Geteilt: Gewalt gegen Frauen ist ihr Geschäftsmodell.

Passend zum Thema 16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen von 25.November bis 10. Dezember jeden Jahres, ein wichtiges Video zu einem leider aktuellen Fall in Österreich. ….. Es wäre dringend notwendig, wenn auch der Boulevard endlich Verantwortung übernimmt.

https://youtube.com/shorts/23HeRForjms?si=61KodZbAuuJ86FZ7

Geteilt: Versteckte Scham bei kPTBS

In diesem Video bzw. diesen Erklärungen finden wir uns zu 100 % wieder und zwar mehrfach.

Das tut zwar enorm weh, hat aber auch etwas ganz tief Tröstliches.

Scham als verstecktes Gefühl hinter allem Schmerz und Leid. Scham als Grundlage auf einer Ebene tiefer, die so tief ist, dass sie sofort wieder überdeckt wird von Gefühlen, die sie maskieren.

Scham ein Gefühl, das so sehr mit dem eigenen Selbstwert und der eigenen Identität verschmolzen ist, dass ein Entlarven einem existentiellen Angriff gleich zu kommen scheint. Dabei bedeutet die Anerkennung und damit langsame und behutsame Trennung von Scham und Identität einen bedeutenden Schritt Richtung Heilung und Selbstliebe zu gehen.

Das haben wir beim ersten Hören mitgenommen.

Aber hört euch das Video selbst an (wir bedauern, dass das Video im Reader wohl nur als Link aufscheint, es wird aber korrekt zu YT weitergeleitet):

Leben mit DIS #71: Versuch einer Erinnerung

Wir haben vor einigen Wochen kurz nach dem Aufwachen versucht uns an unsere Kindheit vor dem 10 Lebensjahr zu erinnern. Seither liegt der Entwurf abgespeichert. Heute veröffentlichten wir ihn, ohne weiter zu schreiben. Wir denken, er ist so aussagekräftig genug? Aber vielleicht geht’s Leuten ohne DIS auch so? Das würde uns wirklich interessieren. Vielleicht mag jemand etwas dazu schreiben?

Viele der alltäglichen „Erinnerungen“ an damals sind Erinnerungen an Fotos oder Filme von damals, die unser Vater aufgenommen hat. Es gibt aber auch Erinnerungen darüber hinaus, die Erinnerungen in uns sind.

Bei aller Bemühungen „mich“ als Hauptperson in diesem Leben zu erkennen, ist es mir unmöglich. Dieser junge Körper, der damals lebte hat emotional einfach nichts mit mir/uns heute zu tun. Wir können dieses Kind nicht fühlen, zumindest nicht mehr als Mitgefühl für eine uns fremde Person zu empfinden.

Leben mit DIS #70: Innen und außen

Wir waren gestern in der Therapiestunde mit S., unserer Hündin. Es war eigentlich eine ungewollte Situation, denn die Therapie ist für uns und S. bündelt ganz viel Aufmerksamkeit, von uns und vielleicht auch von der Therapeutin. Vermutlich aber mehr von uns, denn es ging viel darum, wie wir neben ihr bei uns bleiben können.

Das führte zu der Aussage unserer Therapeutin, dass wir so starke Unterschiede im Empfinden haben, ob Lebewesen um uns sind, oder wir für uns alleine sind. Und tatsächlich ist das so, aber wir wussten nicht, dass das ungewöhnlich wäre.

Wir sind damit aufgewachsen, dass sich das Familienleben innerhalb der Wohnung und außerhalb der eigenen 4 Wände vollkommen unterschiedlich darstellte. Außen war immer alles Show, nie gab es etwas Echtes. Als Jugendliche haben wir bereits für uns über diese Situation zu Schein und Sein geschrieben. Es war uns bewusst und dennoch konnten wir nichts dagegen tun.

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komplexe PTBS gut erklärt

Nachdem unser letzter Beitrag manche Frage aufgeworfen hat und weil wir dieses Video wirklich für gut und hilfreich halten:

Leben mit DIS #69 : Täter-Programme in der Heilung verfolgen

Oder: Wenn der Drang „normal“ zu werden Lebendigkeit verhindert.

Seit mehr als 30 Jahren arbeiten wir intensiv daran „normal“ zu werden. Das ist nicht das offizielle Therapie Ziel mit unserer Therapeutin und dennoch scheint es unser Therapie Ziel ebenso zu sein, wie das Therapie-Ziel der gesetzlichen „Gesundheitskasse“. Wir bearbeiten Traumata, eines nach dem anderen, integrieren sie zum Teil oder auch ganz, aber dennoch …..

Es ist ein Leben in der Lüge.

Was ist das Ziel all dessen? Nicht auffallen, jedoch ohne zu sehr darunter zu leiden.

Damit verfolgen wir genau den Auftrag, den die Täter uns gegeben haben. „Wir haben das Recht dich zu quälen und du musst damit fertig werden, ohne andere damit zu belasten.“

Nun gut, wir haben im Laufe unserer Therapie unsere Therapeutin(nen) sicher auch belastet, uns aber dennoch bemüht den Weg der Heilung zu gehen, welchen wir wohl ganz falsch definiert haben.

Was bedeutet Heilung bei komplexem Trauma? Die Traumata so integrieren, dass sie ncht mehr auffallen und damit die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber massiven psychischen Folgen von Gewalt nicht zu stören?

Das ist die Intention der Täter, denn dann können die schrecklichen Auswirkungen von körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt und Vernachlässigung in früher Kindheit verleugnet werden. Es ist dann nur eine Frage des Willens der Opfer, eine Frage der je eigenen Resillienz mit der erlittenen Gewalt zurecht zu kommen. Eventuell wäre es noch die Frage der geeigneten Therapie, aber es geht in diesem Gedankengut nicht darum endlich effektiv gegen Gewalt in dieser Gesellschaft vorzugehen.

Wir waren gestern mit Leuten, die in Wien an einer Konferenz zu psychiatrischer Pflege und Arbeit teilnehmen. Dort waren einige Peers, die aus eigener Betroffenheit auf Psychiatrien (auch als Übersetzer:innen zwischen Patient:innen und medizinischem Personal) arbeiten.

Diese Begegnung hat uns vor Augen geführt, wie sehr wir versuchen gesellschaftskonform zu leben, ohne dass es uns gelingt und damit uns selbst belügen und zugleich an uns verzweifeln.

Wir haben schreckliche Stunden hinter uns, dies wahrzunehmen, was wir nicht wahrnehmen wollten. Hoffentlich gelingt es uns an dieser Erkenntnis festzuhalten und in diese Richtung weiter zu gehen. ….. Das bedeutet das Unterste nach oben zu kehren und uns selbst an erste Stelle zu stellen und nicht unsere Unsichtbarkeit, wie wir es seit unserer  Geburt gelernt haben.

Gibt es Menschen, in denen wir uns wiederfinden? Und zwar mehr als nur partiell?

Ist es wünschenswert ein Abbild seiner selbst im eigenen Leben zu haben und weshalb sollte es gut sein?

Wir denken, dass wir diesen Wunsch in uns tragen. Vielleicht ist es ein Wunsch eines Kleinkindes, einem Elternteil nacheifern zu können, statt bereits im Babyalter zu erkennen, dass ich mich emotional von den Eltern trennen muss, um zu überleben.

Ist es der unerfüllte Kinderwunsch der jungen Frau? Ein Wunsch der glücklicherweise unerfüllt blieb, sodass wir unsere Traumata nicht weitergeben konnten.

Oder ist es der Wunsch, dass uns jemand vorlebt, wie wir unseren Lebensweg gehen sollen, der sich so von einer „Normbiographie“ unterscheidet, weil wir müde sind unseren Weg zu suchen, der sich gefühlt so stark unterscheidet, von dem der meisten Menschen.

Aber vielleicht ist es auch bloß eine Illusion, dass andere Menschen nicht eine ähnlichen Suche nach ihrem Weg führen? Vermutlich gibt es viele, die sich immer wieder hinterfragen, ob sie tatsächlich dort sind, wo sie sein mögen, oder einfach aufgeben danach zu fragen und sich treiben lassen?

Vielleicht wäre es erschreckend, wenn jemand mit unserer Biographie einen ganz anderen Weg einschlagen würde, den wir nicht akzeptieren könnten?

Da sind wir wieder bei einer Variante unseres Buches, nämlich unsere Biographie mit unterschiedlichen Lebenswegen zu zeichnen. Es gilt zu schreiben, ohne uns ablenken zu lassen.

Dies ist eines unserer ganz großen Lebensziele. Möge es uns gelingen.

Wenn der Krieg nicht endet – Wie transgenerationale Traumata unsere Träume beherrschen

Kriegsenkel leiden oft unter seelischen Lasten, die sie nie selbst erlebt haben. Wie Traumata vererbt werden – und warum Albträume, Ängste und innere Leere oft ihren Ursprung in der Vergangenheit der Familie haben. Ein persönlicher Essay mit wissenschaftlichem Fundament.

Wenn der Krieg nicht endet – Wie transgenerationale Traumata unsere Träume beherrschen

Es gab schon lange keine Zeilen von uns. Zu viele Eindrücke und zu wenig Zeit machten eine Einordnung um sie niederzuschreiben bisher unmöglich. Aber es geht uns wirklich gut.

Bis zu einem nächsten selbst geschriebenen Beitrag hier ein Fundstück eines Blogger-Kollegen zum wichtigen Thema transgenerationale Traumata.

Herzliche Grüße an alle, die hier weithin lesen, obwohl es so lange still war und an alle die zufällig hier neu vorbei gekommen sind. Habt alle einen schönen Sommer.

Leben mit DIS #68: Zum ersten Mal – ein tränenreiches Telefonat

Demnächst fliegen wir wieder nach Frankreich, um unsere Therapie fortzusetzen und etwas Urlaub zu machen.

In der Therapie soll es auch um unsere Mutter gehen.

Relativ kurz vor der Abreise kam ein Mail von ihr, dass „ich“ ihr fehle, sie wissen mag, wie es „mir“ geht und sie gerne „meine“ Stimme hören möchte.

Wir haben ihr geantwortet, dass ihr wohl eher das Gefühl einer heilen Familie fehlt und nicht „ich“, aber diese heile Familie war immer eine Lüge.

Heute kam, einige Tage nach unserer Mail, das erste Mal eine Antwort, die kein Vorwurf war, keine Beleidigung, sondern ein Bedauern, dass es ihr Leid tut, wenn sie mir weh getan hat. Aber sie weiß nicht, wie lange sie noch am Leben ist, darum hätte sie gerne Kontakt mit „mir“.

Wir riefen unsere 83jährige Mutter an und sie entschuldigte sich das erste Mal überzeugend, als wir ihr zum wiederholten Mal von den Vergewaltigungen unseres Vaters berichteten. Sie hatte sich diese Tatsache in ihrem Kopf so zurecht gebogen, dass sie es als „Missverständnis“ zwischen unserem Vater/ihrem Mann und uns werten konnte und so beiden emotional nahe bleiben konnte. ….. Wir wurden eindeutig, als sie eine Vergewaltigung als „Missverständnis“ sehen wollte. Dennoch verstehen wir ihre starke Tendenz zur Verdrehung der Realität. Ihr Schmerz sich ihren Irrtum einzugestehen muss enorm sein. Das haben wir ihr auch gesagt.

Sie wird dieses Gespräch vermutlich ebenso verdrängen, wie vorherige. Sie wird auch das nächste Mal nichts von der Gewalt ihres Ehemannes und Vaters ihrer Kinder wissen, nehmen wir an. Aber es war ein Moment der Verbundenheit, ein Moment in dem sie sich erschüttern ließ und uns zuhörte.

Es war ein Augenblick in dem sie so etwas wie eine Mutter war. Ein offenes Gespräch, in dem wir ehrlich miteinander sprechen konnten, miteinander weinen konnten.

Wir sagten ihr, dass wir wegfahren und Therapie machen werden und sie meinte ebenfalls zum ersten Mal, dass das gut ist und es „mir“ sicher gut tun wird.

Bisher fand sie Therapie immer unnötig und Geldverschwendung und man redet mir nur Blödsinn ein.

Wir wissen nicht, ob diese plötzliche emotionale Klarheit und Empathiefähigkeit ein Zeichen für ihr baldiges Ende ist.

Wir hoffen es nicht.

Zum ersten Mal seit langem.

Leben mit DIS # 67: Das vergessene Trauma

Ende Januar wurde dieser Text geschrieben:

Gestern bei einer der Spezialistinnen für DIS in Österreich. Es ging um eine zweite fachliche Meinung für die Gesundheitskasse um Psychotherapie weiter genehmigt zu erhalten. Sie fragte uns bzgl. unseres Therapeutischen Werdegangs und wie es dazu kam.

Auch wann denn die Übergriffe aufhörten. Und wie selbstverständlich kam von uns, dass sie mit dem Auszug aus der elterlichen Wohnung beendet waren. Danach ging es halt in Beziehungen weiter.

Es war vielleicht ein fast unmerkliches Zucken der Therapeutin, ein Bedauern, das bei uns nach arbeitete.

Niemals hatten wir daran gedacht, die Sexualität unserer erwachsen Beziehungen in Frage zu stellen, obwohl wir wussten, dass es für uns immer ekelig war und wir willenlos ausgeliefert.

Aller Sex, Übergriffe im Erwachsenenalter, als wir männlichen Begehrlichkeiten nichts entgegen zu setzen hatten, weil wir dachten, dass wir das nicht dürfen, sind nicht therapeutisch besprochen.

Weil wir immer noch damit leben, uns selbst die Schuld zu geben. Wir waren ja erwachsen, wir hätten uns doch wehren können.

Nein, das konnten wir nicht!

Tränen kommen noch immer hoch und Ekel, wenn wir an Sex mit Männern denken. Unser Hass auf diese Männer, denen nicht einmal auffiel, dass wir nicht an ihnen interessiert waren und schon gar nicht an Geschlechtsverkehr ist enorm groß. Bzw. die so sehr daran interessiert waren befriedigt zu werden, dass ihnen das Gegenüber – also wir – vollkommen egal waren. Wir waren leicht zu haben, weil wir so wehrlos waren.

Wir haben zwei Mal geheiratet, weil wir nicht wagten „Nein“ zu sagen. Weil wir nicht wussten, dass wir dazu überhaupt eine eigene Entscheidung haben dürften. Von so etwas wie Liebe war in unserem Leben niemals die Rede. Es ist erschreckend, dass diese Männer das nicht merkten.

Der Schmerz ist so übermäßig groß.


Die Psychotherapie wurde nach fast vier Monaten und mancher Debatte genehmigt. Die Expertise der Trauma Expertin wurde in Frage gestellt.