Aufgrund eines Beitrages in der schönen TV-Autosendung „auto mobil“ auf VOX, in der ein Hyundai Tucson auf Autogas umgerüstet wurde (07.10.2018), wollte ich auch so eine Gasanlage in meinem i30 haben.
Kurze Daten zu meinem Hyundai:
- i30 GDI DCT Baujahr 02/2016
- Motorcode: G4FD
Nach kurzer Recherche im Netz fand ich heraus, dass dieser Motor auch in KIAs und Hyundais vorheriger Generation verbaut wurde. Scheint sich also um ein ausgereiftes Modell zu handeln.
Auch hat Hyundai im Jahre 2014 damit geworben, dass nun für viele Modelle auch ein Gasantrieb verfügbar sei (https://www.hyundai.de/News/Modelle/Weltweit-erste-LPG-Direkteinspritzung-jetzt-fur-vi.html).
Was ich zuerst nicht wusste, ist, dass es zwei verschiedene Möglichkeiten der Gasanlage bei Benzindirekteinspritzern wie meinem gibt: die Saugrohreinspritzung und die Direkteinspritzung.
Saugrohreinspritzung
Bei diesem Prinzip wird das Gas in das Saugrohr flüssig in einen Verdampfer eingespritzt, in dem es sich dann zu Gas entspannt. Dabei entsteht Verdunstungskälte.
Der Vorteil ist, dass das Gas, welches im Tank bei ungefähr 5 bar Druck gespeichert ist, einfach in den Verdampfer gepumpt werden kann.
Von Nachteil ist aber, dass das Gas beim Verdampfen nicht unter 30 °C abkühlen soll, da es sonst nicht komplett verdampft.
So muss das Auto nach dem Start erst eine gewisse Kühlmitteltemperatur erreichen, um den Verdampfer, der im Saugrohr sitzt, etwas zu erwärmen. Man kann also nicht unmittelbar nach dem Start sofort auf Gas fahren und verbraucht also immer noch Benzin.
Ein weiterer Nachteil bei Benzindirekteinspritzern ist, dass die Einspritzdüsen im Motor nicht leer laufen dürfen, somit ist es immer nötig, eine kleine Menge Benzin zum Gas dazu zu geben (5% bis 10%). Man hat also immer noch einen Benzinverbrauch, auch wenn man im Gasbetrieb unterwegs ist.
Diese Systeme sind seit Jahren erprobt und universell einsetzbar. Das macht sich natürlich auch im Preis bemerkbar. Man sollte mit Kosten zwischen 2.000 € und 2.300 € rechnen.
Direkteinspritzer
Bei diesem Prinzip, welches noch recht neu ist, wird das flüssige Gas auf einen sehr hohen Druck von ca. 170 bis 200 bar gebracht und direkt über die Benzineinspritzdüsen in die Kolben gespritzt.
Der Vorteil hierbei ist, dass man das vorhandene Einspritzsystem weiter verwenden kann. Man muss dazu „nur“ die Hochdruckpumpe, die für das Erzeugen des Benzindrucks auf 170 bar zuständig ist, modifizieren, damit nun auch Gas mit dieser Pumpe auf den notwendigen Druck gebracht wird.
Ein weiterer Vorteil ist, dass man nun praktisch vom Start an mit Gas fahren kann. Man benötigt kein Benzin mehr.
Diese Art System ist meistens speziell auf einen Autotyp angepasst und wird quasi als Bastelbogen geliefert und muss nur noch eingebaut werden.
Der Nachteil ist natürlich, dass so ein System recht teuer ist. Man sollte hier mit Kosten zwischen 3.500 € und 3.800 € rechnen.
Und mein i30?
In meinen Hyundai soll nun ein Direkteinspritzsystem von Prins eingebaut werden. Die besterprobte Lösung für meinen i30 ist momentan die Prins DLM Generation 3.
Ich hab mich also in meiner näheren Umgebung auf die Suche gemacht, um einen Umrüster zu finden, der auch die Prins DLM einbauen kann und bin auf einen gestoßen, der autorisierter Prins-Fachhändler und -umrüster ist.
Also hab ich mir ein Angebot machen lassen und bekam einen Preis von 3.500 € genannt. Darin enthalten war auch ein Ersatzwagen, damit ich in den veranschlagten fünf Tagen nicht zu Fuß gehen muss.
Nun gut. Machen wir so.
Eine Woche später…
Ich hab mein Auto am Montag morgen abgegeben und es hieß, dass ich es am Freitag spätestens, oder sogar schon eher wiederhaben kann.
Ich wartete also am Freitag auf den Anruf aus der Werkstatt, der dann so gegen späten Nachmittag erfolgte. Normalerweise, sagte der Herr, würde er mir den Wagen ja heute ausliefern, die Gasanlage ist auch schon komplett eingebaut, aber das Steuergerät der Anlage würde nicht antworten.
Seine Vermutung sei, dass das Steuergerät defekt ist. Er hat auch schon vier komplett neue Kabel verlegt, um einen Wackelkontakt auszuschließen, auch ein Kollege aus den Niederlanden hat sich via TeamViewer mit auf den Laptop geschaltet, aber auch der meinte, dass dann wohl das Steuergerät kaputt sei und er nun ein neues per Express geordert hat. Das käme wohl dann Dienstag an und spätestens dann wäre es dann nur noch das Einspielen der Software und dann ist der Wagen fertig.
Naja, meinte ich, da kann ich ja dann auch nichts dran ändern. Dann soll er das so machen.
Eine Sache noch, sagte der Herr, bei dem Auftrag sei wohl eine Information verloren gegangen…
Ein ungutes Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit.
Also, fuhr er fort, abgemacht wäre ja gewesen, dass der Gaseinfüllstutzen bei der Tankklappe mit eingebaut werden sollte. Diese Information hat der Techniker wohl nicht erhalten und nun ist der Tankstutzen in der Stoßstange verbaut worden.
Ich malte mir gerade aus, wie das schwarze Loch in meinem weißen Auto wirken soll und fand den Gedanken nicht so prickelnd.
Es sei aber von Vorteil, dass der Stutzen da sei, sagte der Herr, denn dann bräuchte ich an der Tankstelle keinen Adapter mehr draufschrauben.
Ich antwortete, dass ich das aber hässlich finde und es aber gern anders hätte, wollte aber auch nicht mein Auto zu lange in der Werkstatt lassen.
Der Herr bot mir also an, dass ich mir das „Loch“ erstmal ansehen solle, dann könne ich immer noch entscheiden, ob er es doch umbauen soll. Und dass der Umbau natürlich auf deren Kosten erfolgt.
Naja, meinte ich, dann machen wir das so. Ist ja auch gleich Wochenende…
Montag
Am Montag Vormittag rief mich der Herr wieder an und tat glücklich kund, dass das Steuergerät heute wohl schon geliefert worden sei, er könne gleich nach dem Mittag mit dem Einbau beginnen und ich könnte heute schon mein Auto wiederhaben. Er meldet sich dann gleich nach erfolgtem Einbau.
Gut.
Drei Stunden später klang er nicht mehr so optimistisch am Telefon und druckste herum, dass wohl aus den Niederlanden das falsche Steuergerät geliefert worden sei. Das zu meinem Auto passende sei schwarz, geliefert worden ist aber wohl ein silbernes, welches sich auch noch beim letzen Buchstaben der Teilenummer unterscheidet. Meines würde auf D enden und das gelieferte auf B…
Und in dem Moment konnte ich mir akustisch vorstellen, wie die unterschiedliche Konnotation der beiden Buchstaben über das Telefon in den Niederlanden „erhört“ wurde…
Also müsse er ein neues Steuergerät besorgen, meinte der Herr, und er würde mich dann auf dem laufenden halten.
Dienstag
Gegen Mittag rief ich mal in der Werkstatt an, um mich mal zu erkundigen, ob das Steuergerät nun via Express schon geliefert wurde. Der Herr war schon fast ein wenig zu glücklich, als er mir freudestahlend verkündete, dass er heute „die Kuh vom Eise“ bekäme.
Das Steuergerät sei gar nicht kaputt gewesen! Für meinen Autotyp gab es eine kleine Änderung im Schaltplan des Gerätes, sodass das Teil von denen nicht korrekt angesteuert werden konnte. Jedoch befand sich weder ein Schaltplan mit der Änderung bei dem Gerät, noch konnte der Schaltplan von der Prins-Seite heruntergeladen werden. Erst auf Nachfrage fiel der Fehler auf.
Nun hätte ihm der Mechaniker aber den Daumen nach oben gezeigt und ich könne mein Auto dann am späten Nachmittag abholen, dann würde er mir eine kurze Unterweisung geben und wir fahren dann zusammen volltanken.
Gut, antwortete ich, ich bin dann um vier da.
Punkt vier…
…parkte ich da ein. Nach einer kurzen Begrüßung setzten wir uns in mein Auto und der Herr fuhr in Richtung Gastankstelle.
Schon kurz nach dem Anlassen bemerkte ich ein Surren und Pfeifen. Ich schaltete das Radio aus und fragte, was das für ein störendes Geräusch sei. Der Herr winkte ab und meinte, dass sich das alles schon geben wird, ich solle mir da überhaupt keine Sorgen machen.
Dann fiel mir während der Fahrt auf, dass der Motor komisch verhält und das Direktschaltgetriebe nicht an den normalen Schaltpunkten die Gänge wechselt. Dann sah ich die gelbe Motorkontrolllampe und der Motor fing auch schon an zu rucken.
Keine Sorge, meinte der Herr, das machen wir nachher alles in der Werkstatt wieder in Ordnung.
Das fand ich schon ein wenig sehr optimistisch, zumal wir im Moment ja noch auf Benzin fuhren! Und dann ging der Motor aus und ließ sich nicht wieder starten.
Gut, dachte ich, mal sehen, was der Herr macht.
Der Herr versuchte immer wieder das Auto zu starten und drückte dabei ab und an mal auf den Gas-Knopf im Armaturenbrett, aber es tat sich nichts.
Nun fragte ich vorsichtig, ob ich denn mal den Fehlerspeicher des Autos löschen soll. Da sah mich der Herr mit großen Augen. Ja, wenn ich das könnte, würde das schon helfen.
Also kramte ich im Handschuhfach nach meinem Diagnosegerät, dass ich mir vor langer Zeit mal gekauft hatte, um Motorinformationen mit der App „Torque“ auszulesen. Kurz in die ODB2-Schnittstelle eingesteckt und Torque gestartet, startete ich das Fehlerauslesen.
P0191: Fuel rail pressure sensor range / performance problem
Ich möge doch kurz einfach den Fehlerspeicher löschen, bat er, das andere machen wir dann in Ruhe in der Werkstatt.
Das Auto startete wieder und wir tuckerten zur ARAL. Dort angekommen meinte er, dass ich mich doch gleich einmal am Tankvorgang versuchen soll.
Also ging ich nach hinten und bückte mich nach unten, um den Deckel des Verschlusses zu entriegeln. Das fand ich schon umständlich. Nun gab mir der Herr die Zapfpistole in die Hand und meinte, dass ich den Überwurfring an den Anschluss handfest anschrauben soll.
Ich gab mir Mühe und es saß wohl auch. Fast. Denn nach Drücken des Totmannknopfes an der Säule gab es ein lautes Zischen und das flüssige Gas strömte links und rechts am Stutzen vorbei. Ich ließ den Knopf los.
Der Herr wirkte leicht nervös. Ich bat ihn, mir das doch mal zu zeigen, wie das ordnungsgemäß funktionieren soll. Er kniete sich nun hin und versuchte in gefühlten fünf Minuten, das Gewinde des Überwurfringes mit dem Gaseinfüllstutzen zu kombinieren. Als er es dann geschafft hatte, begann er kleinlaut zu fluchen, dass ich wohl doch recht gehabt hatte mit der Tankklappe. Er würde das auf seine Kosten umbauen, dieses System hier nerve ihn ja persönlich.
Dann drückte er den Knopf.
Und es tat sich nichts. Verwundert wackelte er an der Zapfpistole und drückte sicherheitshalber noch ein paar mal den Totmannknopf – es tat sich nichts.
Dann fiel ihm ein, dass es wohl Tankstellen gibt, bei denen nach Loslassen des Knopfes der Tankvorgang als beendet betrachtet wird. Sicherheitshalber. Und nun hatte ich ja schon mal losgelassen. Also stapfte er zur Kasse und bezahlte die bisher verdampften 70 Cent.
Der nächste Versuch gelang. Ganze 40 Liter liquiden Gases strömten in den kleinen Tank in der Reserveradmulde. Und die Säule bat um das Begleichen von 22 Euros.
Ja, meinte der Herr, da könne ich ja jetzt zum ersten Mal meine Gastankrechung bezahlen gehen und grinste. Ich grinste zurück und meinte, dass das ja wohl ein schlechter Scherz sei und das doch aber sicher im Umbau enthalten sein wird.
Er ging murmelnd zur Kasse und ich wartete im Auto auf ihn.
Als er einstieg, berichtete er, dass das doch tatsächlich mit der Firmenkreditkarte zu bezahlen ging und wir fuhren zurück in die Werkstatt.
Dort angekommen öffnete er die Motorhaube und schloss das Notebook an die Prins-Anlage an. Während der Motor lief, erkannte ich nun, wo das laute Surren herrührte: es war die modifizierte Hochdruckpumpe. Und nun ergab auch der Fehlercode Sinn!
Während der Herr an seinem Notebook ein Software-Update der Anlage versuchte, ergatterte ich einen Blick auf den Fehlerspeicher der Prins-Anlage. „SSH Niederdruck Benzinanlage überprüfen“ oder so ähnlich.
Ich malte mir also aus, was die Ursache des Fehlers sein könnte. Vermutlich versucht die Pumpe unter lautem Surren einen Unterdruck zu erzeugen, schafft dies aber nicht, weswegen sie nicht damit aufhört. Nun bekommt also auch der Motor zu wenig Benzin, was der Rail Sensor natürlich meldet.
Er schien jedoch keinerlei Ahnung zu haben und meinte nur, dass ich den Mietwagen wohl wieder mitnehmen soll, er würde sich dann morgen mit einem Kollegen aus den Niederlanden auf die Anlage schalten, die wüssten mit Sicherheit sofort, wo der Fehler liegen würde.
Mittwoch (heute)
Halb elf klingelte das Telefon. Der Herr hätte eine gute und eine schlechte Nachricht.
Na komm, meinte ich, dann nehme ich erst mal die gute.
Ich könne mit meinem Auto weiter fahren, sei die gute, nur nicht heute, das wäre dann die schlechte Nachricht. Denn heute sei in Holland Buß- und Bettag, deswegen erreicht er keinen dort. Ich möge mich doch bitte noch bis morgen gedulden.
Leicht mürrisch verabschiedete ich mich von dem Herren, dem das Ganze wohl auch leicht peinlich zu sein scheint.
Naja, denke ich, dann warte ich auf morgen und poste dann weiter mein Autogas-Erlebnis.