Wipfellieder III

Der Morgen brennt das Leben nieder
Durch die Wipfel klingen Lieder
Auf das blaue Tau herab

In deinen Augen spiegeln leise
Grüne Träume, weiße Kreise
Ein altes Meer, ein neuer Tag

Ich setz‘ die Hand an deinen Schmerz
Der schwache Nebel spielt die Terz
Die hinter deinen Lippen bebt

Der Morgen brennt das Leben nieder
Im Wald da hör‘ ich’s immer wieder
Wie du von meinen Träumen singst

Wipfellieder II

Im Wald all die Gedanken
Langsam im Laub versiegen
Wenn die Wipfel sich
Einsam im Schattenspiel wiegen

Die Stille dieses Schaupiels
Brennt in kahler Seele
Erinnerung – ein Blatt mich streift
Ich schrei‘ aus ganzer Kehle

In Wipfeln dort die Sehnsucht
Schwingt und singt mir blasse Lieder
Ich falle tief ins Espenlaub
Und lass mich in dir nieder

Die Gedanken kreisen wild umher
Im Schattenspiel seh‘ ich sie schwingen
Im tiefen Wald da hör‘ ich stets
Des Frühlings sanfte Saiten klingen

Wipfellieder

Im tiefen Wald da lass ich mich
Vom Abgrund taub verschlingen

Die Wipfel hör‘ ich leis
Deine Lieder singen

In die blaue Tiefe blickend
Lass ich Erinnerungen schwingen

Von den blauen Augen
Die im Tränenmeer verklingen

Zwielichtlaub

Dein Kuss vergeht
Im Fluss aus Zwielichtlaub
Auf ausgetret’nen Pfaden
Barfuss und taub

Wenn der Wind sanft
Durch diese Wipfel zieht
Hör ich im Zwielichtlaub
Dies eine, uns’re Lied

Dann klingt’s als hätten wir
Nichts mehr, als uns zu lieben
Im Zwielichtlaub – Im Herzensdunst
Bist du noch geblieben

Ein Untertan

Die Zeit zieht sich lautlos
Wie Schlieren durch das Glas
Geister vor dem Fenster
Singen, was ich vergaß

Tränenreich ein Abschied
Der sich wiederfindet
Hinter verschloss’ner Tür
Einsam, verlor’n sich windet

Blaues Licht – Leerer Blick

Traumlos zieh’n Gedanken
Vom Nebel in die Nacht
Am Ende eines Jahres
Am Ende, doch nie aufgewacht

Blaues Licht, die Zeit vertan
Blaues Licht und ich
Ein Untertan

Blinde Nacht

Ich bin taub und leer
So schwer wiegt diese Träne
Die sich aus Kummer
Stumm befreit

In Vergessenheit
Deine kalte Schulter streift
Und im Morgenschein
Ganz allein

In dieser blinden
Nacht verweilt

Blaue Rechtecke

Der Zug rast durch das Leben
Das wir in Trugbildern verbringen
Die Augenblicke aller hier
In kleinen Blasen stumm erklingen

Die Liebe dort am Bahnsteig steht
Doch ich im blauen Licht versinke
Während du ins Leben kommst und gehst
Fall‘ ich tiefer und ertrinke

Es könnt‘ ein roter Feuerball
Den Turm am Horizont verschlingen
Es würd‘ kein Mensch sich hier
Mit diesem Augenblick die Zeit verdingen

Zwischen Zug und Bahnsteigkante
Versuchen Augenblicke zu verharren
Das Leben zieht vorbei
Während wir auf blaue Rechtecke starren

Leuchtturm

Ich kann nicht mehr
Ins morgen seh’n
Und kann nicht mehr
Ins gestern geh’n

Ein schwarzer Nebel
Sich durch die Seele frisst
Ich weiß nicht mehr
Was heute, gestern oder morgen ist

Ich kann nicht mehr
In der Leere steh’n
Und kann nicht mehr
Die Sterne dreh’n

Ein schwarzer Nebel
Sich durch die Seele frisst
In der nur du allein
Ein grüner Leuchtturm bist

Schauspiel

Dein Lächeln einem Schauspiel gleicht
Das sich mit den Jahren wandelt
Doch auch auf neuen Bühnen stets
Von tiefer Liebe handelt

Wenn ich dies Theater seh‘
Dann strahlt es blau fanal
Doch nach all dem Schauspiel
Seh‘ ich’s nie wie beim ersten Mal

Neue Träume

Schimmernde Blicke
Die Seelen gepaart
Dein Atem schläft
In meiner Hand

Schlagend altes Herz
Erwacht mit neuen Träumen
Die wie ein Stern im Augenblick
Der Nacht verglüh’n