Die etwas andere Liebesgeschichte

Foto Rudolf Rast: Tochter Alessandra

Sie war jung, sie war schön, sie war begabt – und sie wurde nur 23 Jahre alt. Der Mann, für den sie die grosse Liebe war, hat ein berührendes Buch über ihre nicht alltägliche Liebesgeschichte geschrieben, die in der Schweiz begann und in Südamerika jäh ihr Ende fand. Das geplante Wiedersehen in New York blieb ein zerplatzter Traum, der bis heute, beinahe 30 Jahre später, seine schmerzlichen Spuren hinterlässt.

Aquarell von Alessandra, 1994,
als Doppelbild entworfen, siehe weiter unten

Dem Autor gelingt es, diese selbst erlebte und durchlittene Geschichte mit grosser Offenheit, Sensibilität und Spannung zu vermitteln. Die Geschehnisse berühren tief und zeigen, dass selbst ein viele Jahre zurückliegendes Trauma ein Leben lang nachwirken kann. Wir wissen es alle, Schmerz ist der Preis, den wir für die Liebe bezahlen: je grösser das Glück, je schmerzlicher sein Verlust. Ein solches Erlebnis zeitigt jedoch nicht nur negative Verwerfungen, es vermag letzten Endes auch zu bereichern, sogar neue Kraft zu verleihen. Denn einst erfahrenes Glück löst später nicht selten tiefe Dankbarkeit aus. Dabei erinnere ich mich gerne an Theodor Storms wunderbares Gedicht:

Aquarell von Alessandra, 1994

Wer je gelebt in Liebesarmen,
Der kann im Leben nie verarmen;
Und müßt er sterben fern, allein,
Er fühlte noch die selge Stunde,
Wo er gelebt an ihrem Munde,
Und noch im Tode ist sie sein.

Alessandra: Aquarell 1992

Wundert Ihr Euch, dass ich für einmal eine Buchbesprechung präsentiere? Die Sache ist einfach und frei jeglicher finanzieller Eigeninteressen: Das Buch hat den Weg zu mir gefunden, weil ich die junge Frau persönlich gekannt habe. Ihre überschäumende Lebenskraft und der Wille, sich tatkräftig für die Schwächeren einzusetzen, hat mich damals sehr beeindruckt. Ihre Eltern und ich sind seit Jahren befreundet, und der Verlust der Tochter war ein unglaublich schwerer Schicksalsschlag, den ich heute, mit einer gleichen Erfahrung, noch viel besser verstehen kann. Den Grund für ihren plötzlichen Tod erfahrt Ihr im Buch „Abschied in La Paz“.

Alessandra:
Bildausschnitt Wasserfarbe, 1993

Und wer soll dieses Buch lesen? Alle, die Wert auf gute Literatur legen, würde ich sagen. Besonders aber:
– Menschen, die gerne in eine zarte, bewegende Liebesgeschichte eintauchen
– Männer, für die der Mut des Autors zu Verletzlichkeit und Zärtlichkeit ermutigend sein kann
– Reisefans, die sich für Südamerika interessieren, besonders für das Bolivien der 1990er Jahre
– Trauernde, die einen persönlichen Liebesverlust erlitten und überwunden haben

Alessandra: Wasserfarbe, 1990

Angaben zur Bestellung:

Andreas Schwab, Abschied in La Paz, Bellis-Verlag Stuttgart 2025.
Bestellungen unter [email protected]. Preis 28 CHF

Eure Elisa, 14.1.2026

Alessandra: Bildausschnitt Sommer 1991

Clevere Kampagne

2026! Dabei dünkt mich, als sei es noch gar nicht derart lange her, seit wir voller Besorgnis das Millennium, den 1.1.2000, erwarteten. Erstaunlich, wie rasch wir uns jeweils ans neue Jahr gewöhnen. Wir alle hoffen auch in diesen kommenden Monaten auf Frieden und Gerechtigkeit. Ihr Lieben, bleibt gesund – und vor allem: Freut Euch des Lebens!

Photo by Valeria Boltneva on Pexels.com

Bestimmt habt Ihr an Sylvester einander zugeprostet, wie DER MANN und ich. Alkohol zum Anstossen muss nicht unbedingt sein – es geht ebenso gut ohne. Was jedoch für die meisten Menschen kaum von Bedeutung ist, kann für Suchtgefährdete eine Versuchung und möglicherweise von grosser Tragweite sein. Mitunter ist es sinnvoll, bei einer grossen Gästeschar mit einem alkoholfreien Getränk ein solidarisches Zeichen zu setzen, gerade dann, wenn einem selbst ein Verzicht leicht fällt. Da mache ich noch so gerne mit.

Foto Elisa:
Der Nebel nimmt überhand

Als junge Frau und Mutter war ich mit einem Alkoholiker verheiratet. Verzweifelt suchte ich nach Möglichkeiten, um die schwierige häusliche Situation zu entschärfen, doch nichts half, weil der Ehemann nicht willens (oder vielleicht unfähig) war, etwas zu verändern. Er blieb der „Flasche“ treu. So entschloss ich mich nach 13 angstvollen Jahren zur Scheidung, vor allem auch unserem Sohn zuliebe.

Foto Elisa:
Der Raureif erinnert an die Raunächte

Noch immer bin ich dem „Blauen Kreuz“ verbunden und finde die seit Herbst 2025 laufende Kampagne einfallsreich und sprachlich originell – und ich wünsche mir von Herzen, dass sie bei Betroffenen auf fruchtbaren Boden fällt. Ich möchte Euch die cleveren, einprägsamen Texte nicht vorenthalten:

WENN DEINE BESTE FREUNDIN
EINE FLASCHE IST.
REDE MIT UNS.

WENN DER KLARE
DEINE SINNE TRÜBT.
REDE MIT UNS.

WENN GENUSS
ZUM MUSS WIRD.
REDE MIT UNS.

HEIMLICH GETRUNKEN,
OFFEN GEREDET.

Wir hören zu.blaueskreuz.ch

Gut, nicht? Und hoffentlich erfolgreich.

Dies wünscht allen „Unfreien“, Elisa

Foto Elisa:
Die Sonne setzt sich durch

07.01.2026

Segen

Foto Elisa: Auf dem Berner Brotmarkt
Foto Elisa: Auf der Kappelenbrücke bei Bern
Robert Jahns: Gang der Pinguine durch New York
Foto Geo: Verliebt und geborgen

Nachedänke

Foto von Samuel R: Adventmorgen am Thunersee

Von einem lieben Freund, Peter Mögli, habe ich das folgende feine Gedicht bekommen, das uns gerade in Zeiten des Überflusses und der Geschenk-Euphorie zum Nachdenken (auf Berndeutsch Nachedänke) anregen soll:

Anschtatt ds Hirni z’verränke
bim drüber nachedänke

was me dene wott schänke
wo vo allem
scho meh als gnue hei

chönnt me drüber nachedänke

was me dene wett schänke
wo vo allem
weniger als nüüt hei

P. Mögli

Meine Übertragung ins Hochdeutsche, die leider etwas an Poesie verliert:

Anstatt das Gehirn zu verrenken
Beim Nachdenken
Was man denen will schenken
Die schon von allem
Mehr als genug haben

Könnte man darüber nachdenken

Was man denen will schenken
Die von allem
Weniger als nichts haben.

Foto Open Verse

Mit diesen Zeilen wünsche ich Euch eine gesegnete, erholsame, fröhliche Advents- und Weihnachtszeit. Ich melde mich wieder im Januar 2026.

Alles Liebe, Eure Elisa
10.12.2025

Herbstimpressionen

Ich weiss, ich weiss, ich bin ziemlich verspätet mit meinen Herbstbildern. Aber ein Rückblick hat manchmal einen speziellen Reiz. Zur Einstimmung als erstes ein aktuelles Bild.

Foto von Samuel: Thunersee im Abendrot

Schön, nicht? Damit können wir zum Rückblick übergehen. Lehnt Euch entspannt zurück und geniesst die herbstlichen Bilder, die ich im Oktober und November an verschiedenen Orten gemacht habe.

„Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig;
es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles.“ / Kurt Tucholsky

Und damit sind wir prompt wieder in der Gegenwart gelandet. Ich wünsche Euch eine besinnliche und frohgemute Adventszeit.

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Eure Elisa
03.12.2025

Die Höhle von Postojna und die Höhlenburg Predjama

Kommt Ihr heute noch ein letztes Mal mit mir in die „Unterwelt“? Habt acht: Das Gruseln kommt auf leisen Sohlen. Denn vorerst geht es licht und farbenprächtig weiter.

Liebhaber des Besonderen lassen sie sich keinesfalls entgehen: die „Lebende Krippe“, die immer vom 25. bis 30. Dezember in der Höhle von Postojna aufgestellt bzw. nachgestellt und die zum magischen „Stall von Betlehem“ wird. Denn sie gilt als die schönste Weihnachtsaufführung der Welt und das größte Weihnachts- und Neujahrsspektakel in Slowenien.

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Die „Lebende Krippe“ wurde 1989 in einer Halle abseits der Touristenroute aufgebaut, neben einem Tropfstein namens „Baldachin“. Bis zu 150 Personen interpretieren die Bibelgeschichten auf fünf Kilometer langen Wegen in der Höhle. Wie überwältigend wird dieser Ort dann erst recht aussehen!

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Die Aufstellung dieser ersten „Lebenden Krippe“ war eine kühne Idee, denn sie wurde zu einer Zeit ins Leben gerufen, als Weihnachten als religiöses Fest in Slowenien noch nicht offiziell gefeiert wurde und die meisten Menschen ihre Krippen heimlich in den eigenen vier Wänden aufstellten.

Foto Prospekt Park Postojnska Jama
Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Und jetzt entfernen wir uns ein wenig von der Höhle, denn ganz in der Nähe können wir nochmals etwas Ungewöhnliches entdecken: die „Höhlenburg Predjama“. Als größte Höhlenburg der Welt ist sie im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet. Sie erzählt bilderreich die Geschichte der Zeit, als Komfort der Sicherheit weichen musste und das Lied des Minnesängers des Öfteren von Waffenklirren übertönt wurde. Sie ist so einzigartig, dass sie zu den zehn faszinierendsten Burgen der Welt zählt – und ausserdem so romantisch, dass viele Paare sie für ihren Trauungsort wählen. Aber seht selbst:

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Stellt Euch vor, unter diesem imposanten Bau formte die Karstwelt die zweitlängste Höhle Sloweniens mit gar vier Etagen! Man nennt sie die „Höhle unter der Burg“. Es ist möglich, einige Teile davon im Rahmen einer regulären Besichtigung anzusehen, die restlichen sind jedoch abenteuerlichen Höhlentouren vorbehalten.

Foto Prospekt Park Postojnska Jama
Foto Prospekt Park Postojnska Jama: Ausstieg – nichts für Ungeübte…

In der „Höhle unter der Burg“ gibt es keine elektrische Beleuchtung, daher bekommen die Besucher vor dem Betreten Taschenlampen. Das ist nichts für DEN MANN und mich, da sind wir nicht trittsicher genug. Aufgrund ihrer Lage und angenehmen Temperatur beherbergt die Höhle ausserdem eine Fledermauskolonie, und so ist sie während des Winterschlafs der Tiere eh geschlossen. 

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Die Burg Predjama, dieser prächtige Riese, die seit 800 Jahren im Felsen thront, verbirgt in sich allerlei aufregende Legenden der Vergangenheit. Findet Ihr nicht auch, dass sie bei Nacht einem gruseligen Dracula-Schloss gleicht? Da möchte ich meine Nächte lieber nicht verbringen. Ihr vielleicht?

Ich bin mir nicht sicher, ob das alle Geheimnisse von Postojna sind…

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Huch, da ist ja schon die erste Fledermaus! Was habe ich gesagt? Dracula lässt grüssen!

Ich auch, aber nicht kopfüber, eure Elisa
26.11.2025

Der Grottenolm von Postojna

Forts. Ihr fragt Euch vielleicht, ob es in „unserer“ Höhle auch Tiere gibt. Ja, und was für eines!

Foto Elisa: Der geheimnisvolle Grottenolm im Aquarium

Wir waren uns nicht sicher, ob wir ihn sehen würden, den geheimnisvollen Grottenolm, der fast nur in der Höhle von Postojna existiert! Doch zu unserer Freude wurden wir nicht enttäuscht.

Und nun richten sich aller Augen auf den Grottenolm, ein Wesen wie aus einer anderen Welt!

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Schaut nur, allein schon vom Aussehen her sind Grottenolme ungewöhnlich mit ihrem schlangenartigen Körper, der zum Schwanz hin verdickt ist. Sie sind jedoch nur 25 bis 30 cm lang, und sie haben nicht einmal Augen! Die blasse Haut mit der rosa Nuance wirkt fast durchsichtig. Und die kurzen Beinchen? An ihren Enden befinden sich Füsschen mit je drei Zehen an den vorderen und je zwei an den hinteren. Die Füsschen dienen lediglich als eine Art Unterstützung, denn die Olme bewegen sich flink auf dem Wasser,  mit schlangenartigen Verrenkuungen. Ihre feine Haut ist natürlich sehr lichtempfindlich. Sie atmen mit Hilfe von Außenkiemen und einer primitiven Lunge. Obwohl die erwachsenen Tiere keine Augen haben, können sie mit den Rezeptoren in der Haut alles „sehen“ und die Beute sehr gut fühlen. Ihre Ernährung besteht aus Krabben, Würmern, Schnecken und anderen wirbellosen Wassertieren. Sie können jedoch viele Jahre ohne Nahrung überleben und bis zu 100 Jahre alt werden. Erstaunlich, nicht?

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Der Grottenolm ist eine äusserst selten vorkommende Gattung des Dinarischen Karstes, man findet ihn nur in einem sehr beschränkten Teil der Welt, also in Slowenien und dort mehrheitlich in der Höhle von Postojna. Die Besonderheiten des Höhlenlebens, der dauerhafte Aufenthalt in der Dunkelheit, die stets gleichbleibende Temperatur und lange Perioden ohne Nahrung machen aus ihm einen aussergewöhnlichen Überlebenskünstler mit ganz besonderen Eigenschaften.  

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Lange blieb er denn auch verborgen. Die Menschen im Karst waren gewöhnt an ein Leben zwischen den Höhlen, Abgründen, periodischen Flüssen, Seen und überraschenden Quellen, die nach heftigen Regenfällen oder Überflutungen aus dem Untergrund herausbrachen. Aber dann spülte eine mächtige Strömung ein paar merkwürdige Wesen an die Oberfläche, und das war keineswegs alltäglich! Waren es «Fische»? Nein, eigentlich nicht, obwohl sie sich geschickt durchs Wasser schlängelten. Man erblickte mit Schaudern ihre ganz blasse Haut, den langen Körper und den noch längeren Schwanz, die roten, ungewöhnlichen Auswüchse am Körper, und dann erst noch die vier Füsschen mit insgesamt nur zehn Zehen! Augen hingegen suchte man vergebens.

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Ihr könnt Euch vorstellen, dass im Nu Gerüchte entstanden. Sind das die Jungen eines Drachen, der im Untergrund sein Unwesen treibt? Oder eine Art vermenschlichter Fisch? Eine Missgeburt? Die ersten Niederschriften über die Jungen eines furchtbaren Drachens, der in der Höhle von Postojna hauste, erschienen bereits im 17. Jahrhundert. Die rätselhaften Tiere weckten nicht nur die Neugierde der Dorfbewohner, sondern auch die der Wissenschaftler. Giovanni Antonio Scopoli präsentierte als erster lebende Exemplare, und im Jahr 1768 verpasste man ihnen eine wissenschaftliche Beschreibung und einen lateinischen Namen.

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Dennoch regen Grottenolme noch heute die Phantasie der Menschen an. Die Fortpflanzung ist eines ihrer bestgehüteten Geheimnisse. Lange wusste man nicht: Würden sie überhaupt noch Nachwuchs erzeugen? Da sie in der Dunkelheit der unterirdischen Flüsse und Seen leben und sich auch dort fortpflanzen, bietet sich den Wissenschaftlern wenig Gelegenheit, ihr Liebesleben zu beobachten. Ein zufälliges Ereignis im großen Aquarium der Höhle von Postojna brachte schliesslich Licht ins Dunkel. Im Jahr 2016 konnte man zum ersten Mal das Ablegen und Schlüpfen der Eier mit 21 „kleinen Drachen“ in den Medien «live» miterleben. Eine wahre Sensation! Die winzigen Wesen wurden im Nu zu Stars der medialen und der wissenschaftlichen Welt.

Foto Prospekt Park Postojska Jama

Zum Schluss noch ein weiterer Bewohner der Höhle von Postjojna, der ebenfalls blinde Schmalhalskäfer:

Ist das nicht ebenfalls ein etwas gruseliger kleiner Kerl?

Das Gruseln geht nächste Woche weiter…
Inzwischen grüsst Euch herzlich, Eure Elisa
19.11.2025

Die Höhle von Postojna – Königin der Unterwelt

VOR EINEM JAHR 😄

Foto Elisa: Atemberaubend!

Die Höhle von Postojna in Slowenien befindet sich in der Nähe der gleichnamigen Stadt Postojna, mit dem Auto von Ljubljana erreicht man sie in einer guten Stunde. Vor einem Jahr waren DER MANN und ich dort.

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

«Willkommen in der attraktivsten Höhle der Welt und der größten Schauhöhle Europas! Spüren Sie die Magie der Unterwelt im 24 km langen Höhlensystem und erleben Sie die einzigartige Fahrt mit dem Höhlenzug.“

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

„Das gesamte innere Volumen des Höhlensystems beträgt 1,7 Millionen Kubikmeter. Die Größe des Innenraums lässt sich auch daran ablesen, dass der Konzertsaal bis zu 10’000 Menschen fassen kann!»

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

So weit der Prospekt. Und wie fühlt es sich in der Wirklichkeit an? Die Besichtigung der Höhle dauert etwa 1,5 Stunden, für uns sogar noch etwas länger. In dieser Zeit erkunden wir ungefähr 5 Kilometer, und zwar größtenteils mit dem elektrischen Höhlenzug. Nur etwa eineinhalb Kilometer legen wir zu Fuß zurück. 

Foto Home of Travel

Mein Herz klopft voller Vorfreude, als sich der Höhlenzug in Bewegung setzt. DER MANN und ich sitzen im vordersten Wagen. Ein leichter Wind umweht uns, als wir in eine wundersame unterirdische Traumwelt hineinfahren.

Foto Elisa: Wow!

Kommt mit, begleitet uns in dieses atemberaubende Halbdunkel zwischen Karstfelsen, die Hunderttausende Jahre alt sind. Schaut Euch um in diesem unterirdischen Höhlensystem mit seinen Tropfsteinen, Gängen, Galerien, Hallen: Da eine dicke, riesige Tropfsteinsäule, dort ein Saal mit einem schimmernden See, hier eine bizarr geformte Landschaft. Und überall tropft, sprudelt, plätschert es. Ich wage kaum zu atmen. So viel geheimnisvolle Schönheit!

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Man nennt die Tropfsteine Stalaktiten (von oben her), Stalagmiten (von unten her) sowie Stalagnaten (beide zusammen). Denkt Euch, in einem Jahrzehnt wachsen sie nur um etwa einen Millimeter! Die höchsten unter ihnen – die Riesen – überragen 16 Meter. Die Höhle ist etwa 900’000 Jahre alt!

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Der fünf Meter hohe und glänzend weiße Stalagmit, Brillant genannt, stellt mit all seiner Pracht das Symbol der Höhle von Postojna und des slowenischen Karstes dar. Daneben steht eine prunkvoll dekorierte Tropfsteinsäule. Das Wasser, das über den Tropfstein läuft, lagert eine dünne Sinter-Schicht aus reinem Kalzit ab, die dem Brillanten den Glanz und das Weiße verleiht. Es sieht aus wie im Märchen!

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Erstmals besucht wurde die Höhle im Jahr 1213. Im Laufe der Jahrhunderte erschloss man den Höhlenkomplex mehr und mehr. Doch um 1818 waren gerade mal 100 m der Höhle bekannt. Dies änderte sich durch den Besuch von Kaiser Franz I. von Österreich. Bei den Vorbereitungen für den hohen Gast entdeckte der Lichtwärter Luka Cec zusätzliche Teile des Höhlenkomplexes, die dann Stück für Stück erobert und für Besucher freigegeben wurden.

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Jetzt hält der Zug an. Es ist Zeit, auszusteigen. Wir machen uns zu Fuss auf den Weg, nur wir zwei mit einer Studentin als Guide. Halt, Ihr seid natürlich mit dabei! Kommt Ihr? Auf unserem gemächlichen Spaziergang über beleuchtete Wege, geradeaus, hinauf und hinunter, können wir uns kaum sattsehen, nicht?

Foto Prospekt Park Postojnska Jama

Gut, haben wir eine private Führung gebucht, denn Gruppen schlagen ein sportliches Tempo an, zwei-, dreimal werden wir überholt. Zu viel Eile beeinträchtigt das wundervolle Erlebnis. In dieser jahrtausendealten Unterwelt scheint die Zeit stillzustehen, fühlt man sich der Ewigkeit nahe.

Foto Elisa: Die Natur als Künstlerin

Staunend wandern wir etwa eine Stunde durch die Szenerie, die alle unsere Sinne gefangen nimmt. Habt Ihr Euch ebenfalls warm angezogen wie wir? Hier herrscht eine immer gleiche Temperatur von nur 10°. Spürt Ihr, wie gut es sich hier atmet, trotz der feuchten Luft?

Foto Guide: Wir sind beflügelt von der herrlichen Umgebung

Ach, immer wenn’s besonders schön ist, verfliegt die Zeit im Nu! Schon wartet der Höhlenzug auf uns für die Rückfahrt, die wir zum Schluss besonders auskosten wollen.

Ich hoffe, es hat Euch ebenfalls gefallen.

Noch immer bezaubert, Eure Elisa, 12.11.2025

Die Sache mit der Milch

Kennt Ihr das englische Sprichwort: „Don’t cry over spilt milk“? Es bedeutet in etwa: was passiert ist, ist passiert – gräme dich nicht über ein vergangenes Missgeschick.

Foto Elisa

Höchstwahrscheinlich liegt dem Gedanken eine Erzählung des französischen Dichters Jean de La Fontaine (1621 – 1685) zu Grunde, der seine Botschaften für moralisches Verhalten in der Gesellschaft in unterhaltsame Fabeln, meistens Tierfabeln, verpackte.

Trotz des erhobenen Mahnfingers spiegeln die meisterhaften Fabeln für Erwachsene eine Leichtigkeit, die unwillkürlich ein Lächeln hervorlockt. Habt Ihr eine Lieblingsfabel?

Nun aber zurück zur Milch, bevor sie uns überkocht! Wie gefällt Euch die Fabel „La Laitière et le Pot au lait“?

Darin geht es um eine Frau namens Perrette, die sich beschwingten Schrittes mit einem Milcheimer auf dem Kopf auf den Weg in die Stadt macht, um die Milch dort zu verkaufen. Unterwegs fängt sie bereits zu rechnen an, was sie später mit dem eingenommenen Geld kaufen will: zuerst 100 Eier, dann im Tausch zu den daraus geschlüpften Küken ein junges Schweinchen, dieses wiederum veräussern für eine Kuh mit einem Kalb. Sie stellt sich vor, wie das Kälbchen herumspringen wird und hüpft vor Freude mit – dabei verrutscht der Eimer auf ihrem Kopf, so dass die Milch verschüttet wird und im Boden versickert, zusammen mit ihren eingebildeten Reichtümern.

Am Ende ist Perrettes einziger Wunsch nur noch, dass ihr Ehemann sie zu Hause nicht verprügeln wird wegen des entstandenen Schadens.

Foto Elisa

Es ist spannend zu sehen, wie sich eine gescheite Geschichte über Landesgrenzen hinaus ausbreitet, sich anpasst, wie die Kreativität weiterspringt, Sprichwörter entstehen. Um bei unserer Fabel zu bleiben:

Eine Milchmädchenrechnung zu machen, ist naives Wunschdenken. Ein Milchbubi will natürlich keiner sein. Es bringt auch nichts, über vergossene Milch und ungelegte Eier zu streiten. Denn im Land, wo Milch und Honig fliessen, ist eh alles in Butter.

Bloggerin Kally aus Singapur (MiddleMe) schmiedet aus der Geschichte diese moderne Weisheit: „Es spielt keine Rolle, wieviel Milch du verschüttest, solange du die Kuh nicht verlierst.“

Foto pexels.com

Halten wir uns also an unserer „Milchkuh“ fest – auch wenn sie grimmig dreinschaut! 😃😁 Und vergesst nicht das alte, aber bedeutungsschwangere Werbeversprechen: „Milch macht müde Männer munter!“

Foto Elisa

Augenzwinkernd, Eure Elisa
05.11.2025

Missverständnis

Foto Elisa

DER MANN und ich benutzten die letzten herbstlichen Sonnenstrahlen, um in einem hübschen Gartenrestaurant etwas zu trinken. Am Nebentisch sass eine deutsche Familie, die offenbar eine Mahlzeit gegessen hatte. Zum Dessert brachte der Kellner dem Jungen eine grosse Tasse voller Eiswürfel mit einem schmalen Zitronenschnitz. Der Kleine machte ein langes Gesicht. „Das habe ich nicht bestellt, ich will doch ein Zitroneneis.“ Der Kellner verschwand, um gleich darauf mit einer kleinen Flasche Mineralwasser zurückzukehren. „Was ist das?“ fragte der Bub. „Elmer Citro“, antwortete der Kellner, „da hat es Zitrone drin“, und schenkte ein. Die Eltern wirkten ratlos und sagten: „Dann trinkst du es halt.“ Doch der Bub quengelte.

Foto Elisa

Da ging mir ein Licht auf, und ich musste lachen: ein sprachliches Missverständnis! Ich sagte zum Kellner: „Ich glaube, der Kleine will eine Zitronenglacé oder ein Zitronensorbet.“ Im dritten Anlauf bekam der Bub dann endlich sein bestelltes Zitroneneis, und alle waren’s zufrieden.

Foto Elisa

Gewiss, manch ein Unterschied zwischen Hochdeutsch und Schweizerdeutsch fällt nicht ins Gewicht, dennoch kann es zu ärgerlichen oder erheiternden Missverständnissen kommen. Der Deutsche, der in einer Berner Bäckerei statt eines „Mütschlis“ (frisches Brötchen) bei der Verkäuferin ein „Müntschi“ (Berndeutsch für Küsschen) verlangte, bekam die charmante Antwort: „Wenn Sie ein Mütschli wollen, kann ich es Ihnen gleich geben. Andernfalls müssen Sie bis zu meinem Feierabend warten.“

Foto Elisa

Mit heiteren Grüssen, Elisa
29.10.2025