Ist es normal, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben?

Auf Krautreporter erschien gerade eine Artikel mit dem vielsagenden Titel „Ist es normal, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben?“

Der Artikel erwähnt eine ganze Reihe von Persönlichkeiten die Polyamorös leben, z.b. Tilda Swinton die mit zwei Männern zusammen lebt. Dann geht der Artikel auf die Verbreitung von Polyamorie in der Welt und die verschiedenen Ansätze von Beziehungsmodellen ein. Am Schluss folgen noch eine ganze Menge lesenswerter Erfahrungsberichte, das ist das was den Artikel dann auch trägt und ihn von der Masse der reinen Faktenartikel abhebt.

 

Schmerz – der Weg des Schwerts

Beide Partner wissen voneinander, meine langjährige Partnerin zeigte mir Bereitschaft mit mir das Abenteuer Polyamorie zu versuchen. Auch wenn es bisher nicht ihrem Weg entsprach, so hatte sie doch ganz viel Vertrauen in meine Offenheit und meinen Wunsch diesen Weg zu gehen.

So schwebte ich gerade auf einer Wolke 7×7, von Glück getragen, sozusagen multiplizierte NRE (New Relationship Energy) als meine neue Partnerin mir mitteilte das für sie das Teilen der Liebe (Auch wenn für mich Liebe gar nie geteilt werden kann, sie vergrößert sich nur) nicht mehr funktioniert und sie lieber keinen Teil mehr haben will.

Diese Aussage traf mich in diesem Moment total ins innerste. Ich glaube es lag besonders an dem Überraschungsmoment, dem Unerwarteten und dem Absoluten in dieser Aussage. Ich war mir die ganze Zeit bewusst, das unsere Liebe sich verändern wird, mal stärker und mal schwächer sein wird und vielleicht sogar irgendwann ganz versiegt. Und ich war mir sicher das ich das Aushalten würde, sogar das ich dabei gar nicht unbedingt Schmerz empfinden muss. Liebe darf einfach im hier und jetzt sein, ohne irgendetwas zu müssen.

Doch jetzt traf es mich doch total, meine Beine knickten ein, mein Bauch krampfte sich zusammen und in meinem Hals bildete sich ein dicker Kloß. Nur mit Mühe konnte ich den verbleibenden Arbeitstag überstehen. Sobald ich alleine war überkamen mich die Tränen.

Nach einer Nacht ohne viel Schlaf ist der unmittelbare Schmerz nun verschwunden. Noch kann ich ihn bewusst hervorholen, mir dunkle Gedanken machen und damit die selben Gefühle wieder aktivieren, doch ich bin auch bereit damit zu leben, den Schmerz einfach als solchen anzunehmen und auszuhalten.

Das ist unheimlich kraftvoll, zu spüren wie sich der Schmerz dann auflöst und seine Kraft verliert, sich in tiefe Stille und auch Dankbarkeit wandelt.

Ich glaube ich habe mich entschieden den Weg des Schwertes mit all seinen Schmerzen bewusst zu gehen, den Schmerz als Teil meines Lebens anzunehmen und doch meine Liebe weiter zu verschenken, mich nicht zu verschließen.

„In jedem Ding ist ein Riss – damit das Licht hereinkommt“

In liebe
Paul