Die Sache mit dem Dreh – oder wie man Ängste transponiert

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Ich fange an, indem ich meine Grossmutter zitiere, die diesen mir damals völlig unverständlichen Satz immer dann sagte, wenn ihr die Dinge die meine Generation so tat, ein Rätsel waren.

“Euch geht es einfach zu gut”.

Natürlich verstand ich das nicht und schüttelte meinerseits den Kopf. Oma hatte ja keine Ahnung.

Heute sehe ich das völlig anders.

Sie hatte zwei Kriege erlebt und zwar mit allem was so dazugehört. Als da wären: Angst, Hunger, Sorge um Kinder und Angehörige, traumatische Erfahrungen und nicht zu löschende Bilder im Kopf.

Die direkte Nachkriegszeit war auch nicht übertrieben komfortabel, das änderte sich allerdings schnell. Aber genug davon.

Trotz der vielen Dinge die im Argen liegen was den sozialen Bereich betrifft, also der sehr vielen Dinge, geht es den Menschen hier im Land immer noch sehr viel besser als es in anderen Teilen der Welt der Fall ist. Das ist keine Schönrederei, es stimmt. Jeder ist krankenversichert, was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist. Auch wenn man da immer wieder sehr um Abbau bemüht ist. Natürlich ist das Land, vergleicht man es mit den Sechzigern und Siebzigern des vorigen Jahrhunderts, fast ein Armenhaus. Allein der völlig desaströse Arbeitsmarkt ist ein riesiges Problem.

Wohnungsnot und schleichende Aushebelung von Rechten der Arbeitnehmer kommen dazu. Ungerechtigkeiten was Renten betrifft und eine nicht zu übersehende Ungleichbehandlung von Frauen sowie mangelnde staatliche Sorgfalt was das Wohl der Kinder betrifft, runden das Ganze ab.

Und doch haben die Meisten alles was sie brauchen und so einiges mehr. Internetzugang zum Beispiel und was es sonst noch so gibt. Und das betrifft nicht nur Gutverdiener. Man hat, auch wenn man eher nichts hat, gewisse Freiheiten. Und sogar Möglichkeiten, falls man psychisch nicht völlig überfordert von der speziellen Situation des eigenen Lebens ist. Was in unserer Zeit praktisch zum Standard gehört.

Es wäre durchaus an der Zeit, gegen gewisse Unzulänglichkeiten des Systems etwas zu unternehmen. Das muss friedlich passieren – anders bringt es nichts, ausser Repressalien für alle . Und das funktioniert sogar, wenn die Menschen sich einbringen und ihre Anliegen zu einem wirklichen Punkt machen. Jedenfalls funktioniert es oft. Aber man sieht keine friedlichen Proteste gegen diese Mogelpackung Mindestlohn. Wo sind die Rentner, die Jetzigen und die Zukünftigen, die einen ungewissen und zum Teil sehr unangenehmen Lebensabend fürchten müssen?

Wo sind die Eltern, deren Kinder durch Sparmaßnahmen der Schulen nicht die Bildung und Förderung erhalten, die ihnen zusteht. Wo sind die erwachsenen Kinder, deren Eltern in Einrichtungen leben müssen, weil es nicht anders geht und die dort aufbewahrt, aber nicht mehr beachtet werden. Wo sind die chronisch Kranken, die vom Gesundheitssystem oft noch kränker gemacht werden.

Man sieht keine Demonstrationszüge was diese Anliegen betrifft. Die Klimaaktivisten nehme ich aus, die sieht man. Und das ist gut so, denn wenn wir uns da nicht kümmern, ist es ziemlich gleichgültig was wir heute so tun. Auch das Schreiben dieses Artikels.

Was man auf den Strassen sieht, sind Leute die sich drangsaliert fühlen wegen garnichts. Ein Stückchen Stoff zu tragen das sie und andere schützt, ist der Inbegriff der Unfreiheit. Sie machen sich Gedanken, ob sie nun in Deutschland leben oder in einem noch immer besetzten Land. Sie verbringen Stunden damit, über Wert und Sinn des Personalausweises nachzudenken und zu diskutieren.

Sie fühlen sich unfrei, vergewaltigt und überhaupt in ihrer persönlichen Freiheit bedroht. Die Freiheit der Anderen, sich vor Ansteckung zu schützen, scheint ihnen da vernachlässigbar. Und natürlich sind sie keineswegs friedlich. Der gestreckte Arm wird gezeigt, als Symbol der Gewaltbereitschaft.

Dazu muss man wissen, dass die “Ziele” des Protestes im Prinzip keine Rolle spielen. Es geht nicht um Masken, um Demokratie und Diktatur – ausser natürlich um die Sehnsucht nach letzterem. Es geht um Frustration, um Ängste und um die absolute Unfähigkeit sich genau diesen Dingen zu stellen. Die Überforderung durch die rasend schnell aufeinanderfolgenden Veränderungen im täglichen Leben durch die zunehmend digitalisierte Welt muss ein Ventil haben, wie es scheint.

Trotz allen Ablenkungen die das Internet und die Medien an sich so bieten, macht sich eine Art gefährlicher Langeweile breit.

Das meinte Oma unter anderem eben auch. Wer wenig hat, setzt andere Prioritäten.Wo die Leute früher geduldig auf das Erscheinen von “Stern” und “Hör Zu” warteten oder einmal die Woche den “Kommissar” geradezu zelebrierten mit Chips und Schorle, da wird heute jeder bis zum Erbrechen überschwemmt von tausenden von Serien in TV und vor allem im Net. Spiele ohne Ende und jede Art von Unterhaltung gibt es für jeden Geldbeutel und sogar gratis.

Aber die Leute sind der Spiele müde. Doch Realität können sie eben auch nicht mehr. Die ist ihnen abhanden gekommen bei dem Riesenangebot an Fantasien, Angeboten, Einladungen zu anderen Welten. Sie suchen etwas, von dem sie vage wissen dass es ihnen verlorengegangen ist. Aber sie suchen an den falschen Stellen. Weil sie keine Ahnung haben, was ihnen fehlt. Bildlich gesprochen ist der Bauch dermassen vollgestopft mit digitaler Instantpampe, dass das berühmte Bauchgefühl sich in eine Art von ständigem und toxischem Sodbrennen verwandelt hat.

Dazu kommt, dass die Fähigkeit zur Kommunikation stetig abnimmt, wahrscheinlich bedingt durch die mangelnde Empathie. Die Unterscheidung zwischen Realität und Angstdenken (Wunschdenken würde ich es nicht nennen) fällt zunehmend schwer. Und Angst haben sie, die gewaltbereiten Aufmarschierer. Sie haben Angst vor einer ungewissen Zukunft, Angst vor dem Verlust ihrer Identität. Die haben sie zu einem grossen Teil schon verloren, denn die Fähigkeit der Analyse ist längst verschüttet.

Und so benutzen sie diesen alten “Dreh”, den Menschen mit Lebensangst immer wieder hilfreich gefunden haben.

Ersetze die reale Angst (die als übermächtig wahrgenommen wird und sehr schmerzhaft ) durch eine Angst die selber gesteuert werden kann und besiegbar erscheint. Dass sie das nur anfänglich ist und sich zu einem bedrohlichen Selbstläufer entwickelt, wird nicht wahrgenommen.

Verlust von persönlicher Freiheit ist ein Teil des täglichen Lebens. Die Regeln im Verkehr, die Regeln in der Firma oder auch in der Familie bringen das unweigerlich mit sich. Ohne sie wäre ein gemeinschaftliches Leben nicht möglich. Doch ist der Verlust zu einem grossen Teil temporär. Nach Feierabend bekommt man die Selbstverwaltung zurück. In der Familie muss man wieder einiges abgeben, bekommt allerdings etwas dafür. Hilfe und Gemeinsamkeit zum Beispiel.

Das wäre der Idealzustand. Den gibt es aber selten. Man steht ständig unter Druck, der im Einzelnen nicht so stark ist, aber durch die Masse irgendwann toxisch wirkt. Man geht hin wo man nicht hingehen will, man sagt Dinge die man nicht meint und tut Dinge die man hasst.Ob Management oder Arbeitslosigkeit oder irgendwo dazwischen: diesem Druck entkommt kaum jemand.

Es geht darum, abzufedern wo es geht und eine für sich sinnvolle Alternative zum Ausgleich zu finden. Das scheint nun aber nicht jedem gegeben zu sein. Also ersetzt man den Druck an den man lieber nicht rühren möchte, durch einen anderen Druck. Gegen den man etwas tun kann. Vermeintlich tun kann. Und erschafft eine komfortable Kampfzone für sich selber, in der alles möglich ist, was man sich schon immer gewünscht hat.

Auf den Tisch hauen, egal ob es Tote und Verwundete gibt. Das Feindbild zerschmettern, hinter dessen Fassade Chefs, Beamte, Ehepartner, Eltern, irrationale Ängste und massive Minderwertigkeitsgefühle stehen.

Mama hat immer genervt, wenn sie stundenlang lamentieren konnte weil etwas herumlag. Sie hatte Angst vor der Unüberschaubarkeit ihrer Welt und dem Kontrollverlust. Nich t vor dem Schulbuch, das nicht weggeräumt war. Nicht, dass sie viel Kontrolle über ihr Leben gehabt hätte. Vati konnte drakonisch strafen wenn die Noten schlecht waren. Er hat damit seine eigenen Versagensängste abgewatscht. Denen er sich nicht stellen konnte und denen er auch keinen Fleiß einprügeln konnte.

Das sind Beispiele für die Anwendung des “Drehs”. Und die neuen Möchtegern – Rebellen nutzen ihn virtuos. Sie wenden ihn so geschickt an, dass eine Art Bewegung daraus geworden ist.

Das ist der Dreh als absolutes Werkzeug: die Gefahr für Leib und Leben leugnen, und zum Kampf gegen die aufrufen, die eben dieser realen Gefahr wirklich entgegentreten. Und als absolute Umkehrung der Realität in einem der freiesten Länder der Erde gegen eine Diktatur in ebendiesem Land demonstrieren. Mit Gewalt und Tod drohen und die freie Presse als Feind anprangern.

Den Kopf geschüttelt hätte Oma und ihren Spruch aufgesagt. Sie hatte Erfahrung mit Leuten die ihre Angst übertragen. Und wusste genau, wohin das führt. Sie hatte das ja erlebt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wieso eine Demo nicht eine Demo nicht eine Demo ist.

Bringen wir es auf den Punkt.

Die Angst vor Links ist die Angst vor dem Kommunismus. Verständlich, sieht man sich die erbärmlichen Beispiele eines „real existierenden“ Kommunismus an, die ebenso wie der Faschismus auf Angst und Unfreiheit aufgebaut sind.

Die Urangst, etwas teilen zu müssen das einem gehört, scheint so alt wie die Menschheit zu sein. Wobei ich denke, dass ohne das Teilen ein Überleben der frühen Menschen nicht möglich gewesen wäre. Für immer in Erinnerung bleiben wird mir der Satz einer Bekannten, die nach ihren Ansichten über das Christentum gefragt so geantwortet hat: „Jesus? Ah nein, das ist mir viel zu kommunistisch.“ Dazu eingefallen ist mir damals nichts. Auf so einen Spruch kann man nicht vorbereitet sein.

Wenig zu haben, das Wenige aber untereinander zu teilen, ist für viele Menschen nur denkbar wenn es um Geschwister oder um ein Biwak der rechten Jugend geht. Und viel zu haben und zu teilen kommt direkt hinter der Weltherrschaft Satans. Der, so wie er beschrieben wird, eher der Urvater des Kapitalismus wäre.

Linke im politischen Sinn wollen nun zwar nicht die Planwirtschaft der ehemaligen Sowjetunion einführen ( so blöd ist niemand, hoffe ich), aber sie rütteln ein wenig an der bestehenden Ordnung. Wollen die Auswüchse des Kapitalismus ein wenig beschneiden. So im Sinne von gerechten Löhnen und was es sonst noch an Erleichterungen gäbe für – ja für wen denn?

Da wird es interessant. Denn die meisten Menschen im Land würden von Veränderungen der eher „linken“ Art durchaus Vorteile haben. Alle Menschen nämlich, die jeden Tag arbeiten gehen und oft mehr als einen Job haben weil sie anders nicht überleben würden. Leute die jahrelang gearbeitet haben und vor dem Nichts stehen wenn die Zeit der Rente kommt. Leute die ohne viel Federlesens nach zwanzig Jahren aus ihrem Job wegradiert werden. Die Liste könnte zu lang werden wenn ich zu sehr ins Detail gehe, aber es ist auch so klar, was gemeint ist.

Der Normalo begreift Links aber als kommunistisch. Und das ist teuflisch. Weil es in seinen Augen bedeutet, dass Menschen die weniger arbeiten, nicht arbeiten, nicht mehr arbeiten, noch nicht arbeiten irgendwie von ihm selber profitieren könnten. Dass er die Faulenzer, Obdachlosen und überhaupt alle in seinen Augen asozialen Elemente mit seinem sauer verdienten Geld mittragen muss.

Dass die alleinerziehende Mutter nebenan auch einen tollen Gartengrill mit allen Schikanen haben möchte – oder, Gott bewahre: ES AUF SEINEN ABGESEHEN HAT.

Das ist natürlich völliger Blödsinn, aber das weiß der Normalbürger eben nicht. Ebenso weiß er nicht, dass Links nicht kommunistisch bedeutet.

Was er glaubt, zu wissen ist nun aber folgendes. Rechts bedeutet, gegen Links zu sein. Also schützt Rechts meinen Superduper Gartengrill und mein Recht auf Eigentum. Links will etwas von mir, Rechts nicht.

Diese einfache Formel greift natürlich nicht nur beim Nachbarn mit dem Grill, es greift auch bei den Politikern. Und bei den ausführenden Organen wie zum Beispiel der Polizei. Und so ist erklärbar, wieso Demonstrationen gegen Rechts als Bedrohung erlebt werden, weil sie ja von Links kommen und den Gartengrill gefährden, den Jägerzaun, das Gesparte und überhaupt alles was man so hat. Und sogar das was man nicht hat, aber haben könnte.

Rechts gefährdet weit mehr, wird aber nicht als ernsthafte Bedrohung erkannt. Die Gefahr für jede Form der persönlichen Freiheit nimmt er nicht wahr, der Bürger. Solange alle Nachbarn ohne Masken um seinen – Sie wissen schon was – herumstehen und im besten Fall neidisch gucken, ist alles in Ordnung.

Damit also alles seine Ordnung hat, muss man gegen die Antifaschisten vorgehen weil sie die Rechten bekämpfen. Die nämlich wiederum beschützen unser liebstes: den Grill und das Auto und das Nicht-teilen-müssen.

Haben Sie noch Fragen?

Rassismus? Klar.

Natürlich weiss ich, wie Rassismus sich anfühlt. Weil ich eine Frau bin. Überzogen? Keineswegs. Schon in meinen niedlichen Kleinkinderjahren war spürbar, dass ich praktisch einer fremden Spezies angehöre. Einer untergeordneten Spezies, die da sein darf aber von Anfang an Regeln unterworfen ist, die für die herrschenden Menschen nicht gelten.

Zwar hatte ich grosses Glück mit meinem Grossvater, der diese Einteilung in Mädchen und Jungen nicht ganz so ernst nahm und mir Taschenmesser schenkte. Und mir Sachen beibrachte die man Mädchen nicht unbedingt näherbrachte. Zum Missvergnügen der restlichen Familie. Aber so richtig los ging das in der Schule.

Als ich etwa in der fünften Klasse öffentlich gerügt wurde für meine grottige Verhaltensnote, natürlich mit dem Zusatz „für ein Mädchen, schämst du dich nicht“ fühlte ich mich eher bestärkt. Ich war eine Hybride, also eine sehr gute Schülerin aber auch eine kritische. Kritik stand mir als Mädchen nicht zu. Den Jungs eher, aber die kritisierten nicht wenn ihnen etwas nicht passte, sondern machten lieber etwas kaputt oder prügelten sich.

Meine wirklich schlechten Noten in Mathe rückten in den Augen der Lehrer einiges gerade, denn echte Mädchen haben keine Ahnung davon. Sie sind eher in Deutsch oder Kunst gut. Oder nähen. Autsch. Handarbeit 5. Ich passte nicht wirklich.

Den weiteren Werdegang spare ich mir. Ich mochte es, ein Mädchen zu sein. Da gab es viel mehr Möglichkeiten. Minderwertig fühlte ich mich nie, aber mich brachte die Geringschätzung der Gesellschaft zum Kochen. Lol. Lustiges Wortspiel.

Männer als Maß aller Dinge – das war unsäglich. Die gleiche Aktion, die gleiche Verfassung, die gleiche Laune, alles wurde nach Rasse eingeteilt und bewertet. Schlampen, die mit jedem rummachten und Kerle die einen tollen Schlag bei den Mädels hatten. Männer sprachen über Frauen als kämen die von einem völlig anderen Planeten. Sexvieh und Haushaltssklavinnen durch ihre Geburt, das war so die Meinung. Bei schlechtem Verhalten darf körperlich gemassregelt werden. In allen sogenannten Schichten. Egal wo man hinsah. Ob sich das geändert hat? Einiges schon. Allerdings betrifft die Änderung die Symptome, nicht die Krankheit. Wir haben Frauenquoten, was schon eine Diskriminierung für mich darstellt. Vergewaltigung in der Ehe ist strafbar. Es gibt kein Züchtigungsrecht mehr und Wahlrecht ist selbstverständlich.

Aber immer noch vergeht kein Tag, an dem Frauen nicht rassistisch beleidigt werden. Weil sie eine bestimmte Hautfarbe haben, eine bestimmte Religion und vor allem weil sie Frauen sind. Weil sie einer konstuierten Rasse angehören, die sie von vornherein als minderwertiger einstuft. Natürlich sind alle Rassen konstruiert wenn es um Menschen geht. Interessant und bezeichnend ist es aber doch, dass alle Männer dieser Welt, gleichgültig wo sie leben und welcher Ethnie sie angehören, auf einer Seite gegen die Frauen stehen.

Es gibt Ausnahmen, ganz sicher. Es gibt sogar matriarchalische Gesellschaften, die sich allerdings nur noch schwer halten können.

Frauen sind Wesen die man antatschen, beleidigen, verletzen, verhöhnen darf. Als Zuchtvieh betrachten darf. Als noch billigere Arbeitskraft. Zu Hause und in Betrieben und Firmen.

Wir haben einen weiblichen Kanzler, klar. Sie macht einen verdammt guten Job, gerade jetzt. Auch klar. Aber wie viele blöde Sprüche gibt es über ihr Aussehen? Kohl oder Schröder, Kiesinger oder Adenauer mussten sich auch einiges anhören. Aber ihre Optik war kein Thema. Warum wohl.

Soldatinnen brechen ihr Schweigen über sexuelle Gewalt beim Heer. Da gab es den Fall einer Polizistin die sich umbrachte, weil sie das Mobbing nicht mehr ertrug.

Ob ich weiss, was Rassismus ist? Klar doch. Die Hautfarbe ist egal, danach geht es nicht wenn man eine Frau ist.

Und selbst die taffe Managerin, die Macherin, die Chefin – hinter ihrem Rücken werden Dinge gesagt die niemals in Frage kämen wenn sie ein Mann wäre. Ihr Arsch wird bewertet, ihre Beine, ihre Kleider. Ihre Art Dinge anzugehen kann immer auf „typisch Frau“ reduziert werden. Vor allem von Männern, die ihr nicht das Wasser reichen können. Und natürlich auch von Frauen, die sich mit den Sprücheklopfern verbünden. Jahrhundertelange Dressur ist nicht so leicht zu negieren. Und so haben wir den Typ der in der Rassendiskussion abwertend als „Onkel Tom Neger“ bezeichnet wurde.

Ein Unterdrückter also, der sich völlig an seinem „guten Herrn“ orientiert, seine Werte übernimmt und sich niemals auflehnt. (Wobei dieser literarische „Onkel Tom“ ein starker Mensch war) Aber wir wissen, was gemeint ist. Wie soll man solche Frauen nennen? Tante Tomasina?

Solche Frauenspersonen bewerten andere Frauen grundsätzlich so, wie es Männer tun. Ihr Aussehen. Ihre Attraktivität. Natürlich auch Arsch und Beine und Zellulitis. Ihnen entgeht keine Fluse auf dem Teppich ihrer Konkurrentin. Und Konkurrentinnen sind alle Frauen. Das hat nichts mehr mit Onkel Tom zu tun: das ist das Stockholm Syndrom.

Solchen Weibsbildern würde ich den Titel „Frau“ gerne aberkennen. Sie sind auch nicht von Belang. Nicht mehr. Frau muss sich heute nicht mehr mit weisser Wäsche und sauberem Bodenbelag in der Blase ihrer wenigen sozialen Kontakte behaupten um nicht die einzige Akzeptanz zu verlieren die sie haben kann.

Nämlich eine gute Frau, eine saubere Frau und eine anständige Frau zu sein.

Wir haben ganz andere Möglichkeiten. Aber niemals, nicht einen einzigen Tag lässt man uns unsere Rasse vergessen. Die Rasse, die von der männlichen Menscheit ganz speziell erfunden wurde.

Damit das also klar ist: ich habe Rassismus erfahren und tue es noch. Jeden verdammten Tag. Das betrifft nicht immer mich. Aber das spielt keine Rolle, denn es tut immer weh.

Es ist unsäglich dumm, einen Menschen nach Herkunft, Farbe und Erscheinung zu beurteilen. Rasseneinteilung ist noch dümmer, da es so etwas schlichtweg nicht gibt.

Aber gleichgültig wie sich Kaukasier, Afrikaner, Asiaten oder sonstwer anfeinden oder auch nicht: sie alle sind sich einig über Frauen. Und der Grossteil behandelt sie als Fremdlinge, als untergeordnete Rasse. Als ob das ihr göttliches Recht wäre.

Noch Fragen zu Rassismus?

Nur zu.

Sind Umzüge karmisch?

Manche Leute scheinen das zu glauben. Tatsächlich gibt es Hinweise, dass es nicht ganz mit rechten Dingen zugeht sobald ein Umzug geplant ist.

Ähnlich wie am Sylvesterabend werden gute Vorsätze gefasst. Vorsätze, in denen es um Organisation, Zeit und viele andere Dinge geht, die beim letzten Umzug schiefgelaufen sind.

Meist fängt es mit den Kartons an. Besser gesagt, mit den nicht vorhandenen Kartons. Die welche man hatte, konnte man ja nicht sc hnell genug aus dem Haus bekommen. Das war in den glücklichen Zeiten, als man noch nicht in an den Umzug gedacht hatte.

Verwandte, Freunde und Bekannte haben auch gerade ihre umfangreiche Kartonagen Sammlung entsorgt. Also kämpft man im Supermarkt um Obstkartons und ähnliche Behältnisse. Bevor die auch im Container landen.

 

Wichtig ist auch ein ansehnlicher Vorrat an Textmarkern oder ähnlichen Werkzeugen, mit denen man Kartons beschriften kann. Sonst wühlt man in der neuen Wohnung in der Schachtel mit Bettbezügen weil man die Kopfschmerztabletten sucht.

Da das unberechenbare karmische Wirken auch hier sehr stark spürbar werde kann, verschwinden solche Utensilien (die Markierstifte – nicht die Bettwäsche) meist, sobald alles verpackt ist. Also ist hier Vorsicht geboten.

Kaum etwas stellt verwandschaftliche Beziehungen und Freundschaften so sehr auf die Probe, wie ein Umzug.

Es ist ganz erstaunlich, wie schnell eine Virusinfektion oder eine Magenverstimmung zuschlagen kann. Die Hilfsmannschaften verkleinern sich dynamisch zum vorrückenden Umzugstermin. Erfahrene Haudegen wissen das und verpflichten etwa vier- bis fünfmal so viele Helfer wie nötig. Mit etwas Glück kann man dann mit minimaler Besatzung die Arbeit schaffen.

Onkel Manfred darf nicht schwer tragen, Tante Susanne hat eine Hausstaub Allergie. Helfen wollen sie zwar – aber sie können nicht so wie sie wollen. Die Kumpels sind anderweitig beschäftigt oder sind einer heimtückischen Krankheit wegen ausser Gefecht.

Kennen wir.

Die Sache mit der Dogge die ja eigentlich beim Hundesitter sein sollte, ist eine Geschichte für sich. Das Hundchen hat die Angewohnheit, jeden Menschen nett zu finden und an ihm hochzuspringen. Ober er nun einen teuren Plasmafernseher trägt oder nicht. Also muss der Familienliebling irgendwo untergebracht werden.

Das Tierheim scheidet aus, weil keine Kapazitäten frei sind für diesen Tag. Sascha kann nicht, wegen seiner Katze. Ausserdem soll er ja beim Umzug helfen und seine Frau hat Angst vor Hunden.
Samson (die Dogge) ist auch überaus anhänglich und zerkratzt Türen, weil er zu seinen Leuten will. Sowas kann teuer werden und ist auch sehr nervig.
Also sperren wir das Tier in jeweils dem Zimmer ein, das nicht gerade “bearbeitet” wird. Und ignorieren das Heulen. Unter die Klinke muss jeweils ein Stuhl geklemmt werden, weil die Türschlüssel verschwunden sind.

Die Nachbarn, diese Weicheier, kriegen das nicht hin mit dem Ignorieren. Und so muss man zwischen Einbauküche und Couchgarnitur dem Ordnungsamt und den Vertretern des Tierschutzverreines erklären, was Sache ist.

Damit das Jugendamt der quengelnden Kinder wegen nicht auch erscheint, werden Vorsätze gekippt und solche Sachen zum Essen geholt die man sonst tunlichst vermeidet.

Gnadenlos optimistisch hat man den Umzug dann auf etwa vier Stunden geschätzt. Schliesslich wurden ja schon Tage vorher kleine Kartons mit dem PKW transportiert. Das tägliche Wundern darüber, wieso man eigentlich so viel Zeug gehamster hat, wird zur Gewohnheit.

Da Onkel Manfred nicht viel tragen darf, sollte er den Parkplatz vor der neuen Wohnung freihalten. Das hat zwar schon vor der alten nicht hingehauen, aber man muss es eben darauf ankommen lassen.

Den zuständigen Ordnungsamt Mitarbeitern erklärt man am Bestimmungsort dann eben auch, in welcher Lage man sich befindet. Das Gehupe und Geschimpfe der Verkehrsteilnehmer, die sich plötzlich in einer einspurigen Strasse befinden (wegen dem Möbelwagen) verdrängt man eben.

Es gibt auch Wichtigeres. Wieso müssen die Kinder jetzt alle auf das Klo und wo ist überhaupt Onkel Manfred? Und Samsons Leine? Wer hat die zuletzt gesehen?

Es ist schon dunkel, als man endlich die Matratzen auslegen kann. Zum Bettenaufbau ist man zu müde.

Den Kindern ist schlecht, weil sie zu viel Bestechungs Fastfood gegessen haben. Hektisch wird nach Taschenlampen gesucht, damit der Weg zum Badezimmer gefunden wird. Bevor etwas passiert.

Wieso überhaupt gibt es keinen Strom? Eine karmische Störung vermutlich.

Die Taschenlampe findet sich dann im Karton mit dem Besteck. Dort liegt dann auch die Hundeleine. Samson musste sich peinlicherweise mit einer Wäscheleine in seinen neuen Wirkungsbereich führen lassen.

Die Ehefrau glaubt an das Karma und versucht, ihm zuvorzukommen. Den Autoschlüssel will sie noch suchen. Mit viel Geduld kann sie davon abgebracht werden, indem man ihr die Sinnlosigkeit eines solchen Versuchs vor Augen führt. Eine Ahnung, wo das Teil abgeblieben ist, hat man sowieso nicht.

Die Kinder sind mittlerweile auf ihren Behelfslagern eingeschlafen. Ohne in´s Bad zu müssen.

 

Müde und zerschlagen sinkt man dann auf die Matratze, um endlich die Augen schliessen zu können. Bevor man wegdämmert, registriert man dann noch einen schweren Körper, der sich quer über die schmerzenden Beine legt.
Samson.

 

Freilandverdruss – zurück in den Käfig und mit Blick auf das Beil. An die Demonstranten für Erdogan.

Jetzt wird es für mich etwas schwieriger werden, hier im Land. Man muss das richtig verstehen: Ich bin es gewohnt, dass ich nach spätestens 3 Minuten weiss, ob mein Gegenüber zum Faschismus tendiert. Hinweise dafür sind sofort hörbar, da rechtes Gedankengut keines ist, welches sich mit Schweigen verträgt.

Schwierig wird es aber, wenn ich es mit türkischen Mitbürgern zu tun haben werde. Natürlich kann ich die Frage stellen, wo die betreffende Person gewesen ist am diesem besonderen Sonntag. Als massenhaft Menschen für die Diktatur im allgemeinen und im besonderen auf die Strasse gingen. Für die Todesstrafe. Für das Ende der freien Meinungsäusserung. Für das Ende der Pressefreiheit.

Fragen kann ich ja.

Hallo?

Was uns missfallen hat, mir und meinen Freunden – dich ich hier gerne Gesinnungsfreunde nenne, waren zum Beispiel die Unsäglichkeiten denen türkische Mitbürger ausgesetzt waren. In den Fabriken, auf der Strasse und überall da, wo man sich nicht die Mühe machte, sich den Namen zu merken.

Jeder ein Ali, jede eine Fatima. Und geschlechtsübergreifend jeder ein Kanake.Guckstu.

Das waren unsäglich traurige Zeiten, und sie haben wohl auch nie wirklich aufgehört.

Und jetzt bin ich verwirrt. Verwirrt und traurig und erschrocken und entsetzt und wütend.

Die Wut herrscht mittlerweile vor.

Die Menschlichen im Land haben nie aufgehört, gegen den alltäglichen Faschismus zu kämpfen. Das war nie leicht und heuer wird es wieder sehr schwer und auch gefährlich. Wir brauchen keinen Kampf für ein diktatorisches System in einem anderen Land, der hier ausgetragen werden soll.

Hallo? Wir haben genug mit den eigenen Dummen zu tun. Was wollt ihr? Demokratie hier leben und einen Diktator anfeuern, in einem Land das gefährlich geworden ist für alle Freien  Denker?

Das will ich nicht. Geht vor die Stufen des Thrones der Dummheit und setzt euch der Gefahr aus, dass das schreckliche Auge der Willkür auf euch ruht. Begebt euch aus der Sicherheit heraus und stürzt euch in den Kampf der der Unmenschlichkeit zum Sieg verhelfen soll.

Aber nicht von hier aus.

 

 

 

 

 

Ich bleibe so wie ich bin. Oder wieso man auf die Unterschrift achten sollte.

Natürlich nerven diese fertigen Statements, die man auf irgendeiner Site gefahrlos runterladen und benutzen kann. Das ist so, seit die Leute entdeckt haben, dass es auch im Internet so etwas wie Tütensuppen gibt.

Man guckt, was gerade passt und haut es allen anderen um die Ohren. Oder jedenfalls denen, die vergessen haben “Freunde” anzuklicken und somit den ganzen Stream sehen. Klar soweit.

Ich persönlich lese darüber hinweg, so gut es eben geht. Aber hier und da verfangen sich meine Augen, sozusagen. Und wie ein unguter Ohrwurm geht es mir nicht mehr aus dem Kopf.

Diese trotzigen “ich bin ja soooo toll und muss an nichts arbeiten” Sprüche könnten eigentlich auch von Anders Breivik kommen. Schon mal daran gedacht? Oder von einer üblen Tratsche die in ihrer Freizeit die Leben anderer ruiniert. Einem Vergewaltiger. Einem Tierquäler.

Wann ist es, bei allen Göttern, eigentlich aus der Mode gekommen, etwas verbessern zu wollen? Das hat nichts mit Verbiegen zu tun. Wieso glaubt jeder, er braucht auf keinen Fall irgend etwas zu verändern?

Dir rutscht öfter mal die Hand aus, wenn die Kids nerven? Toll. Bleib wie du bist. Steigert sich ja vielleicht noch und irgendwann klatscht ein Kinderkopf an den Schrank.

Du zerrst den Hund grob hinter dir her, weil er mal wieder zu lange braucht und du eigentlich schon vor dem Fernseher hocken willst, weil die hundertvierundachtzigste Folge von irgendeinem Schmonzes läuft? Ist auch steigerungsfähig. Irgendwann trittst Du dezent zu. Dann wird er schon laufen.

Du machst grundsätzlich andere runter, damit ja keiner auf die Idee kommt, sich dich genau anzusehen? Da stecken noch Möglichkeiten drin. Man kann damit Leute wirklich schädigen.

Mir könnte ja der Gedanke kommen, dass sich diese Poster eigentlich selber ziemlich Scheisse finden und damit wäre die Sache erledigt. Aber so einfach ist das nicht, Leute.

Mir gehen nämlich die Selbstzufriedenen so richtig auf die Nerven – diejenigen die glauben dass nichts und niemand von ihnen so etwas wie Benehmen oder Loyalität verlangen kann. Schliesslich sind sie ja so wie sie sind und damit basta. Und alle anderen haben sich damit abzufinden.

Leute, das hatten wir schon viele Male. In jeder Diktatur hatten wir das, bei jedem Modewahn hatten wir das und es ist nie etwas dabei herausgekommen, auf das man stolz sein könnte.

Seht euch immer die Unterschrift an bei diesen Posts. Es könnte “ganz übler Kunde” drunterstehen.

Und ihr, die ihr das postet, ihr solltet es an Mitleid mit dem hl. Franziskus aufnehmen können und mit der Wahrheitsliebe eines Lügendetektors. Und mit der Sozialkompetenz eines Wolfsrudels.

Und ihr solltet die Streams nicht damit verstopfen.

 

 

 

 

Was ist das Gegenteil?

Also da gibt es diese Bilder. Oder Videos. Was man sieht ist real. Gehört also in die Kategorie “Ist halt so”. Auf das “Ist halt so” sind ja viele Leute stolz. Wenn man auf etwas stolz ist, möchte man daran nichts ändern. Aber gut. Bleiben wir bei den Bildern.

Was sieht man drauf? Tiere die gerade getötet werden oder wurden. Katzen die ein Irrer irgendwo aufgehängt oder verstümmelt hat. Gerne auch neugeborene Kälbchen, die tot oder sterbend auf blutigem Beton liegen. Weil man sie von ihrer Mutter weggerissen – gerne auch getreten – und zum Krepieren hingeschmissen hat. Schweine die – halb gebrüht – vor irrsinnigen Schmerzen brüllen.

Lämmer die auf den ersten Blick aussehen wie menschliche Babies und die auf einem Haufen liegen. Fertig zum Verpacken. Ist ja bald Ostern. Blut. Immer wieder Blut. Ein kurzes Filmchen von einem Tier das gehäutet wurde und noch lebt. Wenn je Agonie sichtbar war, dann hier.

Teilen. Natürlich soll das gesehen werden. Viele wissen das nicht. Sie kriegen die Wurst und den Braten nicht mit den Bildern zusammen. Die Pelzstiefel auch nicht.

Hab den Fuchs im Käfig vergessen, fällt mir grade ein. Lebendig. Ein Vorderbein skelettiert. Der Blick in seine Augen wird nicht wieder verdrängt werden können. Nie mehr.

Kommentare unter den Posts. Und immer wieder: “Damit wird doch nur das Gegenteil erreicht.”

Wie meinen? Was ist hier das Gegenteil? Immer noch mehr Salami auf die Schrippen? Jetzt grade noch eine Pelzjacke für den Winter? Ostern gibt es zwei gebratene Lämmer? Kartoffelsalat mit der doppelten Portion Speck?

Mal weggucken wenn der Nachbar die Katze mit dem Spaten erschlägt? Noch mehr kleine Portionen Milch? Drin baden? Die Kinder fettmästen mit dem Cocktail aus Blut, Eiter und Medikamenten?

 

Ich erreiche also nur das Gegenteil. Erklärt mir um Himmels willen das Gegenteil. Und wenn möglich – erklärt mir, wieso jemand dieser Bilder wegen angegriffen wird.

 

Das Leben IST doch kein Ponyhof, oder?

Ach ja. Ich hab auch noch die Bilder von den Pferden vergessen, die einem Schlitzer zum Opfer gefallen sind. Aber auf die reagiert keiner komisch. Weil ja kaum noch einer so ein  Pferd in die Pfanne haut.

 

Wollt ihr euch vielleicht nicht euer Essen vermiesen lassen? Ach was. Ist halt so. Ihr vertragt doch locker so ein schreiendes Ferkel während ihr ein Wurstbrötchen mampft.

Also regt euch ab. Schaut weg. Das könnt ihr doch so gut.

 

 

 

 

 

 

Die Schuhe und die Moral, oder das Blasen und das Stöckeln

 

Man erfährt im Internet alles was man will, und auch jede Menge wovon man eigentlich nichts wissen wollte. Da sagt eine Bekannte von mir, daß sie es satt hat mit den Schuhen. Und dem Blasen. Intelligent geschaut habe ich dabei nicht, aber ich wartete geduldig auf die Erklärung. Diese Worte konnte ich nämlich nicht so recht miteinander bringen. Blasen und Schuhe geht ja zusammen, denn solche schmerzhaften kleinen Bestrafungen kann man sich in falschem Schuhwerk schon holen.

Aber Das Blasen?

Ich solle, hiess es dann, doch mal die Posts angucken die man so auf den angesagten Plattformen findet. (Platt-formen, sinnig) Ja und da guckte ich dann auch ergeben und begann zu staunen. Intelligenzbefreite Sprüche über Frauen und Schuhe auf jeder Seite. Wer alles glaubt was er liest, erfährt dann, daß Frauen nur Schuhe im Kopf haben. Schuhe – und sonst nix.

Sobald man Frauen ein Paar Schuhe vor die Augen hält, kann man mit ihnen alles machen was man will. Mit den Frauen – nicht mit den Schuhen. Der Spruch der mir dann am übelsten auffiel war eben der mit dem Blasen. Frauen sind – so kann man immer wieder lesen – schnell bereit zu sexuellen Dienstleistungen wenn sie dafür Schuhe bekommen-

“Und diese saudummen Sprüche laufen so gut wie immer unter dem Label von Immer lustig und sowas” wütete meine Bekannte. Und damit hat sie recht. Soll witzig sein. Muss ja witzig sein, wenn die Seite schon so heißt.

Um die Wogen zu glätten (ich Naivling) machte ich die Furie dann drauf aufmerksam, daß auch sehr viele Frauen diesen Blödsinn gut fanden, was man an den Kommentaren sehen konnte.

Hätte ich besser gelassen.

Von dem Schreischwall ist mir nicht alles in Erinnerung geblieben. Aber einiges doch, wie zum Beispiel die Tatsache daß kaum einer eine Frau kennt die sofort in die Knie geht wenn ein Schuhkarton gezückt wird.

Daß es sehr viele Frauen gibt, die eigentlich keinen grossen Wert auf zehn Paar Schuhe oder mehr legen.

Daß es klar Frauen gibt die Schuhe sammeln – aber nicht sofort den Hosenschlitz eines Mannes öffnen um ihrer Sammlung ein weiteres Paar hinzuzufügen.

Daß diese Posts ein sexistischer Angriff auf Frauen sind um sie quasi alle als Nutten abzustempeln

Äh..und daß es ein prima Beispiel für die gute alte “Onkel-Tom-Mentalität” ist, wenn Frauen so etwas noch positiv kommentieren.

Nun ja…wo sie recht hat – hat sie recht.

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