Die Auseinandersetzung um ein neues Urheberrecht im Internet verläuft sehr merkwürdig. Die Autoren und Kunstschaffenden scheinen gar nicht zu verstehen, dass die GEMA und andere Wahrer der Inhaberschutzrechte nicht darauf aus sind, aus humanitären oder Gerechtigkeitsgründen restriktive Vorgaben durchzusetzen, sondern, dass diese Lobbyisten für den Eigennutz, die Autoren benutzen, um Profit zu machen. Wie hoch ist der Anteil an den Einnahmen? Wo und wie verdient ein Künstler unter den jetzigen Begebenheiten des Internets wirklich sein Geld, das ihn zusteht? Diese Fragen blieben bislang außen vor. Mit Absicht. Denn die Rechteverwerter wollen kein neues System, das der Inormationsfreiheit genauso gerecht wird wie dem Recht der Künstler auf Verdienst. Aber es gibt faire und machbare Modelle. Die Diskussion sollte außerhalb der Lobby stattfinden, dann, und nur dann, kann es zu fairen und für alle tragbare Lösungen kommen.
Im internet gibt es eine Initiative dazu, die ich an dieser Stelle vorstellen möchte.
Die Initiatoren schreiben:
Mit großer Sorge verfolgen wir Bürgerinnen und Bürger die Diskussion um das Urheberrecht und seine Durchsetzung im Internet. Wir wollen das Urheberrecht nicht abschaffen! Im Gegenteil: Wir möchten, dass das Urheberrecht zukunftsfähig bleibt, aber das bedeutet, dass es sich an gesellschaftliche Realitäten annähern muss.
Wir treten dafür ein, dass Menschen, die von ihrer Kunst und ihrem kreativen Schaffen leben möchten, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen vorfinden. Dazu gehören
- Verwertungsgesellschaften,
- Schutzfristen und
- Bezahlmodelle im Internet.
Jeder Urheber und jede Urheberin soll selbst entscheiden können, was mit dem eigenen Werk passieren soll – und was nicht.
Das Internet verändert dramatisch die Rahmenbedingungen für kulturelles Schaffen. Plötzlich stellen sich urheberrechtliche Fragen für alle von uns – auch für Laien:
- Wie viel Text darf man zitieren, ohne das Urheberrecht zu verletzen?
- Darf man zu seinem Lieblingslied singen oder tanzen und das Video dazu im Internet veröffentlichen?
- Darf man eine berühmte Filmszene nachsprechen oder im eigenen Sinn interpretieren (z.B parodieren)?
- Ist eine bestimmte Art der Nutzung mit dem Kauf von CD, Buch oder Datei bereits abgegolten?
Wir Bürgerinnen und Bürgern sind mit den Regeln überfordert, wenn wir im Internet kreativ werden. Gleichzeitig sind kulturschaffende Profis zu Recht darüber empört, dass ihre Werke ohne Bezahlung verwendet werden.
Wir müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen so ausgestalten, dass die Interessen der Urheber gewahrt bleiben – und dass gleichzeitig möglichst viele Menschen diese Regeln als gerecht empfinden und sich daran halten. Nur so kann die Akzeptanz für den Wert urheberrechtlich geschützter Inhalte gesteigert werden!
Wir möchten nicht, dass zur Durchsetzung des Urheberrechts zu unverhältnismäßigen Mitteln gegriffen wird. Dazu zählen:
- die totale Verbannung aus dem Internet, wenn man mehrmals illegal Musik heruntergeladen hat („Three-Strikes-Modell”)
- die anlasslose Überwachung und Speicherung des Internetverkehrs, um Urheberrechtsverstöße überhaupt erst aufzuspüren
- überhöhte Streitwerte bei Abmahnungen, um Exempel zu statuieren (viele Tausend oder Zehntausende Euro)
Wir möchten ein Urheberrecht und reichen deshalb allen Kreativen und ihren Geschäftspartnern die Hand. Lassen Sie uns gemeinsam nach Lösungen suchen, die das Recht der Urheber, über das eigene Werk zu verfügen genauso respektieren wie das Recht aller Menschen, frei von Repression und Überwachung zu leben.
Um sich an der Aktion zu beteiligen, geht bitte auf die Seite:
http://wir-sind-die-buerger.de/
liebe Grüße René Brandstädter




