»Er ist Teil unseres EXPERTS Circle.« erfährt man über den Focus-Kolumnisten, und das hört sich gleich viel bedeutungsschwerer an als “Expertenkreis“, eh klar. Um jenen Experten, korrigiere: jenen “Expert“ handelt sichs, der schon mal dazu aufrief Ostereier neu zu denken, und hier kolumnisiert der wieder:
»KI oder K.o.« soll wohl ein Wortspiel darstellen – welchen Sinn es haben soll, erschließt sich im darunter folgenden Kolumnentext allerdings nicht. (Merke: ein Wortspiel ohne Sinn ist kein sinnloses Wortspiel, sondern schlicht sinnlos.)
| »Künstliche Intelligenz ist in aller Munde:« |
Reiflich schräge Aussage. In meinem Mund ist jedenfalls keine, in Ihrem vielleicht? Gemeint ist wohl, dass alle darüber sprechen, aber allein die Formulierung reizt zum Verriss:
| »Die brennende Diskussion über die künstliche Intelligenz hat längst die Mitte der Gesellschaft erreicht.« |
Von wo kam die brennende Diskussion denn daher, bevor sie die Mitte erreichte – vom Rand der Gesellschaft?
| »Millionen Menschen spüren die Machtverschiebung zwischen Mensch und Maschine.« |
»Spüren«, wie denn? Physisch, emotional, spirituell? Schlechte Wortwahl.
»Bei manchen Leuten ist es besser, ihre Texte werden noch einmal von anderen gelesen, bevor die Öffentlichkeit sie sieht.« konstatierte Jan Fleischhauer, und auf diesen Text trifft das zu, denn Experte, korrigiere: “Expert“ für treffsichere Ausdrucksweise ist der Kolumnist gewiss keiner.
| »Sie sehen, wie Algorithmen Texte schreiben, Diagnosen stellen, Musik komponieren, Verträge prüfen und Flugzeuge steuern.« |
»Sehen« – schlechte Wortwahl wieder. Haben Sie schon mal einen Algorithmus einen Text schreiben gesehen? Flugzeuge wurden unterdessen längst per Autopilot von Algorithmen gesteuert, lange bevor Künstliche Intelligenz »in aller Munde« war.
| »Die Angst, überflüssig zu werden, ist keine Panikmache, sondern eine emotionale Realität.« |
Emotionale Realität, oder reale Emotion? Egal. Klar ist Angst keine Panikmache, sondern umgekehrt: mit Panikmache wird Angst gemacht. Falsche Wortwahl, schon wieder.
| »Doch wer nur auf Bedrohung blickt, übersieht die tiefere Wahrheit:« |
Im Unterschied zur höheren Wahrheit, oder zur seichteren.
| »Wer sich darauf einlässt, wird nicht verdrängt, sondern erweitert.« |
Jemand »wird erweitert« – wie hat man sich das vorzustellen: dass der anschließend größere Hosen braucht?
| »Denn [die KI] zwingt uns, das zu tun, was wir zu lange vernachlässigt haben: uns selbst zu verstehen.« |
Die Aussage verstehe, wer will. Muss aber nicht.
| »Die Antwort auf die Frage „Brauchen wir die KI oder braucht sie uns?“ lautet daher: wir brauchen beide.« |
Schwurbelschwatz. »Wir brauchen beide«, soll heißen: wir brauchen die KI, und wir brauchen auch uns? – Aber genug Verriss für heute. Nein, warten Sie, einer noch:
| »Und die Zukunft beginnt genau dort, wo wir uns entscheiden, nicht gegen Maschinen zu kämpfen, sondern mit ihnen zu wachsen.« |
Mit Maschinen wachsen? Maschinen, mit denen man »einfach, schnell und materialschonend« wachsen kann: sog. Wachsmaschinen.