Warum Trauer kein Club ist

„Willkommen im Club der Trauernden“ von Cariad Llyod. Hab ich gelesen. Nein, hab ich eigentlich nicht, hab es nur angefangen. Eine Frau schreibt darüber, wie es war, als sie mit 15 ihren Vater verloren hat. Zumindest in den ersten Kapiteln. Und das habe ich nicht. Mein Vater lebt. Meine kleine Schwester lebt nicht mehr.

How could it just not be you hiding in the sun? – Tom Rosenthal

Mein Chef verliert seine Mama. Sie ist über 70 und lange krank. Wir sitzen gemeinsam am Mittagstisch und sprechen über unsere verlorenen Menschen. Schnell stelle ich fest: Er und ich, wir sind in zwei verschiedenen Clubs.

In den ersten 3-Monaten google ich wie verrückt. Immer wieder rufe ich die verschiedenen News auf, die von dem Unfall berichten – in der Hoffnung das Ende wäre beim erneuten Lesen ein anderes.

Ich lese mehr, alle Nachrichten, die von einem ähnlichen Unfall berichten, sauge ich auf. Ich suche nach meinem Club. Arbeitsunfall in der Fabrik? Nicht das Gleiche. Autounfall? Nicht das Gleiche. Motorradunfall, aber die Person war 60+? Nicht. Das. Gleiche.

Queen Latifah schenkt vor über 20 Jahren ihrem kleinen Bruder ein Motorrad, mit dem er später verunglückt? Fast, irgendwie, aber trotzdem immer noch nicht das Gleiche.

Am Anfang dachte ich, ich kann einfach mit jedem darüber sprechen. Ich erscheine wieder auf der Arbeit und die Menschen wollen Anteil an meinem Schicksal. Ich antworte auf die Frage „Wie geht es dir?“ mit „Mir geht es nicht gut , meine Schwester ist gestorben. Ich will darüber reden.“ und die Leute hören mir zu. Die Menschen nehmen Anteil an dem Schicksal meiner kleinen Schwester. Ich habe mir in den Kopf gesetzt: wenn ich darüber offen rede, dann reicht das, dann wollen Menschen auch mit mir darüber reden. Aber so ist das nicht, ich bin allein in meinem Club. Ich merke es, wenn ich mit meinem Chef über seine Mutter spreche oder über seinen Vater, der auch immer mehr abbaut. Auch mir fehlen die Worte für ihn. Ihm fehlen die Worte für mich. Schnell antworte ich wieder auf die Frage „Wie geht es dir?“ mit „Gut. Gut geht es mir.“

Trauer isoliert. Das habe ich gelernt. Jeder ist in seinem eigenen Club und es gibt so wahnsinnig viele: Der Mann, der sich von seiner Mutter verabschieden muss. Die Mutter, die ihren Sohn verliert. Die Frau, die ihre beste Freundin vermisst. Der Arbeitskollege, der am Montag auf seine Kollegin wartet. Alles. Eigene. Clubs.

People keep telling me that this is life

it’s happening, right here, right now. This is life.

Und ich wiederhole: Das ist Leben, das ist mein Leben, das passiert. Und davon werde ich später erzählen und darüber werden wir später reden. Wenn wir uns in ein paar Jahren in unserer Heimatstadt über den Weg laufen, dann werden wir kurz reden, lachen und uns in die Arme fallen. Dann werden wir sagen: Ja, sicher, lass uns demnächst mal auf einen Kaffee treffen. Um der alten Zeiten Willen. Wohlwissend, dass wir viel zu beschäftigt sein werden, weil wir immer noch zu beschäftigt sind mit leben.
This is life.
Und unsere Kinder werden quengeln und sagen: Mama, komm‘ lass weiter. Und wir werden sagen: Ja, bis später! Lass uns über die alten Zeiten reden. Auf einen Kaffee!

Und unsere Kinder werden uns ungeduldig weiter zerren und ins Ohr flüstern: Mama, wer war das? Und wir werden den Kopf in den Nacken zurück werfen, mit einem Schmunzeln, und sagen: Ach weißt du, eine alte Freundin…

9. Dinge, die man nur kennt, wenn man Neurodermitis hat.

1. Schock
Der Blick in den Spiegel morgens, nachdem du einen Schub hattest. Nicht. schon. wieder.

2. Vorurteile
Du wirst komisch angeschaut, weil du den Kellner fragst, ob sie statt normaler Milch auch pflanzliche Milch haben. Manche meinen sogar, du bildest dir ein, dass deine Haut und deine Ernährung zusammen hängen. Durch die Foodtrends wirst du als Trittbrettfahrer abgestempelt und verurteilend angeschaut. Keiner versteht, dass du wirklich Ausschlag durch bestimmtes Essen bekommst.

3. Das Jucken und Kratzen.
Du fragst dich, wie ein Leben wohl ohne all das wäre.

4. Du hast eine Pflege-Routine
… und keiner kann dir etwas anderes erzählen. Die Apothekerin will dir mal wieder Eucerin aufschwätzen? Nein, danke. Deine Oma zeigt dir einen Zeitungsbericht in dem steht, das oft duschen gut für Neurodermitis ist? Pustekuchen. Du kennst deine Tricks. Sei‘ es föhnen statt kratzen oder eine Wasser-Essig-Mischung als Toner. Die anderen meinen es zwar gut, aber du weißt es besser.

5. Bye Bye Make Up
Schminken wird für dich zum heiligen Gral deklariert. Schminken ist mit Neurodermitis im Gesicht kaum möglich. Aber hast du einen dieser Tage, an denen deine Haut richtig gesund ist, zelebrierst du ihn wie ein König. Auch wenn du weißt, dass es dir dadurch morgen schlechter gehen könnte.

6. Keine Erdnussbutter
Wenn man den ganzen Tag damit verbringt in die Küche zu schleichen, einen kleinen Teelöffel aus der Schublade zu holen und ihn tief in das Erdnussbutterglas zu tauchen, nur um am nächsten Tag mit Neurodermitis an den Augen aufzuwachen.

7. Generell – Essen
Bestimmtes Essen löst einfach das Jucken aus. Das weißt du, aber trotzdem fällt es dir schwer Bye Bye zu Pizza und Pasta zu sagen, hast du deine Kuhmilch doch schon durch Hafer Drink (politisch korrekt bitte) ersetzt.

8. Sommer oder Winter – du findest beides blöd
Andere freuen sich auf den Sommer? Du kannst nur an den Sommerschweiß denken, der sich an deinen Arm- und Kniebeugen sammelt. Und Winter? Während sich alle auf Schnee freuen, überlegst du wie du die trockene Heizungsluft umgehen kannst.

9. Wertschätzung
Deine Sicht der Dinge ändert sich. Pickel empfindest du als nur halb so schlimm. Das lästige Eincremen deiner Beine nach dem Duschen gehört einfach dazu. Geduld und Disziplin gehören inzwischen zu deinen Stärken. Bei guten Phasen schätzt du deinen Körper umso mehr und weißt, was du an ihm hast.

Sommer, Sonne, Bibbenzeit.

Kleiner Exkurs. Raus aus meinem Leben, weg vom Schreibtisch. Hau bloß‘ ab, viel zu heiß und viel zu schön draußen, als dass ich es noch eine Sekunde länger in der Bibliothek aushalte, eingequetscht wie Sardinen, nebeneinander, Köpfe in Bücher und Hände auf die Tastaturen geklebt.
In letzter Zeit muss ich oft an das kleine Mädchen denken, das sich den Arm am Anfang der Sommerferien brach und sich ärgerte. „Jetzt verpasse ich den ganzen Sommer.“ Und jemand beugte sich zu dem Mädchen runter, grinste schelmisch und hob dabei wertend den Zeigefinder: „Du hör‘ mal, wenn du groß bist, geht es dir jeden Sommer so.“
Und wenn ich an diese Geschichte denke, dann stampft mein inneres Kind mit dem Fuss auf, ganz laut und fest, so dass mein Magen sich einmal heftig zusammenzieht.

 

Geduld, lieber Herr S.

Und plötzlich bist du da. Also eigentlich nicht plötzlich. Bin mir sicher, dass du dich schon lange angekündigt hattest. Jeder wusste schon vor Monaten, dass du kommst. Ich wusste es schon vor Monaten. Und doch, irgendwie erscheint mir dein Auftreten so plötzlich. Vielleicht, weil man dich nur bemerkt, wenn du zu eintausend Prozent da bist. Ein Fünftel deiner Anwesenheit reichen nicht aus um die Aufmerksamkeit auf dich zu lenken. Heimlich, still und leise und manchmal wirkt es sogar so, als würdest du doch nicht kommen, rückwärts gehen.

Aber jetzt stehe ich da und schau dich an. Groß, hell und warm. Dein Rauschen hört man durch alle Straßen und Baumwipfel wehen. Am liebsten sitze ich mit dir auf dem Balkon, neben den Blumen und dem Lavendel, der noch nicht so ganzen glauben will, dass du wirklich da bist. Aber sei nicht beleidigt und gib ihm etwas Zeit. In ein paar Tagen oder Wochen, wird auch der Lavendel begriffen haben, dass du da bist und anfangen zu blühen. Nur Geduld, lieber Sommer, so wie wir auch mit dir Geduld hatten.

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Die Stirn bieten.

Das Kribbeln rauscht von meiner Brust über meinen Nacken und in meinen Kopf. Blut strömt durch meinen Oberkörper. Es rauscht und pocht. Gesagt ist gesagt. Aber weil ich nicht gewohnt bin Dinge zu sagen, die mir seit geraumer Zeit auf der Zunge liegen, fühlt es sich nun an, als würden innerlich die Dämme brechen. Mein Herz pocht und meine Hände sind schwitzig. Dass ich mich erst seit kurzem mit der Achtsamkeit auseinandersetze, hilft mir kein bisschen. Vor und zurück und links und rechts und immer, immer wieder im Kreis. Gedankenkreisen, du unüberwindbares Hobby von mir. „Darf man das sagen?“ Und wenn ich so drüber nachdenke, wenn ich einfach genickt hätte und gesagt hätte „Oh sorry, stimmt, entschuldige.“ dann wäre vielleicht alles gut, also für den anderen, für mein Gegenüber. Aber manchmal, da muss man lernen den Mund aufzumachen und auch mal was zu sagen. Ständig sind es die anderen, die etwas bemängeln. Nie bin ich es, die sagt: „Du hör mal, das stört mich, mach das bitte nicht.“ Toleranz, das kann ich gut.

F steht für …, für was eigentlich?

Wo fange ich an? Und wo höre ich auf? Und, wo fängt unsere Freundschaft an und wo hört sie auf?

Wie oft habe ich diesen Text jetzt schon neu angefangen? Und by the way, kann man Freundschaften neu anfangen?
So, schau ich sag: „Hey, lass neu starten, das was du da grad gesagt hast und das was ich dabei gedacht hab, also du es gesagt hast, das hat sich nicht richtig angefühlt.“ Und du sagst dann so: „Hm stimmt, sorry für’s Augenrollen, war nicht so gemeint.“ Und wir nicken und geben reichen uns die Hand, weil man das so macht beim Neuanfang. Man greift mit der rechten Hand nach der rechten Hand des Gegenüber und drückt zu. Aber nicht zu fest und wenn fest, dann nur kurz und danach soft.

Also wenn wir uns jetzt die Hände geben würden, dann nicht zu fest, weil das würde wieder Dominanz zeigen. Und Dominanz gehört nicht in eine Freundschaft.

Man drückt also zu, nicht zu fest und eher soft und schaut sich in die Augen. Die Köpfe müssen nicken. Nicht unbedingt im gleichen Takt, aber ähnlich. Hier geht es nicht darum, wer schneller nickt und besser drückt. Das ist ein Neuanfang.

Wichtig beim Händeschütteln ist auch, dass man sich auf einer Ebene begegnet. Das ist schwer, weil man dann nicht denken darf, dass man was besseres ist. Man darf nicht denken, dass man manche Dinge besser weiß oder besser kann als der andere. Man nimmt die Hand des anderen, schaut ihm in die Augen und gibt zu verstehen: Schön, dass du hier bist.

Schön, dass du hier bist.

Vielleicht ist das auch alles, was eine Freundschaft manchmal braucht.

Ich wünschte wir würden uns die Hand geben.

Vielleicht reiche ich dir beim nächsten Treffen wirklich mal die Hand statt dieser laschen Umarmung.

2017 #1

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„You should definitely improve your health in 2017. But because 2017 is still a couple of days away,  you should start now. Like really. What I did today: Cycling for 12 – 15 minutes had me coughing and gave me jelly  legs. So it’s December 18th and it starts today. Things you want to do and want to be: More defined and less fat. Piercings. Long  hair. Go to the damn hair dresser. God dammit, just go.

*But please, not this hair dresser you went  to the last time.