Hakan Savaş Mican nach dem Roman von Dinçer Güçyeter: Unser Deutschlandmärchen, Maxim Gorki Theater, Berlin (Regie: Hakan Savaş Mican) – eingeladen zum Theatertreffen 2025
Von Sascha Krieger
Gast sei sie nicht mehr, Arbeiterin dagegen schon: Der Abend is bereits recht fortgeschritten, als Sezede Terziyan diese Worte spricht. In ihnen steckt der Kern des ganzen Stücks, des ihm zu Grunde liegende Romans, der Geschichte hunderttausender Menschen, die sie erzählen. Dinçer Güçyeter hat sie aufgeschrieben und mit ihr den Leipziger Buchpreis 2023 gewonnen. Er erzählt sie, die große kollektiven, anhand der individuellen seiner Familie, seiner eigenen und der seiner Mutter. In den 1960er Jahren im Rahmen einer arrangierten Ehe in die Bundesrepublik gekommen, hat sie ein Leben lang geschuftet. In der Fabrik, als Erntehelferin, in Putzjobs, in der Kneipe des Mannes. Funktionieren musste sie, sagt der Sohn am Anfang. Als Arbeiterin, Geldverdienerin, Ehefrau, Mutter. Immer in Aufgaben gefangen, in Rollen, in Zuschreibungen. Eine unerzählte Geschichte, eine Geschichte des Unerzählten, eine von unzähligen in der Masse wie im Kleinen. Nicht mehr. Jetzt steht sie schwarz auf weiß und leibhaftig auf der Bühne. Inszeniert von Hakan Savaş Mican, auch einer diese unerzählten Vielen. Der die Stille bricht, den Schleier lüftet, die Sprache findet für diese unsichtbaren Schicksale, die doch so sehr im Kern dieses Landes, seiner Geschichte und Gegenwart verankert sind.









