Summala.

Das Feuerwerk verglüht vor unsern Augen. »Es war ein Jahr der Entfernungen«, sagt M. »Und der Nähe«, füge ich hinzu. »Wenn einen die gemeinsame Drift zusammenhält«, meint M., »ist es schon genug.« Wir müssen beide an die Maultiere denken und lachen. Ob der Weinberg heute Nacht von feinem Frost überzogen ist, in dem die Sterne glänzen? Viele Fragen wenden wir so hin und her: Ob Perkeo wieder im Spätburgunder badet, ob man sich erst im Frühling heimisch fühlen kann.

»Immerhin sind wir diesmal wirklich mit einer Münze in der Hand ins neue Jahr gesprungen«, sagt M. Die Gläser haben laut geklirrt, die anderen Gäste gestarrt. Die letzten Lichter verlöschen. Rasch leert sich der Altan, es wird so ruhig, dass man das Kind im Schlaf seufzen hört. Der Affe klettert zu uns herab, wir gehen ins Restaurant zurück. Perkeo und Professor B. dösen aneinander gelehnt, C. und L. haben schon das Käsebuffet entdeckt.

Wir schweigen eine Weile, denn alles, was man in diesen Stunden sagt, ist wie in den Wind gesprochen. Man beginnt um uns herum abzuräumen, die angebrochenen Flaschen Crémant sammeln sich auf unserem Tisch. So sitzen wir zusammen und es ist kaum vorstellbar, dass dieses Jahr wieder jemand vor der Plötzlichkeit zu fliehen versucht, so oder so wird bald der Herbst einsetzen und alle kehren heim an den Tisch, denn wenn man schon verschwinden muss, dann ja wohl gemeinsam.

Dispersion.

So verschwinden wir alle in der Nacht. Auch das Schloss schließt jetzt die Augen. Nur ab und an das Huhu der Käuze in den Wipfeln. Eine Hand tastet durchs Dunkel, wie kühl der Tag doch war, Wind ging scharf durchs Tal, und abends huschten Fledermäuse in der Gasse, gleichförmig ebbt und brandet der dreifache Atem, selbst die Träume müssen verwoben sein, denn der Abend war erfüllt von Lichtern, tanzenden Laternen und Liedern in den Straßen,

und erloschen ist nun das goldne Licht am Hügel, und verstummt die Verse, die der Traum noch murmelt, Blätter wirbeln, dann wird in der Schwerkraft des Schlafes alles leicht, und nur der Mond schaut zu, oben leuchten die Sterne, und unten liegt der Wald unter seiner Decke aus gelbem Laub, das Kissen ist kühl wie Moos, wohin die Fledermäuse wohl verschwinden, und wohin der Wind und das Huhu vom Hang,

jetzt aber schläft das Schloss, und auch die Sterne und die Käuze, und Haut findet Haut, eine Stille herrscht, man könnte vielleicht eine Feder fallen hören, Atem fließt in Atem, und schlägt einer dann die Augen auf, liegt das Zimmer hell wie Tag.

Heimchen.

Die Bahn hat uns endlich, wie nach drei Tagen und drei Nächten, wieder ausgespien. Eine Flut von Reisenden trägt uns Richtung Fluss, wo C. schon wartet mit ihrem schönsten Schweigen. Sie hakt L. unter und entführt ihn ohne Widerstand. Das Schloss flackert wie eine Kerze im Wind. Es reißt an mir, fast will ich nachgeben, doch da beschleunige ich schon meinen Schritt. Aus abertausend dunklen Nischen zirpen die Heimchen am Hang, die Gasse schwärmt von Fledermäusen in Mond und Laterne. Oben dann steht M. nackt am Fenster und sieht in die Ferne. So also kehre ich heim, wie schöneren Lebens voll.

Am Morgen spielt das Kind mit dem Affen verstecken, draußen flitzen Eichhörnchen die Bäume rauf und runter. Perkeos Schritte lassen sich von der Dachkammer hören. Der Nebel liegt noch schwer im Tal. Meine Gedanken schrauben sich ins Leere, die Hand tastet nach der Tasse, wie in den neuen Tag finden, der hartnäckig anknüpfen will an tausend Tage, die vor der Reise hier anfingen. Regen setzt ein. Wortreich male ich dann das Abenteuer: die fremden Städte, die muffigen Hotelzimmer, das Warten und die Umwege, die Passagiere, die fast Freunde wurden. Wie viel leichter man sich unterwegs fühlt und wie wieder die Schwerkraft daheim einsetzt.

Schon ist es Abend und wir schneiden dem Affen einen Apfel auf. Perkeo öffnet den Dornfelder. Die Heimchen schweigen, das Schloss leuchtet violett. Ich verteile die Suppe, M. säbelt am Brot. Wer wollte nicht die Welt anhalten, dass nicht ein Blatt mehr vom Baum fällt, dass wir immer so zusammensitzen wie auf einer Bühne, wo Perkeo lauthals lacht, M. eine Melodie summt, das Kind leise dazu singt, wo der Affe fröhlich schmatzt und ich das Glas erhebe. Da schwillt auch der Beifall der Heimchen schon an, leichter Wind zieht auf, im Mond wechselt die Beleuchtung; wer jetzt unten durch die Gasse geht, muss unweigerlich lächelnd zum Lärm hinaufsehen.