
….von Möhren-Nasen und Brücken-Rambos
Hamburg erlebt in den vergangenen Tagen – und noch bis heute – das Unfassbare: es liegt Schnee! Viel Schnee! Das letzte Mal, dass ich direkt vor der Haustür die Langlaufski hätte anschnallen können, ist gefühlte Lichtjahre her – okay, es waren fünfzehn Jahre, aber in meinem Alter verschwimmen die Jahrzehnte ja ohnehin charmant.
Ski heil? Lieber nicht.
Theoretisch hätte ich also losflitzen können, praktisch sprachen zwei winzige Details dagegen: ich habe meine Ski vor Jahren verschenkt, und mit 88 Jahren ist die biologische Festplatte eher auf „Rollstuhl-Kompatibilität“ programmiert als auf „Olympiasieg im Langlauf“!
Statt mich also todesmutig in die Loipe zu stürzen, habe ich mich für die seniorengerechte Variante entschieden: spazierengehen …. da nur noch eine gewisse Mobilität bei mir vorhanden ist. Bei Schneefall kann das schwierig werden, so habe ich mir einen trockene Tag ausgesucht und bin trotzdem an die Außenalster gefahren.
An der Krugkoppelbrücke traute ich meinen Augen kaum. Da stand sie: die Schneemann-Elite Hamburgs. Ein wahres Schaulaufen der frostigen Kunstwerke!
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Möhrennasen trotzten dem Nordwind.
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Blaubeer-Augen starrten mutig in die Ferne.
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Einer trug sogar eine Babysocke als Mütze – sehr schick, sehr hip!
Es war das pure Glück. Endlich mal etwas Nettes in der turbulenten weltweiten Nachrichtenlage! Mit jedem Tag schien die fröhliche Truppe zu wachsen und sorgte bei den Vorbeigehenden für Schmunzeln und gezückte Handys.
Doch dann geschah das Unfassbare: ein Brücken-Rambo tauchte auf. Mit ausladenden Armbewegungen wischte diese Person die kleinen Kerle einfach über die Brüstung – ab in die Alster! Ein eiskaltes Attentat. Das „Schnee-Massaker“ war perfekt, aber Hamburg schlug zurück – man sollte die Hamburger nicht unterschätzen! Was macht man hier, wenn Kunst zerstört wird? Geht man demonstrieren? Nein, man baut einfach neu!
Am Samstagmittag rückte das „Einsatzkommando Schneemann“ an. Rund 100 Hamburger bewaffneten sich mit notwendigen Bau-Utensilien oder nahm das, was herumlag. Stöckchen, kleine Äste, Blätter, Moosreste und was sonst noch nicht von der Stadtreinigung entsorgt war. Nach einer Stunde war die Brücke wieder voll besetzt: schöner, bunter als je zuvor.
Fazit: Man mag uns die Ski wegnehmen und die Jahre mögen uns in die Knie zwingen – aber unsere Schneemänner auf der Brücke, die lassen wir uns nicht kampflos wegwischen!


