Neues Jahr, alte Schlange

Solche kleinen Schlingel kommen jedes Jahr ins Haus und setzen sich auf meine Stűhle. Bleistiftdűnn aber frech. Nachts lag er mitten auf dem Boden des Außenflurs, durch den ich barfuß oft unbeleuchtet zur Kűche gehe, weil ich mein Haus ja schon eine lange Weile kenne. Da wäre ich voll drauf getreten, und so eine Fuß-Entzűndung wűrde mich in meiner ohnehin nicht mehr zu bewältigenden Arbeit noch mehr zurűckwerfen. Ich fegte ihn in ein Abflußrohr des Atriums, wobei er immer wieder den Lichtkegel meiner Lampe angriff. 2 Tage später klebte die selbe Schlange nachts an der Innenseite der Wohnzimmer-Schiebetűr in Kopfhöhe. Auf den glatten Aluminium-Profilen, wo sich allenfalls diese mistigen Cicaks (mitbewohnende Lurche) mit ihren Saugfűßen halten können. Vielleicht jagt sie die nervigen Cicaks, die wirklich ÜBERALL hinkacken, sogar auf Kunst! Einer starb mal in meinem Toaster. Seitdem toaste ich nicht mehr. Aba watt to veel iss, iss to veel! Diesmal habe ich dieser aufdringlich schlingelnden Schlunge eins mit dem Besen űbergezogen. Die Katzen können sie zu Tode spielen, weil sie – anders als ich – die gleiche Reaktionszeit besitzen. Und bevor ich dies absenden konnte, hatte „Doppelpunkt“, einer meiner Kater, schon eine zweite schlungernde Schlaufe im Hinterhof erwischt.

Wem die Fahne schlägt

Wenn die bunten Fahnen wehen, geht die Fahrt wohl űbers Meer. Wolln wir ferne Lande sehen, fällt der Abschied uns nicht schwer.
Lied der Nerother Wandervögel, gegrűndet 1922

Die Videos des Team Tarsius sollte man in deutschen Reisebűros zeigen, um euphorischen Touristen einen realistischen Eindruck zu verschaffen, was sich nicht nur in den Slums der nahegelegenen Hafenstadt Bitung abspielt. Der Tarsius ist eigentlich ein niedliches Äffchen, dessen Name zu dem brutalen, eitlen Polizei-Trupp nur deshalb paßt, weil man ihn nur noch im Tangkoko-Reservat nahe Bitung findet. Die Titelbilder der Videos reizen mit zuschlagenden Beamten, im Video selbst sind alle derartigen Szenen geschwärzt. Unschulds-Vermutung existiert sowieso nicht, und die in Nachteinsätzen Aufgestöberten lűften gleich selbständig ihre Hemden, um zu zeigen, daß sie keine Waffen tragen. Disziplin wird mit Angst erzeugt. Wenn die Angst vor empfindlichen Geldstrafen wie in D fehlt, weil man keins hat, durch Gewalt und Deműtigung. Wie ich es auch erlebt habe, weist die Musik oft in Richtung eines gigantischen Rock-Konzerts mit ekstatischem Getanze, vor Ort trifft man dann vielleicht nur auf 15 mehr oder weniger betrunkene junge Leute vor wandgroßen Sehrlautsprechern, die durchaus bereit sind, mich umzubringen, nur weil ich mich beschwere. Interessant an diesen Videos ist, daß in Bitung nächtlicher Terror durch monströse Musikanlagen durchaus proaktiv bekämpft wird. Nicht so in meinem Dorf. Und deshalb war wieder Sitzung im Bűrgermeisteramt angesagt.
Von meiner Ex angeklagt ist die im Amt tätige Abteilungsleiterin fűr Bűrger-Service – was immer das ist. Aber es gibt hier tatsächlich Wilde, die glauben, ihr privater Musik-Terror wäre ein Service fűr alle Haushalte in 1km Umkreis. Meine Ex wohnt ihrem Suff- und Krach-Zentrum ~150m direkt gegenűber. Ihr saufender Mann antwortete einmal auf Beschwerde: Seine Anlage wäre so stark, daß man sie bis zum Klabat (Vulkan in ~10km Entfernung) hören könne, wenn er wolle. Diese Abteilungsleiterin, die immer wieder behauptet, wir wollten die Feste in unserem Dorf verbieten, fragt meine Ex, ob man in D auch Musik abspiele. Zwar studiert, aber Inselbewohnerin, und so dumm wie ihr verstorbener, cholerischer Vater, mit dem wir Ärger hatten, solange er Bűrgermeister war.
Die Regierung ist vertreten durch den hilfsbereiten Dorf-Sekretär, eine ebenfalls studierte, sehr vernűnftig argumentierende Geschäftsstellen-Leiterin fűr Planung, die selber unter dem zunehmenden Schalldruck leidet, und einem Ex-Karate-Sifu, Abteilungsleiter Regierung (Man frage mich nicht nach der Logik dieser Organisation!), mit dem wir nicht zum ersten Mal aneinander geraten. Jener kommt zu spät und prűft nach Eintreffen einen 200Watt Karaoke-Koffer in meiner Nähe, indem er leise das Mikrofon testet: „Tschee! Tschee!“ Später hat er noch weitere Schwierigkeiten mit dem Thema, denn er weist mich darauf hin, daß mein Verhalten auch nicht in Ordnung sei. Man hätte sich schon beschwert, daß ich zu den Pflicht-Feiertagen keine Fahne aufstelle.
Was kűmmert uns Tod oder Teufel, unsre Schwerter sind hell und gut, wir kennen nicht Zauder noch Zweifel, heiho, heiho. Unser Wort ist treu wie das Blut, das Banner blau und rot fűhrt uns in Lust und Tod.
Zwar erwidere ich, daß Fahnen heute nicht das Thema seien, aber er macht weiter.
Herr Fähnrich nur tapfer das Fahnentuch geschwenkt! Wir haben unsre Herzen ans Leben nicht gehängt.
Da fauche ich ihn an, er solle nicht das Thema verdrehen, und als er unbeirrt fortfährt, werde ich so laut, daß der Sekretär ein- und das Thema wieder aufgreift: Man könne letztlich nichts tun, man wisse, daß die Polizei nicht so funktioniere, wie sie sollte, und die fehlenden Lärmschutz-Verordnungen műßten von höherer Ebene kommen. Warum das nicht geschieht, wird plötzlich klar: Da beginnt nämlich gerade um 11:27 das Mittagsgebet in der Moschee nebenan zu röhren. „Und was ist damit?“ fragt der Sifu listig.
„Das ist Tradition,“ antworte ich. „DAS nicht!“ deute ich auf den 200Watt Koffer. „Traditionelle Minahasa-Musik benötigt keinen Strom!“
Natűrlich wird sich niemand mit den mächtigen religiösen Gruppen anlegen. Die größte islamische Organisation, die mich per Fatwa zum Tode verurteilen könnte, hat sogar Nickel-Konzessionen bekommen, mit denen sie völlig un-halal das Land vergiften kann.
Erst zuhause fiel mir ein, warum ich keine Fahnen aufstelle: Ich bin das nich gewohnt. Seit 45 hissen in D privat nur noch reinkarnierte Nazis Fahnen.
Schwarz ist die Sorge, schwarz unser Brot, und schwarz ist die Fahne der Bauernnot … Was uns noch die Steu’r zum Leben läßt, das wird uns als Zinsen herausgepreßt … Jetzt sind wir am Ende, wir wollen nicht mehr, wir sind ein verzweifeltes Bauernheer.
Ostpreußisches Bauernlied, 1931
Horridoh!

Warum man bessa nich in die USA einreist

Als ich 2010 in Minneapolis verhaftet wurde, weil ich keine Rűckfahrkarte besaß, hatte ich dummerweise angenommen, ich könnte mich eine unbestimmte Zeit lang in den USA rumtreiben und mir irgendwann vor Ort die Rűckfahrkarte kaufen.
Aber solange man den senilen Trump nich unschädlich gemacht hat, wird es jetzt richtich gefährlich, weil man die Internet-Aktivitäten der Einreisenden űberprűfen will. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie man meine mindestens 4.950 Veröffentlichungen auf die USA beschädigende Inhalte korrekt űbasetzen und bewerten will, aber zum Stichwort Trump wűrde man schnell fűndig. Und dieser größenwahnsinnige Mann kann keine Kritik vertragen, teilt jedoch heftich aus. Ein „buddhistischer“, amerikanischer Troll hat sich bei dem Versuch, mich öffentlich zu beschädigen, auch schon ma völlig auf absurde Google-Übasetzungen verlassen.
Also bleibt lieba in D! Die Leute sind ja dort eh schon fast genauso fett wie dekadente Amerikaner. „Die Realität ist furchtbar, ob Sie nun in Japan oder in der BRD leben.“ Wulf Noll, „Woanders Pachinko!“, 1994