So sehen es Ultras in Fußballstadien. Zum allermindesten sei Pyrotechnik kein Verbrechen, so die Ultraszene. Derweil diskutieren Menschen im Internet die Möglichkeit eines Böllerverbots, ohne Aussicht auf Erfolg, weil es ja eine Feuerwerkslobby gibt. Und geistlose Menschen ohne einen Funken Intellekt im Leib, geschweige denn im Hirn, fühlen sich herausgefordert, extraviele Feuerwerkskörper zu erwerben und nach dem Kauf voller Stolz vor ihrem Haufen verpulverten Geldes zu posieren, Zuspruch der Gleichgesinnten erheischend. Und so kommt es denn zur Silvesterbilanz, wie jedes Jahr präsentiert von Spiegel-Online.
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst waren bundesweit im Großeinsatz.
Vielleicht ist das die falsche Strategie. Zu Corona-Zeiten wurde der Verkauf von Feuerwerkskörpern an Privatpersonen im Hinblick auf nicht vorhandene Kapazitäten der Rettungskräfte und des Krankenhauspersonals schlichtweg untersagt. Vielleicht sollte man derlei Kapazitäten in der Weihnachtszeit, zwischen den Jahren, generell redzieren; diese Menschen verdienen doch auch mal ein paar freie Tage!
In Bielefeld kamen zwei 18-Jährige bei Unfällen mit selbst gebauter Pyrotechnik ums Leben. In der Nähe von Rostock verlor ein 14-Jähriger durch einen explodierten Böller seine linke Hand. In Leipzig wurde ein 16 Jahre altes Mädchen beim Versuch, einen in Deutschland nicht zugelassenen Silvesterböller zu entzünden, schwer an der Hand verletzt.
Immerhin, alte weiße Männer scheinen nicht das Problem zu sein. Freilich ist es das erste Mal, dass ich in einer Silvesterbilanz von einem Mädchen lese, das aktiv an seiner Verstümmelung beteiligt war. Sonst sind Mädchen höchstens in Mitleidenschaft gezogene Beiständer…innen. Schön, dass die Gleichstellung der Geschlechter hier behutsame Fortschritte zu erzielen scheint.
Das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn meldete 25 Patienten »mit zum Teil schweren Handverletzungen mit Teil- oder kompletten Amputationen von Fingern oder Teilen der Hand«. Und: »Besonders schlimm ist aber, dass wieder acht Kinder dabei sind, deren Leben sich durch diese schweren Verletzungen für immer verändert hat.«
Das Klientel, das sich nichts verbieten lassen will, das im Straßenbild ein Problem mit ausländisch aussehenden Menschen hat, denen es mal grundsätzlich unterstellt, es auf seine Töchter abgesehen zu haben, möchte seine Kinder gerne selbst traumatisieren. (Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!)
Die beiden Todesfälle in Bielefeld ereigneten sich nach Polizeiangaben unabhängig voneinander. Zwei 18-Jährige hätten an unterschiedlichen Orten selbst gebaute Pyrotechnik gezündet.
Gibt’s doch gar nicht, Bielefeld nämlich. Wohl gibt’s das! Bielefeld hat sich mit einem, nein mit zwei! Knalls zurückgemeldet auf der Bühne der Existenz.
Ein Vorfall passierte auf einem Spielplatz.
Ts, so Spielplätze sind doch nur für Kinder bis 16 Jahre zugelassen. Wo ist das Ordnungsamt, wenn man es mal braucht!?
Der Tod des 18-Jährigen wurde nach Polizeiangaben noch vor Ort festgestellt. Beim zweiten Vorfall wurde der betroffene 18-Jährige ins Krankenhaus gebracht, dort wurde sein Tod festgestellt.
Schön, dass wir über die Feststellung des Todes informiert werden. Niemand möchte über die Vitalsituation dieser traditionsbewussten jungen Männer im Unklaren gelassen werden.
In Leipzig wurden Einsatzkräfte der Polizei angegriffen. Derartige Vorfälle habe es in der Eisenbahnstraße, im Stadtteil Connewitz sowie am Augustusplatz gegeben, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Demnach wurden Mülltonnen angezündet. Als die Polizei das Connewitzer Kreuz nach den größten Vorfällen räumen wollte, flogen vereinzelt Glasflaschen. Die Polizisten errichteten unter anderem in dem für Ausschreitungen bekannten Stadtteil Connewitz Absperrungen.
Leipzig, Ostdeutschland, Studenten, Ausschreitungen. „Ausländer raus!“ bellt es aus blaubraunen Kehlen.
Nach Ausschreitungen in der Silvesternacht in vergangenen Jahren war die Berliner Polizei mit einem Großaufgebot von 4300 Beamtinnen und Beamten im Einsatz. Deren Ziel sei es, »empathielose Böllerexzesse zu vermeiden«, wie die Polizei über Onlinedienste mitteilte.
Nett gemeint, aber, wie oben schon erwähnt, vielleicht die falsche Strategie. Empathie darf man von Böllerfetischisten sowieso nicht erwarten, denn die würde ein Mindestmaß an Intelligenz voraussetzen. Und Böllerexzesse könnte (könnte) man ja vieleicht durch gezielt eingeschränkte Erhältlichkeit des Böllerzubehörs eindämmen, Stichwort: Böllerverbot. Von „vermeiden“ will ich gar nicht sprechen.
Allerdings sei die Polizei immer wieder mit Böllern und Raketen angegriffen worden.
Von Russland lernen, heißt böllern lernen.
Die Polizei habe zum Teil erfolgreich gegen die Dynamik von kriminellen Tätern, die sich in der Deckung friedlich feiernder Menschen bewegten, gearbeitet. Gerade am Alexanderplatz habe das Konzept einer großen Böllerverbotszone gut gegriffen. »Ich habe den Alex noch nie so friedlich gesehen an Silvester wie in diesem Jahr.«
Aha! „Böllerverbotszone“. Wer hätte gedacht, dass Böllerverbote tatsächlich etwas gegen Böller bewirken?
Bereits am Vortag hatten Beamte bei Wohnungsdurchsuchungen im Bezirk Neukölln Pyrotechnik mit einer »Nettoexplosivmasse von knapp 14 Kilogramm« gefunden, teilte die Polizei weiter mit. Zudem sei eine Summe Bargeld in fünfstelliger Höhe sichergestellt worden, mutmaßlich Handelserlöse.
14 Kilogramm sind natürlich weit von der Kraft einer Atombombe entfernt, also eigentlich harmlos. Und was ist schon ein fünfstelliger Betrag?
Die Berliner Feuerwehr meldete einen teilweise ausgebrannten Bus im Stadtteil Wilmersdorf. Ob das Feuer durch Pyrotechnik ausgelöst wurde, war zunächst nicht klar.
Das ist ja nur eine Frage des Kontexts. Zunder und Feuerstein sind auch „Pyrotechnik“. Für einen Steinzeitmenschen.
Wer das neue Jahr draußen begrüßte, war am besten warm angezogen. In Teilen Deutschlands riet der Deutsche Wetterdienst zur Vorsicht wegen Schnees und Glätte. Im Norden war stürmisches Wetter angekündigt gewesen.
Es geht doch nichts über einen retrospektiven Wetterbericht. Immer gut zu wissen, welche Kleidung man hätte wählen müssen, hätte man die Nacht im Freien verbringen wollen.
Alles in Allem scheint die diesjährige Silvester-Bilanz weniger blutig auszufallen als in den Jahren zuvor, was den in mir schlummernden Bänkelsänger ein klein wenig enttäuscht sein lässt. Lassen wir ihn schlafen, er hat hier eh kein Publikum.
Bereits am 29.12.2025 schrieb Spiegel-Online:
Heute startet der Böllerverkauf, gleichzeitig haben mehr als zwei Millionen Menschen eine Petition für ein bundesweites Verbot zu Silvester unterschrieben. Doch die rechtlichen Hürden sind hoch.
Ich versteh’s nicht. Privates Feuerwerk und der Verkauf von Pyrogedöns sind an 364 Tagen im Jahr verboten (an 365 Tagen in Schaltjahren). Was kann so schwierig daran sein, dieses Verbot um einen Tag zu verlängern? Die Antwort darauf verbirgt SpOn hinter einer Paywall. Nachzulesen aber hier.
Veröffentlicht von Jojo 




















































