Im Oktober 2009 habe ich das letzte Mal ein Lebenszeichen von mir gegeben… zumindest hier in Sommerschwesters Welt. Seitdem ist einiges passiert und ich habe gerade in letzter Zeit immer wieder das Gefühlt gehabt, dass ich auch hier „abschließen“ muss.
Als ich diesen Blog begann, wollte ich einfach nur ein bisschen schreiben. Ich bin nicht kreativ wie so manche andere Bloggerinnen und Blogger hier in der Hemisphäre. 😉 Meine Beiträge sind nie Grimme-Preisverdächtig gewesen und dennoch hatte ich immer Spaß… Bis es eben auch einmal keinen Spaß mehr machte, ich den Sinn nicht mehr gesehen habe – aber vor allem, weil ich nicht wissen wollte, wie gut es machen geht. Es gab Zeiten in meinem Leben, da habe ich nur gesehen, wenn es anderen besser ging, wenn in ihrem Leben alles rund lief, wenn die Sonne schien.
Ich schreibe hier nicht, weil ich Mitleid will (mittlerweile erkenne ich, dass es hierfür nie einen Grund gab – erkannt habe ich das erst sehr viel später), ich bin keine Heldin und mein „Schicksal“ ist nicht ergreifender, als das von anderen.
Ich schreibe, wie schon oben erwähnt, um auch hier „abzuschließen“, eine Erklärung zu geben und vielleicht um weiter zu machen…. Stefan hat in letzter Zeit öfter gefragt, ob ich mal wieder was in Sommerschwesters Welt geschrieben habe… (mal sehen, ob es so kommt und wenn, ob alles beim alten bleibt oder alles neu und anders wird; oder somewhere in between).
Viele von Euch werden aus meinen kryptischen Beiträgen der Vergangenheit herausgelesen haben, dass Stefan und ich nur einen Wunsch hatten (zumindest einen grooooßen). Wir wollten Eltern werden. Direkt nach der kirchlichen Hochzeit ging es los und wir waren so euphorisch und so zuversichtlich. Wer geht auch schon mit negativen Gedanken an so eine Sache heran???
Na ja, wir haben geübt und geübt 😉 und es passierte nichts. Anfangs waren wir auch nicht wirklich besorgt. Meine Frauenärztin war sehr zuversichtlich und hat uns immer ermutigt (es kann halt ein bissel dauern wenn man jahrelang hormonell verhütet hat – und ganz sooo jung war ich auch nicht mehr – gut 31 ist nicht alt 😉 ). Im Dezember 2009 ist dann mein Großvater gestorben – ihr wisst wie krank er war.
So schlimm diese Zeit für mich gewesen ist, ich war mir so sicher, dass mein Opa mir bzw. uns unseren größten Wunsch erfüllen würde – so wie er es immer getan hatte. Ich war einfach davon überzeugt, dass seine neue Aufgabe darin bestand über unsere gesamte Familie – also auch uns – zu wachen. Ich bin mir immer noch sicher, dass er das tut. Jetzt mehr denn je.
Aber auch das konnte uns unseren großen Wunsch nicht erfüllen….
Ich fasse mal im Zeitraffer zusammen:
– Juli 2009: Start der „Operation „Family Expansion“
– Ende 2009: Beginn von verschiedenen „unterstützenden Maßnahmen“ (Temperatur messen, versch. Tees/Vitamine etc.)
– Sommer 2010: Beginn Untersuchungen von Stefan und mir (beim Urologen und meiner Gynäkologin)
– Frühjahr 2011: Entschluss nun „ernst zu machen“ und in Kinderwunschklinik zu gehen (In dieser Zeit machte sich bei uns wieder riesiger Optimismus breit. Ich war mir sooo sicher, dass das helfen würde).
– Sommer 2011: Diagnostik (Bauchspiegelung, Spermiogramme etc.)
– Frühherbst 2011: Es steht fest, dass eigentlich nichts einer spontanen Schwangerschaft entgegensteht.
Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht mehr nur frustriert, nein, ich hatte (auch wenn sich das sehr dramatisch anhört) mit dem Leben abgeschlossen. Ich war nicht mehr in der Lage Freude zu empfinden und ich war vor allem nicht mehr in der Lage mich für andere zu freuen. Ich wurde neidisch und – viel schlimmer – missgünstig. Ich habe mich selbst nicht mehr erkannt und ich habe eine sch*** Angst vor mir bekommen. Kein schönes Gefühl wenn man erkennt bzw. erkennen muss, dass man dabei ist seine Freunde, seinen Partner und sich selbst zu verlieren.
– Im Herbst/Winter 2011/2012 haben wir es dann u.a. mit „Eisprung auslösen“ und Sex nach der Uhr versucht…
– Im Februar 2012 war dann die erste IUI (Insemination). Ein Schuss ein Treffer könnte man sagen. Wir waren überglücklich und haben damit nicht hinterm Berg gehalten (wir sind auch mit unserer Kinderwunschzeit sehr offen umgegangen).
In der neunten Woche wurde dann bei einer Routineuntersuchung festgestellt, dass das Herzchen nicht mehr schlägt. Am 29. April 2012 bin ich ins Krankenhaus. Danach habe ich mich gefühlt, als hätte man mir mein Herz rausgerissen.
Aber es war auch ein wenig Hoffnung vorhanden. Ich klammerte mich an den Gedanken, dass mein Körper weiß wie es geht und das es einen Grund gibt, warum E. nicht bleiben konnte (für mich hatte das Baby einen Namen – ich bin mir sicher, auch wenn wir das Geschlecht nicht kannten, dass E. passt).
Bis September mussten wir Pause machen. In der Zwischenzeit wurde festgestellt, dass ich eine MTHFR-Mutation habe (ich erspare Euch die Details). Fazit: Bei einer erneuten Schwangerschaft würde ich ab Beginn (bzw. ab Eisprung) ein niedermolekulares Heparinpräparat spritzen müssen. Diese Mutation könnte eventuell dafür verantwortlich sein, dass sich das Baby nicht weiterentwickelt hat (ob es tatsächlich auch so war wissen wir nicht).
Drei weitere IUIs schlugen, trotz bester Bedingungen, nicht an. Zwischenzeitlich wurde meine beste Freundin schwanger.
Anfang Dezember 2012 hatten wir ein langes Gespräch mit unserer tollen, wunderbaren Ärztin in der Klinik. Sie war wirklich unser Engel. Nie hat sie den Mut verloren. Sie hat uns nie gedrängt. Ich hatte nie das Gefühl, dass wir nur eine Nummer sind und man mit uns Geld „scheffeln“ will.
Am Ende stand für uns fest, dass wir im Januar 2013 eine künstliche Befruchtung machen lassen würden. Unsere Ärztin bat an im Dezember, falls die Bedingungen gut wären, noch eine spontane IUI zu machen. Dies habe ich abgelehnt. Mein Kopf (weniger mein Körper; da ja medizinisch alles in Ordnung war, habe ich nur eine ganz geringe Dosis Hormonpräparate nehmen müssen; das fiel kaum auf) brauchte einfach eine Pause. Ich wollte einen Monat mal nicht „hoffen müssen“. Nein, ich wollte mir sicher sein, dass es eh nicht klappen würde. Das war eine wirkliche Entspannung. Stefan hat dies nicht verstanden und war ziemlich sauer. Das hat er mir auch nach dem Gespräch deutlich zu verstehen gegeben-
Am 28.12.20012 hatten wir einen erneuten Termin mit unserer Ärztin. Dies war der vermeintliche Beginn (wenn man nach meinen letzten Zyklen ging) des neuen Zyklus; u.a. sollte über die Medikation und den Ablauf gesprochen werden. Wir haben diesem Tag so entgegen gefiebert. Wir hatten neue Hoffnung geschöpft.
Im November 2012 war auch noch sehr plötzlich und unerwartet der Bruder meiner Mutter gestorben. Er hatte so sehr für uns gehofft, dass sich unser Wunsch erfüllt. Er selbst hätte sich auch über Familienzuwachs gefreut.
Zurück zum 28.12.2012: Am Ende sind wir aus der Klinik raus in der Gewissheit, dass eine künstliche Befruchtung nicht in Frage kommen würde.
Nach 3 1/2 Jahren, vielen Tränen, vielen Pillen, Spritzen, einer OP, viel enttäuschter Hoffnung und vielen dunklen Stunden bin ich im Dezember 2012 einfach so schwanger geworden.
Der voraussichtliche Entbindungstermin von E. wäre der 6.12.2012 gewesen. Ich bin mir sicher, dass mein Opa, mein Onkel und E. auf einer Wolke sitzen und uns unser Wunder geschickt haben.
Am 5.9.2013 kam unser Wunder auf die Welt. Ich bin sehr froh, dass ich vorher nicht wusste, was uns entgeht. Die 3 1/2 Jahre wären noch schlimmer gewesen.
Ich bin dankbar für dieses Wunder, ich bin dankbar für unsere Freunde. Sie haben uns ge- und ertragen in dieser langen Zeit. Manch andere wären getürmt… Wir waren keine guten Freunde in dieser Zeit – zumindest eine Weile.
Jonna Amélie ist nun bei uns auf der Erde. Und ich kann aus tiefstem Herzen sagen: Das war es wert!!!
Ich hoffe, dass Ihr nun vielleicht ein klein wenig nachvollziehen könnt, was dazu führte, dass Sommerschwesters Welt verwaist ist. Mir war es wichtig dies hier niederzuschreiben.
Befreite Grüße
Sommerschwester
EDIT: Ich will nur klarstellen, dass es mir nicht darum geht hier einen Contest zu bestreiten, wer mehr gelitten hat oder wer es schwerer hat… Ich weiß selbst, dass mein Leben wunderbar ist und ich viel Glück hatte und habe. Eine Zeit lang könnte ich das nicht bzw. nicht mehr erkennen.

































































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