DUDEN: Vergessene Wortschätze 2026

W O R T K Ö S T L I C H K E I T E N

Kalenderrezension von Ulrike Sokul ©

Der Tagesabreißkalender „Vergessene Wortschätze 2026“ bietet ein beachtliches Sammelsurium von Wörtern, die unlängst aus dem Duden verschwunden sind und aktuelleren Wörtern Platz machen mußten, sowie von Wörtern, die bereits auf der entsprechenden Streichungsvorwarnliste gelandet sind. Auf dem täglichen Kalenderblatt erscheint ein solches „altmodisches“ Wort, und auf der Kalenderblattrückseite wird dieses Wort etymologisch erläutert und durch die eine oder andere amüsante Anekdote ergänzt. 

Viele deutschsprachige Wörter wurzeln selbstverständlich im Alt-, Mittel- und Neuhochdeutschen oder sie entstammen Martin Luthers bibelüber-setzerischen Wortschöpfungen. Nicht wenige sind auch lateinischen, griechischen oder jiddischen Ursprungs.

Im Fließtext dieser Rezension sind die zitierten Wortschatzwörter kursiv markiert. Das neue Kalenderjahr beginnt mit Zukunftsmusik und Wolken-kuckucksheim. Noch etwas schlaftrunken blättere ich mich noch vor dem dejeunieren durch die Seiten und bin baff, daß sowohl der Süßholzraspler als auch die Streicheleinheit, das Techtelmechtel und die Turteltäubchen aus der Mode gekommen sind. Daß solche zärtlichen Pretiosen nun ins Sprach-museum verfrachtet wurden, finde ich ganz und gar nicht picobello sondern geradezu infam. So scheint mir doch – mit Verlaub – der Liebeslebenswort-schatz von anno dazumal wesentlich possierlicher als der von heutzutage.

Ich frage mich allgemach und sub rosa, in welchen geistigen Gefilden wir unterwegs sind, wenn uns inzwischen sogar der Okzident wortwörtlich nicht mehr geläufig ist.

Mehr Verständnis habe ich für das Schwinden von Aficionado, Karossier, Rohrpost, Töfftöff, Trockenwohner, Gallenkitzler und Kaffeeriecher – in der nachzulesenden historischen Betrachtung vermitteln sie gleichwohl interessantes kulturhistorisches Detailwissen. Wie schnell zudem tech-nische Neuheiten alt aussehen, zeigt sich am Walkman – die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch -, der nach weniger als 40 Jahren nur noch über nostalgischen Wortwert verfügt.

Dieser Kalender bietet anregende, interessante und kurzweilige Erkennt-nisse für sprachliebhaberische Wortspieler und eloquente Wortgespielin-nen. Kundig, eingängig und vergnüglich vermittelt er auch dem nicht-akademischen Lesepublikum die entdeckungsfreudige Spannung wort-geschichtlicher Spurensuche.

Wahlweise kann dieser Kalender an die Wand gehängt oder dank einer Aufstellvorrichtung auch als Schreibtischkalender genutzt werden.

Hier entlang zum Kalender und zur Leseblätterprobe auf der Verlagswebseite: https://harenberg-kalender.de/duden-vergessene-wortschaetze-tagesabreisskalender-
2026/

Zwischen den Jahren 2025/2026

 

»In Wirklichkeit ist kein einziger Gedanke vollkommen isoliert.
Der wahre Weltraum befindet sich im Inneren.
Das, was in unserem Geist geschieht,
hallt durch das gesamte Universum wider.«


– Drukpa Rinpoche –
aus: „Tibetische Weisheiten“
Herausgegeben von Jean-Paul Bourre
DTV Verlag 1999

Photo by Nicole Avagliano on Pexels.com

Solingen, 29. Dezember, Anno 2025

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

im Zeitraum zwischen dem alten und dem neuen Jahr möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken für die charmante, zugeneigte und lebendige Kommentarkonversation, die anregende Resonanz und ausdrückliche Wertschätzung, die ich für meine Leselebenszeichen von Ihnen bekomme.

Das, was in unserem Geist geschieht, wird selbstverständlich beeinflußt durch die Bücher, die wir lesen. Wir erschließen uns eine Lektüre, aber die Lektüre dringt unvermeidlich auch in uns ein. Darum ist es sinnvoll, gut zu wählen. Wie, was und warum auch immer Sie lesen – ich hoffe, Ihnen mit meinen Rezensionen bei dieser Auswahl dienlich sein zu können.

Möge im Laufe des neuen Jahres 2026 viel in Ihrem Geist geschehen, das befreiend, belebend, erhebend, beglückend, entspannend, erheiternd, ermutigend, heilsam, inspirierend, belichtend, verbindend, selbsterkenntnisreich und herzenserweiternd wirkt. Seien wir aufmerksam und präsent für die geistigen Echos, die wir – zwischen Bücherstaub und Sternenstaub – selbst erzeugen.

 

Auf Wiederlesen sagt Ihnen
Ihre Bücherfee
Ulrike von Leselebenszeichen

Weihnachten

  • Der große und der kleine Igel, Band 6
  • Text und Illustration von Britta Teckentrup
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart, 2025 www.jacobistuart.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21 x 28 cm
  • 32 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-96428-284-2
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

WEIHNACHTSMITEINANDER

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Kaum hat der kleine Igel Geburtstag gefeiert (siehe Band 5: Der Geburtstag), da wird es auch schon Zeit für die Weihnachtsfeier. Und so machen sich der große und der kleine Igel auf den Waldweg, um den schönsten Tannenbaum zu finden.

Der erste Baum ist zu klein, der zweite viel zu groß und der dritte zu schief, doch der vierte Tannenbaum ist schließlich der passende Kandidat. Eifrig beginnen die Igel, den Baum mit den mitgebrachten Glöckchen, Strohsternen, Kugeln, Kerzen und Zucker-stangen zu schmücken. Auf einmal schaut ein Waschbär zwischen den Tannenzweigen hervor und beschwert sich, was sie denn da mit seinem Wohnbaum anstellten.

Freundlich erklären die Igel ihre weihnachtsfeierlichen Absichten und laden den knurrigen Waschbären auch gleich mit zur abendlichen Weihnachtsfeier ein. Der Waschbär ist nicht abgeneigt, wundert sich aber, daß diese Weihnachtsfeier und die Bescherung schon am Abend stattfinden sollen. Denn da, wo er herkomme, werde dies alles erst am ersten Weihnachtsmorgen gemacht. Außerdem erzählt er vom Brauch des Sockenaufhängens, und das hinzugehüpfte Grauhörnchen weiß zudem noch von Papierkronen und Weihnachts-Knallbonbons zu berichten.

Der große und der kleine Igel sind ganz fasziniert, daß es noch andere Weihnachts-traditionen als die ihnen vertrauten gibt, und sie beschließen, einfach zweimal Weih-nachten zu feiern. Dem Waschbären, dem Grauhörnchen und weiteren Tiere gefällt diese Lösung, und während sie nun gemeinsam den Baum schmücken, lernt der kleine Igel noch beiläufig wie „Frohe Weihnachten“ in einigen anderen Sprachen heißt. 

Es wird ein schönes Weihnachtsfest für alle, und voller Vorfreude auf die feierliche Fortsetzung am nächsten Morgen schläft der kleine Igel selig ein.

Britta Teckentrup erzählt diese weihnachtsvor- und mitfreudige Geschichte in bewährter warmherziger und kindgemäßer Sprache und erweitert unaufdringlich den kindlichen Weihnachtsfeierhorizont.

Die stimmungsvollen Illustrationen bieten eine gelungene bilderbuchkünstlerische Verbindung von Naturbelassenheit und detailreicher Verspieltheit und verbreiten eine großzügige, ebenso schöne wie anheimelnde Portion Weihnachtszauberglanz.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/neuerscheinungen/der-grosse-und-der-kleine-igel-weihnachten/

Hier entlang zu den igeligen Vorgängerbänden:

Band 1: „Warte doch mal!“  Warte doch mal!
Band 2: „Ich hab doch keine Angst!“ Ich hab doch keine Angst!
Band 3: „Das kann ich auch!“ Das kann ich auch!
Band 4: „Nochmal!“ Nochmal!
Band 5: „Der Geburtstag“ Der Geburtstag

Die Autorin & Illustratorin:

»Britta Teckentrup, geboren 1969 in Hamburg, hat in London Kunst studiert. Nach siebzehn Jahren in England, während derer sie zahlreiche erfolgreiche Bilderbücher weltweit veröffentlichte, lebt sie heute mit ihrer Familie in Berlin. http://www.brittateckentrup.com/ «

Die Spieluhr – Taschenbuchausgabe


B I L D E R R E I G E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Die Spieluhr“ von Ulrich Tukur ist eine musische, malerische und musikalische Geschichte, poetisch, geheimnisvoll und vielschichtig; sprachlich wunderbar geschliffen, anziehend altmodisch, niveauvoll  –  ja: ELEGANT. Ich bin hingerissen, solches Sprachgut bei einem Autoren der Gegenwart erlesen zu dürfen!

Ulrich Tukur, der den meisten wohl als Schauspieler bekannt sein dürfte und vielleicht auch als Musiker und Sänger der Tanzkapelle „Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys“, offenbart mit der Novelle „Die Spieluhr“ ein weiteres beachtliches Talent als Schriftsteller.

Der Autor erzählt von den Dreharbeiten zur Filmbiographie der Malerin Séraphine Louis. Im Film verkörpert er Wilhelm Uhde, einen deutschen Kunstsammler, der 1912 bei einem Urlaubsaufenthalt in der französischen Kleinstadt Senlis das außergewöhnliche Maltalent von Séraphine entdeckt und fördert.  

Ulrich Tukur beginnt als Ich-Erzähler mit der Gegenwart seiner Ankunft am Drehort, leitet dann über in die Vergangenheit und beschreibt einfühlsam Wilhelm Uhde und Séraphine Louis sowie die unkonventionelle Begegnung und Verbindung zwischen akademischer Kultiviertheit und mystisch-religiösem Naturtalent.   

Zurück in der Gegenwart berichtet der Autor von einem Problem bei den Dreharbeiten: Der Filmarchitekt hat trotz umfänglicher Hausbesichtigungen noch nicht den passenden Drehort für die Inszenierung von Séraphines Unterkunft gefunden. Der Regisseur will keinen Studioaufbau, sondern unbedingt etwas Echtes.

Der Regieassistent Jean-Luc, der fertiges Filmmaterial nach Paris zum Entwickeln bringen soll, verschwindet spurlos und taucht sichtlich erschüttert zwei Tage später wieder auf und erzählt, daß er unterwegs zufällig (oder schicksalhaft) ein verborgenes Schloß entdeckt habe. Dort befände sich ein Raum, der sich perfekt als Séraphines Filmzimmer eigne. Er hätte schon alles mit dem Schloßherrn besprochen, der sogar bereit sei, die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Jean-Luc versucht seine irrlichternden Erfahrungen mit dem geheimnisvollen Schloß und seinen Bewohnern in Worte zu fassen; nicht ganz zu Unrecht befürchtet er, von seinen Zuhörern für verrückt gehalten zu werden. Der Schloßherr, der Marquis von Montrague, hat ihn freundlich und mit bescheidener Gastlichkeit im Küchengewölbe aufgenommen. Beim Abendbrot erklingt eine betörend schöne Musik aus der oberen Etage, und der Marquis erklärt, daß sein Sohn Amadé im alten Spiegelsaal Cembalo spiele; der Sohn habe das musikalische Talent einer Ahnin aus dem 18. Jahrhundert geerbt.

Während der Marquis erzählt, wie diese Ahnin, Marie-Élisabeth de Courtils, dank ihrer musikalischen Virtuosität und ihrer besonderen Schönheit zur Zeit der Französischen Revolution  – wortwörtlich – ihren Kopf retten konnte, schaut Jean-Luc gewissermaßen durch die Augen des Marquis auf das Portrait der Marquise Marie-Élisabeth de Courtils. Sodann sieht er, wie die Bildleinwand aus dem Rahmen gelöst wird; dahinter erscheint ein Schloßsaal, der vom revolutionären Pöbel gestürmt und verwüstet wird… Plötzlich sitzt er wieder im Küchengewölbe und lauscht dem Bericht des Marquis, der inzwischen von den Verhältnissen im Schloß zur Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg berichtet.

Schließlich begleitet der Schloßherr Jean-Luc zu seinem Gastzimmer und erwähnt beiläufig, daß dort einst eine Magd gewohnt habe, die später als Malerin zu Ruhm gekommen sei. Auf dem Weg dorthin passieren sie eine Portraitgalerie; im unbeständigen Kerzenlicht – das Schloß verfügt nicht über einen Stromanschluß – scheinen die abgebildeten Personen seltsam bewegt und lebendig zu sein. Der Marquis schickt seinen Gast mit der ausdrücklichen Bitte und Warnung zu Bett, des Nachts keinesfalls sein Zimmer zu verlassen.

Jean-Luc inspiziert die altmodische Kammer und betrachtet eine gerahmte, sentimentale Mariendarstellung. Als er den Kerzenleuchter näher an das Bild hält, öffnet sich der gemalte Mund und die Madonna spricht zu Séraphine und gibt ihr Anweisungen zum Mischen der Farben für ein Gemälde des Paradiesbaumes…

Der Regisseur und die anderen Filmkollegen nehmen diese seltsame Geschichte erst einmal so hin und fahren für den Rest des Tages mit den Dreharbeiten fort. Nach Drehschluß soll Jean-Luc dem Aufnahmeleiter und dem Filmausstatter das Schloß zeigen. Er fährt mit ihnen den gleichen Weg, den er genommen hatte, aber es findet sich kein Schloß. Auf die scherzhafte Frage, welche Sorte Drogen er denn eingenommen habe, reagiert Jean-Luc empört; er macht sich alleine auf die weitere Suche und verschwindet im Wald.

Jean-Luc bleibt verschwunden und wird als vermißt gemeldet. Die Dreharbeiten gehen weiter und werden abgeschlossen. Ulrich Tukur genießt den letzten Sommerabend vor seiner Abreise auf der Terrasse seines Hotelzimmers und reflektiert selbstkritisch über seine Darstellung des Wilhelm Uhde. Unverhofft erscheint Jean-Luc in sehr abgerissener Verfassung auf der Terrasse, bittet um Speise und Trank und vertraut Ulrich Tukur die Fortsetzung seiner unglaublichen Geschichte an.

Trotz der Warnung des Marquis hatte Jean-Luc seine Schlafkammer verlassen und war dem Klang der überirdischen Cembalomusik gefolgt, die ihn zum Spiegelsaal führte. Amadé, der Cembalospieler, freute sich sehr über den Besuch Jean-Lucs und ein wenig Unterhaltung und empfing ihn mit gutem alten Wein. Doch das im Saal befindliche, seltsam leuchtende Gemälde der Marquise Marie-Élisabeth de Courtils beanspruchte Jean-Lucs ganze Aufmerksamkeit, und er war mehr denn je unwiderstehlich angezogen von ihrer verheißungsvollen Schönheit und Ausstrahlung. Amadé machte sich zwar lustig über Jean-Lucs Entflammtheit, führte ihm jedoch auch vor, wie er durch das Aufziehen einer magischen Spieluhr in die Welt hinter dem gemalten Bild gelangen könnte…

Nach dieser Beichte verschwindet Jean-Luc erneut, und erst ein halbes Jahr später erfährt Ulrich Tukur im Zusammenhang mit den Synchronisationsarbeiten zum Film, daß sich Jean-Luc erhängt hat. Außerdem hat er einen Brief für Ulrich Tukur hinterlassen. Dieser Brief und seine Betroffenheit über den Tod des jungen Mannes veranlassen ihn, den Spuren Jean-Lucs zu folgen und sich selbst auf die Suche nach dem eigentümlichen Schloß zu begeben.

Er findet das wirklich-unwirkliche Schloß im Jahre 1944 und betritt eine Reihe von changierenden Räumen; Gobelins führen in wirkliche Landschaften, und Landschaften wieder in geschlossene Räume, Menschen gelangen in Bilder und Bilder in Menschen, man weiß nicht mehr, ob Menschen Bilder betrachten oder umgekehrt. Die Spieluhr spielt nach einer traumwandlerischen Choreographie mit Raum und Zeit und Leben.

Auch äußerlich hat dieses faszinierende Buch viel zu bieten:
Es ist in puderig-blaugrünes Leinen gebunden, mit einem floralen Motiv im Goldprägedruck als Titelbild, die Vorsatzblätter sind aus schwarzem, atlasseidig anmutendem Papier, die Serifen-Typographie »Centaur« ist reizvoll antiquarisch, gleichwohl gut und sehr klar leserlich. Das Verlagslogo ist unauffällig, beinahe unsichtbar ins Leinen eingeprägt, und es gibt ein LESEBÄNDCHEN. Ich liebe Lesebändchen, sie sind schön, praktisch und – heutzutage – luxuriös.

Die Gestaltung (von Sabine Wimmer, Berlin) des Buches läßt es wie ein neues, altes Buch erscheinen, das gut in ein Buchhändlerschaufenster von 1913/14 gepaßt hätte. Ange-sichts unserer plakativen, bildinflationären Sehgewohnheiten ist diese Buchgestalt von wohltuender Unaufdringlichkeit und harmoniert ausdrücklich mit dem feinsinnigen Text.

Zum Ausklang noch ein Zitat als Leseleckerbissen:

Ich sammelte die herausgefallenen Kerzen ein, steckte sie zurück und zündete sie an. Die Gegenstände um mich herum, ihrer nächtlichen Gestaltlosigkeit entrissen, flossen zögerlich zurück in die Form, die ihnen vom Licht bestimmt war.“ (Seite 54)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.ullstein.de/werke/die-spieluhr/taschenbuch/9783548288758

Der Autor:

»Ulrich Tukur, 1957 in Viernheim geboren, ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Preise, 2013 wurde ihm der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache verliehen. 2005 erschien sein Erzählungsband Die Seerose im Speisesaal. Ulrich Tukur lebt mit seiner Frau, der Fotografin Katharina John, in Venedig.«

 

Das war doch keine Absicht!

TSCHULDIGUNG!

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Jörg Mühle hat einen dritten Band mit den streitlustigen Waldbewohnern Bär und Wiesel geschrieben und gezeichnet. Im ersten Band „Zwei für mich, einer für dich“ Zwei für mich, einer für dich ging es ums gerechte Teilen, der zweite Band „Morgen bestimme ich!“ Morgen bestimme ich! handelt davon, wer mit wem spielen soll und dabei den Ton angibt, und im neuen dritten Band wird das Thema des angemessenen Entschuldigungs-verhaltens durchgespielt.

Es ist Winter, und der große Bär räumt mit einer großen Schaufel Schnee weg, während das kleine Wiesel mit einem kleinen Handfeger Schnee fegt. Der Bär trifft mit einer rück-lings abgeworfenen Schneeladung versehentlich das Wiesel, welches sich sogleich laut-hals beschwert und eine Entschuldigung verlangt. Brummelnd meint der Bär, daß er sich für diesen absichtslosen Schneewurf nicht entschuldigen müsse und daß das Wiesel selber besser auf sich aufpassen und auch nicht hinter ihm herumwuseln solle.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Das nun folgende lebhafte Streitgespräch über das Maß der Verletztheit, die einer Ent-schuldigung bedarf, sowie über richtige und falsche Entschuldigungen steigert sich zu einer Schneeballschlacht, bei der die Schneebälle von diversen Entschuldigungsformu-lierungen begleitet werden. Es wirkt so, als hätten die beiden Kontrahenten inzwischen sogar Spaß an dieser Auseinandersetzung.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Der Fuchs kommt vorbei und will wissen, was sie denn da veranstalteten. Einträchtig antworten Bär und Wiesel mit einem schneebestäubten: „Wir vertragen uns.“ Daraufhin hält der Fuchs die Beiden für Spinner und formuliert das auch so. Dies wiederum lassen sich Bär und Wiesel nicht widerspruchslos gefallen und verlangen – mit deutlich sichtbarer Vorfreude – eine Entschuldigung…

Jörg Mühle inszeniert das Thema des Sich-entschuldigen-Sollens-oder-Wollens in Wort und Bild sehr anschaulich, kinderlebensalltagsnah und lustig. Die kommunikative Qualität der Illustrationen zeigt sich besonders in der gelungenen Darstellung des gestischen und mimischen Ausdrucks der Charaktere. Dies bietet Kindern buchstäblich kinderleichten Identifikationsspielraum und eine spielerische Anregung, eigenen und fremden Bedürfnissen, Entschuldigungserwartungen und -Erfahrungen nachzuspüren und darüber zu sprechen.

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Das-war-doch-keine-Absicht.html

Hier entlang zum ersten Band: Zwei für mich, einer für dich
Hier entlang zum zweiten Band: Morgen bestimme ich!

Der Autor und Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag. Seine Pappbilderbücher übers Hasenkind erfreuen Kinder von Stockholm bis Tokio.«

Der literarische Katzenkalender 2026

  • Herausgegeben von Julia Bachstein
  • Verlag Schöffling & Co., 2025 www.schoeffling.de
  • 56 Blätter
  • Format: 24 x 32 cm
  • Spiralbindung
  • 23,95€ (D/A), 33,00 sFr.
  • ISBN 978-3-89561-760-7




KATZENBETRACHTUNGEN

Kalenderrezension von Ulrike Sokul ©

Foto von Thomas Brahtel © Verlag Schöffling & Co. 2025

Die Stimmungspalette der Bilder und Zitate ist breitgefächert: anmutig, anschmiegsam, charmant, elegant, entspannt, ernst, frech, heiter, meditativ, niedlich, philosophisch, poetisch, schelmisch, skurril, verspielt und zärtlich.

Foto: Simone Mohr © Verlag Schöffling & Co. 2025

Im Kalender stolzieren und flanieren die Katzen von Blatt zu Blatt, sie klettern, hangeln und liegen, sie ruhen und schmiegen, sie liebäugeln und lauern, sie kosen und krallen, schnurren und murren, sie dösen und denken. Sie können sich gefahrlos verrenken, sind elastisch und plastisch – mal sind sie eingerollt, mal ausgestreckt, mal possierlich posierend oder arrogant ignorierend. Dieses kalendarische Katzenkino mit literarischen Untertiteln gibt den miezenden Mimen eine vorzügliche Bühne.

Wenn jetzt jemand mit der beliebten Ausrede um die Ecke kommt, er habe nicht genug freie Wände für einen weiteren Wandkalender, kann ich ihm alternativ als Schreibtisch-kalender den „Literarischen Katzen Wochenplaner 2026“ ans katzengeneigte Herz legen. Dieser Kalender setzt die bewährte Kombination von Katzenfoto und Katzenzitat im spiralgebundenen Querformat 10,5 x 30 cm zu 14,95 € (D/A), 21,00 sFr. fort und bietet im wöchentlichen Kalendarium Raum für Termineinträge. Hier entlang zum „Literarischen Katzen-Wochenplaner 2026“ auf der Verlagswebseite:
https://www.schoeffling.de/produkt/der-literarische-katzen-wochenplaner-2026/

Und wer es noch kleinformaTIGER braucht, kann den 144-seitigen, schön gebundenen und sogar mit einem Lesebändchen ausstaffierten „Katzen Taschen Kalender 2026“ im Format 9,5 x 15,5 cm zu 14,95 € (D/A), 21,00 sFr. verwenden: Hier entlang zum „Katzen Taschen Kalender 2026“ auf der Verlagswebseite: https://www.schoeffling.de/produkt/katzen-taschenkalender-2026/

Außerdem gibt es noch einen literarischen Katzen-Adventskalender in Form eines spiralgebundenen Tischkalenders, im Format 16 x 17 cm, mit 24 perforierten, heraus-trennbaren Postkarten zu 15,00 € (D/A), 22,00 sFr.: https://www.schoeffling.de/produkt/der-literarische-katzen-adventskalender/
sowie einen immerwährenden Katzen-Geburtstagskalender: https://www.schoeffling.de/produkt/das-jahr-mit-katzen/

Sausimausi

  • Text und Illustration von Claudia Burmeister
  • BOHEM Press GmbH 2025 www.bohem-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22 x 22,5 cm
  • 24 Seiten
  • 18,0 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-95939-244-0
  • Bilderbuch ab 2 Jahren

F L I T Z E F L I N K

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Sausimausi ist eine Maus, die mit ihrem roten Fahrrad gerne schnell fährt. Von Seite zu Seite saust sie durch die Landschaft, und unterwegs hält sie nur an, damit sich ihr noch weitere Tiere als Mitfahrer hinzugesellen können. Schließlich ist das Fahrrad mit Vogel, Maulwurf, Siebenschläfer, Füchschen, Eichhörnchen und Hase voll besetzt, und es geht den ersten Hügel hinauf und wieder hinunter.

Dann folgt der zweite Hügel. Doch diesmal verhakt sich das Vorderrad, und alle fallen vom Fahrrad und purzeln heftig durcheinander. Das bleibt nicht ohne einige Blessuren und blaue Flecken, die aber dank des mitgeführten Verbandskoffers und der wechsel-seitigen Hilfe gut verarztet werden. Dieser Sturz kann Sausimausi indes keineswegs entmutigen oder gar entschleunigen. Sie freut sich schon darauf, am nächsten Tag weiter herumzusausen.

Illustration Claudia Burmeister © BOHEM Press 2025

Dieses Bilderbuch kommt mit wenigen Worten aus und erzählt sich durch die anschau-liche Bilderabfolge gewissermaßen selbst. Das schwungvolle Wesen und die Bewegungs-freude Sausimausis sowie das spielerische Miteinander der Tiere werden zeichnerisch ebenso niedlich wie dynamisch wiedergegeben. In der Landschaftskulisse gibt es noch einige weitere kleine Tierchen zu entdecken, die dem geschwindigen Geschehen zuschauen. Die mit Buntstift gezeichneten Illustrationen warten mit dezenter Farbgebung auf.

„Sausimausi“ ist kein Pappbilderbuch, doch die Seiten sind aus einem dicken, strapazier-fähigen Papier (schätzungsweise 250 – 300 g/m² Stärke), das kindlicher Grobmotorik gut standhält.

Erwähnenswert erscheint mir beiläufig noch der verlegerische Hinweis im Impressum auf die menschliche Urheberschaft des vorliegenden Bilderbuches: „Illustrationen und Text in diesem Bilderbuch wurden mit natürlicher Intelligenz, Hand und Herz extra für Dich erfunden und erstellt.“ – angesichts der zunehmenden KI-Kunst ein Herkunfts-vermerk, der wohl hinkünftig noch öfter angebracht sein wird.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.bohem.ch/katalog/sausimausi/

Die Autorin und Illustratorin:

»Claudia Burmeister studierte Grafik und Design und Erziehungswissenschaften und anschließend Germanistik an der TU Berlin. Seit 2011 illustriert Claudia Kinderbücher für Magazine, Museen und auf Wunsch auch fürs private Wohnzimmer. Unter ihrem Kunst-label papierziege https://www.papierziege.de/ veröffentlicht sie eigene Arbeiten und gibt Kurse in verschiedenen Techniken.«

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren von Claudia Burmeister illustrierten Bilderbuch:
Kleiner Fuchs Großer Himmel In diesem äußerst feinfühligen und großherzigen Bilderbuch führt die Erfahrung des Trauerns und Tröstens gleichsam ins allverbindende Herzklopfen des ganzen Lebens.

Zwei für mich, einer für dich – Neuausgabe

  • Text und Illustration von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag 2025  www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 28 x 20 cm
  • 32 Seiten
  • ISBN 978-3-89565-467-1
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • Bilderbuch ab 4 Jahren


VERTEILUNGSGERECHTIGKEIT

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Jörg Mühles amüsantes Bilderbuch über das gerechte Teilen ist nun in einer neuen etwas großformatigeren Ausgabe erschienen. Dies nehme ich nun gerne zum Anlaß, erneut auf dieses gelungene Werk hinzuwiesen.

Gerechtes Teilen ist ein kindliches Alltagsthema, das durch eine abstandnehmende Betrachtung eine gewisse Entspannung erfahren kann. In Jörg Mühles Bilderbuch „Zwei für mich, einer für dich“ wird die Auseinandersetzung um gerechte Verteilung von Bär und Wiesel anschaulich und witzig vorgeführt.

Der Bär findet im Wald drei Pilze und trägt sie nach Hause. Dort nimmt das Wiesel die Pilze vorfreudig in Empfang und brät sie mit Gewürzen und Petersilie in der Pfanne.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Dann setzen sich die beiden an den tischtuchkarierten Tisch. Der Bär teilt dem Wiesel einen Pilz zu und sich selbst zwei, da er groß sei und viel essen müsse. Das Wiesel findet diese Aufteilung ungerecht und argumentiert, daß es mehr Pilze brauche, weil es klein sei und noch wachsen müsse.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Beide finden immer neue und subjektiv durchaus plausible Argumente dafür, daß sie den gerechtfertigteren Anspruch auf die größere Pilzportion haben. Das lebhafte Argumente-Ping-Pong eskaliert, die beiden Freunde schreien sich wütend an, spießen abwechselnd den dritten Pilz auf ihre kampfbereiten Gabeln und bemerken dabei nicht, daß sich ein Fuchs anschleicht. Gerade als das Wiesel dem Bären die Freundschaft kündigen will, schnappt sich der Fuchs den dritten Pilz, verspeist ihn einfach und zieht sich winkend zurück.

Empört schauen Bär und Wiesel dem Fuchs nach, kommen zur Besinnung, wünschen sich guten Appetit und lassen sich die beiden verbliebenen Pilze wohlschmecken.

Dann holt das Wiesel sogar noch Nachtisch: Drei leibspeisenverdächtige Walderdbeeren sind aufzuteilen …

Das Buch läßt offen, ob die beiden inzwischen gelernt haben, wirklich zu teilen, oder ob der Gerechtigkeitswettkampf nun wieder von vorne losgeht. Dies eröffnet dem Kind und dem Vorleser interessanten Gesprächsstoff und die Frage nach Ideen, wie man denn drei angemessen durch zwei teilen könnte.

Dieses Bilderbuch bietet reichlich familiären, kinderalltagstauglichen Identifikations-stoff und läßt Kinder mit heiterer Distanz auf einen Streit schauen. Als unbeteiligter Zuschauer ist solch eine Auseinandersetzung lustig und kann kindliche Betrachter durchaus zur Selbstreflexion animieren und konstruktive Lösungen finden lassen.

Die Argumentationsdialoge zwischen Bär und Wiesel sind wahrlich köstlich und ausge-sprochen lebensnah, die Zeichnungen spiegeln ebenso die Streitdynamik wie auch das wiederhergestellte harmonische Einvernehmen der beiden Freunde mit lebhaftem körpersprachlichen Ausdruck. Selten war es so vergnüglich, Lesezeuge eines Streits zu werden.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Zwei-fuer-mich-einer-fuer-dich-oxid.html

Der Autor und Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor, hat eine Tochter im besten Kinderbuchalter und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag. Seine Pappbilderbücher übers Hasenkind erfreuen Kinder von Stockholm bis Tokio.«

Querverweis:

Hier entlang zu einer weiteren Geschichte von Bär und Wiesel: Morgen bestimme ich!
Hier entlang zu den putzigen Hasenkind-Pappbilderbüchern von Jörg Mühle:
Tupfst du noch die Tränen ab?
Und nachfolgend zu Megumi Iwasas Kinderbuch „Viele Grüße, deine Giraffe“, welches den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 erhalten hat und von Jörg Mühle illustriert wurde. Viele Grüße, deine Giraffe

Frank und Bert, 4. Band

  • Die Sache mit dem Fußballspielen
  • Text und Illustration von Chris Naylor-Ballesteros
  • Originaltitel: »Frank and Bert – The one where Bert plays football«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Hanna Schmitz
  • Coppenrath Verlag 2025  www.coppenrath.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 40 Seiten
  • Format: 27 x 27 cm
  • ISBN 978-3-649-65083-6
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • Bilderbuch ab 3 Jahren


F R E U N D S C H A F T   G E W I N N T

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Nach Versteckenspielen
(siehe: Frank und Bert), Picknickfreuden (siehe: Die Sache mit den verschwundenen Keksen) und der Kunst des Fahrradfahrens (siehe: Die Sache mit dem Fahrradfahren) beschäftigt sich das bewährte Bilderbuchduo Frank und Bert nun mit Fußballspielen.

Frank tut sich dabei, wie auch in den vorhergehenden Geschichten, durch wohl-meinende, fürsorgliche Besserkönnerei hervor. Bert ist nun einmal durch seinen Bärenkörper etwas behäbiger und tollpatschiger als der wendige Fuchs Frank. So passieren Bert zunächst einige Pannen beim Fußballspielen, aber Frank ist ver-ständnisvoll und ermuntert Bert, trotzdem weiterzuspielen.

Als jedoch Barbara, ein sehr wendiges und fußballlgewandtes Wiesel, auftaucht, läßt Frank Bert links liegen und spielt mit der wieselwendigen Barbara Fußball. Beim Spiel der Beiden landet der Fußball schießlich hoch oben in einem Baum.

Text & Illustration von Chris Naylor-Ballesteros © Coppenrath Verlag 2025

Frank klettert auf den Baum, um den Fußball zurückzuholen, aber der Ast, in dem der Ball sich verfangen hat, bricht unter dem zusätzlichen Fuchsgewicht durch, und Frank fällt in die Tiefe. Doch der dicke Bert ist schon zur Stelle, und Frank fällt weich auf Bert. Denn beste Freunde retten einander selbstverständlich.

Frank bedankt sich für die Rettung und entschuldigt sich aufrichtig dafür, Bert nicht in sein Spiel mit Barbara einbezogen zu haben. Zum Glück ist der gutmütige Bert nicht nachtragend, und so spielen sie bei der nächsten Gelegenheit zu dritt Fußball, und zwar mit Bert als Super-Torhüter.

Text & Illustration von Chris Naylor-Ballesteros © Coppenrath Verlag 2025

Chris Naylor-Ballesteros erzählt die vorliegende Geschichte auf anschaulich situative Weise. Die Thematik guten und schlechten Freundschaftsverhaltens ist kindlich lebensnah und wird dramaturgisch lustig und augenzwinkernd in Szene gesetzt. Die Illustrationen haben einen eigenwilligen, etwas schrägen Charme und geben den abwechslungsreichen Gefühlen der Charaktere lebhaften und leicht ablesbaren Ausdruck.

Besonders bemerkenswert erscheint mir, daß in diesem Bilderbuch nirgends ein moralisch erhobener pädagogischer Zeigefinger herumstochert, sondern daß Frank selbstreflektiert genug ist, um zu erkennen, daß er sich gegenüber Bert nicht wie ein guter Freund verhalten habe und daß er bereit sei, sein Verhalten selbst konstruktiv zu korrigieren.

Hier entlang zum  Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.spiegelburg-shop.de/frank-und-bert-bd.4-die-sache-mit-dem-fussballspielen/65083

Hier entlang zu den drei Vorgängerbänden:
1. Band: Frank und Bert
2. Band: Frank und Bert, 2. Band: Die Sache mit den verschwundenen Keksen
3. Band: Frank und Bert, 3. Band: Die Sache mit dem Fahrradfahren

Der Autor & Illustrator:

»Chris Naylor-Ballesteros kommt aus Bradford/Großbritannien und studierte Illustration und Grafikdesign am Bradford College of Art. Mittlerweile lebt und arbeitet er als Autor und Illustrator in Frankreich. Chris Naylor Ballesteros «

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code

  • von Richard Osman
  • Originaltitel: »The Impossible Fortune«
  • Aus dem Englischen von Sabine Roth
  • Band 5 der MORDCLUB-Serie
  • List Verlag, September 2025  http://www.ullstein.de
  • Klappenbroschur
  • 448 Seiten
  • 17,99 € (D), 18,50 € (A), 20,50 sFr.
  • ISBN 978-3-471-3065-1


BITCOINS  ODER  LEBEN

Rezension von Ulrike Sokul ©

Die seniorigen Amateur-Detektive des Donnerstagsmordclubs haben inzwischen schon vier Fälle erfolgreich gelöst, und nun scheint es, als kehre endlich einmal die wohlver-diente beschauliche Ruhe des Ruhestands in die luxuriöse Seniorenresidenz Coopers Chase (in der Grafschaft Kent, nahe der Stadt Fairhaven) ein.

Die ehemalige Krankenschwester und nach wie vor bemerkenswerte Kuchenbäckerin Joyce Meadowcroft, der knurrige, rauhbeinige ehemalige Gewerkschaftsführer Ron Ritchie, der feingeistige, elegante Psychiater Ibrahim Arif und die strenge ehemalige Geheimagentin Elizabeth Best erholen sich von den Strapazen der vorherigen Ermittlungen.

Elizabeth trauert um ihren kürzlich verstorbenen Mann. Ibrahim führt noch immer mehr oder weniger erfolgreiche therapeutische Gespräche mit Connie Johnson, der örtlichen Drogenchefin, denn Kontakte zur kriminellen Unterwelt sollten auch in Hinsicht auf zukünftige Kriminalfälle gepflegt werden. Ron muß eine zuverlässige Lösung für die familiären Probleme seiner Tochter finden, die von ihrem Ehegatten mißhandelt wird, und Joyce ist voll und ganz absorbiert mit den Vorbereitungen für die Hochzeitsfeier ihrer Tochter Joanna.

Diese Hochzeit erfüllt alle romantischen, charmanten und dekorativen Hoffnungen, die Joyce in lebhafter Auseinandersetzung mit den festlichen Vorstellungen ihrer Tochter gehegt hat. Sogar Elizabeth rafft sich schweren Herzens dazu auf, an der großen Feier teilzunehmen. Alle amüsieren sich köstlich, nur Nick Silver, dem Trauzeugen von Joannas Ehemann, scheint es nicht gutzugehen, er wirkt sehr nervös und muß sich bei Tisch sogar übergeben. Im weiteren Verlauf der Hochzeitsfeier, als Elizabeth den Tanzsaal verläßt, um nach den Sternen zu schauen und ein stilles Gespräch mit ihrem verstorbenen Ehemann zu führen, gesellt sich Nick Silver zu ihr und sucht flehentlich ihren Rat.

Elizabeths berufserfahrene Spionagesensoren reagieren unmittelbar, und sie ist ganz Ohr. Nick Silver ist Teilhaber einer Sicherheitsfirma, die auf Cold Storage spezialisiert ist. Cold Storage (kalte Aufbewahrung) bedeutet, daß Daten, u.a. auch die kryptografischen Schlüssel zu Kryptowährungen, offline gespeichert werden, um vor dem Zugriff von Hackern sicher zu bleiben. Diese Daten, die sich auf Festplatten, USB-Sticks oder Papier befinden, werden in einem unterirdischen Tresorraum, an einem geheimen Ort, Nick nennt ihn „die Festung“, in Safes aufbewahrt.

Vor vielen Jahren hatten Nick und seine Teilhaberin Holly Lewis einmal die Jahresgebühr für eine Cold-Storage-Aufbewahrung von einem Kunden in Bitcoin bezahlt bekommen. Spaßeshalber hatten sie sich damals darauf eingelassen und dann staunend zugesehen, wie der Wert stieg und fiel und wieder stieg usw. und nun den sagenhaften Wert von dreihundertfünfzig Millionen Pfund erreicht hat. Beide sind sich einig, daß nun der Zeit-punkt für einen Verkauf reif sei, beide verfügen über jeweils die Hälfte des zwölf-stelligen Zahlencodes, der zur Einlösung der Kryptowährung gebraucht wird. Der vollständige Code liegt selbstverständlich in einem Safe in der Festung.

Am Morgen der Hochzeitsfeier hat Nick durch einen glücklichen Zufall entdeckt, daß unter seinem Auto eine Bombe befestigt wurde, und er ahnt, daß dies mit der beab-sichtigten Einlösung der Bitcoins zusammenhängt. Nun wissen wir auch, warum er in dieser desolaten Verfassung zur Hochzeit erschien.

Elizabeth kann diesem kriminalistischen Köder nicht widerstehen, zumal sie spürt, daß die Beschäftigung mit Nicks Problem sie aus ihrer emotionalen Betäubung löst und einen kleinen, neugierigen Nervenkitzelfunken in ihr entfacht. Schon am nächsten Tag beginnt ein neuer Fall für den Donnerstagsmordclub recht rasante Fahrt aufzunehmen.

Joyce und Elizabeth besuchen einen ehemaligen Sprengstoffexperten aus Elizabeths altem Spionagekollegium, um mehr über die mögliche Herkunft der Autobombe heraus-zufinden. Derweil verschwindet Nick spurlos, und sein Büro wird verwüstet. Nicks Teil-haberin Holly Lewis erscheint dem Mordclub durchaus verdächtig, und sie wird für eine inoffizielle Befragung zum Abendessen eingeladen. Es gibt gleichwohl auch noch einige andere passende Kandidaten, die einem Geldsegen nicht abgeneigt wären und sich dazu durchaus auch unlauterer Mittel und Wege bedienen würden. Hinzu kommen noch einige dramatische Mißverständnisse und damit verbundene Umwege, seltsame SMS-Botschaften Nicks und vielfältiges Rätselraten um den geheimen Zugangscode.

Auch die Polizei von Fairhaven in Gestalt von PC Donna De Freitas und DCI Chris Hudson darf ein bißchen mitwirken und natürlich Bogdan Jankowski, der hilfsbereite polnische Universalhandwerker, Pünktlichkeitsfanatiker, Schachspieler und Chauffeur, der, wenn es sein muß, auch souverän mit Waffen umzugehen weiß.

Begleitend zur komplexen kriminalistischen Handlung gibt es beachtlichen Raum für altersweise Reflexionen über Eltern- und Großelternliebe, die Bedeutung von Freund-schaft und Vertrauen und einige bemerkenswerte, vielleicht sogar zukunftsträchtige neue Bekanntschaften. Die Verletzlichkeiten und Verluste, die mit dem Altern einher-gehen, werden einfühlsam, anrührend und mit abgeklärter Selbstironie beschrieben. Interessant ist bei Richard Osmans Mordclub-Serie zudem immer wieder die unter-schiedliche Generationenperspektive sowohl auf die kriminalistische Einschätzung und Vorgehensweise als auch auf allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen.

Diese Krimiserie zeichnet sich besonders durch die fein ausformulierten zwischen-menschlichen Qualitäten der unkonventionellen Charaktere und die humorvolle literarische Eloquenz aus. Die Figurenzeichnung ist differenziert und voller Zwischen-töne, sogar die „bösen“ verbrecherischen Charaktere zeigen gelegentlich sympathische Züge.

„Zu großer Reichtum schadet der Psyche, hat er den Eindruck. Den Leuten kommt jeder Bezug zur Normalität abhanden. Als wäre der Berg Geld, auf dem sie sitzen, ein Beweis für Fähigkeiten, die die aller anderen Sterblichen übertreffen.“ (Seite 440)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.ullstein.de/werke/der-donnerstagsmordclub-und-der-unloesbare-code/paperback/9783471360651

Hier entlang zum ersten Band: Der Donnerstagsmordclub
Hier entlang zum zweiten Band: Der Mann, der zweimal starb
Hier entlang zum dritten Band: Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel
Hier entlang zum vierten Band: Ein Teufel stirbt immer zuletzt

Der Autor:

»Richard Osman ist Autor, Produzent und Fernsehmoderator. Seine Serie über die vier scharfsinnigen und liebenswerten Ermittlerinnen und Ermittler des Donnerstagsmordclubs hat ihn über Nacht zum Aushängeschild des britischen Krimis und Humors gemacht. Für sein Debüt Der Donnerstagsmordclub wurde er bei den British Book Awards 2020 zum »Autor des Jahres« gewählt. Er lebt mit Frau und Katze in London. «