Herbert Sebastian

Die Fotos von Herbert Sebastian waren sehr ansprechend. Er hieß natürlich nicht wirklich so, aber er trug einen Namen, der nach Musiker-Dynastie klang, so ähnlich wie Johann Sebastian, Wolfgang Amadeus oder Georg Friedrich eben. Und er war tatsächlich Musiker, sowas finde ich ja ganz spannend. Sein Profilspruch ließ auch sehr poetisch anmuten, irgendein Romantiker-Zitat. Wir schrieben vor dem Treffen kaum, weil er sogleich ein Treffen vorschlug, und zwar in einem Lokal am AdW, wo er scheinbar wohnte. Ich schlug vor, sich in der Mitte zu treffen. Er schrieb, dass er auch eine Flasche Wein besorgen könne und wir dann bei ihm Musik hören könnten. Na klar, sicher! Also neeeeee, mag ich nicht, wie kommt man auf die Idee? Ich wollte neutralen Boden. So ganz überzeugte er mich beim Schreiben nicht, da viel zu kurz angebunden, aber egal, soll man ja nicht überbewerten erstmal. Ich hoffte, wenigstens live dann eine spannende Persönlichkeit zu treffen und mich kulturell weiterzubilden. So ein Tinder Date ist ja wie die Schachtel Pralinen bei Forrest Gump. Man weiß nie, was man bekommt.

Ich wusste beim ersten Anblick dann schon, was ich bekomme. Nämlich eine Grusel-Gänsehaut. Ich überlegte tatsächlich kurz, einfach weiterzulaufen, aber da war es schon zu spät, er hatte mich erkannt. Ich kann es nicht beschreiben, aber dieser Mann hatte von Anfang an eine ganz miese Aura auf mich. Aber nicht nur die Aura. Die Bilder waren schön fotografiert und zwar von jemandem, der sein Handwerk versteht. Zudem wirkte er irgendwie ungepflegt, gleichzeitig trug er ein sehr penetrantes und billiges Parfum. (Ich liebe Parfum, aber bitte teuer riechend und dezent. Und noch ne Memo an mich: zukünftig immer die Körpergröße abfragen). Gleich zu Beginn fing er an, mich immer wieder anzufassen an Arm, Hand, Schulter, am Knie usw. (Ich hasse das. Ich möchte nicht getätschelt werden, wenn man noch nichtmal drei Sätze gewechselt hat. Was erlauben?) Ich stieg nicht darauf ein, gab mich höflich aber distanziert und dachte mir, dass ich ihm zumindest eine Chance geben sollte als Mensch und es ja vielleicht doch noch ein nettes Treffen werden könnte. So wie ich es schon erlebt hatte bei den vielen anderen, bei denen mir ebenfalls gleich klar war, dass es nichts wird, aber man trotzdem einen netten Abend zusammen gehabt hatte.

Wir setzten uns in eine Kneipe an einen runden Stehtisch auf zwei Barhocker. Herbert Sebastian gab sich aber keine Mühe, ein Gespräch in Gang zu bringen, er wirkte gelangweilt und abwesend und das höchste der Gefühle war, als er mich fragte „bist Du schon lange bei Tinder?“ und „was treibst Du so?“. Määäääh. Ich hingegen versuchte irgendwie, eine Konversation hinzukriegen und erzählte ihm, was ich die nächsten drei Wochenenden vorhatte, nämlich ganz schön viel. Keine einzige Rückfrage, keine Regung. Dann fragte ich, was er denn so treibt. Und er „schwierige Frage …“. Oh Mann. Dann sind wir irgendwie darauf gekommen, dass wir vor dem Date nicht viel geschrieben hatten. Ich sagte dann, dass ich das eigentlich schon besser fände, weil dann muss man nicht so wie wir ganz bei Null anfangen. Und jetzt kommt’s:
Er: „Wenn wir mehr geschrieben hätten vorher, dann wärst Du gleich zu mir nach Hause gekommen.“
Ich: „Hm, also ich kann Dir gleich vorneweg sagen, dass ich heute sicher nicht mit zu Dir nach Hause kommen werde.“
Er: „wie bitte?“
Ich: „Ich werde heute sicher nicht mit zu Dir kommen.“
Er (beleidigtes Gesicht): „Na gut, dann hat es sich ja wohl eh erledigt“

Er stürzte in einem Zug sein Getränk runter und ich war mir nicht sicher, ob das gerade wirklich so passiert ist oder ob wir nicht aneinander vorbeigeredet hatten und fragte ihn nochmal, was er eingangs gesagt hatte, bevor ich klar gestellt hatte, dass ich nicht mit zu ihm komme.

Er: „Weiß ich nicht mehr, ist ja jetzt auch egal, wir können gehen, das bringt jetzt eh nichts mehr“
Ich: „Aha. Okay. Krass.“
Er: „Wie hättest Du denn reagiert an meiner Stelle?“
Ich: „Hm. Ich hätte vielleicht geantwortet, „Dann weiß ich ja Bescheid und übrigens, das war nur ein schlechter Scherz, ich finde es schön, einfach so mit Dir hier zu sitzen und Dich kennenzulernen.“
Er: „Aha, ja, so ginge das natürlich auch.“

Nun hatte sich seine passiv-aggressive Aura noch mehr verschärft und ich wollte einfach nur noch, dass er verschwindet. Mein Glas war noch fast voll, seins leer, also sagte ich ihm, dass er sich nicht verpflichtet fühlen muss, mit mir sitzen zu bleiben und ich auch alleine in der Bar bleiben und in Ruhe austrinken kann. Daraufhin stand er auf und kramte in seiner Tasche nach Geld.
Er: „Okay, dann lasse ich Dir das Geld für mein Getränk da“
Ich: „Kein Stress, das passt schon, ich lad Dich ein“
Er: „Auch gut, okay.“

Tja, und dann rauschte er einfach ab. Und ich frage Euch: ist das geil oder ist das geil?? Und am allergeilsten ist, dass mein erster Gedanke war: „Hammer! Endlich wieder eine mega Story für den Blog!!“ Außerdem informierte ich meine Freundinnen per WhatApp Gruppen Chat über den Ausgang des Dates. Ich saß alleine in der Bar und kicherte vor mich hin. Außerdem bestellte ich mir einen zweiten Wein. Dann zahlte ich (wohlgemerkt sein Getränk mit) und ging raus. Es war Freitag Abend, ich war im Ausgehviertel. Die Straßen voll, das Wetter mild. Ich lief an einer anderen Bar mit Tischen draußen vorbei und sah eine Schachtel Kippen auf dem Tisch. Genau das brauchte ich jetzt! Ich fragte die zwei Mädels am Tisch, ob ich eine Zigarette haben kann, weil mein Tinder Date hätte mich gerade in der Kneipe sitzen gelassen alleine. Die Mädels waren so cool: „Was? So ein Idiot. Komm, setz Dich zu uns“. Ich erzählte kurz meine Geschichte, dann zog ich weiter, in Richtung nach Hause.

Aber wieso sollte ich nach Hause? Die Nacht war jung, ich hingegen nicht mehr wirklich, und man lebt nur einmal. YOLO Baby, ich steuerte die nächste Bar an, nix los dort, viel zu früh. Ich setzte mich an den Tresen. Die zwei süßen jungen Barmänner schäkerten ein bisschen mit mir. Sie mixten Cocktails und was im Shaker übrig blieb, kippten sie in kleine Schnapsgläser und stellten diese vor mich hin. So probierte ich mich durch die Cocktail Karte und betrank mich nebenher. Der Laden füllte sich, neben mir feierte eine Gruppe Russen einen Geburtstag und sie drückten auch mir ein Glas Sekt in die Hand. Nasdrowje. Es war witzig, aber irgendwann fühlte ich mich alleine nicht mehr wohl und ging. Was nun? Ich hatte Lust zu tanzen. Also zog ich in einen Club weiter. Eine sichere Bank, hier konnte ich bestimmt auch gut alleine sein, in diesem Club hatte ich schon viel erlebt. Auch hier war noch eher wenig los. Ich gab meine Jacke und meine Tasche ab und suchte mir eine Ecke zum Tanzen. Alleine wäre ich sicher nicht aus dem Haus gegangen, um in einen Club zu gehen. Diese Erfahrung hatte ich Herbert Johannes zu verdanken. Und ich tanzte ca. zwei Stunden lang, hatte Spaß und ließ mich anflirten. Immer wieder überprüfte ich mein Gefühl, ob ich es komisch fand, alleine unterwegs zu sein oder ob es mir unangenehm war. Nein, das war es wirklich überhaupt nicht, es war toll, ich fühlte mich stark, frei und ausgelassen. ‚Cause I am the one. Who will dance. On the floor. In the round.

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Let’s wisch again

So liebe Freunde der seichten Unterhaltung, die Sommerpause ist vorbei. Schnallen Sie sich an, es geht wieder los, es gibt new Tinder shit!

Um nahtlos anzuknüpfen: den letzten Chat hatte ich im August.

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Oh Mann ist das langweilig, auf diese Sexanfragen reagiere ich schon gar nicht mehr. Überhaupt, was heißt denn unkomplizierter Sex? Wer will denn schon komplizierten Sex? Die Jungs meinen doch unverbindlichen Sex. Und verbindlich = kompliziert? Oder heißt kompliziert, kein Bock auf Vorgeplänkel in Form von Kennenlernen und Unterhaltungsnebenprogramm? Denen schicke ich in Zukunft direkt die Adresse vom örtlichen Großbordell. Aber dem hier hab ich dann doch noch geantwortet, als er eine Woche später mit dem Modell-Spruch den Faden wieder aufnahm, und wir haben ein Date vereinbart, das er jedoch wegen spontaner Unpässlichkeit absagen musste. Ach ja. Business as usual eben.

Nach fast zwei Monaten Pause arbeite ich mich dann wieder durch die Profile und bin positiv überrascht. Tolle Jungs dabei! Man muss Tinder echt immer wieder mal ruhen lassen, dann erholt sich der Pool aus dem man fischt und es gibt wieder qualitativ hochwertigeres Material. Wie bei der Jagdruhe, wo man dem Wildbestand ja auch Gelegenheit gibt, sich zu erholen. Und es ging rund, ich sag’s Euch, so viele Matches und ganz viele schreiben und auch sehr vernünftige Sachen, der Wahnsinn! Ich komme kaum noch hinterher. Es ist anstrengend, alle Chats zu „bearbeiten“ und ich bringe auch ständig alles durcheinander. Wem hab ich jetzt schon geantwortet, wer hat mir was erzählt und vor allem, wen finde ich eigentlich gut sodass ich schnell antworten sollte und wen finde ich nur so mittel, was dann auch einen Tag liegen bleiben kann? Echt schwierig, den Überblick zu behalten bei der Masse. Ich bin überfordert und überlege, zur besseren Übersicht eine Excel Tabelle anzulegen und gnadenlos durchzupriorisieren. Die Konversation mit allen auf einmal aufrecht zu erhalten übersteigt eindeutig meine Koordinationsfähigkeiten.

Irgendwann mache ich dann keine neuen Matches mehr auf und dann lichtet es sich so langsam. Die ersten disqualifizieren sich von alleine. Sobald es schleppend läuft und man bei „was machst Du so?“ und „wie ist Dein Tag heute?“ landet, bin ich raus. Zwei ganz coole Typen fragen nach Dates und als ich zusage, melden Sie sich nicht mehr. Tja. The hunt is better than the catch anscheinend. Dann die üblichen Sexgötter. Nutzen die alle die gleichen Textbausteine für ihre Fickakquisen und am Ende muss „Lust?“ stehen?

Schließlich bleiben drei übrig, die ich gerne treffen möchte, zwei davon wirklich gerne und den anderen so „joa warum nicht, wenn ich mal nix besseres zu tun habe“-mäßig. Die ersten beiden stehen noch aus, den letzten habe ich schon verfrühstückt, Bericht kommt bald. Und ich garantiere Euch, es wird der Knaller. Kaum denkt man, man hat schon alles erlebt, wird man eines besseren belehrt.

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Man muss es sportlich sehen 

Ich finde ihn anziehend. Die Frisur ein bisschen schleimig, aber hübsch anzusehen. Er grinst mich an, schaut ständig zu mir, ganz klare Aufforderung. Sein Freund baggert mich an. „Hey, um ehrlich zu sein, ich finde aber Deinen Kumpel interessanter.“ So sage ich ihm das dann auch:

„Hey, ich finde Dich interessant.“ „Was bedeutet das?“ „Mit anderen Worten: ich finde Dich attraktiv“ „Schön. Du kannst mich bei RTL II auf der Homepage liken. Ab Januar. Ich bin in den Top 20 für den Bachelor“ „Alles klar, mache ich!“ Nicht. Sehe ich aus, wie RTL II im Januar?

Dann lande ich in den Armen von Basti. Basti ist 12 Jahre jünger. Süß. Wir tanzen, wir schunkeln. Er sucht Körperkontakt. Schön. Ich warte. Warte darauf, dass er mich küsst. Mehr werde ich nicht tun. Er sucht Nähe, greift mir an den Arsch. Aber er wirkt gehemmt und kommt nicht weiter in Schwung. Ich warte ab, was passiert. Ich bin nicht auf Angriff aus. Entweder man will mich oder nicht. „Du bist so hot, aber ich kann nicht. Du weißt warum.“ „Kein Problem, Basti, ich finde es gut, dass Du ein Gewissen hast.“ „Aber wann sehen wir uns wieder?“ „Gar nicht.“

Ich tanze wild mit Adam. Adam kommt aus Australien und wiegt ca. 150 Kilo. You’re awesome. Australien ist weit weg und lange her. Ein früheres Leben. Ich tanze so wild, dass ich einen Schuh aus Versehen weit weg von mir schleudere. Der Türsteher bringt ihn mir. Cinderella who looks like Snow White.

Se greatest Cucumber schreibt. Ich antworte und rufe die Nachricht zurück. Dann fahre ich ungeküsst nach Hause mit meinem Freund Louis Louis Louis im Schoß und schreibe meiner Freundin, dass ich immerhin einen Staubfänger für sie ergattert habe.

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Zum 50. eine letzte Runde „old shit“ (2/2)

Der Junior
Auch ein sehr junger Mann, ca. 7-8 Jahre jünger als ich und sah dann auch aus wie ein Bubi. Ein hübsches Bubi, aber dennoch. Ich hatte eine Zeit lang mit den Tinder Einstellungen rumgespielt und mir so jede Menge Junggemüse an Land gezogen. Wobei ich ja gar nicht so sehr auf jüngere oder ältere Männer stehe. Der Junior jedenfalls hatte schon eine beeindruckende Karriere hingelegt als Unternehmensberater, sprach fließend Mandarin und hatte schon in 3 Ländern gelebt. Er wirkte gar nicht überheblich, im Gegenteil, eher bescheiden. Trotzdem kam ich mir vor wie der Dorftrottel mit beschränktem Horizont im Vergleich zu dem, was er zu erzählen hatte. Das Gespräch war sehr distanziert und sachlich, Flirtfaktor Null. Wir hörten nie wieder voneinander.

Der Haustechniker
Wohl das langweiligste Tinder Date ever. Er wartete am vereinbarten Treffpunkt mit einer halbleeren Flasche Eistee in der Hand auf mich. Sonst hatte er nichts dabei, keine Tasche o.ä. deswegen trug er die Flasche einfach so mit sich. Wir wollten was trinken gehen und auf dem Weg suchte er nach einem Mülleimer, um diese Flasche zu entsorgen. Mehr habe ich mir nicht gemerkt. Keine interessanten Themen, kein interessantes Leben, mehr als schleppender Smalltalk – ich hatte fast körperliche Schmerzen in dieser halben Stunde bis mein Getränk leer war und ich endlich eine Ausrede anbringen konnte, um schnell abzuhauen.

Der Albino
Oh ja, nur Fotos mit Sonnenbrille und Mütze auf Tinder. Böser Fehler, so jemanden zu daten. Dabei war ich da schon längst kein Anfänger mehr. Er kam in ganz seltsamen beigen Klamotten und Schuhen an, der Look sah total uncool und opa-mäßig aus. Die Augen waren komisch, ich glaube rötlich-hell und die Haut ganz blass-grau, dazu eine Glatze. Uhhhh. Mein wohl unattraktivstes Tinder Date. Dann redete er noch ziemlich hektisch und schnell, erzählte dass er als digitaler Nomade viel unterwegs sei und neulich erst von einem mehrmonatigen Aufenthalt in California zurückgekommen sei und alles ganz gechillt dort. Auch die Drogen dort seien ganz prima gewesen. Dann wollte er schnell noch was trinken, bevor die Happy Hour vorbei war. Nein, Danke. Er wirkte überrascht, als ich schnell zahlen und gehen wollte. Drei Wochen später schrieb er nochmal, ob wir nicht ein bisschen Spaß haben könnten zusammen.

Der Anarchist (letztes JC Date)
Ihn traf ich nur, weil sich beim Schreiben herausgestellt hatte, dass wir aus der gleichen Gegend kommen und gemeinsame Bekannte haben. Sein Profil war komplett anders als alle anderen und hatte absolut nichts mit Sex zu tun. Zum Zeitpunkt unseres Dates hatte ich mit Joyclub längst abgeschlossen. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch und ich fand ihn als Mensch sehr beeindruckend, da sein Leben nicht so ganz einfach verlaufen war. Auch hatte er einen außergewöhnlichen Job (= Chop ;)), den ich sehr spannend fand. Am Ende des Dates sagte ich ihm ganz ehrlich, dass eine reine Sexgeschichte für mich nicht in Frage kommt (war auch so, damals in der Phase nach dem JC Frust) und mehr konnte ich mir bei ihm auch nicht vorstellen, da er bereits zwei Kinder hatte (damals datete ich noch keine Männer mit Kind). Er schrieb noch einmal sehr nett nach dem Date, aber es war für mich klar, dass nichts draus werden wird. Zu dem Zeitpunkt war ich leider auch nicht so offen, eine Freundschaft einzugehen, was ich im Nachhinein ein bisschen schade finde, da es definitiv eine Begegnung mit „Qualität“ war.

So, nun ist alles aufgeräumt. In den letzten Wochen gab’s nichts Neues, außer zwei unspektakuläre Knutschereien, im Urlaub und auf einem Fest, mit Männern mit denen ich keinen weiteren Kontakt mehr haben möchte. Weiter gibt es jetzt nichts mehr zu erzählen, wir müssen also warten, bis wieder was Neues passiert.

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Zum 50. eine letzte Runde „old shit“ (1/2)

Der Sommer ist endgültig vorbei und so ziehe ich mich zurück in mein versingeltes Bett und fresse mir Winterspeck an, jawohl. Die kürzeren und kälteren Tage eignen sich nun auch gut, um endlich meine Date-Inventur abzuschließen. Ich habe immer noch nicht alle alten Schrott-Dates von vor gefühlt 100 Jahren katalogisiert und archiviert. Ständig kamen mir neue Ereignisse oder akute Unlust dazwischen. Denn um ehrlich zu sein, ich denke eher ungern an das letzte Jahr zurück. So viele langweilige oder blöde Dates mit ungebumstem oder schlechtgebumstem Ausgang. Puh. Laut meiner Liste sind da noch 6 Tinder Dates und ein Joyclub Date übrig, über die ich noch schreiben muss. Also eigentlich überschaubar, wenn man die Gesamtmenge betrachtet. Unbemerkt hatte ich nämlich mit dem Verführer mein 50. Tinder Date. Fünfzig! Applaus bitte, auch wenn das eigentlich kein Grund zum Feiern ist. Und zum Tinder-Jubiläum gibt es hier ein paar Fragmente „old shit“.

Der Hunnenkönig
Das war letztes Jahr im Sommer. Wir trafen uns auf einen Spaziergang. Er war ca. 10 Jahre jünger als ich und war scheinbar scharf auf alte Weiber. Und er wollte mich mit seinem umfassenden Geschichtswissen zu allen Kriegen Europas seit den Kreuzzügen beeindrucken. Ständig wies er mich auf meine Wissenslücken hin, was mich ein bisschen nervte („wie, Du weißt nicht, was Inhalt der Pariser Verträge war? Hattest Du keinen Geschichtsunterricht?“). Ansonsten fand ich ihn glaube ich gutaussehend, aber nur so mittel sympathisch. Mangels Alternativen bekam er noch eine zweite Chance. Wir wollten picknicken, ich kam zu spät, dafür hatte er zum Picknick weder eine Decke noch Essen dabei sondern lediglich eine leere, mit Wasser wieder aufgefüllte Colaflasche. Er suchte Körperkontakt und betatschte mich mehrmals, merkte jedoch irgendwann, dass ich mich unwohl fühlte und versuchte es mit fishing for compliments („ich bin Dir wohl zu langweilig“). Es war sinnlos, ich suchte schnell das Weite. Er schrieb noch ein paar Mal, ob wir uns wieder treffen wollen und als ich ihm auswich, fragte er direkt nochmal, ob er mir zu langweilig sei. Das war so von mir nicht die feine Englische, ich weiß. Aber ich hatte keine Lust mich zu rechtfertigen oder zu diskutieren und schrieb ihm stattdessen, dass ich zwischenzeitlich jemanden kennengelernt hätte. Er antwortete, dass ich mich ja wieder melden könne, falls es mit demjenigen nicht klappt. Ja, klar, sicher. Nicht. (Lieber esse ich alle 27 Bände der letzten Brockhaus Ausgabe, die vor dem zweiten Weltkrieg erschienen ist, inklusive Ledereinband).

Noch ein Guter
An den erinnere ich mich kaum. Ganz sympathisch, sehr gebildet, weit gereist, gut aber sehr jung aussehend, netter Chat, gutes Gespräch, aber leider so gar nicht anziehend für mich. Was bei mir hängen geblieben ist: dass er einen ausgeprägten Adamsapfel hatte und die Geschichte, wie ihm sein Doktorvater eine russische Studentin zum Heiraten vermitteln wollte.

Schon wieder ein Guter
Ich erinnere mich nur noch, dass er ganz dünne, zauselige Haare und eine sehr zarte Haut hatte. Er wirkte sehr bedürftig und ein bisschen deprimiert und gleichzeitig irgendwie … kindisch. Er erinnerte mich an ein kleines Vögelchen, das gerade aus dem Nest gefallen war und hektisch vor sich hin tschiepte. Am liebsten wollte ich ihn mütterlich auf die Hand nehmen und trösten und über sein Gefieder streicheln. Er war aber leider kein Vogelkücken sondern ein erwachsener Mann in meinem Alter. Leider nicht attraktiv für mich. Es tat mir leid, aber hilft ja alles nichts. Ich schrieb gleich nach dem Date irgendwas von wegen, Tinder ist nicht mein Ding und diese Art des Datens nicht meins und auf Wiedersehen. Alles andere habe ich nicht übers Herz gebracht, also wagte er noch einen Versuch trotz Klo im Hals.

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Gurkengedanken

Gurke oder nicht Gurke, das ist hier die Frage. Zucchini? Aubergine? Oder gar Kürbis? Es wird nicht besser … mir fällt nix ein.

Ich hatte ja geschrieben, dass ich mich nicht mehr wohl damit fühle, ihn Gurke zu nennen. Der Name hat sich nämlich dermaßen verselbstständigt, dass er nicht nur im Blog sondern auch in meinem engeren Freundeskreis als Gurke oder Riesengurke bekannt ist („Und, hat sich die Riesengurke mal wieder gemeldet?“). Eine Freundin wies mich neulich mal darauf hin, dass das eventuell nicht so witzig werden könnte, falls sich mehr daraus entwickeln sollte. („Überleg mal, Du bringst ihn mal mit und dann wissen wir alle, das ist die Gurke. Wie würdest Du das denn finden, wenn er Dich vor seinen Freunden Riesenmuschel nennt oder Saftschnecke?“) Hm. Darüber hatte ich noch nicht nachgedacht. Es besteht auch überhaupt keine Gefahr, dass sich mehr daraus entwickeln könnte. Dennoch fühle ich mich nicht mehr okay damit so richtig. Eine andere Freundin findet das mega lustig und hat mir einen Dildo in Gurkenform geschenkt. Soweit sind wir also schon gekommen mit den Gurkenwitzen. (Leider nur ein Scherzartikel, lässt sich also nix mit anfangen).

Nun überlege ich krampfig nach einem neuen Namen für ihn im Blog und falls ich über ihn spreche (selten), nenne ich ihn bewusst nur noch bei seinem echten Vornamen. (Er hat einen. Erstaunlich nicht?) Dann musste ich aber letzten Samstag „Love Island“ schauen. Eine Dating Show. Ich schwöre, es war ein Versehen, ich schaue sowas nicht, nie, niemals – aber ich kann nichts dafür, es hat sich so ergeben. Ich musste. Der Unterhaltungswert war überschaubar, bis ein Koffer voll mit Gurken gezeigt wurde. Das gehörte zu einem Spiel. Die teilnehmenden Frauen bekamen der Reihe nach einen Koffer zugewiesen, der auf einem Gepäckband angerollt kam. In den Koffern verstaut waren je ein Zettel und passende Accessoires zur Frage, die auf dem Zettel stand. Die Frauen mussten vorlesen, was auf dem Zettel steht und dann raten, auf welchen der anwesenden Männer die Aussage zutraf und demjenigen dann einen Kuss geben. Also zum Beispiel „Wer hat schon mal eine Frau gebeten zu gehen, da sie abgeplatzten Nagellack auf den Fingernägeln hatte?“. Im Gurkenkoffer war natürlich die Frage „Wessen bestes Stück ist so groß, dass er den Spitznamen … trägt“? Der Spitzname war nicht Gurke, sondern was anderes, habe es schon wieder vergessen. Aber der Koffer war eben voll mit Salatgurken. Ist nicht weiter wichtig, aber ich wollte es mal jemandem erzählen und da ich es mir nun im real life verkneife, von Gurken zu sprechen, dann eben hier.

Viel interessanter ist jedoch, dass ich nach dem vorletzten Treffen ein ganz leichtes Störgefühl hatte, obwohl ich alles, was zwischen uns passiert war, toll fand. Dies rührte daher, dass ich bei der Nicht-mehr-Gurke  eine gewisse Distanz spürte. Er war zwar bei mir, es war aber emotional sehr schwierig, eine Art Nähe zu ihm aufzubauen. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, es ist ein wenig greifbares Gefühl. Beim Sex ist dieses Gefühl gar nicht präsent, sondern eigentlich nur bei den Unterhaltungen, die wir führen und wie wir miteinander umgehen. Ich empfand ihn als sehr distanziert und fremd. Kim hat mal von kalten Herzen geschrieben. Ich glaube aber nicht, dass es eine strategisch-taktische Haltung bei ihm ist. Vielleicht geht das gar nicht von ihm aus, sondern eher von mir, aber ich habe das Gefühl, er will sich nicht öffnen und will auch nicht, dass ich ihm zu nahe trete. Dabei ist er gleichzeitig sehr nett und aufmerksam. Wie gesagt, schwer zu beschreiben, aber für mich war er nach dem Treffen nicht greifbar irgendwie. Ich gehe auch gefühlt vorsichtig mit ihm um glaube ich und versuche nichts zu fragen oder zu sagen, was er womöglich als grenzüberschreitend empfinden könnte.

Wir haben uns seither einmal wieder gesehen. Es lief zuvor wieder so ab, dass man erstmal gar nichts mehr voneinander gehört hat und er sich dann bei mir gemeldet hat. (Ich kontaktiere ihn nie von mir aus bzw. habe ich das nur ein einziges Mal bisher gemacht, lieber lasse ich ihn kommen. Und dann wieder gehen hahaaaaa). Nach den ganzen Treffen bisher haben wir es immer offen gelassen, was als nächstes passiert. Und jedesmal denke ich, von dem höre ich nie wieder was. Nun, beim letzten Treffen, war er viel offener als sonst. Wir unterhielten uns sehr gut und sehr lange über alles mögliche, es war ein sehr anregendes Gespräch. Wenn ich sage, er war viel offener, meine ich gar nicht, was konkret er gesagt hat, es sind mehr so die Schwingungen. Ich habe ihn als lockerer empfunden im Vergleich zu sonst. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass wir uns jetzt doch ein bisschen besser kennen. Den Sex empfand ich auch als vertrauter und intimer. Wir verbrachten dann die Nacht zusammen und setzten unsere Unterhaltung nach dem Morgensex fort. Eine politische Diskussion und natürlich war er viel besser informiert als ich. Was mich zwar sehr beeindruckt, mir aber gleichzeitig auch ein bisschen peinlich ist und ich mich schlecht fühle, weil ich mir Gurkenkoffer bei Love Island anschaue statt Bundestagsdebatten. Ich bin nicht verliebt, dafür müsste ich ihm näher sein, als ich bin, aber ich würde mir dennoch wünschen, dass er mir als Lover länger erhalten bleibt. Ich brauche dann auch nichts anderes mehr. So wie der vögelt, käme ich dann auch mit einer Orgie im Monat hormonell über die Runden. (Oder sagen wir sicherheitshalber lieber alle 2-3 Wochen).

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Katertherapie mit Gurke

Der Gurkenmann war nach Wochen wieder aufgetaucht und wir hatten ein Treffen angepeilt. Ich fasste das eher unverbindlich auf, da er das letzte Mal abgesagt hatte, andererseits meldete er sich immer wieder treu zurück und war ansonsten zuverlässig gewesen. Außerdem muss ich zugeben, dass ich zwischendurch auch mal absagen bzw. verschieben musste.

Am Abend zuvor war ich feiern und kam erst morgens total verkatert nach Hause. Ich hatte ungeplanterweise auswärts geschlafen und fühlte mich alles andere als frisch. Mir war einfach latent schlecht und ich hatte Kopfweh. Ich kapierte aber erst gar nicht so richtig, dass das am Alkohol liegen musste. Ich hatte mehr getrunken als sonst, fühlte mich aber gar nicht betrunkener am Abend zuvor. Bereits beim Aufwachen merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Ich wollte noch nicht mal einen Kaffee, nur nach Hause, duschen und ab ins Bett. Chillen und den Rausch vollends auskurieren. Dann aber schrieb der Gurkenmann, wie es aussieht mit Treffen heute usw. Oh Mann, das hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm gehabt. Es war die Rede von See und Sonne, allerdings machte er verklausulierte Andeutungen, die darauf schließen ließen, dass er Sex will.

Heyyyyyyy, endlich mal wieder Gurkensex! Darauf wartete ich ja schon ein halbes Jahr! Aber in dieser meiner heutigen Verfassung? Fit war ich ja nicht. Aber nochmal absagen oder verschieben konnte ich eigentlich nicht bringen. Dann überlegte er es sich womöglich anders und Aus die Maus. Nee nee, das Risiko wollte ich nicht eingehen. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Cucumber calling, also get yourself together, sagte ich mir. Wir vereinbarten, dass er am Nachmittag zu mir kommt und mich abholt und wir dann an den See fahren, nachdem wir uns bei mir „aufgewärmt“ haben. Mir blieben also ca. vier Stunden Zeit, um mich und meine Wohnung auf Vordermann zu bringen und diesen dämlichen Kater loszuwerden. Ich haute mich erstmal aufs Ohr zum Kräfte sammeln. Mein Schädel pocherte mittlerweile wie ein Presslufthammer. Es wurde immer schlimmer statt besser, ich musste was unternehmen. Ich googelte „Kater auskurieren“. Tolle Tipps findet man da. Den Elektrolythaushalt wieder stabilisieren, viel Flüssigkeit, salziges Essen. Gegessen hatte ich noch nichts und auch absolut keinen Hunger. „Trinken Sie einen Virgin Bloody Mary“. Gute Idee! Tomatensaft hatte ich tatsächlich noch in meinen Vorräten. Ich trank ein großes Glas mit viel Kräutersalz und nahm dazu eine Kopfschmerztablette. Dann zurück ins Bett.

Kaum schloss ich die Augen, drehte sich wieder alles um mich wie beim Breakdancer. (Ihr kennt dieses Fahrgeschäft, wo man in alle Richtungen durchgeschüttelt und gerüttelt wird.) Wie wäre es wohl, mit Breakdancer im Kopf penetriert zu werden? Oh weh. Ich wollte nicht weiter darüber nachdenken. Sollte ich wohl den Gurkensex lieber absagen? Nur wegen diesem blöden Kater?! Ich hatte seit gefühlt 100 Jahren keinen Kater mehr gehabt! Das ist bei mir so selten wie ein Autounfall und Gurkensex wiederum kommt einem Lottogewinn nahe. Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass beides am gleichen Tag eintritt? Ich fühlte mich vom Schicksal verarscht. Das musste ja wohl in den Griff zu kriegen sein, ich hatte noch drei Stunden Zeit. Ich setzte mich also aufrecht hin, kreuzte die Beine, versuchte die Schmerzen meditativ wegzuatmen und mich auf die spätere Belohnung zu konzentrieren. Vor meinem innere Auge beschwörte ich ihn herauf: oh wunderbare Riesengurke … ommmmmmmmmm … großartigster Phallus Maximus …. ommmmmmmmmm …. prächtige Hosen-Anaconda …. ommmmmmmmmm

Half alles nix, im Gegenteil, der Tomatensaft in meinem Magen wollte mit Hochdruck wieder raus. Oh meine Güte, war mir elend! Schon lange war mir nicht mehr so übel gewesen. Mit samt Tomatensaft war dann jetzt wohl auch die Schmerztablette hinaus befördert. Was nun? Es half alles nichts, ich musste ihm absagen. Egal wie dämlich es war, erst sich zu verabreden, um dann zwei Stunden später kurz vor dem Date mit Kopfweh daher zu kommen: so würde es definitiv kein gutes Ende nehmen! Ich nahm mein Handy zur Hand und tüftelte an einer Formulierung, mir fiel aber nichts ein. Also legte ich das Handy weg. Noch zwei Stunden. Wäre doch gelacht! Ich durchwühlte den Badschrank und fand die Reiseapotheke meiner Mutter, die bei unserem gemeinsamen Urlaub irgendwie bei mir im Koffer gelandet war. Hier war glücklicherweise alles drin was ich brauchte. Zäpfchen gegen Reisekrankheit oder sonstige Übelkeit. Und Elektrolyt-Lösung. Meine Rettung! Zäpfchen hatte ich das letzte Mal im Alter von vier Jahren oder so verwendet, aber wenn’s hilft, einen Versuch war es wert. Es half. Meine Rettung! Danke Danke Danke Mama! Nun blieb mir noch eine Stunde Zeit zum Duschen, Aufräumen und um die Tomatensaftspritzer von den weißen Kacheln im Bad runter zu polieren.

Dann war es soweit. Er war bei mir und ich rückte gleich mit der Sprache raus. „Ich habe gestern zu viel getrunken und jetzt habe ich Kopfweh“. „Kein Problem, soll ich Dich massieren?“ Der Weg ins Bett ging dann schnell und unkompliziert. Keine weiteren Details an dieser Stelle, nur so viel: es war ein außergewöhnlich gutes Fest und ich finde die Art und Weise, wie ich mit ihm Sex haben kann, ziemlich großartig. So ein schöner Mann, so ein guter Liebhaber. Perfect Match. Horizontal jedenfalls. Nach ein paar Stunden musste er leider gehen, das wusste ich aber vorher schon. Obwohl ich sehr zufrieden damit war, wie sich der Tag entwickelt hatte, blieb bei mir ein leichtes Störgefühl zurück, doch dazu ein anderes Mal mehr (mittlerweile haben wir uns nochmal getroffen, was sehr schön war).

PS: Auch wenn ich es bis vor kurzem sauwitzig fand, aktuell fühle ich mich nicht mehr wohl damit, ihn Gurke zu nennen. Ich mag ihn und möchte es nicht ins Lächerliche ziehen. Daher überlege ich mir gerade einen neuen Namen.

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Nackt sein ist gut

Ich wollte ja noch davon berichten, wie Mario meinen Blog entdeckte. Das ist schon wieder so lange her und auch fast vergessen, dass ich vermutlich nicht mehr so ganz den roten Faden zusammen kriege … Momentan bin ich total im Verzug. Es fehlen noch zwei Gurken Dates und ein weiteres neues Date, ich komme zur Zeit nicht mehr hinterher … aber eins nach dem anderen …

Zunächst vorneweg: Ich schreibe diesen Blog, weil es für mich eine Art Tagebuch ist und weil es mir Spaß macht, Dinge, die ich erlebt habe, aufzuschreiben und so zu verarbeiten. Für mich alleine würde ich das nicht tun. Gleichzeitig lese ich auch gerne die Geschichten von anderen. Unseren Austausch und die dynamische Community, die entstanden ist, mag ich sehr! Wir lesen uns, wir kommentieren gegenseitig die Erlebnisse/Gedanken und wir kennen uns auch ganz gut mittlerweile, wie jeder so tickt usw. Das finde ich cool und will es nicht mehr missen! Natürlich erzähle ich auch in meinem „natürlichen Umfeld“ von meinen Dates, ich gehe relativ offen damit um. Aber nicht jedem erzähle ich alles und nicht in der Tiefe und vieles filtere ich auch, weil ich nicht jedes Detail von dem, was ich erlebe, denke und fühle mit allen teilen will. Zudem interessieren sich auch nicht alle Menschen (vor allem nicht die, die gerade in einer anderen Lebenssituation sind) in epischer Breite für mein 50. langweiliges Tinder Date. Anfangs habe ich ein paar engen Freundinnen vom Blog erzählt, aber nur eine interessierte sich wirklich dafür, also wurde es ein eher heimliches Hobby. Prolog beendet.

Keine Ahnung also, was mich geritten hat, als ich im Club einem (damals mehr oder weniger beliebigen) Sportkameraden davon erzählte, dass ich einen Blog schreibe über meine Tinderdates. Wir unterhielten uns über Tinder, Joyclub und wann wir das letzte Mal gevögelt hatten usw. und ich glaube, er sagte, dass man das alles eigentlich mal aufschreiben müsse und dann habe ich gesagt, dass ich schon dabei bin, das zu tun.

Er interessierte sich dafür, fragte danach, hatte es auch am nächsten Tag nicht vergessen und bohrte immer wieder ein bisschen nach. Der Blog von Tinder und sowas ist nicht schwer zu ergoogeln und er fragte, ob ich das sei, schließlich hatte ich ja auch schon ca. 50 Tinderdates gesammelt. Ich verneinte und wies ihn darauf hin, dass ich zwar den Blog gut kenne, aber dass das gar nicht ich sein könne, da TuS ja wohl schon seit Monaten nichts mehr gebloggt hat und nun einen Freund hat. Na ja, und dann hat es ein paar Tage gedauert, und ich wähnte mich in Sicherheit, bis irgendwann eine WhatsApp kam: „habe es gefunden“. Die Geschichte vom letzten veröffentlichten Blogpost hatte ich ihm erzählt, wenn man das liest, ist klar, dass ich das bin.

Ich bin fast vom Stuhl gefallen und mein Herz blieb stehen. Nun war ich enthüllt, quasi nackt. Alle meine Stories schwarz auf weiß nachzulesen für eine Person, die ich noch nicht gut und nicht lange kenne, aber die ich doch immer wieder regelmäßig beim Turnen treffe. Ich schreibe ja alles ziemlich genau so auf, wie es für mich war. The good, the bad and the ugly. Und das „ugly“ vor allem ist schon teilweise sehr persönlich und intim. Was nun? Ich bekam Schnappatmung und hatte den Impuls, einfach den kompletten Blog zu schließen. Fertig, aus. Dann war eben alles weg, ich würde schon ein anderes Hobby finden, nicht so tragisch. Aber andererseits, auch albern. Da stehen meine Dating Geschichten drin, na und? Oberflächliche Dating Geschichten, weiter nichts. Sowas erleben tausend andere Menschen ebenfalls in ähnlicher Form ständig. Es schreiben nur die wenigsten drüber. Ich schreibe eben darüber. Andere gehen ins Dschungelcamp oder kämpfen um den Bachelor. Ist doch alles noch viel peinlicher. Was sollte es mich also jucken, wenn das nun jemand liest, der mich gerade eben kennengelernt hat? … Aber genau, er kennt mich ja kaum und dann macht er sich auf der Basis ein Bild von mir und dann denkt er womöglich schlecht über mich oder findet mich doof oder sonstwas und dann liest er da Sachen, die ich selbst schon wieder vergessen habe usw. … das waren so in etwa die ersten Gedanken in der Hektik.

Am gleichen Abend redeten wir aber noch ausführlich darüber und da er ein lockerer, cooler Typ ist, war ich relativ schnell wieder entspannt. Ich vertraue darauf, dass es unter uns bleibt und nicht die Losti Leaks in der Turnstunde die Runde machen werden. Dann kennt er eben den Blog und wenn er sich damit die Zeit vertreiben will, ist es doch vielleicht ganz witzig. Letztlich schreibe ich über Männer, die allesamt in meinem Leben kaum Bedeutung hatten und auch nicht (mehr) existent sind, insofern ist das ja fast schon Fiktion. Ich hab ja schließlich nichts kompromittierendes geschrieben über jemanden, den er ebenfalls kennt oder so … … … Hä? Moment. Mooooooment!!! Da war doch was … die Weihnachtsfeier. Die Fitness Weihnachtsfeier. Da gab es doch einen ausführlichen Bericht. Ich kramte es raus aus dem Archiv. Scheisse, haha. Da habe ich ja sogar was über ihn geschrieben. Über IHN! Und auch noch über andere Turnfreunde. Ach Du liebes Bisschen. Was, wenn er den Eintrag findet? Er weiß ja dann sofort um was und wen es geht. Was nun? Sollte ich den Beitrag einfach verschwinden lassen? Wäre einfach, soweit runter hat er bestimmt noch nicht gelesen. Dann war es weg und ich nicht ganz so entblöst … aber das kam mir dann doch auch ein bisschen zu albern vor. Ich bin keine 12 mehr, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Warum sollte ich das löschen und nicht einfach dazu stehen? Jetzt kennt er den Blog ohnehin, dann kann ich auch gleich ganz die Hosen runter lassen. War doch ganz nett geschrieben über ihn. Vielleicht freut er sich ja, wenn er es liest. Also sagte ich es ihm einfach. „Du, lieber Turnfreund, übrigens, über Dich habe ich auch schon geschrieben. Kannst ja mal in Ruhe durchlesen.“

Er hat es gelesen und währenddessen bin ich auch nur fast gestorben. Was für eine Erfahrung. Ich schreibe ganz unbedarft mein anonymes Tagebuch und Monate später gebe ich es einem Darsteller in meiner Geschichte zum nachlesen. Und der liest die Schilderung eines Außenstehenden über seine Erlebnisse an dem Abend. Schon schräg, aber auch lustig irgendwie. Nackt sein ist gut. Der Spruch kommt von ihm. Und es stimmt. Lässt sich auf viele Situationen übertragen. Es ist nie verkehrt, ehrlich und authentisch zu sein. Nackt kann man zumindest mehr erleben als zugeknöpft.

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Fitness Sommerparty (3)

Nach dem Frühstück gingen wir kurz nach Hause, um unsere Sachen zu packen, dann holte ich Mario ab und wir fuhren in die Sauna. Kurz zuvor hatte sich der Strahlemann aka Schwachmann gemeldet und gefragt, was aus unserem Date werden würde. Ich hatte ihn auf später am Abend vertröstet, da ich ja noch in die Sauna wollte. Unterwegs kamen mir aber Zweifel. Ich wollte mich in der Sauna nicht gehetzt fühlen und nach einer Stunde schon wieder aufbrechen müssen, mir war das zu stressig. Aber dem Strahlemann absagen war ja auch irgendwie unfair. Andererseits hatte er es ja zunächst offen gehalten, also kann er nicht davon ausgehen, dass ich meine Zeit für ihn aufspare. Mario hörte sich meine Überlegungen geduldig an und fasste alles mit einem kurzen Satz zusammen: „Der Strahlemann nervt mich“. Hm. Das sollte wohl soviel heißen wie „Du nervst mich mit Deinem Getue um den Strahlemann“. Er hatte ja recht. Ich nervte mich auch. Also sagte ich dem Strahlemann ab und fertig. Ich gratuliere mir im Nachhinein selbst, an dem Tag hatte ich (fast) nur gute Entscheidungen getroffen.

In der Sauna war es sehr erholsam und entspannt. Ganz am Anfang fand ich es zwar schon ein wenig awkward, aber das unbehagliche Gefühl verflog schnell. Es gab einen schönen Pool im Außenbereich, indem wir nach den ersten Saunagängen auf ein paar Schwimmnudeln abhingen. Dann wieder Sauna und dann rumliegen und so weiter. Dann waren wir fertig mit der Sauna und wollten uns noch kurz auf den Liegen ausruhen, bevor wir duschen gingen. Der Ruhebereich war fast leer und ich holte mir noch was zu trinken. Unterwegs lief ich an einem Regal vorbei mit Büchern und Zeitschriften zum Ausleihen. Ich entdeckte ein interessantes Buch mit künstlerisch wertvollen Bildern von Muschis (ja, das gibt es zu kaufen. Es heißt Pussy Book vom Taschen Verlag). Ich fand das ganz witzig, dachte mir nicht viel dabei und hatte nichts besseres zu tun, als das Buch mitzunehmen und gemeinsam mit Mario durchzublättern, Seite für Seite. Diese Aktion zeigt, wie überaus kompetent und empathisch ich manchmal im Umgang mit Männern bin. Nicht. Jajaja, das war glaube ich eher nicht so nett, in der Sauna mit einem pornösen Pussy-Buch daher zu kommen. Wir fragten uns noch, ob es das gleiche Buch auch mit Penissen gibt. (Ja, das gibt es und wenn es bei Tinder weiterhin so zäh läuft, werde ich es mir kaufen und in der nächstbesten Sauna vor Publikum darin schmökern.)

Nach der Sauna gingen wir abends noch was Essen in der Stadt und Mario stellte fest, dass ich nach der Absage an den Strahlemann jetzt ja wohl ungeküsst nach Hause gehen würde. Es kam also nochmal zur Sprache, warum ich nachts zuvor keinen Sex wollte. Wir hatten die letzten 24h miteinander verbracht und es war ein sehr schöner und interessanter Tag für mich gewesen. Ich weiß nicht, wie es verlaufen wäre mit dem zusätzlichen Benefit. Andererseits habe ich schon zu viele schäbige One-Night-Stands erlebt, nach denen entweder ich schnell das Weite suchen wollte oder andersrum. Unwahrscheinlich also, dass es diesmal anders verlaufen wäre. Ich hatte nichts dagegen, mal eine andere Erfahrung zu machen und eher auf freundschaftlicher Basis miteinander zu verkehren. Zumal ich ihn wirklich gerne mochte. Ich versuchte das irgendwie zu vermitteln, mit dem Ergebnis, dass wir uns nach kurzer Empörung („Super, das ist genau das, was ein Mann hören will!“) darauf einigten, uns gegenseitig in die Friendzone zu schieben. Ende gut, alles gut. Die nächste emotionale Herausforderung folgte dann ein paar Tage später, als Mario diesen Blog entdeckte.

 

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Fitness Sommerparty (2)

Fortsetzung von Teil 1

Ich hatte noch nicht einmal fertig geraucht, da kam Sportsfreund Mario auch schon wohlriechend aus der Dusche zurück. Wir unterhielten uns über Belanglosigkeiten, ich glaube unter anderem auch über meine Ringe und seine Armbänder. Insgesamt vergingen keine drei Minuten bis er mich an meinen beringten Händen nahm und zu sich herziehen wollte. Ääääääähhhh nein. Ich wollte. Eher nicht. Also definitiv nicht…. Warum eigentlich nicht? Ich fand ihn ja toll und attraktiv und alles. Innere Stimme „Scheißdrauf“ so: „Sei.Nicht.So.Be.Scheuert! Mach mach mach!“ Aber innere Stimme „Klugscheißer“ war zehn Mal lauter: „Lass.Es … Not.Good.For.You!“ Ich schüttelte also den Kopf und er ließ mich grinsend los.

Aber nochmal: warum eigentlich nicht? Eigentlich ganz einfach: die Stimmung zwischen uns war nie flirtig gewesen, den ganzen Abend nicht und bei allen Begegnungen zuvor auch nicht. Jetzt hatte es sich zufällig so ergeben, dass ich im Morgengrauen nach einer gemeinsam durchzechten Nacht in seiner Küche stand und da es jetzt nunmal so war, konnte man ja gleich noch drüberrutschen? Nö. Ich bin kein Restefick. Außerdem war mir unwohl bei dem Gedanken, dass wir uns ja regelmäßig wieder sehen werden beim Sport, der uns beiden mittlerweile sehr wichtig geworden ist. Sollten wir wirklich heute Nacht eine heiße Nummer schieben und morgen dann Burpies und Russian Twists machen zusammen mit den anderen Sportladies, mit denen auch schon was lief? Nein, dabei hatte ich kein gutes Gefühl. Außerdem wusste ich, dass eine meiner Sportsfreundinnen ihn toll findet bzw. fand und seit dem ich das wusste, war der Fall für mich ohnehin erledigt. Meine innere Klugscheißerstimme lag also so verkehrt nicht und es war nicht meine schlechteste Entscheidung in letzter Zeit, denn am nächsten Tag stellte sich heraus, dass er sich an meinen Namen nicht mehr erinnern konnte.

Ich lehnte also ab und er nahm es gelassen hin, sodass ich mich kein bisschen unwohl fühlte deswegen. Im Gegenteil, ich wollte nach wie vor nicht nach Hause, sodass ich ihn fragte, ob ich trotzdem bei ihm übernachten dürfe. Ich durfte und bekam sogar eine neue Zahnbürste und ein Schlaf-T-Shirt. Wir legten uns nebeneinander ins Bett und da meldete sich die innere Scheißdrauf-Stimme ganz leise wieder: „Hallohallo! Du liegst in der Kiste mit einem heißen Typen, so oft passiert Dir das nicht!“ Stimmt auch wieder. Bei allen Bedenken. Das sah die innere Klugscheißer-Stimme auch ein und erlaubte mir immerhin ein bisschen Kuscheln. Ich brauchte das jetzt und warum nicht sich was holen, wenn man’s braucht. Also pirschte ich mich unter der Bettdecke ran und drapierte uns in eine ganz wunderbare Löffelchen-Stellung. Ein Move, der mir später als „Teasern“ angekreidet wurde. Teasern hin oder her, es war schön. Wenigstens für mich. Und so romantisch. Das Bett war frisch bezogen, der Mond schien durchs offene Fenster, ein lauer Nachtwind wehte herein und sanft plätscherte der Regen auf die metallene Fensterbank während ich in den starken Armen eines attraktiven Mannes einschlief.

Am nächsten Morgen machte uns der Sportsfreund Kaffee, den wir im Bett liegend aus zwei süßen Pärchen Tassen tranken. Wir lauschten dem Regen und unterhielten uns über alles mögliche. Tinder, Ex-Beziehungen, sonstige Aufrisse, Sex, die Leute aus dem Sport, Podcasts (Marios Tipp: „Beste Freundinnen“ – zwei befreundete Männer, die sich über genau diese Themen unterhalten …) und auch übers Bloggen. Zu meinem Leidwesen hatte er nämlich nicht vergessen, dass ich ihm von dem Blog erzählt hatte. Er googelte und fand relativ schnell Tinderundsowas. Ähem, ja, nicht weit weg davon. Ich fühlte mich aber immer noch sicher. Es gab ja viele einschlägige Blogs, wie sollte er mich da finden. Er kannte meinen Schreibstil nicht und man kann ja aus den Texten auch keine Rückschlüsse auf mein Leben ziehen. Es war nun fast Mittag und wir beschlossen, irgendwo frühstücken zu gehen. Ich sah aus, wie man eben aussieht nach einer Partynacht, wenn man nicht zu Hause übernachtet hat. Insbesondere meine Haare glänzten schön im greasy Schmierlook. Ich beschloss, dass es jetzt etwas ungünstig war, sich darüber Gedanken zu machen und mied fortan jeden Spiegel. Im Frühstückslokal und auf dem Weg dahin führten wir unsere Gespräche zu den bewährten Themen fort. Ich hatte Mario erzählt, dass ich abends fest mit dem Strahlemann verabredet war. Aber Strahlemann hatte nachts um 4 eine unverbindliche Wischiwaschi Nachricht geschrieben, dass er gerade heim gekommen sei und viel getrunken usw. und es ging nicht klar daraus hervor, was er mir sagen will. Sich immer schön alles offen halten. Wie ich sowas mittlerweile liebe. So eine Dumpfbacke. Ich diskutierte mit Mario über meine Antwort an die Dumpfbacke. Frühstück war aufgegessen, Kaffee ausgetrunken, es war mittlerweile Nachmittag. Ich: „Und was machst Du heut noch?“ Mario: „Ich gehe in die Sauna. Komm mit!“ Warum nicht? Die Gesprächsthemen gingen uns ja nicht aus. (Innere Klugscheißer-Stimme: „Uhuhu, dann siehst Du ihn ja nackt hihi“ — „Ja ist ok, so schlecht wird der Anblick nicht werden, also sei still.“)

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