
Was war das für ein anstrengender Schritt. Mit welchen immensen Ängsten hatte ich zu kämpfen. Ich habe eine ehrenamtliche Tätigkeit gefunden, dies bei der „Obdachlosenhilfe Berlin e.V.“ Dieser Verein verteilt mehrfach unter der Woche an verschiedenen Orten Kleider, Toilettenartikel und vor allem: Lebensmittel. Im Vorfeld wird gekocht, das abwechslungsreiche Essen wird warm ausgegeben.
Und: Man kann einfach vorbeigehen. Man muss sich nicht anmelden. Und das mag ich gar nicht. „Einfach hingehen“… Ich hasse das. Was denken die Leute, wenn sie mich sehen? Wie nehmen sie meine Art auf, mein Handeln. Kann ich das überhaupt, Essen ausgeben? Oder Kleider: Woran soll ich die Grösse erkennen? Und mögen sie mich überhaupt?
Die Versagengsängste waren gewaltig. Mich zeigen einer Gruppe von Menschen, die sich schon bestens kennen… Und über mich reden vielleicht…
Beim ersten Termin konnte ich den Treffpunkt nicht finden. Er befand sich, so erfuhr ich hinterher, in einer Kirche…. Die einzige Kirche weit und breit. Ja, ich stand davor, sie war erleuchtet und die Tür war offen… Ich traute mich nicht hinein und ging wieder nach Hause, ich war erleichtert dass ich den Verein nicht gefunden hatte…. Nochmals eine Galgenfrist.
Am kommenden Abend gab es dann keine Gnade: Ich fand die Helfer sofort. Also drehte ich ab, rauchte noch eine Zigarette, sortierte meine Ängste und ging „einfach“ auf sie zu. Und Hoppla: Ich wurde herzlich empfangen, war sofort Teil des Teams. Und es hatte noch drei weitere Neulinge. Alles sehr freundliche, hilfsbereite Menschen, die mich so nahmen wie ich ihnen erschien.
Es war ein schöner Abend, und ein Hochgefühl hinterher.
Gestern war ich wieder dort. Es kam zu interessanten Gesprächen, zufriedenen Gästen und gegenseitiger Sympathie.
Es kann so einfach sein.
Nun, ich akzeptiere meine Ängste. Beim nächsten Mal, wenn ich etwas Neues und Unbekanntes machen werde, werden sie wieder auftauchen. Und ich werde wieder meine Runden drehen. Und am Ende wird alles gut. 🙂