In Zeiten wie diesen, mit täglich auf uns einprasselnden Nachrichten von Kriegen, Folter, Unrecht und Lügenkonstrukten, träume ich von Rückzugsorten. Eine einsame Berghütte etwa, einem Kloster weit weg vom täglichen Lärm….
Oder von einem Kokon, in den ich mich zurückziehen kann. Einer, hellen, gedämpften Höhle, in der mir nichts und niemand etwas anhaben kann.
Aus Seidenpapier habe ich mein „Garn“ gesponnen. Der rote Faden hält alles zusammen.
Sollte man nach mir suchen…. Leise anklopfen, zuversichtliche Worte finden…..
Ich trauere seit nunmehr 10 Jahren um den kleinen, gerade mal zwei Jahre alten Alan Kurdi. Am 2.September starb im Mittelmehr, zusammen mit seiner Mutter und dem vierjährigen Bruder, der kleine Junge. Sein Leichnam wurde am Strand gefunden. Das Foto ging um die ganze Welt. Hinein in unsere behaglichen Wohnzimmer.
Seit ich selber zweifache Großmutter bin, berührt mich die Geschichte noch mehr.
Seit Monaten sammelte ich gebrauchte Teebeutel und nähte sie zusammen. Heute, einen Tag vor Weihnachten wurde das kleine Totenhemd fertig.
Es macht den kleinen Jungen nicht mehr lebendig, aber er soll niemals in Vergessenheit geraten.
Der Garten gibt Alles und leuchtet gegen die Düsternis an.
Und dann noch ein Wunder….Ich bin wieder Oma geworden. Da ruht das Scherchen und die Stricknadeln sind im Einsatz. Der kleine Knabe erfreut das Herz. Möge er in Frieden aufwachsen.
Bei meinem verzweifelten Bemühen, einen Beitrag zu leisten, dem Weltfrieden näher zu kommen, formt sich in meinem Innersten immer wieder das folgende Gebet, welches am Ende der gemeinsamen Meditation in meiner Zen-Gruppe gesprochen wird.
Er beinhaltet alle Sehnsucht nach tiefem Frieden und schließt alle Wesen ein.
„Mögen alle Wesen Herzenswärme spüren, Kraft und Trost erfahren in ihrem Leid und Frieden finden in ihrem Leben. Mögen alle Wesen glücklich sein.“ (Buddistischer Text)
Wieder und wieder habe ich diesen Text (auf Seidenpapier geschrieben) um ausgebrannte Streichhölzer gewickelt, die unter Anderem bei den Meditationen benutzt wurden.Nun habe ich nach wochenlanger Beschäftigung mit diesem Thema die Arbeit beendet. Das Weberschiff schenkte mir vor ca. einem Jahr eine Besucherin. Ich war sehr gerührt und wusste gleich, dass ich etwas Besonderes in Händen hielt.
Das Schicksal der Menschen, die täglich ihr Leben aufs Spiel setzen und den beschwerlichen Weg der Flucht übers Wasser wählen, wühlt mich auf. Wir wissen, dass nahezu täglich dabei Viele ums Leben kommen.
Diesen Menschen habe ich das Werk gewidmet. Die erloschenen Leben dürfen wir niemals vergessen.
Ein Freund, dem ich ein Foto meiner Arbeit geschickt habe, sandte mir postwendend dieses Foto, dass er in einer Broschüre der Caritas gefunden hatte. Das hat mich tief erschüttert.
Ein Märchen lässt mich nicht los. Die Kleider im Baum, das Mädchen, das hinein schlüpft und dann die Verwandlung. Nur die Sache mit dem Prinzen ist und bleibt mir suspekt….
Aber ein bisschen träumen gestatte ich mir.
Da war ein Drahtgestell, irgendwie missglückt landete es in meinem Mülleimer. Aber dann zog ich es wieder heraus, knuddelte daran herum und schon kam da die kleine Büste zum Vorschein. Die Rolle mit dem Seidenpapier ist immer in greifbarer Nähe. In einem Kistchen gibt es den Fundus alter Schnipsel, Die Kaffefiltertüten eigneten sich als Unterkleid… Alte Spitzenreste und ein Stückchen Draht als Kleiderbügel… und fertig war das luftige Etwas.
Die wilde Karde musste herhalten. Und schon wehte das Kleidchen im Sommerwind.
Was soll das nützen, mag man sich fragen, wenn ich es wieder und wieder ausschneide, diese Paar Worte…
Aber niemals will ich aufhören, daran zu glauben, dass es möglich ist…. fangen wir damit an, jeder für sich. Klein oder groß geschrieben, an unsere Herzwände geheftet.
Ich frage mich schon, warum ich mich immer wieder hinreißen lasse,ein Kleid zu zaubern. Immerhin bin ich nicht mehr die Jüngste und eine Partygängerin bin ich auch nicht. Ich trauere auch nicht alten Zeiten nach, aber ich erinnere mich noch, wie sehr ich als kleines Mädchen die Anziehpuppen geliebt habe.
Vielleicht es nur so, dass es mich immer wieder erstaunt, wie lieblos sich junge Mädchen kleiden. Ausgebeulte Jogginghosen, kaputte Jeans, schwarze Plastik-Jacken. Diese Phantasielosigkeit tut fast schon weh.
Kommt Mädels, macht euch schön. Glaubt an das Geheimnis der goldenen Nüsse.