchiere, wie diese bei ähnlichen Produkten angesprochen werden.“ 

Auch hier wäre die Abfolge von Skizze, Malerei und Bildbearbeitungsprogramm sinnvoll.

5.Aufgabe: „Präsentiere deine Alternativen und begründe deine Vorgehensweise.“


 4. Idee: Hochpreissektor – Niedrigpreissektor

In den Kaufhäusern findet man von Produkten mehrere Varianten in einer billigen, mittleren und teuren Ausführung. Sogar bei Gummibären gibt es zahlreiche Varianten und Marken. Daher kann man auch in diesem Bereich mit unserer Tüte arbeiten.  Zuerst sollten die SchülerInnen Produktverpackungen von teuren und billigen Gummibärenmarken sammeln und recherchieren, wie diese Zuordnung in der Gestaltung sichtbar wird. Anschließend entscheiden sich die SchülerInnen für einen Sektor und gestalten die Haribotüte mittels vorherigen Skizzen entsprechend um. Nach der Präsentation der Alternativen kann man das projekt insofern weiterführen, dass die SchülerInnen zu ihrer gewählten Alternative eine Werbung für ihr Produkt erfinden. Dies kann in Form eines Plakates, Radiospots, Werbespots etc. geschehen.

1.Aufgabe: „Sammle Produktverpackungen von hochpreisigen und niedrigpreisigen Produkten.“

2.Aufgabe: „Vergleiche die hoch- und niedrigpreisigen Verpackungen hinsichtlich ihrer Gestaltung (Form, Farbe, Motiv, Schriftart, Kontraste, Verpackungsgröße….). Notiere deine Erkenntnisse.“

3.Aufgabe: „Wähle dir einen der beiden Sektoren und gestalte die Verpackung entsprechend um. Fertige drei Alternativen an.“ 

Vielleicht sei noch zu erwähnen, dass sich die SchülerInnen in dieser Aufgabe auch von der Tüte lösen können und andere Verpackungsalternativen erfinden können.

4.Aufgabe: „Präsentiere deine Alternativen und begründe deine Auswahl.“

5.Aufgabe: „Wähle eine Alternative und fertige eine Werbung in Form eines Plakates, Werbeclips, Radiospots o.ä. an.“

6.Aufgabe: „Präsentiere deine Werbung.“

 

 

Künstlerisches Projekt – Und was esse ich am liebsten?

Auch dieser Beitrag soll eine Möglichkeit für ein künstlerisches Projekt aufzeigen, wie es im Unterricht umgesetzt werden kann. Anders als bei meinem ersten Projekt „Imagination Crazy Python“ habe ich diese Aufgaben nicht selbst bearbeitet. Sie sollen für euch lediglich eine Anregung  zum selbst ausprobieren sein. Dieses mal besteht das Projekt aus insgesamt sieben aufeinander aufbauenden Aufgaben. Prinzipiell sind jedoch all diese Projekte unendich auszuweiten, da sich das Eine durch das Andere ergibt.

1. Am Anfang des Projektes steht erneut die Aufgabe, dass die SchülerInnen sich ihre individuelle Crazy Python vorstellen und in einer Technik ihrer Wahl zweidimensional umzusetzen.


Dieser erneute induktive Einstieg soll auch in diesem Projekt den SchülerInnen eine Orientierungshilfe und Ausgangspunkt des weitern Projektverlaufs sein.

 

2. Für die zweite Aufgabe werden in der Klasse CrazyPython-Haribo-Tüten verteilt, sodass jeder Schüler jede Geschmacksorte der Gummitierchen kosten und vor allem untersucht werden kann. Mögliche Beispiele für die Erforschung der Tierchen sind Fragen nach der Farbe, der Form, oder des Geschmacks. Alle Informationen, Ergebnisse oder Erkenntnisse werden in schriftlicher Form festgehalten. Hierbei wäre es eine Alternative den SchülerInnen ein kleines Notizbuch nahezulegen, in dem sie ihre Ergebnisse niederschreiben können.


In diesem Schritt arbeiten die SchülerInnen konkret mit dem Gegenstand unserer Forchungsfrage. Die Aufgabe besitzt weitestgehend einen experimentellen Charakter, den auch Buschkühle für seine Projekte vorsieht.

 

3. Anschließend erstellen die SchülerInnen auf Grund ihrer Ergebnisse einen Steckbrief für ein neues und individuelles Gummtierchen, ganz nach dem eigenen Geschmack. Die SchülerInnen entscheiden selbst, welche Aspekte sie dabei beachten wollen.


Wie bereits im vorherigen Projekt, findet sich auch in dieser Aufgabe das Merkmal der Interdisziplinarität wieder.

 

4. Im nächsten Schritt sollen die SchülerInnen ihr erfundenes Gummitierchen zeichnen, um eine konkrete Vorstellung davon zu bekommen.


In diesem vierten Schritt des Projektes steht nun ganz konkret das Künstlerische, welches Buschkühle für so wichtig und für den Ausgangspunkt aller künstlerischen Tätigkeiten hält, im Vordergrund.

 

5. Anschließend sollen sich die SchülerInnen auf fächerübergreifender Ebene mit der Herstellung solcher Gummitierchen auseinandersetzen. Es soll dabei nicht nur herausgefunden werden, wie die Firma Haribo ihre Gummitierchen herstellt, sofern das überhaupt möglich ist. Zudem ist es wichtig, dass die Schüler herausfinden, wie sie selbst ihr individuelles Tierchen als Naschkram umsetzen können.


Noch einmal rückt der Begriff der Interdisziplinarität, den Buschkühle für seine Projekte formuliert, in den Vordergrund. So auch bei der folgenden Aufgabe.

 

6. Während die SchülerInnen fächerübergreifend beispielsweise im Chemieunterricht an der Herstellung ihrer Süßigkeiten arbeiten, entwerfen sie parallel dazu im Kunstunterricht mögliche Verpackungstüten. Hausaufgabe bis zu dieser Stunde war es, eine leere Verpackungstüte der Süßigkeiten mitzubringen. So haben die SchülerInnen einen Orientierungspunkt, wenn es darum geht, was muss auf eine solche Verpackung überhaupt drauf?


 

7. Im nächste Schritt werden die bisherigen Entwürfe der Tüten umgesetzt. Auch hier bleibt den SchülerInnen die Wahl von Material, Form, Layout und Slogan frei. Anschließend werden die fertigen Gummitierchen in die neuen Tüten verpackt.


In diesem vorerst letzten Schritt steht noch einmal das Künstlerische im Fokus des Projektes.

Man könnte das Projekt nun weiter spielen, indem man den SchülerInnen die Aufgabe stellt die neu entstanden Produkte zu fotografieren, sodass zum Beispiel Plakate für Litfaßsäulen gestaltet werden können, oder gemeinsam einen kurzen Werbespot zu entwickeln – Den Möglichkeiten sind prinzipiell keine Grenzen gesetzt.

Transformationen einer „Crazy Python“

Für diesen Artikel habe ich die Gummischlangen als Material erforscht und verschiedene Versuche durchgeführt, um es zu verfremden und schließlich eine neue „Crazy Python“ zu kreieren (auch passend zur ersten Aufgabe zum Konzept der Kunstorientierung). Ich habe die Gummitiere gezogen und entgegen der Anweisung auf der Packung (Vor Wärme und Feuchtigkeit schützen.) in kaltes und warmes Wasser gelegt. Durch Zerschneiden der einzelnen Schlangen und das Zusammenkleben der Schnittflächen ist eine Schlange entstanden, die zwar aus Teilen der „Crazy Pythons“ von Haribo besteht, durch die Zusammenstellung der Farben und die zwei Köpfe aber doch eine neue, noch verrücktere Dimension erreicht.

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Als ich die Schlange fertig hatte, kam mir die Idee in den Sinn, dass man sie neu zusammengefügt auch als Schmuck – nämlich als Armband oder Kette – verwenden könnte. Das Spiel mit dem Material wird hier also bereits zurück in einen Zweck überführt.

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