Mr. Trump, now I’m taking it personally – jetzt nehme ich es persönlich

Moin. Danke an alle, mein Grønland-Beitrag vom Donnerstag hat – für meine Verhältnisse – eine große Resonanz erzeugt und ich habe viel dazugelernt: Über die Trump-Administration in den USA und deren Verhältnis zur EU im Allgemeinen und über Grönland im Speziellen. Um nur für mich zu sprechen: Vielleicht habe ich das ein oder andere bisher doch mit einem verklärenden Blick gesehen – oder sehen wollen. Dabei ist oft ein Blick in die Geschichtsbücher hilfreich: Trump ist der vorläufige Höhepunkt einer langen, antidemokratischen Tradition der amerikanischen Rechten. Das soll der Historikern Jacob Heilbrunn so gesagt haben. Und ganz ehrlich: Verfolgen besonders die US-Republikaner nicht mindestens seit dem 2. Weltkrieg eine reine Machtpolitik und will jemand abstreiten, dass Trump sich jetzt als ein Imperialist zeigt, der nicht an eine Völkergemeinschaft mit ihrem Völkerrecht glaubt?

Mit Grüßen vom ollen Tucholsky: War ich einfach nur zu dumm, um das Offensichtliche zu sehen? Vielleicht und egal. Aber jetzt nehme ich es persönlich:
Ich halte ein paar Aktien der Porsche Automobil Holding SE, die wiederum 53,3 Prozent der Stammaktien an der Volkswagen AG und 25 Prozent an der Porsche AG hält.
Der trumpsche Zoll-Wahnsinn im letzten Jahr hat eh schon zu weltweit verstörte Börsen geführt, aber dass er jetzt schon wieder die Zinskeule gegen die EU-Staaten schwingt, die Dänemark & Grönland unterstützen, ist Wahnsinn. Natürlich trifft es – gewollt – wieder die europäische Automobilindustrie, also auch mich als Aktionär! Und das wird Auswirkungen auf die Dividenden haben. Also auch auf mein Portemonnaie! Selbst wenn es nur ein paar Euro sind: Ich fühle mich persönlich angegriffen.

Und warum das ganze? Zuerst hatte ich es gestern in der Washington Post gelesen: Trump kündigt Zölle gegen die europäischen Länder an, die sich gegen die Übernahme Grönlands stellen. Die ARD berichtet am Spätabend.
Für mich ist das eine astreine Erpressung, in diesem Fall:
Wer einen anderen rechtswidrig durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt und dadurch dem Vermögen des Genötigten einen Nachteil zufügt, um sich zu Unrecht zu bereichern, den soll der Blitz treffen.
Oder so ähnlich. Und die EU? Die ringt um eine Antwort und will sich heute in Brüssel beraten. Na toll. Vielleicht sollten sie vorher nachlesen, was ein gewisser Robert Habeck, heute Senior Analyst am Dänischen Institut für Internationale Studien, vor Tagen in einem Interview sinngemäß analysierte: Es ist ein Problem, und zwar für die Europäer, denn: Russen und Chinesen ringen um die Arktis mit den Amerikanern. Die Europäer spielen gar keine Rolle – völlig egal, wem Grönland gehört.
Höre ich Widerworte? Egal, Kaffee-Pott leer, ich habe fertig!


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Grønland

Moin. Nein, keine Angst, ich will hier nicht in den Chor derjenigen einsteigen, die in Deutschland über Grönland im Allgemeinen und Trump im Speziellen schreiben. Die das beruflich tun, können das besser als ich.
Und überhaupt: Mir hat jetzt mein dänischen Leser Claus geantwortet: Ihr, also wir Deutschen, seid mehr die Moralisten, und wir, also die Dänen sind eher Rationalisten. Ok, das nehme ich mal so hin. Dazu passt für mich die Aussage eines bekannten Philosophen, wenn er die Wahl zwischen der Sicht eines Betroffenen und der Moral habe, würde er sich immer für den Betroffenen entscheiden. Ja, auch ok für mich.
Damit schließt sich der Kreis: Ich hatte den Claus nämlich per Mail gefragt, was er denn so über Grönland und Trump denke?
Seine Antwort hat mich … ich will nicht sagen überrascht, aber zum Nachdenken bewegt:
Wie gesagt, wir Deutschen gleich Moralisten, die Dänen gleich Rationalisten. Fakten sind, so der Claus:

  • Grönland gehört nicht zum Land Dänemark, sondern ist neben den Färöer und Dänemark nur eins von drei Ländern im Königreich Dänemark.
  • Die Grönländer fühlen sich kulturell und ethnisch mehr dem amerikanischen Nord-Kontinent, insbesondere den Inuit, verwandt.
  • Grönland hat versucht, sich dem amerikanischen Fußballverband anzuschließen. Das zeigt beispielhaft, dass die Bevölkerung mehr zum amerikanischen Kontinent schaut als nach Europa.
  • Die Grönländer haben bereits 2023 einen Verfassungsentwurf für eine mögliche Unabhängigkeit vorgelegt. Sie haben das verbriefte Recht, ihre Unabhängigkeit auch gegen den Willen der dänischen Regierung oder des Könighauses zu erklären, was sie aber aus wirtschaftlichen Gründen bisher nicht getan haben.
  • Ein Kompromiss wäre eine freie Assoziation, so wie sie die USA mit einigen Pazifikstaaten haben: Die USA unterstützen diese Staaten, haben dafür aber ein Mitspracherecht in der Außenpolitik und Verteidigungspolitik. Wichtig dabei zu wissen: Die Grönländer haben diese Option 2023 selbst erwägt.

Teils habe ich das gewusst, teils nicht. Wenn die Grönländer nun sagen würden, wir verlassen das Königreich, so wie sie die EU m. W. bereits 1985 nach einem Referendum verlassen haben, dann ist das eben so – zumal die postkoloniale dänische Politik der 1960er Jahre das Verhältnis beider Länder (stark) belastet hat. Und für den Fall, es käme zu einer Assoziation mit den USA, habe ich auch gleich einen Flaggenentwurf parat.
Nach Einschätzung von Claus würde sich das Jammern in Dänemark stark in Grenzen halten. Warum auch, wenn es eh nicht zu ändern ist. Ganz rational eben!
Angemerkt hat er dazu die Kosten: Wenn die dänische Regierung heute von 88 Mrd. DKK (knapp 12 Mrd. €) spricht, die sie nun in Grönland investieren will, dann findet das nicht nur Zustimmung: Falls die Grönländer dann sagen, wir gehen zur USA, ist das Geld weg und wir 6 Millionen Dänen müssen für die Summe geradestehen.

Auch noch interessant, passt zum Rationalismus:
Danmark hæver prisen: USA kommer til at betale for en fjendtlig overtagelse af Grønland
Dänemark erhöht den Preis: Die USA werden für eine feindliche Übernahme Grönlands bezahlen
Das klingt wie in der Wirtschaft, wenn Firma A die Firma B gegen ihren Willen übernehmen will. Rein rational geht um den Preis – im Sinne eines Nachteils, der in Kauf genommen werden muss, um etwas zu erlangen – und der müsste so hoch sein, dass Firma A, in diesem Fall Donald Trump, zweimal überlegt, ob die Übernahme so klug ist. Allerdings: Rationalität und Donald Trump, passt das? Und wenn die Grönländer partout nicht wollen? Das wäre dann wieder – mit gutem Recht – die Zeit der Moralisten.


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Brodtener Steilufer – Spaziergang mit Ostseeblick

Moin. Brodten, ab und zu hatte ich über das Steilufer zwischen Timmendorfer Strand / Niendorf und Travemünde berichtet. Zuletzt vor 2 Jahren, als BILD in seiner typisch boulevardesken Art titelte:
Erdrutsch-Drama an der Ostseeküste: Noch fünf Meter und ein Sturm … dann ist das Haus weg
Na ja, BILD eben. Das Haus steht immer noch, ist jedoch mittlerweile amtlich gesperrt & versiegelt. Gestern wollten wir bei schönstem Wetter und solange der Schnee noch liegt, dort mal wieder einen Spaziergang machen und nach der Lage schauen. Zum NDR-Beitrag. Sonst wie immer: Zur Galerieansicht auf ein Foto klicken – die sind alle von gestern aus den Kameras von Fru P. und mir.

Unser Kenntnisstand ist der, ohne dass wir behaupten wollen, das der stimmt: Der Verein Die Falken hat das Haus 2024 für 1 €uro rechtzeitig verkaufen können und der neue Eigentümer soll das als Schnäppchen mit Potenzial gesehen haben. Allerdings soll er ignoriert haben, dass die Behörden der Stadt Lübeck bisher allen Gedankenspielen für eine Veränderung ablehnend gegenüberstanden.

Auch als die LN vor rund einer Woche berichtete: Brodtener Steilufer – Wie ein Professor Haus Seeblick vor dem Absturz retten will. Theoretisch ist natürlich viel möglich, aber erstens muss man mit den deutschen Behörden rechnen und zweitens auch mit dem Taschenrechner, wie das alles bezahlt werden soll. Und dann wären da drittens wahrscheinlich noch die NGO-Naturschützer, die gegen jegliche Baumaßnahmen in diesem Landschaftsschutzgebiet Sturm laufen würden.
Also: Augen auf beim Hauskauf! 😉


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