Podcast: Entbürokratisierung muss spürbar werden – Kassenbon bei Bäckerei abschaffen

21. Januar 2026

In meinem Podcast „Aus der Backstube der Bäckerei-Konditorei Reicherzer“ spricht Martin Reicherzer, Bäckermeister aus Leidenschaft, ungewöhnlich offen über ein Thema, das viele Handwerksbetriebe seit Jahren beschäftigt: die Bonpflicht. Was politisch als Maßnahme gegen Steuerbetrug gedacht war, empfindet Reicherzer im betrieblichen Alltag vor allem als unnötige Belastung.

Die Einführung der Bonpflicht habe ihn überrascht, sagt Reicherzer – nicht wegen der Regelung an sich, sondern wegen ihres tatsächlichen Ausmaßes. Erst im laufenden Betrieb sei deutlich geworden, wie viel Papier täglich anfällt. Bei jedem Verkauf, selbst bei einer einzelnen Breze oder Semmel, wird automatisch ein Kassenbon ausgedruckt, den nach seiner Erfahrung kaum ein Kunde haben möchte. Die Bons müssten dennoch ausgegeben, gesammelt und am Ende des Tages entsorgt werden – ein Verwaltungsakt ohne erkennbaren Mehrwert. Hier der Podcast zum Anhören.

Besonders kritisch sieht Reicherzer die Umwelt- und Kostenfrage. Das verwendete Thermopapier ist nicht recyclingfähig und muss im Restmüll entsorgt werden. Jede Rolle kostet Geld, verursacht laufende Ausgaben und produziert Abfall, der aus seiner Sicht vermeidbar wäre. Kunden, die tatsächlich einen Beleg benötigen – etwa Firmen oder größere Einkäufe – könnten diesen jederzeit bekommen, auch nachträglich. Für den täglichen Kleinstverkauf hält er die Pflicht jedoch für vollkommen unverhältnismäßig.

Einen echten Nutzen der Bonpflicht kann der Bäckermeister nicht erkennen. Moderne Kassensysteme verfügten bereits über mehrere Sicherungsmechanismen, jede Buchung sei digital nachvollziehbar. Der zusätzliche Papierbeleg ändere daran nichts. Stattdessen sieht Reicherzer darin ein weiteres Beispiel für ausufernde Bürokratie und wachsende Kontrollstrukturen, die Betriebe Zeit und Geld kosten, ohne einen spürbaren Beitrag zur Wertschöpfung zu leisten.

Die Bonpflicht ist für ihn dabei nur ein Symptom. Mindestens ebenso belastend empfindet er die umfangreichen statistischen Meldepflichten, etwa vierteljährliche Angaben zum Mehlverbrauch und zum damit erzielten Umsatz. Den Sinn dieser Erhebungen könne ihm niemand erklären, Ergebnisse seien für die Betriebe nicht einsehbar. Für Reicherzer erinnert dieses System eher an Planwirtschaft als an eine praxisnahe Wirtschaftspolitik.

Insgesamt summiert sich der bürokratische Aufwand in seinem Betrieb auf rund zehn Stunden pro Woche – Zeit, die weder dem Handwerk noch den Kunden zugutekommt. Es ist Zusatzarbeit, die er selbst leisten oder seinen Mitarbeitern bezahlen muss. Sein Appell an die Politik fällt daher deutlich aus: Weniger Schlagworte, mehr Taten. Entbürokratisierung müsse spürbar werden – gerade für das Handwerk, das ohnehin unter Fachkräftemangel, steigenden Kosten und wachsendem Druck steht.

Ich habe den Blogpost an die Bundesregierung in das Portal https://einfach-machen.gov.de gepostet.

Erinnern, um zu verstehen – warum Orte wie das Dokumentationszentrum Obersalzberg unverzichtbar sind

20. Januar 2026

Das Dokumentationszentrum Obersalzberg ist eine zentrale Einrichtung der politischen Bildung und Erinnerungskultur in Deutschland. Ich habe es besucht und kann den Besuch ausdrücklich empfehlen. Ich habe bereits mehrere Blogpost dazu verfasst, wie zum Kampfhäusl, zur geraubten Madonna und das Bunkersystem.

Das Dokumentationszentrum befindet sich an einem historisch hoch belasteten Ort: dem Obersalzberg bei Berchtesgaden, der in der Zeit des Nationalsozialismus zu einem wichtigen Machtzentrum des NS-Regimes ausgebaut wurde. Hier befanden sich unter anderem der Berghof Adolf Hitlers sowie weitere repräsentative und strategische Bauten der nationalsozialistischen Führung. Hier ein paar Eindrücke als Video.

Das Dokumentationszentrum wurde mit dem Ziel eingerichtet, diesen Ort nicht unkommentiert der Geschichte oder gar einer romantisierenden Betrachtung zu überlassen, sondern ihn kritisch einzuordnen und historisch aufzuarbeiten. Die Dauerausstellung informiert umfassend über die nationalsozialistische Diktatur, ihre Ideologie, ihre Machtstrukturen sowie über die Verbrechen des Regimes. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Rolle des Obersalzbergs als Rückzugs- und Inszenierungsort der NS-Führung und auf der bewussten Propagandawirkung, die von diesem Ort ausging.

Die sachliche, quellengestützte Darstellung richtet sich an ein breites Publikum und verbindet historische Dokumente, Fotografien, Texte und audiovisuelle Medien. Ziel ist es nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern auch zur kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte anzuregen. Dabei wird deutlich gemacht, wie eng persönliche Machtansprüche, ideologische Verblendung und staatlich organisierte Gewalt miteinander verknüpft waren.

Die Bedeutung des Dokumentationszentrums liegt vor allem darin, dass es hilft, historische Verantwortung wachzuhalten. Gerade an authentischen Orten wird erfahrbar, dass der Nationalsozialismus kein abstraktes Phänomen war, sondern konkrete Orte, Akteure und Entscheidungen hatte, deren Folgen millionenfaches Leid verursachten. Das Zentrum leistet damit einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Bildung, zur Prävention von Geschichtsverfälschung und zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Antisemitismus in der Gegenwart.

In einer Zeit, in der Zeitzeugen zunehmend fehlen und historische Zusammenhänge vereinfacht oder relativiert werden, kommt Einrichtungen wie dem Dokumentationszentrum Obersalzberg eine besondere Verantwortung zu. Sie bieten Orientierung, fördern kritisches Denken und erinnern daran, wie fragil demokratische Strukturen sein können. Damit ist das Dokumentationszentrum nicht nur ein Ort der Information, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der aktiven Erinnerungskultur und der politischen Bildung in Deutschland.
Gerne würde ich ein Seminar zur politischen Bildung dort machen.

Zwischen Fachkräftemangel und Integration: LIV-Podcast beleuchtet Migration im Friseurhandwerk

19. Januar 2026

Im Podcast des Landesinnungsverband Friseure & Kosmetiker Bayern sprach ich mit Christian Hertlein, Bildungsexperte des Landesinnungsverband Friseure und Kosmetiker, über ein Thema, das weit über das Friseurhandwerk hinausreicht: Migration und Zuwanderung. Der Podcast markiert zugleich den Auftakt einer neuen Podcast-Staffel für das Jahr 2026 – nach erfolgreichen ersten Folgen ein bewusst gesetztes Signal zur Fortsetzung des Formats.

Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Frage, welche Rolle Migration für das Friseurhandwerk heute spielt – und in Zukunft spielen muss. Hertlein macht deutlich: Zuwanderung ist kein neues Phänomen, sondern seit Jahrzehnten Teil der Branche. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren prägten Anwerbeabkommen und die sogenannte Gastarbeitergeneration den deutschen Arbeitsmarkt. Auch das Friseurhandwerk profitierte später von deren Kindern, die in Deutschland aufwuchsen, die Sprache beherrschten und sich selbstverständlich integrierten.

Die heutige Situation sei jedoch nur bedingt vergleichbar. Während frühere Zuwanderung gezielt arbeitsmarktpolitisch gesteuert war, kommen heute viele Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland. Diese brächten oft traumatische Erfahrungen mit und benötigten deutlich mehr Unterstützung. Gerade im Friseurhandwerk, das Hertlein treffend als „Mundwerk“ beschreibt, stellen Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede eine besondere Herausforderung dar – sowohl im Kundenkontakt als auch im Teamalltag.

Ein zentrales Problem sieht Hertlein in der mangelnden Bündelung von Unterstützungsangeboten. Zwar existierten Sprachkurse, sozialpädagogische Begleitung und Förderprogramme, doch vielen Betrieben fehle der Überblick. Eine klare zentrale Anlaufstelle, etwa über Handwerkskammern oder Berufsschulen, könnte hier Abhilfe schaffen. Gleichzeitig kritisiert er, dass vorhandene Angebote von Betrieben nicht immer ausreichend genutzt werden – oft aus Zeit- und Organisationsgründen.

Ein weiteres großes Thema des Podcasts ist die kontrovers geführte Debatte um Barbershops. Hertlein warnt eindringlich vor Pauschalurteilen. Nicht jeder Betrieb mit migrantischem Hintergrund sei automatisch illegal oder problematisch. Vielmehr müsse klar unterschieden werden zwischen regulär geführten Betrieben mit Meisterqualifikation und solchen, bei denen tatsächlich rechtliche Defizite bestehen. Populistische Verkürzungen schadeten nicht nur dem Handwerk, sondern der gesamten gesellschaftlichen Debatte.

Gleichzeitig plädiert Hertlein für mehr Geduld. Integration sei kein kurzfristiger Prozess, sondern brauche Zeit – oft eine ganze Generation. Positive Beispiele gebe es jedoch viele: junge Menschen mit Migrationshintergrund, die eine Ausbildung absolvieren, die Meisterprüfung ablegen und sich erfolgreich selbstständig machen. Solche Entwicklungen zeigten, dass das System grundsätzlich funktioniere, wenn Unterstützung, Eigeninitiative und klare Regeln zusammenkämen.

Zum Ende des Gesprächs richtet sich der Blick nach vorn. Migration biete nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen – etwa durch neue Dienstleistungen, zusätzliche Kompetenzen und eine stärkere Vielfalt im Handwerk. Entscheidend sei, differenziert zu diskutieren, Ruhe in die Debatte zu bringen und sich nicht von populistischen Stimmen treiben zu lassen.

Der Podcast macht deutlich: Das Friseurhandwerk steht exemplarisch für viele gesellschaftliche Fragen rund um Migration, Integration und Fachkräftesicherung. Lösungen sind komplex – einfache Antworten gibt es nicht. Genau darin liegt die Stärke des Gesprächs: Es setzt auf Einordnung, Erfahrung und Dialog statt auf Schlagworte.

Erstes Trek-Dinner in Fürstenfeldbruck und ich war dabei

18. Januar 2026

Star Trek fasziniert seit Jahrzehnten nicht nur durch ferne Galaxien, futuristische Technik oder ikonische Raumschiffe, sondern vor allem durch eine Idee, die heute vielleicht aktueller ist denn je: die Kraft von Gemeinschaft. Im Herzen von Star Trek steht immer das Miteinander. Es geht nicht um den einen Helden, sondern um eine Crew, die nur gemeinsam funktioniert – mit all ihren Unterschieden, Stärken, Schwächen und Zweifeln.

Auf der Brücke der Enterprise begegnen sich Menschen und Außerirdische, Rationalisten und Emotionale, Skeptiker und Idealisten. Sie streiten, sie irren, sie scheitern – und genau das macht sie glaubwürdig. Doch am Ende finden sie immer wieder zusammen. Entscheidungen werden diskutiert, Perspektiven abgewogen, Verantwortung geteilt. Star Trek erzählt von einer Zukunft, in der Vielfalt nicht trennt, sondern verbindet, in der gegenseitiger Respekt wichtiger ist als Macht, und in der Zuhören genauso zählt wie Handeln.

Diese Vorstellung von Gemeinschaft wirkt weit über den Bildschirm hinaus. Sie schafft Identifikation, Trost und Hoffnung. Für viele Fans ist Star Trek ein Ort, an dem man gelernt hat, dass Anderssein kein Makel ist, sondern eine Bereicherung. Dass Konflikte lösbar sind, wenn man bereit ist, den anderen ernst zu nehmen. Und dass eine bessere Zukunft nicht durch Perfektion entsteht, sondern durch Zusammenarbeit.

Dass sich diese Idee nun im echten Leben fortsetzt, zeigt das erste Zusammentreffen des Trek-Dinners in Fürstenfeldbruck. Im Gasthof auf der Lände trafen sich über 30 SF-Interessierte rund um Star Trek, Star Wars, Harry Potter und mehr zum Austausch. Menschen, die sich vielleicht vorher nie begegnet wären, sitzen an den rustikalen Tischen – verbunden durch ihre Begeisterung zu Star Trek und durch die Werte, die die Serie vermittelt. Wie eine kleine Crew entsteht Gemeinschaft nicht durch Uniformität, sondern durch geteilte Begeisterung, Gespräche, Lachen und gegenseitige Neugier. Für ein paar Stunden wird aus Fans eine Gemeinschaft, aus Fremden ein Miteinander. Ich war zusammen mit Markus Schmölz, Geschäftsführer des Scala Kinos Fürstenfeldbruck, vor Ort und diskutierten über die Serien unserer Jugend. Wir folgten einer Einladung von Tom und Chris, den Organisatoren des Trek-Dinners.

Genau darin liegt das Faszinierende an Star Trek: Es bleibt nicht Fiktion. Es inspiriert dazu, im Hier und Jetzt Brücken zu bauen, offen zu sein, Unterschiede auszuhalten und Gemeinsamkeiten zu feiern. Star Trek zeigt, wie die Zukunft aussehen könnte – und erinnert uns gleichzeitig daran, dass Gemeinschaft immer dort beginnt, wo Menschen sich an einen Tisch setzen und einander mit Respekt begegnen.

Ich gehe auf das nächste Treffen im Februar und wer auch mit dabei sein möchte, der folge der Facebook-Gruppe. Mir hat es Spaß gemacht und vielleicht entsteht im Landkreis Fürstenfeldbruck eine Community.

Ach ja: Damit die Frage geklärt ist, unter welchem Captain ich dienen würde, lautet meine Antwort Jean-Luc Picard und Kathryn Janeway.

Hitlers Bunker unter dem Obersalzberg

17. Januar 2026

Unterhalb des als “Führersperrgebiet” deklarierten Areals auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden entstand ab Sommer 1943 ein weit verzweigtes Netz von Bunkertunneln. Insgesamt wurden über sechs Kilometer Stollen und Kavernen tief in den Fels gesprengt. Durch das Dokumentationszentrum Obersalzberg lässt sich ein Teil des Bunkerssystems besichtigen. Ich habe mir ausführlich die Bunkeranlagen angeschaut und mich im hervorragenden Dokumentationszentrum informiert. Klare und ausdrückliche Empfehlung von meiner Seite.

Bei meiner Besichtigung mitten im Winter war nicht viel los und ich konnte die meiste Zeit die Anlage alleine besichtigen und mir meine Gedanken dazu machen. Es war interessant und bedrückend durch dieses Bauwerk zu gehen. Ich habe einen VR 360 Grad Film gedreht, der die Atmosphäre in diesem Bunkersystem einfängt.

Die Anlage lag bis zu etwa 60 Meter unter der Oberfläche und verband zahlreiche zentrale Bauten der NS-Führungsriege: So führten Tunnel vom Berghof (Hitlers Wohnsitz) hinab in das Hauptstollensystem, weitere Abzweigungen führten etwa zu Martin Bormanns Haus und zur SS-Kaserne. Aus Sicherheitsgründen hielt Bormann allerdings die Bunker seiner Rivalen strikt getrennt – insbesondere Görings eigenen Luftschutzstollen ließ er nicht an Hitlers Tunnelsystem anbinden. Alle wichtigen Eingänge – etwa beim Hotel Platterhof oder dem Hotel Zum Türken – wurden mit massiven Stahltüren, Schleusen und MG-Nischen gesichert, um bei Bombenangriffen Druckwellen und Giftgas abfangen zu können. Vom Platterhof-Eingang beispielsweise führten 190 Stufen hinab in die Tiefe, an deren Ende sich eine unterirdische „Hauptstraße“ durch den Fels zog. Insgesamt umfasste der Komplex Dutzende Räume – darunter Wohn- und Büroräume, Führungszentralen, Telefonvermittlung, Lagerräume und sogar Hundezwinger und sanitäre Anlagen für Hitlers Personal .

Technisch war der Tiefbunker hochmodern ausgestattet: Eigene Notstrom-Dieselaggregate, Lüftungs- und Heizsysteme, Brunnen und Wasserreservoirs sowie Pumpen für Abwasser sicherten im Ernstfall eine autarke Versorgung unter Tage. Die Tunnelwände wurden mit 30–60 cm dickem Beton ausgekleidet, mit Abdichtungen gegen eindringendes Wasser versehen und teils weiß verputzt. Einige Bereiche waren aufwendig ausgebaut – Hitlers und Bormanns private Suiten erhielten Parkettböden, teure Teppiche und holzgetäfelte Wände. Außenposten wie einfache Wachmannschaften mussten sich hingegen mit nacktem Fels und provisorischen Bänken in feuchten Seitentunneln begnügen. Die Mehrheit der Stollen war bis Kriegsende im April 1945 fertiggestellt, wenngleich laufend Erweiterungswünsche (etwa nach zusätzlichen Bunkerräumen für Flak- und Stabsabteilungen) zu neuen Baustellen führten.

Den Bau dieses unterirdischen Festungswerks ermöglichten erst Zwangsarbeiter in großer Zahl: Bis zu 6.000 Männer, zumeist aus der Tschechoslowakei, Italien und Polen, mussten unter hohem Zeitdruck am Obersalzberg schuften. Noch bis Kriegsende wurde hier gearbeitet. Ihnen oblag die harte Spreng- und Betonarbeit im Berg; deutsche Fachleute überwachten lediglich die Arbeiten. Die Arbeitsbedingungen im Berg galten zwar als etwas besser als in manchen Rüstungsfabriken oder Konzentrationslagern, doch standen die Arbeiter unter rigider Kontrolle und hatten keine Wahl – bei „Fehlverhalten“ drohten drakonische Strafen. Gearbeitet wurde in zwei Schichten rund um die Uhr, und die Pausen fanden aus Zeitersparnisgründen ebenfalls unter Tage statt. Zweimal täglich bekamen die Zwangsarbeiter lediglich dünne Suppe zu essen, die in Milchkannen in die Stollen geliefert wurde  – eine dieser Milchkannen fand sich Jahrzehnte später noch im Bunker wieder und zeugt von den einstigen Bedingungen.

Vom Luftschutz zum alpinen Befehlsstand
Die Bunker unter dem Obersalzberg wurden primär als Luftschutzbunker konzipiert, doch Bormann plante mehr als bloße Schutzräume. Er sah den Obersalzberg als potentiellen Führungsbunker einer „Alpenfestung“, falls Berlin unhaltbar würde. So integrierte man in die weitläufigen Stollen auch eine Befehlszentrale mit Fernmeldeanlage, Büroräume für die NSDAP-Kanzlei und Unterkünfte für Führungsstäbe.

Tatsächlich verbrachte Adolf Hitler vor 1944 einen beträchtlichen Teil seiner Regierungszeit auf dem Obersalzberg und führte von dort aus Regierungsgeschäfte – nahezu ein Drittel seiner Amtszeit, insgesamt fast vier Jahre, hielt er sich in seinem Berghof auf . In den ersten Kriegsjahren fanden dort sogar wichtige diplomatische Treffen und Entscheidungsrunden statt (etwa 1938 die Unterredung mit Österreichs Kanzler Schuschnigg, die zum „Anschluss“ führte). Hermann Göring, Martin Bormann und andere NS-Größen nutzten ihre Obersalzberg-Villen gleichfalls als Zweitquartiere neben Berlin, so dass der Obersalzberg als „zweiter Regierungssitz“ des NS-Staates gelten kann. In Erwartung zunehmender Luftangriffe sollten die Bunker diesem NS-Machtzentrum ab 1943 nun endlich einen dauerhaften Schutz und die Möglichkeit ungestörter Weiterarbeit im Berg bieten.

Allerdings kam es kaum zu regulären „Bunker-Alltagsszenarien“, da sich die Kriegslage schnell verschlechterte. Hitler selbst nutzte die Obersalzberg-Bunker nie als permanentes Führerhauptquartier – nach dem D-Day 1944 verließ er den Obersalzberg endgültig und zog die Führung der Wehrmacht in Berlin bzw. Ostpreußen zusammen. Zwar hatte es bis dahin Probealarme gegeben, bei denen Hitler angeblich mit seinem Stab in den Bunker hinabstieg, doch im Ernstfall blieb er aus Propagandagründen lieber „über Tage“. So soll Hitler bei einzelnen Fliegeralarmen demonstrativ im Freien geblieben sein, um sich als unerschütterlich zu inszenieren.

Göring hingegen bezog spätestens im Frühjahr 1945 regelmäßig seinen persönlichen Bunkertrakt. Als am 25. April 1945 ein großer britischer Bomberangriff den Obersalzberg traf, hielt sich Göring vor Ort auf und begab sich mit dem übrigen Personal in die Stollenanlagen. Rund 3.000 Personen – von SS-Wachen über Dienstpersonal bis zu Zivilisten der Umgebung – suchten während des Bombardements in den Bunkern Schutz. Dank der stabilen Bauweise überstanden die meisten den Angriff: Obwohl die Royal Air Force mit über 350 Bombern insgesamt 1200 Tonnen Bomben abwarf (darunter riesige „Tallboy“-Bunkerbrecher), kamen nur etwa 30 Menschen ums Leben. Sämtliche Gebäude des Führersperrgebiets – bis auf das hoch gelegene Kehlsteinhaus – wurden dagegen schwer beschädigt oder zerstört. Noch am selben Tag legten abziehende SS-Truppen Feuer in den Ruinen, was Plünderungen durch Anwohner jedoch nicht verhinderte. Hitler selbst weilte zu diesem Zeitpunkt im Führerbunker in Berlin und erlebte das Ende seines „Dritten Reiches“ dort – fünf Tage später nahm er sich das Leben .

In den letzten Kriegstagen dienten die Obersalzberg-Bunker v.a. der Vernichtung von Beweismaterial. Beispielsweise ließ Martin Bormann aus seinem Berliner Exil seiner Ehefrau auf dem Obersalzberg den Befehl zukommen, belastende Akten im Bunker zu verbrennen . Noch heute finden sich in manchen Stollen rußgeschwärzte Wände, wo in jenen Apriltagen 1945 große Feuer mit Dokumenten loderten.
Diese Rußschichten machten es späteren Besuchern leicht, ihren eigenen Namen in die Wände zu kratzen – die Rußpartikel kontrastieren weiß, sobald man sie mit einem Schlüssel oder Stein abreibt. Auf diese Weise hinterließen in den Jahrzehnten nach Kriegsende zahllose Menschen Inschriften in den Bunkergängen – von einfachen Soldaten und Einheimischen bis hin zu Gruseltouristen und Neonazis, die heimlich in die zeitweise unbewachten Stollen eindrangen.

Als in den ersten Maitagen 1945 amerikanische und französische Truppen Berchtesgaden erreichten, fanden sie auf dem Obersalzberg kein aktives „Alpenfestungs“-Personal mehr vor – die Tunnel waren leer, es kam zu keinen Kämpfen. Dennoch entwickelte sich zwischen der US-Armee und der französischen 2e DB-Panzerdivision ein Wettlauf um das Prestige, Hitlers Bergresidenz als Erste zu besetzen. Schließlich hissen Amerikaner und Franzosen am 5. Mai 1945 gemeinsam ihre Flaggen über den rauchenden Trümmern auf dem Obersalzberg. In den Bunkern hinterließen drei französische Soldaten ihre Initialen („AG PS DA“) und ritzten zur Erinnerung an den Sieg ihre Einheit – „2e Division Blindée“ – sowie das Datum 5.5.1945 in eine Betonwand ein. Flankiert wurde diese Inschrift von zwei eingeritzten Lothringer Kreuzen, dem Symbol der französischen Streitkräfte im Krieg. Solche Graffiti der Alliierten markierten buchstäblich das Ende der NS-Herrschaft am Obersalzberg.

Dokumentationszentrum und museale Zugänglichkeit der Bunker
Unmittelbar nach der kampflosen Übergabe des Obersalzbergs am 4. Mai 1945 übernahm die US-Armee die Kontrolle über das Gebiet. Die Amerikaner erklärten das gesamte Areal zunächst zum Sperrgebiet und verhinderten so eine ungeregelte Besichtigung durch die lokale Bevölkerung oder gar Alt-Nazis. Plünderungen ließen sich dennoch nicht völlig eindämmen: Bereits in den ersten Tagen nach Einmarsch bedienten sich sowohl Einheimische als auch alliierte Soldaten großzügig an den Überresten. Aus den Bunkern verschwanden in den Nachkriegsjahren nahezu alle technischen Einrichtungen, Einbauten und Wertgegenstände – die weitläufigen Tunnel standen bald leer und waren verwahrlost.

Wie Zeitzeugen berichten, wurde buchstäblich „alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest“ war, von Holzvertäfelungen über Mobiliar bis zu Rohrleitungen. Übrig blieb schließlich fast nur der nackte Fels und Beton. Einzige Relikte waren etwa ein riesiger Stahlschrank, der von GIs mit einer Panzerfaust aufgeschossen worden war (einer Legende nach war er leer) – oder die eingangs erwähnte rostige Milchkanne, die Jahrzehnte unbemerkt in einem Seitentunnel lag.

Nach Kriegsende nutzte die US-Armee das Obersalzberg-Areal über 50 Jahre lang als Erholungszentrum für amerikanische Soldaten (Armed Forces Recreation Center). Für die deutsche Öffentlichkeit blieb das Gelände damit bis in die 1990er Jahre weitgehend unzugänglich.
Lediglich das Kehlsteinhaus und seine Bergstraße wurden früh für den zivilen Tourismus freigegeben – sie entwickelten sich ab den 1950ern zu einem regelrechten Besuchermagneten, während der eigentliche Obersalzberg darunter nahezu entzogen war . Um zu verhindern, dass die Ruinen von Hitlers Berghof zu einer Wallfahrtsstätte für Neonazis werden könnten, sprengten die US-Besatzer und bayerischen Behörden 1952 fast alle stehengebliebenen NS-Gebäudereste, einschließlich der ausgebrannten Berghof-Ruine. Auch oberirdische Spuren der Bunkereingänge wurden teils eingeebnet. 

Dennoch pilgerten weiterhin Neugierige und Alt-Nazis auf den Berg – viele Jahre lang teils begünstigt durch dubiose Touristenführer und trivialisierende Broschüren, die vor Ort verkauft wurden. Erst nachdem die US-Truppen 1996 den Obersalzberg endgültig räumten, konnte sich Bayern der aktiven Erinnerungsarbeit annehmen. Man beschloss ein „Zwei-Säulen-Konzept“: Einerseits sollte das Areal behutsam touristisch entwickelt werden (etwa durch ein Hotel), andererseits aber eine historische Bildungsstätte entstehen . So eröffnete am 20. Oktober 1999 das Dokumentationszentrum Obersalzberg als moderner Lern- und Erinnerungsort.

Von Anfang an bezog die Dokumentation die originalen Bunker in ihr Museumskonzept ein. Ein Teil der weitläufigen Untergrundanlage – insbesondere die Stollen unter dem ehemaligen Hotel Platterhof bzw. Gästehaus Hoher Göll, auf dessen Fundament der Museumsbau errichtet wurde  – ist für Besucher seither zugänglich. Über das Museumsgebäude gelangt man in einen rund 200 Meter langen Bunkerabschnitt, der heute als authentisches Ausstellungsobjekt dient. Dieser Bereich umfasst u.a. die ehemaligen Büroräume der NSDAP-Kanzlei am Obersalzberg (teils mit originalen Einbauten) sowie Verbindungsstollen mit einigen Nebenräumen wie Vorratskellern. Schon 1999 stieß diese Bunker-Teilausstellung auf großes Interesse, so dass 2006 ein zusätzlicher Ausstellungsraum im Bunker für Wechselausstellungen ausgebaut wurde. Von 2017 bis 2023 war die Anlage wegen umfangreicher Erweiterungsarbeiten geschlossen, doch seit der Wiedereröffnung der Dokumentation (neue Dauerausstellung “Idyll und Verbrechen”) ist der Bunker wieder im Rahmen des Rundgangs zugänglich . Besucher passieren originale engen Gänge, sehen Gerätschaften und Relikte und stoßen auf erklärende Tafeln, die die Funktion jedes Abschnitts erläutern. So wird der historische Tiefbunker selbst zum Exponat, das die Geschichte des Ortes greifbar macht.

Um die Sicherheit und den pädagogischen Mehrwert zu gewährleisten, bleibt freilich nur ein begrenzter Teil der Gesamtanlage begehbar – viele Stollen sind aus statischen Gründen versiegelt oder liegen auf privatem Gelände (etwa unter dem Hotel Zum Türken, das eigene Führungen durch seinen Bunkerabschnitt anbietet). Der für die Öffentlichkeit geöffnete Sektor im Dokumentationszentrum ist dagegen gut gesichert, beleuchtet und mit einem Audioguide sowie Führungen erschlossen. Besucher erhalten so einen Eindruck der beklemmenden Enge und Kälte im Berg und lernen gleichzeitig die historischen Zusammenhänge kennen. In Vitrinen sind Funde ausgestellt, etwa originale Baupläne, Werkzeug oder Fundstücke wie die erwähnte Milchkanne oder Lebensmittelmarken der Kriegszeit, die im Bunker gefunden wurden. Zusätzlich vermitteln Medienstationen Interviews mit Zeitzeugen, die vom Alltag am Obersalzberg oder der Zwangsarbeit im Bergbau berichten. Die Kombination aus originalem Schauplatz und kritischer Einordnung soll einen verantwortungsvollen Umgang mit dem schwierigen Erbe ermöglichen.

Heutiger Umgang mit dem NS-Erbe
Die Bunker unter dem Obersalzberg verkörpern einen historischen Täterort, der bis heute sensibel behandelt werden muss. Bereits kurz nach Kriegsende zeigte sich, wie ambivalent das Erbe ist: Einerseits hatten die Alliierten – insbesondere die Franzosen – ihre Spuren stolz hinterlassen. Andererseits zog die Anlage früh auch nostalgische Anhänger des NS-Regimes an. So kam es schon in den 1950ern zu regelrechten “Sensationstouren” ehemals Verfolgter, Neugieriger, aber auch Ewiggestriger, die teils illegal in die gesperrten Bunker vordrangen . In den dunklen Tunneln fanden sich mit der Zeit beschmierte Hakenkreuze und Parolen wie „Heil Adolf“ – ein Hinweis darauf, dass manche Besucher den Ort zu glorifizieren versuchten. Diesem unerwünschten Umgang setzt man heute aktive Aufarbeitung entgegen.

Die Dokumentation Obersalzberg versteht sich ausdrücklich als Lernort, der die Verbrechen des NS-Regimes aufarbeitet und Entmystifizierung betreibt. So wird z.B. an den Bunkerwänden nicht nur die militärische Funktion erläutert, sondern auch an die Ausbeutung der Zwangsarbeiter erinnert, die diese „Alpenfestung“ unter unmenschlichen Bedingungen errichten mussten.

Das Gelände selbst wird ebenfalls bewusst unspektakulär gehalten, um keinen Heldenmythos zu befördern. Vom früheren Berghof steht heute fast nichts mehr – lediglich eine überwachsene Stützmauer und eine Hinweistafel erinnern an den Ort . Dennoch erscheinen nach wie vor vereinzelt Neonazis, die dort Kerzen oder Botschaften als Verehrung platzieren . Die Mitarbeiter der Dokumentation sammeln solche Relikte (über 50 teils mit Hakenkreuzen versehene Grablichter wurden seit 2015 entfernt) und nutzen sie als mahnende Exponate in der Ausstellung. Damit wird offensiv gezeigt, dass der Kampf um die Deutungshoheit über Orte wie den Obersalzberg bis in die Gegenwart reicht.

Insgesamt gilt die Einbindung der Bunker ins pädagogische Konzept als gelungen. Das Dokumentationszentrum Obersalzberg – getragen vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin – wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2025 mit dem europäischen Luigi Micheletti Award für seine innovative Dauerausstellung „Idyll und Verbrechen“. Diese Ausstellung kontrastiert bewusst die idyllische Alpenlandschaft (die von den Nazis propagandistisch als heile Welt inszeniert wurde) mit den Verbrechen, die hinter den Kulissen geplant wurden.

Die Bunkeranlagen spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie sind das greifbare Symbol dafür, wie aus dem friedlichen Bergbauerndorf Obersalzberg ein hermetisch abgeriegelter Unrechtsort und schließlich ein Endzeit-Zufluchtsort der NS-Elite wurde. Indem man die unterirdischen Räume für Besucher öffnet, entzaubert man zugleich manche Legende – etwa den Mythos der „unbesiegbaren Alpenfestung“, die sich in Wahrheit als überdimensioniertes und letztlich nutzloses Bauprojekt entpuppte. Die Bunker werden so nicht ehrfürchtig verherrlicht, sondern kritisch kontextualisiert: als Teil der Infrastruktur eines verbrecherischen Regimes, das am Ende trotz aller Betonwände in Trümmern versank.

Die heutige Erinnerungsarbeit am Obersalzberg zeigt, dass ein solch belastetes Erbe produktiv genutzt werden kann, um Geschichte aufzuarbeiten statt zu verdrängen. Durch behutsame architektonische Integration, wissenschaftliche Begleitung und offensives pädagogisches Konzept gelingt es, die Bunker weder zum Wallfahrtsort für Rechtsradikale noch zum reißerischen Gruselkabinett verkommen zu lassen. Vielmehr dienen sie als mahnendes Anschauungsobjekt, das tausenden Besuchern jährlich die Abgründe der NS-Herrschaft vor Augen führt – an dem Ort, wo einst Macht und Idylle auf verhängnisvolle Weise zusammentrafen.

Die Glücksitter (Trading Places, 1983) – Matinee am 18. Januar im Scala Fürstenfeldbruck

16. Januar 2026

Mit Die Glücksritter erwartet das Publikum im Scala Kino bei unserer Matinee am Sonntag um 10:45 Uhr eine der intelligentesten und zugleich unterhaltsamsten Komödien der 1980er-Jahre. Karten gibt es hier.

Der Film verbindet rasantes Tempo, pointierte Dialoge und großen Schauspielwitz mit einer überraschend scharfen Gesellschaftsanalyse. Regisseur John Landis nutzt die klassische Verwechslungskomödie, um Fragen nach sozialer Herkunft, Macht, Geld und Moral zu stellen – und verpackt diese in eine perfekt geölte Unterhaltung.

Eddie Murphy und Dan Aykroyd brillieren als gegensätzliche Figuren, deren Leben durch ein zynisches Experiment reicher Börsenspekulanten auf den Kopf gestellt wird. Was zunächst als ausgelassene Komödie beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer bissigen Satire auf Klassenunterschiede, Kapitalismus und menschliche Manipulierbarkeit. Dabei verliert der Film nie seine Leichtigkeit: Slapstick, Wortwitz und ikonische Szenen sorgen bis heute für Lachsalven, während die inhaltliche Schärfe erstaunlich zeitlos geblieben ist. Und es gibt zudem eine wunderbare Jamie Lee Curtis zu sehen, außerhalb von Halloween.

Gerade auf der großen Leinwand entfaltet Die Glücksritter seine volle Wirkung: die präzise Inszenierung, der Rhythmus der Gags und das legendäre Finale an der Börse machen den Film zu einem idealen Matinee-Erlebnis. Ein Klassiker, der gleichermaßen zum Lachen, Staunen und Nachdenken einlädt – und beweist, dass große Unterhaltung und kluge Filmkunst sich nicht ausschließen.
Ich freue mich über diesen Film zu sprechen und gemeinsam diese bissige Kömodie zu schauen. Karten gibt es hier.

Die geraubte Madonna – ein stilles Zeugnis von Raub, Macht und moralischem Zusammenbruch

15. Januar 2026

Die Geschichte der sogenannten Madonna im „Göring-Zug“ ist ein eindrückliches Beispiel für den systematischen Kunstraub des Nationalsozialismus und für die persönliche Bereicherung führender NS-Funktionäre in den letzten Kriegsjahren. Im Zentrum steht der Sonderzug von Hermann Göring, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nicht nur als mobiles Hauptquartier, sondern auch als Transportmittel für geraubte Kunstwerke diente. Die Madonna ist im hervorragenden Dokumentationszentrum Obersalzberg zu sehen.

Göring war einer der skrupellosesten Kunstsammler des NS-Regimes. In den von Deutschland besetzten Gebieten, vor allem in Frankreich, Belgien und den Niederlanden, ließ er gezielt Museen, Kirchen und private Sammlungen plündern. Besonders sakrale Kunstwerke, darunter Darstellungen der Madonna, galten als kulturell wie symbolisch wertvoll. Eine dieser Madonnen – in zeitgenössischen Berichten oft nur verkürzt als „die Madonna im Göring-Zug“ bezeichnet – wurde aus einem kirchlichen oder musealen Zusammenhang entwendet und dem persönlichen Kunstbesitz Görings zugerechnet.

In einem Eisenbahnwaggon auf freiem Feld nahe Berchtesgaden stießen US-Soldaten auf diese „Madonna auf der Mondsichel“. Sie befand sich in einem Zug voller Kunstwerke, mit dem Göring seine Kunstsammlung in Sicherheit bringen wollte. Wohl schon bei diesem Transport war sie beschädigt worden.
Die Madonna hatte in Görings Landsitz bei Berlin gestanden. Sie war ein Geschenk des Gauleiters von Essen zur Taufe von Görings Tochter Edda und stammte aus dem Auktionshaus Julius Böhler. Die Amerikaner dokumentierten den Fund mit der Filmkamera und registrierten in Schönau den Inhalt des Zuges. Ehe die Kunstwerke nach München transportiert wurden, improvisierten die US-Soldaten eine Ausstellung: „Hermann Goering’s Art Collection“ zeigte die Sammlung, deren Stücke größtenteils in ganz Europa geraubt worden waren.

Als sich 1944 und 1945 die militärische Niederlage des Deutschen Reiches abzeichnete, begann Göring, seine Kunstschätze in Sicherheit zu bringen. Sein luxuriös ausgestatteter Sonderzug wurde dabei zu einem fahrenden Tresor. In Waggons, die äußerlich kaum von regulären Salonwagen zu unterscheiden waren, lagerten Gemälde, Skulpturen und kirchliche Kunstobjekte, darunter auch die Madonna. Der Zug bewegte sich quer durch Süddeutschland und Österreich, stets auf der Suche nach einem sicheren Ort, fernab der heranrückenden Alliierten.

Die Madonna erhielt in dieser Geschichte eine besondere symbolische Bedeutung. Während das Regime nach außen noch Durchhalteparolen verbreitete, wurde im Inneren bereits geplündert, verschoben und versteckt. Ein religiöses Kunstwerk, das ursprünglich der Andacht und dem Gemeinwohl diente, wurde so zum Bestandteil einer privaten Flucht- und Bereicherungsstrategie. Die Madonna im Göring-Zug steht damit sinnbildlich für den moralischen Bankrott der NS-Elite in den letzten Kriegsmonaten.

Nach Kriegsende fiel der Sonderzug den Alliierten in die Hände. Die Kunstwerke wurden beschlagnahmt, katalogisiert und – soweit möglich – an ihre Herkunftsorte zurückgegeben. Auch die Madonna wurde restituiert. Ihre Rückkehr markiert nicht nur die Wiederherstellung rechtmäßigen Besitzes, sondern auch das Scheitern eines Systems, das Kunst, Religion und Geschichte gleichermaßen instrumentalisierte.

Historisch interessant ist die Episode weniger wegen des einzelnen Kunstwerks als wegen dessen Weges. Die Madonna im Göring-Zug macht sichtbar, wie eng Macht, Raub, Ideologie und persönlicher Luxus im Nationalsozialismus miteinander verknüpft waren – und wie selbst religiöse Symbole nicht vor politischem Missbrauch geschützt blieben.

Es gibt auch eine Hollywood-Film zum Thema. Monuments Men – Ungewöhnliche Helden ist ein Historienfilm von und mit George Clooney, der eine besondere Seite des Zweiten Weltkriegs beleuchtet. Der Film erzählt die wahre Geschichte einer Gruppe von Kunsthistorikern, Museumsdirektoren und Architekten, die von den Alliierten beauftragt werden, von den Nationalsozialisten geraubte Kunstwerke aufzuspüren und vor der Zerstörung zu retten. Mit einer Mischung aus Kriegsdrama, Abenteuerfilm und leisem Humor zeigt der Film, dass der Kampf um Kultur und Erinnerung ebenso bedeutend sein kann wie der Kampf an der Front.

Ein Häuschen, ein Mythos, eine Lüge – wie das „Kampfhäusl“ zur Bühne nationalsozialistischer Propaganda wurde

14. Januar 2026

Die Geschichte des sogenannten Kampfhäusl gehört zu jenen Legenden, die weniger über historische Realität aussagen als über die Funktionsweise nationalsozialistischer Propaganda. Diese Geschichte wird in der hervorragenden Ausstellung des Dokumentationszentrum am Obersalzberg in einer Vitrine aufgegriffen und zeigt, wie perfide die nationalsozialistische Propaganda funktionierte und bis heute sogar noch wirkt.

Behauptet wurde, Adolf Hitler habe sich in einem kleinen, abgelegenen Holzhaus am Obersalzberg zurückgezogen und dort Teile seines Buches Mein Kampf verfasst. Das Häuschen wurde dabei als karger, nahezu asketischer Ort inszeniert, an dem der spätere Diktator als einsamer Ideologe und unbeirrbarer „Kämpfer“ an den geistigen Grundlagen der Bewegung gearbeitet habe. Diese Erzählung ist jedoch historisch nicht haltbar.

Am 12. Oktober 1926 sprach Hitler in Berchtesgaden. Manche Anhänger waren sogar aus Salzburg angereist, um Hitler über sein Programm reden zu hören. Für die Arbeit am zweiten Band von „Mein Kampf“ hatte er sich immer wieder auf den Obersalzberg zurückgezogen.
Dort konnte er konzentriert arbeiten – abseits der Tagespolitik, aber keineswegs im Verborgenen: Die Polizei hatte ein Auge auf den radikalen Parteiführer. Nach 1933 förderte dies den Mythos von Hitlers Wahlheimat. Einheimische Fotografen machten Bilder vom „Kampfhäusl“ – so hieß jetzt die Holzhütte oberhalb des Platterhofs, die der Wirt Bruno Büchner Hitler zur Verfügung gestellt hatte. Die benachbarte Pension Steiner verkaufte davon Postkarten. Tatsächlich arbeitete Hitler nur selten in der Blockhütte, sondern meist in komfortablerer Umgebung: Er diktierte den zweiten Band einer Sekretärin vor allem in der Pension Moritz und im Hotel Deutsches Haus.

Ursprünglich bestand die Herzschrift, mein Kampf aus zwei Teilen und wurde später erst in einem Band zusammengefasst.

Quellenlage und Chronologie sprechen eindeutig gegen diese nationalsozialistische Darstellung. Die wesentlichen Teile von „Mein Kampf“ entstanden in den Jahren 1924 und 1925 während Hitlers Haft in Landsberg am Lech, wo er den Text überwiegend diktierte. Für eine Entstehung oder auch nur wesentliche Mitarbeit am Buch im sogenannten Kampfhäusl existieren keinerlei zeitgenössische Belege. Auch Hitlers Aufenthalte am Obersalzberg in den frühen 1920er-Jahren waren kurz und unregelmäßig und lassen sich nicht mit einer intensiven schriftstellerischen Arbeit in Verbindung bringen. Das Gebäude selbst war ein unauffälliges, funktionales Häuschen ohne besondere politische oder biografische Bedeutung. Aber es hatte eine enorme propagandistische Wirkung.

Dass die Geschichte dennoch Verbreitung fand, ist vor allem mit ihrer propagandistischen Wirkung zu erklären. Ab dem Aufstieg der NSDAP wurde Hitlers Lebenslauf systematisch mythologisiert. Orte spielten dabei eine zentrale Rolle, weil sie abstrakte Ideologie emotional greifbar machen konnten. Das Kampfhäusl passte ideal in dieses Muster: klein, schlicht, abgeschieden, eingebettet in eine vermeintlich „urdeutsche“ Berglandschaft. Es diente als Projektionsfläche für das Bild des aus einfachen Verhältnissen stammenden Führers, der fernab der Großstadt seine weltanschauliche Mission formt.

Aus heutiger historischer Sicht ist das Kampfhäusl daher kein authentischer Entstehungsort nationalsozialistischer Ideologie, sondern ein nachträglich konstruierter Erinnerungsort. Seine Bedeutung liegt nicht in dem, was dort tatsächlich geschah, sondern in dem, was man ihm andichtete. Gerade darin liegt sein Erkenntniswert: Die Legende zeigt exemplarisch, wie politische Mythen erzeugt werden, wie Orte instrumentalisiert werden können und wie sich erfundene Geschichten durch Wiederholung und emotionale Aufladung im kollektiven Gedächtnis festsetzen.
Ich empfehle ausdrücklich den Besuch des Dokumentationszentrums am Obersalzberg.

Retrogamebörse: Wenn Pixel zu Erinnerungen werden – eine Reise zurück ins Herz des Spielens

13. Januar 2026

Der Besuch der Retrogame Börse 2026 in Garching fühlte sich für mich als Retrogamer an wie eine Zeitreise, bei der man nicht nur schaut, sondern wieder mit allen Sinnen eintaucht. Schon beim Betreten der Halle lag dieser unverwechselbare Mix aus Karton, Plastik und Elektronik in der Luft – der Geruch von Modulen, die Jahrzehnte überdauert haben, und von Konsolen, die einst ganze Nachmittage verschluckten.


An den Tischen reihten sich C64-Disketten neben NES-Cartridges, liebevoll sortierte Mega-Drive-Boxen neben zerlesenen Spielehandbüchern. Ich war vor allem auf der Suche nach Atari 2600 und PSP-Spielen. Händler und Sammler kamen ins Gespräch, fachsimpelten über Revisionen von Platinen, über vergilbte oder perfekt erhaltene Gehäuse, über Spiele, die man jahrelang gesucht hatte und nun plötzlich in greifbarer Nähe sah. Der Sohn beauftragte mich, mit dem Kauf von seltenen Pokémon-Spielen, während die Tochter nach japanischen Spielen suchte, obwohl wir bisher noch keine japanische Sega Saturn besitzen. So sind wir Retrogamer.

Begeistert traf ich auf Oliver Reynolds vom Verein Videospielkultur VSK und bekam eine Einladung zu einem der nächsten Spieleabende in der Gamerei. Als VSK noch im Werk 1 war, besuchten mein Sohn und ich regelmäßig die Institution. Diese Tradition werden wir jetzt wieder aufnehmen.

Was diese Börse so besonders machte, war nicht allein das Kaufen und Verkaufen. Es war das gemeinsame Erinnern. Viele Besucher erzählten sich Geschichten von verpassten Schulbussen, weil ein Bossgegner einfach nicht fallen wollte, oder von Familienfernsehern, die abends zum Schlachtfeld um den letzten freien Joystick wurden. Retrovideogames zeigten sich hier als Kulturgut: als Zeugnisse einer Zeit, in der technische Grenzen Kreativität erzwangen und wenige Pixel ausreichten, um ganze Welten entstehen zu lassen. Jedes Spiel war ein kleines Stück Mediengeschichte, ein Beleg dafür, wie Erzählformen, Musik und Grafik sich gegenseitig beeinflussten und eine eigene Ästhetik entwickelten.
Dies bestätigte auch der Organisator der Veranstaltung Bernd Kühn im Interview.

Zwischen Röhrenmonitoren mit flimmernden Scanlines und dem vertrauten Klicken alter Controller wurde klar, warum die Faszination bis heute anhält. Retrogames sind nicht nur Nostalgieobjekte, sondern kulturelle Artefakte, die von gesellschaftlichen Stimmungen, technischen Umbrüchen und dem Spieltrieb ganzer Generationen erzählen. Die Retrogame Börse 2026 in Garching machte genau das spürbar: dass diese Spiele mehr sind als Unterhaltung – sie sind Erinnerungsräume, die bewahrt, geteilt und immer wieder neu entdeckt werden wollen.

Videogames sind ein Kulturgut, weil sie weit über ihren ursprünglichen Zweck als bloße Unterhaltung hinausgewachsen sind. Sie sind Ausdruck ihrer Zeit, Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und ein eigenständiges Medium mit eigenen ästhetischen, erzählerischen und technischen Gesetzmäßigkeiten. Wie Literatur, Film oder Musik entstehen Videogames nie im luftleeren Raum. Sie werden von Menschen geschaffen, die von politischen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen geprägt sind, und tragen diese Einflüsse in sich – manchmal offen, manchmal subtil.

Ein zentrales Merkmal von Videogames als Kulturgut ist ihre Fähigkeit, Geschichten interaktiv zu erzählen. Anders als bei linearen Medien wird der Mensch vor dem Bildschirm nicht nur zum Beobachter, sondern zum handelnden Teil der Erzählung. Entscheidungen, Scheitern, Erfolg und Wiederholung sind nicht bloß erzählerische Motive, sondern Erfahrungen, die aktiv durchlebt werden. Dadurch entsteht eine besondere emotionale Bindung: Spiele prägen Erinnerungen, Haltungen und manchmal sogar Werte. Viele Menschen können sich Jahre später noch an bestimmte Spielmomente erinnern – nicht, weil sie sie gesehen haben, sondern weil sie sie selbst erlebt haben. Bei mir war es der Angriff der Walker in Empire strikes Back von Parker für das Atari 2600.

Hinzu kommt die künstlerische Dimension. Grafikstile, Musik, Sounddesign und Spielmechaniken bilden eine eigene Form von Ästhetik. Gerade frühe Videogames zeigen eindrucksvoll, wie technische Begrenzungen kreative Lösungen hervorgebracht haben. Wenige Farben, einfache Klänge und minimale Rechenleistung führten nicht zu Armut, sondern zu einer klaren, wiedererkennbaren Formsprache, die bis heute zitiert und weiterentwickelt wird. Diese Gestaltung ist vergleichbar mit Kunstströmungen anderer Medien, die ebenfalls aus Einschränkungen heraus entstanden sind.

Videogames sind außerdem ein wichtiges technikhistorisches Zeugnis. Sie dokumentieren den Fortschritt von Hard- und Software, von einfachen Pixelgrafiken bis zu komplexen, offenen Welten. Gleichzeitig erzählen sie von der zunehmenden Digitalisierung des Alltags. Wer alte Spiele betrachtet, sieht nicht nur Spielideen, sondern auch den Stand der Technik, die Bedienkonzepte und das Verhältnis des Menschen zur Maschine in einer bestimmten Epoche. In diesem Sinne sind Spiele Quellen der Zeitgeschichte.

Nicht zuletzt haben Videogames eine starke soziale und gemeinschaftliche Dimension. Sie prägen Generationen, schaffen gemeinsame Referenzen und eine geteilte Erinnerungskultur. Ob auf dem Pausenhof, im Jugendzimmer oder heute online: Spiele waren und sind Orte des Austauschs, des Wettbewerbs und der Zusammenarbeit. Communities, Modifikationen, Speedruns oder Let’s Plays zeigen, dass Spiele nicht abgeschlossen sind, sondern weiterleben, interpretiert und neu angeeignet werden – ein klassisches Merkmal von lebendigem Kulturgut.

Dass Videogames heute in Museen ausgestellt, wissenschaftlich erforscht und archiviert werden, ist daher folgerichtig. Sie erzählen Geschichten über uns selbst: über unsere Wünsche, Ängste, unseren Spieltrieb und unseren Umgang mit Technik. Als Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft sind Videogames ein prägendes Kulturgut des 20. und 21. Jahrhunderts – und ein kulturelles Gedächtnis, das es zu bewahren gilt.

AR-Brille auf der Nase

10. Januar 2026

Technik auf der Nase statt in der Hand – was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction klang, rückt leise, fast beiläufig, in unseren Alltag. Smarte Brillen, mit denen man Musik hört, telefoniert, fotografiert oder per Sprachbefehl durchs Netz streift, sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Sie liegen in den Regalen, warten darauf, ausprobiert zu werden – und viele sind bereit dafür. Knapp vier von zehn Menschen in Deutschland können sich grundsätzlich vorstellen, solche Brillen zu tragen. Auch ich als Brillenträger bin diesen Smarten Brillen sehr aufgeschlossen, sobald Apple eine solche Brille auf den Markt bringen würde.

Ich habe die Zukunft auf der Nase - Google Glass
Ich habe die Zukunft auf der Nase – Google Glass


Vor Jahren hatte die erste Variante von Google Glas auf der Nase, die allerdings mehr versprochen hat, als sie halten konnte. Aber die Idee war genial.

Die Hololens macht Spaß und ich sehe enorme Möglichkeiten.
Die Hololens macht Spaß und ich sehe enorme Möglichkeiten.

Dann spielte ich mit der AR-Brille HoloLens von Microsoft herum, die auf mich einen starken Eindruck machte. Tolle Teil, aber MS verfolgte die Idee nicht weiter und stellte im Oktober 2024 die Produktion ein.
Im Moment bin ich von der Apple Vision Pro gefesselt. Derzeit arbeite ich mir einen Arbeitsworkflow auf diesem Gerät. Eine Smart Brille wird eine andere Ausrichtung und Anwendung haben. Ich hör schon das deutsche Geschrei um den Datenschutz.

Super interessant finde ich die Datenbrille von Meta, die zusammen mit RayBan entwickelt wurde. Ich durfte sie ausprobieren. Für mich der einzige und ausschlaggebende Nachteil: Mein RayBan Modell, die Clubmaster, gibt es nicht als Smarte Brille. Sie sieht mir zu massiv aus, aber der Weg ist das Ziel.

Aber die Entwicklung der Brillen geht weiter. Die nächste Stufe heißt Augmented Reality: Brillen, die nicht nur hören, sondern sehen lassen – die virtuelle Informationen direkt ins reale Sichtfeld einblenden. Wegweiser, Hinweise, Daten, Geschichten – alles schwebt plötzlich dort, wo man ohnehin hinschaut. Rund ein Viertel der Deutschen kann sich vorstellen, künftig eine solche AR-Brille zu nutzen. Auf Technikmessen wie der CES in Las Vegas zeigen Hersteller gerade, wie nah diese Zukunft bereits ist. Im Jahr 2026 wird einiges dazu geschehen.

Aus der Gerüchteküche ist zu hören, dass Apple auch an so einer Brille arbeitet, also eine intelligente Brille für den Massenmarkt. Die Apple Vision Pro ist nur etwas für ein kleines Marktsegment.

Vor allem Jüngere blicken neugierig durch diese neue Linse auf die Welt. Bei den 16- bis 29-Jährigen ist das Interesse besonders groß, auch Menschen bis 49 zeigen überdurchschnittliche Offenheit. Mit zunehmendem Alter wächst dagegen die Skepsis. Vielleicht, weil jede neue Technik nicht nur Möglichkeiten, sondern auch Fragen mitbringt.

Denn der Reiz ist da: Informationen zu historischen Gebäuden, direkt beim Spaziergang eingeblendet. Navigation, die nicht mehr aufs Handy zwingt, sondern den Weg vor Augen legt. Fast die Hälfte der Bevölkerung erkennt in smarten Brillen schon heute einen echten Mehrwert. Gleichzeitig gibt es klare Grenzen. Die Vorstellung, dass eine Brille unbemerkt filmen oder fotografieren könnte, beunruhigt viele. Vertrauen will wachsen – und muss verdient werden. Sichtbare Signale wie kleine LEDs, die Aufnahmen anzeigen, sind erste Schritte, um Transparenz zu schaffen.

Vielleicht stehen wir an einem Punkt, an dem sich entscheidet, wie selbstverständlich diese Technik einmal wird. Wenn Komfort, Preis und Nutzen zusammenfinden, könnten AR-Brillen schon bald so alltäglich sein wie das Smartphone. Dann wandert die Technik endgültig dorthin, wo sie kaum auffällt – direkt vor unsere Augen. Und verändert leise, aber nachhaltig, wie wir die Welt sehen.