Pyrotechnik ist ein Menschenrecht!

2. Januar 2026

So sehen es Ultras in Fußballstadien. Zum allermindesten sei Pyrotechnik kein Verbrechen, so die Ultraszene. Derweil diskutieren Menschen im Internet die Möglichkeit eines Böllerverbots, ohne Aussicht auf Erfolg, weil es ja eine Feuerwerkslobby gibt. Und geistlose Menschen ohne einen Funken Intellekt im Leib, geschweige denn im Hirn, fühlen sich herausgefordert, extraviele Feuerwerkskörper zu erwerben und nach dem Kauf voller Stolz vor ihrem Haufen verpulverten Geldes zu posieren, Zuspruch der Gleichgesinnten erheischend. Und so kommt es denn zur Silvesterbilanz, wie jedes Jahr präsentiert von Spiegel-Online.

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst waren bundesweit im Großeinsatz.

Vielleicht ist das die falsche Strategie. Zu Corona-Zeiten wurde der Verkauf von Feuerwerkskörpern an Privatpersonen im Hinblick auf nicht vorhandene Kapazitäten der Rettungskräfte und des Krankenhauspersonals schlichtweg untersagt. Vielleicht sollte man derlei Kapazitäten in der Weihnachtszeit, zwischen den Jahren, generell redzieren; diese Menschen verdienen doch auch mal ein paar freie Tage!

In Bielefeld kamen zwei 18-Jährige bei Unfällen mit selbst gebauter Pyrotechnik ums Leben. In der Nähe von Rostock verlor ein 14-Jähriger durch einen explodierten Böller seine linke Hand. In Leipzig wurde ein 16 Jahre altes Mädchen beim Versuch, einen in Deutschland nicht zugelassenen Silvesterböller zu entzünden, schwer an der Hand verletzt.

Immerhin, alte weiße Männer scheinen nicht das Problem zu sein. Freilich ist es das erste Mal, dass ich in einer Silvesterbilanz von einem Mädchen lese, das aktiv an seiner Verstümmelung beteiligt war. Sonst sind Mädchen höchstens in Mitleidenschaft gezogene Beiständer…innen. Schön, dass die Gleichstellung der Geschlechter hier behutsame Fortschritte zu erzielen scheint.

Das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn meldete 25 Patienten »mit zum Teil schweren Handverletzungen mit Teil- oder kompletten Amputationen von Fingern oder Teilen der Hand«. Und: »Besonders schlimm ist aber, dass wieder acht Kinder dabei sind, deren Leben sich durch diese schweren Verletzungen für immer verändert hat.«

Das Klientel, das sich nichts verbieten lassen will, das im Straßenbild ein Problem mit ausländisch aussehenden Menschen hat, denen es mal grundsätzlich unterstellt, es auf seine Töchter abgesehen zu haben, möchte seine Kinder gerne selbst traumatisieren. (Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!)

Die beiden Todesfälle in Bielefeld ereigneten sich nach Polizeiangaben unabhängig voneinander. Zwei 18-Jährige hätten an unterschiedlichen Orten selbst gebaute Pyrotechnik gezündet.

Gibt’s doch gar nicht, Bielefeld nämlich. Wohl gibt’s das! Bielefeld hat sich mit einem, nein mit zwei! Knalls zurückgemeldet auf der Bühne der Existenz.

Ein Vorfall passierte auf einem Spielplatz.

Ts, so Spielplätze sind doch nur für Kinder bis 16 Jahre zugelassen. Wo ist das Ordnungsamt, wenn man es mal braucht!?

Der Tod des 18-Jährigen wurde nach Polizeiangaben noch vor Ort festgestellt. Beim zweiten Vorfall wurde der betroffene 18-Jährige ins Krankenhaus gebracht, dort wurde sein Tod festgestellt.

Schön, dass wir über die Feststellung des Todes informiert werden. Niemand möchte über die Vitalsituation dieser traditionsbewussten jungen Männer im Unklaren gelassen werden.

In Leipzig wurden Einsatzkräfte der Polizei angegriffen. Derartige Vorfälle habe es in der Eisenbahnstraße, im Stadtteil Connewitz sowie am Augustusplatz gegeben, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Demnach wurden Mülltonnen angezündet. Als die Polizei das Connewitzer Kreuz nach den größten Vorfällen räumen wollte, flogen vereinzelt Glasflaschen. Die Polizisten errichteten unter anderem in dem für Ausschreitungen bekannten Stadtteil Connewitz Absperrungen.

Leipzig, Ostdeutschland, Studenten, Ausschreitungen. „Ausländer raus!“ bellt es aus blaubraunen Kehlen.

Nach Ausschreitungen in der Silvesternacht in vergangenen Jahren war die Berliner Polizei mit einem Großaufgebot von 4300 Beamtinnen und Beamten im Einsatz. Deren Ziel sei es, »empathielose Böllerexzesse zu vermeiden«, wie die Polizei über Onlinedienste mitteilte.

Nett gemeint, aber, wie oben schon erwähnt, vielleicht die falsche Strategie. Empathie darf man von Böllerfetischisten sowieso nicht erwarten, denn die würde ein Mindestmaß an Intelligenz voraussetzen. Und Böllerexzesse könnte (könnte) man ja vieleicht durch gezielt eingeschränkte Erhältlichkeit des Böllerzubehörs eindämmen, Stichwort: Böllerverbot. Von „vermeiden“ will ich gar nicht sprechen.

Allerdings sei die Polizei immer wieder mit Böllern und Raketen angegriffen worden.

Von Russland lernen, heißt böllern lernen.

Die Polizei habe zum Teil erfolgreich gegen die Dynamik von kriminellen Tätern, die sich in der Deckung friedlich feiernder Menschen bewegten, gearbeitet. Gerade am Alexanderplatz habe das Konzept einer großen Böllerverbotszone gut gegriffen. »Ich habe den Alex noch nie so friedlich gesehen an Silvester wie in diesem Jahr.«

Aha! „Böllerverbotszone“. Wer hätte gedacht, dass Böllerverbote tatsächlich etwas gegen Böller bewirken?

Bereits am Vortag hatten Beamte bei Wohnungsdurchsuchungen im Bezirk Neukölln Pyrotechnik mit einer »Nettoexplosivmasse von knapp 14 Kilogramm« gefunden, teilte die Polizei weiter mit. Zudem sei eine Summe Bargeld in fünfstelliger Höhe sichergestellt worden, mutmaßlich Handelserlöse.

14 Kilogramm sind natürlich weit von der Kraft einer Atombombe entfernt, also eigentlich harmlos. Und was ist schon ein fünfstelliger Betrag?

Die Berliner Feuerwehr meldete einen teilweise ausgebrannten Bus im Stadtteil Wilmersdorf. Ob das Feuer durch Pyrotechnik ausgelöst wurde, war zunächst nicht klar.

Das ist ja nur eine Frage des Kontexts. Zunder und Feuerstein sind auch „Pyrotechnik“. Für einen Steinzeitmenschen.

Wer das neue Jahr draußen begrüßte, war am besten warm angezogen. In Teilen Deutschlands riet der Deutsche Wetterdienst zur Vorsicht wegen Schnees und Glätte. Im Norden war stürmisches Wetter angekündigt gewesen.

Es geht doch nichts über einen retrospektiven Wetterbericht. Immer gut zu wissen, welche Kleidung man hätte wählen müssen, hätte man die Nacht im Freien verbringen wollen.

Alles in Allem scheint die diesjährige Silvester-Bilanz weniger blutig auszufallen als in den Jahren zuvor, was den in mir schlummernden Bänkelsänger ein klein wenig enttäuscht sein lässt. Lassen wir ihn schlafen, er hat hier eh kein Publikum.

Bereits am 29.12.2025 schrieb Spiegel-Online:

Heute startet der Böllerverkauf, gleichzeitig haben mehr als zwei Millionen Menschen eine Petition für ein bundesweites Verbot zu Silvester unterschrieben. Doch die rechtlichen Hürden sind hoch.

Ich versteh’s nicht. Privates Feuerwerk und der Verkauf von Pyrogedöns sind an 364 Tagen im Jahr verboten (an 365 Tagen in Schaltjahren). Was kann so schwierig daran sein, dieses Verbot um einen Tag zu verlängern? Die Antwort darauf verbirgt SpOn hinter einer Paywall. Nachzulesen aber hier.


CD-Regal revisited: 1995 (Teil 1).

29. Dezember 2025

Das Jahr befindet sich nun in der Phase seines Daseins, in der es kaum noch als Jahr erkennbar ist, sondern bloß noch aus den wenigen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr besteht, eine Zeit, die der Volksmund so treffend „zwischen den Jahren“ nennt. Allenthalben hagelt es Jahresrückblicke, eine Wetterlage, vor der man sich qua Nichtbeachtung des Fernsehprogramms wirksam schützen kann. Aber einen Jahresrückblick gönnen wir uns dennoch, und zwar den aufs Jahr 1995 (MMDCCLXXVIII a.u.c). Damals kaufte man CDs, wenn man Musik hören wollte, zum Beispiel die obig gezeigten. Um sie in der korrekten Reihenfolge der Veröffentlichung zu besprechen, mangelt es mir just an Recherchelust, also gehen wir einfach wieder alphabetisch vor.

Anathema – The Silent Enigma.

Über Anathema referierte ich ja unlängst, im März 2017, also wirklich *fingerschnipp* gerade eben erst. Muss ich also jetzt nicht alles wiederholen, was meine werten Leser* ja noch frisch in Erinnerung haben. Dieses Doom- und/oder Death-Metal-Album ist melodiös-wuchtig, düster-getragen und der Beginn der mir liebsten Periode im Schaffen Anathemas. Zur Abwechslung sei als Hörempfehlung mal „Sunset of Age“ verlinkt.

*innen


Banco de Gaia – Last Train to Lhasa.

Diese CD kaufte zwar nicht im Jahre 1995, sondern erst ungefähr 20 Jahre später. Aber ich entsinne mich noch gut, wie ich eines nachts in den Ferien in meinem Zimmer hockte und zeichnete, derweil im Radio Eins Live („L1ve“) lief, Musik, kuratiert von Klaus Fiehe, sei es vor oder nach „Domian“. „Last Train to Lhasa“ von Banco de Gaia kündigte er an, und ich drückte auf die Aufnahmetaste des Kassettenrekorders an meinem Radio. Nicht, dass ich gewusst hätte, was mich erwartet, es war eher ein Reflex. Dabei entsprach das, was dann meine Trommelfelle kitzelte, schon damals nicht meiner zentralen Hörgewohnheit, die schon immer von gitarrenlastiger Rockmusik abhing. Hier hingegen näherte sich mit dem gleichmäßigem Stampfen einer Dampflokomotive elektronische Musik meinem Ohr, von Discogs als „Tribal, IDM, Ambient“ kategorisiert. Aber kann man ja auch mal machen. Die CD erwarb ich dann als limitierte 4-CD-Jubiläumsediton, weil sie als solche verfügbar war, nicht, weil ich darauf besonderen Wert gelegt hätte. Mein Exemplar ist 2490/3000. Und verlinkt sei der Last Train to Lhasa:



Black Sabbath – Forbidden.

Mit „Forbidden“ legten Black Sabbath 1995 in ihrer unklassischen Ära das letzte Album vor, ehe es zur Wiederverenigung der Gründungsmitglieder kam. Einige der unklassischen Black-Sabbath-Alben mit Tony Martin am Mikrophon sind durchaus hörenswert, dieses nicht so sehr. Tony Iommi, der Riffmeister und das unumstrittene Mastermind der Truppe, wusste da schon, dass die Reunion bevorstand, musste aber noch seinen Plattenvertrag mit IRS Records erfüllen. Also wurde ohne unnötiges Vergießen von Herzblut dieses Album aufgenommen. Als ich vor einigen Jahren in meiner Black-Sabbath-Phase steckte und alles kaufte, was es zu kaufen gab, gab es dieses Album gar nicht zu kaufen, nicht beim örtlichen Saturn und nicht bei Amazon; erst bei Ebay wurde ich fündig. Und als ich es dann hörte, wusste ich auch warum: Das Herzblut war überhaupt nicht unnötig! Sein Fehlen ist überdeutlich zu bemerken. Das Album ist nicht einmal schlecht, es ist nur belanglos. Ohne es jetzt noch einmal gehört zu haben (denn das tat ich zu Beginn des Jahres schon, und das muss genügen), kann ich mit Blick auf die Titelliste keinen Song zwecks Verlinkung herauspicken, weil nichts in meinem Gedächtnis haften geblieben ist. Also verlinke ich mal willkürlich „Get A Grip“:



Blur – The Great Escape.

Die 90er Jahre gehörten dem Britpop. Oasis reüssierte ubiquitär, aber ich bevorzugte Blur. Der Titel des 1995er Albums „The Great Escape“ mag vom 1963er Kriegsdrama „Gesprengte Ketten“ inspiriert sein. Außerdem machten die 90er Jahre unmissverständlich klar: Das Zeitalter der Langspielplatte ist vorbei, die CD wird für alle Ewigkeiten das dominierende Format zur Veröffentlichung von Musik sein. Nun, 30 Jahre später, findet man in freier Wildbahn kaum noch CDs, eine Stichprobe im schon erwähnten Saturn ergab verdrießliche Kümmerlichkeit in der CD-Abteilung. Weil der Pöbel Musik halt nur noch in 20-Sekunden-Schnippseln bei Spotify oder sonstwo streamt. Auf einer CD hingegen fanden mit etwas gutem Willen über 70 Minuten an Musik Platz. Und leider bemühten sich viele Bands, diesen Raum denn auch möglichst zu nutzen. Auf zwei LP-Seiten bekam man ungefähr acht bis zehn Songs mit insgesamt um die 40 Minuten Spielzeit, da blieb kein Platz für vernachlässigbare Füllsel. „The Great Escape“ bietet 15 Songs mit 57 Minuten Spielzeit, das wäre früher™ schon ein Doppelalbum gewesen. Wie auch immer, mein Favorit war damals und ist heute „The Universal“:



And now for something completely different:

The Cardigans – Life

Alle bisher vorgestellten ..äh.. „Music Acts“ stammen aus Großbritannien. Nicht so die Cardigans, welche schwedischer Provenienz sind. Auch die Musik klingt anders. Unbedarfterweise würde man wohl von „Easy Listening“ sprechen, bestenfalls von „Indie Pop“, möglicherweise würde man auch einen ABBA-Einfluss zu erkennen glauben, für Schweden vielleicht nicht untypisch. Eine kurze Recherche ergab, dass die Gründungsmitglieder Peter Svensson und Magnus Sveningsson (Ja, unverkennbar Schweden) eigentlich Heavy-Metal-Musiker waren, auch dies für Schweden nicht untypisch. So kommt es wohl nicht von ungefähr, dass das Album mit „Sabbath Bloody Sabbath“ schließt, was meine erste Begegnung mit diesem Black-Sabbath-Klassiker gewesen sein muss, ohne dass ich dieser Version ihre Heavy-Rock-Wurzeln angemerkt hätte, so sehr wurde der Song dem verträumten Cardigan-Stil angepasst. Als Anspieltip würde sich „Carnival“ anbieten, aber ich entscheide mich für „Sick And Tired“:



Zurück nach Großbritannien, jedenfalls ein bisschen.

Garbage.

Letztes Jahr um diese Zeit hatten wir’s von Angelfish, der britischen Band, in der Shirley Manson sang, ehe sie von Butch Vig für Garbage (USA) verpflichtet wurde. Und hier haben wir sie auch schon wieder! Entgegen dem Namen von Band und Album handelt es sich hierbei ganz und gar nicht um Müll. Wusste ich bei „Forbidden“ nicht, was ich verlinken sollte, weil kein Song herausstach, kann ich mich hier kaum für einen Anspieltip entscheiden, weil jeder Song ein potenzieller Hit ist. Vielleicht bin ich aber auch befangen, denn diese CD lief damals bei mir in Dauerrotation, und auch mit einigem Abstand ist mir jeder Titel noch so vertraut, als stünde auf dem Kalender noch 1995. Die 51 Album-Minuten verteilen sich auf 12 Songs, und keiner davon ist überflüssig. Konsequenterweise vergab ich bei Discogs fünf von fünf Sternen. Und Youtube offeriert sogar eine Möglichkeit, hier das komplette Album einzuschmuggeln:


Ich hab’s zweimal gekauft, damals als CD, kürzlich als LP, und selbstverständlich empfehle ich hier auch den Erwerb physischer Tonträger.

The Gathering – Mandylion.

Mein Exemplar ist die Deluxe-Edition von 2005, seinerzeit – auch schon wieder 20 Jahre her – zum zehnjährigen Jubiläum des Albums verausgabt. Im Jahre 1995 hatte die noch fast blutjunge Anneke van Giersbergen bei The Gathering angeheuert und prompt den Stil geprägt. Das Album firmiert unter Gothic- oder Doom-Metal, ohne dass mir Genre-Zuschreibungen übertrieben wichtig wären, aber so steht’s halt da (bei Discogs). Jedenfalls ist es atmosphärisch, in der Instrumentierung düster, im Gesang elegisch. Anspieltip: „In Motion #2“


Da es auf jetzt auf die Minute genau tief in der Nacht ist, beschließen wir hiermit (einstimmig) diesen ersten Teil des Jahresrückblicks.


Lego-Ritter.

27. November 2025

Nur mal kurz zwischendurch.

Die letzte neue Ritter-Serie, die Lego der Welt schenkte, war – kurzer, sehr kurzer Trommelwirbel – „Nexo Knights“. Jaja, Lego reiht diesen Klumpatsch in seine Ritter-Historie ein. 2016/17/18 war das, und seither gab es kein neues Ritter-Thema. Oder jedenfalls gab es keine originäre Burg-Serie, denn einzelne Figuren und Anklänge wurden in anderen Themengebieten versteckt, insbesondere zwischen den „Collectible Minifigures“, bisweilen im Creator-Bereich, und natürlich gehören märchenhafte Disney-Sets auch irgendwie in diesen Kosmos. Und dann war Lego ja anlässlich des eigenen 90sten Geburtstags ganz tief im Retro-Game. Drinne. Zunächst gab es neue Adler-Ritter, dann auch neue Löwenritter und in ihrem Gefolge auch Forestmen und -women. Im Folgenden konnten noch die Wolfsbande, der Drachenorden und sogar Basil the Batlord ihre Wiederauferstehung feiern.

Jaja, ob man die Fledermausritter zum klassischen Lego-Burgenland zählen will, mag eine Geschmacksfrage sein. Fakt ist, dass in den 1990er Jahren jede neue Ritter-Serie stets noch vereinzelte Rückbezüge zur jeweiligen Vorgängerserie aufwies, in der Regel durch Minifiguren im Kerker. Insofern bestand eine Kontinuität, die erst im Jahre 2000 durch die gänzlich eigenständige Knights-Kingdom-Serie beendet wurde.

Die Figur der Drachenmeisterin wurde durch das exklusive Beigabeset 40601, „Majistos Magical Workshop“, eingeschmuggelt. Hier konnte Lego sich nicht dazu durchringen, neben dem Torso auch einen neuen Schild zu bedrucken, und den originalen Drachenhelm hatten sie auch nicht mehr im Vorrat.

Und da hatten wir doch glatt die retroste aller Retrofiguren vergessen, nämlich die Erbin der Gelben Burg. Hier reitet sie trotzig auf ihrem Steckenpferd ins Bild. Freilich vermochte es die Besatzung der Burg 375 nicht, sich dauerhaft in Legos Retrorittersegment zu etablieren. Die Adler- und Löwenritter hingegen schon. Zwar lanzierte Lego wie erwähnt seit 2018 keine vollumfängliche Burg-Serie mehr, aber an prägnanten Einzelveröffentlichungen zum Thema mangelte es nicht. Vielfach wurden diese allerdings im Bricklink-Segment versteckt und somit einer breiten Öffentlichkeit vorenthalten. Nur die Adlerritter konnten, da sie ja nun schon einmal dawaren, auch als Besatzung der Creator-Burg 31120 reüssieren.

Doch dann kam das Jahr 2025. Und immer noch gibt es keine neue eigenständige Ritterserie im Lego-Prgramm, worüber wir angesichts des Nexo-Knights-Desasters durchaus froh sind. Jedoch scheint sich Lego ein bisschen aus seiner Retrophase verabschieden zu wollen. Weiterhin tauchen Adler- und Löwenritter nebst Waldleuten und Wolfsbanditen in Bricklink-Sets auf, aber sie dominieren nun nicht mehr alle burgenländischen Veröffentlichungen. Vielmehr tauchten in vereinzelten Sets, namentlich der neuen Creator-Burg 31168 und dem Ideas-Set 21358, neugestaltete Ritter auf, die keine Anspielungen auf die glorreiche Lego-Ritter-Historie darstellen.

Durch das Zelda-Set 77092 kam eine neue Schildform in die Welt, die genutzt werden wollte, und das wird sie seither. Einigermaßen fleißig, und nicht auf die Minifigwelt beschränkt, denn in die komische Lücke da links im Bild sprintet noch rasch (hoppelnd, weil die Beine nicht einzeln beweglich sind) eine Friends-Figur:

Natürlich wurde auch im Friends-Universum keine ganze Ritter-Serie etabliert, wiewohl das weniger abwegig wäre, als es klingt, erinnern wir uns nur an die Elves-Serie. Aber im Comic- und Gamerladen 42674 lungert auch eine Cosplayerin im Elbenkostüm herum, und die integrieren wir natürlich pflichtschuldigst. Immerhin wurde für die Friends-Figuren sogar eine Schulterrüstung geschaffen, das Mädel ist also voll ausgerüstet.

So. Lego hat es also geschafft, mehrere (potenzielle) Ritter-Fraktionen ins Programm zu nehmen, ohne überhaupt eine reguläre Ritter-Serie im Katalog zu haben. Respekt.

 


910049 Abenteuer in Transsylvanien.

31. Oktober 2025

Das Bricklink Designer Programm ging im Juni 2025 in die 5te Runde, und zur Wahl stand unter anderem das Set „Adventure in Transylvania“, entworfen von SleeplessNight, der nachts nicht schlafen kann, weil er andauernd Sets für Bricklink entwerfen muss, mindestens schon drei an der Zahl. Letzte Woche wurde es ausgeliefert, und pünktlich zum Reformationstag steht es hier aufgebaut und farbphotographiert, um eingehender betrachtet zu werden.

Sonnenklar und herbsttrüb, wir haben vor uns ein Karpatenschlösschen, schon einige Jahre alt, wenn nicht 500, so doch immerhin fast 200, erbaut im neogothischen Stil. Das Banner am Torturm verrät schon einiges. Lego widerstand dem Drang, mit diesem Set die Fledermausritter („Die Bande der Bitterbösen Buben“, „Graf Fledermaus“, „Fright Knights“) von 1997 wiedererstehen zu lassen, sondern beschränkte sich auf die Silhouette ihrer eigenen Fledermausfigur als Wappen.

Das Gebäude bietet von allen Seiten einen schönen und stimmungsvollen Anblick. Das Designkonzept ist ausgezeichnet.


Das Holzkreuz unter der großen gothischen Fensterfront ist nicht einfach ein Grabkreuz, wie es mehrere im verwilderten Park des Schlosses gibt. Dazu später mehr.

Wer war J.H., 1870-1898? Jonathan Harker, vermutlich.

Im selben Jahr segnete auch W.M., geboren 1873, das Zeitliche. Wilhelmina Murray wurde in einer Urne bestattet.

Die Identität von A.v.H. (1836-1898) dürfen wir als Professor Abraham van Helsing entschlüsseln.

Zwei trickreich gebaute Erker tragen zum stilvollen gothisch-gruseligen Eindruck bei.


Das blaugeschindelte Dach wird von einem zinnenbewehrten Laufgang umgeben. Leider regnet es oben rein, weil keine Luke vorgesehen ist – ein kleiner Makel an einem Set, das ansonsten gut durchdacht ist und mit vielen schönen Ideen glänzt.

Über dem gebauten Hauptportal wacht die Fledermaus als Wappentier.

Dieses Fenster hängt zwar nicht schief in den Angeln, sondern nur schief im Bild, mea culpa, aber Angeln hat es durchaus. Es ist aus gutem Grund direkt über einem Scharnier angeordnet.


Denn das gesamte Bauwerk lässt sich natürlich aufklappen, und das besagte Fenster ändert dann sinnvoll seine Position.


Wie erwartet, gibt es auch im Innern einiges zu entdecken.

In der Eingangshalle erwartet uns eine Ritterrüstung mit Hellebarde und Schild. Da musste ich den mitgelieferten Aufkleber einfach anbringen, und weil der Sticker-Bogen damit sowieso angebrochen war, habe ich ausnahmsweise auch sämtliche andere Sticker verklebt.

Obacht! Über ein weiteres außen angebrachtes Drehkreuz lässt sich eine Falltür in Betrieb nehmen, durch die der unglückliche Bewunderer der Ritterrüstung direkt ins Verlies verbracht wird. Zu diesem hätte man dann gerne den Schlüssel.

Von der Empfangshalle aus geht es in den großen Ballsaal, für den nicht eigens der Ostflügel des denkmalgeschützten Gemäuers abgerissen werden muss. Hier befindet sich eine Orgel, damit die Tanzmusik auch angemessen schaurig klingt.


Abermals Obacht! Der Kronleuchter lässt sich vermittelst der Kurbel am Giebel nach oben ziehen. Nachdem der Leuchter zuvor krachend herabgerauscht war, um eine weitere unglückliche Seele vom Leben zum Tode zu befördern. Hier geht doch was nicht mit rechten Dingen zu!

Vom Ballsaal aus führt eine Treppe nach unten. Aus dramaturgischen Gründen widmen wir uns zunächst dem Bereich unter der Eingangshalle. Hier findet sich neben dem Verlies auch ein Scriptorium nebst Hausbibliothek. Darunter wohnen noch ein malerisch drapiertes Skelett und eine Leseratte.

Die Schriftrolle auf dem Katheder ist eine Reminiszenz an Cerlins („Majistos“) Zauberspruch von 1993. Es deutet sich Magie an!

Das schwarze Buch im unteren Regal leitet über zum eigentlichen Herzstück des Schosses. Wer hätte es gedacht – es gibt eine Gruft!

„Magia Posthuma“ heißt das Buch, gegeben zu Olmütz, 1706.


Es wird darin beschrieben der Glaube an Vampirismus, Wiedergängertum, Nosferatu, Untote, wie er schließlich seinen literarischen Höhepunt in Bram Stokers „Dracula“ fand, herausgegeben 1897 (drum). Und hier kommt schließlich das obgenannte Holzkreuz ins Spiel. Denn dreht man es, so wird ein meisterhaft angeordnetes Räderwerk in Gang gesetzt, das unphotographierbar (nun, ich hätte es während des Zusammenbauens tun müssen) unter dem Boden der Gruft angebracht ist.
Zunächst öffnet sich der Deckel der Gruft, dann erhebt sich Graf Dracula höchstselbst aus seiner Ruhestätte.



Da es sich um ein Bricklink-Set handelt, werden dafür nicht eigens neue Figuren bedruckt, sondern das Dramatis Personae muss sich aus dem rekrutieren, was das aktuelle Programm hergibt. Eine passende Vampirfigur ist zur Zeit nicht dabei. Darum ist der hier der Gruft entsteigende Graf Dracula etwas unterwältigend, aber das im Hintergrund hängende Portrait des ..naja.. „Verstorbenen“ zeigt den wahren Dracula. Und zwar denjenigen, der das Vampirschloss 9468 aus der 2012er Monster-Fighters-Serie bewohnte. Auch der Vampir aus der 2ten Sammelfigurenserie von 2010 mag als Ersatz taugen.
An der Seitenwand der Gruft erblicken wir das Antlitz Elisabethas, welche draußen in der Urne bestattet sein mag, nebst einem Tropfen ihres Blutes.

À propos Dramatis Personae; um dieses haben wir uns noch gar nicht angemessen gekümmert. Denn es sind neben der Ritterfigur, dem Skelett und dem Vampir noch 12 weitere Figuren enthalten. Und siehe da! Elisabetha begegnet uns hier als Spukgestalt. Und sie hat den Schlüssel zum Verlies dabei.
Den Koch haben wir oben schon gesehen. Er muss zur Gruppe der Abenteurer gehören, denn eine Küche ist in diesem Schloss nicht vorhanden. Darüber hinaus besteht die Reisegesellschaft aus dem zylindertragenden Finanzier des Ganzen, dem wissenschaftlichen Leiter der Expedition mit Tropenhelm nebst seiner bebrillten Assistentin, einem Indiana-Jones-Hut-tragenden Draufgänger, zwei weiteren Damen mit zwei sie begleitenden Kindern, sowie dem Kutscher und dem Pianisten, ohne den man ja nicht das Haus verlässt. Einige der Figuren können verschiedene Grade der Bangbüchsigkeit durch ihr Mienenspiel ausdrücken.



Während es dem Professor und seinem wissenschaftlichen Team vornehmlich um die Erforschung des Vampirismus geht…

… ist anderen Teilnehmern der Expedition eher an den Schätzen gelegen, die das Schloss beherbergen mag. Eine Schatzkammer, bewacht von einer garstigen Spinne und einem Gargoyle, befindet sich im Torturm.


Andere erkunden das Gemäuer auf eigene Faust oder tollen einfach so herum. Kinder…





Wieder andere, zum Teil aber auch dieselben, genießen die Annehmlichkeiten des Ballsaals. Wozu führt man denn einen Pianisten im Tross mit? Orgeln kann der auch.


Und mit diesen herbstlichen Impressionen überlasse ich euch euren Alpträumen.


Die Weltlage mal wieder.

28. September 2025

„Immer optimistisch bleiben!“ – Ja wie jetzt, bleiben? Erstmal werden.


CD-Regal revisited: The Beatles.

18. August 2025

Und der Titel ist unmittelbar gelogen. Zwar stehen diese beiden Doppel-CDs seit fast 30 Jahren in meinem CD-Regal, und für 20 Jahre waren sie das einzige, was ich überhaupt von den Beatles hatte. Aber vor einigen Monaten schaffte ich die entsprechenden Schallplatten an (s.u.), und die hörte ich nun erstmals. Irgendwie konnte ich mich lange nicht dazu entschließen, dies zu tun, weil ebenso irgendwie die Beatles gar nicht so wirklich meine Lieblingsband sind. Im Zuge meiner Selbstfindung als Schallplattensammler hat natürlich auch die ein oder andere Beatles-Platte ihren Weg zu mir gefunden, weil: Die gehören ja doch in jede Sammlung. Keine dieser Platten löste in mir die Ekstase aus, die dieser Band zu Weltruhm verholfen hatte; stets war ich ein klein bisschen enttäuscht. Das kann natürlich daran liegen, dass die 60er Jahre vorbei sind und ich kein kreischendes Teenie-Girl bin. Vielleicht empfinde ich einige Songs jenseits der offensichtlichen Hits aber auch als Füller auf den Alben.

Jedenfalls. Die offensichtlichen Hits sind es natürlich, die das rote und blaue Kompilationsalbum füllen. Und was soll ich sagen? Die sind schon alle geil. Vor allem folgt auf diesen beiden Best-of-Alben natürlich Hit auf Hit, ohne die üblichen Füller, die ansonsten die Einzelalben verwässern. Es wird durchaus deutlich, dass die weltberühmten Vier aus Liverpool in ihren Anfangstagen hauptsächlich für die ..äh.. „zentrale Tanzschaffe“ zuständig waren, mit flotten Liebesliedern eben für kreischende Teenies. Seite 1 der ersten Scheibe des roten Albums (1962-1966) enthält demzufolge: „Love Me Do“, „Please Please Me“, „From Me To You“, „She Loves You“ (vom Vorbesitzer meines Exemplars mit einem bleistiftenen X markiert), „I Want To Hold Your Hand“, „All My Loving“ und „Can’t Buy My Love“. Doch im Folgenden werden die Themen vielfältiger und die Musik auch ausgefeilter. Da man den Beatles ja die Erfindung jeglicher populärmusikalischer Genres zuschreibt, könnte man auch sagen: Progressiver. Mit „Helter Skelter“ sollen sie ja sogar Heavy Metal erfunden haben, ein Song, der auf diesen Kompilationen freilich nicht enthalten ist; Blasen an den Fingern waren wohl nicht schicklich.

Das rote Album ist toll, das blaue sogar noch toller. Es beginnt mit „Strawberry Fields Forever“, gefolgt von „Penny Lane“, was soll da noch schiefgehen? Nichts, nämlich. Spätestens bei „Hey Jude“ muss man dann mehr oder weniger zähneknirschend zugeben: Okay, diese Beatles, die waren halt die Besten. Betrachtete man nur das rote Album, könnte man zu dem Schluss kommen, dass diese Beatles bloß aus John Lennon und Paul McCartney bestünden, da einzig Songs aus ihrer Feder enthalten sind. Erst auf dem blauen Album (1967-1970) sind dann auch vier Songs von George Harrison vertreten, mit „While My Guitar Gently Weeps“ und „Here Comes The Sun“ zwei absolute Favoriten. Und ein gewisser Richard Starkey durfte „Octopus’s Garden“ beisteuern, wer mag das sein? Jaja, Ringo Starr ist das. Was im Kompendium dieser beiden Platten fehlt, ist wahrscheinlich so einiges, ich vermisse aber schmerzlich das bereits erwähnte „Helter Skelter“ und „I Want You (She’s So Heavy)“.

Und noch etwas ist mir beim Durchhören der Platte aufgefallen, und da musste ich dann tatsächlich die CD aus dem Regal nehmen, was den Titel rechtfertigt. Das CD-Booklet enthält nämlich die Texte. Ob zum Beispiel die Innenhüllen der Schallplatten Texte enthalten haben, weiß ich nicht; in meinen Exemplaren jedenfalls nicht. Also, was war mir aufgefallen?

Nun, die Beatles, offenbar die beste Band der Welt, haben über mich geschrieben. Nicht bloß metaphorisch mit einem Text, der zufällig auch meine Gefühlslage und Befindlichkeit anspricht, neinnein, explizit über mich. Ich möchte zitieren aus dem Song „Get Back“, also lautend:

Jo Jo was a man who thought he was a loner
But he knew it couldn’t last
Jo Jo left his Home in Tucson, Arizona,
For some California grass

Get back, get back, get back to where you once belonged.
Get back, get back, get back to where you once belonged.
(Get back, Jo Jo, go home)

Zugegeben, die Schreibweise „Jo Jo“ ist abenteuerlich, aber trotzdem, ich bitte euch! Der denkt, er sei ein Einzelgänger. Nach Tucson, Arizona, werde ich freilich mein Lebtag nicht kommen.

Also, die Beatles. Die beiden Kompilationsalben sind nach wie vor das einzige, was ich von ihnen auf CD habe. Aber dafür habe ich ja jetzt fast alle Studioalben auf Vinyl. Nix Besonderes, keine Erstpressungen oder sonstigen Raritäten, bloß irgendwelche Nachpressungen aus den 70ern. Und „Yellow Submarine“ habe ich nur als Boxset. Von Lego.
Die Beatles waren also die Ersten, Besten und Erfolgreichsten, mit der größten Nachwirkung auf alle Epigonen, mit den ikonischsten Cover-Bildern, wenn man „Dark Side of the Moon“ mal ausklammert. Und gleichzeitig können sie auch um den Titel des schlechtesten Album-Covers konkurrieren, wenn sie „Magical Mystery Tour“ ins Rennen schicken. Sie haben’s einfach in jeder Kategorie drauf! Außerdem finanzierte George Harrison Monty Python’s „Leben des Brian“.

Trotz alledem drängt es mich immer noch nicht, noch mal ein ganzes Beatles-Album durchzuhören. Das rote und blaue Album hingegen sollte ich öfter auflegen.


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